Wie laut war eigentlich der Urknall ?

  • Wie sich die Menschen unser Universum vorstellen
  • Text & Illustrationen von Guillaume Duprat
  • Wissenschaftliche Beratung: Jean-Philippe Uzan
  • Originaltitel: »Univers. Des mondes grecs aux multivers«
  • Aus dem Französischen  von Susanne Schmidt-Wussow
  • KNESEBECK Verlag 2018 www.knesebeck-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 26 x 27 cm
  • 48 Seiten mit zahlreichen Illustrationen
  • 20,00 €
  • ISBN 978-3-95728-208-8
  • Sachbilderbuch ab 8 Jahren (laut Verlag)

KOSMISCHE  PERSPEKTIVEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nachdem Guillaume Duprat in seinem vorherigen Buch das Erdenrund betrachtet hat, siehe meine Besprechung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/04/21/seit-wann-ist-die-erde-rund/ widmet er sich in seinem neuen Buch dem Weltall. Mit diesem Werk gelingt es ihm, uns einen Zipfel der Unendlichkeit des Universums in die Hand zu geben.

Die Faszination für den gestirnten Himmel und die Frage, wie das Universum entstanden sei, hat die Menschheit immer schon beschäftigt. Das Sachbilderbuch „Wie laut war eigentlich der Urknall?“ beschreibt und illustriert verschiedene Vorstellungen vergangener Zeiten sowie moderne wissenschaftliche Erkenntnisse und spekulative Vermutungen aus der aktuellen Astrophysik, Kosmologie und Quantenphysik.

Im antiken Griechenland (Aristoteles, Ptolemäus) etwa stellte man sich den Kosmos ebenso kugelförmig vor wie die Erde. Die Erde bildet den unbeweglichen Mittelpunkt und wird umkreist von Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter und Saturn, und die Fixsterne sind an der geschlossenen Kugel des Kosmos (der sogenannten Fixstern- sphäre) befestigt.

Arabische und europäische, mittelalterliche Gelehrte kultivierten diese geozentrische Vorstellung des Universums weiter, bis der Astronom Nikolaus Kopernikus mit seiner heliozentrischen Vorstellung des Kosmos, die Sonne in den Mittelpunkt stellte und die Erde damit „nur“ zu einen Planeten unter anderen Planeten wurde. Die Fixsternsphäre blieb dabei jedoch erhalten.

1576 löste sich der britische Astronom Thomas Digges von der Vorstellung einer ge-schlossenen Fixsternsphäre und ersetzte sie durch einen grenzenlosen Raum. Der Philosoph Giordano Bruno wurde für die revolutionäre Idee eines unendlichen Weltalls 1600 auf dem Scheiterhaufen verbrannt, und Galileo Galilei wurde für die Auffassung, daß die Erde um sich selbst kreise und daß das Universum – im Gegensatz zur Kirchen-lehre – unendlich sei, 1633 zu lebenslangem Hausarrest verurteilt, und er mußte seinem „Irrglauben“ abschwören.

Es gab immer schon Menschen, die ihrer Zeit weit, weit, weit voraus waren. So gab es im antiken Griechenland eine „Schule der Atomisten“, die der Auffassung war, daß unsere Erde nur eine von unendlich vielen Welten sei, und Nikolaus von Kues (14. Jahrhundert) stellte sich ein Universum ohne Mittelpunkt mit einer beweglichen Erde vor.

1671 revolutioniert Isaak Newton mit seinem Gravitationsgesetz nachhaltig unsere Betrachtungsweise des Universums.

Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt Albert Einstein die Relativitätstheorie, in der er einen Zusammenhang zwischen Raum und Zeit herstellt und die Vorstellung einer elastischen Raumzeit in die berühmte Formel E = mc² faßt. Das Universum selbst betrachtet Einstein jedoch noch als statisch.

Der Russe Alexander Friedmann und der Belgier Georges Lemaître schlußfolgern aus Einsteins Relativitätstheorie, daß das Universum dynamisch sei. 1927 kann der amerikanische Astronom Edwin Hubble mit Hilfe des leistungsstärksten Teleskops seiner Zeit die Expansion des Universums beobachten und die Existenz anderer Galaxien beweisen. Die Urknalltheorie ist nicht mehr aufzuhalten und wird 1964 durch die Messung der kosmischen Hintergrundstrahlung bewiesen.

Die moderne Physik vergleicht die Gesetzmäßigkeiten von Makro- und Mikrokosmos und findet  im Inneren der Materie auffällige Teilchen, die zur Theorie der Quanten- mechanik führen. Von hier aus betreten wir Leser das Reich der wissenschaftlichen Spekulation und betrachten Schwarze Löcher, Wurmlöcher, Multiversen und sogar Räume mit mehr als unseren gewohnten vier Dimensionen …

„Wie laut war eigentlich der Urknall“ ist eine intergalaktisch gute, kom- pakte Darstellung der naturwissenschaftlichen Ausdehnung des mensch- lichen Wissenshorizonts über die Struktur und Entstehung des Universums. Der Wissensstoff  ist in übersichtliche, klar konzentrierte Textportionen eingeteilt. Die ebenso ästhetisch wie anschaulich-präzisen Illustrationen fördern und vertiefen das Verständnis der durchaus anspruchsvollen Thematik, und die zahlreichen integrierten Aufklappseiten wecken und stillen die kindliche Forscherneugier. Ein Glossar erklärt zusätzlich kurz und bündig Fachbegriffe von Dunkler Materie bis Urknall.

Die Gestaltung dieses Sachbilderbuches ist äußerst animierend, wahrlich faszinierend und eröffnet buchstäblich neue Wissensräume. „Wie laut war eigentlich der Urknall“ ist eine wissensfunkelnde Buch-Sternschnuppe, die wenig zu wünschen übrig läßt, außer vielleicht der lichtgeschwinden Anschaffung eines sehr, sehr guten Teleskops …

Indes erscheint mir die Altersangabe des Verlages (ab 8 Jahren) in Hinsicht auf das hohe sprachliche und inhaltliche Niveau dieses beeindruckenden Buches recht gewagt.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.knesebeck-verlag.de/wie_laut_war_eigentlich_der_urknall/t-1/710

Hier entlang zu Guillaume Duprats Sachbilderbuch „Seit wann ist die Erde rund?“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/04/21/seit-wann-ist-die-erde-rund/

 

Der Autor & Illustrator:

»Guillaume Duprat wurde 1973 in Paris geboren und arbeitet als Illustrator und Autor. Er hat zahlreiche wissenschaftliche Kinderbücher geschrieben. Bei Knesebeck erschienen zuletzt seine erfolgreichen Bücher Seit wann ist die Erde rund? und Was sieht eigentlich der Regenwurm?«
http://www.cosmologik.wordpress.com

 

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Bäume

  • von Piotr Socha und Wojciech Grajkowski
  • Originaltitel: »Drzewa«
  • Aus dem Polnischen von Thomas Weiler
  • Gerstenberg Verlag September 2018 www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 27,5 x37,5 cm
  • 80 Seiten
  • durchgehend farbig
  • ISBN 978-3-8369-5654-3
  • 25,00 € (D), 25,70 € (A), 31,60 sFr.
  • Sachbilderbuch ab 5 Jahren

W U R Z E L W I S S E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Piotr Socha hat bereits mit seinem Bienen-Sachbilderbuch (siehe meine Besprechung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/02/bienen/) seine beeindruckende ebenso sachkompetente wie heitere Zeichenkunst demonstriert. Dies setzt er nun in Kooperation mit dem Biologen Wojciech Grajkowski mit einem Sachbilderbuch über Bäume fort.

„Bäume“ bietet uns eine weitverzweigte, ganzheitliche Darstellung der größten und langlebigsten Lebewesen unserer Erde. Große Schautafeln illustrieren die faszinierende Vielfalt der Bäume und zeigen ihre kulturelle und ökologische Bedeutung.

Dabei wird auch auf den Rohstoff Holz eingegangen, der für die Entwicklungsgeschichte der Menschheit eine tragende Rolle spielt. Der älteste archäologische Holzfund ist eine fast 40 Zentimeter lange Eibenholz-Lanzenspitze aus Clacton-on-Sea (Südengland), die 400 000 Jahre alt ist.  Aus Holz wurden und werden Boote, Schiffe, Häuser, Tempel, Masken, Musikinstrumente, Räder, Schlitten, Skier, Waffen, Werkzeuge und Papier hergestellt.

Vom riesig-hochgewachsenen Mammutbaum und umfangreichen Baobab-Baum bis zum zierlichen Bonsai lernen wir viele exotische, aber auch alltägliche und einheimische Bäume kennen. Sogar ausgestorbene Bäume, von denen sich versteinerte Abdrücke und komplette Versteinerungen erhalten haben, werden vorgestellt.

Des weiteren geht das Buch anschaulich und interesseweckend auf folgende Baum-facetten ein: Die Photosynthese, Blattformen, Wurzelarten, Baumsamen und Baum- früchte und ihre natürlichen Verbreitungswege, die Erscheinungsformen des Baumes im Wechsel der Jahreszeiten, Baumbeschneidung, Tiere, die auf oder von Bäumen leben, Tiere, die sich als Rinde, Zweig oder Blatt tarnen, heilige Bäume, Bäume in verschieden- en Religionen, Mythen und Legenden (Robin Hood), Kirchen und Tempel aus Holz, Baumhäuser, Urwälder, Holzfällerwerkzeug und seine Verwendung, Holzmusikinstru- mente, Darwins Lebensbaum und der familiäre Stammbaum …

Illustration von Piotr Socha © Gerstenberg Verlag 2018

Piotr Socha und Wojciech Grajkowski widmen sich der Thematik in der Tat um- fassend, spannen den Bogen vom spannenden Detail zum großen Ganzen der Natur und Kultur. Besonders hervorzuheben ist der diesem Buch eigene Tenor der Dankbarkeit und respektvollen Demut gegenüber Bäumen, die vielleicht am deutlichsten auf der Doppelseite zum Ausdruck kommt, welche in die jahresbe- ringte Lebensspanne eines Mammutbaumes (von 1370 v.Chr. bis zum Jahr 1900 n.Chr.) unzählige Epochen, kulturelle Meilensteine und große Charaktere der Menschheitsgeschichte einfügt und diese fast wie Eintagsfliegen erscheinen läßt.

Die Illustrationen von Piotr Socha verknüpfen naturalistische Präzision und Anschaulichkeit mit farbenfröhlichen, vergnüglich-augenzwinkernden Elementen, die einen perfekten Neugierköder für kindliche Betrachter bieten.

Die erklärenden Texte von Wojciech Grajkowski sind konzentriert-informativ und amüsant-einprägsam. So wird beispielsweise erläutert, daß unverdaute Obstkerne von Vögeln zunächst weiter transportiert werden, um dann schließlich mit dem Vogelkot wieder ausgeschieden zu werden, was dem luftgereisten Obstkern nach der Landung auf der Erde sogleich den passenden Dünger beigibt.

Diesem großformatigen, sorgfältig gestalteten Sachbilderbuch gelingt es, spielerisch und wissenswertvoll am Beispiel der Bäume die vielfältige Verflochtenheit unseres Lebens mit der Natur aufzuzeigen. So kann Wissen Wurzeln schlagen.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailkinderbuch&url_ISBN=9783836956543

Hier entlang zu Piotr Sochas Bienen-Bilderbuch, das 2017 den Deutschen Jugendliteraturpreis erhalten hat: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/02/bienen/)

 

Der Illustrator:

»Piotr Socha studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau. Seither arbeitet der Illustrator, der zu den beliebtesten Cartoonisten Polens gehört, für diverse bekannte Zeitungen und Zeitschriften und illustrierte zahlreiche Bücher. Für sein Sachbilderbuch Bienen erhielt er 2017 den Deutschen Jugendliteraturpreis. Er lebt in Warschau.« http://www.piotrsocha.pl

Der Autor:

»Wojciech Grajkowski ist als promovierter Biologe in Warschau sehr vielseitig tätig: Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit schreibt er Biologiebücher für den Grundschulbereich und organisiert Workshops für Lehrer und Studenten. Er hat Piotr Socha schon beim Bienen-Buch beraten.«

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ANATOMIE

  • Das faszinierende Innenleben des Menschen
  • von Hélène Druvert
  • in Zusammenarbeit mit Jean-Claude Druvert
  • Originaltitel: »Anatomie«
  • Aus dem Französischen von Sarah Pasquay
  • Gerstenberg Verlag   Januar 2018  http://www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 25,5 cm x 36,5 cm
  • 40 Seiten, durchgehend farbig
  • mit Ausklappseiten und Lasercut-Scherenschnitten
  • 26,00 € (D), 26,80 € (A), 32,70 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5989-6
  • Sachbilderbuch ab 8 Jahren

VON  KOPF  BIS  FUSS

Sachbilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

So ästhetisch-entspannt, verspielt-informativ und heiter-lebendig haben Sie anatomische Darstellungen noch nicht gesehen. Dieses ANATOMIE-Bilderbuch von Hélène Druvert ist von beeindruckender Qualität und Sehenswürdigkeit.

Illustration von Hélène Druvert © Gerstenberg Verlag 2018

 

Charmant eingestimmt wird man schon gleich zu Beginn mit dem Anblick des noch  bekleideten anatomischen Modells, das einen flotten Strandanzug im Retrostil und einen feschen Schnurrbart trägt. Klappt man das Modell um, so trägt es immerhin noch eine gepunktete Unterhose, und erst auf der sich daran anschließenden Illustration können wir die freigelegte Muskulatur bewundern, ergänzt um einen einführenden Text über Muskelarten und –Funktionen und zusätzliche Abbildungen, die das Zusammen- spiel von Sehnen und Muskeln beim Hantelheben des Modells zeigen, sowie einige weitere Details zum Thema Muskeln.

Illustration von Hélène Druvert © Gerstenberg Verlag 2018

 

Die nächsten Seiten illustrieren und erklären Verdauungssystem, Blutkreislauf, Atmung, Nervensystem und Skelett. Man erhält einen einprägsamen, räumlich-dreidimensio- nalen Eindruck des Körpers. Besonders deutlich und ansprechend ist dies bei den Scherenschnitt-Darstellungen der ebengenannten Körpersysteme und Kreisläufe, die hintereinander aufgereiht einen wunderbar filigran-faszinierenden Durchblick eröffnen.

Illustration von Hélène Druvert © Gerstenberg Verlag 2018

Nachfolgende Illustrationen mit aufklappbaren Körperregionen und Organen vertiefen schichtweise vom Allgemeinen zum Detaillierten körperinnere Strukturen und Funktionen. Die Begleittexte konzentrieren sich auf Basiswissen, ergänzt um interessante Einzelheiten.

Jedem der fünf Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten) ist eine Doppelseite gewidmet. Auch hier führen aufklappbare Schautafeln und präzise Erläuterungen an-schaulich zu anatomischen Feinheiten. So sind beispielsweise beim Tastsinn außer den freien Nervenenden für Temperatur und Schmerz noch weitere Rezeptoren aktiv: Die Pacini-Körperchen, die hauptsächlich in den Fingern vorkommen, sind für die Wahrnehmung von Druckveränderungen und Vibrationen zuständig, die Meissner-Körperchen in der Handfläche lassen uns Beschaffenheit und Form eines Objekts erkennen, und die Ruffini-Körperchen in den Gelenken lassen uns Dehnungen der Sehnen spüren.

Zum guten Schluß gibt es noch einen Einblick ins männliche und weibliche Fortpflanzungssystem, nebst der Aussicht auf ein kleines neues Leben …

Dieses Buch vermittelt Grundlagenwissen über die menschliche Anatomie und lehrt zugleich das Staunen über die Komplexität körperlicher Strukturen und Kreisläufe. Es eignet sich für Kinder und Eltern, für den Grundschulunterricht und für den anatomisch interessierten Laien sowie für Kinderärzte und fürs Arztwartezimmer.

Der Verlag empfiehlt dieses Buch ab acht Jahren. Dies erscheint mir auch in Hinblick auf die Textinformationen angemessen, die mit sehr gut erklärten, jedoch anspruchsvolleren medizinischen Einzelheiten und Fachbegriffen aufwarten. Die Illustrationen dürften gleichwohl auch schon deutlich jüngere Kinder interessieren und faszinieren, so daß man es bei diesen einfach einmal auf den Betrachtungsversuch ankommen lassen kann.

Die großartige Anschaulichkeit der Laser-Scherenschnitte, die detaillierten Aufklapptafeln und die in einfachen, konzentrierten Sätzen formulierten Begleittexte bieten einen sinnlich-analogen, wissenswundervollen Einblick in den menschlichen Körper und seine Funktionsweise. Eine mögliche und wünschenswerte Nebenwirkung der Beschäftigung mit diesem Sachbilder- buch ist eine erkenntnisvertiefte Nähe und Vertrautheit mit dem eigenen Körper.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailkinderbuch&url_ISBN=9783836959896

 

Die Illustratorin:

»Hélène Druvert, ausgebildete Textil-Designerin, ist seit ihrem Abschluß an der École Duperré, Paris, freiberuflich tätig. Sie lebt in Paris und im Baskenland, wo sie ihre Siebdruckwerkstatt hat. Perspektivische Scherenschnitte sind ein Schwerpunkt ihrer vielfältigen Tätigkeit.«

Der Autor:

»Jean-Claude Druvert, der Vater der Illustratorin, zeichnet für den Text verantwortlich. Er ist praktizierender Arzt.«

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Wie kommt die Kunst ins Museum

  • Ein Wimmelsachbuch über die Kunst
  • Autoren: Ondřej Chrobák, Rostislav Koryčánek und Martin Vaněk
  • Originaltitel: »Jak se dělá galerie«
  • Aus dem Tschechischen von Lena Dorn
  • llustrationen von David Böhm
  • Gastillustrator: Jiři Franta (S. 22 – 25)
  • Format: 24 x 34 cm
  • 72 Seiten
  • gebunden, Halbleinen
  • Fadenheftung
  • LESEBÄNDCHEN
  • Karl Rauch Verlag  2017  http://www.karl-rauch-verlag.de
  • ISBN 978-3-7920-0368-8
  • 20,00 € (D), 20,60 € (A)
  • ab 8 Jahren

M U S E U M S M U N T E R M A C H E R

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Wie kommt die Kunst ins Museum“ ist ein Sachbilderbuch, das Kindern anschaulich vermittelt, wie ein Museum funktioniert und wie interessant, bereichernd, kommunikativ und begegungsvielseitig ein Museumsbesuch sein kann.

Zunächst wird erklärt, daß öffentliche Museen, wie wir sie heutzutage kennen, eine verhältnismäßig neue gesellschaftliche Einrichtung sind. Früher gab es Adlige, die private Sammlungen mit Kunstwerken und Kuriositäten anlegten und diese auch von einem Verwalter pflegen und inventarisieren ließen. Diese Gemäldegalerien und Kuriositätenkabinette waren jedoch nur einem privilegierten Publikum und einigen Künstlern zugänglich und dienten – abgesehen von der Sammellust – dem Prestige des Sammlers.

Das hat sich inzwischen gründlich geändert. Viele Städte erhöhen gerne ihr kulturelles Prestige und ihre touristische Attraktivität durch gepflegte öffentliche Museen und besonders publikumswirksame Ausstellungen. Auf einer ausklappbaren Doppelseite zeigt das Buch steckbriefartig eine Auswahl von repräsentativen Museumsgebäuden vom Jahre 1471 an bis heute.

Nachdem wir solche historischen Hintergründe und Entwicklungen absolviert haben, können wir endlich ein Museum aufblättern und einen ausführlichen und detaillierten Blick in die Ausstellungsräume und hinter die Kulissen werfen.

Hier gibt es vielfältige Arbeitsfelder: Von der Museumsdirektorin und dem Kurator über Verwaltungsangestellte, Restauratoren, Fotografen, Kassenpersonal, Museumsaufsicht und Hausmeister bis zur Raumpflegerin wird das Museumspersonal ebenfalls steckbrief-artig gleichsam aus dem Arbeitsleben gegriffen und in seinen jeweiligen Arbeitsbe- reichen dargestellt. Dabei kommentiert ein jeder seine Tätigkeit.

Neben der stillen Betrachtung einer Ausstellung bietet ein Museum auch geführte Besichtigungen an, außerdem museumspädagogische Werkstätten für Kinder und Erwachsene, in denen sich Besucher selber kreativ betätigen können. Vorträge zu museumsnahen Themen und auch künstlerische Aufführungen runden das kulturell-kommunikative Angebot ab.

„Wie kommt die Kunst ins Museum“ thematisiert zudem die Museumssicherheits- technik, den Erwerb und die sachgemäße Lagerung, Archivierung und Restaurierung von Kunstwerken sowie die unterschiedlichen Möglichkeiten, eine Sammlung zu präsentieren – also beispielsweise chronologisch oder thematisch.

Mehrere Seiten widmen sich der Vorbereitung und Präsentation einer neuen Ausstellung, die von der ersten Idee bis zur Vernissage in ihrer komplexen organisa- torischen, personellen und logistischen Leistung Schritt für Schritt beschrieben und gezeigt werden.

Die letzten Buchseiten enthalten ein bebildertes Glossar all der berühmten Kunstwerke, die in den vorhergehenden Szenerien zu sehen waren. Der Illustrator hat sie zwar in seinem flächigen Malstil nachgemalt, dennoch sind sie für den Kunstkenner unverkennbar zuzuordnen und für den kindlichen Betrachter wimmelsuchbildgemäß spielerisch wiederzufinden.

Das geschickte Layout bietet mit seinem farblichen und strukturellen Abwechslungsreichtum eine ebenso kunterbunt-verspielte wie klar-geordnete Perspektive auf dem Lebensraum eines Kunstmuseums. Die anschauliche Korrespondenz zwischen Text und graphisch-illustratorischer Darstellung unterstützt die kindgerechte Informationsvermittlung.

Die Texterläuterungen sind leicht zugänglich und konzentriert-informativ; sie werden mit amüsanten kleinen Anekdoten abgerundet. So habe ich etwa dazugelernt, daß die Eremitage in Sankt Petersburg das einzige Museum ist, in dem Katzen wohnen dürfen, und daß die Menschen, die Vernissagen eher wegen der Häppchen und Getränke besuchen als wegen der Kunst, Taubengeschwader genannt werden.

„Wie kommt die Kunst ins Museum“ lädt in Bild und Text zum vergnüg- lichen Entdecken ein und so kommt vielleicht neben der Kunst auch so manches Kind ins Museum.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://karl-rauch-verlag.de/buecher/wie-kommt-die-kunst-ins-museum/

Die Autoren:

»Ondřej Chrobák ist Kunsthistoriker und war Kurator u.a. der Grafischen Sammlung der National Galerie Prag.
  Rotislav Koryčánek ist Kunsthistoriker, hat für verschiedene Museen gearbeitet und Ausstellungen kuratiert.
  Ondřej Chrobák ist Kunsthistoriker und war Kurator u.a. der Grafischen Sammlung der National Galerie Prag.«

Der Illustrator:

»David Böhm ist Absolvent der Akademie für Bildende Künste in Prag. Sein umfangreiches künstlerisches Werk wurde bereits in Galerien in New York, Berlin und Kiew ausgestellt.«

 

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Bienen

  • Bilderbuch
  • Text und Illustrationen von Piotr Socha
  • Redaktionelle Mitarbeit und fachliche Beratung
  • von Wojciech Grajkowski
  • Originaltitel: „Pszczoty“
  • aus dem Polnischen von Thomas Weiler
  • Gerstenberg Verlag   Juni 2016    http://www.gerstenberg-verlag.de
  • Format: 27 x 37 cm
  • 80 Seiten
  • gebunden, Fadenheftung
  • 24,95 € (D), 25,70 € (A), 31,60 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5915-5
  • ab 5 Jahren
    BIENEN Titelbild

EIN  BILDERBUCH  ZUM  SCHWÄRMEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Selten findet man einen so vielseitigen, ganzheitlichen und humorvollen Umgang mit einem naturwissenschaftlichen Thema wie im vorliegenden Sachbilderbuch „Bienen“ des Illustrators Piotr Socha. Man merkt Text und Zeichnungen die Liebe und Begeisterung für das Fachgebiet an – schließlich ist Piotr Socha der Sohn eines Imkers, und er ist mit Bienen sozusagen groß geworden.

Auf 36 Bildtafeln, die dank des großzügigen Folioformats des Buches auch viele Feinheiten sichtbar machen, wird das Leben der Bienen umfassend dargestellt. Die kurzen Textabschnitte bieten konzentriertes Fachwissen, das kindgerecht aufbereitet wird und in einem heiteren Plauderton vieles Wissens- und Bemerkenswerte rund um das Thema Bienen vermittelt.

Wir erfahren von der evolutionären Beziehung und Entwicklung zwischen Bienen und Blüten und wie die Bienen sich auf vegetarische Ernährung spezialisierten.

Der Körperbau der Bienen und ihre körperlichen Fähigkeiten kommen ebenso zu Wort und Bild wie die „familiäre“ Organisation des Bienenvolkes, die Fortpflanzung und Brutaufzucht, die Honigherstellung, die kluge Vorratshaltung, die faszinierende Kommunikation über Rund- und Schwänzeltänze sowie die unermeßlich wertvolle Bestäubungsleistung der fleißigen Bienen.

Bienenstockinnenleben

Illustration von Piotr Socha © Gerstenberg Verlag 2016

Nach einem Abstecher zur Bionik und zur Stabilität des Wabenbaus lernen wir zahlreiche Früchte und Gemüsesorten kennen, die wir der Bestäubung durch Bienen verdanken – übrigens gehören auch Kaffeebohnen und Baumwolle zu den landwirtschaftlichen Erzeugnissen, deren Ernte ohne Bienen ziemlich mager ausfallen würden.

Ein historischer Schlenker in die Steinzeit zeigt Höhlenzeichnungen, auf denen Menschen offenbar Wildbienennester ausbeuten. Die alten Ägypter hingegen pflegten bereits vor 4000 Jahren die Imkerei und nutzten Honig auch schon medizinisch zur Wundbehandlung. Weitere historische Schlenker streifen die Bedeutung von Bienen und Honig in der klassischen griechischen Antike, bei den alten Römern und den vorchristlichen Slawen.

Napoleon Bonaparte ersetzte die bourbonischen Lilien auf Wappen, Siegeln, Standarten und öffentlichen Gebäuden durch Bienen und ließ die Krönungsmäntel für sich und seine Kaiserin Joséphine mit goldenen Bienen besticken.

Bienen mit Bär

Illustration von Piotr Socha © Gerstenberg Verlag 2016

Von der Zeidlerei, der Waldbienenzucht, und den strengen Strafen für Honigraub, welche die Zeidlergerichte – gegen Menschen und Bären – verhängen durften, geht es weiter zur gegenwärtigen Imkerei mit allem dazugehörigen Handwerkszeug.

Bienenkorbdieb

Illustration von Piotr Socha © Gerstenberg Verlag 2016

Außerdem wird eine Vielzahl von Bienenbeuten – so heißen die unterschiedlichen Behausungen, die Imker den Bienen zum Bezug anbieten – gezeigt. Es gibt Bienenkörbe, Tongefäße, mit Stroh umwickelte, hohle Baumstämme, hölzerne Fässer und Kisten bis hin zu modernen Magazinbeuten mit herausnehmbaren Wabenrähmchen…

Die mobile Imkerei, die auf Bestellung Orangen- und Mandelblütenplantagen in den USA mit Bienenbestäubungsfleiß versorgt, befindet sich im interessanten Kontrast zur lebensgefährlichen Honigernte in Südostasien, bei der sogenannte Honigjäger hohe Berghänge und Felsen mit Seilen und Strickleitern erklimmen müssen, um die Waben  der asiatischen Riesenhonigbienen zu erreichen, die hinter einer mehrschichtigen Hülle aus angriffslustigen Bienen verborgen sind.

Vorgestellt werden außerdem Trachtpflanzen, die besonders viel Nektar produzieren, Honigsorten, Honiggebäck (mit Rezepten) und Bienenfeinde von tierisch bis umweltgiftig. Bienensterben und Blütenbestäubung durch menschliche Handarbeit (China) sowie die neumodische innerstädtische Stadtimkerei auf Dächern und Balkonen werden ebenso thematisiert wie die besten Hausmittel zur Behandlung von Bienenstichen.

Die kunterbunten Illustrationen in diesem Bienen-Sachbilderbuch sind eine wahre Augenweide: naturwissenschaftlich stilisiert mit einer schelmischen zeichnerischen Verspieltheit, die der Anschaulichkeit und Untermalung der Textinformationen vortrefflich dient.

Die Bildtafeln laden große und kleine Leser zu freudiger Entdeckerlust ein und vermitteln eine einfühlsame und multiperspektivische Betrachtungsweise der für uns Menschen so ernährungsrelevanten fleißigen Bestäuber und Honigproduzenten.

Bienengestalt

Illustration von Piotr Socha © Gerstenberg Verlag 2016

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836959155&highlight

Der Autor und Illustrator:

»Piotr Socha, geboren 1966, wuchs als Sohn eines Imkers mit Bienen auf. Nach seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau betätigte er sich als Illustrator für diverse bekannte polnische Zeitungen und Zeitschriften und illustrierte zahlreiche Bücher. Heute ist er einer der beliebtesten Cartoonisten Polens.« http://www.piotrsocha.pl

 

Querverweis:

Ergänzend – für ältere Leser – empfehle ich den Roman „Die Bienen“ von Laline Paull: „Die Bienen“ ist ein faszinierender, speziesübergreifender erzählerischer Annäherungsversuch an die komplexe Lebensform eines Bienenschwarms, übersetzt in menschliche Gefühlskategorien: Spannend, voller Lebensgefahren und tapferer Kämpfe wie ein Abenteuerroman, komplexe, beziehungsdynamische Verhältnisse wie in einer Familiengeschichte, berührend, gefühlvoll und sinnlich wie eine Liebesgeschichte und dabei betörend-duftbetont und auch mit einigen Prisen Humor bestäubt.

Hier entlang zur vollständigen Rezension:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/05/16/die-bienen/

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