Bienen

  • Bilderbuch
  • Text und Illustrationen von Piotr Socha
  • Redaktionelle Mitarbeit und fachliche Beratung
  • von Wojciech Grajkowski
  • Originaltitel: „Pszczoty“
  • aus dem Polnischen von Thomas Weiler
  • Gerstenberg Verlag   Juni 2016    http://www.gerstenberg-verlag.de
  • Format: 27 x 37 cm
  • 80 Seiten
  • gebunden, Fadenheftung
  • 24,95 € (D), 25,70 € (A), 31,60 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5915-5
  • ab 5 Jahren
    BIENEN Titelbild

EIN  BILDERBUCH  ZUM  SCHWÄRMEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Selten findet man einen so vielseitigen, ganzheitlichen und humorvollen Umgang mit einem naturwissenschaftlichen Thema wie im vorliegenden Sachbilderbuch „Bienen“ des Illustrators Piotr Socha. Man merkt Text und Zeichnungen die Liebe und Begeisterung für das Fachgebiet an – schließlich ist Piotr Socha der Sohn eines Imkers, und er ist mit Bienen sozusagen groß geworden.

Auf 36 Bildtafeln, die dank des großzügigen Folioformats des Buches auch viele Feinheiten sichtbar machen, wird das Leben der Bienen umfassend dargestellt. Die kurzen Textabschnitte bieten konzentriertes Fachwissen, das kindgerecht aufbereitet wird und in einem heiteren Plauderton vieles Wissens- und Bemerkenswerte rund um das Thema Bienen vermittelt.

Wir erfahren von der evolutionären Beziehung und Entwicklung zwischen Bienen und Blüten und wie die Bienen sich auf vegetarische Ernährung spezialisierten.

Der Körperbau der Bienen und ihre körperlichen Fähigkeiten kommen ebenso zu Wort und Bild wie die „familiäre“ Organisation des Bienenvolkes, die Fortpflanzung und Brutaufzucht, die Honigherstellung, die kluge Vorratshaltung, die faszinierende Kommunikation über Rund- und Schwänzeltänze sowie die unermeßlich wertvolle Bestäubungsleistung der fleißigen Bienen.

Bienenstockinnenleben

Illustration von Piotr Socha © Gerstenberg Verlag 2016

Nach einem Abstecher zur Bionik und zur Stabilität des Wabenbaus lernen wir zahlreiche Früchte und Gemüsesorten kennen, die wir der Bestäubung durch Bienen verdanken – übrigens gehören auch Kaffeebohnen und Baumwolle zu den landwirtschaftlichen Erzeugnissen, deren Ernte ohne Bienen ziemlich mager ausfallen würden.

Ein historischer Schlenker in die Steinzeit zeigt Höhlenzeichnungen, auf denen Menschen offenbar Wildbienennester ausbeuten. Die alten Ägypter hingegen pflegten bereits vor 4000 Jahren die Imkerei und nutzten Honig auch schon medizinisch zur Wundbehandlung. Weitere historische Schlenker streifen die Bedeutung von Bienen und Honig in der klassischen griechischen Antike, bei den alten Römern und den vorchristlichen Slawen.

Napoleon Bonaparte ersetzte die bourbonischen Lilien auf Wappen, Siegeln, Standarten und öffentlichen Gebäuden durch Bienen und ließ die Krönungsmäntel für sich und seine Kaiserin Joséphine mit goldenen Bienen besticken.

Bienen mit Bär

Illustration von Piotr Socha © Gerstenberg Verlag 2016

Von der Zeidlerei, der Waldbienenzucht, und den strengen Strafen für Honigraub, welche die Zeidlergerichte – gegen Menschen und Bären – verhängen durften, geht es weiter zur gegenwärtigen Imkerei mit allem dazugehörigen Handwerkszeug.

Bienenkorbdieb

Illustration von Piotr Socha © Gerstenberg Verlag 2016

Außerdem wird eine Vielzahl von Bienenbeuten – so heißen die unterschiedlichen Behausungen, die Imker den Bienen zum Bezug anbieten – gezeigt. Es gibt Bienenkörbe, Tongefäße, mit Stroh umwickelte, hohle Baumstämme, hölzerne Fässer und Kisten bis hin zu modernen Magazinbeuten mit herausnehmbaren Wabenrähmchen…

Die mobile Imkerei, die auf Bestellung Orangen- und Mandelblütenplantagen in den USA mit Bienenbestäubungsfleiß versorgt, befindet sich im interessanten Kontrast zur lebensgefährlichen Honigernte in Südostasien, bei der sogenannte Honigjäger hohe Berghänge und Felsen mit Seilen und Strickleitern erklimmen müssen, um die Waben  der asiatischen Riesenhonigbienen zu erreichen, die hinter einer mehrschichtigen Hülle aus angriffslustigen Bienen verborgen sind.

Vorgestellt werden außerdem Trachtpflanzen, die besonders viel Nektar produzieren, Honigsorten, Honiggebäck (mit Rezepten) und Bienenfeinde von tierisch bis umweltgiftig. Bienensterben und Blütenbestäubung durch menschliche Handarbeit (China) sowie die neumodische innerstädtische Stadtimkerei auf Dächern und Balkonen werden ebenso thematisiert wie die besten Hausmittel zur Behandlung von Bienenstichen.

Die kunterbunten Illustrationen in diesem Bienen-Sachbilderbuch sind eine wahre Augenweide: naturwissenschaftlich stilisiert mit einer schelmischen zeichnerischen Verspieltheit, die der Anschaulichkeit und Untermalung der Textinformationen vortrefflich dient.

Die Bildtafeln laden große und kleine Leser zu freudiger Entdeckerlust ein und vermitteln eine einfühlsame und multiperspektivische Betrachtungsweise der für uns Menschen so ernährungsrelevanten fleißigen Bestäuber und Honigproduzenten.

Bienengestalt

Illustration von Piotr Socha © Gerstenberg Verlag 2016

Der Autor und Illustrator:

»Piotr Socha, geboren 1966, wuchs als Sohn eines Imkers mit Bienen auf. Nach seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau betätigte er sich als Illustrator für diverse bekannte polnische Zeitungen und Zeitschriften und illustrierte zahlreiche Bücher. Heute ist er einer der beliebtesten Cartoonisten Polens.«

 

Querverweis:

Ergänzend – für ältere Leser – empfehle ich den Roman „Die Bienen“ von Laline Paull: „Die Bienen“ ist ein faszinierender, speziesübergreifender erzählerischer Annäherungsversuch an die komplexe Lebensform eines Bienenschwarms, übersetzt in menschliche Gefühlskategorien: Spannend, voller Lebensgefahren und tapferer Kämpfe wie ein Abenteuerroman, komplexe, beziehungsdynamische Verhältnisse wie in einer Familiengeschichte, berührend, gefühlvoll und sinnlich wie eine Liebesgeschichte und dabei betörend-duftbetont und auch mit einigen Prisen Humor bestäubt.

Hier entlang zur vollständigen Rezension:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/05/16/die-bienen/

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72 Kommentare zu “Bienen

  1. Das klingt ja toll, sogar für Erwachsene (oder gar Imker, die meist ja auch nicht alle historischen oder biologischen Hintergründe kennen)! Und erst recht für den imkerischen Nachwuchs. Mein „Großer“ fängt gerade an, sich für meine Bienen zu interessieren – da könnte das ein tolles Weihnachtsgeschenk werden. Wobei ich bei dem umfassenden Inhalt staune, dass die Altersangabe bei nur 5 Jahren liegt. Denn das ist ja wirklich irre viel Wissen, das da schon Vorschülern (!) zugetraut wird. Ein Bilderbuch, das man nicht an einem Tag (geschweige denn in einer halben Stunde) durchblättert…

    Jedenfalls kommt das Buch direkt mal auf die Merkliste. Wenn’s dem Großen noch zu viel ist, habe ich sicher selber Spaß daran, höhö.

    (Wenn man die napoleonische Biene übrigens auf den Kopf dreht, erkennt man mit etwas Phantasie wieder die Bourbonenlilie. Raffiniertes Kerlchen, dieser Bonaparte. ;))

    Vielen Dank für die schöne Vorstellung!

    Gefällt 1 Person

    • Vielen Dank für Dein lebhaftes Interesse und Deine ausführliche Resonanz.
      Angesichts der informativen und witzigen Zeichnungen, wird ein Kind dieses Sachbilderbuch bestimmt gerne mehrfach durchblättern und betrachten. Die Wissensmenge, die es dabei aufnimmt, wird wahrscheinlich portionsweise geschehen und auch von bereits vorhandenen Vorkenntnissen und natürlichen Erfahrungen mit Bienen beeinflußt sein.

      Meiner Erfahrung nach, dürfen Kinderbücher ruhig etwas anspruchsvoller sein, die Kinder können dann einfach und nach Neigung hineinwachsen …

      Danke für den Hinweis mit der perspektivischen Drehung der napoleonischen Biene. Ich hab’s ausprobiert und ebenfalls so wahrgenommen wie Du. 🙂

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      • Ja, das stimmt wohl. Schließlich können Kinder in dem Alter sich ja auch schon die Namen von Dinosauriern oder die Entwicklungsstufen sämtlicher Pokémons merken. Warum also nicht auch mal umfangreiche Hintergründe zu einer tatsächlich (immer noch) lebenden Tierart… da merkt man mal wieder, wie sehr man dazu neigt, Kinder zu unterschätzen. Bloß, weil es mal kein typisches „Kinderthema“ (bzw. nicht in Biene-Maja-Abenteuern verpackt ist)…

        Die Erkenntnis mit der napoleonischen Biene stammt nicht originär von mir, die habe ich – wie könnte es anders sein! – aus einem Buch, das ich als Jugendliche gelesen habe, „Desirée“ von Annemarie Selinko. Es war wohl auch wirklich historische Absicht. 🙂

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  2. Liebe Ulrike, das ist wieder einmal ein wunderbarer Buchtip !!!! Soo toll illustriert die Geschichte ! Ich glaube, das muß ich haben 🙂 !! Wo du immer so schöne Kinderbücher entdeckst ? Und es hört sich rundum gut an, vom Bienenleben über die Geschichte, bis zu Nektarpflanzen und Rezepten ! Da wird mal alles erzählt. Das wäre doch ein Buch für die Schule ! Wenn schon viele Erwachsene keinen Bezug mehr zur Natur haben, wäre es schön, wenn die Kinder schon lernen würden, was Bienen, Insekten und Pflanzen brauchen, um zu überleben. Vielen Dank für die spannenden Infos und die schöne Rezension 🙂 Ich freu mich drauf und wüßte auch schon jemanden, dem ich es noch schenken könnte ! Liebe Grüße, Almuth

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  3. Liebe Ulrike! Du weißt, wie mir die Bienen am Herzen liegen… Ganz toll finde ich, dass Du so ein bezauberndes Bilderbuch auf Deine Dir eigene spannende Art, die sofort Lust auf das jeweilige Werk macht, vorstellst! Einen wunderschönen Herbst, Nessy von Salutary Style

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  4. Ein Bienenbuch, wie wundervoll.
    Es gibt immer noch so viele Menschen, die Wespen von Bienen nicht unterscheiden können und in Hektik geraten, wenn sie die fleißig sammelnden Honiggeister in Mengen fliegen sehen.
    Da kann ich mir dieses Buch gut vorstellen, um das falsche Bild endlich auf liebenswerte Art und Weise zurechtzurücken.

    Herzlichst Bruni

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    • Herzensdank für Deine Bienenzuneigung, liebe Bruni.
      Dieses Bilderbuch kann auf jeden Fall die Augen öffnen für die optischen Feinheiten des Bienenkörperbaus und den Mikrokosmos des Bienenschwarms.
      Wenn dadurch überflüssige Insektenängste abgebaut werden, ist dies ein willkommener Nebeneffekt.

      Ich persönlich gerate weder bei Bienen, Hummeln noch bei Wespen in Hektik oder Panik, und ich beobachte sie sehr gerne. Aber ich kenne mich ja auch gut aus – u.a. weil ich solche Bücher lese … 😉
      Gutenachtgruß von mir zu Dir

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  5. „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“ (Albert Einstein) Von daher empfinde ich dieses Buch und deine Vorstelllung als extrem wertvoll. Veränderung findet schon bei den kleinen Menschenkindern statt. Danke dir liebe Ulrike mit Verbeugung 🙂

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  6. Liebste Ulrike, ich bin durch babysitten im Augenblick ein wenig abgelenkt und habe Deine Rezension 3x in Etappen lesen müssen.
    Solche Bücher habe ich früher vermisst, als Sohn 1 klein war. DIe meisten Sachbilderbücher handelten nur von Baggern und Autos. Gott sei Dank hat sich das geändert!
    Dein vorgestelltes Buch hilft mir auch wieder unauffällig, mein Wissen nachzuholen, um es auf den Stand von Noch-Nicht-Lesern zu bekommen.
    Bienenhonigfeiertagsgrüße, Ann

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    • Liebste Ann,
      vielen Dank für Dein Durchhaltevermögen beim Rezensionenlesen.
      Das Themenspektrum bei Sachbilderbüchern ist inzwischen tatsächlich erfreulich vielfältiger geworden, da hast Du recht.
      Honigherzensgruß von mir an Dich 🙂

      Gefällt 2 Personen

      • Für Dich gehe ich durch Blogwüsten 😉 Ich denke, man hat erkannt, dass es auch Kinder gibt, die Fakten lesen möchten und nicht nur Träume und Feen und es hilft Eltern, komplexere Dinge zu erklären, von denen sie selbst nichts verstehen, wie ich hier bei den Bienen! Allerliebsten Dank und hab einen wundervollen Abend, liebe Ulrike. ❤️

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  7. wow, das gefällt mir, und was für schöne Zeichnungen – inzwischen hab ich nochmehr einen Blick darauf da ich ja nun an einer Zweitkarriere arbeite, auch Kinderbücher sollen dazu gehören, aber vorallem auch tolle Illustrationen.

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  8. Haha. Das Titelbild ist ja schon mal grandios. 🙂 Mit einem eleganten Griff in den literarischen Honigtopf zeigt uns die Bücherfee heute, dass ein Bienen-Sachbuch überhaupt nicht etwas für Spaßbremsen (!) sein muss. 😉
    Es ist toll, wenn bereits die jüngsten Leseeselchen so kenntnisreich und amüsant viel Spannendes über unsere Freunde vom Honigvolk erfahren können. Und bei der Bandbreite an Themen bin ich mir sicher, dass auch die mitlesenden Erwachsenen viel Vergessenes auffrischen und Ungewusstes nachholentdecken dürfen.
    Und sogar Rezepte… Wo Lebkuchen doch die reinste Gaumenpoesie sind. 🙂 Da läuft einem glatt der Honig im Mund zusammen…
    Mein Fazit: Sechs Honigwaben für diese honigfeine Rezension. 🐻

    Gefällt 7 Personen

  9. Und wenn ich dann Berichte über das Bienensterben lese, dann frage ich mich, ob all diese Verantwortlichen keine Eltern oder Großeltern hatten, die ihnen Bilderbücher vorgelesen oder mit ihnen gelesen haben und ihnen eingeschärft haben, dass mensch für seine Umwelt Verantwortung trägt. Mehr davon, liebe Ulrike!
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 6 Personen

    • Herzlichen Dank für Deine engagierte Resonanz, liebe Christiane.
      Ich kann Deinem Kommentar nur voll und ganz zustimmen. Und ich frage mich außerdem, ob diese Sorte von Profitverantwortlichen keine Kinder und Enkel haben, um deren zukünfige Ernährung, Gesundheit und Lebensmitwelt sie sich sorgen.

      Mehr von solchem Buchstoff habe ich bereits in Lesearbeit, z.B. „Die Intelligenz der Bienen. Wie sie denken, planen, fühlen und was wir daraus lernen können“ von Randolf Menzel & Matthias Eckholdt.
      Bienenfleißige Grüße 😉
      Ulrike

      Gefällt 4 Personen

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