Mach mich locker!

  • Wer den Boden kennt, gärtnert erfolgreich und nachhaltig
  • von Bärbel Oftring
  • KOSMOS Verlag, 2021 www.kosmos.de
  • Klappenbroschur
  • Format: 241 x 172 mm
  • 128 Seiten
  • 162 Farbfotos
  • 21 Farbzeichnungen
  • 18,00 €(D)
  • ISBN 978-440-17062-5

Ausgezeichnet mit dem „Deutschen Gartenbuchpreis 2021“- Sonderpreis in der Kategorie „Bester Einsteiger-Ratgeber“!

Mach mich locker!
MUTTER-ERDE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Man kann es nicht oft genug wiederholen und ins menschliche Alltagsbewußtsein heben, wie elementar wichtig die lebendige Beschaffenheit des Erdbodens mit seinen unzähligen Kleintieren und Mikroorganismen ist. Tote Erde kann kein widerstands- fähiges Leben mehr hervorbringen. In Deutschland sind bereits 30 % der Böden biologisch tot.

Das pflanzliche Immunsystem wurzelt ganz buchstäblich im Boden. Es besteht aus kom-plexen Stoffkreisläufen, der Mykorrhiza-Lebensgemeinschaft und weiteren Netzwerken und Symbiosen mit Algen, Flechten, Pilzen und Bakterien – ähnlich unserem Mikrobiom im Darm. Kunstdünger und giftige „Pflanzenschutzmittel“ zerstören dieses natürliche Immunsystem und schwächen die Pflanzen und ihre Widerstandskraft gegenüber Schäd-lingen und klimatischen Belastungen. Wird dieses Schwächeln dann wieder mit der nächsten Insektizid-Giftzugabe und/oder Kunstdünger „behandelt“, ist das Bodenleben auf Dauer zerstört.

Wenn wir gesunden Boden erhalten wollen, dürfen wir nur organisch düngen, keine Unkrautvernichtungsmittel oder Insektizide einsetzen und den Boden nicht nackt und schutzlos der Witterung aussetzen – d.h. nackte Erde wird mit standortgemäßen Boden-deckerpflanzen geschützt oder mit einer dünnen Schicht aus Pflanzenresten und Laub gemulcht. Mulch schützt die Erde vor Erosion, bietet Wärmeschutz im Winter und Schutz vor Austrocknung im Sommer. Diese Mulchschicht ist zudem artgemäße Nahrung für die Bodenorganismen.

Die Bodenlebewesen zersetzen organisches Material und bilden Ton-Humus-Komplexe, die wiederum im Verbund mit den mineralischen Bodenteilchen dem Boden die erwünschte Krümelstruktur geben. Die Krümelstruktur bietet eine gute Bodendurch- lüftung, welche die Aufspaltungsarbeit der Mikroorganismen unterstützt. So entsteht der kostbare Humus, der einerseits mit den leicht zersetzbaren Bestandteilen (Nährhumus) den Pflanzen Nährstoffe liefert und andererseits mit den schwerer zersetzbaren Substanzen (Dauerhumus) das Bodengefüge stabilisiert.

Die Autorin stellt unterschiedliche Bodenarten (Sand, Schluff, Ton, Lehm) vor und erklärt deren natürlich gegebene Fähigkeit zu Erwärmung, Feuchtgehalt, Nährstoff- speicherung und Durchlüftung. Eine farbige Übersichtskarte zeigt die Verteilung unterschiedlicher Böden und Bodenmischformen für den Lebensraum Deutschland.

Sinnlich greifbare Bodenexperimente helfen uns, den eigenen Gartenboden besser ken-nenzulernen – beispielsweise geben uns Bodenfarbe, Bodenduft sowie handfeste Finger- und Rollproben schnell und unkompliziert Auskunft über die strukturelle Beschaffen- heit unserer Gartenerde. Wer es ganz genau wissen will, findet auch eine Anleitung zur Entnahme von Bodenproben, wie man sie für eine professionelle Bodenanalyse im Labor braucht. Verschiedene Zeigerpflanzen werden vorgestellt, von denen man ebenfalls Rückschlüsse auf Nährstoff- und Humusgehalt, Trockenheit, Verdichtung, Magerkeit, Staunässe etc. des Bodens ziehen kann.

Neben dem unermüdlichen Gartengehilfen, Bodenbelüfter und Pflanzenresteverwerter namens Regenwurm werden einige weitere Bodentiere wie Springschwänze, Asseln, Tausendfüßler, Tigerschnegel, Erdläufer und einige Insektenlarven vorgestellt.

Sodann folgen praktische Hinweise – nebst den passenden Werkzeugen – auf eine Bodenbearbeitung, welche die natürliche Bodenschichtung bewahrt sowie Hinweise zur Bodenverbesserung durch Kompost, Gründüngung, Effektive Mikroorganismen, Pflan- zenjauchen, Mischkultur und Fruchtfolgeanbau sowie Methoden der Permakultur.

Bärbel Oftring beschreibt und erklärt die beachtliche Komplexität des Bodenlebens an-schaulich, übersichtlich und zutiefst wertschätzend, und zugleich vermittelt sie konkrete Praxistipps für eine lebensförderliche, ökologisch-sinnvolle und nachhaltige Behandlung der Gartenerde.

Übrigens sind Regenwurmkothäufchen ein ausgezeichneter Naturdünger:

 »Im Vergleich zum umgebenden Boden enthält er 5-mal so viel pflanzenverfügbaren Stickstoff, 7-mal mehr löslichen Phosphor, 11-mal mehr Kalium, 2- bis 3-mal mehr Magnesium und 1,5-mal mehr Kalzium. Sammeln Sie diese Häufchen auf und mischen sie unter die Erde, auch im Blumenkasten und Kübel.« (Seite 51)

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.kosmos.de/buecher/ratgeber-naturfuehrer/garten/gartenpraxis/11609/mach-mich-locker

Die Autorin:

»Bärbel Oftring ist Diplom-Biologin mit den Schwerpunkten Botanik, Zoologie und Paläontologie. Ihre Liebe zur Natur setzt sie heute als Autorin, Redakteurin und Herausgeberin von zahlreichen Sachbüchern für Kinder und Erwachsene sowie in erlebnisreichen Naturforscheraktionen in die Tat um. Ihre Bücher vermitteln auf anschauliche und interessante Weise, was es alles über Tiere und Pflanzen in der Natur und im Garten zu entdecken gibt. Viele wurden bereits ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt. Die engagierte Naturforscherin lebt mit ihrer Familie und ihrem Hund bei Böblingen.«

Querverweis:

Ergänzend und vertiefend empfehlen sich noch folgende Ratgeber zum Thema Erde:
„Die Humusrevolution“
Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen
Die Humusrevolution
„Ackergifte – Nein danke! Für eine enkeltaugliche Landwirtschaft“
Ackergifte – Nein danke!
Der Regenwurm ist immer der Gärtner“ von Amy Stewart
Der Regenwurm ist immer der Gärtner

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Die unsichtbaren Welten mikroskopisch kleiner Tiere

  • von Hélène Rajcak und Damien Laverdunt
  • Originaltitel »Les mondes invisibles des animaux microscopiques«
  • Wissenschaftliche Berater:
  • Cédric Hubas und Christine Rollard vom
  • Nationalen Naturkundemuseum in Paris
  • Aus dem Französischen von Edmund Jacoby
  • Verlagshaus Jacoby & Stuart   Februar 2017 www.jacoystuart.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 25 x 32 cm
  • Mit 10 Ausklappseiten
  • durchgehend farbig
  • 22,00 € (D), 22,70 € (A)
  • ISBN 978-3-946593-27-0
  • Kindersachbuch ab 9 Jahren

KLEINE WELTEN – GROSSES STAUNEN

Buchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

Dieses sorgfältig gestaltete Sachbuch gewährt uns faszinierende Einblicke in mikro-skopische Weltenräume, die mit dem bloßen Auge kaum oder gar nicht zu erkennen sind. Die präzise gezeichneten Mikroorganismen werden in bis zu 150facher Vergrößerung in ihrem jeweiligen Biotop dargestellt.

Wir besichtigen zehn verschiedene Lebensräume, in denen sich Mikroorganismen tummeln. Vom „Wasserballett des Planktons“ geht es zum Strand und von dort zum Meeresgrund. Weitere drei Lebensräume, die uns die Mikroorganismen sehr nahe bringen, sind das heimische Bett (Hausstaubmilbe & Co), die menschliche Haut und die Küche. Draußen geht es  weiter mit dem Waldboden, dem Moosbewuchs an Baum-stämmen, stillen Tümpelgewässern und dem strömenden Flußbiotop.

Mikroorganismen erfüllen unzählige lebensdienliche Aufgaben, wie beispielsweise für die Bildung von Humus (Hornmilben, Springschwänze, Rollasseln) oder die Sauerstoff-produktion (Kieselalgen). Manche sind aus menschlicher Perspektive auch lausig lästig und unangenehm (Flöhe, Krätzmilben, Zecken).

Einige Mikroorganismen, wie beispielsweise das nur 0,4 mm große Bärtierchen oder das nur 0,2 mm kleine Korsettierchen, nennt man extremophil, weil sie über eine Anpass-ungsfähigkeit verfügen, die sie extreme Temperaturen und Druckverhältnisse und sogar Sauerstoffmangel sowie absolute Dunkelheit überleben läßt.

Illustration aus „Die unsichtbaren Welten mikroskopisch kleiner Tiere“ von Hélène Rajcak und Damien Laverdunt © Verlagshaus Jacoby & Stuart 2017

Infotafel aus „Die unsichtbaren Welten mikroskopisch kleiner Tiere“ von Hélène Rajcak und Damien Laverdunt © Verlagshaus Jacoby & Stuart 2017

Anschauliche Szenenwechsel vom Makrokosmos zum Mikrokosmos führen den Betrachter von Doppelklappseite zu Doppelklappseite in verborgene Kleinstlebens- räume und ihre Bewohner ein. Deren körperlich oft bizarr anmutende Gestalten werden hier in bunter, detaillierter Formenvielfalt wiedergegeben. Ein kurzer Einführungstext erklärt das jeweilige Mikroökosystem, und numerierte informative Steckbriefbe- schreibungen der dazugehörigen Mikroorganismen helfen beim Zuordnen und Wiederfinden auf dem szenischen Wimmelbild des Minibiotops.

Die verwendete Maßstabgröße wird jedesmal deutlich angegeben und eingezeichnet. Besonders anschaulich werden die Größenordnungen jedoch illustratorisch beispiels-weise beim vergleichenden Nebeneinander eines Salzkornfelsens und einiger Staubmilbchen – das öffnet dem aufmerksamen Betrachter wirkungsvoll die Augen fürs Unsichtbare.

Ein lexikalischer Anhang erläutert alle Fachbegriffe, die zuvor zur Sprache gekommen sind, und zeigt auf Schautafeln Milben, Krebstiere und Protisten* sowie eine kleine Geschichte der Mikroskopie von mittelalterlichen Lesesteinen (Lupen) bis zum Elektronenmikroskop.

„Die unsichtbaren Welten mikroskopisch kleiner Tiere“ vermittelt durch die spannende zeichnerische Inszenierung und die leicht zugängliche Textbe- gleitung auf lebhafte Weise Wissen, Bewunderung und Respekt für die Vielfalt des Lebens, das seit eh und je vom Kleinen zum Großen und vom Großen zum Kleinen kreist.

Wenn Sie dieses Buch für Ihr Kind oder Enkelkind kaufen, kalkulieren Sie in weiser Voraussicht schon einmal die Kosten für ein Mikroskop mit ein …

 

*Protisten sind einzellige, aquatische Lebewesen, die nicht eindeutig dem Tier- oder Pflanzenreich zugeordnet werden können. Dazu gehören u.a. Amöben, Foraminiferen, Glockentierchen, Pantoffeltierchen und Rädertierchen.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.jacobystuart.de/buecher-von-jacoby-stuart/kinder-jugendsachbuch/kindersachbuch/die-unsichtbaren-welten-mikroskopisch-kleiner-tiere/

Die Autoren & Illustratoren:

»Hélène Rajcak ist 1981 geboren. Sie hat in Paris Illustration und Textildesign studiert und arbeitet dort heute als Illustratorin für die Presse und für Kinderbücher.
Damien Laverdunt ist 1978 geboren. Er hat Angewandte und Dekorative Kunst studiert, lebt und arbeitet in Paris als Autor, Zeichner und Grafiker und lehrt Angewandte Kunst an einem Gymnasium.«

 

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Die Humusrevolution

  • Wie wir den Boden heilen,
  • das Klima retten und die
  • Ernährungswende schaffen
  • von Ute Scheub und Stefan Schwarzer
  • oekom Verlag Februar 2017   www.oekom.de
  • Klappenbroschur
  • 240 Seiten
  • Format: 14,8 cm x 22,5 cm
  • ISBN 978-3-86581-838-6
  • 19,95 e (D), 20,60 € (A)

DIE RETTUNG DER ERDE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wir leben auf der Erde und wir leben von der Erde. Der faszinierend komplexe Lebens-raum unter unseren Füßen mit seinen unzähligen Mikroorganismen, ökosystemischen Symbiosen und Wurzelpilzgeflechten ist die Grundlage unserer Ernährung. Von der fruchtbaren Humusschicht hängen die Lebenszyklen von Pflanzen, Tieren und Menschen ab. Sie erhöht zudem die Wasserspeicherkapazität der Erde – für jeden Prozentpunkt Zuwachs an Humusgehalt kann der Boden 16 Liter mehr Wasser pro Quadratmeter speichern. Die Humusschicht beträgt zwischen 15 und 20 Zentimetern – die Natur braucht hundert Jahre, um einen Zentimeter Humus aufzubauen.

Die industrielle Landwirtschaft, im folgenden „Agroindustrie“ genannt, zerstört durch Gift, Gülle, Gene, Monokulturen und großmaschinelles Umpflügen die Regenerations- fähigkeit der Erde und den Aufbau der lebenswichtigen Humusschicht. Entwaldung, Flächenversiegelung durch Straßen- und Siedlungsbau und weitgehend menschen- gemachte Bodenerosion tragen zusätzlich dazu bei, daß fruchtbare Erde schwindet.

Der Zusammenhang von Humus mit dem Klima besteht darin, daß Humus hauptsächlich aus Kohlenstoff besteht. Eine starke und intakte Humusschicht ist in der Lage, viel Kohlenstoff zu speichern und diesen Pflanzen zum Wachstum zur Verfügung zu stellen, und diese wiederum transportieren über ihre Wurzeln einen Teil davon langfristig in tieferen Bodenschichten.

»Kohlenstoff spielt für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und eines gesunden Boden-lebens eine zentrale Rolle. Mit Humusaufbau kann man nicht nur das Klima positiv beeinflussen, sondern auch bessere Ernten erzielen, Hunger und Mangelernährung bekämpfen, unzählige sinnvolle Jobs schaffen. Man kann damit für gesunde Pflanzen, Tiere und Menschen sorgen, die Artenvielfalt mehren, die Wasserhaltefähigkeit der Böden und die Grundwasservorräte erhöhen sowie ganze Landschaften regenerieren.«
(Seite13/14)

Humusaufbau durch regenerative Agrikultur holt CO₂ aus der Atmosphäre und bringt es zurück in den Boden, wo es dringend gebraucht wird. Die Rekarbonisierung der Erde führt auf diesem Wege zur Dekarbonisierung der Luft. Eine globale regenerative Agrikultur in Verbindung mit regenerativer Energieerzeugung könnte bis zum Jahre 2050 »das atmosphärische CO₂-Niveau auf vorindustrielles Niveau drücken«.

Das erste Kapitel beginnt mit einer kleinen Geschichte des Ackerbaus von der Steinzeit bis heute und setzt sich fort in einer ausführlichen Beschreibung der in ökologischer und sozialer Hinsicht dramatisch-lebensfeindlichen Entwicklung der Landwirtschaft unter dem massiven Einfluß der Chemiekonzerne seit Mitte der 50er Jahre. Kunstdünger und Pestizide haben ihren wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Ursprung in der Entwicklung von Kriegswaffen. »Aus Verfahren zur Sprengstoffherstellung wurde Stickstoffdünger, aus Kampfgasen Pestizide und aus Panzern Traktoren. Wo der Krieg gegen Menschen aufhörte, begann der Krieg gegen die Natur und umgekehrt.«
(Seite 26)

Die ökosozialen Schäden dieser „Chemo-Therapie“ (»Deutschland ist das am meisten überdüngte Land der EU«) werden anschaulich dargestellt – vom Artenschwund bis zur Massentierhaltung mit seiner Stickstoffüberlastung durch die anfallenden Güllemengen und die damit verbundene Nitratbelastung des Trinkwassers, über die Verschwendung von Erdöl für die Produktion von Stickstoffdünger (»… laut Fraunhofer-Institut werden weltweit etwa 100 Millionen Tonnen Stickstoffdünger hergestellt was rund 200 Millionen Tonnen Erdöl erfordert und 1.000 Millionen Tonnen CO₂ produziert«), die Klimaschäd-lichkeit von Methan, Lachgas und weiterer Stickoxide, die als Neben- oder Abbau- produkt bei der Herstellung sowie dem Abbau von Kunstdünger entstehen, bis hin zu Bodenerosion und Kohlenstoffverlusten durch tiefes Pflügen, Bodenverdichtung und unterirdischem Sauerstoffmangel durch die Druckbelastung schwerer Landmaschinen sowie einer EU-Agrarpolitik, die Kleinbauern benachteiligt und und und – die Aufzählung ist noch lange nicht zu Ende, sprengt jedoch den Rahmen einer Buchbesprechung.

Konzentrieren wir uns auf die gefährlichste Nebenwirkung der Agroindustrie – die  Zerstörung des Bodenlebens und den damit verbundenen dramatischen Schwund der Humusschicht. Dem Kapitel des Schreckens der globalen Bodendegradation folgen fünf Kapitel mit hoffnungsvollen, erprobten Lösungen aus aller Welt und ein Kapitel mit der heiter-inspirierenden Vision einer geglückten Agrarwende hin zu regenerativer Agrikultur und der damit verbundenen Rettung der Erde.

Die Autoren reisen nach Zürich und besuchen Hans Herren, den preisgekrönten Insekten-forscher und Gründer der Stiftung Biovision www.biovision.ch, der das „Push and Pull“-Prinzip entdeckte und in Kenia zur Anwendung brachte: »Über 100.000 kleinbäuerliche Familien können nun ihre Maisernte verdoppeln und verdreifachen, indem sie Desmodium in ihren Maisfeldern anbauen. Das Bohnengewächs verdrängt durch kräftige Wurzeln das Striga-Unkraut und wehrt den maisfressenden Stängel- bohrer durch seinen Geruch ab (Push) Das Insekt flüchtet auf das Elefantengras, das rund ums Feld gepflanzt wird, seine Larven bleiben dort kleben (Pull). Die nahrhaften Pflanzen werden ans Vieh verfüttert, das wiederum mehr Milch gibt.« (Seite 72)

In Mittelamerika praktizieren Kleinbauern und Gärtner schon seit jeher sogenannte „Milpas“: »Pflanzengemeinschaften, bei denen Mais, Bohnen und Kürbis in einem Beet wachsen und voneinander profitieren: Bohnen nutzen den Mais zum Ranken; Mais profitiert vom Stickstoff der Bohnen; Kürbisse bedecken und schützen den Boden.« (Seite 64)

Von Charles und Perrine Hervé-Gruyer www.fermedubec.com , die ihre Mikrofarm Bec Hellouin biointensiv mit Permakultur, Marktbeeten und kleinteiligen Mischkulturen erfolgreich und fruchtbar in Handarbeit beackern, über die Chinesin Yin Yuzhen, die gemeinsam mit ihrem Mann seit 40 Jahren mehr als 300.000 Bäume in der Ordos-Wüste gepflanzt hat, so daß der Regen zurückkam und auf kleinen Flächen im Schatten der Bäume wieder Gemüse gedeiht, bis zur Permakulturlandschaft der Ökodorfgemein- schaft Schloß Tempelhof und dem Holistischen Weidemanagement von Allan Savory (Simbabwe) oder Joel Salatin (USA) mit seiner Rinderfarm Polyface, auf deren Weide-wiesen mindestens 40 verschiedene Pflanzenarten wachsen und gedeihen – weltweit gibt es viele regenerative Anbaumethoden, die mit der Natur kooperieren, und eigenwillige, naturverbundene Pioniere, die gesunde Lebensmittel produzieren und gleichzeitig den Boden mit Humus anreichern und die Vielfaltisierung fördern.

Grafik aus: Eckhard Jedicke, 1993 „Im Boden steckt Leben: Allein die obersten 30 Zentimeter enthalten Milliarden Organismen – die meisten davon sind für uns unsichtbar.“

Die Palette menschenmöglichen, lebensdienlichen Handelns ist groß: Biointensivkulturen, Bodenbedeckung, Beisaaten, Gründüngung, Holistisches Weidemanagement, Kreislaufwirtschaft, Permakultur, pfluglose Bodenbearbeitung, Mischkulturen, Zwischensaaten, Terra Petra, Urbanes Gärtnern, Waldgärten, Regenwasserableitung in den Boden statt in die Kanalisation, Symbiotische Landwirtschaft, Wasserrückhaltelandschaften, Wassersammelsysteme, Wüstenbegrünung, Reaktivierung der Allmenden …

Ein Kapitel widmet sich ganz der regenerativen Bodenpflege. Nach einer amüsant-informativen „Modenschau der Bodenlebewesen“ – Biodiversität beginnt bereits im Boden – erlesen wir die elementare Bedeutung einer guten Durchwurzelung, da diese nicht nur eine bessere Pflanzenernährung, sondern auch Schutz vor Bodenverdichtung und Erosion bedeutet und der Humusbildung dient. Zur Durchwurzelung gehören die Mykorrhizapilze, die unterirdisch Nährstoffe zu den Wurzeln transportieren und über ihr ausgedehntes Pilzfädengeflecht (in 20 g humusreichem Boden befinden sich ein Kilometer Pilzfäden) die Bodenpartikel miteinander verbinden.

 

Foto: Hans-Peter Schmidt © Mykorrhiza-Wurzeln

Vorgestellt werden zudem zahlreiche Initiativen, die sich für eine Agrarwende einsetzen. Sie propagieren und praktizieren an lokale Bedingungen angepaßte, teilweise uralte Anbau- und Bodenbelebungsmethoden und fördern, forschen, erproben und ergänzen sie mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen. Außerdem leisten sie Aufklärungsarbeit und stellen politische Forderungen für eine Agrarwende und die „Humusrevolution“. Nachfolgend nur eine kleine Auswahl als Kostprobe:

Biovision (Stiftung von Hans Herrenwww.biovision.ch
Humusaufbauinitiative 4pour1000     www.4p1000.org
Permakultur-Institut   www.permakultur-institut.de
Regeneration international   www.regenerationinternational.org
Save Our Soils (EU-weite Bodenkampagne)   www.saveoursoils.com/de
Via campesina (globales Bündnis kleinbäuerlicher Betriebe)   www.viacapesina.org
Wir haben es satt    www.wir-haben-es-satt.de
Zukunftsstiftung Landwirtschaft    www.zukunftstiftung-landwirtschaft.de

Eine abschließende übersichtliche, stichwortartige Auflistung grundlegender Handlungs- und Forderungsempfehlungen vom Lokalen bis zum Globalen sowie viele nützliche Linkhinweise laden jeden dazu ein, seine persönliche Mitwirkungsmacht bewußt wahrzunehmen und entsprechend zu handeln. Jedes Kapitel enthält eine Doppelseite mit anregend-anschaulichen Praxistipps für den Garten, und damit schließt sich ebenfalls der Kreis vom lokalen Handlungsspielraum bis zum globalen Einfluß.

„Die Humusrevolution“ bietet ein weltenweites, wissenswertvolles Füllhorn einfacher, ganzheitlicher, nachhaltiger Lösungen für die Regeneration der Erde und der Wasserkreisläufe. Die beeindruckend große Vielfalt der konstruktiven und komplexen Landbelebungsmöglichkeiten, die in diesem Buch vorgestellt werden, sind erfreulich und sehr ermutigend – so wird Hoffnung genährt.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.oekom.de/nc/buecher/gesamtprogramm/buch/die-humusrevolution.html

Und zum Manifest „Regeneration ist möglich“:
https://www.oekom.de/fileadmin/user_upload/Manifest_Die_Humusrevolution.pdf

 

Grafik: Conservation Research Institute „Wiesenpflanzen haben unterscheidlich lange Wurzeln, hier ein Beispiel aus den USA. Im Gegensatz zu den metertiefen Wurzeln der natürlichen Wiesenvegetation sind die des ausgesäten Futtergrases (Poa pratensis) gerade mal wenige Zentimeter kurz (im Bild ganz links).“

Die Autoren:

»Ute Scheub ist promovierte Politikwissenschaftlerin und Publizistin, sie lebt mit ihrer Familie in Berlin. Die mehrfach mit Preisen ausgezeichnete taz-Mitbegründerin hat bisher 17 Bücher vor allem zu friedens-, frauen- und umweltpolitischen Themen veröffentlicht, darunter „Terra Petra – die schwarze Revolution aus dem Regenwald“ https://www.oekom.de/nc/buecher/gesamtprogramm/buch/terra-preta-die-schwarze-revolution-aus-dem-regenwald-erweiterte-neuauflage-1.html und „Glücksökonomie“  https://www.oekom.de/nc/buecher/gesamtprogramm/buch/gluecksoekonomie.html «

»Stefan Schwarzer ist Physischer Geograf und Permakultur-Designer. Er arbeitet seit 2000 für das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) in Genf, wo er sich mit  globalen Umweltthemen beschäftigt. Die Verbindung globaler Ziele mit lokalen Handlungen, vor allem in Form von einer aufbauenden Landwirtschaft in Anlehnung an die Permakultur, ist eines seiner Hauptanliegen. Er lebt seit Ende 2012 in der Lebensgemeinschaft Schloss Tempelhof.«

Querverweis:

Ergänzende und vertiefende Informationen bezüglich der Lebensfeindlichkeit der Agroindustrie finden sich in Ute Scheubs Buch »Ackergifte – Nein Danke! Für eine enkeltaugliche Landwirtschaft«:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/03/12/ackergifte-nein-danke/
Ergänzend zum lebhaften Bodenleben fügt sich das Buch von Amy Stewart ein:
»Der Regenwurm ist immer der Gärtner«:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/05/23/der-regenwurm-ist-immer-der-gaertner/

 

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