Die unsichtbaren Welten mikroskopisch kleiner Tiere

  • von Hélène Rajcak und Damien Laverdunt
  • Originaltitel »Les mondes invisibles des animaux microscopiques«
  • Wissenschaftliche Berater:
  • Cédric Hubas und Christine Rollard vom
  • Nationalen Naturkundemuseum in Paris
  • Aus dem Französischen von Edmund Jacoby
  • Verlagshaus Jacoby & Stuart   Februar 2017 www.jacoystuart.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 25 x 32 cm
  • Mit 10 Ausklappseiten
  • durchgehend farbig
  • 22,00 € (D), 22,70 € (A)
  • ISBN 978-3-946593-27-0
  • Kindersachbuch ab 9 Jahren

KLEINE WELTEN – GROSSES STAUNEN

Buchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

Dieses sorgfältig gestaltete Sachbuch gewährt uns faszinierende Einblicke in mikro-skopische Weltenräume, die mit dem bloßen Auge kaum oder gar nicht zu erkennen sind. Die präzise gezeichneten Mikroorganismen werden in bis zu 150facher Vergrößerung in ihrem jeweiligen Biotop dargestellt.

Wir besichtigen zehn verschiedene Lebensräume, in denen sich Mikroorganismen tummeln. Vom „Wasserballett des Planktons“ geht es zum Strand und von dort zum Meeresgrund. Weitere drei Lebensräume, die uns die Mikroorganismen sehr nahe bringen, sind das heimische Bett (Hausstaubmilbe & Co), die menschliche Haut und die Küche. Draußen geht es  weiter mit dem Waldboden, dem Moosbewuchs an Baum-stämmen, stillen Tümpelgewässern und dem strömenden Flußbiotop.

Mikroorganismen erfüllen unzählige lebensdienliche Aufgaben, wie beispielsweise für die Bildung von Humus (Hornmilben, Springschwänze, Rollasseln) oder die Sauerstoff-produktion (Kieselalgen). Manche sind aus menschlicher Perspektive auch lausig lästig und unangenehm (Flöhe, Krätzmilben, Zecken).

Einige Mikroorganismen, wie beispielsweise das nur 0,4 mm große Bärtierchen oder das nur 0,2 mm kleine Korsettierchen, nennt man extremophil, weil sie über eine Anpass-ungsfähigkeit verfügen, die sie extreme Temperaturen und Druckverhältnisse und sogar Sauerstoffmangel sowie absolute Dunkelheit überleben läßt.

Illustration aus „Die unsichtbaren Welten mikroskopisch kleiner Tiere“ von Hélène Rajcak und Damien Laverdunt © Verlagshaus Jacoby & Stuart 2017

Infotafel aus „Die unsichtbaren Welten mikroskopisch kleiner Tiere“ von Hélène Rajcak und Damien Laverdunt © Verlagshaus Jacoby & Stuart 2017

Anschauliche Szenenwechsel vom Makrokosmos zum Mikrokosmos führen den Betrachter von Doppelklappseite zu Doppelklappseite in verborgene Kleinstlebens- räume und ihre Bewohner ein. Deren körperlich oft bizarr anmutende Gestalten werden hier in bunter, detaillierter Formenvielfalt wiedergegeben. Ein kurzer Einführungstext erklärt das jeweilige Mikroökosystem, und numerierte informative Steckbriefbe- schreibungen der dazugehörigen Mikroorganismen helfen beim Zuordnen und Wiederfinden auf dem szenischen Wimmelbild des Minibiotops.

Die verwendete Maßstabgröße wird jedesmal deutlich angegeben und eingezeichnet. Besonders anschaulich werden die Größenordnungen jedoch illustratorisch beispiels-weise beim vergleichenden Nebeneinander eines Salzkornfelsens und einiger Staubmilbchen – das öffnet dem aufmerksamen Betrachter wirkungsvoll die Augen fürs Unsichtbare.

Ein lexikalischer Anhang erläutert alle Fachbegriffe, die zuvor zur Sprache gekommen sind, und zeigt auf Schautafeln Milben, Krebstiere und Protisten* sowie eine kleine Geschichte der Mikroskopie von mittelalterlichen Lesesteinen (Lupen) bis zum Elektronenmikroskop.

„Die unsichtbaren Welten mikroskopisch kleiner Tiere“ vermittelt durch die spannende zeichnerische Inszenierung und die leicht zugängliche Textbe- gleitung auf lebhafte Weise Wissen, Bewunderung und Respekt für die Vielfalt des Lebens, das seit eh und je vom Kleinen zum Großen und vom Großen zum Kleinen kreist.

Wenn Sie dieses Buch für Ihr Kind oder Enkelkind kaufen, kalkulieren Sie in weiser Voraussicht schon einmal die Kosten für ein Mikroskop mit ein …

 

*Protisten sind einzellige, aquatische Lebewesen, die nicht eindeutig dem Tier- oder Pflanzenreich zugeordnet werden können. Dazu gehören u.a. Amöben, Foraminiferen, Glockentierchen, Pantoffeltierchen und Rädertierchen.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.jacobystuart.de/buecher-von-jacoby-stuart/kinder-jugendsachbuch/kindersachbuch/die-unsichtbaren-welten-mikroskopisch-kleiner-tiere/

Die Autoren & Illustratoren:

»Hélène Rajcak ist 1981 geboren. Sie hat in Paris Illustration und Textildesign studiert und arbeitet dort heute als Illustratorin für die Presse und für Kinderbücher.
Damien Laverdunt ist 1978 geboren. Er hat Angewandte und Dekorative Kunst studiert, lebt und arbeitet in Paris als Autor, Zeichner und Grafiker und lehrt Angewandte Kunst an einem Gymnasium.«

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

 

 

 

 

 

Advertisements

Das geheime Leben der Bäume

  • Was sie fühlen, wie sie kommunizieren –
  • die Entdeckung einer verborgenen Welt
  • von Peter Wohlleben
  • Hörbuch
  • gelesen von Roman Roth und Peter Wohlleben
  • vollständige Lesung
  • Produktion: der Hörverlag 2015/16
  • erschienen im Hörverlag Oktober 2016   www.hoerverlag.de
  • Buchvorlage: Ludwig Verlag
  • 6 CDs in Pappschachtel
  • Laufzeit: ca. 6 Stunden, 54 Minuten
  • 19,99 € (D), 22,50 € (A), 28,50 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-2477-2
    Das geheime Leben der Baeume von Peter Wohlleben

B A U M S C H U L E

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Peter Wohlleben führt uns mit Gefühl, Verstand und Sinnlichkeit durch den Wald und lehrt uns das Staunen. Er doziert nicht, er erzählt!

Aktuelle naturwissenschaftliche Erkenntnisse werden von ihm sehr eingängig- komprimiert wiedergegeben und um seine langjährigen persönlichen Erfahrungen als Förster kurzweilig ergänzt.

Hätten Sie gewußt, daß Buchen gerne kuscheln? Ja, auch wenn sie sehr nahe beieinanderstehen, konkurrieren sie keineswegs miteinander um Nährstoffe, Licht und Wasser, sondern bei Bedarf füttern sie sich wechselseitig – über das komplexe unterirdische Wurzel- und Pilzfädchensystem – mit Glucoselösung. Buchenkinder stehen sehr lange im Schatten ihrer Mutter, weshalb sie nur langsam wachsen können. Doch diese „Erziehung durch Lichtdrosselung“ führt zu wesentlich stabilerem Wachstum und somit auf lange Sicht zu überlebenstüchtigeren Buchen.

Bäume kommunizieren über Duftstoffe und über chemische sowie elektrische Signal-übertragungen miteinander. Werden beispielsweise die Blätter eines Baumes von Raupen angefressen, so teilt der befallene Baum dies seiner Nachbarschaft über Duftsignale mit. Sowohl der befallene Baum wie auch die benachbarten verändern daraufhin die chemische Zusammensetzung des Pflanzensafts in ihren Blättern – was von Bitterstoffen bis hin zu  insektenspezifischen Giftstoffen reicht. Darüber hinaus verfügen Bäume auch über besondere Rettungslockdüfte, um natürliche Freßfeinde der angreifenden Insekten herbeizurufen.

Auch unterirdisch wird lebhaft kommuniziert. Ein Teelöffel Waldboden enthält mehrere Kiometer Pilzhypen. Der Vergleich dieser Pilzfäden mit der Glasfaservernetzung des Internets liegt nahe. Tatsächlich spricht man inzwischen schon vom „woodwideweb“.

Peter Wohlleben beschreibt die Bäume mithin nicht als isolierte Einzelwesen, sondern als Teil einer Lebensgemeinschaft. Dazu gehören auch Waldtiere, konkurrierende sowie kooperative Verhältnisse zwischen Bäumen und anderen Pflanzen sowie der erst zu einem kleinen Teil erforschte Mikrokosmos des Waldbodens. Die Mikroorganismen, die an der „Schnittstelle von Werden und Vergehen“ ihre wertvolle, unsichtbare Arbeit verrichten, werden ebenso gewürdigt wie Klimarelevanz, Luftfilterwirkung, Wasser- und CO₂-Speicherkapazität der Bäume.

Schädliche menschliche Eingriffe in den Gleichgewichtsorganismus Wald werden fundiert kritisiert und sinnvollen Maßnahmen zur ökologischen Bewirtschaftung, zum Schutz, Erhalt und zur Reanimierung heimischer Urwälder gegenübergestellt.

Egal welchem Detail sich der Autor widmet, stets ist seine Darstellung faszinierend, anschaulich und geradezu spannend, und stets fügen sich die Einzelheiten zu einer ganzheitlich Einheit.

Peter Wohllebens Buch „Das geheime Leben der Bäume“ ist ein wahrer Lichtblick in der Vermittlung von Wissen über Wald und Bäume. Seine einfühlsame, naturliebhaberische Haltung ist in jeder Zeile zu spüren und dürfte vielen Lesern/Hörern eine lebensdienliche Baumperspektive eröffnen.

Die Hörbuchversion enthält eine Bonus-CD, auf der Peter Wohlleben von seinem beruflichen Werdegang erzählt. Dies ist eine interessante Zugabe – im O-Ton -, die sehr authentisch davon berichtet, wie ein Mensch seiner Berufung folgt und nicht damit aufhört, von den Bäumen zu lernen.

Hier geht es zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Das-geheime-Leben-der-Baeume/Peter-Wohlleben/der-Hoerverlag/e514159.rhd

Das geheime Leben der Baeume von Peter WohllebenDie Buchausgabe ist im Mai 2015 beim Ludwig Verlag erschienen: Das geheime Leben der Bäume
Was sie fühlen, wie sie kommunizieren –
die Entdeckung einer verborgenen Welt
von Peter Wohlleben
gebunden, mit Schutzumschlag, 224 Seiten
19,99 € (D), 20,60 € (A), 26,90 sFr.
ISBN 978-3-453-28067-0
Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe:
https://www.randomhouse.de/Buch/Das-geheime-Leben-der-Baeume/Peter-Wohlleben/Ludwig/e478046.rhd
Seit Oktober 2016 gibt es das Buch zusätzlich als Bildband: https://www.randomhouse.de/Buch/Das-geheime-Leben-der-Baeume/Peter-Wohlleben/Ludwig/e502460.rhd

 

Der Autor:

»Peter Wohlleben, Jahrgang 1964, wollte schon als kleines Kind Naturschützer werden. Er studierte Forstwirtschaft und war über zwanzig Jahre lang Beamter der Landesforstverwaltung. Um seine ökologischen Vorstellungen umzusetzen, kündigte er und leitet heute einen umweltfreundlichen Forstbetrieb in der Eifel, den er zu einem urwaldähnlichen Laubwald zurückgeführt hat. Er ist Gast in zahlreichen TV-Sendungen, hält Vorträge und Seminare und ist Autor von Büchern zu Themen rund um den Wald und den Naturschutz. Im Ludwig Verlag erschien 2016 sein Bestseller „Das Seelenleben der Tiere“.«

Der Vorleser:

»Roman Roth, geboren 1980 in Frankfurt am Main, hat über Umwege zu seiner jetzigen Tätigkeit als Schauspieler und Sprecher gefunden. Nach dem Abitur absolvierte er zunächst eine Lehre als Bankkaufmann. Nach ersten Erfahrungen als Schauspieler entschied er sich 2006 für eine Ausbildung an der Westfälischen Schauspielschule Bochum. Er übernimmt regelmäßig Rollen in Theater, Film und Fernsehen, spielte u.a.    in dem Spielfilm Der letzte Zug. Seit 2012 lebt er als freischaffender Schauspieler in Berlin.«

Querverweis:

Hier entlang zu Peter Wohllebens Buch „Das Seelenleben der Tiere“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/01/30/das-seelenleben-der-tiere/
und zu Christopher D. Stones Klassiker des Umweltrechts „Haben Bäume Rechte?“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/06/18/haben-baume-rechte/

 

PS:
Schon mein Leben lang habe ich ein inniges Verhältnis zu Bäumen. Was dabei herauskommen kann, wenn man Bäumen zuhört, mag ein Poem illustrieren, das ich meiner alten Lieblingsbuche abgelauscht habe:

 

BAUMSCHULE

 

Ich sehe was
was Du nicht siehst
sagt mir der Baum
mit einer Hand in der Erde
mit der Anderen im Himmel
aus meinem Holz
sind Türen gemacht
die sich nur nach innen öffnen
komm näher Menschlein
hier lernst Du was fürs Leben
verlier ruhig ein bißchen
den Verstand
und laß Dich ein
sieh nur
hör nur
spüre
und vergiß es nie
auch in Deinem Körper
schlägt das Herz der Erde

 

Ulrike Sokul©
10/ 1995

 

 

 

 

Ackergifte? Nein danke!

  • Für eine enkeltaugliche Landwirtschaft
  • Von Ute Scheub
  • thinkOya*,  Akt 438     Oktober 2014           http://www.think-oya.de
  • 128 Seiten, Broschur
  • 10,–€ (D), 10.20 € (A), 14,- sFr.
  • ISBN 978-3-927369-87-0
    9783927369870

ERDE  ZU  ERDE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Ackergifte? Nein danke!“ versammelt gefährliches Wissen über Chemielobby-Lügen, vorbestellte wissenschaftliche ›Wahrheiten‹, allgegenwärtiges Glyphosat, Endokrine Disruptoren (EDCs), Gifte über Gifte, grenzwertige Grenzwerte, mangelhafte behördliche Kontrollen, organisierte Verantwortungslosigkeit usw. Nach dieser Lektüre wird man den Verharmlosungsstudien multinationaler Chemiekonzerne und ihrem angeblichen Kampf gegen den Welthunger keinen Glauben mehr schenken.

Wer sich schon längst weitgehend mit biologisch erzeugter Nahrung ernährt, kann sich leider nicht beruhigt zurücklehnen, denn durch zahlreiche Stoffkreisläufe erreichen die Gifte – wenn auch in geringerer Konzentration – auch die Refugien biologischer Landwirtschaft.

Ein paar Zahlen zum Vorgeschmack:

„Pro Jahr werden laut Umweltbundesamt auf einem landwirtschaftlich genutzten Hektar im Schnitt etwa neun Kilogramm Pestizide beziehungsweise zweieinhalb Kilogramm Wirkstoffe eingesetzt. Pestizide seien schädlich für das Leben, weil sie in 0,000 000 000 001 Gramm wirksam sein können, schreibt Pestizidexperte Klaus Friedrich Haalck. Wenn man sich vor Augen hält, dass schon ein Billionstel Gramm eine Wirkung auslösen kann, ist das eine ungeheure Giftmenge, die wir jedes Jahr unserem Land und uns selbst zumuten.“ ( Seite 9)

Daß viele Pflanzen, von deren Samen oder Früchten wir uns ernähren, auf die Bestäubung durch Bienen, Hummeln usw. angewiesen sind, ist noch verhältnismäßig anschaulich zu vermitteln. Bei den – für das bloße Auge – unsichtbaren Mikroorganismen, die für die Fruchtbarkeit des Erdbodens und ein gesundes Pflanzenwachstum unerläßlich sind, braucht man eine größere Fähigkeit, in kleinen und großen Zusammenhängen und Kreisläufen zu denken.

Es dauert hundert Jahre, bis sich eine Humusschicht von ein bis drei Zentimetern gebildet hat – heute wird diese in der winzigen Zeitspanne von ein bis zehn Jahren abgetragen.“ (Seite 12)

Die Wissenschaft fängt gerade erst an, die zahlreichen Bodenorganismen, ihre Wechselwirkungen und Symbiosen mit Pflanzen und ihre Koexistenz mit und in diversen Stoffwechselkreisläufen zu entdecken. Das natürliche Gleichgewicht dieser obersten Erdschicht, von der fast unsere ganze Nahrungsmittelerzeugung, aber auch die reinigende Wirkung von Wasserkreisläufen abhängt, wird durch Kunstdünger, Pestizide, Fungizide, Gülle, Herbizide, Insektizide, Biozide, Desinfektionsmittel, Arzneimittel- rückstände und weitere Chemieabfälle empfindlich gestört und letztlich auch zerstört.

Dazu kommen als katastrophale Nebenwirkungen: verstärktes Artensterben, Verminderung der Biodiversität, weitere ge- und zerstörte natürliche Gleichgewichte, steigende Krebserkrankungsraten, Allergien, belastetes Trinkwasser usw.

Zwar ist das „dreckigste Dutzend“ der Supergifte (z.B. DDT) durch die Stockholmer Konvention von 2001 weltweit verboten, und die in den Industrienationen zum Einsatz kommenden Pestizide sind etwas weniger giftig – aber giftig sind sie trotzdem und eine unabhängige wissenschaftliche Auswertung der kumulativen und kombinatorischen Wirkung verschiedener Gifte findet kaum statt.

Stattdessen betreiben die großen Chemie- und Saatgutkonzerne eine scheinbare Welternährungsrettungs-PR und verkaufen die systematische Zerstörung unseres wortwörtlichen Nährbodens als grüne Revolution. Man tauft die tödlichen „Waffen“ gegen pflanzlichen Wildwuchs und sogenannte Schadinsekten in Pflanzenschutzmittel um, beschwört den angeblichen Segen genmanipulierter Nahrungspflanzen, die angebliche Effizienz von Monokulturen und die scheinbare Ertragssteigerung durch Kunstdünger.

Tatsächlich jedoch bereiten diese Giftgaben den Boden für Krankheit. Die prinzipielle Lebensfeindlichkeit aller dieser Mittel ist eine logische Folge ihrer Entwicklung aus der Chemiewaffenproduktion. Kunstdünger und Insektizide waren und sind nämlich häufig ein Neben- oder Folgeprodukt der Chemiewaffenherstellung. Oft lassen sich die verwendeten Substanzen wahlweise als Insektizid, Nervengift und/oder Kampfgas verwenden.

Konventionell wirtschaftende Landwirte, die durch den Umgang mit diesen Giften selbst erkrankt sind, oder Biolandwirte, deren Weiden und Anbauflächen durch Abdrift solcher Gifte geschädigt werden, oder betroffene Anwohner müssen die Schadstoffbelastung – auf eigene Kosten – analysieren lassen, werden von behördlicher Seite meist verwaltungsvertrödelt, d.h. die Zuständigkeit wird von Amt zu Amt verschoben, und von den „Pflanzenschutzmittel“- Produzenten werden die Schäden als bedauerliche Einzelfälle eines Anwendungsfehl- verhaltens deklariert.

Und gegen Krankheiten gibt es dann wieder medikamentöse Gifte – ein profitabler Kreislauf auf Kosten des gegenwärtigen und zukünftigen Lebens.

Doch es geht auch anders. Zum Ausgleich und als positiver Handlungsimpulsgeber berichtet die Autorin im Anschluß an die Giftabrechnung über sinnvolle Alternativen.

„Würde die Menschheit mit Ökolandbau allein genug zu essen haben? Die fröhliche Antwort: Ja, das ist machbar! Eine enkeltaugliche Landwirtschaft ist möglich und macht Boden gut. Es ist genug für alle da.“ ( Seite 83)

So berichtet der Hoffnungsexkurs etwa über hiesige Biolandwirtschaft, Permakultur und symbiotische Landwirtschaft, die Förderung pestizidfreier Kommunen und das Bündnis »Kommunen für die biologische Vielfalt«, 212 Initiativen mit über 30 000 beteiligten Landwirten, die Gentechnik ausschließen, die weltweite Transition-Town-Bewegung, die erfolgreichen Pionierarbeiten des Schweizer Insektenforschers Hans-Rudolf Herren zur biologischen Schädlingsausgleichung, die Terra-Preta-Anbaumethode …

Im Anhang wird die Kampagne »Ackergifte? Nein Danke! « vorgestellt. Ein kurzer Leitfaden zum Umgang mit Schäden durch Ackergifte und zum Erkennen von Abdriftschäden informiert darüber, wie wichtig es ist, Vergiftungsfälle zu dokumentieren (es gibt einen nützlichen Meldebogen bei PAN Germany http://www.pan-germany.org ). Auch bei Landesbehörden (Pflanzenschutzämtern) finden sich zuständige Ansprechpartner.

Das vorliegende Buch ist eine Lektüre, die zwar schwer im Magen liegt, gleichwohl ist sie aber auch ein notwendiger „Wissensdünger fürs Denken“, der hoffentlich bei vielen Lesern zu Handlungsschritten führt, die dazu beitragen, unseren Enkeln eine lebendige Erde zu hinterlassen.Damit es nicht eines Tages heißen muß: Erde zu Erde, Gift zu Gift und Hunger zu Hunger.

AGND-Logo.jpeg BIENE

»Seit Frühjahr 2014 ist die Internetseite der Kampagne ›Ackergifte? Nein danke! ‹ http://www.ackergifte-nein-danke.de öffentlich zugänglich. Getragen von der Bürgerinitiative ›Landwende‹ http://www.landwende.de , die 2001 als Reaktion auf eine großflächige Herbizid-Vergiftung im Nordosten Deutschlands aktiv wurde, fordert die Kampagne ein Verbot sämtlicher Ackergifte und tritt für einen Abschied von der Agrarindustrie, verbunden mit der Hinwendung zu einer bäuerlichen, lebensfördernden und enkeltauglichen Landwirtschaft ein….
Ein erster Schritt dazu besteht darin, Schäden und Gesundheitsbeschwerden, die durch Abdrift von Ackergiften entstehen, zu registrieren und zu melden. Dazu arbeitet die Kampagne ›Ackergifte? Nein danke!‹ mit dem ›Pestizid Aktions-Netzwerk Deutschland e.V. (PAN) ‹ http://www.pan-germany.org zusammen. Mit Hilfe eines Meldebogens soll eine breite Datenbasis geschaffen werden, die das Ausmaß der allgegenwärtigen Vergiftung von Land und Leuten dokumentiert.« (Seite 103)

Die Autorin:

»Ute Scheub, Jahrgang 1955, ist Publizistin und Mitbegründerin der Tageszeitung taz. Als freie Autorin verfasste sie zahlreiche Bücher zu den Themen Frieden, Frauen und Ökologie, zuletzt: „Terra Preta. Die schwarze Revolution aus dem Regenwald“ und „Glücksökonomie. Wer teilt hat mehr vom Leben“. Ute Scheub lebt in Berlin.«  http://www.utescheub.de

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://think-oya.de/buch/ackergifte_nein_danke.html

*thinkOya Akt:Akt‹ (von lat. agere, handeln) steht für Aktion, Ereignis, Handlung. Als philosophischer Begriff bezeichnet ›Akt‹ eine realisierte Wirklichkeit im Gegensatz zur ›Potenz‹, einer (noch) nicht manifesten Möglichkeit. In der Reihe » thinkOya Akt« erscheinen Aufklärungs-, Streit- und Flugschriften, die zu konkreten Handlungen anstiften. Jeder Band ist eine Ideenwerkstatt zu den drängenden Herausforderungen unserer Zeit. Im Weiterdenken und Aktivwerden der Leserinnen und Leser können diese Ideensamen zu konkreten Utopien heranreifen. Wie Akte eines Bühnenstücks sind die einzelnen Bände Teile eines sich fortschreibenden Werks, dessen Ganzes mehr als die Summe seiner Teile ist. Die Titel sind in handfester Broschur gefertigt, tragen eine nicht-chronologische Nummerierung und verbinden individuelle Gestaltung mit hohem Wiedererkennungswert.

 

thinkOya ist ein Imprint der Drachen Verlag GmbH in Kooperation mit der Zeitschrift:
Oya – anders denken, anders leben.
http://www.oya-online.de