Schneeglück verschenken

  • Text und Illustration von Heyjin Go
  • Atlantis Verlag, September 2020 www.atlantis-verlag.ch
  • Originaltitel: »Gift Box of Bear«
  • Deutsche Textfassung von Eva Roth und Hans ten Doornkaat
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 44 Seiten
  • Format: 25 x 24 cm
  • 17,00 € (D), 17,50 € (A), 24,90 sFr.
  • ISBN 978-3-7152-0795-7
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

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WENN EIN GESCHENK VOM WINTER IN DEN SOMMER REIST

Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Herr Bär pflegt eine Freundschaft mit zwei Girlitzen. Im Herbst fliegen seine gefiederten Freunde in wärmere Gefilde. Herr Bär und die Girlitze winken sich noch einmal zu, und dann zieht sich Herr Bär in den Winterschlaf zurück.

Der Winter kommt und mit ihm eine Menge Schnee. Einige Waldtiere, die keinen Winter-schlaf halten, veranstalten an einem sonnigen Wintertag eine lustige und unüberhör- bare Schneeballschlacht. Herr Bär wird wach, schimpft über die Ruhestörung und marschiert ärgerlich hinaus. Doch draußen in der verschneiten Landschaft verfliegt sein Ärger, und er staunt über den verwandelten Wald, schmeckt Schneeflocken ab und springt und tanzt freudig umher – denn Schnee sieht er zum ersten Mal.

Herr Bär begegnet bei seiner Schnee-Erkundung einer Maus und erklärt ihr, daß er dieses Schneewunder gerne den Girlitzen zeigen möchte. Die Maus regt an, einen Schneemann zu bauen und diesen an die Girlitze zu schicken. Sie hilft auch eifrig mit, dafür Schneekugeln zu rollen, bis ihr die Pfötchen zu kalt werden und sie sich verab- schiedet. Der Bär bedankt sich und baut weiter an seinem Geschenkschneemann.

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Illustration von Heyjin Go © 2020 Atlantis Verlag, Zürich

Ein Hase kommt vorbei und spendiert eine schöne Möhre als Nase und zusätzlich einen seiner Wollhandschuhe. Sodann stellt Herr Bär den Schneemann in ein großes Einmach-glas und macht sich auf den Weg zur Post. Unterwegs trifft er einen Fuchs, der für die Ausstattung des Schneemanns einen Hut spendiert, und ein Schwein, das der Schnee-mannbekleidung noch einen roten Schal hinzufügt.

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Illustration von Heyjin Go © 2020 Atlantis, Zürich

Nun reist der Schneemann mit all seinen Accessoires per Postpaket vom Winter in den Sommer. Die Girlitze freuen sich sehr über das Paket von Herrn Bär. Bis zu seiner Ankunft hat sich das Schneegeschenk selbstverständlich sehr verändert. Der Schnee-mann ist geschmolzen, im Einmachglas schwimmt der Hut zusammen mit Schal und Handschuh auf dem Wasser.

Die Girlitze deuten Herrn Bärs Geschenk als Teich und den Hut als Boot, das ausge-polstert mit dem roten Schal ein komfortabeles Plätzchen für die Girlitze bietet. So  geht der Wunsch Herrn Bärs, seine Schneefreude mit den Girlitzen zu teilen, bei aller Verwandlung doch noch in Erfüllung.

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Illustration von Heyjin Go © 2020 Atlantis, Zürich

Die Illustrationen hat Heyjin Go in einer Kombination aus Buntstift- zeichnungen und digitaler Collage gestaltet. Die landschaftliche Kulisse erscheint bei den Szenen im Winterwald in gedeckten, winterlichen Farbschattierungen und hellem Schneeweiß, die Tierfiguren in natürlichen Fellfarben – eine witzige Ausnahme sind die Schweine, die hier keine borstigen Wildschweine sind, sondern rosige Hausschweine.

Vereinzelte Farbtupfer, wie beispielsweise die kupferorange Farbtönung der Fuchsfelle und der rote Wollschal heben sich vor diesem Hintergrund kontrastreich ab. Die sommerlichen Szenen bei den Girlitzen erstrahlen hingegen in warmen, grünen und sonnigen Farbtönen, die gut zur sonnen- gelben Färbung der Girlitze passen.

Die Autorin und Illustratorin Heyjin Go erzählt eine heitere, leichte und lebensbejahende Geschichte über die Freude des Schenkens. Herr Bär zeigt anschaulich seine Freude und Dankbarkeit angesichts einer neuen beglück- enden Erfahrung, und er ist sogleich davon erfüllt, diese Freude mit anderen zu teilen. Und auch die anderen Tiere, die freigiebig etwas zum Schneemanngeschenk beitragen, sind offensichtlich fähig und bereit zur Mitfreude.

„Schneeglück verschenken“ ist ein schönes Bilderbuch für alle kleinen und großen Freudenverteiler.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.atlantisverlag.ch/heyjin-go-schneeglueck-verschenken/

Die Autorin & Illustratorin:

»HEYJIN GO lebt in Südkorea. Sie studierte Grafikdesign und liebt es, sich in ihren Büchern mit der Welt der Kinder und Naturthemen auseinanderzusetzen. Sie gewann die Silbermedaille des koreanischen Hans-Christian-Andersen-Preises 2015 mit ihrem Bilderbuch A Happy Fox. 2016 war sie für den Bologna Ragazzi Award nominiert, und 2017 gewann sie einen Preis des internationalen Bilderbuch-Illustrationswettbewerbs Nami Island.«

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30 Kommentare zu “Schneeglück verschenken

  1. Dieser Moment, in dem meine Räubertochter ihre Zunge in den Himmel streckte und die herabfallenden Schneeflocken auffing, werde ich nie vergessen. Und dann zitierte sie den Bären: „Mhmmm, das ist wie Zuckerwatte auf der Zunge!“ – Marmeladenglasmoment. ❤

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  2. Liebe Ulrike,
    auch ich würde mich über das Geschenk vom Bären freuen, egal ob es als Schneemann oder als kleiner Teich ankäme. Denn beides würde heißersehnte Flüssigkeit bedeuten, die uns zur Zeit extrem fehlt. Aber wir hoffen sehr, bald einige tanzende Schneeflocken begrüßen zu können. ❄❄❄
    Aus dem durstigen Colorado grüßt Dich herzlich,
    Tanja

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  3. Bei Dir sammeln sich die Menschen mit Kinderherzen, liebe Ulrike 🙂
    Ich freue mich jetzt schon darauf, die von Dir mit so viel Liebe vorgestellten Kinderbücher, oder wenigstens einige davon, vorlesen zu dürfen, dann, wenn mein Mimienkelchen ein kleines bissel älter geworden ist. Im Moment wäre sie davon noch überfordert.

    Ganz herzlich, Bruni

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    • Den Eindruck habe ich auch, liebe Bruni. 💖
      Und ich lese hier gerne von Deiner Vorfreude auf Bilderbuchvorlesezeiten mit Deinem Minienkelchen.
      Mir liegen Kinderbücher sehr am Herzen und die „erwachsene“ Distanzierung oder gar literarische Abwertung von Kinderbüchern ist mir fremd.
      Herzlich dankt und grüßt,
      Ulrike ❄ ⛄ ❄

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  4. Mit der Zunge nach Schneeflocken schnappen. Oh, mein Gott, wie gern habe ich das als Kind gemacht. Und auch all die anderen Zeichnungen suggerieren, dass man Winter auch genießen kann. Und die Tiere zeigen, wie es gemeinsam gelingen kann. Herzlichen Dank fürs Vorstellen dieses Buches

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  5. Eine interessante Idee, gerade diese kleinen Finken zu verwenden, die ja zumindest in großen Teilen Europas eher Teilzieher sind als echte Zugvögel, gar nicht so wirklich bis in den andauernden Sommer ziehen (maximal bis ca. Ägypten, zu einem großen Teil aber in Europa bleiben). Wie sie’s in Korea halten, weiß ich nicht.
    Das macht die Sache für Kinder und Vorleser, die womöglich mitten im Winter einen Girlitz erspähen (den im Käfig sitzenden Kanarengilitz nicht mitgerechnet) nicht einfacher, aber die Reise des schmelzenden Geschenkschneemannes realistischer, als wenn dieser etwa den Schwalben womöglich bis zum Äquator nachstreben hätte sollen.

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    • Hab‘ Dank für Deine ornithologischen Präzisionen. Für das Verständnis der inhaltlichen Essenz dieser Bilderbuchgeschichte ist die Frage, ob Girlitze echte Zugvögel oder Teilzieher sind, glückerlicherweise nebensächlich.

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  6. Das hat seinen ganz besonderen Charme. Dass der sich staunend über den neuentdeckten Schnee freuende Bär sogleich an seine Freunde denkt, die noch nie im Leben Schneefreuden erlebt haben, ist, wie ich finde, ein besonders schöner Zug. Und diese Wendung, dass das zu erwartende Desaster buchstäblich abgewendet und das Geschenk trotz völlig veränderter Form doch die gewünschte Wirkung hervorruft, finde ich besonders gelungen. Da steckt ja auch eine wertvolle Lebensweisheit dahinter, dass man etwas drastisch Verändertem, das auf den ersten Blick sinnlos geworden ist, eben einen neuen Sinn verleihen kann durch eine „NeubeSINNung.“

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    • Verbindlichen Dank für Deine beSINNliche und zugeneigte Resonanz auf meine Bilderbuchempfehlung. Ich finde es ebenso wie Du besonders erfreulich, mit welch lebhaftem Engagement der Bär seine Schneefreude mit den Girlitzen unbedingt teilen möchte. Daß die Veränderung des Aggregatszustands des Schneegeschenks dennoch ein Anlaß zur Freude für die Girlitze ist, zeigt ja außerdem, daß die Freude über ein Geschenk auch immer etwas damit zu tun hat, wie man es positiv interpretiert. 😀

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  7. schön, die illustrationen, und schön auch, wie spielerisch und leicht unterschiedliche blickwinkel, erfahrungen, (er)lebenswelten hier in die geschichte gebracht, grenzen überwunden werden …
    danke für die vorstellung, liebe ulrike!

    Gefällt 6 Personen

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