Schneeglück verschenken

  • Text und Illustration von Heyjin Go
  • Atlantis Verlag, September 2020 www.atlantis-verlag.ch
  • Originaltitel: »Gift Box of Bear«
  • Deutsche Textfassung von Eva Roth und Hans ten Doornkaat
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 44 Seiten
  • Format: 25 x 24 cm
  • 17,00 € (D), 17,50 € (A), 24,90 sFr.
  • ISBN 978-3-7152-0795-7
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

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WENN EIN GESCHENK VOM WINTER IN DEN SOMMER REIST

Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Herr Bär pflegt eine Freundschaft mit zwei Girlitzen. Im Herbst fliegen seine gefiederten Freunde in wärmere Gefilde. Herr Bär und die Girlitze winken sich noch einmal zu, und dann zieht sich Herr Bär in den Winterschlaf zurück.

Der Winter kommt und mit ihm eine Menge Schnee. Einige Waldtiere, die keinen Winter-schlaf halten, veranstalten an einem sonnigen Wintertag eine lustige und unüberhör- bare Schneeballschlacht. Herr Bär wird wach, schimpft über die Ruhestörung und marschiert ärgerlich hinaus. Doch draußen in der verschneiten Landschaft verfliegt sein Ärger, und er staunt über den verwandelten Wald, schmeckt Schneeflocken ab und springt und tanzt freudig umher – denn Schnee sieht er zum ersten Mal.

Herr Bär begegnet bei seiner Schnee-Erkundung einer Maus und erklärt ihr, daß er dieses Schneewunder gerne den Girlitzen zeigen möchte. Die Maus regt an, einen Schneemann zu bauen und diesen an die Girlitze zu schicken. Sie hilft auch eifrig mit, dafür Schneekugeln zu rollen, bis ihr die Pfötchen zu kalt werden und sie sich verab- schiedet. Der Bär bedankt sich und baut weiter an seinem Geschenkschneemann.

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Illustration von Heyjin Go © 2020 Atlantis Verlag, Zürich

Ein Hase kommt vorbei und spendiert eine schöne Möhre als Nase und zusätzlich einen seiner Wollhandschuhe. Sodann stellt Herr Bär den Schneemann in ein großes Einmach-glas und macht sich auf den Weg zur Post. Unterwegs trifft er einen Fuchs, der für die Ausstattung des Schneemanns einen Hut spendiert, und ein Schwein, das der Schnee-mannbekleidung noch einen roten Schal hinzufügt.

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Illustration von Heyjin Go © 2020 Atlantis, Zürich

Nun reist der Schneemann mit all seinen Accessoires per Postpaket vom Winter in den Sommer. Die Girlitze freuen sich sehr über das Paket von Herrn Bär. Bis zu seiner Ankunft hat sich das Schneegeschenk selbstverständlich sehr verändert. Der Schnee-mann ist geschmolzen, im Einmachglas schwimmt der Hut zusammen mit Schal und Handschuh auf dem Wasser.

Die Girlitze deuten Herrn Bärs Geschenk als Teich und den Hut als Boot, das ausge-polstert mit dem roten Schal ein komfortabeles Plätzchen für die Girlitze bietet. So  geht der Wunsch Herrn Bärs, seine Schneefreude mit den Girlitzen zu teilen, bei aller Verwandlung doch noch in Erfüllung.

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Illustration von Heyjin Go © 2020 Atlantis, Zürich

Die Illustrationen hat Heyjin Go in einer Kombination aus Buntstift- zeichnungen und digitaler Collage gestaltet. Die landschaftliche Kulisse erscheint bei den Szenen im Winterwald in gedeckten, winterlichen Farbschattierungen und hellem Schneeweiß, die Tierfiguren in natürlichen Fellfarben – eine witzige Ausnahme sind die Schweine, die hier keine borstigen Wildschweine sind, sondern rosige Hausschweine.

Vereinzelte Farbtupfer, wie beispielsweise die kupferorange Farbtönung der Fuchsfelle und der rote Wollschal heben sich vor diesem Hintergrund kontrastreich ab. Die sommerlichen Szenen bei den Girlitzen erstrahlen hingegen in warmen, grünen und sonnigen Farbtönen, die gut zur sonnen- gelben Färbung der Girlitze passen.

Die Autorin und Illustratorin Heyjin Go erzählt eine heitere, leichte und lebensbejahende Geschichte über die Freude des Schenkens. Herr Bär zeigt anschaulich seine Freude und Dankbarkeit angesichts einer neuen beglück- enden Erfahrung, und er ist sogleich davon erfüllt, diese Freude mit anderen zu teilen. Und auch die anderen Tiere, die freigiebig etwas zum Schneemanngeschenk beitragen, sind offensichtlich fähig und bereit zur Mitfreude.

„Schneeglück verschenken“ ist ein schönes Bilderbuch für alle kleinen und großen Freudenverteiler.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.atlantisverlag.ch/heyjin-go-schneeglueck-verschenken/

Die Autorin & Illustratorin:

»HEYJIN GO lebt in Südkorea. Sie studierte Grafikdesign und liebt es, sich in ihren Büchern mit der Welt der Kinder und Naturthemen auseinanderzusetzen. Sie gewann die Silbermedaille des koreanischen Hans-Christian-Andersen-Preises 2015 mit ihrem Bilderbuch A Happy Fox. 2016 war sie für den Bologna Ragazzi Award nominiert, und 2017 gewann sie einen Preis des internationalen Bilderbuch-Illustrationswettbewerbs Nami Island.«

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Als Rigo Mäuse anpflanzte und Rosa Leoparden erfand

  • 31 Geschichten von großartigen Kleinigkeiten
  • Text von Lorenz Pauli
  • Illustrationen von Kathrin Schärer
  • Atlantis Verlag, 2021   www.atlantisverlag.ch
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 144 Seiten
  • Format: 20 x 26 cm
  • 20,00 € (D), 20,60 € (A), 28,90 sFr.
  • ISBN 978-3-7152-0831-2
  • Geschichtenbilderbuch ab 5 Jahren

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PHANTASTOPHILOSOPHISCHE  GEDANKENSPIELE

Kinderbuchrezension  von Ulrike Sokul ©

Der erste Band von „Rigo und Rosa“ ist vor fünf Jahren erschienen (siehe meine Be-sprechung: Rigo und Rosa). War bereits dieser erste Band ein besonderes Kinderbuch von erstaunlicher Einfühlsamkeit und spielerischer Weisheit, so setzt sich dies nun im Folgeband erfreulich fort. Dennoch kann man beide Bücher unabhängig voneinander vorlesen.

Rigo ist ein alter Leopard und Rosa eine junge Maus, beide leben im Zoo. Sie haben sich kennengelernt, als Rosa eines Tages bei Rigo Schutz gesucht hat und Rigo, gerührt vom Vertrauen der kleinen Maus, davon Abstand nahm, diesen Leckerbissen zu verspeisen. Seitdem sind die beiden innig befreundet und unterhalten sich jeden Tag über die großen und kleinen Ereignisse des Zooalltags und die Fragestellungen und Gedanken- kreise, die sich daraus ergeben.

Rigo und Rosa sprechen über das Erfinden und Entfinden, über eine Abgabestelle für überflüssige Sorgen, über künstlerische Perspektiven, Zufälle und Verwandlungen, über Unglück und Glück, Kommen und Gehen, Vermissen und Sehnen, Wahrheit und Lüge, über die Komplexität gerechten Teilens sowie über Winzlinge und Wunder.

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Illustration von Kathrin Schärer © Atlantis Verlag 2021

Sie lauschen der Stille und betrachten Sternschnuppen, sie versuchen sich am Gedichte-reimen, bis Rosa kurzentschlossen einfach ein lustiges Gedicht aus bedeutungsfreien, aber sehr klangvollen Silben aufsagt, das beiden gefällt.

»Koro mumi dabidoll
Hani bani bilaboll
Samarubi dudel dimm
Rabelsomm ei rabelsimm
Dubidibidabi dar …«
(Seite 66)

Bemerkenswert ist zudem die Umkehrperspektive von Rigo und Rosa auf die sie beobachtenden Menschen. Dabei regt Rosa folgende Käfigbeschriftung für Menschen an: »Nette Herdentiere. Vielleicht mit den Schafen verwandt.« (Seite 48)

Lorenz Pauli erzählt die hier versammelten einundreißig Geschichten mit heiterem sprachlichen Fein- und Hintersinn. Die erkenntnisspielerischen Dialoge zwischen Rigo und Rosa ergeben sich immer aus konkreten Situationen oder Ereignissen, so daß Kinder den Gedankengängen einfach folgen können. Neben der unaufdringlichen philosophischen Tiefe ist auch die freundschaftliche Zärtlichkeit und Vertrautheit, mit der Rigo und Rosa miteinander umgehen, beeindruckend.

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Illustration von Kathrin Schärer © Atlantis Verlag 2021

Kathrin Schärers Illustrationen halten eine schöne Balance zwischen einer weitgehend naturalistischen Darstellung und der erzähldramaturgisch bedingten lebhaften mimischen und körpersprachlichen Ausdruckfülle. 

Diese Geschichten bieten anschaulichen Gefühlsreichtum und wunderbare phantasto-philosophische Gedankenspiele, die der kindlichen Geistesfrische, Lebensneugier und Entdeckungsfreude anregend entgegenkommen.

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:

Lorenz Pauli und Kathrin Schärer: Als Rigo Mäuse anpflanzte und Rosa die Leoparden erfand

Hier entlang zum ersten Band von Rigo und Rosa: Rigo und Rosa

Der Autor:

»Lorenz Pauli wurde 1967 geboren. Er gehört zu den beliebtesten Schweizer Kinderbuch-autoren und Erzählern. Für seine Bücher hat Lorenz Pauli zahlreiche Auszeichnungen bekommen, zuletzt den Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis 2017 für „Rigo und Rosa“ (Pauli/Schärer, 2016 Atlantis). Pauli lebt mit seiner Familie in Bern. www.mupf.ch «

Die Illustratorin:

»Kathrin  Schärer, geboren 1969 in Basel, studierte Zeichen- und Werklehrerin an der Hochschule für Gestaltung in Basel. Sie unterrichtet an einer Sprachheilschule und arbeitet als Illustratorin. Wiederholt hat sie eigene Texte illustriert und in langjähriger Zusammenarbeit und mit großem Erfolg Geschichten von Lorenz Pauli. Für ihr Gesamtwerk war Kathrin Schärer für den Hans-Christian-Anderson-Preis 2012 und für den Astrid Lindgren Award 2014 nominiert. Bereits zweimal wurde Kathrin Schärer mit dem Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis ausgezeichnet, 2011 für „Johanna im Zug“ (2009, Atlantis) und 2017 für „Rigo und Rosa“ (2016, Atlantis, Text von Lorenz Pauli). www.kathrinschaerer.ch «

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Illustration von Kathrin Schärer © Atlantis Verlag 2021

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Ein Weiser, ein Kaiser und viel Reis

  • Text und Bilder von Paolo Friz
  • Atlantis Verlag, Februar 2017   http://www.ofv.ch/kinderbuch/atlantis/
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 29,7 x 20 cm
  • 32 Seiten
  • 14,95 €, 24,90 sFr.
  • ISBN 978-3-7152-0724-7
  • Bilderbuch ab 5 Jahren

V E R S C H Ä T Z T

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wenn Sie sich unter der Zahl 264-1  bzw. unter der Zahl 18,45 Trillionen nicht wirklich etwas vorstellen können, sind Sie schon auf dem besten Wege, die Geschichte zu begreifen, die in diesem Bilderbuch erzählt wird. Exponentielles Wachstum überfordert halt unsere Vorstellungskraft, und deshalb wird es meist gefährlich unterschätzt.

Laut einer alten Legende befüllen die Reisbauern alljährlich ihre Boote, um ihrem Kaiser eine beträchtliche Reisabgabe zu liefern, die sie selbst und ihre Familien an die Grenze zum Verhungern bringt, während sich die höfischen Vorratskammern füllen und füllen.

Ein Bauer wagt es, diesen existenziellen Sachverhalt vor dem Kaiser zur Sprache zu bringen. Doch der Kaiser ist arrogant, selbstherrlich und uneinsichtig. Geknickt kehren die Bauern in ihr Dorf zurück und suchen nach einer Lösung. Die Tochter des Dorfältesten regt an, „den alten Weisen auf dem Hügel“ um Rat zu bitten.

Der alte Weise hört sich die Klagen der Bauern an und verspricht, ihnen zu helfen. Nach einer schlaflosen Nacht hat er eine raffinierte Idee, wie er diplomatischen Einfluß auf den Kaiser gewinnen könne. Die Vorliebe des Kaisers für spannende Brettspiele ist allgemein bekannt, und so denkt sich der Weise ein ganz besonderes Brettspiel mit Bauern, Läufern, Springern, Türmen, König und Königin (Dame) aus.

Mit tatkräftiger Unterstützung seiner Nichte werden die Spielfiguren aus Holz geschnitzt und ein Spielbrett mit 8 x 8 quadratischen, abwechselnd schwarz-weißen Spielfeldern hergestellt.

Der Weise besucht den Kaiser, führt ihm sein neues Brettspiel vor und erklärt die Spielregeln. Sie spielen einige Runden, und der Weise läßt selbstverständlich immer den Kaiser gewinnen. Das Entzücken über dieses neuartige Brettspiel ist für den Kaiser so groß, daß er verspricht, dem Weisen jeden Wunsch zu erfüllen.

Ganz bescheiden sagt der Weise, er wolle ein Reiskorn für das erste Spielfeld, zwei Reiskörner für das zweite Feld, für das dritte vier, für das vierte acht und immer so weiter bis zum 64. Feld. Zwar wundert sich der Kaiser, daß der Weise keine Kostbar-keiten verlangt, sondern nur – wie er meint – einen Sack Reis, aber versprochen ist versprochen. Sogleich wird der Hofmathematiker damit beauftragt, die exakte Reismenge zu berechnen …

Schon bald zeigt sich, daß der Kaiser die gewünschte Reismenge dramatisch unterschätzt hat. Selbst als die kaiserlichen Vorratskammern geleert sind, ist die versprochene Menge noch längst nicht erreicht. Der Hofmathematiker erläutert dem Kaiser, daß sie Milliarden von Frachtschiffen beladen müßten, und die Aneinander- reihung der Schiffe wäre länger als der Weg von der Erde bis zur Sonne.

Illustration von Paolo Friz aus „Ein Weiser, ein Kaiser und viel Reis“ © Atlantis Verlag 2017

Demütig bittet der Kaiser den alten Weisen um Gnade und fleht ihn an, sich etwas anderes als diese astronomische Anzahl von Reiskörnern zu wünschen. Daraufhin erbittet sich der Weise, daß niemand mehr im Lande hungern müsse und daß die Reisernte gerecht zwischen Bauern und Hofstaat geteilt werden solle. Erleichtert stimmt der Kaiser zu, und die Bauern haben allen Anlaß, im Dorf ein Freudenfest zu feiern und Schach zu spielen …

Das angefügte Nachwort erklärt die Reisberechnung in Worten und Zahlen und weist darauf hin, daß die Legende von der Erfindung des Schachspiels auch alternativ anhand von Weizenkörnern erzählt sowie wahlweise in Indien, im arabischen Raum oder in China verortet wird. Mit dem vor- liegenden Bilderbuch befinden wir uns in einer ostasiatischen Umgebung. Die feinsinnigen Illustrationen von Paolo Friz zeigen asiatische Land- schaften und detailreiche, stilvolle Interieurs, die mit ausdrucksvollen, charakterstarken Figuren bevölkert sind, deren Mimik und Körpersprache deutlich mitwirken.

„Ein Weiser, ein Kaiser und viel Reis“ erteilt uns eine kluge und augen- zwinkernde Lektion über die typisch menschliche Unterschätzung exponentiellen Wachstums und über den Wert des gerechten Teilens. Es ist ein vielschichtiges Bilderbuch und bietet nachhaltigen Stoff zum Denken, zum Mitfühlen, zum Nachrechnen, zum Philosophieren und zum Staunen.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://ofv.ch/kinderbuch/detail/ein-weiser-ein-kaiser-und-viel-reis/102858/

 

Der Autor und Illustrator:

»Paolo Friz studierte Illustration an der Hochschule Design & Kunst Luzern und an der Hochschule für angewandte Kunst in Prag. Nach seinem Abschluss machte er ein Masterstudium an der Central Saint Martins School of Art in London in Communication Design. Heute ist Paolo Friz Designer, Illustrator mehrfach ausgezeichneter Arbeiten und Dozent an der Hochschule Design & Kunst Luzern. Mit Norbert Raabe veröffentlichte er 2010 sein erstes Bilderbuch Sydney und Nelson im Atlantis-Verlag.«

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Rigo und Rosa

  • 28 Geschichten aus dem Zoo und dem Leben
  • Text von Lorenz Pauli
  • Bilder von Kathrin Schärer
  • Atlantis Verlag, Februar 2016   www.atlantis-verlag.ch
  • Format: 17,6 x 26,4 cm
  • gebunden, Fadenheftung
  • durchgehend vierfarbig
  • 16,95 € (D), 17,50 € (A), 26,80 sFr.
  • ISBN 978-3-7152-0710-0
  • Bilderbuch ab 5 Jahren

P H I L O Z O O L O G I S C H

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Eines Abends findet der alte und schon etwas müde Zooleopard Rigo eine kleine Maus in seinem Gehege. Kurz ist er geneigt, sie einfach aufzufressen, aber da sie ihn so rührend und vertrauensselig um Schutz vor bösen Tieren bittet, unterhält er sich amüsiert mit ihr. Die Maus heißt Rosa und darf schließlich, eingekuschelt in den Leopardenschwanz, bei Rigo übernachten.

Rigo und Rosa Innen 1

Illustration aus: Rigo und Rosa © Atlantis Verlag 2016 Text: Lorenz Pauli / Illustration: Kathrin Schärer

Am nächsten Morgen geht das Kennenlernen und Miteinanderplaudern munter weiter. Rosa ist jung, neu- und wißbegierig und springlebendig. Rigo genießt die täglichen Besuche von Rosa und die abwechslungsreichen Ideen, Phantasien und Fragestellungen, die sie stets mitbringt.

Rigo und Rosa Innen 2

Illustration aus: Rigo und Rosa © Atlantis Verlag 2016 Text: Lorenz Pauli / Illustration: Kathrin Schärer

In heiter-schelmischen Dialogen erörtern sie die Themen Angst und Vertrauen, richtige und falsche Geschenke, wie man Feste feiert, die Kugelform der Erde, Schönheit und Wahrheit sowie Freude und Weisheit, und sie beschäftigen sich damit, wie man die Welt verändert, Langweile vertreibt, Schnupfen mit Kräutern heilt u.v.a.m.

Während all dieser spielerisch-philosophischen Betrachtungen geht es auch immer wieder um die wechselseitig wachsenden freundschaftlichen Gefühle, und manchmal erfinden sie auch ganz neue Worte, wie z.B. „flatterastisch“ für die Schönheit der Schmetterlinge oder „extratopoflorios“ für eine besonders schöne Pflanzen- und Tautropfenszenerie.

„Alles, was wir tun, ist wichtig.
Wenn du willst, dass etwas passiert,
dann musst du es selber tun.
Du musst es tun, als ob es nur auf dich
alleine ankommen würde.
Denn es kommt auf dich an.“  (Seite 115)

In diesen 28 Geschichten gibt Lorenz Pauli großen Gedanken, tiefsinnigen Fragen und lebhaften Gefühlen mit meisterhafter Einfachheit kindgerecht einen warmherzigen, erzählerischen Entwicklungsraum. Die weitgehend naturbelassenen Illustrationen von Kathrin Schärer werden den beschriebenen Charakteren mimisch, gestisch und szenisch ausdrucksvoll gerecht und harmonieren wunderbar mit dem einfühlsam-nachdenklichen, humorvollen Tonfall des Textes.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.atlantisverlag.ch/lorenz-pauli-und-kathrin-schaerer-rigo-und-rosa/

Der Autor:

»Lorenz Pauli, geboren 1967. Nach einer Banklehre machte er die Ausbildung zum Kindergärtner. Seit 1989 arbeitet er in einem Kindergarten in Zollikofen; längst mit reduziertem Pensum, denn oft ist er unterwegs als Erzähler. Mit wenigen Requisiten und mit sympathischer Bühnenpräsenz fasziniert er Kinder und Erwachsene. 2012 bekam Lorenz Pauli Ehrerweisung auch von offizieller Seite – mit einem Platz auf der IBBY-Honour-List für die Qualität seines Textes in »Oma Emma Mama« (2010, Atlantis). Pauli lebt mit seiner Familie in Bern. Hinweise auf seine Veröffentlichungen in Berner Mundart, auf Bücher und Tonträger unter: Webseite:  http://www.mupf.ch  «

Die Illustratorin:

»Kathrin Schärer, 1969 geboren, studierte an der Hochschule für Gestaltung Basel, wo sie auch lebt. Sie hat wiederholt eigene Texte illustriert und in langjähriger Zusammenarbeit und mit Erfolg Geschichten von Lorenz Pauli. Für ihr Gesamtwerk war sie für den Hans-Christian-Andersen-Preis 2012 und den Astrid Lindgren Award 2014 nominiert. Zuletzt wurde „Der Tod auf dem Apfelbaum“ (2015, Atlantis) stark beachtet und mehrfach ausgezeichnet. Infos unter:  www.kathrinschaerer.ch  «

Querverweis:

Hier entlang zu einer weiteren Bilderbuch-Kokreation von Lorenz Pauli und Kathrin Schärer „böse“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/03/02/boese/

Hier geht es zu meiner Besprechung von Kathrin Schärers Bilderbuch „Der Tod auf dem Apfelbaum“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/03/20/der-tod-auf-dem-apfelbaum/

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Der Tod auf dem Apfelbaum

  • von Kathrin Schärer
  • mit einem Vorwort des Palliativmediziners Gian Domenico Borasio
  • Atlantis Verlag 2015   www.atlantis-verlag.ch
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 26,3 x 25,2 cm
  • 36 Seiten
  • 14,95 € (D), 15,40 € (A), 24,90 sFr.
  • ISBN 978-3-7152-0701-8
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

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    Illustration Kathrin Schärer: Der Tod im Apfelbaum © Atlantis Verlag 2015

AUF  IMMER  UND  ENDLICH

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wer der Ansicht ist, der Tod habe keine Lebensberechtigung, der wird in diesem Bilderbuch anschaulich und tiefsinnig eines Weiseren belehrt. „Der Tod auf dem Apfelbaum“ ist fraglos ein außerordentlich empfehlenswertes Buch für Kinder und für Erwachsene, die sich mit der Sterblichkeit auseinandersetzen wollen oder müssen.

Der alte Fuchs und seine Füchsin sind körperlich nicht mehr so stark wie in ihren jungen Jahren. Deshalb bewacht der Fuchs eifersüchtig die Äpfel auf „seinem“ Apfelbaum und verscheucht so gut er kann Vögel, Eichhörnchen, Hasen, Mäuse, Würmer und andere Apfelmitesser. Die anderen Tiere sind jedoch flinker als er, und Furcht haben sie auch keine mehr vor dem langsamen Fuchs.

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Illustration Kathrin Schärer: Der Tod im Apfelbaum © Atlantis Verlag 2015

Die Schlauheit des Fuchses hat indes nicht nachgelassen und auch sein Hunger nicht; so baut er eine Falle und fängt damit ein kleines Wiesel. Dieses Wiesel bittet um Gnade und beteuert, es sei ein Zauberwiesel. Ließe der Fuchs es frei, würde es ihm einen maßge-schneiderten Zauber schenken, der „auf immer und ewig“ halte.

Der Fuchs denkt scharf nach und wünscht sich, daß jeder – mit Ausnahme der Bienen -, der auf seinen Apfelbaum fliege oder klettere, daran festkleben möge, bis er den Zauber wieder löse. Der Zauber funktioniert: Schon am ersten Tag kleben zahlreiche Tiere am Baum und beschweren sich lautstark. Zwar löst der Fuchs um seiner lieben Ruhe willen den Zauber und läßt die Tiere wieder frei, aber die klebrige Angelegenheit spricht sich herum, und alle Tiere meiden fortan den Apfelbaum.

Der Tod auf dem Apfelbaum Fuchs und Tod

Illustration Kathrin Schärer: Der Tod im Apfelbaum © Atlantis Verlag 2015

Der Fuchs und seine Füchsin haben nun ihr kleines Apfelparadies und genießen üppige Mengen unzerpickter und wurmfreier Äpfel. Eines Tages steht der Tod unter dem Apfelbaum, um den Fuchs zu holen. Er sieht ganz freundlich aus, ein bißchen wie eine helle, transparentere Version vom alten Fuchs. Der alte Fuchs äußert raffiniert eine letzte Bitte. Der Tod möge ihm doch noch einen schönen, roten Apfel vom Baum holen. Der Tod klettert auf den Baum und bleibt kleben. Triumphierend meint der Fuchs, nun könne er auf immer und ewig leben. Der Tod lächelt und wartet im Apfelbaum.

Die Zeit vergeht, und schließlich stirbt die alte Füchsin. Weinend beklagt sich der Fuchs beim Tod, wie das geschehen konnte, er habe ihn doch gebannt. Da antwortet ihm der Tod weise: „Du hast nur deinen eigenen Tod gebannt. Ich kann gleichzeitig anderswo sein, in anderer Gestalt. Kein einziges Lebewesen wäre ja sonst gestorben in den letzten Jahren – kein Tier, kein Mensch, keine Pflanze. Wie würde die Erde da aussehen? Das Leben braucht mich.“

Geknickt schleicht der Fuchs davon. Die Jahreszeiten kommen und gehen. Der Fuchs wird älter und älter und schwächer und schwächer, seine Sinne lassen merklich nach, die Knochen schmerzen, und alle Freunde, alle Freuden sind vergangen.

So hinkt er zum Apfelbaum und befreit seinen Tod. Der Tod pflückt noch einen Apfel und steigt vom Baum herunter. Die beiden teilen sich schweigend diesen Apfel, und schließlich schmiegt sich der alte Fuchs leichten Herzens in die Umarmung mit dem Tod und zieht mit ihm davon.

Die Illustratorin Kathrin Schäfer hat für dieses Bilderbuch ein altes Märchenmotiv (Gerne hätte ich erfahren, welchem Märchenkreise dieses Motiv entnommen wurde.) schelmisch-poetisch neuerzählt und mit warm- herzigen Bildern in einer Kombination aus Mal- und Collagentechnik in Szene gesetzt. Besonders gelungen ist der mimische Ausdruck der Tiere, der die wechselnden Gefühle anrührend-lebhaft vermittelt.

„Der Tod auf dem Apfelbaum“ ist ein Bilderbuch, das zu Herzen geht und tief berührt. Es ist von einer sanftmütigen Intensität und ruhigen Klarheit, die leise lächelnd dem natürlichen Kreislauf von Leben und Tod die Ehre gibt.

Hier geht es zum Buch auf der Verlags-Webseite:
Der Tod auf dem Apfelbaum

Autorin und Illustratorin:

»Kathrin Schärer, geboren 1969 in Basel, studierte Zeichen- und Werklehrerin an der Hochschule für Gestaltung Basel. Sie unterrichtet an einer Sprachheilschule und arbeitet als Illustratorin. Wiederholt hat sie eigene Texte illustriert und in langjähriger Zusammenarbeit und mit großem Erfolg Geschichten von Lorenz Pauli. Für ihr Gesamtwerk war Kathrin Schärer für den Hans-Christian-Andersen-Preis 2012 und für den Astrid Lindgren Award 2014 nominiert. »Johanna im Zug« (2009, Atlantis) wurde 2011 mit dem Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis ausgezeichnet.« http://kathrinschaerer.ch/

Querverweis:

Hier folgen Links zu weiteren Kinderbüchern zu den Themen: Abschied, Tod und Trauer:

Ente, Tod und Tulpe
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/06/13/ente-tod-und-tulpe/
Erik und das Opa-Gespenst
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/05/erik-und-das-opa-gespenst/
Kleiner Fuchs Großer Himmel
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/23/kleiner-fuchs-grosser-himmel/
Nur ein Tag
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/13/nur-ein-tag/
Oma trinkt im Himmel Tee
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/26/oma-trinkt-im-himmel-tee/
Opa Meume und ich 
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/20/opa-meume-und-ich/
Überall & Nirgends / Gedichte über Tod und Trauer
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/07/03/ueberall-nirgends/
Wie lange dauert Traurigsein?
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/03/wie-lange-dauert-traurigsein/

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