Vögel ganz nah

  • Fotos von Roine Magnusson
  • Text von Mats Ottosson und Åsa Ottosson
  • Originaltitel: »Nära Fåglar«
  • aus dem Schwedischen von Claudia Huber
  • SIEVEKING Verlag 2018    http://www.sieveking-verlag.de
  • gebunden in Schweizer Bindung
  • Fadenheftung
  • Format: 22 x 23,5 cm
  • 272 Seiten
  • 74 Abbildungen
  • 35,00 € (D), 36,00 € (A)
  • ISBN 978-3-944874-85-2

VO G E L P E R S P E K T I V E N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

So federwesensnah sind Sie Vögeln bisher wohl kaum nahegekommen wie in diesem außergewöhnlich-naturschönen Bildband.

Alleine schon das Titelbild mit der anmutig-vorwitzigen, flügelballerinaartigen Blau- meise ist hinreißend, und die weiteren Vögel, die ihr im Buch folgen, sind mindestens ebenso faszinierend und bewundernswert – von Seite zu Seite blättert man von Erstaunen zu Entzücken zu Begeisterung. Solch lebendige Nahaufnahmen gelingen nur mit Fingerspitzengefühl und Respekt vor den Geschöpfen der Natur.

Der Fotograf, Roine Magnusson, hat für diese Vogelfotos mit schwedischen Vogelbering-ungsstationen zusammengearbeitet. Die eingefangenen Vögel werden nach der Bering-ung und Fütterung in eine Freilaßbox gesetzt; doch dort verhalten sie sich zu lebhaft – jedenfalls für die Art Fotos, die der Fotograf im Sinn hatte.

(Distelfink) Fotografie © Roine Magnusson Aus: Vögel ganz nah, Sieveking Verlag 2018

Um die Vögel so behutsam wie möglich und doch so nah wie erwünscht aufzunehmen, baute er Lichtzelte in verschiedenen Größen aus weichem, weißen Stoff. Das impro-visierte Fotostudio wurde weitmöglichst abgedunkelt, da sich Vögel erfahrungsgemäß in Dunkelheit schneller beruhigen. Dadurch verhielt sich das Fotomodell meist unaufge- regt, posierte entspannt und natürlich und wurde nach wenigen Minuten wieder in die Freiheit entlassen. War ein Vogel gelegentlich doch nervös oder verblieb in bewegungs- loser Schreckstarre, verzichtete der Fotograf auf die Aufnahme.

(Rotkehlchen) Fotografie © Roine Magnusson Aus: Vögel ganz nah, Sieveking Verlag 2018

So entstanden natürliche Studioaufnahmen von über dreißig bekannten, europäischen Vogelarten wie Amsel, Bachstelze, Buchfink, Fasan, Gartenrotschwanz, Kohl- und Blaumeise, Mehlschwalbe, Rotkelchen, Stieglitz, Sperber, Sperlingskauz, Sturmmöwe, Trauerschnäpper, Wintergoldhähnchen und Zaunkönig.

(Blaukehlchen) Fotografie © Roine Magnusson Aus: Vögel ganz nah, Sieveking Verlag 2018

Der Hintergrund der charakterstarken Vogelportraits ist wahlweise weiß oder schwarz. Da es keine ablenkende Kulisse gibt, treten die Feinheiten der Farben und Formen sowie der Gefiedermuster und der Körpersprache und, ja, sogar das spürbar Wesensmäßige des jeweiligen Vogels deutlich hervor. Mehr als einmal konnte ich der Versuchung, das Foto zu streicheln, nicht widerstehen.

(Sperlingskauz) Fotografie © Roine Magnusson Aus: Vögel ganz nah, Sieveking Verlag 2018

Die begleitenden Texte von Mats und Åsa Ottosson vermitteln in komprimiert-erzähle-rischer Weise ornithologische und ökologische Information zu den porträtierten Vögeln. Die Autoren ergänzen sie um anrührende und amüsante persönliche Vogelerlebnisse und poetische Zitate von vogelzugeneigten Naturforschern, Amateuren und Dichtern. Im Einleitungstext spüren sie der Faszination nach, die Vögel auf uns Menschen ausüben, und geben streiflichternd bewundernswerte Einblicke in den aktuellen Forschungsstand zu Vogelstimmen, Vogelflug und Vogelzug.

Die naturverbundene Achtung vor den Vögeln und ihrer Lebenskunst ist dabei der rote Faden, der alle Texte harmonisch mit den Fotos verbindet.

„Für Vögel empfänglich zu sein ist viel einfacher und viel mehr. Das ist kein Hobby, sondern eine liebevolle Offenheit gegenüber einem größeren Wir, zu dem wir als Menschen gehören dürfen.“ (Seite 41)

Neben dem für Vogelliebhaber unwiderstehlichen bildlichen und wissens- wertvollen Inhaltsreichtum besticht dieser Bildband auch durch seine sorgfältige Gestaltung. Die verwendete Schweizer Bindung, bei der der Buchblock nur auf der rechten Seite mit dem Einband verbunden wird, ermöglicht ein gefälliges, weites Aufschlagen und Aufblättern der Seiten, die flach liegen bleiben und sich nicht störend aufwölben. Das schmeichel-griffige Papier, die satte, lesefreundliche Typografie und die porentief klare Reproduktion der exzellenten Fotografien sind ein bibliophiler Genuß.

 

Hier entlang zum Buch und zur Betrachtungs- und Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://sieveking-verlag.de/produkt/voegel-ganz-nah/
Dort findet sich außerdem eine achtminütige, unbedingt sehenswerte YT-Filmdokumentation (Schwedisch mit deutschen Untertiteln) über den Fotografen Roine Magnusson, in der er die spezielle fotografische Technik sowie seine fotografische Haltung sehr aufschlußreich und sympathisch erklärt und vorführt.

Ergänzend gibt es außerdem einen immerwährenden Monatskalender
„Vögel – wiederkehrende Freunde“ mit Fotografien von Roine Magnusson
Format: 24 x 30 cm
Spiralbindung zum Aufhängen
SIEVEKING Verlag 2018
19,90 €  (D)   20,50 €  (A)
ISBN 978-3-944874-95-1

Hier entlang zum Kalender auf der Verlagswebseite:
https://sieveking-verlag.de/produkt/voegel-immerwaehrender-kalender/

 

Der Fotograf:

»Roine Magnusson ist ein Fotograf, der auf unkonventionelle Weise versucht, sich dem Bild zu nähern. Er porträtierte in den Büchern Lor – en kärleks-historia (Pandabuch des Jahres 2012) und Till träden Kühe und Bäume als die Persönlichkeiten, die sie sind. Während der Arbeit an Den underbara resan (Pandabuch des Jahres 2007) flog er auf Nils Holgerssons Spuren in Ultraleichtflugzeugen.«

Die Autoren:

»Mats und Åsa Ottosson sind freie Journalisten, Autoren und Dozenten mit einem starken Empfinden für die schwedische Natur. Sie haben rund zwanzig Bücher geschrieben, mehrere zusammen mit Roine Magnusson. Mats Ottosson schreibt jedes Jahr Texte für das populäre Fågeldagbok des Verlags Bonnier Fakta. Er ist auch Programmleiter für die Rundfunksendung „Naturmorgon“ von Sveriges Radio.«

Querverweis:

Als vogelliebhaberische Lektürezugabe kann ich zudem das von Florian Frick illustrierte Sachbuch „Federnlesen. Vom Glück Vögel zu beobachten“ von Johanna Romberg empfehlen. „Federnlesen“ ist eine persönliche Naturkunde, die ihre Leser für Vogelbe- obachtung begeistern und zum Vogelschutz animieren möchte. Die Kombination aus konzentrierten klaren Informationen und subjektiver Naturerfahrung  vermittelt mit Gefühl und Verstand sowohl nützliches Wissen als auch konstruktive Anregungen zur persönlichen Mitwirkung beim Vogelschutz sowie zur Praxis der Vogelbeobachtung.  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/05/02/federnlesen/

Und das Buch „Singt der Vogel, ruft er oder schlägt er? Handwörterbuch der Vogellaute“ von Peter Krauss bietet sich zur naturverbundenen, vogelgesangsspezifisch-wortschatz-erweiternden Abrundung an: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/10/02/singt-der-vogel-ruft-er-oder-schlaegt-er/

 

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

 

 

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61 Kommentare zu “Vögel ganz nah

  1. Das ist natürlich was für mich: die Fotos sind einfach klasse !
    Ich hab mich ja gerade an der großen Vogelzählung beteiligt und war sehr zufrieden mit der Anzahl der Standvögel bei mir.
    Im Frühling kommen dann natürlich noch viel mehr Stimmen dazu.
    Ein interessanter Tipp !

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  2. Die Aufnahmen sehen ganz wunderbar aus. Besser wäre es natürlich, sie wären in der freien Natur entstanden.
    Die Beringung an sich ist ja schon ein unvorstellbarer Stress für die Vögel.
    Trotzdem danke für die interessante Vorstellung des Buches, liebe Ulrike.

    Gefällt 1 Person

    • Vielen Dank, liebe Brigitte,
      für Dein lebhaftes Interesse.
      Gewiß ist auch die Beringung stressig für die Vögel, andererseits werden dadurch aber auch im Sinne des Naturschutzes nützliche Erkenntnisse gewonnen.
      Wenn Du Dir die kurze Dokumentation über den Fotografen anschaust, die sich auf der unter der Besprechung verlinkten Verlagswebeseite befindet, wirst Du mir zustimmen, daß die Vorgehensweise des Fotografen so einfühlsam wie nur möglich ist.
      Ich weiß aus meiner persönlichen Vogelbeobachtung, daß es immer einige Vogelindividuen gibt, die deutlich weniger schreckhaft sind und mehr Nähe zum Menschen bzw. zu mir zulassen.

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      • Sicher, ich kenne die Beringsstation auf Helgoland und weiß um deren Zweck.. Dennoch klopft den Winzlingen das Herz bis zum Hals.
        Bitte fasse das nicht als Vorwurf, sondern als meine persönliche Meinung auf, liebe Ulrike.

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      • Keineswegs fasse ich Deine Bemerkung als Vorwurf auf, liebe Brigitte. 🙂
        Und ich teile ja durchaus Deine Auffassung, daß man im Umgang mit den Mitgeschöpfen so achtsam und respektvoll wie nur irgendmöglich sein sollte.
        In meinem Kinderzimmer hatte sich einmal eine Meise verirrt, und ich weiß noch genau, wie sehr ihr Herzchen klopfte, als ich sie vorsichtig in der geschlossenen Hand hielt und nach draußen trug, um sie in die Freiheit zu entlassen.

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  3. Das passende Buch zur Stunde der Gartenvögel, die Aufnahmen, die Du hier zeigst, sind schon fantastisch. Habe Dank für diese Vorstellung, die schon wieder die Kauflust reizt -:)))
    Dir einen ganz herzlichen Gruß vom Regengeplätscherdach in Dein Wochenende, Karin

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    • Stimmt genau, liebe Karin,
      es ist das passende Buch zur Vogelzählung, auch wenn sich dieser Rezensions-Publizierungstermin zufällig ergab.
      Gerne kitzele ich Deine Kauflust für inhaltlich und gestalterisch wertvolle Bücher. :mrgreen:
      Hier vor Ort herrscht seit Tagen windböiger Dauernieselregen – gut, daß die Erde ordentlich zu trinken bekommt.
      Ein behaglich-heimisches Wochenende wünscht Dir
      Ulrike

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  4. Vögel in der freien Natur scharf und ausreichend hell aufzunehmen, gehört wohl zu den schwersten Übungen in der Fotografie. Gerade habe ich ein paar Tricks gelernt, die ich aber nicht anwenden werde, denn mir reicht es, die Piepmätze einfach zu sehen und hin und wieder fotografisch festzuhalten. Trotzdem ist dir eine wunderbare Buchvorstellung gelungen, liebe Ulrike!

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    • Herzlichen Dank, lieber Arno,
      für Deine zugeneigte Resonanz!
      Vogelknipserei ist eine Kunst, das sehe ich wie Du.
      Ich fotografiere bei meinen häufigen Vogelbetrachtungen im Garten fast nur mit meinem Herzen, weil ich den unmittelbaren AUGENBLICK tief erleben möchte.

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  5. Danke für Deine Besprechung, das muss ein großartiges Buch sein und ich hoffe, es bald in einer Bilbliothek zu finden und selbst über die Seiten streichen zu können. Du hast mich mit Deiner Begeisterung richtiggehend angesteckt!
    Liebe Grüße
    Agnes

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  6. Ich kenne eine Unmenge von Vogelbüchern, aber die von dir gezeigten Abbildungen sehen sehr interessant aus. Ich werde mir das Buch bei meinem Buchhändler mal zur Ansicht bestellen. Danke fürs Zeigen!

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  7. Ich liiiiiebe Deine Rezensionen, liebe Ulrike! Und auch dieses Buch kommt wieder auf meine Liste, die ich bei mir trage, darauf soooo viele Bücher. Ich mag es sehr, wie Du über die Bücher, die Autoren, Illustratoren, Fotografen schreibst. Ganz wunderbar!
    Und ganz nebenbei habe ich noch die Antwort auf die Millionen-Frage bekommen: jetzt weiß ich endlich, was eine Schweizer Buchbindung ist! Toll! Vielen lieben Dank!

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    • Herzlichen Dank für Deine Liebeserklärung, liebe Kristina. 😉
      Es freut mich wirklich sehr, daß Dir Inhalt und Stil meiner Rezensionen sooo sehr gefallen.
      Was eine Schweizer Buchbindung ist, habe ich tatsächlich auch erst durch dieses Buch gelernt, denn diese Bindungsart kommt nicht allzu oft vor.

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  8. Was für ein spannendes und großartiges Buch. 🙂 Bilder solcher Art hat man ja bisher nur als Zeichnungen gesehen. Bei den Zeichnungen ist es aber so, dass man zwar die charakteristischen optischen Merkmale ausgezeichnet erkennen kann – aber es fehlt die Lebendigkeit. Hier spürt man die Persönlichkeit – und man kann gleichzeitig viele Details ohne optische „Nebengeräusche“ erkennen. Das ist ganz phantastisch. 😀

    Gefällt 2 Personen

    • Das hast Du fein auf den Punkt gebracht, werter Maestro,
      daß man die Vogelpersönlichkeiten hier „ohne optische Nebengeräusche erkennen“ kann. 🙂
      Diese KLARHEIT vertieft das Erkennen des WESENTLICHEN.
      Hab‘ Dank für Deine ausdrückliche Begeisterung!
      Federleserische Grüße von mir an Dich :mrgreen:

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      • Ja, diese ganz besondere Eigenschaft findet man sonst nirgends. Und dieses Buch soll ja auch nicht die üblichen Werke ersetzen, sondern ist eine hochwillkommene Ergänzung (so sehe ich es zumindest).
        Mit einem herzlichen Abendgruß 🐻

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  9. Ich finde es nicht so schön die Tiere einzufangen um dann die besten Bilder zu bekommen. Andere Naturfotografen verbringen Monate damit um die Tiere in Freiheit zu fotografieren. Solche Arbeiten finde ich lobenswerter als solch eine Vorgehensweise. Auch wenn sie noch so vorsichtig wie möglich vonstatten ging.

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    • Nun, die Vögel wurden ja nicht extra für den Fotografen eingefangen, sondern für die Beringung und Forschung und aus diesem Vogelfundus wurden dann die weniger scheuen Exemplare ausgewählt und fotografiert.
      Der Vorteil dieser Fotos ist, daß der natürliche, aber auch ablenkende Bildhintergund fehlt, und der Vogel vor weißem oder schwarzem Hintergrund seine ganze Pracht entfalten kann.

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  10. Liebe Ulrike, als ich las, dass du sogar die Fotos streicheltest, musste ich schmunzeln! Es liegt an der fabelhaften Qualität dieser Fotos, dass man meint, die Federn berühren zu können! Auch ich war begeistert von diesem erlesenen Bildband, den ich in meinem Blog vorgestellt habe. Wenn du erlaubst, teile ich hier den Link dazu:
    https://www.elementareslesen.de/voegel-ganz-nah/
    Ein wunderbares Buch, dem ich ganz viele Leser und Betrachter wünsche!

    Gefällt 2 Personen

  11. Oh, als ich las, dass der Fotograf das sozusagen „im Studio“ gemacht hat, war ich erst erschrocken. Aber ich glaube nicht, dass so tolle Fotos unter zu viel Stress entstanden wären. Der Kautz ist der Hammer!
    Liebe Grüße
    Nina (Mal schauen ob man da rein schauen kann.)

    Gefällt 1 Person

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