ANATOMIE

  • Das faszinierende Innenleben des Menschen
  • von Hélène Druvert
  • in Zusammenarbeit mit Jean-Claude Druvert
  • Originaltitel: »Anatomie«
  • Aus dem Französischen von Sarah Pasquay
  • Gerstenberg Verlag   Januar 2018  http://www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 25,5 cm x 36,5 cm
  • 40 Seiten, durchgehend farbig
  • mit Ausklappseiten und Lasercut-Scherenschnitten
  • 26,00 € (D), 26,80 € (A), 32,70 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5989-6
  • Sachbilderbuch ab 8 Jahren

VON  KOPF  BIS  FUSS

Sachbilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

So ästhetisch-entspannt, verspielt-informativ und heiter-lebendig haben Sie anatomische Darstellungen noch nicht gesehen. Dieses ANATOMIE-Bilderbuch von Hélène Druvert ist von beeindruckender Qualität und Sehenswürdigkeit.

Illustration von Hélène Druvert © Gerstenberg Verlag 2018

 

Charmant eingestimmt wird man schon gleich zu Beginn mit dem Anblick des noch  bekleideten anatomischen Modells, das einen flotten Strandanzug im Retrostil und einen feschen Schnurrbart trägt. Klappt man das Modell um, so trägt es immerhin noch eine gepunktete Unterhose, und erst auf der sich daran anschließenden Illustration können wir die freigelegte Muskulatur bewundern, ergänzt um einen einführenden Text über Muskelarten und –Funktionen und zusätzliche Abbildungen, die das Zusammen- spiel von Sehnen und Muskeln beim Hantelheben des Modells zeigen, sowie einige weitere Details zum Thema Muskeln.

Illustration von Hélène Druvert © Gerstenberg Verlag 2018

 

Die nächsten Seiten illustrieren und erklären Verdauungssystem, Blutkreislauf, Atmung, Nervensystem und Skelett. Man erhält einen einprägsamen, räumlich-dreidimensio- nalen Eindruck des Körpers. Besonders deutlich und ansprechend ist dies bei den Scherenschnitt-Darstellungen der ebengenannten Körpersysteme und Kreisläufe, die hintereinander aufgereiht einen wunderbar filigran-faszinierenden Durchblick eröffnen.

Illustration von Hélène Druvert © Gerstenberg Verlag 2018

Nachfolgende Illustrationen mit aufklappbaren Körperregionen und Organen vertiefen schichtweise vom Allgemeinen zum Detaillierten körperinnere Strukturen und Funktionen. Die Begleittexte konzentrieren sich auf Basiswissen, ergänzt um interessante Einzelheiten.

Jedem der fünf Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten) ist eine Doppelseite gewidmet. Auch hier führen aufklappbare Schautafeln und präzise Erläuterungen an-schaulich zu anatomischen Feinheiten. So sind beispielsweise beim Tastsinn außer den freien Nervenenden für Temperatur und Schmerz noch weitere Rezeptoren aktiv: Die Pacini-Körperchen, die hauptsächlich in den Fingern vorkommen, sind für die Wahrnehmung von Druckveränderungen und Vibrationen zuständig, die Meissner-Körperchen in der Handfläche lassen uns Beschaffenheit und Form eines Objekts erkennen, und die Ruffini-Körperchen in den Gelenken lassen uns Dehnungen der Sehnen spüren.

Zum guten Schluß gibt es noch einen Einblick ins männliche und weibliche Fortpflanzungssystem, nebst der Aussicht auf ein kleines neues Leben …

Dieses Buch vermittelt Grundlagenwissen über die menschliche Anatomie und lehrt zugleich das Staunen über die Komplexität körperlicher Strukturen und Kreisläufe. Es eignet sich für Kinder und Eltern, für den Grundschulunterricht und für den anatomisch interessierten Laien sowie für Kinderärzte und fürs Arztwartezimmer.

Der Verlag empfiehlt dieses Buch ab acht Jahren. Dies erscheint mir auch in Hinblick auf die Textinformationen angemessen, die mit sehr gut erklärten, jedoch anspruchsvolleren medizinischen Einzelheiten und Fachbegriffen aufwarten. Die Illustrationen dürften gleichwohl auch schon deutlich jüngere Kinder interessieren und faszinieren, so daß man es bei diesen einfach einmal auf den Betrachtungsversuch ankommen lassen kann.

Die großartige Anschaulichkeit der Laser-Scherenschnitte, die detaillierten Aufklapptafeln und die in einfachen, konzentrierten Sätzen formulierten Begleittexte bieten einen sinnlich-analogen, wissenswundervollen Einblick in den menschlichen Körper und seine Funktionsweise. Eine mögliche und wünschenswerte Nebenwirkung der Beschäftigung mit diesem Sachbilder- buch ist eine erkenntnisvertiefte Nähe und Vertrautheit mit dem eigenen Körper.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailkinderbuch&url_ISBN=9783836959896

 

Die Illustratorin:

»Hélène Druvert, ausgebildete Textil-Designerin, ist seit ihrem Abschluß an der École Duperré, Paris, freiberuflich tätig. Sie lebt in Paris und im Baskenland, wo sie ihre Siebdruckwerkstatt hat. Perspektivische Scherenschnitte sind ein Schwerpunkt ihrer vielfältigen Tätigkeit.«

Der Autor:

»Jean-Claude Druvert, der Vater der Illustratorin, zeichnet für den Text verantwortlich. Er ist praktizierender Arzt.«

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

 

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25 Kommentare zu “ANATOMIE

  1. Was für ein tolles Buch Du uns da wieder vorgestellt hast. Den Menschen schichtenweise zu „entblättern“, ist eine Klasse Idee. Man kann dabei auch gleich ganz direkt spüren, dass trotzdem alles zusammengehört, aber jedes Einzelne eben seine eigene, bedeutsame Funktion hat. Wunderbar.

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    • Das hast Du fein formuliert: …“den Menschen schichtenweise zu entblättern“ und dabei gleichwohl den inneren Zusammenhang deutlich machen – genau so funktioniert dieses anschauliche Anatomiebuch.
      Danke für Deine leselebhafte Begeisterung.

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  2. Liebe Ulrike! Ja, wenn ich einmal nicht weiter weiß … Spaß beiseite! Wenn nicht alle Bücher im Wartezimmer innerhalb zwei Stunden geklaut würden, würde ich es sicher dort hinstellen! Ein wirklich bezauberndes Kinderbuch für ,,kleine Ärzte“! Danke für Deine wie immer tolle Art, den Appetit aufs Lesen anzuregen! Dir noch einen schönen Spätsommer, Nessy
    http://www.salutarystyle.com

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    • Liebe Nessy,
      ich danke Dir für Deine berufene ärztliche Bestätigung und Dein Kompliment zu meinem Rezensionsstil.
      Schade, daß der Bücherschwund im Wartezimmer so unverschämt ist.
      Ich hatte weniger an eine Platzierung im Wartezimmer gedacht – dafür sind die Scherenschnitte zu filigran und die Gefahr grobmotorischer Ausreißer beim unbeaufsichtigten Blättern wäre zu groß – , sondern eher im Untersuchungs- oder Besprechungsraum, in ärztlicher Griffnähe, um Kindern gegebenenfalls einen körperlichen Sachverhalt anschaulicher erklären zu können.
      Abendsonnige Grüße von mir zu Dir

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    • Lieber Philipp,
      dieses Buch empfiehlt sich auch für deutlich ältere Kinder. Ich finde es sogar noch für angehende Medizinstudenten geeignet, weil die Art der Darstellung des menschlichen Körpers in diesem Buch von einer ganz eigenen Sehenswürdigkeit ist.

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  3. Manchmal beneide ich die heutige Kinder- und Enkelgeneration darum, aus welcher Fülle von wunderbaren Sachbücher sie schöpfen können, vorausgesetzt sie haben die ebenso interessierten Eltern oder Großeltern. Oft ist es ja auch ein miteinander neu Lernen, das solche Bücher entfachen.
    Lieber Gruß an die unermüdliche Sucherin und Entdecker dieser Schätze, Karin

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    • Liebe Karin,
      vielen Dank für Dein Leseecho. Ich freue mich über die gegenwärtigen Sachbuchproduktionen für Kinder und empfinde auch einen gewissen Neid, weil die Sachbücher zu meiner Kindheitszeit illustrativ meist nicht so überwältigend ansprechend und oft etwas zu trocken waren. Umso mehr genieße ich es, aus dieser Fülle neuer sehens- und wissenswerter Kindersachbücher einige Schätze zu heben und hier vorzustellen.
      Und, ja, ich stimme Dir gerne zu, daß solche Bücher für Eltern/Großeltern/Bezugspersonen ein erfrischend, erneuerndes miteinander Lernen bedeuten.
      Mit herzlichem Abendgruß
      Ulrike

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    • Herzlichen Dank für Deine Rückmeldung, liebe Tanja.
      In meiner Kindheit hatte ich hauptsächlich Spaß am Lernen, wenn mich ein Thema interessiert hat und wenn für mich fächerübergreifende Zusammenhänge sichtbar wurden und wenn der Lehrer oder die Lehrerin eine pädagogische Lichtgestalt war, die ansteckende Begeisterung für ihren Unterrichtstoff versprühten.
      Dieses Sachbilderbuch versprüht durch seine ästhetische und lebendige Gestaltung sowie durch die zugewandte Art der Informationsformulierung ansteckende Faszination und Begeisterung. So betrachtet erscheint es mir von zeitloser Fortschrittlichkeit. 🙂

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  4. Irgendwie kommt durch diese Art der bildlichen Darstellungen eine echte Bilderbuchstimmung auf. Anatomische Sachenbücher haben ja sonst meist so eine klinische Ausstrahlung – da bekommt der menschliche Körper leicht eine maschinenhafte Aura. Hier wirkt alles lebendiger und dadurch einladender. Besonders gefällt mir hier auch die Idee mit den Laser-Scherenschnitten. Dadurch kommt eine sinnliche Komponente ins Spiel, die der kindlichen Körper-Neugier besser entgegenkommt als jede noch so raffinierte Computeranimation.

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    • Verbindlichen Dank für Deine trefflichen Wohlgefallenszeilen zu diesem wahrlich ansehnlichen Anatomie-Bilderbuch.
      Mich hat ebenfalls die nichtklinische Ausstrahlung angesprochen und entspannt. Denn sonst finde ich anatomische Abbildungen immer etwas unheimlich.
      Die Scherenschnittdarstellungen sind wirklich beeindruckend; besonders wenn man das Buch aufrecht hinstellt und die fünf Seiten mit Verdauungssytem, Blut- kreislauf, Atmung, Skelett und Nervensystem hintereinander DURCHSCHAUT. Das ist wegen der filigranen und greifbaren Inszenierung sehr sinnlich und faszinierend. Eine Computeranimation ist dagegen eindimensional und flach.

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      • Genau. Als „etwas unheimlich“ habe ich das auch in Erinnerung, wenn man in einschlägigen Büchern (in der Schule auch lebensgroßen Bildtafeln) mit anatomischen Abbildungen konfrontiert wurde. Manchmal wohl an der Grenze zu einem „…hier wendet sich der Gast mit Grausen…“ 😉 Jedenfalls hat sich ein Unbehagen eingeschlichen, das nicht so leicht wieder „auszuschleichen“ war.
        Aktuell besitze ich einen Anatomie-Atlas, bei dem die verschiedenen Systeme mit Folien durchschaut werden können. Auch nicht schlecht. Aber die Scherenschnitte stelle ich mir greifbarer vor. Zudem sind Scherenschnitte ja eigentlich Kunstwerke – eine Assoziation, die bei einem Lebewesen auch durchaus nicht fehl am Platz ist. 🙂

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