Aus der Lesevorratskammer Nr.1

Buchbesprechungssammelsurium von Ulrike Sokul ©

Da Weihnachten naht, will ich nachfolgend die „Was-schenke-ich-bloß-Verlegenheit“ sowie die „Was-wünsche-ich-mir-Unentschlossenheit“ ein bißchen lindern und 10 ausgewählte Bücher, zwei Hörbücher, die sechsbändige Thursday-Next-Serie und drei Bilderbücher sowie eine MUSIK-CD aus meinem Besprechungsfundus noch einmal besonders hervorheben.

 

Im Hause Longbourn
von Jo Baker
448 Seiten
Knaus Verlag

Im Hause Longbourn von Jo BakerDieser klassengesellschaftliche Perspektivwechsel im Jane-Austen-Gewand fasziniert vom ersten bis zum letzten Satz durch inhaltliches und stilistisches Fingerspitzengefühl.

Jo Baker stellt in ihrem Roman die Menschen in den Mittelpunkt, die in „Stolz und Vorurteil“ fast unsichtbar hinter den Kulissen wirken. So findet nun die „herrschaftliche“ Handlung von „Stolz und Vorteil“ in Hintergrund statt und bildet die Kulisse für die Schicksale des Personals, das im Haus Longbourn, dem Wohnsitz der Familie Bennet, arbeitet.

Die Autorin erzählt uns die Liebesgeschichte des Hausmädchens Sarah und des Hausdieners und Kutschers James, die beide im Hause Longbourn arbeiten. Und wenn ich hier schreibe arbeiten, so meine ich keine 40-Stunden-Woche mit sechs Wochen bezahltem Jahresurlaub, sondern ich meine eine Arbeit von sehr früh morgens bis sehr spät abends, und wenn die Herrschaften weit nach Mitternacht von einem festlichen Ball zurückkehren, chauffiert von einem schlaflosen Kutscher, muß selbstverständlich auch jemand vom Hauspersonal aufbleiben und den tanzerschöpften Familienmitgliedern die Haustür aufhalten, Tee und Gebäck servieren und anschließend noch beim Auskleiden helfen …

Die ideale Lektüre für Jane-Austen-Liebhaber und Dowton-Abbey-Gucker!
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/09/09/im-hause-longbourn/

 

Das Buch der Kinder
von A.S. Byatt
896 Seiten
S.Fischer Verlag
u1_978-3-10-004417-4.2097263.jpg Das Buch der Kinder
Dieser Künstlerroman schüttet ein Füllhorn an idealistischen Vorstellungen und „Zeitgeistern“ des Fin de siècle und der künstlerischen Ideale der „Arts and Crafts“ – Bewegung (William Morris, John Ruskin) vor dem Leser aus und bietet ein opulentes, kultiviertes und ästhetisch gedecktes Lesebüfett.

„Das Buch der Kinder“ ist ein sinnlicher Roman, detailverliebt ausführlich sowohl in der Darstellung der Charaktere als auch in der Wiedergabe alltäglicher und künstlerischer Gegenstände, der Räume, Möbel, Kleidungsstile, Schmuckstücke, Buchumschläge und Illustrationen, Keramikgefäße und Skulpturen, Stoffe, Farben, Muster, Texturen und Ornamente.

Dabei liegt der Schwerpunkt des Romans auf der Entwicklung der Kinder, die den Wider-sprüchen und Auswirkungen der unkonventionellen Beziehungsexperimente und Sozialreformen ihrer Eltern ausgesetzt sind. Es gibt dunkle Geheimnisse, zahlreiche Verstrickungen, eheliche, uneheliche und Kuckuckskinder.

Es ist ein hochinteressantes, lebendiges und wissensvolles Buch, das sich nicht für die Lektüre in kleinen Häppchen vor dem Schlafen eignet, sondern für ausführliche Schmökersofastunden, in denen man sich ganz auf die komplexe Geschichte und die vielfältigen und verschlungenen Wege einlassen kann.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/26/das-buch-der-kinder/

Das Schweigen des Sammlers
von Jaume Cabré
845 Seiten
Insel Verlag

17522_CabreDie Familie, von der in diesem anspruchsvoll ausführlichen Roman erzählt wird, ist klein: Vater, Mutter und Sohn. Adrià Ardèvol ist ein hochbegabtes Einzelkind, das in einem geistig-kulturell üppig ausgestatteten Elternhaus in Barcelona aufwächst, in dem es Anerkennung für intellektuelle Leistungen, aber keine Liebe gibt und keine elterliche Wahrnehmung für das Kindsein eines Kindes.

Adriàs Vater betreibt ein luxuriöses Antiquitätengeschäft in Barcelona, doch der Erwerb so mancher der Kostbarkeiten fand nicht unbedingt zu fairen und legalen Bedingungen statt. Die wertvollsten Funde schmücken als unverkäufliche Sammlerstücke das väterliche Arbeitszimmer. Und hier kommen die Schicksalsfäden, die mit bestimmten Gegenständen zusammenhängen, zu Wort und Wirkung: eine Storioni-Geige von 1764, ein uraltes goldenes Amulett, einige Bilder und diverse alte Urkunden und Handschriften sind gewissermaßen weitere Familienmitglieder und haben einen beträchtlichen biographischen Einfluß auf die Familie Ardèvol.

Die Dinge aus der Privatsammlung seines Vaters sind mehr Fluch als Segen für ein unbe-schwertes und unschuldiges Leben, denn die Art und Weise ihrer Entstehung, die Schicksale früherer Eigentümer, kurz: die Geschichten, die in diesen Dingen stecken, haben Nachwirkungen bis in die Gegenwart.

Jaume Cabré wechselt immer wieder zwischen der Ich-Erzählerperspektive und der Allwissenden-Erzählperspektive, und er wechselt – teilweise völlig übergangslos – die Zeitebenen und Schauplätze: Barcelona im 20. Jahrhundert, die Klöster Santa Maria de Gerri und Sant Pere de Burgal im 14. und 15. Jahrhundert, die Orte Pardàc, Cremona und Paris im 17. und 18. Jahrhundert, Rom von 1914 bis 1918 und Ausschwitz-Birkenau 1944.

Dieses wortwörtlich changierende Textgewebe ist faszinierend, äußerst komplex, spannend und einfach virtuos. Was für ein genialer Kunstgriff, die verschiedenen Charaktere, Zeitebenen und Schauplätze durch eine palimpsestartige Schreibweise ineinander übergehen und unterschiedliche Schichten der Vergangenheit durchschimmern zu lassen!

Dieser Roman beansprucht eine möglichst ununterbrochene Leseaufmerksamkeit – dann ist er fesselnd, und man findet sich auch in den wechselnden, changierenden Erzähl- und Zeiträumen sowie der außergewöhnlichen Textstruktur zurecht. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/24/das-schweigen-des-sammlers/

Montedidio
von Erri de Luca
224 Seiten
List Verlag

MONTEDIDIOcsm_9783548611877_cover_d14b42011b„Montedidio“ ist eine Geschichte vom Erwachsenwerden, von Abschied und Neubeginn, von ersten Lebensgefahren und -Rettungen, Wundern und Verwundungen.

Der Ich-Erzähler ist ein dreizehnjähriger Junge, der von seinem Vater einen Bumerang aus Akazienholz zum Geburtstag geschenkt bekommen hat und diesen hütet wie einen geheimen Schatz. Er lebt mit seinen Eltern in Neapel, im Stadtteil Montedidio; der Lebensabschnitt, von dem hier berichtet wird, spielt zeitlich Anfang der 60er Jahre.
Mit unwillkürlicher Selbstverständlichkeit kommen zudem gute Wünsche, böse Flüche, luftige Geister und ratgebende Engel zu Wort.

All das wird in einer zutiefst achtsamen, ungekünstelten Sprache erzählt: feinfühlig, lebensreif, sinnlich, wortwörtlich mit Hand und Fuß und zugleich poetisch und andächtig sowie mit einer elementaren Männlichkeit, die in der heutigen Literatur ganz selten anzutreffen ist.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/04/09/montedidio/

Montedidio ist eine Lektüre, die sich vorzüglich mit dem nachfolgenden Hörbuch „paart“:

Das Decamerone
von Giovanni Boccaccio
HÖRBUCH
der Hörverlag

Das DECAMERONE Hörbuch46 Geschichten aus dem Decamerone und vorzügliche Sprecher bieten fast 12 Stunden lang eine kultivierte Auditüre des berühmten Klassikers von Giovanni Boccaccio.

Der galante und elementare Eros, die tiefe Menschenkenntnis dieser Episoden und das unerwartet moderne Menschenbild Giovanni Boccaccios sind wahrlich eine Bereicherung des Herzenshorizontes.

Die schöne, sehr stilvolle Sprache und der filigran ziselierte Satzbau fügen sich zu einer Geschichtenschatztruhe mit feinen Intarsien aus Poesie, Humor, Sinnlichkeit, Komik, Tragik, Lebensfreude, Liebeslust, Glück und Leid, Seufzern und Tränen, Körper und Seele, Weisheit und Dummheit, Wahrheit und Lüge, Sein und Schein – kurz: vielgestaltig, lebensbunt und mitmenschlich.

Alle Sprecher und Sprecherinnen dieser – bisher vollständigsten Lesung des Decamerone – treffen ganz wunderbar und sehr fein nuanciert den schelmisch-burlesken sowie den empfindsamen Tonfall Boccaccios. Besonders hervorzuheben sind der »König der Vorleser« Gerd Westphal, der die Rahmenhandlung liest und die besondere Gestimmtheit des Decamerone ganz unvergleichlich evoziert, und Uwe Friedrichsen, der – frivol, kecklich und augenzwinkernd – die Rolle des Dioneo spricht.

Sprachkunst und Sprechkunst finden sich in diesem Hörbuch zu beiderseitigem, befruchtendem Entzücken vorzüglich zusammen!
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/09/17/das-decamerone/

Und die nachfolgende Musik-CD-Besprechung führt den Liebesreigen heiter weiter:

Lieder von Liebe, Wein und Tod
von Carl Michael Bellman
Doppel-CD

BellmancdcoverDer schwedische Nationaldichter und Komponist , Carl Michael Bellman (1750 – 1795) gilt als „Urvater des Liedermachers“

Die „Lieder von Liebe, Wein und Tod“ von Petter Udland Johansen und dem Ensemble Pratum Musicum ist die umfassendste Sammlung von Carl Michael Bellman Liedern, die bisher in deutscher Sprache erschienen ist.

Carl Michael Bellman schrieb über die Welt in der er zu Hause war, beim sogenannten „bunten Volk“, dessen Leben sich in Tavernen, Spelunken und der freien Natur abspielte. Seine Lieder sind Miniaturepen und -Dramen, welche die Freuden und Leiden einfacher Menschen durch Vers, Wort und Musik in Szene setzen. Die Texte sind lebensvoll und todesmutig, deftig, frivol, verspielt, herzhaft, sinnlich, humorvoll, elegisch, fröhlich, poetisch, selbstironisch, zärtlich, naturliebhaberisch und sehr trunken.

Neben dem „anspruchsvollen Rokoko-Gesang“ auch all diesen Gefühlsfacetten schauspielerisch-stimmlich Ausdruck zu geben ist überzeugend gelungen. Der Zusammenklang von Musik und Sprache hat bei dieser Bellman-Wiederbelebung eine fast schon berauschende Unmittelbarkeit. Die künstlerische Sorgfalt, mit der bei dieser Produktion vorgegangen wurde, erstreckt sich auch auf das ausführliche CD-Beiheft, das auf seinen 47 Seiten alle Liedtexte, Informationen zu Leben und Werk Carl Michael Bellmans sowie zeitgenössische Illustrationen und Kommentare wiedergibt.

Die Verpackungshülle der Doppel-CD – geschmückt mit dem Gemälde „Galante Szene“ (1744) von Jean-Marc Nattier (le Jeune) – ist graphisch und ästhetisch sehr harmonisch gestaltet und korrespondiert trefflich mit dem musikalischen Inhalt.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/10/06/lieder-von-liebe-wein-und-tod/

Firmin
von Sam Savage
211 Seiten
List Verlag

9783548609218_cover.jpg Frimin großDie kleine Ratte, die auf den Papierfetzen von „Finneganns Wake“, das Licht der Welt bzw. das Flimmerlicht einer Neonröhre im Keller einer Antiquariatsbuchhandlung erblickt – das ist Firmin, der tierisch literarische Held des Romans von Sam Savage.

Wir schreiben die frühen sechziger Jahre, und die Buchhandlung befindet sich in einem heruntergekommenen Stadtteil, dem Scollay Square in Boston.

Firmin ist etwas zarter besaitet als seine zwölf Geschwister und bekommt zu wenig Rattenmuttermilch. Der Hunger treibt ihn dazu, Bücher anzunagen, und nach einiger Zeit entdeckt Firmin bei dieser Bücherdiät, daß er lesen kann. Während seine Geschwister und seine Mutter das Nest verlassen, richtet sich Firmin, wissenshungrig und neugierig, in der Zwischendecke der Buchhandlung ein, beobachtet das Geschäftsleben, lernt die Stammkunden kennen und lauscht interessiert und teilnahmsvoll den Gesprächen der Menschen.

Durch ausgiebige Lektüre und heimliche nächtliche Kinobesuche bildet sich Firmin weiter: „Mein Verstand wurde schärfer als meine Zähne.“ In seinen Tagträumen bewegt er sich auf Augenhöhe zwischen Charakteren aus den Klassikern der Weltliteratur und führt geistreiche Gespräche.

Firmin lebt ein einsames Leben, er ist der unbeobachtete Beobachter und der absolute Außenseiter. Seinen Artgenossen ist er zu humanistisch, und Menschen sehen nur ein Tier – ja sogar Ungeziefer – in ihm.

Firmins geistige Größe steht im krassen Gegensatz zu seiner wortwörtlichen Sprachlosigkeit, doch er sucht tapfer nach einer Möglichkeit, die Sprachbarriere zu überwinden. Schließlich kommt er auf die Idee, sich der Taubstummenzeichensprache zu bedienen, ein entsprechendes Handbuch hat die Buchhandlung auf Lager. Nach tapferen Proben, in denen er unter Ganzkörpereinsatz eine menschliche Hand darzustellen versucht, reichen seine Fähigkeiten jedoch nur für zwei leserliche Zeichen: „Auf Wiedersehen“ und „Reißverschluß“ …  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/26/firmin/

Meine russische Großmutter und ihr amerikanischer Staubsauger
von Meir Shalev
288 Seiten
Diogenes Verlag

978-3-257-24200-3.jpg Meine russische GroßmutterDie besten Geschichten schreibt immer noch das Leben, man muß sie nur erzählen, weitersagen und weitergeben. Tatsachen dienen dabei als Rankhilfe für alle möglichen Geschichtenverästelungen, Wörterblütenschmuck und Phantasiefrüchte.

Der israelische Romancier Meir Shalev schöpft für den Roman „Meine russische Großmutter und ihr amerikanischer Staubsauger“ bewegliche Wahrheiten aus dem biographischen Brunnen seiner Vorfahren und Verwandten.

Die Hauptperson ist seine Großmutter Tonia, die Hauptsache ist ein Staubsauger, und die Haupthandlung dreht sich ums Putzen.

Zwischen diesen drei Eckpunkten knüpft Meir Shalev ein facettenreiches, interessantes und menschenkenntnisreiches Geschichtennetz. Die Großmutter erzählt, der Großvater, die Mutter, der Vater, die Onkel, die Tanten: Alle erzählen gern und viel und haben keine Scheu, die tatsächlichen Tatsachen nur als Vorwort für eigenwillige und kreative Ausschmückungen, Ergänzungen, Interpretationen und Variablen der Wahrheit zu nutzen. In Meir Shalevs Buch kommen sie alle zu Wort, und so mäandern um die Geschichte des Staubsaugers viele Nebengeschichten, die jedoch einen anschaulichen und sinnvollen Beitrag zum Gesamtbild liefern.

Sprachlich besonders reizvoll und amüsant sind die familientypischen Redewendungen und die grammatischen Eigenwilligkeiten der Großmutter, die der Autor stilistisch aufgreift und mit denen wir als Leser bald ganz selbstverständlich und vertraut auf Du sind. Ein paar liebenswürdige und schmackhafte Prisen Jiddisch bekommen wir außerdem serviert.

Die Figuren dieses Romans erscheinen so echt, leibhaftig und greifbar lebendig, daß man nach Beendigung der Lektüre das Gefühl hat, sie wirklich kennengelernt zu haben. Das liegt nicht nur daran, daß es wirkliche Menschen sind und wir auch einige Photographien zur Illustration angeboten bekommen, sondern an der malerischen, sinnlichen, warmherzigen und humorvollen Erzählweise. Shalevs Erzählton hat eine starke Ausstrahlung, die sich dem Gedächtnis lebhaft einprägt und die Leseerfahrung beinahe in Lebenserfahrung verwandelt.

Und auch die Belehrung über das richtige und geschlechtsspezifische Auswringen des Putzlappens auf Seite 84 hat eine gewisse pragmatische Faszination, die mir ein unwillkürliches Schmunzeln entlockte und mich – das gebe ich gerne zu – in Versuchung führte, diese Anleitung praktisch zu überprüfen.

Die ideale Lektüre für Putzteufel und für Leser, die biographische Romane mögen.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/07/31/meine-russische-grosmutter-und-ihr-amerikanischer-staubsauger/

Stich ins Wespennest
D.E. Stevenson
350 Seiten
Manhattan Verlag

Stich ins Wespennest von D E StevensonBeim „Stich ins Wespennest“ handelt es sich um eine sehr geschickt konstruierte Geschichte in der Geschichte oder, kurz zitiert, um „einen Roman über eine Frau, die einen Roman über eine Frau geschrieben hat, die einen Roman geschrieben hat.“

Es ist eine vergnügliche Lektüre der leichten Muse, gleichwohl aber nicht gedankenlos.

Der Schauplatz des Romans ist ein kleines englisches Dorf namens Silverstream zur Zeit der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren. Die unscheinbre Miss Barbara Buncle, die aus Geldnot einen Roman mit dem Titel „Der Störenfried“ verfasst hat und die dabei auf das in ihrem Dorf befindliche Figurenpersonal zurückgegriffen hat, mischt die Dorfbewohner tüchtig auf.

Zwar hat sie die Namen verändert und den Roman unter dem Pseudonym John Smith veröffentlicht, aber ihre gute Beobachtungsgabe und scharfsinnige Menschenkenntnis – in Verbindung mit einer naiven Wahrheitstreue in der schriftlichen Wiedergabe – führen dazu, daß sich die Personen aus dem Roman leicht den realen Vorbildern zuordnen lassen.

Niemand verdächtigt die unscheinbare Miss Buncle, obwohl sie selbst in ihrem Buch auch vorkommt. Allerdings hat sie eine deutliche charmantere und selbstsichere Version ihrer Person entworfen, und das ist zunächst die beste Tarnung.

Miss Buncle, die von allen sympathischen Personen im Dorf geschätzt und von den Unsympathischen chronisch unterschätzt wird, schreibt munter an einer Fortsetzung des „Störenfrieds“ und benutzt die aktuellen, aufgeregten Nachforschungen und dörflichen Geschehnisse als weitere Bausteine für die Romanfortsetzung. Durch den inzwischen zum Bestseller avancierten Erfolg ihres Romans bessert sich Miss Buncles finanzielle Situation, sie kann sich neu und geschmackvoller kleiden, und sie wird selbstbewußter und mutiger.

Im weiteren fließenden Übergang von Fiktion zu Wirklichkeit und umgekehrt, läuten auch schon bald die Hochzeitsglocken für Miss Buncle …    https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/25/stich-ins-wespennest/

Die Spieluhr
Novelle
von Ulrich Tukur
150 Seiten
Ullstein Verlag

csm_9783550080302_cover_ Die Spieluhr175f6ec799„Die Spieluhr“ von Ulrich Tukur ist eine musische, malerische und musikalische Geschichte, poetisch, geheimnisvoll und vielschichtig; sprachlich wunderbar geschliffen, anziehend altmodisch, niveauvoll – ja: ELEGANT. Ich bin hingerissen, solches Sprachgut bei einem Autoren der Gegenwart erlesen zu dürfen!

Der Autor erzählt von den Dreharbeiten zur Filmbiographie der Malerin Séraphine Louis. Im Film verkörpert er Wilhelm Uhde, einen deutschen Kunstsammler, der 1912 bei einem Urlaubsaufenthalt in der französischen Kleinstadt Senlis das außergewöhnliche Maltalent von Séraphine entdeckt und fördert.

Es gibt ein Problem bei den Dreharbeiten: Der Filmarchitekt hat trotz umfänglicher Hausbesichtigungen noch nicht den passenden Drehort für die Inszenierung von Séraphines Unterkunft gefunden.

Der Regieassistent Jean-Luc, der fertiges Filmmaterial nach Paris zum Entwickeln bringen soll, verschwindet spurlos und taucht sichtlich erschüttert zwei Tage später wieder auf und erzählt, daß er unterwegs zufällig ein verborgenes Schloß entdeckt habe. Dort befände sich ein Raum, der sich perfekt als Séraphines Filmzimmer eigne.

Jean-Luc versucht seine irrlichternden Erfahrungen mit dem geheimnisvollen Schloß und seinen mysteriösen Bewohnern in Worte zu fassen; nicht ganz zu Unrecht befürchtet er, von seinen Zuhörern für verrückt gehalten zu werden; zumal es ihm nicht gelingt, den Weg zum Schloß wiederzufinden, und er von den Kollegen damit aufgezogen wird, was er denn geraucht habe. Empört macht er sich daraufhin alleine wieder auf die Suche und einige Zeit später folgt der Autor den Spuren Jean-Lucs.

Er findet das wirklich-unwirkliche Schloß und betritt eine Reihe von changierenden Räumen; Gobelins führen in wirkliche Landschaften, und Landschaften wieder in geschlossene Räume, Menschen gelangen in Bilder und Bilder in Menschen, man weiß nicht mehr, ob Menschen Bilder betrachten oder umgekehrt. Die Spieluhr spielt nach einer traumwandlerischen Choreographie mit Raum und Zeit und Leben …

Auch die äußere Gestaltung dieses faszinierenden Buches ist außergewöhnlich hochwertig-bibliophil: Es ist in puderig-blaugrünes Leinen gebunden, mit einem floralen Motiv im Goldprägedruck als Titelbild, die Vorsatzblätter sind aus schwarzem, atlasseidig anmutendem Papier, die Serifen-Typographie »Centaur« ist reizvoll antiquarisch, gleichwohl gut und sehr klar leserlich. Das Verlagslogo ist unauffällig, beinahe unsichtbar ins Leinen eingeprägt, und es gibt ein LESEBÄNDCHEN.

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/01/29/die-spieluhr/

 

Thursday-Next-Reihe
von Jasper Fforde
6 Bände
2429 Seiten
dtv Verlag

Geben Sie es ruhig zu: Wenn Sie könnten, würden Sie auch mal gerne wortwörtlich in ein Buch einsteigen und mitspielen. In der Buchreihe mit der LiteraturAgentin Thursday Next bekommen Sie einen metafiktiven Vorgeschmack, wie das aussehen könnte …

der_fall_jane_eyre-9783423212939.jpg Der Fall Jane Eyrein_einem_anderen_buch-9783423212946.jpgThursday Next 2
Thursday Next, die weibliche Hauptfigur in diesen buchstäblich hinterlisterarischen Kriminalromanen, arbeitet als „LiteraturAgentin“, und in dieser Rolle sucht sie nicht nach verheißungsvollen neuen Schriftstellertalenten, sondern sie und ihre Kollegen beschützen die vorhandene Literatur vor unbefugten, verbrecherischen Eingriffen wie Raubdrucken, gefälschten Manuskripten und sonstigen Manipulationen, die gegen die literarische Ordnung verstoßen. Für außergewöhnliche Komplikationen sorgt dabei zusätzlich der Umstand, daß die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit durchlässiger sind, als bisher vermutet.

Gleich im ersten Band wird Jane Eyre aus ihrem Buch heraus entführt …

Thursday Next arbeitet für „SpecOps-27 (LiteraturAgenten)“, einer ihrer Lieblingskollegen arbeitet für „SpecOps-17(Vampir- und Werwolfentsorgung)“ und trägt den –  für literarisch Eingeweihte – vielsagenden Namen Spike Stoker.
im_brunnen_der_manuskripte-9783423212953.jpg Thursday Next 3
Eine große Rolle spielt außerdem „SpecOps-12“, die „ChronoGarde“, deren Aufgabe es ist, den korrekten Ablauf der „StandardEreignisLinie“ zu überwachen, Zeitfalten auszubügeln und dann und wann Apokalypsen zu vermeiden. Die zeitreisebefähigten Agenten kommen also negativen oder unerwünschten Ereignissen nachträglich zuvor.

Dann ist da noch Onkel Mycroft, der geniale Erfinder des Legosteinfilters für Staubsauger und des „ ProsaPortals“:  eine Erfindung, die es ermöglicht, buchstäblich in ein Buch einzusteigen. Und es gibt die  „Goliath Corporation“, einen skrupellosen, profitgierigen Großkonzern, der systematisch die Demokratie untergräbt und um jeden Preis seine Macht auf die fiktionale Welt ausdehnen will.

es_ist_was_faul-9783423212960.jpg Thursday Next 4 irgendwo_ganz_anders-9783423212977.jpg Thursday Next 5

In Jasper Ffordes Buchmultiversum ist die sogenannte wirkliche Welt schon reichlich schräg, aber die Buchwelt übertrifft sich hier gewissermaßen selbst. Wie dramatisch es hinter den Kulissen der gedruckten Buchstaben, Worte und Sätze zugeht, das weiß Jasper Fforde mit funkelndem Einfallsreichtum und Liebe zum kleinsten literarischen Detail spannend und sehr amüsant zu erzählen. Der bürokratische Verwaltungsapparat und Sicherheitsdienst (Jurisfiktion) der Buchwelt ist mindestens so papierkramreich wie in der Außenwelt, ganz zu schweigen von den logistischen und technischen „BackStory“- Herausforderungen. Also ohne mobiles „Fußnotofon“ geht schon mal gar nichts; und haben Sie gewußt, daß das ISBN-System den „JurisfiktionAgenten“ zur Ortung von Büchern  dient?

wo_ist_thursday_next-9783423214537Jasper Fforde verfügt über eine geistreiche und humorvolle Kombinationsgabe; von Band zu Band steigert er sich mit einfallsreichen Ideen, komplex konstruiert bis ins kleinste erlesene Detail. Die historischen und literarischen Arrangements, die er gestaltet, sind abenteuerlustig, wunderbar wortspielerisch und vielschichtig.

Die Wiederbegegnung mit bekannten literarischen Figuren, Themen und Schauplätzen, die von Jasper Fforde gekonnt in den Handlungsverlauf seiner Thursday Next Geschichte eingewoben werden, bietet anregenden Spielraum für fantasievolle und heiter-ironische Neuinterpretationen und kuriose Assoziationen. Neben vielen englischen Klassikern finden z.B. auch Eichendorff, Kafka und Konrad Duden Erwähnung.

Garniert wird das Ganze noch mit dem Thema Zeitreisen und den sich daraus ergebenden Paradoxien und Schlußfolgerungsvariablen.

Für Liebhaber geistreich-skurriler Metafiktion bietet Jasper Ffordes Thursday-Next-Serie buchstäblich vielseitige und verführerisch unterhaltsame LekTÜREN …

Gebündelte Besprechung der Bände 1 -5
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/05/01/thursday-next-band-1-5/
Besprechung von Band 6
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/07/03/wo-ist-thursday-next/

 

Das Geheimnis der Heilung
Wie altes Wissen die Medizin verändert
von Joachim Faulstich
351 Seiten
Droemer Knaur Verlag

Faulstich, Das Geheinis der HeilungDer Autor Joachim Faulstich offeriert mit „DAS GEHEIMNIS DER HEILUNG“ eine faszinierende Sammlung und Beschreibung teilweise jahrtausendealter Heilungsmethoden, wie z.B. die schamanische Trancereise oder die Macht der Imagination. Dieses alte Wissen kombiniert er mit modernen Erkenntnissen, z.B. aus der Hirnforschung, die entdeckt hat, daß es auf gehirnphysiologischer Ebene keinen Unterschied zwischen einer gedachten oder tatsächlich ausgeführten Handlung gibt. Das wiederum ist eine wissenschaftliche Bestätigung der Wirkungsweise von Imagination.

Die Lektüre des Therapeutikums macht den Leser/die Leserin unabhängig von monokausalen, einseitigen Erklärungsmodellen. Sie eröffnet viele Wege zur Heilung, stellt sie vor und bringt sie miteinander in Verbindung.

Krankheit und Heilung stehen in einem nur teilweise sichtbaren Zusammenhang; eine maßgebliche Rolle spielen dabei die unendlich komplexen Wechselwirkungen und Rückkopplungen zwischen Körper, Geist und Seele, aber auch die Beziehung, die Kommunikationstiefe und das Vertrauensverhältnis zwischen Heiler und Heilungssuchendem sowie die generellen Lebensbedingungen des Betroffenen.

Die wesentlichsten Zutaten für eine integrierende Heilkunde sind die geistig-seelische Aufgeschlossenheit für altes und neues Heilwissen und die Entwicklung einer möglichst vielschichtigen Bewußtseinstransparenz, die der Komplexität unseres Lebensgewebes umfassender gerecht werden. Das Buch „Das Geheimnis der Heilung“ ist selbst das beste Beispiel für eine wertschätzende und würdigende Betrachtungsweise, bei der Spiritualität und Wissenschaft Hand in Hand gehen und den Spielraum für Heilung erweitern.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/05/15/das-geheimnis-der-heilung/

„Das Geheimnis der Heilung“ ergänzt sich fein mit dem nachfolgenden TIGERBERICHT:

Der Tigerbericht
von Dietrich Wild
65 Seiten mit 2 CDs
Sheema Medien Verlag

buchcover_tigerberichtBeim Tigerbericht, der in Kombination von Textbuch und Hörbuch vorliegt, bietet sich die Gelegenheit, je nach Neigung lesend zu lauschen oder lauschend zu lesen. In jedem Falle werden sich die KonZENtration, die erfrischende Weite und die weise Gelassenheit dieser Geschichte wohltuend offenbaren.

Der Erzähler erzählt, wie er bei einer einsamen Wanderung durch die Wüste Sinai an einer Oase rastet und einem Meister begegnet. Zunächst wird er ohne Worte unterrichtet, durch freundliches, achtsames Wahrgenommensein und alltägliche Verrichtungen: Wasser holen, Feuer machen, Teetrinken, Lächeln, Verbeugungen und durch einfaches miteinander Schweigen.

Die schmucklose Sprache ist von einer poetischen und philosophischen Präzision, die Inhalt und Form zu einer stillen Harmonie vereint und gerade durch das Weglassen übergewichtigen Wortgepäcks eine Ruhe und kontemplative Präsenz hervorzurufen vermag, die den Leser – weit über jedes Wort hinaus – zuhören lehrt.

Der Tigerbericht ist eine gute Medizin, wenn man mal wieder in komplizierten Gedankengebäuden herumirrt und sich selbst zu ernst und das Leben zu schwer nimmt. Er räumt die Gedanken auf, klärt und leert den aufgewühlten Geist, schärft die Sinne und erinnert mit unaufdringlicher Eindringlichkeit an das Wesentliche: an das Dasein und Dabeisein im Jetzt und an die heilsame Selbstvergessenheit im reinen Tun.

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2012/12/30/der-tigerbericht/

 

Und für die lieben Kleinen noch kurz und bündig drei oberputzige Bilderbücher:

Der Bücherschnapp
Jeder braucht eine Gutenachtgeschichte
ab 4 Jahren
Ellermann Verlag

9783770745005.jpg Der Bücherschnapp

Hier wird mit vorbildlichen Vorleseinterieurs, lustigen Reimen und liebevoll-lebhaften Illustrationen das lauschige Vorleseglück mit unwiderstehlicher Anziehungskraft in Szene gesetzt.

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/10/31/der-bucherschnapp/

Stille Nacht
Das leise Weihnachtsbuch
ab 3 Jahren
Gerstenberg Verlag

Stille Nacht TITELBILD


Mit „Stille Nacht“ machen wir einen sehr empfehlenswerten Bilderbuchausflug, der mit leisen Worten sowie leisebunten und leiseleichten Bildern eine Atmosphäre atmender Stille hervorruft und dabei gleichwohl zum An- und Aussprechen von Gefühlen anregt.

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/22/stille-nacht/

Der letzte Tiger
a
b 4 Jahren
Kerle Verlag

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Dieses Bilderbuch legt konstruktive, naturverbundene geistige Samen in Kinderherzen, was ein durchaus wichtiger Aspekt zu einer enkeltauglichen Rettung der Erde ist.

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/09/18/der-letzte-tiger/

 

So, und jetzt ran an die WUNSCHZETTEL … es sind noch 18 Tage bis zur Bescherung! Meinen bescheidenen Beitrag für entspanntes Schenken habe ich hiermit hoffentlich geleistet.

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65 Kommentare zu “Aus der Lesevorratskammer Nr.1

  1. Oh, oh, oh, da ist ja ganz viel dabei, was mich reizt. Leider ist bei mir der Dezember der absolute Stressmonat, beruflich und privat. Aber lesen kann ich ja schließlich im Jänner auch noch. Vielen Dank und Applaus für die großartige, vielfältige Liste für jeden Geschmack samt Rezensionen. Dein blog ist ein echter Gewinn !! und liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Gerda,
      dann bist Du eine ganze Weile beschäftigt, und ich bedanke mich schon mal für Deine Aufmerksamkeit. Wenn Dir die Kurzrezension nicht genügt, kannst Du auf den jeweiligen Link zur vollständigen Buchbesprechung zugreifen 🙂

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  2. Was für eine thematisch und auch vom Stil her unterschiedliche und interessante Liste! Es geht natürlich relativ fix, jetzt etwas zu finden – bei dieser ansprechenden Vorstellung. Das Problem dabei ist allerdings, von der Liste auch etwas auszusortieren. ^^ Mich spricht ja gerade so ganz spontan sehr Ulrich Tukurs Novelle an …
    Ganz herzlichen Dank für die vielseitige Anregung, liebe Ulrike! Eine schöne Adventszeit wünsche ich!

    Liebe Grüße
    Michèle

    Gefällt 1 Person

    • Daß meine Bücherliste solch guten Anklang bei Dir findet, freut mich sehr.
      Ich habe mich bemüht, ein breites SPEKTRUM einzufangen.
      „Die Spieluhr“ von Ulrich Tukur ist wahrlich eine LESEPERLE, die man nicht verpassen sollte.
      Herzlichen DANK für Deine positve Resonanz, liebe Michèle!
      Und eine angenehm-entspannte Adventszeit wünsche ich Dir ebenfalls.
      Herzlich Ulrike

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  3. TOLL TOLL TOLL, liebe Ulrike, Meisterin aller Bücher!

    Aber nun fällt die Wahl erst recht schwer… *Nase rümpf*

    Aber da ich den Firmin schon habe, und auch gelesen, was für ein süßes Buch, das mir mal die feine Feldlilie riet, entscheide ich mich erneut für das Sammler-Buch des Franzosen 🙂

    Zauberschöner Beitrag, du liebe Person, du 🙂
    Herzliche Herbstsonnengrüße vom Lu

    Gefällt 2 Personen

    • DANKE, DANKE, DANKE für den großzügigen APPLAUS, lieber Lu, da werde ich ja ganz rötlich um die Wangen.
      „Das Schweigen des Sammlers“ ist bestimmt eine Lektüre nach Deinem Gusto – auch wenn der Autor nicht Franzose, sondern Katalane ist 😉
      Zum Nachtisch lege ich Dir noch die Novelle „Die Spieluhr“ ans Herz.
      Lieblächelnde Abendgrüße von Ulrike 🙂

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    • Diese BUCHAUSGABE des DECAMERONE in der Übersetzung und Kommentierung sowie ausführlichem Nachwort von Peter Brockmeier besitze ich auch, und die Kommentare sind wirklich sehr profund und einleuchtend.
      Die schauspielerisch-professionelle VERSTIMMLICHUNG der Novellen des DECAMERONE ergänzt die literaturhistorische Wissensfülle um vergnüglich-charmante Entspannung … 🙂

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  4. Es ist schon was dran: Wer die Wahl hat, …
    Aber dass es Das Decamerone inzwischen als Hörbuch gibt (wenn auch nicht komplett), eröffnet eine Perspektive, dass ich wieder mal ein Häkchen auf meiner Löffelliste zu lesender Weltliteratur machen könnte.
    Es sind aber allesamt sehr interessante und neugierig machende Vorschläge. Danke dafür.

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    • Wie erfreulich, daß Du Dich von meiner Auswahl angesprochen
      fühlst, liebe Christa.
      Zum DECAMERONE kann ich noch hinzufügen, daß ich mir diesen fast zwölf Stunden währenden Erzählreigen lächelnden Mundes und hingegeben lauschend vergnüglich einverleibt habe. Besonders großes Gefallen fand ich an den erlesenen Liebeslektionen, die von zeitlosem Reiz sind und auch noch nach 700 Jahren delikaten Genuß bereiten.
      Gutenachtgruß 🙂

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      • Wie sagte Italo Calvino in seinem Roman „Wie ein Reisender in einer Winternacht“ so weise:
        „Am meisten gleichen Liebesakt und Lektüre einander darin,
        daß sich in ihnen Zeiten und Räume auftun, die anders sind als meßbare Zeiten und Räume.“
        Zeitlose Grüße 😉

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    • Liebe Suzy,
      dann freue Dich schon einmal auf „Im Hause Longbourn“ vor.
      Jo Bakers Sprache – in der Übersetzung von Anne Rademacher – ist anmutig, geschmeidig und lebendig, bei der Wiedergabe der wechselnden Jahreszeitenstimmungen ist sie geradezu bezaubernd naturpoetisch. Die aufblühende Liebe zwischen Sarah und James wird sehr feinsinnlich, herzenswarm und zart ausgedrückt. Auch rauhe, ausgelaugte Hände sind voller Empfindsamkeit und Fingerspitzengefühl, und die Sehnsucht des Herzens schlägt in allen Menschen gleich.
      Gutenachtgruß 🙂

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  5. Ein tolles Potpourri an Büchern. Ich bin natürlich wieder auf der Seite der Underdogs…die arme Ratte…..der letzte Tiger…..

    Ich habe mal ein Frage an Dich, liebe Ulrike. Wie schaffst Du das, so viele Bücher zu lesen? Mir geht es immer so, wenn mir eines wirklich gefiel, dann brauche ich immer eine Trauerphase, bevor ich mit einem neuen anfangen kann. Wie gehst Du mit den vielen Eindrücken um?

    Danke für all die Vorstellungen..im Moment knabbere ich noch an …..einem Roman über eine Frau, die einen Roman über eine Frau geschrieben hat, die einen Roman geschrieben hat.“ Liebe Grüße und 1000 Dank, Ann

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    • Liebe Ann,
      über Deine positive, interessierte und aufgeschlossene Resonanz zu meinem ersten Bücherpotpourri danke ich Dir von Herzen.
      Für diesen Beitrag habe ich einfach nur – etwas abgekürzte – Besprechungen aus meinem Blogfundus ans Licht geholt und anschließend auf die vollständige Besprechung verlinkt.
      Mein Lesepensum entspricht meiner Lesesucht 😉 , und ich bin vielleicht lesehochbegabt 😉 . Ich kann sogar durcheinander schmökern und komme dabei nicht durcheinander.
      Es ist eine Art Textanschmiegsamkeitsfähigkeit und die Verschriftlichung meiner Leseeindrücke, führt ebenfalls dazu, daß ich die Fülle in eine für mich stimmige ORDNUNG bringen kann … Gleichwohl verstehe ich vollkommen, daß Du nach einer Lieblingslektüre eine Trauerphase brauchst.
      Kerzenlichtschimmernde Grüße
      Ulrike

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    • Vielen Dank für Deine Lesaufmerksamkeit, liebe Waldfrau.
      Bellmann Liederdarbietungen von Hannes Wader u.a. sind mir ebenfalls bekannt, aber diese Version von Petter Udland Johansen und dem Ensemble Pratum Musicum gefällt mir am allerallerallerbesten. 🙂

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