Grüner geht’s nicht

  • Nachhaltig gärtnern auf dem Balkon
  • von Melanie Öhlenbach
  • KOSMOS Verlag 2021 www.kosmos.de
  • Klappenbroschur
  • Fadenheftung
  • 128 Seiten
  • 215 Fotos
  • Format: 240 x 170 x 14 mm
  • 18,00 € (D)
  • ISBN 978-3-440-17110-3

BALKON-BIOTOP

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Melanie Öhlenbachs Balkongartenratgeber leitet zusammenhängend und detailliert zum nachhaltigen Gärtnern auf kleinem Raum an. Von der Ausstattung mit Pflanz- gefäßen und Pflanzenerde, Gartenwerkzeugen, Bio-Saatgut, Pflanzenarten, Pflege- hinweisen und biologischem Pflanzenschutz bis hin zu tier- und insektenfreundlichen Gestaltungsmöglichkeiten orientieren sich alle vorgestellten gärtnerischen Materialien und Arbeitsschritte an Nachhaltigkeit und Ökologie.

Beim Gärtnern auf dem Balkon sind zunächst allerlei Gefäße für die Pflanzen erforder- lich. Es muß nicht alles neu sein, auch gebrauchte Pflanzgefäße, umfunktionierte Kochtöpfe und Küchensiebe, Obststiegen, Weinkisten, Weidenkörbe, Pflanztaschen aus gefilzter Jute, Dosen, ja, sogar angeschlagene Tassen und ausgediente Suppenkellen lassen sich bepflanzen. Tontöpfe und -Unterteller sind gut geeignet und atmungsaktiv. Aus gebrauchten Paletten lassen sich mehrstöckige Pflanzregale bauen …

Es versteht sich von selbst, daß Plastiktöpfe vermieden werden sollten. Doch wenn man sie beispielsweise beim Kauf  von Pflanzen zwangsläufig miterworben hat, kann man sie immerhin noch als Anzuchttöpfchen oder Ablegerverschenktöpfen weiternutzen, anstatt sie nach einmaliger Nutzung in den Plastikmüll zu geben.

Pflanzenerde sollte an die Bedürfnisse der Pflanzen angepaßt werfen: Schwachzehrer (Salate, Kräuter, Hülsenfrüchte) kommen beispielsweise mit „verbrauchter“ Erde zurecht, während Starkzehrer (Tomate, Zucchini) besser in frischer, nährstoffreicher Erde gedeihen. Alte Erde läßt sich zudem durch Hinzufügung von Feinkompost und Gesteinsmehl reanimieren.

Sehr einleuchtend und praxisnah ist der Hinweis, die Pflanzerde für kalkliebende Kräuter wie Borretsch, Lavendel, Thymian und Salbei mit fein zerstoßenen Eierschalen zu mischen oder wahlweise sehr fein gemahlene Eierschalen dem Gießwasser hinzu- zufügen.

Kaffee-, Teereste und abgestandenes Bier sind – mit Wasser verdünnt – natürliche Düngemittel. Auch Kaffeesatz kann gut getrocknet in die Erde eingearbeitet werden, allerdings maßvoll, um die Erde nicht zu übersäuern. Kleine Reste aus Milchflaschen oder Joghurtgläsern können mit Wasser ausgeschwenkt werden und ebenfalls als Flüssigdünger dienen.

Dieser Ratgeber vermittelt auf eingängige Weise Wissen über die angemessene Stand- ortwahl für Pflanzen, die Vermehrung über Teilung, Stecklinge und Samenernte, Tipps und Hilfsmittel zum nachhaltigen Bewässern und Gießen, diverse Mini-Kompostier- varianten (Bokashi, Wurmkomposter), Nützlinge und Insektennisthilfen sowie Wasser- tankstellen für Insekten und Vögel, selbstangesetzte Pflanzenbrühen aus Acker- schachtelhalm, Efeu, Knoblauch usw.

Kurzportraits zeigen in Wort und Bild eine überschaubare Pflanzenauswahl zum Kennenlernen: Die 12 ertragreichsten Balkongemüse, 8 Beerensorten, 10 Kräuter und      10 Bienenweideblumen nebst einer Auflistung von 12 hübschen balkontauglichen Wildpflanzen.

Hinweise auf samenfestes biologisches Saatgut, analoge und digitale Samentausch-börsen, diverse Adressen und Links zu Bio-Saatgut, Gefäßen, Gartengeräten, Alten Sorten, Mulch, Bewässerungshilfen, Bio-Dünger und Bio-Pflanzenschutzmitteln, Nisthilfen und Vogelfutter runden den Kursus in nachhaltigem Balkongärtnern weiterführend ab.

„Grüner geht‘s nicht“ bietet anschauliche balkongärtnerische Anleitungen, übersichtliche, sinnvoll abgestufte botanische Informationen und prak- tische Anregungen zur Wiederverwertung- und zum Selbermachen. Die zahlreichen schönen Fotos wecken Pflanzlust und Blütenvorfreude.

Eine nachhaltige Balkongestaltung und –Bepflanzung, wie sie Melanie Öhlenbach in ihrem Buch so animierend und inspirierend vorstellt,  belohnt uns mit ebenso köstlichem wie attraktivem natürlichen Mehrwert!

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.kosmos.de/buecher/ratgeber-naturfuehrer/garten/balkon-terrasse-zimmer/11634/gruener-geht-s-nicht

Die Autorin:

»Melanie Öhlenbach hat ihren tristen Stadtbalkon in einen bunten Mini-Garten ver-wandelt. Auf sechs Quadratmetern baut sie rund 50 unterschiedliche Sorten an Gemüse, Kräutern, Obst, Blumen und Wildpflanzen an. Nachhaltiges Gärtnern auf kleinem Raum vermittelt die Bremer Garten-Journalistin auf ihrem Blog KISTENGRÜN https://www.kistengruen.de, in Seminaren und nun auch in diesem Buch. Durch die Radiosendung „Grüner wird’s nicht“ auf Bremen Eins ist sie auch einem breiten Publikum in Norddeutschland bekannt.«

Querverweis:

Ergänzend bietet sich zudem noch das Sachbuch „Wilde Kübel – unkompliziert, naturnah und insektenfreundlich“ von Simone Kern an: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2020/07/02/wilde-kuebel/

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

29 Kommentare zu “Grüner geht’s nicht

  1. Ich habe meine Balkonkästen (Kunststoff) seit mehr als 22 Jahren im Einsatz und deshalb kein schlechtes Gewissen. Alle paar Jahren werden sie grundgereinigt und wieder befüllt. Da ich einen Südbalkon ohne Sonnenschutz habe, wird der Kunststoff langsam spröde. Mal sehen, wie lange die Kästchen noch durchhalten…
    Melanie hat auch einen Blog zum Thema: https://www.kistengruen.de/wp/

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    • Vielen Dank für den Bericht über Deine doch recht langlebigen Kunststoffbalkonkästen. Ein schlechtes Gewissen ist nicht nötig. Ich habe auch Balkonkästen aus Kunststoff, einfach aus Gründen des Gewichts, und sie fangen inzwischen auch langsam an, porös zu werden. Allerdings befülle ich sie nicht direkt mit Bioerde, sondern stelle passende Blumentöpfe hinein. Und auf meiner Balkonfläche (6m²) bepfanze und pflege ich weitgehend Pflanzen in Terracottakübeln. Ich denke, daß es wichtiger ist, daß man insektenfreundliche Pflanzen nutzt und keinerlei Gifte und Kunstdünger verwendet.
      Auf Melanies Blog verweise ich bei den Angaben zur Autorin, trotzdem danke für Deinen aufmerksamen Hinweis.

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  2. Man kann mit Kaffeeresten düngen??? Liebe Ulrike, das ist die gute Nachricht des Tages! Halte ich doch immer einen satten Vorrat an Düngemitteln vor …. nur finde ich sie nie, wenn ich sie brauche. Kafee dagegen ist hier allgegenwärtig. Das macht mich zum glücklichen Balkonisten! Herzerfrischend, deine Präsentation wie immer, wunderbar! Danke dir und liebe Grüße aus HH, Michael

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    • Hab‘ Dank für Deine lebhafte Begeisterung, lieber Michael.
      Du darfst es aber mit dem flüssigen Kaffeedüngen nicht übertreiben, da Kaffee die Erde saurer macht. Mit einer Kaffedüngung alle zwei Wochen kannst Du indes nichts falsch machen. Und Kaffeesatz muß unbedingt getrocknet eingesetzt werden, da er sonst schimmeln kann.
      Herzliche Grüße aus SG,
      Ulrike

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      • Danke erneut und von Herzen für die weiterführenden und im Wortsinn tiefergehenden Hinweise zum rechten Gebrauch meines Kaffees zum Wohle der Pflanzen. Ich hab tatsächlich gestern gleich damit angefangen. Hat was. Sonst gehe ich eher aus selbstgenießerischen Gründen mit der Kaffeetasse auf den Balkon! 🙂

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  3. Das mit den Plastiktöpfen sehe ich inzwischen auch etwas differenzierter. Ich mag zwar die aus Ton lieber, aber ich muß hier oben mal etwas Gewicht reduzieren. Da man solche Töpfe lange nutzt (was bei mir sehr sehr lange ist), ist das auch legitim denke ich. Toll wäre es, wenn es welche nach dem cradle to cradle Prinzip von Baumgart gäbe, die immer wieder recycelt würden 🙂 Die Düngetips finde ich interessant, traue mich aber bei den Ameisen nicht unbedingt, solche Lebensmittelreste auszugießen. Wobei Kaffeesatz und Tee da vermutlich unproblematischer sind. Das mit den Eierschalen will ich mir mal merken. Allerdings ist unser Wasser hier sehr kalkhaltig. Könnte ich mir aber für meine Clematis ganz gut vorstellen. Danke für die Vorstellung und die Anregungen liebe Bücherfee! Man lernt ja immer dazu 🙂

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    • Vielen Dank für Deine Rückmeldung, liebe Almuth. Ich finde ebenfalls, daß lange genutzte Plastiktöpfe akzeptabel sind. Es gibt auch schon leichte Töpfe aus nachhaltigen und wiederverwerteten Materialien, aber diese haben sich bisher noch nicht im Handel durchgesetzt. Die Autorin nennt anhänglich einige mögliche Bezugsquellen z.B. greenandfair.info , memolife.de oder 4betterdays.com
      Die Düngemittel sollten an die jeweiligen Gegebenheiten angepaßt werden. Ich hatte bisher keine Ameisen auf dem Balkon und habe mir auch keine durch diese Resteverwertung „angelacht“.
      Immerhin „schmecken“ Deiner Clematis ja die Eierschalen 😉
      Du und Deine Webseite sind schon lange mein insektenfreundlich-balkongärtnerisches Vorbild, aber wie Du schon sagtest, man kann immer noch dazulernen und die eine oder andere ergänzende Anregung aufgreifen.
      Naturverbundene Grüße von mir zu Dir :mrgreen:

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      • Danke für die Tips liebe Ulrike, da werde ich noch mal gucken. Die letzten fand ich auf der Straße, die waren zum Verschenken und werden bei mir jetzt weitergenutzt 🙂

        Nach deinen Erzählungen hätte ich gedacht, daß du selbst ganz schön vorangehst mit deinem nachhaltigen Balkon und all deinen tollen Ideen und Projekten! Wir können bestimmt voneinander lernen und uns gegenseitig inspirieren. Daß tust du ja auch oft mit deinen tollen Buchvorstellungen hier. Grüne Grüße von mir zu dir 🙂

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      • Gewiß beackere ich meinen Balkon schon nachhaltig, ja, ich fülle sogar mein Salat- und Obstwasch- und gelegentliches Eierkochwasser in meine Gießkannen um, um Wasser zu sparen. Doch von Dir habe ich bisher am allermeisten über wildbienenfreundliche Pflanzen gelernt, und Deine Blutweiderichsamen haben bei mir schon viele Kinder und Enkelchen bekommen. 😉
        So inspirieren wir uns in der Tat wechselseitig.
        Herzensgruß von mir zu Dir 🙂

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  4. Toll, ein Buch nach meinem farbenfreudigen Herzen, liebe Ulrike, aber leider kann ich nicht, weil das Bücken noch große Probleme macht. Einige Wochen muß ich noch die Rückenwirbelprothese tragen, damit die beiden Brüche gut heilen… Da ist nix mit Gärtnern. Ich quäle mich mit Kleinigkeiten ab und bin unzufrieden, daß noch nicht wieder mehr geht… 😦
    Liebe Grüße von Bruni an Dich

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  5. Mir ist das Buch zu grün! Wenn ich mir nur das Sammelsurium möglicher Pflanzgefäße anschaue, graust es mir. Soviel „Schrott“ brauche ich nicht, auch wenn es nur ein Teil davon ist.
    Zudem setzte ich – man möge mir verzeihen – Tomaten lieber in Plastiktöpfe, da sie dann bewegbarer sind.
    Mit der „Düngung“ aus Speiseresten habe ich auf einem kleinen Balkon auch so meine Probleme, zumal Kaffee- und Teereste nur begrenzt einsetzbar sind.
    Trotzdem hat das Buch einen Sinn, verfolgt einen guten Zweck: Es ist eine Hilfe zur Freude am Balkongärtnern.

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    • Hab‘ Dank für Deine kritische Rückmeldung.
      Das Sammelsurium möglicher Pflanzgefäße ist eine Anregung der Autorin, der Du nicht unbedingt folgen mußt.
      Ich persönlich mag optisch am liebsten Terracottatöpfe, die aber leider auch teilweise außereuropäisch unter ausbeuterischen Bedingungen produziert werden. Ich habe viele Töpfe aus zweiter Hand, vom Flohmarkt, Sperrmüll usw. Dein Problem mit dem Gewicht bei großen Pflanzgefäßen verstehe ich. Ich finde, Plastiktöpfe, die man lange und mehrfach nutzt, akzeptabel.
      Ich dünge schon seit vielen Jahren sowohl auf dem Balkon (meiner ist etwas über 6m² groß) als auch im Garten mit Speiseresten. Besonders häufig mache ich dies bei dem Balkonkübeln mit wässrig ausgeschwenkten Bio-Yoghurt- gläsern und zerstoßenen Bio-Eierschalen. Kaffeesatz und Teesatz kommen in den Garten, weil meine haushaltüblichen Mengen einfach zu groß für den Balkonbedarf sind.
      Ich denke, es ist legitim, sich aus Ratgeberbüchern das herauszupicken, zu dem man bereit und umsetzfähig ist und was zu den persönlichen Gegebenheiten paßt.

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  6. Beim Kosmos-Verlag ist die Redewendung „nomen est omen“ offensichtlich zutreffend: es ist immer wieder spannend und erfreulich, welche besonderen Sterne dort er-scheinen. 🌟
    Das „kulturelle Potential“ eines Balkons ist gewiss um einiges größer, als man sich das als „Balkongärtner von der Stange“ gemeinhin vorstellt. 😉 Und wenn mit so einem Ratgeber das eine oder andere wohl gelingt, wächst mit den Pflanzen bestimmt auch die Lust, die Möglichkeiten immer noch etwas gründlicher auszuschöpfen. 🌱🪴🌸🌻🌳

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    • Verbindlichen Dank für Deine zugeneigte Resonanz!
      Deiner nomen-est-omen-Betrachtung des Kosmos Verlages kann ich nur lebhaft und aus beinahe lebenslänglicher Leseerfahrung zustimmen! 🙂
      Das Begrünungs- und Beblühungspotential von Balkonen ist in der Tat anbaumäßg sehr ausbaufähig. 😉
      Hand in Hand mit einem sinnvollen und praktischen Ratgeber wie „Grüner geht’s nicht“ WACHSEN neben den Pflanzen gewiß auch die gärtnerische Erfahrung und die grüne Lust. :mrgreen:

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    • Es freut mich, daß ich Dir neue und so naheliegende „Düngearten“ vermitteln konnte und daß Du meine Buchempfehlung als Geschenkempfehlung aufgreifst. 😀
      Der Hinweis mit dem Untermischen von zerstoßenen Eierschalen in die Blumenerde für mediterane Pflanzen war für mich auch neu. Bisher hatte ich meine Eierschalenbrösel einfach nur im Garten verstreut.

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  7. Ein toller Tipp. Vielen Dank, Ulrike! Wir sind seit längerem dabei, der Natur in unserem Garten mehr und mehr Raum zurückzugeben bzw. heimische Bäume, Gehölze und Stauden anzupflanzen. Da kommt dieser Hinweis für Balkonpflanzen zur rechten Zeit. 🙂

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