Wölfe

  • Ein Portrait
  • von Petra Ahne
  • Matthes & Seitz Verlag  Oktober 2016   http://www.matthes-seitz-berlin.de
  • Nr. 27 der Reihe NATURKUNDEN          http://www.naturkunden.de
  • 144 Seiten
  • mit zahlreichen farbigen Abbildungen
  • Kleinoktav-Format: 12 x 18 cm
  • gebunden, fadengeheftet
  • Mit schwarzem Kopfschnitt
  • 18,– € (D), 18,50 € (A), 22,90 sFr
  • ISBN 978-3-95757-333-9
    woelfe-titelbild

EIN  WOLF  IST  EIN  WOLF  IST  EIN  WOLF

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Petra Ahne nähert sich dem Wolf kulturhistorisch und vergleicht kurzweilig und facettenreich die menschliche Haltung gegenüber Wölfen im Wandel der Zeit. Dabei verrät der menschliche Blick auf die wilde Natur – selbst bei manchem Naturforscher – meist sehr viel mehr über die menschliche Werteskala und anthropozentrische Vorurteile als über das schlicht biologisch-überlebensnotwendig begründete Verhalten des Wolfes.

In der Vergangenheit galt der Wolf als böse und bedrohlich, und er wurde gnadenlos und grausam vom Menschen gejagt und verfolgt. Beiläufig diente er auch noch als Projektionsfläche für diverse ungezügelte Triebe, wie sie beispielsweise bei den erotischen Untertönen des Märchens vom Rotkäppchen (in der mündlichen Überlieferung) mitschwingen. Die Schriftstellerin Angela Carter reanimierte Ende der Siebzigerjahre mit der Geschichte „Die Gesellschaft der Wölfe“ diese leicht verstörende Urversion des Rotkäppchens.

Im Hexenhammer, dem juristischen Grundlagenwerk der Hexenverfolgung, wurde die zauberische Verwandlung von Menschen in Tiergestalten bzw. Werwölfe ausführlich erörtert, und somit war die Dämonisierung des Wolfs als Verbündeter des Teufels perfekt.

Lange noch wurde der Wolf in Generationen von Tierlexika als böswilliger Schädling und blutrünstiger, heimtückischer Jäger dargestellt, mit abschreckenden Illustrationen wurde seine Bedrohlichkeit entsprechend untermalt. Angesichts der brutalen und rücksichtslosen Jagdmethoden, die Menschen gegenüber Wölfen anwandten und die den Wolf vielerorts gänzlich ausgerottet bzw. vertrieben haben, ist die  Frage berechtigt, wer hier eigentlich die Verkörperung des Bösen ist.

Die Autorin demontiert den einst so beliebten Mythos vom Alpha-Wolf. Der amerikanische Wolfsforscher David Mech hat herausgefunden, daß intensive Dominanzhierarchie nur bei willkürlich zusammengeführten Wölfen in Gefangenschaft vorkommt. In freier Wildbahn bestehen die Rudel aus einem erweiterten Familienverband, in dem die Elterntiere als natürliche Autorität tonangebend sind.

In diesem vielfältigen Panoptikum wird auch auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Hund und Wolf eingegangen und über Jack Londons Roman „Ruf der Wildnis“, in dem ein „zivilisierter“ Hund wieder verwildert, also wölfisch wird, reflektiert.

Wölfe sind sehr anpassungsfähige Tiere, mit ausgeprägtem familiären und kommunikativen Sozialverhalten, deren Nahrung Fleisch ist (bevorzugt Wildfleisch). Daß sie damit menschlichen Jägern nach wie vor in die Quere kommen, ist verständlich; indes sind Menschen, im Gegensatz zu Wölfen, keineswegs auf fleischliche Nahrung angewiesen.

Erst in jüngerer Zeit geht die menschliche Biophilie so weit, daß auch der Wolf als schützenswert und als relevanter Bestandteil des ökologischen Gleichgewichtes positive oder zumindest faszinierte Aufmerksamkeit erfährt.

Bei manchen Menschen ist die Faszination dermaßen groß, daß sie ihr Leben den Wölfen widmen. So finden u.a. die Pianistin Hélène Grimaud und der Philosoph Mark Rowland mit ihrer Liebe zu den Wölfen Erwähnung – moderne Romantiker auf der Suche nach dem inneren Wolf, denen der Wolf als Symbol menschlicher Wildnissehnsucht erscheint.

Petra Ahne gelingt eine wohlausgewogene Perspektive, die zwischen kulturhistorischen und aktuellen zoologischen Informationen sowie naturliebhaberischer Zuneigung gekonnt changiert und uns das fremdvertraute Wolfswesen nahebringt und viele suggestive Vorurteile kompetent entkräftet.

Seit der Wolf unter Artenschutz gestellt wurde und nicht mehr verfolgt wird, kehrt er zurück. Im Bundesland Sachsen leben inzwischen die meisten Wolfsrudel Deutschlands. Hier gibt es seit dem Jahr 2003 das Lupus-Institut für Wolfsmonitoring und –forschung. Mit Hilfe der Telemetrie werden per Sender die Wege der Wölfe und die Reviergröße kartographisch erfaßt. Außerdem werden Wolfskotproben untersucht, um herauszufinden welche Beutetiere gefressen wurden. Die Untersuchung mehrerer tausend Proben ergab, daß die Wölfe zu 96 Prozent Rehe, Hirsche und Wildschweine fressen und nur zu 0,6 Prozent Schafe und andere Nutztiere.

In Deutschland leben bereits in sechs Bundesländern wieder Wölfe. Für Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen wird Wolfsbesiedelung erwartet, sie „gelten als Wolferwartungsland“ (Seite 96).

Zahlreiche farbige Illustrationen runden den Text anschaulich ab. Die historischen Abbildungen zeugen deutlich von der ideologischen und psychologischen Wertung, mit der die Darstellung des Wolfs auch im zeichnerischen Ausdruck erfolgte. Erst die zwölf Wolfsportraits, in denen die weltweit bekanntesten Wolfsarten (vom Eurasischen Grauwolf über den Polarwolf bis zum Mexikanischen Wolf) beschrieben werden, zeigen gegenwärtige Illustrationen von Falk Nordmann, die den Wolf, ohne menschliche Zugaben einfach Wolf sein lassen.

Besondere Erwähnung und ausdrückliches Lob verdient zudem die schöne gestalterische Ausstattung des Buches: schmeichelgriffiges Papier für Einband, Vorsatzblätter und Buchseiten, satte, lesefreundliche Typographie, farbliche Abstimmung des Kopfschnittes und der Fadenheftung mit der Farbgebung des Bucheinbandes. Hier finden wir den harmonischen Einklang von substanzieller innerer und äußerer Buchqualität, wie sie für die von Judith Schalansky herausgegebene Reihe Naturkunden Standard ist.

Da kommt Sammellust auf, und von den 36 bisher erschienen Titeln dieser exquisiten Buchreihe interessieren mich sogleich drei Titel brennend, drei glühend, und weitere drei funkeln mich verführerisch an …*

Zum Ausklang nun noch ein Zitat, das eine schöne Kostprobe von Petra Ahnes subtilem Sprachstil serviert:

»Es passiert etwas mit einer Landschaft, in der Wölfe leben. Ihre unsichtbare Anwesenheit ist wie eine leise Melodie, die die Stimmung verändert. Indem sie ihre Fremdheit und Ungreifbarkeit in den Wald unserer Spaziergänge tragen, machen sie aus ihm einen reicheren, geheimnisvolleren Ort. Einen, der den Menschen spüren lässt, dass hier eine größere Ordnung gilt als die, die er zu seinem Vorteil geschaffen hat; eine die ihn vom Zentrum an den Rand rückt. Es sieht so aus, als müssten wir dieses Gefühl öfter zulassen, wenn wir eine Zukunft haben wollen. Der Wolf könnte uns dabei helfen.«
(Seite 112)

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Russischer Wolf: Illustration von Falk Nordmann © Verlag Matthes & Seitz, Berlin 2016

Die Autorin:

»Petra Ahne, geboren 1971 in München, studierte Komparatistik, Kunstgeschichte und Publizistik in Berlin und London. Sie ist Redakteurin im Ressort Seite 3/Magazin bei der Berliner Zeitung

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/woelfe.html?lid=5

*Hier entlang zur Buchreihe NATURKUNDEN:
http://www.matthes-seitz-berlin.de/reihe/naturkunden.html

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74 Kommentare zu “Wölfe

  1. Danke liebe Ulrike. Ich habe nicht geschafft alle Kommentare zu lesen doch vielleicht hat jemand Clarissa Pinkola Estés erwähnt, die in ihrem ( fast schon uralten ) Werk „Die Wolfsfrau“ sogar eine Parallele zwischen dem Schicksal von Frau und Wolf in der Gesellschaft zieht. Demnach, mit der neuen Sichtbarkeit und Annahme von Wölfen, dürfen wir Frauen uns auf eine gewandelte Rolle in der Gesellschaft freuen.

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    • Liebe Susanne,
      danke für Deinen ergänzenden Hinweis auf Pinkola Estés Buch „Die Wolfsfrau“.
      Petra Ahne bezieht sich kritisch auf Estés‘ Buch, da es Wölfe erneut zur Projektionsfläche menschlicher (weiblicher) Sehnsüchte mache. „Alte Stereotype werden durch neue ersetzt; aus dem bösen wird das edle Tier. Der echte Wolf wird von beiden gleichermaßen verdeckt.“ (Seite 91)
      Da ich „Die Wolfsfrau“ selbst nicht gelesen habe, halte ich mich aus dieser Beurteilung diplomatisch raus. 😉
      Gleichwohl begrüße ich es sehr, wenn Frauen WILD und WIDERSPENSTIG sind und sich zivilisatorischen Schablonen und Verbiegungen nicht fügen.

      Gefällt 2 Personen

  2. Es muß ein wundervolles Buch sein, liebe Ulrike.
    Zu einem wundervollen Tier ein wundervolles Buch. Das passt doch vorzüglich.
    Ich werde es mir vormerken und bestimmt nicht mehr vergessen.
    Das einzige Buch, das ich je von Jack London gelesen habe, war Wolfsblut und es hat mich total fasziniert. Es war das erste Mal, daß ich einem Wolf näher kam *lächel*,
    die Märchen der Gebr. Grimm zähle ich jetzt lieber mal nicht mit *g*.

    Der einzige Wolf (gang) in der Familie wurde sehr jung erschossen. Ein Zufall, der natürlich mit unserem echten Wolf nichts zu tun hat, aber es fiel mir eben ein.

    Liebe Gutenachtgrüße von Bruni

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  3. Seite 112 hat mir gerade den Nachmittag entzückt. Neulich ging ich durch „meinen“ Wald mit einer Besucherin aus dem Spreewald, die mir erzählte, dass man bei ihnen mit Kindern nicht mehr in den Wald gehen könne, weil es dort wieder Wölfe gäbe. Das hat mich ziemlich beschäftigt. Ich habe mir versucht vorzustellen, wie ich mich durch einen Wald mit Wölfen bewegen würde. Besser als Seite 112 kann man meine Gedanken nicht beschreiben!

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    • Die Menschen fahren alltäglich mit lebensgefährlichen Autos, haben aber Angst vor umfallenden Bäumen oder vor Wölfen im Wald.
      Wie ich bereits in einem anderen Kommentar sagte, haben Menschen oft unvernünftige Ängste und ignorieren oder verdrängen wirkliche Gefahren z.B. Giftcocktails aus der konventionellen Landwirtschaft und Massentierqualzucht in allen Stoffkreisläufen, multitresistente Krankenhauskeime, Mikroplastikverseuchung …
      Das poetische Zitat habe ich auch gewählt, weil es meiner Empfindung gegenüber Wölfen entspricht!
      Harmonische Grüße von mir an Dich 🙂

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  4. Wie gern ich immer lese, was du schreibst, liebe Ulrike! Und nun auch das letzte Zitat, das so wahr ist und so wundervoll belebt, selbst in einer Welt, in der der Wolf (lykos) nur mehr als dunkler Mythos haust.
    Im Zentrum von Arkadien gibt es den Wolfsberg (Lykaion), ich schrieb davon https://gerdakazakou.com/2016/09/16/et-in-arcadia-ego-der-wolfsberg/. Heute begegnest du dem Wort noch in Lykeion – dem Ort, wo Aristoteles in Athen lehrte, davon Lyzeum – gymnasiale Oberstufe.
    Aber was hat das alles mit dem lebendigen Wolf zu tun, den ich nur als Gefangenen kenne? Ein Wolf ist ein Wolf ist ein Wolf.

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    • Danke für Deinen „Zeitreise“-Link, liebe Gerda und danke für Deine zugeneigten Komplimente zu meinem Schreiben!
      Ja, wenn man so tief mit den Wurzeln der Worte vertraut ist, wie Du, dann erschließen sich interessante Wege und Umwege der menschlichen Kulturgeschichte.
      Das Zitat von Petra Ahne (man beachte auch die Bedeutung des Namens) läßt uns eine AHNUNG davon spüren, was für eine seelische Bereicherung, die unsichtbar-sichtbare Nähe wilder Wölfe sein kann.

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  5. Liebe Ulrike,
    nun hast du mir auch noch diesen Band schmackhaft gemacht! Ich war schon so begeistert von den Schmetterlingen und Schnecken aus der Naturkunden-Reihe:
    http://www.elementareslesen.de/andrea-grill-schmetterlinge/
    http://www.elementareslesen.de/florian-werner-schnecken/
    Außerdem schmökere ich gerade in dem neuen Band „Symbiosen“ von Reichholf. Da gibt es ein Kapitel über die Symbiose zwischen Mensch und Hund. Der Autor vermutet, dass Wölfe ursprünglich die Nähe zu den Menschen suchten, um an die Futterreste zu gelangen. Sie haben sie sogar vor anderen Wolfsrudeln beschützt. So habe sich allmählich eine enge Beziehung entwickelt und die Wölfe konnten gezähmt werden. Ein interessanter Gedanke! Geht Petra Ahne auf diesen Aspekt ein? Dann wäre das Buch die perfekte Ergänzung für mich!

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    • Liebe Petra,
      ich mußte Deinen Kommentar erst einmal aus dem Spam-Ordner befreien, in den er unsinnigerweise von WP gesperrt wurde.
      Danke für Deine feinen Rezensionslink-Zugaben zu weiteren SCHÄTZEN aus der Reihe NATURKUNDEN.
      Auf den von Dir angesprochenen symbiotischen Aspekt der Wolf-Mensch-Beziehung geht Petra Ahne am Rande, aber nicht sehr ausführlich ein.
      Gleichwohl ist es eine gute Ergänzung u.a. wegen der Betrachtungen der sich wandelnden naturwissenschaftlichen Perspektive auf Wölfe. Fast alle“objektive“ Naturerforschung erfolgt durch den anthropozentrischen Filter des jeweiligen „subjektiven“ Zeitgeistes.

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  6. Angesichts der heftigen Diskussionen ein Buch zu rechten Zeit. Wobei ich, was die Akzeptanz von Wölfen in Deutschland außerhalb von Gehegen betriftt, sehr pessimistisch bin. Vielleicht weil der Mensch den Wolf einfach als größte Konkurrenz empfinden möchte? Eine schöne Woche!

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    • Danke für Deinen Kommentar und die guten Wünsche.
      Meine Akzeptanz haben die Wölfe jedenfalls.
      Die Menschen haben oft unvernünftige Ängste und Animositäten und übersehen dabei die wirklichen Lebensgefahren.
      Das vorliegende Buch leistet einen sinnvollen Beitrag zur lebensdienlichen AUFKLÄRUNG über Wölfe und zum Abbau von anerzogenen Vorurteilen.
      Sonnige Grüße 🙂

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  7. Wie schön: diese Begeisterung für diese wunderbare Reihe der Naturkunden, und wenn ich Dir einen Tip geben darf, dann suche Dir die Federn aus. Es liest sich spannend wie ein Krimi.
    Einen lieben Abendgruß vor dem Schlafengehen
    Karin

    Gefällt 3 Personen

    • Mir hat einmal ein Uhu tief in die Augen geschaut, obwohl dies im Beisein des Falkners geschah, fühlte ich mich auf eine Weise naturverbunden, wie nie zuvor!
      Mit einem Wolf ist das wohl noch eine Nummer größer. 🙂
      Danke für Deine geteilte persönliche Wolfsaugenblickserfahrung!

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  8. Danke für deine schmeichelgriffige Rezi liebe Ulrike. Tatsächlich habe ich mich lange mit Wölfen beschäftigt und muss immer müde gähnen, wenn wieder einmal blutrünstige Wolfsbestien durch einen Film hecheln. Im wirklichen Leben wird man nur sehr selten einen Wolf sehen und dann ist dieser an Menschen gewöhnt, denn sonst würde er sich nicht zeigen. Es sind einfach faszinierende Tiere, aber NRW als Erwartungsland kann ich mir nicht vorstellen, aber vielleicht erleben wir es noch, bevor durchgedrehte Landwirte und Jäger wieder auf die Jagd gehen!

    Gefällt 2 Personen

    • Danke, lieber Arno,
      für Deine Wolfskomplimente. 😉
      Ich wohne im Bergischen Land (in NRW), hier sind die Wälder ziemlich ausgedehnt, wenn auch nicht urwaldlich.
      Ich hätte gewiß nichts gegen Wölfe im Wald.
      Wenn ich allerdings mitbekomme, wie überängstlich meine Nachbarn (teilweise) allein auf einen Fuchs reagieren, der seit einiger Zeit durch die Wohnsiedlungsgrünanlagen streift, dürfte die Reaktion auf Wölfe noch eine Nummer größer ausfallen.
      Da sind noch reichlich Vorurteile abzubauen!

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  9. Ein reizendes Buch stellst du uns heute vor, liebe Bücherfee. Einerseits deshalb, weil es offensichtlich – wie deiner geistvoll-begeisterten Besprechung unschwer zu entnehmen ist – ein in verschiedener Hinsicht reizvoll gemachtes Buch ist. Anderseits aber auch, weil Wölfe auch heute noch ein Reizthema sind. Wenn es um Wölfe geht, wird oft sehr emotionsüberladen diskutiert – und was an Sachkenntnis fehlt (im Klartext so gut wie alles) wird durch wildwuchernd-phantastische Hirngespinste mehr als wett gemacht. Ob im Alpenraum oder in den Skandinavischen Ländern – fast immer geht es um Liebe oder Hass. Dass die Beziehung Wolf-Mensch schon lange von Ambivalenz gekennzeichnet war, kommt auch darin zum Ausdruck, dass der Wolf (sowohl im deutschen Sprachraum als im Norden) auch in Vornamen vorkommt. Realistische Vorstellungen zum Thema Wolf haben aber so oder so eher Seltenheitswert. Und da kommt dein Buch gerade recht. Vor allem auch, weil es eben nicht nur die wildbiologischen Aspekte berührt. Mehr als bei den meisten anderen Arten sind die Menschenköpfe in Bezug auf Wölfe die reinsten Rumpelkammern – und ein Ausmisten unter sachkundiger Anleitung tut hier dringendst nötig.
    Sozusagen als Sahnehäubchen lässt sich konstatieren, dass die (mir bisher unbekannte) Reihe Naturkunden überhaupt sehr „lecker“-verführerisch wirkt.
    Darf ich raten? Schmetterlinge, Eulen und Sprechende Blumen sind auf deiner Wunschliste. 🙂

    Gefällt 3 Personen

    • Lieber Maestro,
      mit Deinem melodisch-eloquenten Kommentar hast Du das aufklärungsbedürftige Verhältnis zwischen Mensch und Wolf feinsinnig umrissen.
      Ja, die Bücher der Reihe NATURKUNDEN sind reinste bibliophile Leckerbissen. Ich habe noch nie ein Buch beim Lesen sooo oft gestreichelt, wie das vorliegende Buch. Die Zärtlichkeit des Papiers ist einfach zu verlockend. 😉
      Mit meiner Wunschliste hast richtig geraten, aber es sind noch vier Bücher mehr: Krähen, Insektopädie, Federn und alte Bäume.
      Unbescheidene Grüße 😉

      Gefällt 3 Personen

  10. Mich haben Woelfe schon immer interessiert, weil ich Hunde mag und sie eigentlich nicht so viel gemeinsam haben. Den vielen Jahrhunderten der Domestizierung konnten sie entgehen. In dem kurzen Auszug konnte man die Liebe und den Respekt der Autorin dem Wolf gegenüber spüren. Danke für den Tipp.Liebste Grüsse von mir zu dir, liebe Ulrike PS: und jetzt google ich erstmal, was man bei Komparatistik studiert;-)

    Gefällt 5 Personen

  11. Das ist ein Buch, das ich verschenken werde, hurra, danke, liebe Ulrike! Kann natürlich sein, dass meine wolfsverrückte Freundin es schon hat, dann kann ich es selbst behalten, auch hurra, danke, liebe Ulrike! 😉
    Allgemein kann man sagen, dass diese „Naturkunden“-Reihe eine erheblich größere Aufmerksamkeit verdient hat, ich mochte bisher jedes einzelne Buch daraus, das ich in den Händen hatte.
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 7 Personen

  12. Heute habe ich eine Frau gesehen mit einem wolfähnlichen Hund. Ich konnte sie leider nicht fragen, welche Rasse ihr Hund ist. Doch sein Laufen, seine Haltung und souveräne Ausstrahlung, so stelle ich mir einen Wolf vor und würde zu gerne einmal einen in der freien Natur sehen. Es hat ein Rudel in meiner Nähe – wer weiss…und deine Buchempfehlung hört sich interessant an.

    Gefällt 5 Personen

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