Petronella Apfelmus, Band 6

  • Schnattergans und Hexenhaus
  • von Sabine Städing
  • illustriert von Sabine Büchner
  • Boje Verlag, September 2018  www.boje-verlag.de
  • gebunden
  • mit LESEBÄNDCHEN
  • 208 Seiten
  • 13,00 €
  • ISBN 978-3-414-82514-8
  • Kinderbuch ab 8 Jahren zum Selberlesen
  • ab 5 Jahren zum Vorlesen

MILCHSTRASSENSTREUSEL  &  HEIDELBÄREN

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die Zwillinge Lea und Luis Kuchenbrand haben ein zauberhaftes Geheimnis; seit sie mit ihren Eltern in das alte Müllerhaus mit dem schönen halbverwilderten Garten gezogen sind, pflegen sie eine außergewöhnliche Freundschaft mit Petronella Apfelmus, der Hüterin der alten Apfelbäume. (Siehe meine Besprechung des ersten Bandes: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/07/petronella-apfelmus/ )

Die Eltern halten Petronella für eine etwas schrullige Nachbarin; nur die Kinder wissen, daß Petronella eine Apfelhexe ist. Gerne besuchen sie Petronella und ihren Freund und Mitbewohner, den Hirschkäfer Lucius, in ihrem Wohnapfel. Mit Hilfe von Petronellas magischer Strickleiter wird man nämlich beim Hinaufklettern immer kleiner und paßt schließlich bequem in einen Apfelinnenraum, und beim Hinabklettern wächst man wieder in seine normale Größe zurück. Außerdem sind sie auch vertraut mit den kleinen ebenso fleißigen wie eigenwilligen Apfelmännchen, die Petronella bei der Pflege des großen Gartens helfen.

Illustration von Sabine Büchner © Boje Verlag 2018

Im vorliegenden Band berichten Lea und Luis Petronella freudestrahlend, daß sie in den Sommerferien Urlaub auf einem Bauernhof in der Heide machen werden. Da es schon bald losgeht, bitten sie Petronella, sich während ihrer Abwesenheit um ihre kleine Hühnerschar zu kümmern. Dies ist für Petronella eine leichte Übung, zumal sie mit allen Tieren sprechen kann. Für die Reise gibt sie den Kindern Milchstraßenstreusel mit, damit sie bei Bedarf den schnellsten Weg zur nächstgelegenen Hexe finden. Denn wie es der Zufall will, wohnt Petronellas Cousine Erika, raffiniert versteckt, in einem Hexen- häuschen in der Heide.

Lea und Luis fühlen sich auf dem Bauernhof schnell heimisch. Lea begeistert sich für die vielen Tiere und freundet sich besonders mit den beiden zutraulichen Gänsen Frida und Fritz an. Luis hofft, daß er einmal auf dem Traktor mitfahren darf, und der freundliche Sohn von Bauer Erdmann will dies für ihn arrangieren.

Alles wäre wunderbar, wenn da nicht die Ferienwohnungsnachbarn, die Familie Brumm-mund mit ihren beiden sehr nervigen Kindern, wären. Schon kurz nach der Ankunft auf dem Bauernhof machen Lea und Luis unangenehme Bekanntschaft mit Rita und Knut Brummmund, die nicht nur gerne andere Kinder ärgern, sondern sich auch bei den Tieren rücksichtslos austoben – wobei zu erwähnen ist, daß sich Lea und Luis durchaus zu wehren wissen.

Petronella kämpft derweil ihre eigenen Kämpfchen aus, denn sie hat für einige schwere-re Gartenarbeiten einen Gartenzwerg engagiert, und es bedarf einiger diplomatischer Verhandlungen, bis die dramatischen Mißverständnisse und unterschiedlichen gärt- nerischen Auffassungen zwischen Apfelmännchen und Zwerg harmonisiert sind.

Die Bauernhof-Feriengäste nehmen an einer typischen Heidekutschfahrt teil und pflücken bei dieser Gelegenheit an der Rast- und Picknickstelle eifrig Heidelbeeren. Rita und Knut spielen mit einem Brennglas und entfachen auf dem trockenen Waldboden ein Feuer, das mit den vereinten Kräften der Familie Kuchenbrand und der Kutscher gerade noch gelöscht werden kann. Lea und Luis sind empört, zumal die kleinen Brandstifter trotz der elterlichen Strafpredigt keineswegs Reue erkennen lassen.

Nach der Rückkehr zum Bauernhof beäugt Lea mißtrauisch das weitere Verhalten der nachbarlichen Quälgeister. Alle haben in diversen Gefäßen Heidelbeeren mitgebracht, und die Quälgeist-Geschwister haben u.a. eine kleine Bonbondose mit Heidelbeeren auf ihrer Terrasse liegengelassen. Lea bemerkt, daß sich diese Dose bewegt. Als sie heimlich mit Hilfe ihres wohlweislich mitgebrachten Feensteins in diese Dose schaut, zeigt sich ihr ein kleines dickliches, blaues Wesen. Gemeinsam mit Luis beschließt sie, daß nun guter Hexenrat gefragt ist.

In der Nacht finden die Kinder dank Petronellas Milchstraßenstreusel auf geheimnis- vollen Pfaden Cousine Erika, und diese verhilft den Kindern zu einem informativen, zauberhaft kabellosen Telefongespräch mit Petronella. So erfahren sie, daß ein echter Heidelbär also ein Heidelbeeren-Pflanzenschutzgeist in die Sammeldose geraten ist. Nun müssen Lea und Luis einen Plan aushecken, um diesen Heidelbären zu retten.

Illustration von Sabine Büchner © Boje Verlag 2018

Da die schrecklichen Feriennachbarn mit den Vorbereitungen für ihre Abreise sehr abge-lenkt sind, gelingt es Lea und Luis, die Dose mit dem Heidelbären zu entwenden. Doch kurz vor der Abfahrt kaufen die Brummmunds zwei Gänse vom Hof, die Herr Brumm-mund für seine Jubiläumsfeier als Gänsebraten haben möchte. Ausgerechnet Rita und Knut dürfen diese Gänse auswählen, und sie entscheiden sich hämisch für die beiden Gänse, mit denen sich Lea und Luis angefreundet haben.

Doch da haben die Fieslinge die Rechnung ohne Petronella Apfelmus gemacht, deren hexenbesengeschwinde Interventionen ebenso den Heidelbären wieder zu seinen Heidelbeersträuchern expediert, wie sie die Gänse dazu überredet, zum Müllerhaus und zum dazugehörigen Mühlteich zu fliegen, um dem Schicksal als Gänsebraten erfolgreich zu entfleuchen.

Als die Kuchenbrands gut erholt aus dem Urlaub zurückkehren, staunen die Eltern über die beiden Gänse, die sich in ihrem Garten niedergelassen haben, und Lea und Luis freuen sich mitwisserisch und dankbar über dieses lebendige Andenken an ihren Urlaub auf dem Bauernhof.

Die Autorin Sabine Städing erzählt auch den sechsten Band von Petronella Apfelmus in leichtem, heiterem Tonfall mit spielerischem Tiefsinn, an- schaulicher Dramaturgie und großer Warmherzigkeit. Phantasievolle Details und lustige gereimte Zaubersprüche runden das Lese- und Vorlesevergnügen apfelmusisch ab.

Die knuffigen Schwarz-weiß-Illustrationen von Sabine Büchner greifen den heiteren Tonfall auf und übertragen ihn in spannende und märchenhafte Szenerien mit detailgetreuen amüsanten Charakterzeichnungen.

Beiläufig vermittelt jedes Petronella-Abenteuer zudem Achtsamkeit und Respekt für die Natur und ihre sichtbaren und unsichtbaren Gaben. Alle Probleme werden mit kommunikativer Kompetenz, Einfühlungsvermögen und Zivilcourage sowie einigen Prisen magischer Nachhilfe gemeistert.

Die Petronella-Apfelmus-Buchreihe ist einfach buchstäblich und illustra- torisch apfelrundherum gelungen und vermittelt Kindern zauberhaft-vergnügliche, naturverbundene und lebenswertvolle Herzensbildung.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.luebbe.de/boje/buecher/kinderbuecher/petronella-apfelmus/id_6434114

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.luebbe.de/luebbe-audio/hoerbuecher/kinderbuecher/petronella-apfelmus/id_6434174

 

Illustration von Sabine Büchner © Boje Verlag 2018

Hier finden Sie zum ersten Band von Petronella Apfelmus:
Verhext und festgeklebt

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/07/petronella-apfelmus/
Hier zum zweiten Band:
Zauberschlaf und Knallfroschchaos

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/03/25/petronella-apfelmus-band-2/
Zum dritten Band:
Schneeballschlacht und Wichtelstreiche

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/12/11/petronella-apfelmus-band-3/
Zum vierten Band:
Zauberhut und Bienenstich

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/06/04/petronella-apfelmus-band-4/
Zum fünften Band:
Hexenbuch und Schnüffelnase
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/10/03/petronella-apfelmus-band-5/

Sowie zum apfelmusigen weihnachtlichen Back- und Bastelbuch mit Petronella:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/12/06/petronella-apfelmus-mein-weihnachtliches-back-und-bastelbuch/

 

Die Autorin:

»Sabine Städing wurde 1965 in Hamburg geboren und hat sich schon als Kind gerne Geschichten ausgedacht. Nach ihren drei Büchern rund um das Mädchen Magnolia Steel, das herausfindet, dass sie eine Hexe ist, schreibt sie inzwischen Bücher für jüngere Kinder. Auch in ihrer aktuellen Buchreihe steht mit Petronella Apfelmus wieder eine Hexe im Mittelpunkt.« http://www.sabinestaeding.de/

Die Illustratorin:

»Sabine Büchner, geb. 1964, studierte Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Illustration in Wuppertal und Animation an der HFF in Babelsberg. 2006 erhielt sie das Troisdorfer Bilderbuchstipendium und ist seitdem als freie Illustratorin für verschiedene Verlage tätig. Mit ihren so liebevollen wie witzigen Bildern hat sie Petronella Apfelmus und ihrer Welt vom ersten Band an einen ganz eigenen Zauber verschafft.«

 

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Virgilius Tulle auf Tortenjagd

  • Der zweite Band der Tulle-Zwerge
  • von Paul Biegel
  • Mit farbigen Illustrationen von Mies van Hout
  • Aus dem Niederländischen von Marie-Thérèse Schins
  • Verlag Urachhaus    Februar 2015                             http://www.urachhaus.de
  • 112 Seiten
  • gebunden, Halbleinen
  • 13,90 € (D)
  • ISBN 978-3-8251-7808-6
  • ab 6 Jahren zum Vorlesen
  • ab 8 Jahren zum Selbsterlesen
    Virgilius Tulle auf Tortenjagd

NICHT  KLEINZUKRIEGEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Paul Biegels herzhafte Geschichtenmixtur aus heiterer Spannung, lebensweisen Charakterstudien und phantasievoller Dramaturgie bewährt sich auch in dieser Fortsetzung der Tulle-Zwerge ganz vorzüglich. Die 31 kurzen Kapitel mit ihrer wohlportionierten Erzählstruktur eignen sich hervorragend zum Vorlesen.

Die Illustrationen von Mies van Hout übersetzen den spielerisch-weisen Tonfall dieser Geschichte in warmherzig-pfiffige, farbenfrohe Bilder.

Im vorliegenden zweiten Band der „Tulle-Zwerge“ macht sich Virgilius, der abenteuerlustigste und dickste aus der großen Familie der kleinen Tulle-Zwerge, auf den Weg, eine Torte zu besorgen. Denn der Zwergenälteste, Ate, wird demnächst ungefähr tausend Jahre alt, und das muß einfach mit einer schönen Torte gefeiert werden.

Wer die Tulle-Zwerge noch nicht kennt, kann sich in meiner Besprechung des ersten Bandes der „Abenteuer der Tulle-Zwerge“ mit ihnen vertraut machen:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/11/06/die-abenteuer-der-tulle-zwerge/

Während die anderen Zwerge Virgilius dringend davon abraten, sich in die Menschenwelt zu begeben, und zahlreiche mögliche Gefahren auflisten, läßt der weise alte Ate ihn gehen. Denn Virgilius ließe sich selbst von einem Riesen nicht aufhalten – wenn er einmal einen Plan in seinem kleinen Köpfchen hegt, wird er ihn auch ausführen.

Die Heimat der Tulle-Zwerge ist die Heide, und so läuft Virgilius lange, lange bis zu ihrem Rand. Dort picknickt gerade eine Menschenfamilie, und Virgilius findet, daß er sich doch ganz bequem von diesen Menschen in die Stadt tragen lassen könne. Er versteckt sich in einer Tasche und landet schließlich auf dem Küchentisch der Familie und wird ausgiebig bestaunt.

Nach einer kurzen und bündigen Lektion zum Thema höfliche Umgangsformen mit Zwergen und gegenseitiger artiger Namensvorstellung erzählt Virgilius von seiner Absicht, eine Torte zu besorgen. Die Familie ist zwar sehr verwundert über diesen forschen Zwerg, aber sie ist auch sehr hilfsbereit. Der Vater verspricht, eine Torte zu spendieren und diese zusammen mit Virgilius am nächsten Nachmittag am Rand der Heide abzuliefern.

Doch zuvor möchte der Sohn den Zwerg – als Naturfundstück – seinem Lehrer zeigen. Virgilius ist einverstanden und läßt sich zu diesem Zweck sogar in ein leeres Honigglas stecken und besichtigen. Doch damit beginnen die Komplikationen. Der Lehrer ist ganz aufgeregt angesichts dieses Wunders – da es ja angeblich gar keine Zwerge gibt – und informiert Presse, Radio und Fernsehen.

Virgilius ist empört und gibt im Presse und Fernseh-Interview patzige Antworten und wiederholt seinen schlichten Wunsch, eine Torte zu besorgen. Nun werden Torten über Torten an den Rand der Heide gelegt in der Hoffnung, daß sich dann die anderen Zwerge zeigten. Doch die versteckten Photographen warten vergeblich darauf, daß sich die viel besser versteckten Zwerge aus der Reserve locken lassen. Sie sind halt menschenscheu – und das zu Recht, wenn man nun erfährt, wie es mit Virgilius weitergeht.

Sieben Professoren untersuchen Virgilius „wissenschaftlich“, und diesem Forschungslabor entkommt er nur, weil er entführt wird. Sein Entführer fliegt mit Virgilius in ein fernes Land und verkauft ihn dort an eine alberne Prinzessin, die Virgilius in ihre Raritätensammlung aufnimmt. Obwohl sie dem Zwerg ein bequemes und wohlgenährtes Leben anbietet, ist er nicht glücklich und schmiedet raffinierte Fluchtpläne.

Es gelingt ihm, sich in ein frankiertes Postpacket zu schmuggeln, das er zuvor noch mit seiner Adresse beschriftet hat: „An Virigilius Tulle. Mitten auf der Heide. Luftpost.“ (Seite79) Leider reicht das Porto nicht für Luftpost, und so wird das Paket mit dem tapferen Zwerg auf dem Seeweg transportiert. Auf dem Schiff macht sich Virgilius auf die Suche nach etwas Eßbarem und tappt ahnungslos in eine Rattenfalle.

Der Matrose Jan findet den verriegelten Zwerg, und nach anfänglicher Irritation befreit er Virgilius und verköstigt ihn mit einem Ernußbutterbrot. Er erzählt Virgilius, daß sie einen Maschinenschaden haben, und die einzige „Kurbelwellenbefestigungsmutter“, die sie noch gehabt hätten, um die Kurbelwelle zusammen zu schrauben, sei leider ins Abflußrohr gefallen und unerreichbar. Naja, da kann ein kleiner Zwerg doch ziemlich nützlich sein, und Virgilius bietet großzügig seine Hilfe an.

Der Kapitän und die Mannschaft staunen nicht schlecht, als Jan ihnen ihren Retter präsentiert. Virgilius wird mit einem Sicherungsbindfaden abgeseilt und findet die Kurbelwellenbefestigungsmutter. Mit großem „Hurra“ wird Virgilius gewaschen und getrocknet, und er darf den Rest der Reise in der Kapitänskajüte wohnen.

Doch es ist schließlich der freundliche Matrose Jan, der Virgilius heimlich zurück an den Rand der heimatlichen Heide bringt – in einer köstlichen Geburtstagstorte verborgen – zur Freude und Feier aller endlich wiedervereinten Tulle-Zwerge.

Paul Biegel macht sich in diesem Buch augenzwinkernd über menschliche Schwächen lustig und zeigt Kindern anschaulich, wie relativ man Größe betrachten kann. Virigilius Tulle ist ein gutes Vorbild dafür, wie man sich trotz der eigenen Kleinheit selbstbewußt und authentisch in der großen, weiten Welt bewegt und tapfer sein Ziel erreicht.

Der kleine Zwerg ist ausgesprochen mutig und vorwitzig, gleichwohl kann er Gefahren richtig einschätzen und weiß, wann er vorsichtig sein muß. Er läßt sich von den Unverschämtheiten, die sich manche großen Menschen ihm gegenüber erlauben nicht kleinkriegen, und er erkennt schnell, welcher Charakter vertrauenswürdig ist und welcher nicht.

Doch nach den aufregenden Strapazen der Tortenjagd hat Virgilius erst einmal genug von zwergzwischenmenschlichen Begegnungen, und das kann wirklich jedes Kind verstehen…

Der eigenwillige Zwergenmut läßt Virgilius groß erscheinen, während die offensichtlichen menschlichen Eitelkeiten und „wissenschaftlichen“ Dummheiten manche Menschen ziemlich klein erscheinen lassen.

 

Der Autor:

»Paul Biegel (1925 – 2006)  gehört mit Tonke Dragt, Thea Beckmann und Annie M.G. Schmidt zu den ganz Großen der niederländischen Kinderliteratur. Er verfaßte über 50 Bücher, sein Werk wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter mehrfach mit dem »Silbernen« und » Goldenen Griffel «.

Die Illustratorin:

»Mies van Hout wurde 1962 in Eindhoven geboren. Sie ist ausgebildete Kunstpädagogin und studierte Grafisches Gestalten an der Akademie Groningen. Seit 1989 arbeitet sie als freischaffende Illustratorin und Grafikerin. Sie hat bereits etliche Bilderbücher veröffentlicht und wurde für den Drentse cultuurprijs nominiert.«
http://www.miesvanhout.nl

 

 

Eine Geschichte für den König

  • von Paul Biegel
  • Mit farbigen Illustrationen von Linde Faas
  • Aus dem Niederländischen von Lotte Schaukal
  • Verlag Urachhaus  2012   http://www.urachhaus.de
  • 160 Seiten
  • gebunden, Halbleinen
  • 16, 00 €
  • ISBN 978-3-8251-7803-1
  • ab 8 Jahren
    9783825178024_Abenteuer der Tulle-Zwerge

L E I S E    W E I S E

Buchbesprechung von Ulrike Sokul©

Geschichten als Lebenselixier – das ist ein beliebtes und ergiebiges Märchenmotiv, so auch in „Eine Geschichte für den König“.

Der uralte König Mansolin lebt in einer Burg unter den Kupfernen Bergen und führt ein ruhiges Leben zusammen mit seinem letzten Gefährten und Diener, einem Hasen, der des Nachts auf dem langen, langen weißen Bart des Königs schläft.

König Mansolin ist fast tausend Jahre alt, und der Hase sorgt sich um die Gesundheit seines Königs. Er läßt den Wunderdoktor kommen, der feststellt, daß des Königs Herz aus dem Takt geraten ist und gewissermaßen wie ein Uhrwerk neu aufgezogen werden muß.

Das einzige materielle Mittel zu dieser Heilung ist das Schlüsselkraut. Doch dies zu finden ist zeitaufwendig, und der Doktor bezweifelt, daß er schnell genug mit dem Heilmittel zurückkehren kann. Für die Zwischenzeit empfiehlt er, daß der König jeden Abend eine spannende, herzklopfenförderliche Gutenachtgeschichte zu hören bekommen soll.

Betrübt antwortet der Hase, daß er dem König schon alle Geschichten, die er kenne, erzählt habe. Daraufhin beschließt der Wunderdoktor, sich sogleich auf den Weg zum Schlüsselkraut zu machen und unterwegs jeden, den er trifft, zu bitten, mit einer Geschichte zum König zu eilen.

Schon am ersten Abend klopft ein Wolf ans Burgtor und bringt eine Geschichte für den König mit. Und so geht es Tag für Tag weiter, stets kommen große, kleine, gefährliche und possierliche Tiere zur Kupfernen Burg, erweisen König Mansolin die Ehre und schenken ihm ihre Geschichten. Nach und nach füllen sich die Gästezimmer, und es kommen sogar ein dreiköpfiger Drache und ein mürrischer Zwerg hinzu.

So unterschiedlich, wie die Gäste sind, so verschieden sind auch ihre Geschichten. Das Spektrum ist vielfältig: abenteuerlich, alltäglich, geheimnisvoll, lebensklug, naiv, gruselig, niedlich, sagenhaft, ernst oder lustig.

Die Geschichtenmedizin tut ihre Wirkung und hilft dem König durchzuhalten, bis der Wunderdoktor mit dem Schlüsselkraut wiederkommt. Danach beginnt für den wahrlich herzerquickten König Mansolin und seine Geschichtengäste ein neues, langes, märchenhaftes Leben.

„Eine Geschichte für den König“ ist ein schönes, tiefsinniges Vorlesebuch, mit einer wohlportionierten Erzählstruktur, bereichernd geschmückt mit den sehr stimmigen und empfindsamen Bildern von Linde Faas.

Besonders ansprechend finde ich, daß sich die vielen einzelnen Geschichten am Ende zu einem zusammenhängenden Ganzen fügen, wie ein buntes Märchenmosaik.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Kinderbuch/Eine-Geschichte-fuer-den-Koenig.html

 

Der Autor:

»Paul Biegel (1925 – 2006) gehört mit Tonke Dragt, Thea Beckman und Annie M.G. Schmidt zu den bedeutendsten Vertretern der niederländischen Kinderliteratur. Er verfasste über fünfzig Bücher, sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter mehrfach mit dem begehrten Silbernen und Goldenen Griffel. Der Verlag Urachhaus ehrt den Großmeister der niederländischen Jugendliteratur mit einer achtbändigen Sonderausgabe seiner schönsten und erfolgreichsten Kinderromane. «

Die Illustratorin:

»Linde Faas (geboren 1985 in Zeist, Niederlande) studierte Animation an der St. Joost-Kunstakademie in Breda. Sie schloss ihr Studium (Bachelor of Fine Arts) mit dem von ihr gezeichneten Animationsfilm Volgens de vogels (Den Vögeln zufolge) mit Auszeichnung ab und erhielt zudem verschiedene Preise bei internationalen Filmfestivals. Heute arbeitet sie hauptsächlich als Illustratorin von Kinderbüchern und als freie Künstlerin mit dem Schwerpunkt Grafik und Zeichnung

 

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Hurz Burz und seine Freunde

  • von Wilhelm Topsch
  • Illustrationen von Annette Swoboda
  • Thienemann Verlag 1996, 136 Seiten, ca. 10,- €
  • ISBN 3-522-16967-0
  • zum  Vorlesen ab 4 Jahren
  • zum Selberlesen ab 8 Jahren
  • Taschenbuchausgabe dtv junior  1999, ca. 5,– €
  • ISBN 3-423-70525-6
  • Zu meinem untröstlichen Bedauern sind beide Ausgaben leider vergriffen und auch antiquarisch nur mit viel Geduld zu finden!

Hurz Burz

NACHRUF AUF EIN VERGRIFFENES KINDERBUCH

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Hurz Burz  und seine Freunde“  ist eines der zauberhaftesten Kinderbücher, die ich je gelesen habe. Ich  kann es nur jedem, egal ob Kind oder Erwachsener, ans Herz legen!

Hier stimmt einfach alles: die Geschichte ist wundervoll, die graphische Gestaltung  ist abwechslungsreich, und die Illustrationen sind genauso warmherzig, feinsinnig und von leisem Humor durchleuchtet wie der Text.

Hurz Burz, der Schnurz von der Wurz, ist ein Zwerg, und er lebt im Wald, in einer Höhle unter der Wurzel eines alten Baumes. Am Waldrand steht ein von einer Familie bewohntes Haus, und manchmal beobachtet der Burz heimlich das Leben dieser Menschen. So kommt es eines Nachts zu einer Begegnung zwischen dem Familienvater (und Autor des Buches) und dem Hurz Burz.

„Er war kleiner als das kleinste Kind und älter als der älteste Mann, den ich kannte. Und weil er so alt, aber trotzdem noch so klein war oder weil er so klein und trotzdem schon so alt war, wußte ich nicht so recht,  wie ich ihn ansprechen sollte.  „Wer bist du?“  fragte ich schließlich verlegen. „Ich bin Hurz Burz, der Schnurz von der Wurz“, sagte er, nahm seine Zipfelmütze ab und verbeugte sich.“

Freundlich lädt der Mensch den Burz zu Butterbrot und Rotwein ein, und das ist der Beginn einer schönen Freundschaft.

Hurz Burz besucht die Menschenfamilie fast täglich und lernt das Menschenleben kennen und erzählt seinerseits von seinem geheimnisvollen Burzenleben. Auf die Frage, was er denn den ganzen Tag so mache, antwortet er: „Hab ich´s mir gedacht. Groß wie sieben Tulpenstengel, aber hat noch nichts von Burzen gehört. Es gibt viel Arbeit im Wald, die von Burzen gemacht wird.“ Und weiter berichtet er davon, wie er den Vögeln beim Nest- bau hilft, Regenwasservorräte für trockene Tage anlegt  „Hast du noch nie an alten Bäumen oder Wurzeln kleine Löcher voller Wasser gesehen?“  –  und von weiteren Tätig- keiten, die jedoch Burzengeheimnis sind und bleiben. Vater, Mutter, Tochter Kati und Hurz Burz erforschen neugierig ihre unterschiedlichen Lebenswelten und Gewohnheiten.

Für die Menschen ist der Burz märchenhaft und faszinierend, jedoch sind die Menschen und die vielen seltsamen Dinge und Maschinen, die sie besitzen, genauso märchenhaft für den Burz. Insbesondere verfügen sie über Himbeersaft, den der Hurz Burz bisher nur aus den Märchen seines Großvaters kannte.

Vor einer aufdringlichen Besucherin muß der Hurz natürlich geheim bleiben und wird zum Glück nur als Gartenzwerg wahrgenommen, und einmal gibt es einen Streit und eine sehr lustige, gelungene Versöhnung.

Als die Familie erfährt, daß der Burz bald seinen 105. Geburtstag feiert und daß bei den Burzen die Anzahl der vollendeten Lebensjahre der Anzahl der geladenen Gäste ent- spricht, schenken sie ihm eine sehr himbeerbetonte Bewirtung seiner Gäste. Da die eingeladenen Burze äußerst menschenscheu sind, können die Menschen zunächst nicht mitfeiern. Ein plötzlich einsetzender starker Regen läßt die Burzenverwandtschaft schließlich ihre Scheu überwinden, und sie kommen zum Trocknen ins Haus und machen es sich mit den Menschen durchaus gemütlich.

Auch der Hurz Burz macht der Familie ein besonderes Geschenk: er malt ihnen ein Naturbild, auf dem im Sommer die Sonne scheint und im Winter Schnee fällt.

Immer abwechselnd werden die gemeinsamen Erlebnisse, Gespräche und Beobach- tungen einmal aus der menschlichen Sicht dargestellt und anschließend, in den Briefen, die der Hurz Burz auf Blätter an seinen Großvater schreibt, aus der Zwergenperspektive.

Für die vom Burz geschriebenen Kapitel wird der Text in einer gut lesbaren Handschrif- tentypographie auf ein eingezeichnetes Blatt verteilt und mit kleinen Zeichnungen menschlicher Alltagsgegenstände, die den Burz erstaunen, angereichert.

„Hurz Burz und seine Freunde“  eignet sich sehr gut zum Vorlesen, da der Text – durch die 10 Kapitel und 9 Burzenblattbriefe – schön auf kleine, aber gehaltvolle Portionen verteilt ist.

Dem Autor gelingt das Kunststück, mit einfachen Worten Sprachmagie hervorzurufen. Allein nur die Namensnennung  „Hurz Burz, der Schnurz von der Wurz“ stimmt die meisten Kinder schon heiter und läßt sie interessiert aufhorchen.

Ich bin mir sicher, daß Wilhelm Topsch sein Kinderbuch mit großer Freude geschrieben hat. Aber ich bin mir nicht sicher, ob er den Hurz Burz wirklich erfunden hat – denn woher hätte er sonst wohl diese zauberhafte Inspiration?


Der Autor:

»Wilhelm Topsch wurde 1941 geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Dörfern und kleinen Städten. Er war zwar kein guter Schüler, aber er mochte die Schule, und die Schule mochte ihn. Später zog er in eine Großstadt. Dort lernte er, wie man Kabel verlegt und Telefone repariert. Er lernte auch, wie man sich durchs Leben schlägt. Nebenbei besuchte er eine Abendschule und wurde schließlich Lehrer. Heute arbeitet er an einer Universität und hat eine Familie. Von Zeit zu Zeit schreibt er auch ein Kinderbuch, weil er Kinder mag und weil es ihm Spaß macht.«

Die Illustratorin:

»Annette Swoboda, geboren 1961, malte ihr erstes Bilderbuch mit neun Jahren. Sie hatte so viel Spaß dabei, dass der Wunsch entstand, mehr davon zu machen. Sie studierte Kunst in Frankreich und Grafik-Design in Mannheim und war viel auf Reisen. Aber nach wie vor ist für sie das Spannendste, Sprache und Fantasie in Bilder zu übersetzen.«  www.annette-swoboda.de

 

PS:
Meine Bitte an alle Kinderbuchverlage, die ich hoffentlich mit dieser Buchbesprechung in Versuchung führen konnte, den Erwerb der Druckrechte für dieses wertvolle Buch zu erwägen: Drucken Sie einfach eine Vampirgeschichte weniger und lassen Sie stattdessen den  „Hurz Burz“  druckfrisch wiederauferstehen!

 

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