Lennart Malmkvist und der überraschend perfide Plan des Olav Tryggvason

  • Roman
  • von Lars Simon
  • 3. Band der Lennart-Malmkvist-Reihe
  • Originalausgabe DTV Verlag Dezember 2018  http://www.dtv.de
  • Taschenbuch
  • 352 Seiten
  • 9,95 € (D), 10,30 € (A)
  • ISBN 978-3-423-21760-6

ENTHÜLLUNGEN,  VERWANDLUNGEN  &  EIN  MOPSFIDELES  HAPPY-END

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nach Lennart Malmkvists plötzlicher Umschulung vom Unternehmensberater zum Magier und schicksalshaften Wächter eines von vier Dunklen Pergamenten, welche eine Reanimierung des unheilvollen Schwarzmagiers Olav Tryggvason verhindern sollen, ist sein Leben – gelinde gesagt – gefährlich turbulent geworden. Wer sich über die zauber- haften Details der Vorgeschichte ausführlicher informieren möchte, lese bitte meine Besprechung des ersten Bandes: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/05/31/lennart-malmkvist-und-der-ziemlich-seltsame-mops-des-buri-bolmen/

Beiläufig sei jedoch erwähnt, daß unser Zauberlehrling von einem dubiosen Leierkasten- mann mit einem Fluch belegt wurde, der ihm, sobald er eine zarte Herzensneigung zu einer Frau entwickelt, juckenden, pusteligen Hautausschlag beschert – mit einer solchen Liebesallergie werden romantische Entwicklungen sofort erfolgreich blockiert.

Lennart lebt in Göteborg und hat von seinem liebenswert-schrulligen Nachbarn Buri Bolmen einen Zauber- und Scherzartikel-Laden geerbt. Der Testamentsvollstrecker, Advokat Cornelius Isaksson,  hatte Lennart im ersten Band über die magischen Pflichten aufgeklärt, die mit diesem Erbe verbunden sind.

Die mütterlich-herzhafte Nachbarin, Maria Calvino, bekocht Lennard mit köstlichsten italienischen Spezialitäten, und sein guter alter Freund, Frederik Sandberg, ein IT-Spezialist und Star-Wars-Fan, unterstützt und begleitet Lennarts magische Fortschritte und Unternehmungen unbefangen mit den Hilfsmitteln moderner Technik.

Der sprechende Mops Bölthorn, der einst von Olav Tryggvason in diese Hundegestalt gebannt wurde, gibt Lennart Nachhilfeunterricht in Magie – d.h. er gab ihm Nachhilfe, denn am Ende des zweiten Bandes wurde Bölthorn bei einem magischen Kampf gegen Olav Tryggvasons Helfershelfer böse verletzt, und Lennart bangt nun um das Leben des Mopses, der ihm seit seiner magischen Berufung sehr ans Herz gewachsen ist.

Zauberhafte Fügungen, an denen Maria Calvinos Kochkünste nicht ganz unschuldig sind, führen Lennart auf die Spur des zweiten Wächters der Dunklen Pergamente. Kapitän Darraban, Pirat und Magier in einer Person, ist nach einer launigen Unterwasser-Unterredung zwischen Seemann und Landratte ausgesprochen kooperativ.

Ein magisches Segelschiff mit Tarnvorrichtung ist schnell organisiert, und Kapitän Darra-ban verfügt glücklicherweise auch über das richtige Heilmittel für Bölthorn. Über- raschend zeigt sich zudem, daß das Keksdosen-Orakel, mit dem Lennart zuvor stets in Reimform kommunizieren mußte, unter Darrabans barscher Anrede auch in Prosa sprechen kann und daß „es“ tatsächlich der dritte Hüter der Dunklen Pergamente ist.

Blöd ist bloß, daß inzwischen nur das Pergamentviertel des vierten Hüters, als welcher sich Advokat Cornelius Isaksson entpuppt, noch nicht in Olav Tryggvasons Hände gefallen ist. Wenn erst einmal alle vier Teile vereint sind, dann wird der böse Magier seine ganze unheilvolle Macht entfalten können.

Ein abwechslungsreiches, mit zahlreichen weiteren Überraschungen aufwartendes Ver-steckspiel beginnt und ein Wettlauf mit der Zeit, mit der Polizei und Küstenwache, mit den fanatischen Sektenanhängern von „Trygvassons Erben“, die schon seit langem an der Wiederermächtigung Olav Tryggvasons arbeiten, und mit Lennarts ehemaligem Chef, dem Multimillionär Harald Hadding, dessen geheimnisvolle Rolle im magischen Spiel sich erst nach und nach offenbart.

Beim dramatischen magischen Großkampf der vier Wächter und einiger menschlicher Mitstreiter mit Olav Tryggvason und seinen Helfershelfern wird der böse Magier vernichtend geschlagen.

Infolge des Sieges der Wächter kommt es zu einer hochinteressanten – wenn auch für den aufmerksamen Leser nicht unerwarteten – Rückverwandlung von Mops Bölthorn in …

Nun – Elfenzwinkern – ich kann schweigen und verrate nur so viel, daß dadurch beiläufig auch Lennarts verfluchte Liebesallergie keine Rolle mehr spielt.

Die Handlung des dritten und letzten Lennart-Malmkvist-Bandes entwickelt sich nach einem zunächst gemächlichen Beginn rasant. Mit dem Auftauchen des trink- und fluchfesten Charakters des Kapitän Darraban nimmt die Geschichte buchstäblich Fahrt auf. Seine seemännisch-forsche, unberechen- bare Wesensart ist höchst erfrischend und sein Vorrat an maritim-ange- hauchten, schrägen Schimpfworten, Redewendungen und Befehlen schier unerschöpflich. Beinahe gelingt es ihm, Bölthorn als Lesesympathieträger Konkurrenz zu machen – aber nur beinahe.

Lars Simon führt alle Erzählfäden zu einem sinnvoll-zusammenhängenden Ende und serviert uns eine amüsant-aufregende, skurrile Lesekost; gewürzt mit phantasievollen, magischen Details, charakterstarken Figuren, spannender Dramaturgie und vergnüglichem Dialogwitz.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der  Verlagswebseite:
https://www.dtv.de/buch/lars-simon-lennart-malmkvist-und-der-ueberraschend-perfide-plan-des-olav-tryggvason-21760/

Hier entlang zum ersten Lennart-Malmkvist Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/05/31/lennart-malmkvist-und-der-ziemlich-seltsame-mops-des-buri-bolmen/
und hier zum zweiten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/11/28/lennart-malmkvist-und-der-ganz-und-gar-wunderliche-gast-aus-trindemossen/

Der Autor:

»Lars Simon, Jahrgang 1968, hat nach seinem Studium lange Jahre in der IT-Branche gearbeitet, bevor er mit seiner Familie nach Schweden zog, wo er als Handwerker tätig war. Heute lebt und schreibt der gebürtige Hesse wieder in der Nähe von Frankfurt am Main. Bisher sind von ihm bei dtv die Comedy-Romane ›Elchscheiße‹, ›Kaimankacke‹ und ›Rentierköttel‹ sowie der Urban-Fantasy-Roman ›Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen‹ erschienen. Lars Simon ist ein Pseudonym.«

 

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Der böse Ort

  • Band 4 der Peter-Grant-Reihe
  • von Ben Aaronovitch
  • Originaltitel: »Broken Homes«
  • Deutsch von Christine Blum
  • Deutsche Erstausgabe  DTV Verlag  Mai 2014                     http://www.dtv.de
  • 398 Seiten
  • 9,95 € (D), 10,30 € (A)
  • ISBN 978-3-423-21507-7
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DAS   GEWISSE   MAGISCHE   ETWAS   Nr. 4

Buchbesprechung von Ulrike Sokul©

Nach einer Lesegeduldsübung von zehn (!) Monaten ist nun endlich der vierte Band der übersinnlichen Krimi-Serie mit dem sympathisch-verführerischen Police Constable und Zauberlehrling Peter Grant, seiner tapferen, zauberbegabten Kollegin Lesley May und dem elegant-unerschütterlichen Meistermagier und Detective Chief Inspektor Thomas Nightingale erschienen.

In meiner Besprechung des ersten Bandes
( siehe https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/14/die-flusse-von-london/ )
findet sich eine ausführliche Darstellung der magischen Besonderheiten und Bedingungen, unter denen sich die Ermittlungen abspielen.

Hier mache ich es kurz: Die Metropolitan Police von London verfügt über eine magische Abteilung, die geheimer als geheim operiert und die trotz ihrer belächelten Außenseiterstellung wichtige kriminalistische Arbeit leistet.

Diese Abteilung hat einen eigenen, speziell magiegeschützten Arbeits, Schulungs- und Wohnsitz, das „Folly“, und sie wird vom letzten inoffiziellen Meistermagier und offiziellen Detective Chief Inspektor Thomas Nightingale geleitet. Peter Grant und seine Kollegin Lesley May sind Police Constables und Magier in der Ausbildung.

Diese magische Ausbildung beansprucht viel Zeit und viel, viel Disziplin und noch mehr Übung, Übung, Übung. Doch als Ausgleich für das Pauken von Latein (Zaubersprüche funktionieren hier nur auf Lateinisch), diverse Studien in theoretischer Magie und endlose – nicht ganz ungefährliche – praktische Übungen pflegt man vertraulichen Umgang mit den Flußgöttinnen und -Göttern Londons, mit Halb- und Ganztagsfeen, mit Geisterzeugen, Vampiren und allerlei Wesen der magischen Demi-monde.

Neben einem spannenden, teils amüsanten und teils schaurigen Panoptikum magischer Charaktere und der dementsprechend ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden fühlt der Autor der Stadt London nicht nur kriminalmagisch auf den Zahn, sondern auch architektonisch. Zauberlehrling Peter Grant ist sehr an Architektur interessiert und spart nicht mit bissig-sozialkritischen und ästhetischen Kommentaren zu diversen Auswüchsen moderner Architektur und Stadtverplanung.

Im vierten Fall entpuppt sich gar ein berühmt-berüchtigtes Hochhaus, ein sogenannter Sozialwohnblock, als experimentelles magisches Machwerk in Sichtbetonverkleidung.

Aus dem Haus eines berühmten deutschen Exilarchitekten namens Erik Stromberg wird ein Buch mit dem Titel „Über die Prinzipien, welche der Ausübung der Magie zugrunde liegen“ gestohlen, und wenig später wird das seltene Werk bei einem Antiquariatsbuchhändler auf der Charing Cross Road zur Werteinschätzung vorgelegt. Der erfahrene Buchhändler schöpft sofort Verdacht, daß dieses Buchangebot nicht legal ist, und der Anbieter verläßt fluchtartig das Geschäft, nachdem er entdeckt hat, daß die Buchhandlung über eine Überwachungskamera verfügt.

Dank diverser Kameraaufzeichnungen (Geschäfte, Lokale, Straßenverkehrsüberwachung) kann PC Grant die Wegstrecke der verdächtigen Person verfolgen, bis zum geparkten Auto nebst Autonummer und der sich daraus ergebenden Identität und Adresse.

Diese Adresse sucht der Ermittler auf, und er findet schon an der Eingangstür den magischen Fingerabdruck eines altbekannten Gegenspielers: Der gefährliche „gesichtslose“ Magier, dessen Spur Peter und seine Kollegen bereits seit dem vorletzten Fall („Schwarzer Mond Über Soho“) verfolgen, ist ihm zuvor gekommen. Peter findet nur noch eine Leiche, deren Aussagekraft sich auf ihre außergewöhnliche Todesart beschränkt. So hat wenigstens der Kryptopathologe Dr. Walid wieder interessantes Forschungsfutter auf dem Seziertisch.

Da unterschiedliche Nachforschungen alle auf „Skygarden Tower“ (einen Wohnblock mit Hochhausturm, der ausgerechnet von dem Architekten Stromberg entworfen wurde) hinweisen, mieten sich Peter und seine Kollegin Lesley dort ein und ermitteln verdeckt vor Ort, während Meister Thomas Nightingale in Rufbereitschaft aus dem Hintergrund mithilft.

Die menschliche Nachbarschaft erweist sich als magieunverdächtig. Im unvermutet schönen und baumreichen Garten, der zu der Wohnanlage gehört, lernt Peter lediglich eine verspielte Dryade (Baumnymphe) kennen, die eindeutig keine bösen Absichten verfolgt.

Als unsere Magiespezialisten endlich herausgefunden haben, was der „Gesichtslose“ mit dem Hochhaus vorhat, ist es fast zu spät, und wir können uns – beim Zauberstab – nicht über mangelnde Dramatik beklagen.

Am Schluß des vierten Falles bleiben viele Fragen offen, und so mancher Handlungsfaden ist längst noch nicht zu Ende abgespult; gewiß werden sie im fünften Band wieder aufgegriffen. Auf diese Weise gelingt es dem Autoren fürwahr, die Neugier auf die Fortsetzung stets lebendig zu halten.

Die Ergänzung der alltäglichen Wirklichkeit durch eine magische Wirklichkeit macht den faszinierenden Reiz dieser Krimi-Serie aus. So wie die menschlichen Ermittler magische Züge tragen, so tragen die unterschiedlichen magischen Charaktere menschliche Züge, und das läßt die übernatürlichen Wesen irgendwie fast normal erscheinen. Doch auch wenn Oberon hier Calvin-Klein-Boxershorts trägt, sollte man ihn keinesfalls unterschätzen.

Die Verbindung von archetypischen, magischen und übersinnlichen Wesen mit modernen Accessoires ist charmant und paßt zu den kontrastierenden Charakteren der menschlichen Ermittler. Daß sich solche Gegensätze zu einer mitreißenden Dramaturgie fügen und der Spielraum für unterhaltsame Dialoge und einige Prisen Genreselbstironie weidlich genutzt wird, ist das Verdienst des Autoren, der gekonnt und raffiniert eine magische Mischung serviert, in der sich Überraschungs-, Gänsehaut- und Schmunzeleffekte angenehm abwechseln.

Die Titelbildgestaltung von Lisa Höfner verdient ausdrückliches Lob, sie ist absolut stimmig und wirkt gleichzeitig nostalgisch und modern. Magisches Markenzeichen ist stets ein Ausschnitt aus einem Stadtplan oder einem historischen Luftbildgemälde Londons und einige stichwortartige, graphische Zugaben, die Bezug zur Handlung haben.

Erfreulich haptisch ist der Prägedruck des Titels und im vierten Falle die typographische Ausschmückung des Buchstabens O mit kleinen Teufelshörnchen. Solche liebevollen Details beeindrucken mich.

Das Warten auf den fünften Band wird wiederum eine Geduldsübung, denn die englische Originalausgabe (Foxglove Summer, ORION Publishing Group, ISBN 978-0-575-13251-1, ca. 17,60 € ) erscheint erst im Juli 2014; und bis die deutsche Übersetzung (voraussichtlich im September 2015)  unter dem Titel Fingerhut-Sommer bei DTV erscheint, hat Peter Grant viel Zeit, seine magischen Fähigkeiten zu erweitern und zu verfeinern, was er – angesichts des verräterischen Endes des vierten Falles – auch bitter nötig hat.

Der Autor:

»Ben Aaronovitch wurde in London geboren und lebt auch heute noch dort. Wenn er gerade keine Romane oder Fernsehdrehbücher schreibt (er hat u.a. Drehbücher zu der englischen TV-Kultserie DOCTOR WHO verfasst), arbeitet er als Buchhändler.«

Der DTV-Verlag hat den Peter-Grant-Krimis eine spezielle Webseite eingerichtet:
http://www.dtv.de/special/ben_aaronovitch_urban-fantasy/1592/

Hier folgen die Links zu meinen Besprechungen der ersten drei Peter-Grant-Krimis:

Band 1 : DIE FLÜSSE VON LONDON
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/14/die-flusse-von-london/

Band 2: SCHWARZER MOND ÜBER SOHO
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/21/schwarzer-mond-uber-soho/

Band 3: EIN WISPERN UNTER BAKER STREET
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/28/ein-wispern-unter-baker-street/

Und hier geht es auch schon zu den Folgebänden:

Band 5: FINGERHUT-SOMMER
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/09/14/fingerhut-sommer/

Band 6: DER GALGEN VON TYBURN
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/07/27/der-galgen-von-tyburn/

Ein Wispern unter Baker Street

  • Band 3 der Peter-Grant-Reihe
  • von Ben Aaronovitch
  • Originaltitel: »Whispers Under Ground«
  • Deutsch von Christine Blum
  • DTV Taschenbuch  Juni 2013                  http://www.dtv.de
  • 445 Seiten
  •  9,95 € (D), 10,30 € (A)
  • ISBN 978-3-423-21448-3
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DAS  GEWISSE  MAGISCHE  ETWAS Nr. 3

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Willkommen zum dritten Abenteuer mit dem magischen Police Constable Peter Grant, der nicht mehr der einzige Zauberlehrling von Detective Chief Inspector Thomas Nightingale ist. Die magische Abteilung der Metropolitan Police Londons hat weiblichen Zuwachs bekommen:

Lesley May, Peters Kollegin aus dem „normalen“ Polizeidienst, deren schönes Gesicht im vorletzten Fall durch magischen Mißbrauch zerstört wurde, zeigte bereits im letzten Fall ein lebhaftes Interesse an Zaubertraining, weil sie hofft, daß das, was durch Magie zerstört wurde, auch durch Magie wiederhergestellt werden kann. Sie war im zweiten Band wegen ihrer Verletzungen nur mit datentechnischen Hintergrundrecherchen beschäftigt und offenbarte erst ganz am Schluß ihr magisches Naturtalent.

Thomas Nightingale, Peters Meister und Vorgesetzter, ermahnt seinen männlichen Zauberlehrling zu mehr Disziplin beim Zaubertraining, denn Peter neigt manchmal zu Improvisationen und Ablenkungen, deren Wirkungen – nett ausgedrückt – unkontrolliert ausfallen.

Aber im Vergleich zu Nightingale, der um 1900 geboren wurde und aus noch unerklärlichen Gründen seit den 70er Jahren rückwärts altert, ist Peter einfach noch sehr jung.

Thomas und Peter sind weiterhin auf der Suche nach „ethisch fragwürdigen Magiern“. Sie haben inzwischen herausgefunden, daß es in den fünfziger Jahren in Oxford einen „Little Crocodiles“- Club gab, dessen studentische Mitglieder illegal in Magie unterrichtet wurden. Einer dieser Burschen ist der „Gesichtslose“, mit dem Peter im zweiten Band bereits unangenehm e Bekanntschaft gemacht hat.

Doch auch die „normale“ Polizei bittet mal wieder um magischen Beistand. In einem U-Bahn-Tunnel unterhalb der berühmten Baker Street wurde die Leiche eines Kunststudenten gefunden. Peter soll den Tatort und den Toten auf magische Einflüsse hin untersuchen. Bei der Tatwaffe, einer biskuitfarbenen Tonscherbe, wird er fündig; diese strahlt ein deutliches „Vestigium“ aus: also eine magische Spur.

Die Nachforschungen zur Herkunft der geheimnisvollen Tonscherbe führen Peter und Lesley zu diversen offiziellen und inoffiziellen Trödel- und Kunstmärkten und  in die ungeahnten Tiefen Londons: U-Bahn-Tunnel sind da noch die Spitze des Eisberges. Die Forschungsreise geht in die Abgründe der Kanalisation und verschiedene verborgene Zwischenräume und führt zur Entdeckung einer faszinierenden Population von künstlerisch begabten  „Subspezies“.

Dann sind noch äußerst lebensgefährliche Dämonenfallen zu entschärfen, unzuverläßige Halbfeen zu disziplinieren und überempfindliche Flußgöttinnen – ja, die schon wieder, wie auch in den ersten beiden Bänden – zu besänftigen. Ein zwanghaft, zyklisch wiederkehrender, graffitisprühender Geist im U-Bahn-Tunnel ist dagegen fast schon eine Erholung von den sonstigen magischen Strapazen.

Eine angenehme Abwechslung für Peter, Lesley und Thomas ist, daß sie endlich einmal einen ganz schlicht menschlichen Täter aus Fleisch und Blut zur Verhaftung abliefern können. Damit machen sie sich bei den gewöhnlichen Kollegen doch etwas beliebter.

Auch der dritte Peter-Grant-Band bietet spannende Unterhaltung, raffinierte Krimihandlung, witzige Randbemerkungen und Wortspiele, lesenswerte Charaktere und eine perfekte Dramaturgie sowie eine magische Perspektive auf die Stadt London.

Und falls Sie endlich wissen wollen, was Magie ist – hier kommt ein typisches Peter-Grant-Zitat:Ich sollte einfach behaupten, Magie entstünde durch Feenstaub oder Quantenverschränkung (was  im Prinzip das Gleiche ist wie Feenstaub, nur mit dem Wort »Quanten« drin).“  (Seite 22)

PS:
Nun warte ich ungeduldig-vorfreudig auf den vierten Band, der im Mai 2014 auf Deutsch bei DTV erscheinen wird.

Für die Englischkönner ist der vierte Band bereits lieferbar:

  • „Broken Homes“
  • 2013 Orion Publishing Group
  • ISBN 978-0-575-1327-7
  • 320 Seiten, ca. 17 €

Doch bevor der vierte Band von mir für Sie „vorgelesen“ und besprochen wird, genehmige ich mir einige Nachhilfestunden in „Doctor Who“. Ben Aaronovitch hat u.a. Drehbücher für diese englische TV-Kultserie geschrieben.

Wenn ein Autor es schafft, dank seiner Schreib-und Imaginationsfähigkeit, mich – die Fernsehverächterin – dazu zu bewegen, Filme anzuschauen, will das schon etwas heißen! Ich erhoffe mir  –  neben der Science-Fiction-Unterhaltung  −  ein besseres Verständnis für die kleinen „Doctor Who“-Anspielungen, die Ben Aaronovitch in seine Peter-Grant-Serie einarbeitet.

Ich verlasse also jetzt mein Word-Programm und schalte um aufs DVD-Programm…
Tschüß – man liest sich wieder!

 

Der Autor:

»Ben Aaronovitch wurde in London geboren und lebt auch heute noch dort. Wenn er gerade keine Romane oder Fernsehdrehbücher schreibt (er hat u.a. Drehbücher zu der englischen TV-Kultserie DOCTOR WHO verfasst), arbeitet er als Buchhändler.«

Hier geht es zu den ersten beiden magieverdächtigen Fällen von Peter Grant:

Band 1 : DIE FLÜSSE VON LONDON
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/14/die-flusse-von-london/

Band 2: SCHWARZER MOND ÜBER SOHO
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/21/schwarzer-mond-uber-soho/

Und hier zu den Folgebänden:

Band 4: DER BÖSE ORT
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/04/30/der-bose-ort/

Band 5: FINGERHUT-SOMMER
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/09/14/fingerhut-sommer/

Band 6: DER GALGEN VON TYBURN
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/07/27/der-galgen-von-tyburn/

 

 

 

Die Flüsse von London

  • Band 1 der neuen übersinnlichen Krimi-Serie mit Peter Grant
  • von Ben Aaronovitch
  • Originaltitel: »Rivers of London«
  • Deutsch von Karlheinz Dürr
  • DTV Taschenbuch  Januar 2012        http://www.dtv.de
  • 464 Seiten
  •  9,95 € (D), 10,30 € (A)
  • ISBN 978-3-423-21341-7
    die_fluesse_von_london-9783423213417

DAS  GEWISSE  MAGISCHE  ETWAS  Nr.1

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nehmen Sie sich Zeit für eine ausführliche, aufregende, kriminalistische, übersinnliche und witzige Reise durch London! Unser Reiseführer ist Peter Grant, ein junger Police Constable von gemischt ethnischer Herkunft, der sich nach Aussage seiner attraktiven und pfiffigen Kollegin Lesley May durchaus als Obama-Double bewerben könnte.

Peter Grant bewacht zusammen mit Lesley May einen abgesperrten Tatort am Covent Garden. Hier wurde in der Nacht ein Leichnam entdeckt, der einen auffällig großen Abstand zu seinem Kopf aufwies. Kurz: Er wurde geköpft.

Peter Grant steht frierend in der Säulenvorhalle der St.Paul’s Kirche, die auch „Schauspielerkirche“ genannt wird; aus Langeweile sowie aus persönlicher architektonisch-historischer Neugier liest er sich eine dort befindliche Informationstafel durch und läßt uns in einem netten Plauderton an seinen Erkenntnissen über die lokale Geschichte teilhaben.

Während Lesley Kaffee holen geht, taucht zwischen den Säulen plötzlich ein altertümlich gekleideter Mann auf, der sich als Augenzeuge des Mordes zu erkennen gibt. PC Grant fragt zunächst vorschriftsmäßig die Personaldaten ab, und dabei stellt sich der Zeuge namens Nicholas Wallpenny als Geist heraus.

Doch davon professionell unbeeindruckt, läßt sich Peter den Tathergang beschreiben und nimmt staunend zur Kenntnis, daß der Geisterzeuge, darauf besteht, daß der Mörder etwas Unheimliches hatte und  „sein Gesicht wechseln“  konnte.

Als Lesley mit dem Kaffe zurückkommt, verschwindet Nicholas natürlich bzw. übernatürlich und Peter beschließt, seine unheimliche Erfahrung erst einmal für sich zu behalten.

Am nächsten Abend spaziert er am Portikus der St.Paul’s Kirche herum und hofft vergeblich auf das Wiedererscheinen von Nicholas Wallpenny. Stattdessen spricht ihn ein eleganter Herr mit silberknaufigem Gehstock an, und auf seine Frage, was er denn hier so treibe, antwortet Peter spontan und wahrheitsgemäß, er sei auf Geisterjagd. So lernt er seinen zukünftigen Vorgesetzten Detective Chief Inspector Thomas Nightingale kennen.

Nightingale ist der letzte Zauberer Englands und leitet eine Spezialabteilung, die  –  ein wenig inoffiziell und relativ geheim  – dafür zuständig ist, in Kriminalfällen mit sozusagen magischen Fingerabdrücken zu ermitteln. PC Grant wird der erste Auszubildende seit fünfzig Jahren für diese vom Aussterben bedrohte Berufsgattung, die zudem ein belächeltes Außenseiterdasein in der bürokratischen Hierarchie der Metropolitan Police fristet.

Was macht es schon, daß die Zauberlehrlingsausbildung zehn Jahre dauert, die Sprachen Latein, Griechisch, Arabisch und technisches Deutsch gelernt werden müssen, und es langer und intensiver Übungen sowie millimetergenauer geistiger Disziplin bedarf, um auch nur ein kleines Werlicht zu erzeugen, wenn man als Dienstwagen einen „Jaguar Mark 2 mit  XK6-Motor und 3,8 Litern Hubraum“ fahren darf?

Und auch die unverhofften Gelegenheiten, mit wunderschönen, gefährlich-verführerischen Themseflußgöttinnen und Nixen zu flirten, können einem die Polizeiarbeit schon versüßen.

Zudem bekommt Peter nette neue Kollegen, von deren Existenz er zuvor noch nicht einmal geahnt hat, wie zum Beispiel den auf Kryptopathologie spezialisierten Dr. Walid, der Peter gleich zum Kennenlernen einen Gehirnquerschnitt serviert, an dem man die Schäden besichtigen kann, die der falsche übermäßige oder unfreiwillige Gebrauch von Magie anrichtet.

Wohn- und Studiensitz der magischen Spezialeinheit ist das Folly, die  „offizielle Residenz der englischen Magie seit 1775“. Das Folly ist ein vornehmes Haus mit Eingangshalle, zahlreichen Gästezimmern, verschiedenen Speisezimmern, einem rechteckigen Innenhof, einem Salon, drei Bibliotheken (nach Sprachen geordnet) und einem magischen Übungslabor; denn hier wird die Magie als Wissenschaft betrieben und sehr ernst genommen.

Und dann wäre da noch das unheimlich-schöne, fast lautlose Hausmädchen Molly, ein vorläufig nicht näher definiertes „Geschöpf der Nacht“, mit sehr spitzen Zähnen.

Selbstverständlich gibt es zauberhafte Schutzvorrichtungen, die das Haus vor unbefugten Eindringlingen und Kräften magisch abschirmen. Die moderne Informationslogistik, die zusammen mit Peter ins Folly einzieht (Internetanschluß, Computer und Flachbildfernseher), muß aus diesem Grund in der ehemaligen Remise untergebracht werden, da eine Breitbandkabelverlegung den Schutzwall beeinträchtigen würde.

Überhaupt hat die Anwendung magischer Energie den Nachteil, elektronische Geräte, die über einen Akkubetrieb laufen, „auszuschalten“   –  durch Zerbröselung der Mikroprozessoren zu Sand.

Der Zauberlehrling PC Peter Grant arbeitet zusammen mit seinem Meister DCI Nightingale und dem normalen Ermittlungsteam weiter an der Lösung des Mordfalles von Covent Garden. Sie finden durch magische und konventionelle Methoden recht schnell den Mörder – allerdings ist der auch schon tot, und zwar eindeutig nicht getötet durch Waffengewalt, sondern durch die Anwendung eines Zauberspruches, der das Aussehen eines Menschen verändert und den betroffenen Menschen nach Abzug der magischen Energie wortwörtlich verformt und tödlich verwundet zurückläßt.

Jemand (ein rachdurstiger Geist?, ein Schwarzmagier?) benutzt eindeutig magische Kräfte, manipuliert unschuldige Menschen und führt mit ihnen ein grausames Puppenspiel auf. Wie soll man da noch Lateinvokabeln und magische Formen üben, wenn sich die Ereignisse dermaßen überstürzen und man nebenbei noch als diplomatischer Vermittler zwischen zerstrittenen Flußgöttern (Mutter Themse und Vater Themse) zu fungieren hat?

Peter hat es wahrlich nicht leicht, und dann wird auch noch Nightingale angeschossen, und alles hängt von den Fähigkeiten und dem Spürsinn unseres unerfahrenen Zauberlehrlings ab – das wird richtig dramatisch und rasend spannend und kann nur magisch ausgehen. Aber was tut man als treuer Zauberlehrling und Krimimalbeamter nicht alles, um den Ruf des eigenen Meisters und das Leben seiner Kollegin Lesley zu retten – ein bi(ss)chen Blut muß Peter dafür schon opfern…

Der Autor, Ben Aaronovitch, der u.a. auch Drehbücher für die englische TV-Kultserie ›Doctor Who‹ verfaßt hat, verbindet in „Die Flüsse von London“ eine komplexe Krimihandlung mit einer liebevoll-kritischen Betrachtung der Stadtentwicklung Londons, er spart nicht mit ironischen Beschreibungen moderner Architekturversündigungen und amüsiert uns auch ganz allgemein mit witzigen und treffsicheren Bemerkungen zu menschlichen Schwächen und Eitelkeiten.

Seine Figurenzeichnung sowohl für körperliche wie für übersinnliche Personen und Wesen ist sehr prägnant, lebhaft und knackig. Die Handlung beginnt gemächlich, der Autor gibt uns die Gelegenheit, mit den Charakteren und der besonderen Kulisse angenehm vertraut zu werden, und steigert sich dann mit quecksilbriger Eleganz zu äußerster Spannung.

Im letzten Kapitel finden auch brav alle Handlungsfäden zu einem sinnvollen Ende, und es wird schon ein neues Fädchen angedeutet, das wahrscheinlich/hoffentlich der Vorbote für den zweiten Band mit unserem magischen Ermittler Peter Grant ist.

Ich jedenfalls bin SEHR gespannt auf weitere magieverdächtige Fälle!

Der Autor:

»Ben Aaronovitch wurde in London geboren und lebt auch heute noch dort. Wenn er gerade keine Romane oder Fernsehdrehbücher schreibt (er hat u.a. Drehbücher zu der englischen TV-Kultserie >Doctor Who< verfasst), arbeitet er als Buchhändler.«

Der DTV-Verlag hat den Peter-Grant-Krimis eine spezielle Webseite eingerichtet:
http://www.dtv.de/special/ben_aaronovitch_urban-fantasy/1592/

Und hier geht es munter weiter zu den nächsten magieverdächtigen Fällen von Peter Grant & Co:

Band 2: SCHWARZER MOND ÜBER SOHO
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/21/schwarzer-mond-uber-soho/

Band 3: EIN WISPERN UNTER BAKER STREET
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/28/ein-wispern-unter-baker-street/

Band 4: DER BÖSE ORT
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/04/30/der-bose-ort/

Band 5: FINGERHUT-SOMMER
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/09/14/fingerhut-sommer/

Band 6: DER GALGEN VON TYBURN
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/07/27/der-galgen-von-tyburn/