Singt der Vogel, ruft er oder schlägt er?

  • Handwörterbuch der Vogellaute
  • von Peter Krauss
  • NATURKUNDEN Nr. 33   www.naturkunden.de
  • Matthes & Seitz Verlag     2. Auflage 2017    http://www.matthes-seitz-berlin.de
  • 224 Seiten
  • 91 Abbildungen (durchgehend farbig)
  • Format: 12 x 18 cm
  • gebunden in Leinen
  • Fadenheftung
  • LESEBÄNDCHEN
  • ISBN 978-3-95757-393-3
  • 25,00 €

Z W I T S C H E R L A T E I N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wer seinen Wortschatz gerne vielsaitig und vogelgesangsspezifisch erweitern möchte, blättert mit „Singt der Vogel, ruft er oder schlägt er?“ eine faszinierende und klangvolle Wörtersammlung auf.

Bevor ich mit der Lektüre dieses Handbuches der Vogellaute begann, machte ich mir eine Liste mit Vokabeln, die mir spontan zur Benennung der Vogelstimmen in den Sinn kamen: fiepen, flöten, gackern, glucksen, gurren, krächzen, pfeifen, piepsen, rufen, schlagen, schnattern, trällern, trillern, tschilpen, zetern, zirpen, zwitschern …

Das sind immerhin siebzehn Vogelstimmenverben; aber während meiner vogelgesanglichen Lektüre erkannte ich mit wachsender Begeisterung, daß es weitaus mehr zu hören und entsprechend zu benennen gibt.

Der Autor, Peter Krauss, ist Germanist, Romanist, Sinologe, Jazzpianist und Übersetzer – Voraussetzungen, die einer Vogellautsammlung und der Bewahrung und Reanimierung eines wertvollen, vom Aussterben bedrohten Wortschatzes sehr entgegenkommen.

Die Vögel treten in alphabetischer Ordnung von Adler bis Zwergschnepfe auf. Jede Vogelart bekommt zwei bis vier Seiten Buchraum, fein dekoriert mit sehr schönen, farbigen und präzisen Bildreproduktionen aus alten Vogelbestimmungsbüchern.
Die Vogelnamen werden jeweils auf Deutsch, Lateinisch, Englisch und Französisch wiedergegeben sowie als besondere Zugabe durch chinesische Ideogramme buchstäblich illustriert.

Illustration aus Lilford, Thomas Littleton Powys (Hg.): Coloured Figures of the Birds of the British Islands

Sodann folgen die Verben, welche die vielfältigen Lautäußerungen der Vögel beschreiben. Diese Verben wiederum werden ebenfalls erläutert, oft ornithologisch-differenziert eingeordnet und ergänzt mit lautmalerischen Schallwörtern – wie beispielsweise das „rukurukuku“ der Tauben oder das „didlitdidlitditlit“ des Distelfinkens -, und gelegentlich werden die Vogellaute zusätzlich durch anschaulichen Notenbilder musikalisch/melodisch dargestellt.

Kurzabschweifungen zur Rolle bestimmter Vogelstimmen in Volksmärchen, linguistische Feinheiten und Sprachvergleiche sowie ornithologische Anekdoten runden dieses Wörterbuch stilvoll ab.

Gab man sich zuvor mit einigen klangweiträumigem Verben – flöten, piepsen, singen, zwitschern – zufrieden, kann man nach der Lektüre erhören, daß Amseln orgeln oder tixen, Bekassinen knebbern, murksen und ticken, Blauracken racken,  Braunellen klirren, Elstern schäckern, Fasane zippen und Fasaninnen zirpen, Grasmücken gigitzen, Käuzchen kauzen,  Rotkehlchen und Hausrotschwanz schnickern, Zaunkönige krispeln, Laubsänger wispeln,  Lerchen jubilieren, quirilieren und tirilieren,  Nachtigallen kadenzen und wirbeln, Zeisige knätschen oder quätschen und Meisen sowie Schwalben zinzelieren …
(Onomatopoetisch seltsam ist allerdings, daß der Pfau nicht pfaucht, sondern pfuchzt oder wahlweise faucht.)

Illustration aus Dresser, Henry E.: A History of the Birds of Europe.

„Singt der Vogel, ruft er oder schlägt er?“ bietet sowohl dem naturverbundenen als auch dem sprachliebhaberischen Leser sowie dem professionellen Übersetzer ein vielstimmiges, sorgfältiges und systematisches Nachschlagewerk. Dieses Wörterbuch ist eine erstaunliche Wörterwundertüte, die ebenso fundiert wie amüsant den Wortschatz unerhört bereichert.

Besondere Erwähnung und ausdrückliches Lob verdient zudem die schöne gestalterische Ausstattung des Buches: webgriffiges Leinen für den Einband, schmeichelgriffiges 100g-Papier für die Buchseiten, satte, lesefreundliche Typographie und Notenschrift, farbliche Abstimmung des Kopfschnittes mit der Farbgebung des Lesebändchens. Hier finden wir den harmonischen Einklang von substanzieller innerer und äußerer Buchqualität, wie sie für die von Judith Schalansky herausgegebene Reihe Naturkunden Standard ist.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/singt-der-vogel-ruft-er-oder-schlaegt-er.html?lid=2

Der Autor:

» Peter Krauss, geboren 1942 in Bad Cannstatt bei Stuttgart. Studierte sechzig Semester an verschiedenen Universitäten Europas. Der zweifach promovierte, pensionierte Deutschlehrer ist Germanist, Romanist, Jazzpianist, Übersetzer, Sinologe und lebt seit über 50 Jahren in Frankreich. «

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