Der Crash ist die Lösung

  • Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten
  • von Matthias Weik und Marc Friedrich
  • Eichborn Verlag Mai 2014                             http://www.eichborn.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag
  • 381 Seiten
  • 19,99 €
  • ISBN 978-3-8479-0554-7
    1_5_5_2_7_1_3_978-3-8479-0554-7-Weik-Der-Crash-ist-die-Loesung-org

INVESTIEREN  SIE  IN  GENÜGSAMKEIT

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Mit dem zweiten Buch von Matthias Weik und Marc Friedrich ging es mir genau wie mit dem ersten: Ich wollte es sofort noch einmal lesen, um die gewonnenen Erkenntnisse zu vertiefen und um ganze Abschnitte auswendig zu lernen. Doch nun erst die Pflicht, also eine Buchbesprechung, und dann nehme ich mit Vergnügen noch einmal ein geistiges Vollbad in ökonomischer Klarheit, Sozialkompetenz und Verantwortungsbewußtsein.

Es gibt viele Bücher, die sich mit der Finanzkrise befassen, es gibt jedoch nur wenige, denen es gelingt, die komplexe Materie so konkret, klar und deutlich darzustellen und dabei auch noch die ganz alltägliche Realität miteinzubeziehen. Hier gibt es keine abgehobenen Theorien, sondern eine scharfsinnige Analyse der globalen ökonomischen Fehlentwicklungen.

Matthias Weik und Marc Friedrich geht es nicht darum, mit ökonomischem Wissen anzugeben und sich als Experten über die Laien zu erheben – im Gegenteil: Sie wollen ihr Wissen und ihre Erkenntnisse mitTEILEN und die Menschen aufklären. Dies gelingt ihnen durch eine ausgesprochen allgemeinverständliche Sprache, anschauliches Zahlenmaterial, gerechte Empörung, ethischen Anspruch und eine spannende, teilweise sogar ironisch-witzige Beschreibung, Erklärung und Kritik unseres Geldzustandes. Darüber hinaus geben sie auch konkrete Anregungen und Denkanstöße zu alternativen, nachhaltigen Wirtschaftsformen.

Die zahlreichen geistreichen Zitate zum Thema Geld und Wirtschaft, die über das ganze Buch trefflich verteilt sind, passen hervorragend und geben dem Text zusätzliche Würze.

Die Autoren beschreiben die nach wie vor ungebremste Profitgier der Banken, besonders der Großbanken, und wie ausgerechnet diese Krisenverursacher nun auch noch an der Krise verdienen. Die Untergrabung der Demokratie durch die Banken-Lobby belegen sie zahlrreichen Beispielen.

„Die Banken weltweit stehen weiter über den Gesetzen. Und es existiert lediglich eine weitere Branche, die absolut nichts davon hält, sich an die Gesetze zu halten: das organisierte Verbrechen. Auch das organisierte Geld fußt derzeit in weiten Teilen auf krimineller Energie und menschenverachtender Profitgier.“
( Seite 59)

Im Kapitel »Deutschland – Exportweltmeister mit Rekordschulden« wird die Lage Deutschlands analysiert. Die Finanzminister unseres angeblich so reichen Landes reden seit 40 Jahren vom Schuldenabbau, aber tatsächlich werden ununterbrochen neue Staatsschulden angehäuft, und wegen des Zinseszinseffekts wird auch Deutschland genau wie alle anderen Länder diese Schulden niemals begleichen können – außer durch direkte und indirekte Enteignung der Bürger, durch Steuern, Abgaben und hohe Inflationsraten und – nach dem unweigerlichen Finanzkollaps – durch eine Währungsreform.

Die „Wirtschaftslokomotive Deutschland“ wird subventioniert durch einen wachsenden Niedriglohnsektor. Während die Arbeitnehmer in Deutschland im Durchschnitt weniger verdienen als vor 22 Jahren, sind im gleichen Zeitraum Unternehmens- und Vermögenseinkommen um fast 50 Prozent gestiegen.

Volkswirtschaftlich gesehen ist das alles andere als nachhaltig. Aus der ökonomischen Gesamtperspektive bedeuten Löhne nämlich Nachfrage.“ (Seite 128)

Reich sind in unserem Land also nur sehr wenige Menschen, und diese Spitzenverdiener und Super-Vermögens-Besitzer legen wiederum ihr überflüssiges Geld an, um ihren Renditehunger zu stillen, und so dreht sich das Rad von Zins und Zinseszins zum Schaden der Volkswirtschaft und zum Ausverkauf des Gemeinwohls immer schneller.

In einem weiteren Kapitel machen die Autoren eine kleine Europarundreise und legen Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, die Niederlande, Griechenland und Zypern unter die Lupe. Danach werden die USA, China und Japan einer kritischen Betrachtung unterzogen.

Ausnahmslos alle Staaten wirtschaften im Übermaß auf Pump, und wir alle nehmen zur Zeit aktiv oder passiv an der „größten Insolvenzverschleppung in der Geschichte der Menschheit“ teil.

Im Kapitel »Enteignung, Zwangsabgaben und Inflation« wird der Leser mit zwei schmerzlichen Wahrheiten konfrontiert:
Erstens: Die Zeit der Rendite ist vorbei.
Zweitens: Wir alle werden Wohlstand verlieren – oder an andere abgeben müssen.“
( Seite 203)

Daß die Niedrigzinsphase der Notenbanken für eine schleichende Enteignung der Sparer sorgt, dürfte sich bereits herumgesprochen haben und auch ohne höhere mathematische Kenntnisse auszurechnen sein. Doch wußten Sie, daß es seit 2013 eine CAC-Klausel (Collective Action Clause; zu Deutsch: Kollektive Handlungsklausel) gibt? „Damit können Besitzer von Staatsanleihen gegen ihren Willen im Notfall rückwirkend enteignet werden.“   (Seite 206)

Wenn Sie meinen, Sie wären davon nicht betroffen, weil Sie gar keine Staatsanleihen besitzen, dann unterliegen Sie einer finanzoptischen Täuschung; denn Lebensversicherungen, Rentenversicherungen, Rentensparverträge und diverse Fonds haben Ihr Geld zu großen Teilen in – dreimal dürfen Sie raten – Staatsanleihen angelegt.

Wir können aus der Geschichte vergangener Wirtschaftkrisen lernen, daß Geldanlagen in Papierwerten immer zu massiven Wertverlusten geführt haben. Man bedenke: Wenn der Staat pleite geht, bürgt jeder einzelne Bürger unfreiwillig für die Staatsschulden. Dies kann zu Sondersteuern, Gebührenerhöhungen und enteignenden Zwangsmaßnahmen führen, wie es z.B. in Griechenland und Zypern bereits praktiziert wird – ganz zu schweigen von der deutlich wachsenden Inflationsgefahr.

Im siebten Kapitel widmen sich die Autoren dem Schutz des Vermögens. Das mag für manche (mich eingeschlossen) ein Luxusproblem sein, trotzdem ist es interessant und lehrreich.

Als erstes empfehlen sie, keine Schulden zu machen, um seine Freiheit nicht an ein Bankinstitut zu verlieren. Der „Kleine Exkurs über Credo und Kredit“ (Seite 234) erhellt sehr anschaulich das im Dispokredit-Zeitalter übliche Mißverständnis von Kredit und Investition.

Zweitens empfehlen die Autoren ganz klar: Schichten Sie um, weg von Papierwerten, hin zu Sachwerten! (Seite 235) Sehr überzeugend demontieren sie sodann Kapitallebensversicherungen, private Rentenversicherungen und Bausparverträge. Darüber hinaus raten sie auch zu einer Bargeldreserve (für ein bis drei Monate) in kleinen Scheinen, verteilt auf mehrere Verstecke, aber nicht im Bankschließfach, denn das wird im Falle eines Crash, wegen vorübergehender Bankenschließungen einige Zeit unzugänglich sein.

Der Sachwert Immobilie ist nur sinnvoll bei einem schuldenfreien, selbstgenutzten und in ordentlichem Bauzustand befindlichen Haus in einer guten Wohnlage.

Von Aktien wird dringend abgeraten, da dieser Markt mit billigem Notenbankgeld künstlich aufgebläht wird und daher extrem überbewertet ist. Der Aktienmarktabsturz wird gewaltig werden.

Empfehlenswert sind Edelmetalle (Gold und Silber), natürlich in physischer Form und nicht virtuell. Auch hier sollte man neben Barren kleine Münzen bevorraten, denn zur Not kann man mit solchen Münzen einkaufen gehen, wenn Geld nur noch den Wert von Konfetti hat.

Sehr sympathisch finde ich die Anregung, Wald, Acker und Wiesen zu erwerben und bevorzugt an regionale, kleine, mittlere und ökologisch wirtschaftende Landwirte fair zu verpachten.

Ebenfalls interessant sind „Direkte Beteiligungen und Naturalanlagen“, dabei leiht man z.B. einem Imker, einem Weinbauern, einem Handwerksbetrieb etc. einen Geldbetrag für eine notwendige Investition, vereinbart eine Verzinsung über der Inflationsrate oder wahlweise einen Ausgleich in Form von Naturalien. Der Kreditnehmer hat eine deutlich niedrigere Zinsbelastung, als wenn er Schulden bei der Bank aufnimmt, der Kreditgeber erhält einen deutlich höheren Zinsertrag, als wenn er sein Geld der Bank überläßt, und die Bank – ätsch! – geht einfach leer aus.

Kurz wird auch die noch relativ neue, spannende Investmentform der Schwarmfinanzierung, das sogenannte »Crowdfunding«, gestreift.

Zu einer Investition in schottischen Whiskey raten die Autoren nur, wenn man von dieser Materie etwas versteht. Immerhin ist dieses Getränk unverderblich, und Alkohol kann in Krisenzeiten durchaus eine Ersatzwährung sein.

Im letzten Kapitel wird noch einmal stringent zusammengefaßt, woran die Weltwirtschaft krankt. Ich liste hier nur einige Stichworte auf: Papier- und Schuldgeldsystem ohne jegliche Deckung, Giralgeldschöpfung aus dem »Nichts«, Zins und Zinseszins, exponentielles Wachstum, weltweite Deregulierung der Märkte usw… Diese Themen wurden bereits eingehend im ersten Buch der beiden Autoren erläutert. (siehe meine Besprechung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/09/25/der-groste-raubzug-der-geschichte/ )

Gewinne zu privatisieren, Verluste aber zu sozialisieren, das ist kein Kapitalismus, das ist Feudalismus pur. Denn da wurde der Zehnte unter allen Umständen eingetrieben, egal wie die Ernte ausgefallen war.“ (Seite 302)

Und dann verordnen die Autoren eine durchdachte Strategie für ein nachhaltiges Wirtschafts- und Finanzsystem, die ich am liebsten komplett zitieren würde, aber das sprengte den Rahmen einer Rezension; so beschränke ich mich auf zwei Punkte:

Wir sind überzeugt, dass wir neben den drei klassischen Gewalten Legislative, Exekutive und Judikative eine echte – keine sprichwörtliche wie die Medien vierte Gewalt brauchen: eine öffentlich-rechtliche, strikt unabhängige, transparente, direkt oder indirekt gewählte »Monetative«.“  (Seite 307)

„Die zweite Maßnahme, die keinen Aufschub duldet, ist eine drastische Schrumpfkur für BankenDaher muss gesetzlich geregelt werden, dass Banken nur noch eine Bilanzsumme haben dürfen, die es möglich und gesamtwirtschaftlich unriskant macht, sie pleitegehen zu lassen, wenn sie sich verspekuliert haben.“ (Seite 308)

Alternativen zum bisherigen Finanzsystem kommen zudem in zwei hochinteressanten Gastbeiträgen zu Wort: »Vollgeld« von Prof. Dr. Mark Joób und »Regionalwährungen« von Christian Gelleri.
Beide Geldkonzepte zielen auf das Wohl der Allgemeinheit, ein demokratisch gelenktes Geldsystem und die Förderung realer, regionaler Wirtschaftskreisläufe – im Gegensatz zur momentan noch üblichen ausbeuterischen und ungerechten Finanzfeudalherrschaft mit sinnloser Renditespekulation.

Matthias Weik und Marc Friedrich beenden ihr überaus aufschlußreiches Buch mit dem Hinweis, daß die Krise und der unvermeidliche Zusammenbruch dieses Finanz- und Euro-Währungsexperimentes eine historische Chance bieten sowohl für eine Reform des Wirtschaftssystems als auch für einen grundsätzlichen moralischen Wandel der Gesellschaft.

Wenn das jetzige Geld- und Finanzsystem kollabiert, wird es durch ein neues abgelöst, und man wird sich wie in den letzten Tausenden von Jahren wieder auf bewährte Werte zurückbesinnen. Auf der monetären Seite werden dies Sachwerte und ein gedecktes Geldsystem sein. Gesellschaftlich und moralisch werden wir uns besinnen auf ein neues Miteinander, auf Demut, Respekt, Zusammenhalt und: Genügsamkeit!“ (Seite 340)

Die Autoren appellieren an die Mündigkeit, Selbstverantwortung und den realistischen Handlungsspielraum jedes Einzelnen. Eine Steuerung des persönlichen Konsumverhaltens in Richtung Ethik, Nachhaltigkeit, Qualität und Regionalität steht jedem frei, und Sie können Ihre Konten bei einer kleinen Genossenschaftsbank oder einer Ökobank einrichten, statt mit Ihrem Geld die Großbanken zu füttern.

Den Wandel dürfen wir nicht von der Politik erwarten. … Der Wandel muss von uns selbst ausgehen.“ (Seite 340)

Die 19,99 € für dieses Buch sind übrigens eine wirklich lohnende Investition in Ihren Realitätssinn und Ihre ökonomische Mündigkeit, und es dürfte Sie gründlich gegen ethisch fragwürdige, unseriöse, antisoziale und nicht nachhaltige Finanzprodukte immunisieren.

Das Vorgängerbuch von Matthias Weik und Marc Friedrich „Der größte Raubzug der Geschichte“ lohnt sich ebenfalls sehr (siehe:  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/09/25/der-groste-raubzug-der-geschichte/ ), und es ist eine gute Ergänzung und Bereicherung Ihres Wissensportfolios.

 

Über die Autoren:

»Matthias Weik befasst sich seit über zehn Jahren eingehend mit der globalen Wirtschaft und ihren Finanzmärkten. Arbeits- und Studienaufenthalte in Südamerika, Asien und Australien ermöglichten ihm tiefe Einblicke in das Wirtschaftsleben fremder Nationen. In Deutschland war er für einen großen Automobilkonzern tätig. Gemeinsam mit Marc Friedrich hält Matthias Weik seit mehreren Jahren Seminare und Fachvorträge bei Unternehmen, an Universitäten, Fach- und Volkshochschulen.«

 

»Marc Friedrich studierte INTERNATIONALE BETRIEBSWIRTSCHAFTSLEHRE und beschäftigt sich intensiv mit der Wirtschaft und den Finanzmärkten. Während eines Aufenthalts in Argentinien erlebte er 2001 einen Staatsbankrott und dessen verheerende Folgen selbst mit. Mit Stationen in Großbritannien, der Schweiz und den USA sammelte er zahlreiche und wertvolle Arbeitserfahrungen

Sie haben Fragen, Anregungen oder Kritik: http://www.Friedrich-Weik.de

Werbeanzeigen

Es gibt noch mehr im Leben als Autos bauen

  • von Peter Daniell Porsche
  • Hanser Verlag, August 2012     www.hanser-literaturverlage.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag
  • 232 Seiten
  • 19,90 €
  • ISBN 978-3-446-42918-5
  • Die gebundene Ausgabe ist inzwischen vergriffen.
  • Die Taschenbuchausgabe ist bei DTV erschienen.
  • 11,90 € (D), 12,30 € (A)
  • ISBN 978-3-423-34815-7

AUTO   BIO   GRAPHIE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Um es gleich klarzustellen: Ich interessiere mich nicht die Bohne für Autos, ich kann gerademal eine Ente von einem Jaguar unterscheiden, und ich habe auch keinen Führerschein. Auch Autorennen oder Wettbewerbssportarten – egal ob rein körperlich oder unter Beteiligung von Fahrzeugen – erregen nicht das geringste Interesse bei mir.

Ich bin also die denkbar unwahrscheinlichste, aber auch unbestechlichste Rezensentin für ein „AUTObiographisches“ Buch.

In meiner Heimatstadt Solingen will es der berühmte Zufall, daß ein modernes, architektonisch-aerodynamisch abgerundetes Porsche-Zentrum direkt neben dem Sozial-Kaufhaus steht. Das Sozial-Kaufhaus wird von verschiedenen sozialen Trägern unterstützt und bietet zu wirklich kleinen Preisen gebrauchte Kleidung, Hausrat, Möbel, Bücher, CDs und Spielsachen an. Ökonomisch Bedürftige bekommen zusätzlich noch 20 Prozent Preisnachlaß. Jeder kann dort Sachspenden abgeben – eine sinnvolle Entsorgung z.B. unerwünschter Geschenke und sonstiger Überflüssigkeiten, die einem Anderen gewiß noch von Nutzen sein können.

Beide Kaufhäuser teilen sich eine Auffahrt und einen gemeinsamen Parkplatz, so daß der Sozialkontrast eine räumliche Nähe erreicht, die Seltenheitswert hat. Diese Über- schneidung gesellschaftlicher Parallelwelten führt zum Thema des Buches: „Es gibt noch mehr im Leben als Autos bauen“.

Peter Daniell Porsche ist ein Urenkel aus der Familie Porsche und zu einem Achtel Anteils- eigner an der Firma Porsche, und überraschenderweise ist er nicht Betriebswirt, Ingenieur, Rennfahrer oder gar Liegestuhlmillionär, sondern Musiktherapeut und Waldorfpädagoge. Damit hat er zunächst einmal gründlich einige meiner Vorurteile zerstreut und mich zur Lektüre seines Buches angeregt.

Es ist ein autobiographisches Buch, dabei sympathisch authentisch sowie dezent persönlich und keinesfalls peinlich enthüllerisch. Peter Daniell Porsche stellt eher seinen eigenwilligen Standpunkt zu bestimmten familiären, gesellschaftlichen und autotechnischen Themen dar und beschreibt, wie er seine Wertekoordinaten entwickelt hat.

Da sich sein Vater, über gesellschaftsschichtliche Unterschiede hinweg, in eine Angestellte aus dem eigenen Unternehmen verliebt und sie auch geheiratet hatte, war Daniell Porsche von Anfang an in bzw. zwischen zwei Welten zu Hause, was gleichermaßen emotionale Herausforderung und bereichernde Vielfalt für ihn bedeutete.

Seine Mutter interessiert sich sehr für Anthroposophie, und bewirtschaftete ihren Garten selbst und baute biodynamisch Gemüse an. Das waren für ihn erste Lern- und Erfahrungs- schritte in Nachhaltigkeit und Mitweltverantwortung. Die Eltern ließen ihr einziges Kind sehr naturverbunden aufwachsen, und sie unterstützten seine technische Entdeckungs- und Erfindungslust.

Peter Daniell Porsche porträtiert seine Eltern, die beiderseitigen Großeltern und deren Beziehungen untereinander sowie auch den jeweiligen Umgang mit Geld sehr mitmenschlich und anschaulich. Darüber hinaus streift er auch verschiedene Aspekte der Firmengeschichte.

„Während ich heranwuchs, gab es zwei Pole, die ich vereinen musste, das Soziale und das Wirtschaftliche, um es grob auf einen Nenner zu bringen.“ (Seite 160)

Die Lehren Rudolf Steiners bleiben ein roter Faden im Leben von Daniell Porsche. Er unterrichtet an der Paracelsus-Schule in Salzburg und unterstützt diese „Bildungsstätte für seelenpflege-bedürftige Kinder und Jugendliche“ großzügig aus seinen Porsche-Dividenden. Obwohl die Firma Porsche Bestandteil des Aktienmarktes ist, übt er zurückhaltende Kritik am modernen Finanz- und Aktienmarkt und beklagt den Mangel an Firmentreue bei den Aktien- haltern. Er verfaßt keine umfassende antikapitalistische Systemkritik, aber es ist ihm ein wichtiges Anliegen, die Wirtschaft sozial zu verpflichten.

„Zwar bin ich ein Porsche und gehöre damit einer Industriedynastie an, aber ich versuche zu zeigen, dass man Geld erwirtschaften und sozial ausgeben kann.“ (Seite 207)

Daniell Porsche macht sich auch Gedanken zur Nachhaltigkeit von Automobilen, zu alter- nativen Antriebstechnologien, zu technischen, akustischen und optischen Autoraffinessen, die autoaffine Leser gewiß ansprechen. Er ist autobegeistert, aber nicht auto-autistisch. Während der Lektüre gewinnt man den Eindruck, daß „der Herr Porsche“ ein familiärer und zuverlässiger Mensch ist, vielseitig interessiert sowie ernsthaft und freudig engagiert in und für die Sozialprojekte, die er betreut und finanziell begleitet.

Mitglied eines weltberühmten und sehr reichen Familienclans zu sein hat nicht nur Sonnen- seiten; eine Schattenseite und zwischenmenschliche Hürde ist z.B. die verständliche Unge- wißheit, ob die Öffentlichkeitwirksamkeit der eigenen Person und der finanzielle Spielraum oder die persönlichen, individuellen Qualitäten ausschlaggebend für eine Kontaktaufnahme sind – ganz zu schweigen von der unfreiwilligen öffentlichen Projektionsfläche, die man allen menschenmöglichen Vorurteilen bietet.

Würde man mich nicht in die Kategorie »Porsche« pressen, sondern könnte man mich als Musiktherapeut, als Eigentümer einer sozialen Einrichtung, als Streitschlichter, als Naturkost-ladenunterstützer etc. sehen, würde ich den Reichtum, der mir von Geburt an mitgegeben wurde, auch als etwas Schönes ansehen können. Dieser Reichtum wäre dann nicht mehr etwas, das mich ständig einholt, mich in die Ecke treibt, mir permanent ein schlechtes Gewissen auf die Brust oder Stirn schreibt, mich schlichtweg belastet. Ganz im Gegenteil. Dann wäre Reichtum etwas, von und mit dem ich gut leben könnte und von dem ich auch viele andere Menschen gut leben lassen könnte. Mit dem ich noch viele soziale Dinge initiieren kann, sozusagen als Zündkerze und Starter, die in späterer Folge Selbstläufer werden und auf eigenen Beinen stehen können. … Und die dann in der Welt etwas bewirken können.“ (Seite 223)

Die persönlichen Einnahmen aus dem Verkauf des Buches fließen zur Gänze an die Paracelsus-Schule. Das ist sehr stimmig, erfreulich und glaubwürdig, und genauso empfinde ich auch sein Buch. Peter Daniell Porsches Definition von Luxus gefällt mir ebenfalls, aber ich werde sie hier nicht zitieren – schließlich sollen Sie ja das Buch lesen.

 

Da die gebundene Ausgabe von HANSER vergriffen ist, folgt der Link zur Taschenbuchausgabe, die bei DTV erschienen ist:
https://www.dtv.de/buch/peter-daniell-porsche-es-gibt-noch-mehr-im-leben-als-autos-bauen-34815/

Der Autor:

»Peter Daniell Porsche wurde 1973 in Stuttgart geboren. Er ist Musiktherapeut und Waldorfpädagoge. Seit 2003 ist er mit der Paracelsus-Schule Salzburg eng verbunden, die seit 2005 Teil des Kulturzentrums St.Jakob am Thun ist.
Er ist Förderer zahlreicher sozialer, pädagogischer und künstlerischer Projekte. Der leidenschaftliche Ballonfahrer lebt mit seiner Frau und seinen vier Kindern am Gaisberg, wo er ein Grundstück mit Pferden, Ponys, Eseln, Hunden, Hühnern, einer Ziege, Schafen und zwei Katzen teilt

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/