Das geheime Band zwischen Mensch und Natur

  • Erstaunliche Erkenntnisse über die 7 Sinne des Menschen,
  • den Herzschlag der Bäume und die Frage, ob Pflanzen ein Bewusstsein haben
  • von Peter Wohlleben
  • Hörbuch
  • Buchvorlage: Ludwig Verlag
  • gelesen von Peter Kaempfe
  • gekürzte Lesung
  • Produktion: der Hörverlag, August 2019 www.hoerverlag.de
  • 5 CDs in Pappschachtel
  • Gesamtlaufzeit ca. 6 Stunden, 9 Minuten
  • 22,00 € (D), 24,70 € (A), 30,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-3524-2

L E B E N S W U R Z E L N

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Peter Wohllebens neues Buch „Das geheime Band zwischen Mensch und Natur“ ist ein ebenso faszinierender wie wissenswertvoller Wegweiser zur inneren und äußeren Natur. Viele Bedingungen des modernen menschlichen Daseins haben den Menschen zwar von der Natur distanziert, das heißt jedoch nicht, daß eine Wiederannäherung an die Natur unmöglich wäre. Denn wir Menschen sind alleine schon durch unsere Kör- perlichkeit ebenso sehr Natur wie ein Baum, ein Vogel, ein Fuchs oder eine Flechte.

So beginnt die Exkursion mit unseren sinnlichen Wahrnehmungsfähigkeiten. Vom Hörtest mit dem Gesang des Wintergoldhähnchens, vom evolutionären Sinn unserer Fähigkeit, die Farben Rot und Grün zu unterscheiden, bis zum Sehen mit den Händen beim Abtasten von Rindenstrukturen erschließt uns der Autor, daß die menschlichen Sinne oft nur einer gewissen Übungspraxis bedürfen, um in einer natürlichen Umgebung erstaunlich präzise zu funktionieren.

Der Autor räumt sachlich und zugleich auf unterhaltsame Weise unangemessene Wald-ängste aus dem Weg. Beispielsweise droht eine Ansteckung mit dem Fuchsbandwurm wesentlich eher bei nicht entwurmten Haustieren wie Hund und Katze, und aggressive  Wildschweine – jeder kennt die Mär von der angeblich angriffslustigen Bache mit ihren Frischlingen – sind im Wald ebenfalls nicht zu befürchten, denn die scheuen Tiere fliehen den Menschen.

Auch das immer noch häufig mißverstandene und mißbräuchlich instrumentalisierte  „Survial of the Fittest“ von Charles Darwin stellt er endlich einmal richtig. Dieses Zitat bedeutet eben nicht, daß sich die stärkste, größte oder aggressivste Art durchsetzt, sondern diejenige Art, die sich am besten an die gegebenen oder die sich verändernden Umweltbedingungen anpassen kann (von englischen to fit – passen, einfügen).

Peter Wohlleben beschreibt die kulturhistorische Verbindung des Menschen mit Bäu- men, die Nutzung von Holz und die Beherrschung des Feuers. Der einst sogar kultischen Verehrung der Bäume, der bis heute gültigen Liebe zu Bäumen und dem menschlichen Bedürfnis nach Kontakt, ja sogar Kommunikation mit Bäumen wird aufmerksam nach- gegangen. In diesem Zusammenhang bekommen wir zudem faszinierende Einblicke in die Pflanzenneurobiologie. Inzwischen ist naturwissenschaftlich erwiesen, daß Pflanzen hören können, wo Wasser fließt, und daß sie dementsprechend ihre Wurzeln ausrichten. Auch ein – sehr langsamer – Herzschlag oder eine Art Schlafrhythmus der Bäume wurde bereits entdeckt.

Sehr deutlich betont der Autor, daß unsere einheimischen Forste noch viel zu häufig reine kurzlebige Holzplantagen sind und daß wir dringend mehr wilde Wälder und Urwald wachsen lassen sollten, um die Artenvielfalt zu erhalten und um dem Klima- wandel angemessener zu begegnen. Das Beispiel der vom Aussterben bedrohten Wolfsflechte mag die Bedeutung, die alte, zeitlose Wälder haben, illustrieren. Die Wolfsflechte wächst ausschließlich auf den abgestorbenen, über lange Jahre hinweg rissig gewordenen Stämmen mehrhundertjähriger Kiefern. Holzplantagenbetreiber arbeiten nicht mit einem solch geduldigen Zeithorizont.

Weitere Abzweigungen befassen sich mit den Themen Waldbaden und Naturapotheke, den Auswirkungen durch globale Warenströme und Tourismus eingeschleppter Arten auf bestehende Ökosysteme, dem Engagement lokaler und internationaler Wald- schützer …

Der Autor bewahrt stets eine souveräne Balance zwischen lebensdienlichem Naturschutzappell, fundierter Kritik an konventioneller Forstwirtschaft, Jagd und politischen Fehlentscheidungen und sehr konstruktiven Hand- lungsimpulsen für eine natürlichere Waldpflege. Seine Achtung und sein ausdrücklicher Respekt vor der Natur sind beispielhaft.

Peter Wohlleben gelingt es, naturwissenschaftliche Erkenntnisse und seine persönliche langjährige Erfahrung als Förster und Naturschützer anschau- lich zu verknüpfen und beim Leser/Hörer sozusagen immergrünes Interesse und lebhafte Anteilnahme zu wecken. So tragen seine Sachbücher lebendig und wirkungsvoll dazu bei, einen wesentlich enkeltauglicheren und sensib- leren Umgang mit der Natur in das Bewußtsein und Handeln der Menschen zu pflanzen.

Der Vorleser Peter Kaempfe liest mit einer sonoren Warmherzigkeit und ausdrucksvollen Gelassenheit, die sehr gut zu den im erzählerischen Ton formulierten Sachtexten von Peter Wohlleben passen.

 

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Das-geheime-Band/Peter-Wohlleben/der-Hoerverlag/e562095.rhd

Hier entlang zur BUCHAUSGABE und LESEPORBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Das-geheime-Band-zwischen-Mensch-und-Natur/Peter-Wohlleben/Ludwig/e515827.rhd

Peter Wohlleben           

Das geheime Band
Erstaunliche Erkenntnisse
über die 7 Sinne des Menschen,
den Herzschlag der Bäume und die Frage,
ob Pflanzen ein Bewusstsein haben
LUDWIG Verlag, August 2019
Gebunden
Format: 12,5 cm x 20 cm
240 Seiten
22,00 € (D), 22,70 € (A), 30,90 sFr.
ISBN 978-3-453-28095-3

 

Querverweis zu vier weiteren wissenswerten Werken von Peter Wohlleben:

Das geheime Leben der Bäume https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/02/06/das-geheime-leben-der-baeume/
Das geheime Netzwerk der Natur https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/01/13/das-geheime-netzwerk-der-natur/
Die Geheimnisse der Natur https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/01/20/geheimnisse-der-natur/
Das Seelenleben der Tiere https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/01/30/das-seelenleben-der-tiere/

Der Autor:

»Peter Wohlleben, Jahrgang 1964, wollte schon als kleines Kind Naturschützer werden. Er studierte Forstwirtschaft und war über zwanzig Jahre lang Beamter der Landesforstverwaltung. Um seine ökologischen Vorstellungen umzusetzen, kündigte er und leitet heute einen umweltfreundlichen Forstbetrieb in der Eifel. Außerdem hat er Wohllebens Waldakademie gegründet, um den Gedanken des Waldschutzes und der nachhaltigen Waldnutzung weiter zu verbreiten (Informationen und Projekte unter www.waldakademie-huemmel.de ). Peter Wohlleben ist aber auch Autor von Büchern rund um Wald und Naturschutz: Mit seinen Bestsellern „Das geheime Leben der Bäume“, „Das Seelenleben der Tiere“ und „Das geheime Netzwerk der Natur“ hat er Menschen auf der ganzen Welt begeistert.« https://www.wohllebens-waldakademie.de/

Der Sprecher:

»Peter Kaempfe, seit 43 Jahren erfolgreicher Theater- und Filmschauspieler, startete seine Karriere mit Engagements in Tübingen, München und Hamburg. Er war Gründungsmitglied der Bremer Shakespeare Company und erhielt mit dem Wintermärchen den Förderpreis der Akademie der Künste, Berlin. Seine ausdrucksstarke Stimme ließ ihn zum erfolgreichen Kommentarsprecher in mehr als 800 Fernsehdokumentationen für alle deutschen Sendeanstalten werden. Außerdem ist er zu hören in über 300 Hörspielen und Hörbüchern, dazu immer wieder in vielen Live-Lesungen und Solo-Programmen.«

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Vom magischen Leuchten des Glühwürmchens bei Mitternacht

  • Und anderen kleinen großen Wundern der Natur
  • von Sy Montgomery
  • Originaltitel: »The Curious Naturalist. Nature’s Everyday Mysteries«
  • Übersetzung ins Deutsche von Dr. Cornelia Panzacchi
  • mit Illustrationen von Tine Pagenberg
  • Knesebeck Verlag  März 2019  www.knesebeck-verlag.de
  • Format: 17,00 x 24,00 cm
  • 240 Seiten
  • 26 Abbildungen
  • gebunden, Fadenheftung
  • LESEBÄNDCHEN
  • 24,00 € (D), 24,70 € (A)
  • ISBN 9-783-95728-291-0

PAN  OPTIKUM  &  BLICK  FANG

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dieses Buch ist eine Spurenlese der Natur, ein sinnlich-vergnügter, wissenswertvoller Wegweiser zur achtsamen Wahrnehmung und vertieften Wertschätzung von Pflanzen, Tieren, Pilzen und Elementen.

In lockerem Plauderton führt uns Sy Montgomery in 45 Naturepisoden durch Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Sie lädt dazu ein, die alltägliche Tier- und Pflanzenwelt vor der eigenen Haustür mit offenen Augen und offenem Herzen wahrzunehmen. Egal wo, egal wann – es gibt immer etwas zu entdecken, zu bestaunen und kennenzulernen.

Illustration © Tine Pagenberg/Knesebeck Verlag 2019

Trotz der Kürze der Naturgeschichten gelingt der Autorin stets eine atmosphärische Einstimmung und eine spannende, faszinierende Darstellung, die, gewürzt mit wohlge-wählten Prisen Detailwissens und heiterer Anekdoten sowie sinnvoller Querverweise und Abzweigungen, einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Der Lesespaziergang führt von Flechten zu Fröschen, vom regen Regenwurm zum klangvollen Liebeswerben der Vögel, von eßbaren Wildpflanzen zu unterschiedlichen Erd- bzw. Schlammsorten, von den magischen Kräften des Farns zur Liebesakrobatik der Libellen, von Gesteinen zu Blitzen, von Fledermäusen zu Mücken, vom Gezeitentümpel zu Möwen, von Grillen und Zikaden zum architektonischen Können der Biber, von zarten Pilzen zu findigen Eichhörnchen, vom wandelbaren Eis zu schwarzen Schneeflöhen, von vorwitzigen Krähen zu schlauen Füchsen – um nur einige Stichworte herauszupflücken.

Illustration © Tine Pagenberg/Knesebeck Verlag 2019

Mit Staunen und Schmunzeln nimmt man zur Kenntnis, daß Grillen beim Zirpen stets mit dem rechten Flügel über den verhärteten inneren Flügelrand – die sogenannte Schrillleiste – des linken Flügels „geigen“, wohingegen Grashüpfer wie das Grüne Heupferd von Natur aus Linksflügler sind, oder daß die Spitzmaus zu den weltweit wenigen giftigen Säugetieren gehört und daß der kleine Körper der Spitzmaus dank einer Polsterung aus braunem Fettgewebe, das Wärme erzeugen kann, der Winterkälte trotzen kann.

Und fast ungläubig erfährt man, daß Flechten mehr irdische Fläche bedecken als die tropischen Regenwälder.

Illustration © Tine Pagenberg/Knesebeck Verlag 2019

Sy Montgomery gelingt eine buchstäbliche Verflechtung von zoologischen, botanischen und geologischen Erkenntnissen mit persönlichen Naturer- fahrungen. Mit ihrer den Erscheinungsformen der Natur stets liebevoll zugewandten Perspektive erinnert sie ebenso poetisch wie augenzwinkernd-heiter und animierend immer wieder an „die Großzügigkeit der Natur“.

Die schönen, graphisch-stilisierten naturalistischen Illustrationen von Tine Pagenberg machen dieses Lesebuch der Natur neben seiner inhaltlichen Vielfalt auch zu einer sehr attraktiven Augenweide, die durch buchgestal- terische Sorgfalt harmonisch ergänzt wird. Das großzügige Buchformat (Groß-Oktav) mit lesefreundlich sattem Schriftbild auf angenehm glattem Papier, die Fadenheftung und ein farblich abgestimmtes Lesebändchen sowie das attraktive Titelbild mit seiner farbkontrastreichen typogra- phischen Inszenierung sind ein sehr gelungener Blickfang und schmeichlen allen bibliophilen Sinnen.

„Dieses Buch will Ihnen, liebe Leser, alltägliche und doch erstaunliche Vorgänge aus der Natur näherbringen und Sie dazu anregen, vielleicht selbst Beobachtungen anzustellen und ein wenig über Lebewesen, Kräfte, Verhaltensweisen und Geschehnisse nachzu-denken, die wir ständig um uns haben und doch meistens übersehen. Denn jede Jahreszeit, jeder Monat steckt voller aufregender Geheimnisse.“ (Seite 10) 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.knesebeck-verlag.de/vom_magischen_leuchten_des_gluehwuermchens_bei_mitternacht/t-1/780

Illustration © Tine Pagenberg/Knesebeck Verlag 2019

Die Autorin:

»Sy Montgomery, 1958 geboren, ist eine vielfach ausgezeichnete amerikanische Natur-forscherin, Drehbuchautorin und Verfasserin von über zwanzig Sachbüchern – „die perfekte Mischung aus Emily Dickinson und Indiana Jones“. Sie schwamm mit Piranhas und blauen Delfinen im Amazonas, bestieg das Altai-Gebirge auf der Suche nach Schneeleo-parden und wurde in Indien von Tigern gejagt. Immer findet man sie in nächster Nähe der Tiere, über die sie schreibt. Zuletzt erschien aus ihrer Feder hierzulande „Rendezvous mit einem Oktopus“. Der New-York-Times-Bestseller und Anwärtertitel auf den National Book Award 2015 schrieb eine echte Erfolgsgeschichte.«

Die Illustratorin:

»Tine Pagenberg ist leidenschaftliche Zeichnerin, Illustratorin und begeisterte Vogelkund-lerin. Sie studierte Malerei/Grafik an der HfBK Dresden. Mit einem liebevollen Blick auf die Natur zeichnet sie ihre fabelhaften Bildwelten. Die große Verbundenheit zu unserer Flora und Fauna ist die wichtigste Inspirationsquelle und spiegelt sich in all ihren Arbeiten. Nach dem Studium gründete sie das Label marga.marina – benannt nach ihrer Großmutter. Hier gestaltet sie eigene Produkte mit dem Schwerpunkt auf nachhaltige, umweltfreundliche Papierwaren.« https://www.margamarina.de/

Querverweis:

Hier entlang zu einem weiteren Buch von Sy Montgomery: Einfach Mensch sein. Von Tieren lernen“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/07/11/einfach-mensch-sein/

Wer es naturwissenschaftlich gerne noch genauer wissen möchte, greife ergänzend zu Nick Bakers Schule der Spurenlese „Fährten lesen und Spuren suchen“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/31/fahrten-lesen-und-spuren-suchen/

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

 

Zwitschernde Fische

  • von Andreas Séché
  • Roman
  • ars vivendi verlag  2012   www.arsvivendi.com
  • gebunden
  • mit Schutzumschlag
  • 168 Seiten
  • 16,90 € (D), 17,40 € (A)
  • ISBN 978-3-86913-106-1

ZWISCHEN  DEN  ZEILEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Bereits das Wort LekTÜRE enthält eine Türe, gewissermaßen eine Portalüberschrift, die den aufmerksamen Betrachter darauf hinweist, daß Lesen buchstäblich in eine Geschichte – oder bei Sachbüchern in ein Wissensgebiet – hineinführt.

Buchhändler empfehlen und verkaufen ihren Kunden demnach ein papiernes Mischwesen aus Dauereintrittskarte und Tür, und das Lesen ist dabei der Universalschlüssel; eine Vorstellung, die mir als Buchhändlerin schon immer sehr gefallen hat.

„Zwitschernde Fische“ ist ein federleichtes und herzenstiefes Buch, das wach macht für die Wegweiser der Inspiration, die, wenn man aufgeschlossen dafür ist und gerne hinter die Dinge schaut, sogar im Alltag wohnen und auf Entdeckung und Würdigung warten.

Yannis, unser Romanheld, ist ein junger Mann, der Bücher und Buchhandlungen liebt und für den jeder neue Buchkauf ein Festakt ist, den er zunächst gebührend mit einem guten Frühstück beginnt: „ … Lesen ist ja nichts anderes als Essen mit den Augen.“
(Seite 9)

Buchhandlungen und Stadtparks, findet Yannis, bieten eine ideale Kulisse, um der Traumfrau zu begegnen. Er hat einige wunderschöne, ebenso romantische wie verwegene Gesprächseröffnungsideen (die übrigens ausgesprochen unwiderstehlich- empfehlenswert sind) in seiner Sehnsuchtsvorratskammer gestapelt, aber er ist bisher zu schüchtern gewesen, um seine Worte und Gesten auch in die Tat umzusetzen.

Auf dem Weg zum Buchladen macht er Rast auf seiner Lieblingsparkbank im Athener Stadtpark und denkt darüber nach, ob die Kellnerin aus seinem Lieblingscafé, in die er still, leise und heimlich verliebt ist, ihn aus Zuneigung oder aus professioneller Grund-haltung stets so freundlich anlächele. Diese Frage bleibt unbeantwortet, und Yannis macht sich gedankenversunken wieder auf den Weg.

Doch er verläuft sich und findet sich plötzlich vor einem altmodischen Buchladen mit beinahe undurchsichtigem Schaufenster wieder, in einer Gasse, die seltsam aus der Zeit gefallen scheint. Yannis kommt es fast vor, als sei diese Buchhandlung ein Überbleibsel aus dem Athener Buchhändlerviertel, das vor zweittausendfünfhundert Jahren existiert hat.

Neugierig berührt Yannis den silbernen Drehknauf der verwitterten, hölzernen Eingangstür, die daraufhin langsam und bedächtig aufschwingt. „Es sind schon Kinder durch Türen gegangen und als Erwachsene zurückgekehrt. Hinter Türen können Narren zu Weisen werden, Ziellose zu Menschen mit einer Bestimmung und Ungläubige zu Gläubigen.“ (Seite 17)

Yannis begegnet in den Räumen hinter dieser Türe der geheimnisvollen und sehr attraktiven Lio, und in Verbindung mit Lio kommt es zu zauberhaften neuen Lebens-weichenstellungen…  „Die Haut um ihre Augen offenbarte ein gelachtes Leben und einen Menschen, der sich wenig um die feinen Falten der Erkenntnis scherte.“ (Seite 27)

Der Roman „Zwitschernde Fische“ handelt davon, wie das Leben in Geschichten einfließt und wie gelesene Geschichten das Leben beeinflussen, ja, wie für den inspirations-empfänglichen Menschen in der Tat alles miteinander in geheimnisvoller Korrespondenz steht.

Neben seinem eigenen Geschichtenverlauf weckt dieser Roman beiläufig Leselust auf zahlreiche weitere Bücher. Die angeregten Gespräche, die Lio und Yannis über Klassiker der Weltliteratur führen, die Betrachtungen interessanter bis krimineller schriftstellerischer Hintergrundgeschichten sowie die berühmten Anfangssätze, die sie sich wechselseitig vorlesen, machen abwechslungsreich Appetit auf mehr. „Geschichten sind das Gewürz der Wirklichkeit.“ (Seite 168)

Andreas Séchés Sprache hat einen besonderen melodischen Klang, eine zärtlich-atmende, lebendige Anziehungskraft, die den geneigten Leser sogleich in die Geschichte hineinverführt. Die dramaturgisch geschickt eingewobenen, schimmernd-changierenden Schnittstellen und Reflexionen zwischen Fiktion und Wirklichkeit sowie leibhaftige literarische Anspielungen bewirken – den Musen sei Dank – eine außergewöhnlich traumwandlerische LekTÜRE.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://arsvivendi.com/Buch/Search/9783869131061-Zwitschernde-Fische

 

Wer gerne die wunderbaren Gesprächseröffnungsideen nachlesen möchte, schaue bitte unter folgendem Link nach, dort auf CHRINOLOS Webseite habe ich mich nämlich auf den ersten Leseblick in dieses Buch verguckt: https://seelenglimmern.com/2018/02/11/hier-konnte-in-einsamkeit-zweisamkeit-erbluehen/

 

Hier entlang zum Buchtrailer:

 

Der Autor:

»Andreas Séché, geboren 1968, schrieb als Journalist für Tageszeitungen und war zwölf Jahre lang Redakteur bei einer Zeitschrift in München, bevor er in seine Heimat, das Rheinland, zurückkehrte. Heute lebt er als Schriftsteller am Niederrhein. Bei ars vivendi sind bisher seine Romane Namiko und das Flüstern (2011), Zwitschernde Fische (2012) und Zeit der Zikaden (2013) erschienen.« http://andreas-seche.de

 

Querverweis:

Wechselwirkungen zwischen Literatur und Leben sind ein unermüdliches und spannendes Thema für Romane. Von einer solchen literarischen Spurensuche, ihren heiter bis wolkigen zwischenmenschlichen Verstrickungen, nebst schelmischen Bezügen zu verlegerischen Buchvermarktungsstrategien, handelt auch „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ von David Foenkinos: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/05/01/das-geheime-leben-des-monsieur-pick/

 

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