Das rote Ding

  • mit Bildern von Heike Herold
  • und mit Reimen von Ebi Naumann
  • Aladin Verlag, August 2019  www.aladin-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 30 x 23,3 cm
  • 32 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A), 21,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8489-0158-6
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

ICH  SEHE  WAS,  WAS  DU  NICHT  SIEHST

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Aus der Wasseroberfläche eines Flusses ragt ein rundlich-rotes Etwas heraus. Für das kleine Mädchen im roten Röckchen, das dieses Phänomen als erstes erspäht, ist wasser-klar, daß dieses rote Ding nur die Schwanzflossenspitze eines Wals sein kann.

Das obere Drittel jeder Bilderbuchdoppelseite zeigt das Flußufer und die unteren beiden Drittel die Wasseroberfläche sowie die Unterwasserwelt. Den Uferbereich bildet ein gro-ßer Park mit vielen Bäumen, Sträuchern, Wiesenflächen, Bänken, Spielplätzen, Spring-brunnen und Denkmälern. Überall spielen Kinder, und es flanieren die unterschied- lichsten Spaziergänger sowie Gärtner, ein Eisverkäufer, Musikanten usw. umher.

Da das kleine Mädchen das rote Ding als Schwanzflossenspitze eines Wals interpretiert, sehen wir in der Unterwasserszenerie einen großen Wal nebst einem kleineren Walkind sowie einen kleinen Fischschwarm als größenverhältniskontrastierendes Begleit- personal.

 

Text von Ebi Naumann © und Illustration von Heike Herold © Aladin Verlag 2019

Andere Beobachter kommen hinzu und stellen ganz andere Vermutungen an. Der vor-übergehende Gärtner meint, es sei eine Blüte, ein Junge sieht einen Feuerwehrhelm, eine vornehme Dame eine Krone, ein anderes Mädchen einen Zylinder – und so ver- wandelt sich das rote Ding je nach Betrachtungsneigung in einen Drachen, in Musik, in eine Eiskugel, in ein Ufo … und die Auflösung bleibt tatsächlich rätselhaft.

Auf jeder Doppelseite äußert ein anderer Passant seine Vermutung zu dem roten Ding, und diese Vorstellung wird in ein entsprechendes Unterwasserbild übersetzt. Wer auf- merksam hinschaut, erkennt auch, daß jede Idee stets einen offensichtlichen Bezug zu der Person hat, die sie äußert.  

Text von Ebi Naumann © und Illustration von Heike Herold © Aladin Verlag 2019

Der lateinische Spruch auf dem am Flußufer verewigten Denkmal »IGNORAMUS ET IGNORABIMUS« (Wir wissen es nicht und wir werden es nicht wissen) deutet schon darauf hin, daß wir keine endgültige Gewißheit erwarten dürfen, was indes keineswegs ein Hindernis für eine lebhafte Vorstellungskraft ist, sondern diese nachhaltig beflügelt. Ja, auf der letzten Bilderbuchseite taucht sogar ein neues Ding auf, das gelb und drei-eckig ist, und ganz neuen Spekulationen Raum gibt.

Heike Herold hat diesen Parcours der Phantasie auf zärtlich-verspielte, kindlich-poetische, heiter-verträumte Weise illustriert. Während die Szenerie am Flußufer mit Schwarz-weiß-Zeichnungen und einigen wohlgesetzten Rotakzenten auskommt, ist die Unterwasserwelt innerhalb ihrer durchgehenden Blaudurchtönung dezent bunter. Diese farbsprachliche Grundierung gibt Phantasie und Wirklichkeit jeweils den passenden Rahmen. Beiläufig bieten die Bilder eine Menge amüsanter, entdeckungswürdiger Details, die sich nach und nach beim wiederholten Betrachten erschließen.

Ebi Naumann stimmt Seite für Seite mit vierzeiligen Versen (in vierhebigen Jamben) auf die jeweilige Vorstellung ein und läßt stets das Schlüsselwort am Ende frei, da es sich sowohl aus der Reimfolge als auch aus der Bildbetrachtung von selbst ergibt.

„Das rote Ding“ illustriert – in Wort und Bild – schelmisch und kindgerecht, daß der innere phantasievolle Horizont die äußere Wirklichkeit um faszinierende Interpreta- tionsspielräume bereichern kann – hier ist Wunschdenken ausdrücklich erwünscht.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.aladin-verlag.de/programm/detailansicht_1624.html

 

Die Illustratorin:

»Heike Herold, geboren 1974 in Münster, studierte in ihrer Heimatstadt Visuelle Kommunikation und Grafik Design an der Fachhochschule. Seit ihrem Diplom ist sie als freie Grafikerin und Illustratorin für verschiedene Verlage tätig. Sie lebt in Köln.«
Für ihr Bilderbuch „Das rote Ding“ gewann sie 2016 das Troisdorfer Bilderbuchstipen-dium. https://heikeherold.jimdo.com/

Der Autor:

»Ebi Naumann, geboren 1949, studierte Pantomime bei Marcel Marceau sowie Jura und Soziologie. Er arbeitete viele Jahre als Lektor, Produzent und Drehbuchautor und widmet sich heute ganz dem Aufschreiben, Übersetzen und Erzählen von Geschichten und Gedichten.«

 

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Über uns das Meer

  • von Sabine Giebken
  • Jugendbuch
  • Magellan Verlag   September 2014          http://www.magellanverlag.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag und Lesebändchen
  • 477 Seiten
  • 17,95 € (D), 18,50 € (A)
  • ISBN 978-3-7348-5601-3
  • ab 15 Jahren
    Über uns das Meer

M E E R E S T I E F J A U C H Z E N D

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Lou, die Icherzählerin in dieser Geschichte, versucht herauszufinden, was sie eigentlich will. Da ihre Eltern im diplomatischen Dienst tätig sind, hat sie schon in diversen Ländern gelebt und besuchte bis vor kurzem ein deutsches Privatinternat. Doch Marie-Louise fühlt sich ihrer Familie nicht richtig zugehörig, seitdem sie herausgefunden hat, daß sie einst adoptiert worden war. Erschwerend kommt hinzu, daß ihre jüngere Schwester, Sophie, nicht adoptiert wurde, und Lou meint, daß Sophie leichter die anspruchsvollen Erwartungen der Eltern zu erfüllen bereit sei.

Um endlich einmal das Gefühl zu haben, selbst über ihr Leben zu bestimmen, schmeißt sie ihr Abi und verschwindet heimlich nach Elba. Dort versteckt sie sich bei Capoliveri in der alten Villa ihrer verstorbenen Großmutter und leckt alte Kindheitswunden. Außerdem findet sie Arbeit in einer örtlichen Tauchschule, da sie eine recht erfahrene Taucherin ist.

In dieser Tauchschule gibt es zur Zeit nur ein Thema, nämlich den nächste Weltrekord im Apnoetauchen (Freitauchen, ohne Atemgerät). Ein attraktiver, geheimnisvoller Taucher, der sich „Angel“ nennt, will das Wagnis eingehen, 100 Meter in die Tiefe zu tauchen. Für dieses Ziel wird eifrig trainiert, und außerdem braucht man zusätzliche Hilfstaucher, die an tauchstrategisch gefährlichen Schwellen am Sicherungsseil postiert werden, um gegebenenfalls rettend eingreifen zu können.

Zwischen Lou und Angel entsteht augenblicklich eine starke gegenseitige Anziehungs-kraft, und da Lou schnell Fortschritte dabei macht, selbst mehrere Minuten ohne Sauerstoffflasche unter Wasser zu bleiben, gehört sie schnell zu den Sicherheitstauchern. Sie macht schöne und gefährliche Erfahrungen beim Tauchen und erlebt ein Wechselbad aus Nähe und Distanz in Bezug auf Angel.

Angel geht sehr konsequent seinen eigenen Weg und erfüllt ebenfalls nicht alle Erwartungen, die andere an ihn haben… Lou söhnt sich schließlich mit ihrer Adoptivfamilie aus und kommt sich selbst und auch Angel näher.

In diesem Buch erfährt man viel über das Apnoetauchen, die komplexe Organisation und medienwirksame Vermarktung von Sportwettbewerben und über zwischenmenschliche Untiefen in Zusammenhang mit der Transparenz sozialer Netzwerke.

Die sehr atmosphärischen Beschreibungen der Unterwasserwelt, der körperlichen Empfindungen beim Tauchen, der spannende und gefährliche Rausch der Tiefe und das Gefühl des Grenzenauflösens in meerestiefer Umarmung haben eine starke Lektüresogwirkung.

Die vage Liebesgeschichte von Lou und Angel bleibt dagegen – für mein Empfinden – an der emotionalen Oberfläche. Schließlich muß sich nicht jeder mit der in Jugendbüchern häufig gepflegten, ziemlich bewußtlosen Liebesanziehungskraft ohne wirkliches KennenLERNEN und ohne Vertrauenskoordinaten zufriedengeben.

In einem tiefen Atemzug: „Über uns das Meer“ ist eine spannende, meergestimmte jugendliche Liebes- und Selbstfindungsgeschichte – genau die richtige Ferien- und Strandlektüre, die eventuell anschließend dazu verlocken könnte, sich für einen Tauchkurs anzumelden.

 

PS:
Die äußere Gestaltung dieser Meeresliebesgeschichte ist äußerst attraktiv: Wir sehen einen Schutzumschlag mit vielen feingezeichneten, bunten Fischchen, die vor mattschwarzem Hintergrund aufleuchten, und einen weißen, mit Relieflack beschichtete Titelschriftzug.
Die Vorsatzblätter sind türkisfarben und mit einem Seetangmuster in weiß geschmückt, und zur Krönung gibt es ein leuchtend orangegelbes Stofflesebändchen.

 

Die Autorin:

»Sabine Giebken wurde 1979 in München geboren und lebt mit ihrer Familie in Bayern. Schon als Kind konnte sie an keiner Buchhandlung vorbeigehen, ohne wenigstens einen Blick hineinzuwerfen, und schrieb eigene Geschichten in Schulhefte. Später machte sie ihr Diplom in Betriebswirtschaft, doch während eines Aufenthalts auf einer kleinen kanadischen Forschungsinsel flammte ihre alte Leidenschaft für das Schreiben wieder auf. Am liebsten lässt sie sich auf ihren Reisen von abenteuerlichen Landschaften, wilden Tieren und ungewöhnlichen Menschen inspirieren.«

Kuschelflosse, Band 1

  • Das unheimlich geheime Zauber-Riff
  • Bilderbuch
  • Text und Illustrationen von Nina Müller
  • Magellan Verlag   Juli 2014                   www.magellanverlag.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • 80 Seiten
  • Format: 20,5 x 24,5 cm
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A)
  • ISBN 978-3-7348-2801-0
  • ab 4 Jahren
    Kuschelflosse

K U S C H E L A B E N T E U R E R

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Fischverliebte können in diesem Bilderbuch ungeahnte Entdeckungen machen. Die vier Hauptfiguren leben unter Wasser in Fischhausen. Zuerst lernen wir den Fellfisch Kuschelflosse kennen, der, wie sein Name schon andeutet, gerne herumkuschelt. Jeden Tag zelebriert er mit seinem Haustier Flauschi eine Traumstunde, bei der die beiden gemütlich aneinander gekuschelt der Musik aus dem Unterwasserradio lauschen.

Dieses eigenwillige Radio verfügt über einen Geheimsender, der eines wässrigen Tages von einem zauberhaften, bunten Riff berichtet, wo eine uralte Zauberschildkröte leben solle, die Wünsche erfüllen könne. Der Weg dorthin sei geheimer als geheim, und nur wenige hätten ihn bisher gefunden.

Kuschelflosse ist sofort Feuer und Flamme bzw., um im richtigen Element zu bleiben: er kann seine Flossen nicht ruhen lassen, bis er seine drei besten Freunde mit seinem Wunschfieber angesteckt hat. Seebrillchen Sebi, ein kluges und belesenes Seepferdchen, Schwimmerdbeere Emmi, ein erdbeerförmiges und erdbeerfarbenes Fischmädchen, und Herr Kofferfisch, der in seinem Kofferbauch alles Mögliche transportieren kann, sind sofort begeistert.

Am nächsten Tag schwimmen die vier Freunde mit freudiger Erwartung ins größte Abenteuer ihres Lebens. Zunächst begegnen ihnen im „Grinsegras-Tal“ lustige Grinsegräser, die etwas verwackelte Sprechgewohnheiten haben, beim Passieren der „spannenden Schlucht“ sucht sich eine gefährliche Feuerqualle Kuschelflosse zum Imbiß aus, aber seine drei Freunde überlisten den Freßfeind mit einer Badeblubberkugel.

Die freundliche Rosa Muschel, der sie nach dieser überstandenen Gefahr begegnen, schenkt ihnen einen Findefisch, der alle Wege findet. Nach einigen größeren und kleineren Hindernissen kommen sie endlich am Zauberriff an, und die schwerhörige Zauberschildkröte erfüllt, nach einigen lustigen Mißverständnissen, Kuschelflosses Wunsch nach dem Aller-aller-aller-aller-aller-Wertvollsten, was es auf der ganzen Welt gibt.“ Was das ist, dürfen Sie bei der Lektüre gerne selbst entdecken…

Die Illustrationen von Nina Müller sind kindlich-verspielt, ein bißchen comicartig sowie fröhlich-bunt, und sie geben die Charaktere der sympathisch-schrägen Fischfiguren treffgenau wieder.

Die Geschichte von Kuschelflosse und seinen Freunden wird von Nina Müller in einfachen, anschaulichen und witzigen Worten erzählt, als Beispiel nenne ich die müde Schnecke in Zeitlupe.“ Die sprachspielerischen Elemente, mit denen sie den Text bereichert, dürften beim Vorlesen eine Quelle für viel kindlichen Spaß sein.

„Kuschelflosse“ ist eine abenteuerlustige Geschichte, bei der die Betonung eindeutig auf LUSTIG liegt. Der recht umfangreiche Text ist übersichtlich auf neun Kapitel verteilt, so daß ein wohlportioniertes Vorlesen in sinnvollen Abenteuerschwimmzügen ermöglicht wird. Dank des skurrilen Humors löst sich die Spannung schließlich stets in Schmunzeln auf.

Naturgesetzliche Präzision dürfen Sie beim Eintauchen in diese Unterwasserwelt nicht erwarten, aber Sie können einen Seeigelverkehrsstau erleben und sich darüber wundern, warum und wozu Fische eine Badewanne brauchen.

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Nina Müller, geboren 1977 in Bayreuth, studierte Kommunikationsdesign in Wiesbaden und Sydney, bevor sie nach München zog und als Art Director in einer der renommiertesten Werbeagenturen Deutschlands arbeitete. Heute hat sie ihr eigenes Designbüro in Bayreuth und genießt neben den konzeptionellen Aufgaben mehr Zeit für ihre liebste Leidenschaft: das Schreiben und Illustrieren fantastischer Geschichten mit einzigartigen Charakteren

PS:

Magellan, ein neuer Kinderbuchverlag (Geburtstag war im Frühjahr 2014), der sich nach einem berühmten Seefahrer und Entdecker nennt, macht seinem Namen alle Ehre durch die Entdeckung und Verlegung neuer, noch unbekannter Talente jenseits des Massengeschmacks.

Außerdem hat sich dieser Verlag auf die Fahne geschrieben, bei der Herstellung seiner Bücher einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen. Sie werden auf dem Buchmarkt nicht viele Verlage finden, die außer dem Hinweis auf FSC-Mix-Papier auch noch Farben auf Pflanzenölbasis, Lacke auf Wasserbasis und lösungsmittelfreie Klebstoffe verwenden und die hauptsächlich in Deutschland produzieren.

Ich wünsche dem originellen, ganzheitlich-nachhaltigen Buchprogramm des Magellan Verlages viel Erfolg, unzählige Leser und unbezahlbare Begeisterung.

http://www.magellanverlag.de