Penguin Bloom

  • Der kleine Vogel, der unsere Familie rettete
  • von Cameron Bloom und Bradley Trevor Greive
  • FOTOBUCH
  • Aus dem australischen Englisch von Ralf Pannowitsch
  • Originaltitel:»Penguin Bloom – The odd little bird who saved a family«
  • KNAUS Verlag  Februar 2017   http://www.knaus-verlag.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag
  • Fadenheftung
  • Format: 20 x 18 cm
  • 208 Seiten
  • 19,99 € (D), 20,60 € (A), 26,90 sFr.
  • ISBN: 978-3-8135-0761-4

H O F F N U N G S F E D E R F L A U M

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Es kann einem das Leben retten, einem kleinen Vogel das Leben zu retten. Diese beflügelnde Erfahrung machten der australische Fotograf Cameron Bloom und seine Frau Sam, nachdem ein tragischer Unfall ihr Leben erschüttert hatte.

Cameron und Sam Bloom bereisten stets gerne und auf touristisch unausgetretenen Pfaden ferne Länder und Kulturen. Sie waren in Marokko, Mali, Mauretanien, Burkina Faso, Ghana, Togo, Botswana und Äthopien sowie in einigen Ländern des Nahen Ostens, die heutzutage für Touristen zu gefährlich sind.

Nach den Geburten ihrer drei Söhne ruhte die Reiselust eine Weile. Doch als die Jungs aus dem Kleinkinderalter heraus waren, entschieden sich die Blooms weltneugierig und unternehmungslustig zu einer Reise nach Thailand.

Weit abseits vom Massentourismus peilten sie ein kleines Küstendorf am Golf von Thailand an. Nach einem ausgelassenen Tag am Strand entdeckten sie in der Nähe ihres Hotels eine Aussichtsterrasse. Eine Wendeltreppe führte sie hinauf, und alle genossen den weiten Rundumblick, der sich ihnen in nur sechs Metern Höhe bot. Sam lehnte sich an das Geländer, das morsche Geländer gab nach, und Sam stürzte ab …

Sie erlitt viele innere Verletzungen, die schlimmsten davon waren die Wirbelsäulen-verletzungen. Nach diversen Operationen, vielen Monaten medizinischer Behandlungen und Rehamaßnahmen kehrte Sam im Rollstuhl zurück nach Hause.

Sams Körper hatte überlebt, doch ihr Lebenswille war gebrochen. Die Querschnitts-lähmung, der Verlust ihrer Beweglichkeit und Bewegungsfreiheit, immer wieder auftretende Schmerzen und Muskelkrämpfe und das Angewiesensein auf Hilfe machten ihr schwer zu schaffen. Trotz der familiären Fürsorge, Geborgenheit und Liebe, die sie umgab, spürte ihr Mann, daß sich Sam entfernte, daß sie sich merklich vom Leben abwandte.

Eines Tages findet Sams Sohn Noah auf einem Parkplatz ein aus dem Nest abgestürztes Elsterküken mit verletztem Flügel. Sam beschließt spontan, daß sie dieses Küken retten werden. Die kleine Elster bekommt wegen ihres schwarz-weißen Gefieders den Namen Penguin, und Sam kümmert sich mit Eifer um das geschwächte Küken, das anfangs alle zwei Stunden gefüttert werden muß.

Foto Cameron Bloom © KNAUS Verlag 2017

Tatsächlich findet Sam über die Fürsorge und Verantwortung für Penguin neuen Lebensmut. Penguins Flügel heilt, und aus dem Küken wird ein ausgewachsener Vogel, der lebhaft am Familienleben teilnimmt, aber auch unabhängige Ausflüge in die Umgebung unternimmt und das Überleben in der Wildnis meistert.

Foto Cameron Bloom © KNAUS Verlag 2017

Cameron Bloom hat Penguins Aufwachsen und seine Interaktionen mit Sam und den Kindern in anrührenden, heiteren, schönen, tiefsinnigen und „sprechenden“ Fotos dokumentiert. Die kurzen Begleittexte erzählen in warmherzigem Tonfall von den Empfindungen, Erkenntnissen und Erlebnissen mit Penguin, die immer auch Reflexionen der besonders zutraulichen Beziehung zwischen Sam und Penguin sind sowie Zeugnisse von Sams reanimierter Liebe zum Leben. 

Foto Cameron Bloom © KNAUS Verlag 2017

Auf den letzten 18 Seiten des Buches äußert sich Sam selbst zu ihrem Schicksal und beschreibt schonungslos und unsentimental ihre Daseinsbedingungen als Querschnitt-gelähmte; sie erklärt, was ihr hilft und was ihr nicht hilft, und sie verschweigt auch nicht die schmerzliche Sehnsucht nach Beweglichkeit und die Wut und Verzweiflung, die damit einhergehen. Einfühlsam vermittelnd benennt sie, welche Lebensfreuden ihr trotz der Krankheit möglich sind und dankbar von ihr wahrgenommen werden.  Schließ- lich weist sie noch hoffnungsvoll auf die Arbeit von Wings for Life www.wingsforlife.com hin, eine Stiftung, die medizinische Forschung für die Heilung von Rückenmarks- verletzungen finanziert.

Dieser Buchkomposition voll ausdrucksvoller, vielschichtiger Fotografien mit sehr authentischen, feinfühligen Texten gelingt eine beeindruckende Balance von Tapferkeit und Verletzlichkeit, von Sehnsucht und Dankbarkeit. Tiefe Liebe, innige familiäre Lebensverbundenheit, überwältigende Zärtlichkeit und natür- liche Wahrhaftigkeit leuchten ermutigend aus jeder Zeile und jedem Bild.

Foto Cameron Bloom © KNAUS Verlag 2017

»Am wichtigsten war jedoch, dass Penguin uns eins gelehrt hat: Wenn wir uns selbst besser fühlen wollen, gelingt uns das am einfachsten und besten, indem wir anderen Menschen helfen, sich besser zu fühlen.«

(Seite 164)

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf  der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Penguin-Bloom/Cameron-Bloom/Knaus/e515201.rhd

 

Der Fotograf und Autor:

»Cameron Bloom begann seine Karriere mit 16 Jahren als Surf-Fotograf an den Stränden Sydneys. Als Fotograf reiste er mit seiner Familie durch die ganze Welt. Seine Arbeiten wurden in internationalen Zeitschriften wie Harper’s Bazaar, Vogue und dem Gourmet Traveller veröffentlicht. „Penguin Bloom“ ist sein erstes Buch.«

Der Mitautor:

»Bradley Trevor Greive AM, 1970 in Tasmanien geboren, wurde mit „The Blue Day Book“ zum internationalen Bestsellerautor. Seine Bücher sind in 115 Ländern erschienen und verkauften sich bisher über 25 Millionen Mal. Für seinen außergewöhnlichen Beitrag zur Literatur und zum Naturschutz wurde ihm im Jahr 2014 der Order of Australia verliehen.«

PS:
Gerne reihe ich „Penguin Bloom“  – sozusagen als Familienlektüre – in Petra Pawlowskys Fundgrube für das Projekt KINDER IM AUFWIND ein: https://pawlo.wordpress.com/home-2/fundgrube-fuer-kinder-im-aufwind/

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/
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Lebensgeister

S E E L E N S C H I M M E R N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Lebensgeister“ ist ein meditatives Buch, erzählt in einer leisen, unaufgeregten Sprache, die Klarheit, Mitgefühl und Trost ausstrahlt.

Die Geschichte beginnt mit dem kompletten Text des Liedes „Lover Lover Lover“ von Leonhard Cohen. Dieses Lied erklang im Auto, als der Unfall geschah, den Sayoko schwerverletzt überlebte und der Sayokos Geliebten Yōichi das Leben kostete

Bevor Sayoko im Krankenhaus wieder zu Bewußtsein kommt, macht sie eine liebe- und lichtvolle Nahtoderfahrung und wird von ihrem verstorbenen Großvaterfreundlich, aber bestimmt dazu aufgefordert,  ins Leben zurückzukehren.

Sayoko widmet sich ihrer Genesung, kümmert sich in Kyōto um das Atelier sowie Yōichis künstlerischen Nachlaß und ist dankbar für die herzliche Geborgenheit, die ihre Eltern und Schwiegereltern ihr schenken. Das Katalogisieren von Yōichis Skulpturen und Skizzen lindert ihre Trauer, gibt ihr eine sinnvolle Beschäftigung und ein Gefühl von ferner Nähe zum verstorbenen Geliebten.

Der Unfall, die Nahtoderfahrung und die Trauer haben Sayoko verändert. Sie geht verwandelt durch die Welt, bemerkt Feinheiten und Farben, die ihr früher entgangen sind, und sie kann die Geister/Seelen der Verstorbenen sehen, die sich noch nicht ganz von der irdischen Welt gelöst haben.

Die Wahrnehmung und Begegnung mit solchen Geistern ist nicht dramatisch, sondern ganz unspektakulär, alltäglich, ja, oft friedlich und in manchen Fällen sogar ganz sympathisch. Nur Yōichi kann sie nicht sehen, da er offenbar leichten Herzens die Erde verlassen hat und nicht „herumspukt“.

Abends besucht Sayoko regelmäßig eine gemütliche Bar, um gewissermaßen rituell „ihre Wunden zu desinfizieren“, wie sie selber scherzhaft anmerkt. Der aufmerksame Barkeeper Shingaki behandelt sie sehr fürsorglich, und auch er scheint über eine Wahrnehmung zu verfügen, die über das übliche hinausgeht.

Sayoko schmeckt zärtlich-wehmütigen Erinnerungen an Yōichi nach, aber sie schließt auch Freundschaft mit Ataru, der um seine verstorbene Mutter trauert und gleichwohl von sehr lebenszugewandter und heiterer Wesensart ist.

Langsam wächst Sayokoks Vertrauen wieder, Dankbarkeit, Hoffnung, Sehnsucht, Zuversicht und freundschaftliche Verbundenheit entstehen in einfacher Selbstverständlichkeit. Sayoko kann sich schließlich mit vertiefter Empfindsamkeit und Daseinsfreude dem Leben zuwenden und den Tod akzeptieren.

Sanftmütig, federleicht und herzenstief wird in „Lebensgeister“ mit Leben und Tod umgegangen. Ganz ohne heiligen Bimbam, unsentimental und doch feinfühlig findet Sayoko ins Leben zurück und öffnet ihr Herz weit für das Jetzt.

Zum Ausklang und zum Lesevorkosten noch drei Zitate:

»Der Tod nimmt nicht mit dem Alter zu. Er ist immer bei Dir, ganz nah. Nur das Denken an den Tod nimmt zu und nagt an der Illusion, vor dem Unausweichlichen noch eine Weile sicher zu sein.« (Seite 105)

»Wenn du zu weit nach vorne schaust, stolperst du. Verweile lieber im Moment, und gehe Schritt für Schritt deinen Weg.«  (Seite 111)

»Wir haben nur das Jetzt, Augenblick für Augenblick, aber welch eine unerschöpfliche Fülle sich allein schon in einem einzigen Moment offenbart!« (Seite 130)

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.diogenes.ch/leser/titel/banana-yoshimoto/lebensgeister-9783257300420.html

Die Autorin:

»Banana Yoshimoto, geboren 1964, hieß ursprünglich Mahoko Yoshimoto. Ihr erstes Buch ›Kitchen‹ schrieb sie während ihres Studiums, jobbte nebenbei als Kellnerin in einem Café und verliebte sich dort in die Blüten der ›red banana flower‹, daher ihr Pseudonym. Ihr Vater Ryumei Yoshimoto war ein bekannter Essayist und Literaturkritiker. Sie schrieb zahlreiche Bücher, die auch außerhalb Japans ungewöhnlich hohe Auflagen erreichten. Ihr Debütroman verkaufte sich auf Anhieb millionenfach – ein Phänomen, für das dann die Bezeichnung ›Bananamania‹ gefunden wurde.«

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