Die Kinderbuchbrücke

  • von Jella Lepman
  • Herausgegeben von der Internationalen Jugendbibliothek http://www.ijb.de
  • unter Mitarbeit von Anna Becchi
  • Neuausgabe Verlag Antje Kunstmann, September 2020 www.kunstmann.de
  • 25,00 € (D), 25,70 € (A)
  • gebunden
  • 303 Seiten
  • mit zahlreichen Fotos
  • 25,00 € (D), 25,70 € (A)
  • ISBN 978-3-95614-392-2

VON  KINDERBÜCHERN,  KINDERHERZEN  UND  WELTVERBUNDENHEIT

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

In diesem autobiografischen Buch lernen wir eine eigenwillige, emanzipierte Frau kennen, die es verdient, mehr ins historische Bewußtsein gehoben zu werden. Jella Lepmans Engagement und Begeisterung für Kinder- und Jugendbücher sowie ihrem versöhnlich-ausgleichenden Umgang mit dem besiegten Nachkriegsdeutschland verdanken wir die Gründung der Internationalen Jugendbibliothek (http://www.ijb.de).

Jella Lepman war in Deutschland aufgewachsen. Als Jüdin durfte sie im nationalsoziali-stischen Deutschland ihren journalistischen Beruf nicht mehr ausüben und emigrierte 1936 über Italien nach London. Sie war früh verwitwet und alleinerziehende Mutter zweier Kinder.

1945 wird Jella Lepman gebeten, als „Adviser“ bzw. „Berater für die kulturellen und erzieherischen Belange der Frauen und Kinder in der amerikanischen Besatzungszone“ zu arbeiten. Der amerikanischen Besatzungsmacht schien es wohl angeraten, für die „Umerziehung der Deutschen“ und eine kulturelle Neuausrichtung auch eine mütter- lich-familiäre, weibliche Perspektive einzubeziehen. Nach einer aufwühlenden Bedenk- zeit überwiegt bei Jella Lepman das Mitgefühl mit den Kindern, und sie sagt ihre Mitarbeit zu.

Jella Lepman beschreibt die deutsche Nachkriegssituation und die damaligen zwischen-menschlichen Gestimmtheiten sehr differenziert, und ebenso differenziert betrachtet sie die amerikanische Einflußdominanz auf die deutsche Gesellschaft. Es herrscht Woh- nungsnot, es mangelt an Nahrung, Heizmaterial, Kleidung und Kinderbetreuungsmög- lichkeiten. Sie trifft auf ehrlich Reumütige, Ewiggestrige, echte und unechte „Wider- standskämpfer“ und die übliche Melange der Mitläufer in jede Richtung.

Neben dem leiblichen Hunger gibt es jedoch auch Lesehunger und kindlichen Wissensdurst. Zwölf Jahre Diktatur, Zensur und Bücherverbrennungen sowie die massiven Ausbombungen haben den Kinderbuchfundus deutscher Kinder drastisch reduziert. Nach und nach reift in Jella Lepman die Idee, eine Wanderausstellung der besten internationalen Kinder- und Jugendbücher zu organisieren und so den deutschen Kindern die weite Welt aus Kinderbuchperspektive näherzubringen.

Zwei Jungen in der Stuttgarter Ausstellung 1946 © Stiftung Internationale Jugendbibliothek

Sie schreibt Bittbriefe an diplomatische Vertretungen, Ministerien und Verlage. Neben erzählerischen Werken bittet sie um Bilderbücher, weil diese eine geringere Sprach-barriere bedeuten, und um Kinderzeichnungen und Kinderbilder, weil Kinder auf diesem Wege unabhängig von Fremdsprachenkenntnissen miteinander kommunizieren können. Die internationale Resonanz ist sehr gut, die Bücherspenden fließen großzügig.

Am 3. Juli 1946 eröffnet schließlich die „Internationale Jugendbuchausstellung“ im Haus der Kunst in München und zieht mehr als eine Million Besucher an. Die Ausstellung wandert – soweit sich passende Räumlichkeiten finden lassen – weiter nach Stuttgart, Frankfurt, Hamburg und Berlin. Das rege Interesse der deutschen Bevölkerung und die lebhafte Aufgeschlossenheit der Kinder bestätigen Jella Lepman darin, aus dieser Ausstellung eine dauerhafte Internationale Jugendbibliothek hervorgehen zu lassen.

Mit bewundernswerter Hartnäckigkeit, Zielstrebigkeit und Charme überwindet Jella Lepmann unzählige bürokratische und finanzielle Hürden, findet Mitstreiter, Sponsoren und prominente Befürworter, u.a. Theodor Heuss, Erich Kästner, Eleanor Roosevelt, die Rockefeller Foundation und die ALA, die „American Library Association“.

Am 14. September 1949 kann die „Internationale Jugendbibliothek“ zunächst in einer Villa in der Kaulbachstraße in München eröffnet werden. Von Anfang an werden dort neben Büchern auch Buchdiskussions- und Theaterspielgruppen, Puppentheaterauf-führungen, Elternabende, Sprachkurse und ein Malatelier angeboten. Außerdem dürfen die Kinder selbst Buchkritiken schreiben, die zum Teil sogar im Jugendfunk gesendet werden.

Kinder in der neueröffneten Internationalen Jugenbibliothek am 14. September 1949 © Stiftung Internationale Jugendbibliothek Foto: Otfried Schmidt

Jella Lepmans ausdrückliche Wertschätzung von Kinderliteratur als „Lebensmittel“ zur Herzensbildung und ihre Bemühungen, Kinderbücher als Boten von Fantasie, Freiheit, Frieden, Mitmenschlichkeit, Toleranz und Vielfalt einzusetzen, regten einen lebhaften internationalen Bücheraustausch an und entsprechende wechselseitige Übersetzungen, wie sie uns heutzutage selbstverständlich erscheinen.

Zudem initiierte sie den Deutschen Jugendliteraturpreis und den Hans Christian Andersen Preis, und sie regte die Gründung des „IBBY“, des International Board on Books für Young People, eines internationalen Kuratoriums für das Jugendbuch, an, was den gesell-schaftlichen Stellenwert und die positive öffentliche Wahrnehmung von Kinder- und Jugendbüchern erhöhte.

Es ist bewundernswert, mit welcher Unermüdlichkeit und welch großen Idealismus Jella Lepman die deutschen Kinder der Nachkriegszeit mit konstruktiver geistiger Nahrung versorgte. Die nachhaltige Wirkung und internationale Anerkennung, die mit der Institution der Internationalen Jugendbibliothek nach wie vor erreicht wird, bestätigen ihr Wirken.

Jella Lepman (links), Elisabeth Ekström (Geschäftsleiterin des Arbeitskreises für Jugendliteratur in München), Astrid Lindgren und die Bibliothekarin Elsa Olenius auf dem IBBY Kongress in Stockholm 1956 © Foto: privat Familie Lepman-Mortara

„Die Kinderbuchbrücke“ ist ein bemerkenswertes Dokument der Versöhnung, Hoffnung und unerschütterlichen Zielstrebigkeit. Jella Lepman schreibt mit weitem Herzen, gro- ßem Weitblick, scharfer Beobachtungsgabe und Humor. Einfühlsam schildert sie ihre Erfahrungen in Deutschland von der Trümmerzeit bis zur Wirtschaftswunderzeit, freut sich daran, wie aus hohlen Kinderwangen wieder runde Bäckchen werden, und beschreibt anrührende Szenen kindlich-begeisterter Reaktionen auf Bücher. Bei all ihrer organisatorischen und argumentativen Arbeit fand sie sogar noch die Muße, für Erich Kästners Kinderbuch „Die Konferenz der Tiere“ Ideen beizusteuern.

Die Neuausgabe der „Kinderbuchbrücke“ wird um ausführliche Anmerkungen ergänzt, die personelle und historische Zusammenhänge erläutern, sowie um eine Kurzbiografie von Anna Becchi, welche Jella Lepmans Lebensstationen jenseits ihres Engagements für die Internationale Jugendbibliothek nachzeichnet. Zahlreiche Fotos der Autorin und ihrer hilfreichen Wegbegleiter sowie hingebungsvoll in Bücher vertiefter Kinder ergänzen und bereichern Jella Lepmans Bericht um anschauliche, anrührende und aussagekräftige Zeitzeugnisse.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.kunstmann.de/buch/jella_lepman-die_kinderbuchbruecke-9783956143922/t-2/

 

Die Autorin:

»Jella Lepman (1891–1970) wuchs in Stuttgart auf. Die jüdische Journalistin und Kinderbuch- autorin emigrierte 1936 nach England und wurde 1945 von der amerikanischen Militär- regierung als Beraterin für den Wiederaufbau nach Deutschland geholt. 1949 gründete sie die Internationale Jugendbibliothek in München, die weltweit größte Spezialbibliothek für inter- nationale Kinder- und Jugendliteratur, sowie 1951 IBBY (International Board on Books for Young People), eine internationale Organisation zur Förderung der Kinder- und Jugendliteratur.«

Querverweis:

Alljährlich erscheint im Verlag edition momente „Der Kinder Kalender“, herausgegeben von der Internationalen Jugendbibliothek. Für diesen Kalender treffen die Bibliotheks-Lektoren aus dem Kinderbuchfundus eine Auswahl von Kindergedichten, die in ihrer jeweiligen Landes- sprache und -Schrift, der dazugehörigen Illustration und einer deutschen Übersetzung jeweils ein Kalenderwochenblatt füllen. So wird Jella Lepmans Idee der Völkerverständigung von Kind zu Kind auf poetische Weise fortgesetzt und in deutsche Kinderzimmer transportiert und weitergesagt.
Den Kinder Kalender für das laufende Jahr (2021) können Sie unter nachfolgendem Link gerne besichtigen: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2020/11/12/der-kinder-kalender-2021/

 

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Arche Kinder Kalender 2017

  • Mit 53 Gedichten und Bildern
  • aus der ganzen Welt
  • Herausgegeben und ausgewählt von der
  • Internationalen Jugendbibliothek, München  http://www.ijb.de
  • erschienen im ARCHE KALENDER VERLAG  www.arche-kalender-verlag.com
  • graphische Gestaltung von Max Bartholl
  • WOCHENKALENDER
  • 60 Blätter
  • 53 vierfarbige Illustrationen
  • Format: 33 x 30,5 cm
  • 18,– €
  • ISBN 978-3-0347-7017-0
  • Für Kinder jeden Alters
    arche-kinder-kalender-2017

AUS  ALLER  HERZEN  LÄNDER

Kalenderbegeisterung von Ulrike Sokul ©

Der Arche Kinder Kalender verknüpft 53 Kindergedichte aus mehr als 30 Ländern zu einem kunterbunten, polyglotten fliegenden Teppich der Poesie. Jedes Gedicht wird jeweils in der Originalsprache und in Begleitung seiner Originalillustration sowie in einer deutschen Textübersetzung dargestellt.

Die Mitarbeiter der Internationalen Jugendbibliothek*, München, schöpfen für die alljährliche, vielsprachige Gedichtauswahl des Arche Kinder Kalenders aus den „grenzenlosen“ Fundus ihrer Kinderlyrik-Sammlung.

Mit diesem Kalender kann man seinem Kinde jede Woche ein illustres Gedicht schmackhaft machen: durch Vorlesen, Anschauen, Drübersprechen und bei besonderem Wohlgefallen sogar durchs Auswendiglernen.

Das Spektrum der Nationalitäten und Kulturen ist ebenso abwechslungsreich wie die lyrischen Stimmungen. Es gibt laute und leise Töne, gereimte und ungereimte Verse, Humor und Wortwitz, Albernheiten und Tiefsinn, Philosophie und Rätsel, Menschliches, Tierisches und Pflanzliches, Alltag und Phantasie, Deutliches und Angedeutetes …

Die stilistische Bandbreite zeigt sich auch bei den originellen Illustrationen. Den bewährten graphischen Feinschliff  und die Formatierung zum Kalenderblatt besorgt der Arche-Verlags-Hausgraphiker Max Bartholl.

Wir lesereisen per Poesiefahrplan von Chile nach China, von Dänemark nach Deutschland, von Grönland nach Griechenland, von Indien nach Italien, von Korea nach Kanada, von den Niederlanden nach Norwegen, von Polen nach Portugal, von Rußland in die Ukraine …  Aus Kindersicht dürfte zudem den teilweise exotischen Schriftzeichen der Originalgedichte eine faszinierende Sehenswürdigkeit innewohnen.

Dank der Übersetzungen und der universellen Bildersprache finden wir eine allen Menschen gemeinsame Kindlichkeit. So mag sich – unter der Flagge der Poesie – Kinderherz mit Kinderherz verbinden.

Im Arche Kinder Kalender 2017 findet sich erstmals ein freigebliebenes Kalenderblatt, das die Kinder selber „bedichten“ und bemalen können. Dieses selbstgestaltete Kalenderblatt kann bis zum 1. Dezember 2017 an die Internationale Jugendbibliothek gesendet werden, welche die fünf schönsten Blätter auswählt und mit einem Arche Kinder Kalender 2018 belohnt.

 

Hier geht es zum Arche Kinder Kalender auf der Verlagswebseite. Dort entblättert er sich auch ein wenig zum Kennenlernen:
http://arche-kalender-verlag.com/arche-kinder-kalender-2017.html

 

arche-kinder-kalender-april-2017arche-kinder-kalender-mai-2017

 

 

 

 

 

 

arche-kinder-kalender-august-2017

 

arche-kinder-kalender-oktober-2017
arche-kinder-kalender-dezember-2017

 

Die Internationale Jugendbibliothek, die ihren Sitz im Schloss Blutenburg in München hat, ist die weltweit größte und renommierteste Bibliothek für internationale Kinder- und Jugendliteratur. Sie wurde 1949 von der deutsch-jüdischen Emigrantin Jella Lepman gegründet, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, mit Kinderbüchern Brücken zwischen den Völkern und Kulturen zu bauen. Bücher sollten die Fantasie der deutschen Nachkriegskinder anregen und ihnen eine offene Weltsicht vermitteln.
Die Idee des interkulturellen Dialogs und die Liebe zu guter Literatur bestimmen seit mehr als 60 Jahren die Arbeit der Internationalen Jugendbibliothek. Sie ist ein Ort, an dem die Literaturvermittlung einen hohen Stellenwert hat und an dem mit Kindern und Erwachsenen der Diskurs über Bücher, Autoren, Illustratoren und Themen gesucht wird

Weitere Informationen:  http://www.ijb.de
Wer Mitglied im »Verein Freunde und Förderer der Internationalen Jugendbibliothek« wird, der bekommt u.a. im ersten Jahr den Arche Kinder Kalender als Begrüßungsgeschenk. http://www.ijb.de/ueber-uns/freundeskreis.html

PS:
Hier sei auch darauf hingewiesen, daß der Arche Verlag außer dem besprochenen Kinder Kalender noch vier weitere beachtenswerte Kalender publiziert hat:

Arche Geburtstagkalender (immerwährend)
http://arche-kalender-verlag.com/arche-geburtstagskalender.html

Arche Küchen Kalender 2017
http://arche-kalender-verlag.com/arche-kuechen-kalender-2017.html

Arche Literatur Kalender 2017
http://arche-kalender-verlag.com/arche-literatur-kalender-2017.html

Arche Musik Kalender 2017
http://arche-kalender-verlag.com/arche-musik-kalender-2017.html

 

 

Ein Pinguin will hoch hinaus

  • Liliane Susewind Band 9
  • von Tanya Stewner
  • Mit Zeichnungen von Eva Schöffmann-Davidov
  • Verlag Fischer Schatzinsel 2013  https://fischerverlage.de
  • gebunden
  • 295 Seiten
  • 12,99 €
  • 978-3-596-85535-3
  • Kinderbuch ab 8 Jahren
    Ein Pinguin will hoch hinaus_978-3-596-85535-3

T I E R V E R S T Ä N D N I S

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Mit Tieren ganz selbstverständlich sprechen zu können, das ist ein Wunsch, den gewiß viele Kinder teilen.

Bei Liliane Susewind ist dieser Wunsch kein Wunsch, sondern eine unerklärliche Gabe, die ihr eine besondere Sensibilität gegenüber Tieren und der Natur verleiht. Tanya Stewner hat mit Liliane Susewind eine glaubwürdig-sympathische kleine Heldin erschaffen, die sich mit Herz und Verstand für das Wohl der unterschiedlichsten Tiere einsetzt.

In jedem Band spielt eine andere Tierart die Hauptrolle. So fing die Serie im Jahr 2007 mit Elefanten an und setzte sich über Tiger und Löwen, Delphine, Schimpansen, Pferde, Pandas, Wölfe und Rehe fort, und im neuesten und neunten Band sind Pinguine dran.

Liliane, kurz Lilli genannt, lebt in einer unkonventionellen Familie: Ihre Mutter ist Fernsehmoderatorin und die Hauptverdienerin, der Vater ist Heilpraktiker und kümmert sich zusammen mit der handwerklich sehr geschickten Oma um den Haushalt. Natürlich hat Lilli ein Haustier, nämlich Bonsai, einen kleinen weißen Hund, und einen tierischen Dauergast aus dem Nachbarhaus, die kapriziöse Katzendame Frau von Schmidt. Lilianes bester Freund, Jesahja, wohnt auch im Nachbarhaus und wird von der Katze gern „mein Hausmännchen“ genannt.

Lillis erste Gabe besteht darin, daß sie mit allen Tieren sprechen kann, was nicht nur für Menschen verwunderlich ist, sondern auch für Tiere, wobei die Tiere sich einfach freuen, endlich einmal verstanden und mit ihren Anliegen und Bedürfnissen ernstgenommen zu werden.

Dank Lillis Übersetzungen findet ein interessanter und oft amüsanter Perspektiv- wechsel statt, der menschliche und tierische Betrachtungsweisen kontrastierend und augenzwinkernd in Szene setzt.

Und Lillis zweite Gabe macht sich bemerkbar, wenn Lilli sich freut und lacht: Dann werden welke Pflanzen wieder frisch, Knospen fangen an zu blühen und Früchte reifen so schnell, daß man dabei zusehen kann.

Lange Zeit war es Lilli und ihrer Familie und einem kleinen Kreis von vertrauens- würdigen Eingeweihten gelungen, Lillis besondere Gaben geheimzuhalten. Aber im neuen Band ist das Geheimnis inzwischen öffentlich bekannt, und Lilli muß sich an alltägliche Paparazzi-Ausweichmanöver gewöhnen.

Der örtliche Zoo, für den sie schon seit dem ersten Tierabenteuer gerne als Tierdol- metscherin zur Verfügung gestanden hat, erwartet eine Lieferung von Pinguinen, die als Problemkinder von diversen anderen Zoos abgegeben werden. Die Zoodirektorin erhofft sich von Lillis Vermittlung eine bessere Eingewöhnung und soziale Neuorientierung der Tiere.

Die Autorin verleiht jedem der Pinguine eine individuelle Persönlichkeit, die sich auch in der jeweiligen Ausdrucks- und Verhaltensweise spiegelt. Ein Pinguin ist traurig, weil er nicht fliegen kann wie ein Vogel, ein anderer beklagt sich über das fehlende Wetter im Zoo, und ein männliches Pinguinpaar wünscht sich unbedingt ein Pinguinkind. Dazu kommt noch eine Gruppe von fünf Pinguindamen (echt kölsche Mädels) mit lieblichen Prinzessinnennamen und einer Neigung zu lautstark-herzhafter, verbaler Schlagfertigkeit.

Das sind viele Themen auf einmal, doch Lilli und Jesahja geben sich wahrlich alle erdenkliche und praktische Mühe, angemessene Lösungen zu finden. Erschwerend kommt das lästige Paparazziproblem hinzu. Die rücksichtlosen Methoden der Medien, irgendwie an sensationelles Bild- oder Tonmaterial zu Lillis Tiergesprächen und ihrem Privatleben zu kommen (Was liegt im Einkaufwagen von Lillis Vater? Ist sie Vegetarierin?), führen zu menschlicher Bestechlichkeit und enttäuschenden Vertrauensbrüchen.

Die lichten und schattigen Seiten zwischenmenschlicher Beziehungen kommen also bei aller Tierliebe und allem Tierverständnis keineswegs zu kurz, und sie werden ebenso nuanciert dargestellt wie die Beziehungen zwischen den Tieren untereinander.

Lillis und Jesahjas Auseinandersetzung mit den menschlichen und tierischen Heraus- forderungen werden einfühlsam und mit einer guten Mischung aus Spannung und Humor erzählt. Zum guten Schluß gibt es sogar eine buchstäblich beflügelnde, himmelhochjauchzende Erfahrung für alle Beteiligten.

Dankbar sagt einer der Pinguine anschließend zu Lilli: „Du bist die beste Menschin der Welt!“

Der Meinung bin ich auch, und ich kann alle neun Liliane-Susewind-Bände nur wärmsten empfehlen:

Band 1: Liliane Susewind – MIT ELEFANTEN SPRICHT MAN NICHT (2007) https://www.fischerverlage.de/buch/tanya_stewner_liliane_susewind_mit_elefanten_spricht_man_nicht/9783596856800
Band 2: Liliane Susewind – TIGER KÜSSEN KEINE LÖWEN (2008) https://www.fischerverlage.de/buch/tanya_stewner_liliane_susewind_tiger_kuessen_keine_loewen/9783104017822
Band 3: Liliane Susewind – DELPHINE IN SEENOT (2008) https://www.fischerverlage.de/buch/tanya_stewner_liliane_susewind_delphine_in_seenot/9783596853298
Band 4: Liliane Susewind – SCHIMPANSEN MACHT MAN NICHT ZUM AFFEN  (2009) https://www.fischerverlage.de/buch/tanya_stewner_liliane_susewind_schimpansen_macht_man_nicht_zum_affen/9783596853557
Band 5: Liliane Susewind – SO SPRINGT MAN NICHT MIT PFERDEN UM (2009) https://www.fischerverlage.de/buch/tanya_stewner_liliane_susewind_so_springt_man_nicht_mit_pferden_um/9783596853755
Band 6: Liliane Susewind – EIN PANDA IST KEIN KÄNGURU  (2010) https://www.fischerverlage.de/buch/tanya_stewner_liliane_susewind_ein_panda_ist_kein_kaenguru/9783596853816
Band 7: Liliane Susewind – RÜCKT DEM WOLF NICHT AUF DEN PELZ (2011) https://www.fischerverlage.de/buch/tanya_stewner_liliane_susewind_rueckt_dem_wolf_nicht_auf_den_pelz/9783596854271
Band 8: Liliane Susewind – EIN KLEINES REH ALLEIN IM SCHNEE  (2012) https://www.fischerverlage.de/buch/tanya_stewner_liliane_susewind_ein_kleines_reh_allein_im_schnee/9783596810826
Band 9: Liliane Susewind – EIN PINGUIN WILL HOCH HINAUS  (2013) https://www.fischerverlage.de/buch/tanya_stewner_liliane_susewind_ein_pinguin_will_hoch_hinaus/9783596855353
Sonderband außerhalb der Reihenzählung: Liliane Susewind –  MIT FREUNDEN IST MAN NIE ALLEIN  (Mai 2014) https://www.fischerverlage.de/buch/tanya_stewner_liliane_susewind_mit_freunden_ist_man_nie_allein/9783596854684
Band 10:
Liliane Susewind – EINE EULE STECK DEN KOPF NICHT IN DEN SAND https://www.fischerverlage.de/buch/tanya_stewner_liliane_susewind_eine_eule_steckt_den_kopf_nicht_in_den_sand/9783596855360
Band 11: Liliane Susewind – EIN EISBÄR KRIEGT KEINE KALTEN FÜSSE https://www.fischerverlage.de/buch/tanya_stewner_liliane_susewind_ein_eisbaer_kriegt_keine_kalten_fuesse/9783737340007
Band 12: Liliane Susewind – GIRAFFEN ÜBERSIEHT MAN NICHT  https://www.fischerverlage.de/buch/tanya_stewner_tanya_stewner_liliane_susewind_giraffen_uebersieht_man_nicht/9783737340021
Band 13: Liliane Susewind –  EIN SEEHUND TAUCHT AB (2019)   https://www.fischerverlage.de/buch/tanya_stewner_tanya_stewner_liliane_susewind_ein_seehund_taucht_ab/9783737341646

Hier entlang zur Liliane-Susewind-Webseite:   https://www.liliane-susewind.de/

Hier entlang zum besprochenen Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.fischerverlage.de/buch/tanya_stewner_liliane_susewind_ein_pinguin_will_hoch_hinaus/9783596855353

Die Autorin:

»Tanya Stewner wurde 1974 im Bergischen Land geboren und begann bereits mit zehn Jahren, Geschichten zu schreiben. Sie studierte Literaturübersetzen, Englisch und Literaturwissenschaften in Düsseldorf, Wuppertal und London und widmet sich inzwischen ganz der Schriftstellerei. Die Autorin lebt und arbeitet in Wuppertal.«

 

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