Der rubinrote Mantel

  • von Katarina Genar
  • Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann
  • Umschlagillustration und Vignetten
  • von Lina Bodén
  • Verlag Urachhaus, August 2014   http://www.geistesleben.de
  • 127 Seiten, gebunden
  • 13,00 €
  • ISBN 978-3-8251-7876-5
  • ab 9 Jahren
    Der rubinrote Mantel

S E E L E N V E R W A N D T E

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Jeder Mensch ist eine Geschichte, und manche Dinge, die uns begleiten, sind mehr als bloße Requisiten; solche Dinge haben eine starke Gefühlsladung, die noch lange nach- wirken kann. Um ein solches seelisches Echo geht es in der Geschichte von Livia und Elin.

Livia ist ein Einzelkind, und ihre Wahrnehmung ist etwas vielschichtiger, oder sagen wir: einfach bunter; so hat z.B. jeder Wochentag eine eigene Farbe. Da trifft es sich gut, daß sie zu ihrem elften Geburtstag, der diesmal auf einen Montag fällt, u.a. einen rubinroten Wintermantel mit schwarzen Samtknöpfen geschenkt bekommt, denn der Montag ist in Livias Gefühlsgestimmtheit rubinrot.

Der Mantel ist nicht neu, sondern aus einem Trödelladen, und Livias Mutter hat ihn aus einer nostalgischen Anwandlung heraus gekauft. Der Mantel paßt wie maßgeschnei- dert, und Livia hat das vage Gefühl, mit diesem Kleidungsstück ein Erbe anzutreten.

Nach dem Frühstück macht sich Livia auf den Weg zur Schule, und dabei nimmt sie wie gewohnt die Abkürzung über den Friedhof. In der Schule wird Livias Mantel gebührend bewundert, und ihre beste Freundin, Klara, probiert ihn auch einmal an, doch irgendwie paßt er ihr nicht richtig, sie findet den Stoff kratzig.

Livia ist in ihrer Begeisterung für den neuen, alten Mantel nicht zu erschüttern. Nach dem Unterricht will sie die übliche Abkürzung über den Friedhof nehmen. Doch diesmal wird aus der Abkürzung ein Umweg. Aus einer unerklärlichen Regung heraus spaziert sie in einen Bereich des Friedhofs, wo die Gräber nicht mehr gepflegt werden und die Toten schon so lange ruhen, daß sie wohl ganz vergessen worden sind.

Gegenüber einer steinernen Bank entdeckt Livia den kleinen Grabstein eines Kinder- grabes mit folgender Beschriftung: »ELIN HEDBERG 1921 – 1932«. Livia ist seltsam angerührt vom Tode dieses Mädchens, und an den folgenden Tagen besucht sie immer wieder dieses verlassene Grab und schmückt es mit einem Mosaikherz aus Kastanien, Blättern, Vogelbeeren und Hagebutten. Schließlich stellt sie noch ein Windlicht auf und betrachtet zufrieden ihr Werk.

Nach und nach bekommt Livia heraus, welche schicksalhafte Verbindung zwischen dem geheimnisvollen Mantel und der so früh verstorbenen Elin besteht. In einer der Mantel- taschen findet sie verborgen im Futter einen kleinen silbernen Schlüssel. Bei ihren regelmäßigen Friedhofsbesuchen trifft sie zufällig einen Menschen, der ebenfalls das Grab von Elin schmückt und der vor langer Zeit das Tagebuch von Elin „geerbt“ hat.

In die Darstellung der Geschichte von Livia sind die alten Tagebucheintragungen von Elin eingefügt. So begleitet Elins autobiographische Stimme, die empfindsame Spurensuche Livias.

Katarina Genar erzählt die Geschichte dieser beiden Mädchen sehr einfühl- sam und mit großer Herzenstiefe. Es gelingt ihr, eine sensible Spannung zu erzeugen, die nicht mit eindeutigen Erklärungen aufgelöst wird, sondern die einfach in der Schwebe des Geheimnisvollen bleibt. Auf diese Weise meistert sie die Kunst, Seelengröße in ein kleines Buch zu zaubern.

 

Hier entlang zum Buch  und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.geistesleben.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Kinderbuch/Der-rubinrote-Mantel.html

Die Autorin:

»Katarina Genar wurde 1973 im schwedischen Linköping geboren. Nach Jahren in Deutschland, Frankreich und Stockholm lebt sie heute mit ihrer Familie wieder in ihrer Geburtsstadt. Sie ist als Logopädin tätig und schreibt daneben magisch-realistische Kinderbücher mit einer geheimnisvollen, ganz eigenen Note. Der rubinrote Mantel ist das erste ihrer Bücher, das auch auf Deutsch erscheint.«

 

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Heute bin ich Tigermaus

  • Allererste Vorlesegeschichten
  • Text und Illustrationen von Stefanie Dahle
  • Arena Verlag,  Juli 2012  http://www.arena-verlag.de
  • Pappe mit formgestanztem Register
  • und Glitzereffekten auf allen Seiten und auf dem Titelbild
  • 23,5  x  23,5 cm
  • 14 Seiten
  • 12,99 €
  • ISBN 978-3-401-09630-8
  • ab 2 ½ Jahren

978-3-401-09630-8.jpg Heute bin ich Tigermaus
GEMAUSERTER   MÄUSERICH

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der kleine Mäuserich Friedrich lebt mit einigen Mitmäusen in einem gemütlichen Trödelladen. Des Nachts erkundet er das schöne Sammelsurium heimatloser Dinge.

In der Einstiegsgeschichte weckt eine rot-goldene Puderdose seine Mäuseneugier. Da er weiß, daß die Menschen sich mit Puder verschönern, beschließt er, sich ebenfalls mit diesem Puder anzuhübschen. Außerdem hofft er, damit nicht mehr so langweilig mausbraun auszusehen und  die Aufmerksamkeit der kleinen Mäusedame Milla zu erregen. Vor dem Schlafengehen bestäubt er sich ausgiebig mit dem Puder bis sein Fell vor lauter Puder glänzt und glitzert.

Als Friedrich in der nächsten Nacht aufwacht (zweite Geschichte), hat er ein Tigerfell. Offenbar enthält die Puderdose keinen gewöhnlichen Schminkpuder, sondern einen geheimnisvollen Zauberpuder. Stolz präsentiert er sich den anderen Mäusen als starke Tigermaus, aber die machen sich – mit Ausnahme von Milla – über ihn lustig. Und dann riecht er auch noch nach Katze, das ist gar nicht mäusemäßig. Also bestäubt er sich in der Hoffnung auf eine bessere Verwandlung erneut mit dem Zauberpuder.

In der dritten Geschichte erwacht Friedrich nun als Erdbeermaus, in der vierten Geschichte als Fischmaus und in der fünften Geschichte als Drachenmaus.

All diese Verwandlungen sind für Friedrich und die anderen Mäuse spannend, abenteuerlich und lustig, aber Friedrich kommt am Ende der fünften Geschichte doch zu der Einsicht, daß er lieber wieder ein gewöhnlicher Mäuserich wäre.

In der sechsten und letzten Geschichte ist es schließlich so weit: Friedrich erwacht wieder in seinem eigenen Mäusepelzchen, und er fühlt sich ganz und gar wohl in seinem eigenen Fell. Die Mäuseschar sitzt behaglich um ein „Lagerfeuerteelicht“  herum und erzählt sich Geschichten über Tigermäuse, Erdbeermäuse, Fischmäuse und Drachen- mäuse. Milla macht Friedrich ein liebes Kompliment zu seinem Mäusefell, und die beiden teilen sich ein Stückchen Käse.

„Heute bin ich Tigermaus“ von Stefanie Dahle ist ein schönes, phantasie- volles und warmherziges Vorlesebuch mit kurzen und trotzdem handlungs- reichen Geschichten. Die ganzseitigen Illustrationen sind romantisch-verträumt, freundlich-bunt und im besten Sinne niedlich, sogar ein putziges Silberfischchen kommt auf zwei Seiten zum Vorschein. Der auf jeder Seite punktuell aufgebrachte Glitzerlack ist ein angemessener Blickfang für Kinderaugen und unterstreicht das zauberhafte Element der Geschichten.


PS:
Aktualisierungsnachtrag: Leider ist dieses Buch inzwischen vergriffen. Sie können es nur noch auf antiquarischem Wege versuchen …

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Stefanie Dahle wurde 1981 in Schwerin geboren und hat schon als Kind viele Stunden damit verbracht, Bilderbücher anzuschauen oder Zimmerwände zu bemalen. An der HAW Hamburg hat sie dann Illustration studiert – und gestaltet heute selbst fantasievolle und wunderschöne Bilderbuchwelten, in die man sich stundenlang hineinträumen kann. Seit 2007 arbeitet sie exklusiv für den Arena Verlag.«

 

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