Der letzte Tiger

  • Bilderbuch
  • Text und Illustration von Rebecca Elliott
  • Ins Deutsche übertragen von Annette Moser
  • KERLE Verlag,  Februar 2013                                  http://www.kerle.de
  • 32 Seiten, gebunden
  • Format 21,5  x  26 cm
  • 12,99 € (D), 19,50 sFr.
  • ISBN 978-3-451-71158-9
  • ab 4 Jahren
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IM  GARTEN  DES  HERZENS

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die Rettung oder Erhaltung der Welt ist ganz gewiß ein Thema für Kinder, werden sie doch wahrscheinlich noch viel länger mit der Welt auskommen müssen als wir Erwachsene.

Rebecca Elliott erzählt mit wenigen, aber wesentlichen Worten und mit stimmungsvollen Bildern ein zeitgemäßes Märchen:

Ein kleiner Junge namens Luka lebt in einer städtischen, leblosen, ergrauten Welt, in der die Menschen die Natur vergessen haben und in der Pflanzen und Tiere fast nicht mehr vorkommen. Eines Nachts verfängt sich die Pfote des letzten Tigers in einer Blechbüchse. Luka hört es scheppern, und er entdeckt den Tiger. Er hilft ihm, sich von dem Schrott zu befreien, und der Tiger läuft fort. Luka verfolgt ihn bis zu einer verborgenen Höhle. Dort schenkt derTiger dem Jungen eine wunderschöne Blume zum Dank.

Die beiden freunden sich an und spielen ausgelassen miteinander. Die Doppelseite in der Mitte des Bilderbuches mit den ausdrucksvoll verspielten und warmherzigen Freundschaftsszenen finde ich ganz besonders gut gelungen.

Doch das Geheimnis der beiden ungleichen Freunde bleibt nicht lange geheim; der Tiger wird gefangen und in einem Käfig der Schaulust der Menschen preisgegeben.

Luka  sucht in seiner Verzweiflung die Tigerhöhle auf und findet am anderen Ende der Höhle einen Garten mit Pflanzen, Tieren und den vielfältigen Farben des Lebens.

Es gelingt Luka, die Menschen mit dem Versprechen auf „Etwas ganz Besonderes“ dazu zu bewegen, den Tiger freizulassen.

Gemeinsam führen sie die Menschen in das vergessene Paradies. Die Menschen bekommen Sehnsucht nach der natürlichen Schönheit der Welt und wollen sie wieder „zum Leben erwecken“.

So beginnen sie mit Hilfe des Tigers, die Welt in eine – ich bezeichne es einmal ganz überparteilich – grüne Richtung zu verändern.

„Der letzte Tiger “  ist ein liebevoll gestaltetes Bilderbuch, das ich nur jedem empfehlen kann, der möchte, daß konstruktive, naturverbundene geistige Samen in Kinderherzen gelegt werden.

 

 

Die Autorin:

»Rebecca Elliott, geb. 1979, hat ursprünglich Philosophie studiert. Nach einem langweiligen Bürojob erfüllte sie sich 2002 ihren Kindheitstraum und wurde zunächst als Illustratorin, später auch als Autorin tätig. Seither hat sie viele schöne Bücher veröffentlicht. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Suffolk/England.«

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Der Tigerbericht

  • übermittelt und erläutert von Shunryu Suzuki-roshi
  • aufgeschrieben und erzählt von Dietrich Wild
  • Bilder von Holde Wössner
  • Sheema Medien Verlag 2004   http://www.sheema-verlag.de
  • illustrierte Buchausgabe, gebunden
  • 72 Seiten
  • 5 Abbildungen
  • Lesezeichen
  • mit 2 Audio-CDs
  • 29,70 €
  • musikalische Begleitung: Al Gromer Khan
  • ISBN 978-3-931560-17-1
    buchcover_tigerbericht

BÜCHER  ZU  LESEN  HEISST  AUCH  BÜCHERN  ZU  LAUSCHEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Beim Tigerbericht, der in Kombination von Textbuch und Hörbuch vorliegt, bietet sich die Gelegenheit, je nach Neigung lesend zu lauschen oder lauschend zu lesen. In jedem Falle werden sich die KonZENtration, die erfrischende Weite und die weise Gelassenheit dieser Geschichte wohltuend offenbaren.

Der Erzähler erzählt, wie er bei einer einsamen Wanderung durch die Wüste Sinai an einer Oase rastet und einem Meister begegnet. Zunächst wird er ohne Worte unterrichtet, durch freundliches, achtsames Wahrgenommensein und alltägliche Verrichtungen: Wasser holen, Feuer machen, Teetrinken, Lächeln, Verbeugungen und durch einfaches miteinander Schweigen. Ein Dialog entsteht erst, nachdem der Wanderer sich vollkommen der Stille hingegeben hat. Danach vermittelt ihm der Meister gleichnishaft anhand des Tigerberichtes den Wesenskern der Lehre des Zen-Buddhismus.

„Der Tiger tut das, was er tut, ganz. Er geht nicht zur Tränke, ehe er durstig ist. Er geht nicht vom Bach fort, ehe sein Durst gestillt ist. Auch wenn er sichert, tut er dies ganz und mit allen Sinnen. Er kratzt sich nicht am Hintern, während er wittert. Er pinkelt nicht, während er lauscht. Er tut stets das eine oder das andere. Er ist ganz und gar einfach. Und doch erlebt der Tiger alles, was er erlebt, mit einer vielen Menschen unvorstellbaren Intensität.“

„Wenn dein Geist groß und weit ist und gähnend leer, dann ist darin Platz für alles, was immer geschieht. Wenn er aber klein ist und eng und möbliert mit Wissen und Erinnerungen und Befürchtungen, dann ist darin vor lauter solchem Gerümpel kein Platz mehr für das Neue. Das Jetzige. Das Lebendige. Das Wahre.“

 „Der Tiger ist über die fünf Sinne mit der Außenwelt in Verbindung und sie mit ihm. Er ist ganz und gar in der Welt, und diese Welt ist in ihm, denn er ist vollkommen leer. Kein Tigerstolz. Keine Tigerbiografie. Kein Tigerkindheitstrauma. Kein Tigerzukunftsprojekt. So ist er mühelos bemüht zu sehen, zu hören, zu riechen, zu schmecken, zu fühlen und zu denken, was ist.“

Die schmucklose Sprache ist von einer poetischen und philosophischen Präzision, die Inhalt und Form zu einer stillen Harmonie vereint und gerade durch das Weglassen übergewichtigen Wortgepäcks eine Ruhe und kontemplative Präsenz hervorzurufen vermag, die den Leser – weit über jedes Wort hinaus – zuhören lehrt.

Für mich ist diese Wirkung stärker, wenn ich der angenehm sonoren Stimme des Erzählers (der Autor liest selbst und macht das wirklich gut) folge und einfach lausche. Beim Hinhören füge ich mich dem besinnlichen Tempo, der untermalenden Musik, den Atempausen… Dies ist eine reinigende Erfahrung, die sich durch Wiederholung nicht verschleißt, sondern vertieft.

Der Tigerbericht ist eine gute Medizin, wenn man mal wieder in komplizierten Gedankengebäuden herumirrt und sich selbst zu ernst und das Leben zu schwer nimmt. Er räumt die Gedanken auf, klärt und leert den aufgewühlten Geist, schärft die Sinne und erinnert mit unaufdringlicher Eindringlichkeit an das Wesentliche: an das Dasein und Dabeisein im Jetzt und an die heilsame Selbstvergessenheit im reinen Tun.

Wer bin   i c h   noch, wenn das Lesen liest und das Hören hört?   I c h   werde leichter, die Egobetonung verschwindet und gibt dem Leben Raum.

So einfach ist das!

 

Weitere Informationen auf der Verlagswebseite:
http://www.sheema-verlag.de/verlagsprogramm/der-tigerbericht/


»Shunruy Suzuki-roshi,
geboren 1904 in Shonganji, einem ländlich-armen buddhistischen Tempel bei Tokio, ging im Alter von 55 Jahren mit seiner Familie nach Kalifornien, wo sich rasch Schüler aus  aller Welt im Zen-Center von San Francisco um ihn scharten. Er starb am 4. Dezember 1971.«

»Dietrich Wild,  geb. 1942, der Übermittler des “Tigerberichts” stieß im Dezember 1975 im berühmt chaotischen Anglia Bookshop in München auf den bis dahin einzigen Text aus Suzuki-roshi´s Denken, das Buch “Zen Mind, Beginner`s Mind”. Während der Lektüre fasste er den Entschluss, nach Kalifornien zu gehen und Suzuki-roshi´s Schüler zu werden. Im Dezember 1979 reichte das Geld für die Reise: im Zen-Center in San Francisco bat er, den Meister sehen zu dürfen. Das sei unmöglich, sagte man ihm: Suzuki-roshi sei seit acht Jahren tot.
Für den Autor änderte sich also nichts: Shunryu Suzuki-roshi hatte ihn all die Jahre angeleitet mit seinen Unterweisungen für den in jedem Augenblick des Alltags praktizierten Zen: Alles ist Zen, ohne Tempel, ohne Mönchskostüm, ohne Firlefanz – nichts Besonderes! Immerwährender Anfänger, schrieb er im Winter 1985/86 nach mehreren Aufenthalten in der Abgeschiedenheit des Sinai, den “TIGERBERICHT” auf. Dietrich Wild lebt zurückgezogen in einem Zen-Kloster in Japan.«

»Al Gromer Khan, geboren 1946, wurde in die Imdad Khani-Gharana, die legendäre Dynastie der Sitarspieler aufgenommen, die bis ins Indien der Moguln zurückreicht. Seinen eigenen Stil hat er aus der vornehmen Tradition von Ustad Vilayat Khan entwickelt. Er ist der Schöpfer der kontemplativen Paisley Music