Der Wunderkasten

  • von Rafik Schami
  • mit Bildern von Peter Knorr
  • Bilderbuch Sonderausgabe
  • Edition Bracklo 2017    www.edition-bracklo.de
  • in rotes Leinen gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 27,9 × 19,5 × 1,0 cm
  • 52 Seiten
  • durchgehend farbig illustriert
  • 29,80 €
  • ISBN 978-3-9817443-2-3
  • ab 6 Jahren

MULTIMEDIA  DES  HERZENS

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das orientalische Geschichtenerzählen ist eine alte Kunst, die Rafik Schami bereits seit Jahrzehnten gekonnt und warmherzig nach Deutschland und in die Gegenwart transportiert. „Der Wunderkasten“ erschien zum ersten Mal im Jahr 1990 im Verlag Beltz & Gelberg. In diesem Jahr präsentiert uns die Edition Bracklo eine luxuriöse Sonderaus-gabe in edler, bordeauxroter Leinenbindung und mit neuen Illustrationen von Peter Knorr.

Rafik Schami erzählt, wie er als Kind voller Hingabe und Verzauberung dem alten Geschichtenerzähler lauschte, der regelmäßig durch die Gassen Damaskus‘ wanderte und Kinder für einen Piaster oder ein Glas Wasser in seinen Wunderkasten schauen ließ. Die Kinder konnten durch eine kleine Glasscheibe eine Bilderrolle mit alten Zeichnungen sehen, eine Luke im Kasten diente als spärliche Beleuchtung.

„Der Wunderkasten“ von Rafik Schami, Illustration von Peter Knorr © Edition Bracklo 2017

Während der Geschichtenerzähler langsam die Bilderrolle drehte, erzählte er mit gekonnter Stimmdramaturgie die märchenhafte Liebesgeschichte zwischen dem armen Hirten Sami und der rosenschönen Leila aus reichem Hause. Sami muß schwere Prüfungen bestehen, bis er und Leila heiraten dürfen. Er muß sie aus Räuberhand befreien, ihrem Vater Löwenmilch zur Genesung bringen und sogar 300 Kamele aufbieten, bis der Vater widerwillig dieser unerschütterlichen Liebe nachgibt.

Und wie es in orientalischen Geschichten üblich ist, ranken sich um die Hauptgeschichte kleine Nebenschicksale und Zugabeerzählungen, die nur kurz angedeutet werden, um ein anderes Mal vielleicht ebenfalls zu Wort zu kommen. Manchmal drängelt sich die Geschichte in der Geschichte auch vor, das erweitert die Erzählrichtung und erschafft ein buntes und komplexes Textgewebe.

Die schönen klassischen Zeichnungen der Bilderrolle sind mit der Zeit verblaßt und wurden durch moderne Reklameschnipsel und Zeitschriftenfotos geflickt und ausgebessert, was der traditionellen Erzählweise nicht gut bekam. Die Kinder hörten nicht mehr richtig zu, sie plapperten die passenden Werbesprüche und Reklamelieder zu den neuen Bildern, und der alte Mann zog sich traurig und beschämt zurück.

Nach einer längeren Abwesenheit, die für viele Spekulationen Raum bot, kam er jedoch eines Tages wieder. Sein Kasten enthielt nun gar keine Bilderrolle mehr.  Die Kinder folgten gleichwohl neugierig und gespannt seiner munteren Geschichteneinladung, lauschten der Stimme des alten Erzählers, schauten dabei in den dunklen Kasten, und am Ende der Geschichte strahlten sie und sprachen von den Wundern, die sie „gesehen“ hatten.

Das ist ja eben die Zauberkunst, mit Worten zu malen und Kinder zu lehren, mit dem Herzen zu sehen!

Die feinen Illustrationen von Peter Knorr spiegeln die Rahmenhandlung und die märchenhafte Geschichte in der Geschichte stimmungsvoll wider. Die Charaktere und die Handlung werden ebenso einfühlsam wie schelmisch erfaßt und bis in kleinste Details achtsam in Bilder und Farben übertragen, die den warmherzigen, heiter-abenteuerlichen Erzählstil Rafik Schamis harmonisch abrunden.

Auch die Materialgestalt dieser Sonderausgabe verdient ausdrücklich-lobende Erwähnung:

Der rote Leineneinband ist sozusagen der Theatervorhang; schlägt man ihn auf, betritt man auf den Vorsatzblättern orientalische Fliesen und blättert sich von Seite zu Seite auf angenehm weichgriffigem Papier durch ein belebtes Altstadtviertel Damaskus‘ sowie durch das bunte Märchen der Liebesgeschichte von Leila und Sami. Und ganz zum Schluß schaut uns das charakterstarke, lebenserfahrene und gütige Gesicht des alten Geschichtenerzählers unmittelbar ins Herz.

Der Wunderkasten“ von Rafik Schami, Illustration von Peter Knorr © Edition Bracklo 2017

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.edition-bracklo.de/?product=der-wunderkasten-leinengebundenes-bilderbuch-von-rafik-schami-mit-bildern-von-peter-knorr

Der Autor:

»Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren und wanderte 1971 in die Bundesrepublik Deutschland ein. Er studierte Chemie in Heidelberg und schloss sein Studium 1979 mit der Promotion ab. – Heute zählt er zu den bedeutendsten Autoren deutscher Sprache und gilt als der Wortzauberer und Geschichtenerzähler schlechthin. Seine zahlreichen Bücher für Kinder und Erwachsene erschienen in 29 Sprachen und wurden mit vielen Preisen ausgezeichnet. Seit 2002 ist Rafik Schami Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.«

Der Illustrator:

»Peter Knorr wurde 1956 in München geboren. Er studierte in Mainz Kunsterziehung. Heute arbeitet Peter Knorr als freischaffender Illustrator und Grafiker. Er hat eine Vielzahl an Kinderbüchern illustriert und Bucheinbände gestaltet, u.a. für Werke von Erich Kästner, Peter Härtling, Kirsten Boie, Paul Maar und Rafik Schami. Peter Knorr ist außerdem bekannt als Zeichner für die beliebte ZDF-Kinderserie „Siebenstein“. Für seine Arbeiten wurde Peter Knorr bereits im Rahmen des Wettbewerbes „Die schönsten Deutschen Bücher“ von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet.«

 

PS:
Gerne reihe ich diese Bilderbuchbesprechung in Petra Pawlowskys Fundgrube für das Projekt KINDER IM AUFWIND ein:
https://pawlo.wordpress.com/home-2/fundgrube-fuer-kinder-im-aufwind/

 

 

 

 

 

Klangmeditationen für Körper & Seele

  • Geführte Meditationen zur Entspannung und Stärkung der Selbstheilungskräfte
  • von Bettina Steiner
  • Text und Stimme: Bettina Steiner
  • Klangschalen, Gongs, Monochord und Harfe: Bettina Steiner
  • Percussion: Martin Ruhland
  • Aufnahme, Mischung und Mastering: Rhythmus Studio Berlin, Alex Hötzinger
  • Grafikdesign: Ela Samson
  • Fotos: Monika Moosreiner
  • 1 CD in Pappklappschuber
  • Spieldauer 57:30 Min.
  • 17,80 €
  • Bezug über:
  • http://www.malamusic.de/
  • http://www.silenzio.com/
  • http://www.buecher.de/
    KLANGMEDITATIONEN CD-Titelbild

    CD Klangmeditationen © Bettina Steiner

     

GESTIMMTE  STILLE

CD-Besprechung von Ulrike Sokul ©

Für diese Heilkur brauchen Sie keinen langen Weg zurückzulegen. Sie können einfach bequem zu Hause bleiben,  Sie legen die CD ein, machen es sich im Sitzen oder Liegen gemütlich und geben sich dem Lauschen hin, und Sie können die Klangmeditationen sooft es Ihnen gefällt, wiederholen und genießen …

Bettina Steiners natürlich-sanftmütige Stimme leitet Sie nach einer kurzen Einleitung und klanglichen Einstimmung in eine geführte Körperentspannung (ca. 22 Minuten Dauer); im Anschluß daran erfolgt eine klangliche Harmonisierung und danach eine geführte Meditation zum Ursprung der Selbstheilungskräfte (ca. 20 Minuten Dauer); zum Ausklang gibt es eine kurze klangliche Harmonisierung und Aktivierung.

Die instrumentale Begleitung – musikalisch wäre zuviel gesagt, da keine Melodien erklingen –  durch Gongs, Klangschalen, Monochord, Harfe und Percussion erzeugt lange nachschwingende, leise verhallende Töne, welche die Stille einleiten.

Der CD-„Beipackzettel“ verlautet: »Folgen Sie dem Klang der Stille und kommen ganz bei sich an. Die Klänge finden ganz von selbst ihren Weg dorthin, wo sie heilsam und harmonisierend wirken können… Die Klänge der Klangschalen und Gongs entspannen und wirken auf der Körperebene wie eine feinstoffliche Massage.«

Der Wechsel von Klang, Stille und Stimme ruft ein Empfinden von Zeitlosigkeit und innerer Weite hervor. Der Raum zwischen Klang und Stille ist eine sanfte Übung des Nach-innen-Hörens.

Während die erste Meditation den Körper entspannt und „erleichtert“ und dadurch seine Präsenz und Empfänglichkeit erhöht, führt die zweite Meditation imaginativ in eine Seelenlandschaft und verbindet den Lauschenden mit seinen natürlichen Selbstheilungskräften. Dies kann uns auf eine heilsame Balance von Körper, Geist und Seele einstimmen.

Die erstaunliche Entspannungswirkung der Klangmeditationen kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Vor lauter Entspannung verschlief ich dreimal hintereinander die zweite geführte Meditation. Erst am vierten Tage war ich offenbar ausgeRUHT genug, um beiden Meditationen bewußt und aktiv zu lauschen.

Mit ihrer klaren, sympathisch-vertrauenerweckenden Stimme, in der ein Lächeln mitschwingt, mit der liebevollen Wortwahl und der dezenten Klangbegleitung gelingt es Bettina Steiner, dem Hörer harmonisierende Impulse zu vermitteln.

Auf diesem Wege vertiefen wir auch den EINKLANG mit unserer Seele…

Direktlink zur CD nebst Hörproben:
http://www.malamusic.de/praxis-cds/klangmeditationen-f%C3%BCr-k%C3%B6rper-und-seele/

 

Die Klangkünstlerin:

»Bettina Steiner wirkt als Licht- und Klangheilerin. Sie gibt Einzelsitzungen, veranstaltet Klangmeditationen sowie Klangreisen und leitet Seminare zu den Themen Medialität, Licht- und Klangheilung. Sie empfindet Licht und Klang als die Ursprünge unserer Schöpfung und somit als liebevolles und wirkungsvolles Instrument der Heilung.«
mehr unter: www.herz-und-seele.com
www.lichtklaenge.com

Außerdem pflegt Bettina Steiner das sehr empfehlenswerte, liebevoll inspirierende WordPress-Blog:
HERZUNDSTERNENKIND      https://herzundsternenkind.wordpress.com/
Hier finden sich energetische „Erste Hilfe“-Anregungen, Meditationen, kleine Geschichten aus dem Allgäu, herzerfüllte musikalische Kostproben und heilsame Rezepte sowie berührende Lichtimpulse und ein poetischer Sternenspaziergang

 

 

 

Küss mich, Kanzler!

  • Haushaltsdebatten bei Merkels
  • HÖRSPIELE
  • Sprecher: Antonia von Romatowski, Stefan Lehnberg
  • Text und Regie: Stefan Lehnberg
  • 1 CD, 70 Minuten Laufzeit
  • der Hörverlag Juli 2013, 9,99 €                                                   http://www.HOERVERLAG.DE
  • ISBN 978-3-8445-1213-7
    Kuess mich Kanzler von Stefan Lehnberg

MERKELSCHE  MINIATUREN

Hörspielbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die Mini-Hörspielsammlung „Küss mich, Kanzler!“ ist das ideale Gastgeschenk zur Wahlparty, falls Ihnen der Anlaß ein Grund zum Feiern sein sollte. Wenn nicht, dann gönnen Sie sich selbst das Vergnügen, diesen parteiübergreifenden Haushaltsdebatten zu lauschen.

Antonia von Romatowski „entspricht“ der Stimme Angela Merkels täuschend echt. Seit 2008 imitiert sie die Bundeskanzlerin in der täglichen Radiosendung „Küss mich, Kanzler!“, zu der Stefan Lehnberg die Texte verfasst. Dieser spricht die Rolle von Joachim Sauer.

Stefan Lehnberg und Antonia von Romatowski – beide ausgebildete Schauspieler – klingen wie ein altes, gut eingespieltes Ehepaar, ja, sie zelebrieren ihre Parodien sogar mit lebhafter Spielfreude und ausdrücklichem Genuß.

Die kleinen Haushaltsepisoden und ehelichen Dialoge sind voller witziger, wortspielerischer Politikpolemik, pointiert, manchmal lustig absurd, manchmal unterhaltsam realitätsnah und dramaturgisch immer sehr gut in Szene gesetzt; ganz zu schweigen von den köstlichen Gesangseinlagen:  „Der Kanzla Rap“, „Pokerface“ und „Für mich soll‘s rote Rosen regnen“.

Auf der CD befinden sich 46 Mini-Hörspiele; meine Lieblingsstücke sind „Gysis Papagei“, „Hausmeister“, „Die Goldreserve“,  „Die kleine Blonde mit den quietschenden Schuhen“, „Delphine“, „Als Sekretärin“ und „Staubsauger-Commander“.

Doch was dränge ich Ihnen hier meine persönlichen Vorlieben auf – schließlich leben wir in einer Demokratie:  Also hören Sie selbst, und vor allem:  WÄHLEN sie selbst!!

Tante Julia und der Kunstschreiber

  • von Mario Vargas Llosa
  • HÖRSPIEL
  • der Hörverlag  November 2010    http://www.hoerverlag.de
  • 10 CDs
  • Spielzeit: 723 Minuten
  • Sprecher: André Jung, Herlinde Latzko, Christoph Bantzer u.a.
  • 29,95 € (D),  29,95 (A),  41,90 sFr.
  • ISBN 978-3-86717-725-2

978-3-86717-725-2

APPLAUS!  BRAVO!!  DA  CAPO!!!

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul  ©

Applaus – für  diese großartige Hörspielproduktion des Schweizer Radios DRS aus dem Jahre 2002! Acht Jahre vor der Verleihung des Literaturnobelpreises an Mario Vargas Llosa wurde seinem Roman „Tante Julia und der Kunstschreiber“ mit dieser Hörspielfassung  kongenial die Ehre gegeben.

Unter der Regie von Claude Pierre Salmony und der sehr originaltextnahen Hörspielbearbeitung und Co-Regie von Daniel Howald  ist ein geistreicher und opulenter Ohrenschmaus entstanden. Mit viel Liebe zum Detail wurden die Dialoge mit Originalaufnahmen aus Lima hinterlegt. Die Geräusche von Straßen, Cafés und Kirchen sowie gelegentliche musikalische Einstreuungen tragen sehr zur dramaturgischen Einstimmung bei und werden durch die wiederkehrende, sehr tänzerische Einspielmelodie vor jedem neuen Kapitel ergänzt.

In „Tante Julia und der Kunstschreiber“ erzählt Vargas Llosa die autobiographisch inspirierte Liebesgeschichte von Mario und Julia. Im Lima der Fünfzigerjahre studiert Mario nachlässig Jura, arbeitet als Nachrichtenredakteur für Radio Panamericana und träumt davon, als Schriftsteller in einer Mansarde in Paris zu leben. Seine Erzählungen landen zwar meist im Papierkorb, aber Mario ist von seiner schriftstellerischen Berufung überzeugt. Er wohnt bei seinen Großeltern und ißt bei den diversen Tanten und Onkeln seines ausufernden Familienclans zu Mittag. Bei einem dieser Essen trifft er auf seine angeheiratete Tante Julia, die frisch geschieden nach Lima gekommen ist, um einen neuen Ehemann zu finden.

Am gleichen Tag hört er zudem zum ersten Mal von Pedro Camacho, dem neuen Hörspielautoren des Radiosenders. Die leibhaftige Begegnung mit dem Hörspielwunder läßt nicht lange auf sich warten, und Mario beobachtet staunend die unglaubliche Produktionsmenge und Schnelligkeit des eigenwilligen Schreibers. Pedro Camacho verfaßt und inszeniert neun Hörspielepisoden täglich und verschafft dem Sender große Hörerzuwächse und entsprechend höhere Werbeeinnahmen.

Pedro Camacho kultiviert diverse Manierismen: er trinkt Kamillentee mit Pfefferminze, er zelebriert höfische Verbeugungen und pflegt in jedes Hörspiel gnadenlos seine persönlichen Zu- und Abneigungen einzubauen;  so ist die jeweilige Hauptfigur grundsätzlich „ in der Blüte seiner Jahre, nämlich 50“, also genau in Pedro Camachos Alter, und immer gibt er seiner Verachtung gegenüber Argentinien Ausdruck, indem er mit irgendeiner abwertenden Bemerkung über angeblich argentinische Sitten aufwartet.

Bei der Schöpfung seiner Hörspielcharaktere scheut er kein Klischee – egal ob religiös, medizinisch, soziologisch, psychologisch oder romantisch –  je extremer und gegensätzlicher, desto besser, und entsprechend reißerisch und monströs entfaltet sich die jeweilige Handlung.

Des weiteren garniert er seine Seifenopern mit pathetischen Schnörkeln wie : „ -Fluch , der auf einer Familie lastet, von der nicht einmal der Name überdauern wird -“oder: „-Burschen aus der Gosse, die durch Hartnäckigkeit bis zum Nobelpreis gelangen -“ und unfreiwillig komischen Metaphern wie : „ Die Richter – Nachgiebigkeit von Zuckerrohr, das im journalistischen Winde tanzt -“ und „Blässe einer Frau, die von einem Vampir geküßt wurde.“
 
Vargas Llosa wechselt die Kapitel der wirklichen Liebesgeschichte von Mario und Julia mit den fiktiven Hörspielepisoden von Pedro Camacho ab.

Die Liebesgeschichte zwischen dem 18-jährigen Mario und seiner 14 Jahre älteren Tante Julia schreitet von anfänglich nur spielerischem Flirt zu leidenschaftlicher Liebe fort und führt, gegen den Willen der Familie, bis zur illegalen Heirat.

Die Hörspielkarriere von Pedro Camacho bekommt einen katastrophalen Knick, als er  –  Opfer seines hyperkreativen Geistes  – anfängt, die Namen, Charaktere und Handlungsfäden seiner Figuren zu verwechseln, und schließlich das gesamte Personenpotpourri durch eine apokalyptische Erdbebenepisode ins Jenseits befördert.

Der Schauspieler André Jung gibt der jungenhaften Männlichkeit Marios eine sympathische, jugendlich begeisterte und eifrige Stimme.

Tante Julia wird charmant, sinnlich und mit weiblicher Selbstironie von Herlinde Latzko gesprochen.

Christoph Bantzer verstimmlicht die Rolle des Pedro Camacho mit eindrucksvoller Treffsicherheit. Es ist eine Meisterleistung, nur über das Medium der Stimme, die Kombination aus fanatischer Selbstdisziplin, herrischer Subjektivität, hilfloser Überheblichkeit und idiosynkratischer Überspanntheit wiederzugeben!

Pedro Camachos Bemerkung  „Meine Schriften erhalten sich an einem unauslöschlicheren Ort, als Bücher es sind. Im Gedächtnis der Radiohörer.“ kann ich nur bestätigen. Ich werde nie wieder Mario Vargas Llossas Roman lesen können, ohne dabei Christoph Bantzers Stimme im Ohr zu haben.

Überdies nutzt sich die facettenreiche Geschichte auch bei mehrmaligem Hören keineswegs ab. Ich habe mir dieses „Hörspiel-Kino“ bereits dreimal gegönnt, und jedesmal fielen mir wieder neue Raffinessen und Wortspielereien auf. Ich möchte sogar sagen, daß es mir von Mal zu Mal immer besser gefällt, was in meinen Ohren ein weiteres Zeichen für die Qualität dieses  Hörspiels ist.

Die Verpackung des Hörspiels ist dem Hörverlag sehr schön gelungen. Die graphische Gestaltung gibt den Zeitgeist der Fünfzigerjahre wieder, die Verteilung der 10 CDs auf fünf Doppelhüllen macht das Raumvolumen handlich, und der Pappschuber umrahmt ein rundherum stimmiges Werk.

Eine Hörkostprobe können Sie sich unter dem nachfolgendem Link genehmigen:
http://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Tante-Julia-und-der-Kunstschreiber/Mario-Vargas-Llosa/der-Hoerverlag/e387011.rhd

Der Autor:

»Mario Vargas Llosa, 1936 im peruanischen Arequipa geboren, studierte Sprachen in Lima und Madrid und arbeitete dann als Journalist in Paris.
1962 erschien sein erster Roman „Die Stadt und die Hunde“, der bereits zu einem internationalen Erfolg wurde. Auch seine weiteren Romane wie „Das grüne Haus“ oder „Der Krieg am Ende der Welt“ fanden weltweit bei Kritik und Lesepublikum Beachtung. Mario Vargas Llosa erhielt 2010 den Nobelpreis für Literatur.«