Die schönsten Shakespeare Geschichten

  • erzählt von Andrew Matthews
  • Ins Deutsche übertragen von Mirjam Pressler
  • Mit Bildern von Angela Barrett
  • KERLE Verlag 2006        http://www.kerle.de
  • 117 Seiten, gebunden
  • 18,95 €
  • ISBN 978-3-451-707131-1
  • Kinderbuch ab 8 Jahren
  • Leider ist dies feine Buch inzwischen vergriffen, gleichwohl lohnt sich eine antiquarische Suche. Fragen Sie den Buchhändler Ihres Vertrauens!
    0001013379_0001_170.jpg Die schönsten Shakespeare Geschichten

SHAKESPEARE   FÜR   ANFÄNGER

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Stimmungsvoll führt uns Andrew Matthews mit einem kurzen, prägnanten Vorwort in die Welt des Theaters ein und stellt anschließend „ROMEO UND JULIA“, „EIN SOMMER- NACHTSTRAUM“, „KÖNIG HEINRICH V.“, „MACBETH“, „ANTONIUS UND CLEOPATRA“, „WAS IHR WOLLT“, „HAMLET“ und „DER STURM“ vor.

Der Autor übernimmt vom jeweiligen Theaterstück das Personenregister, das in der graphischen Anmutung  eines alten Programmzettels vorangestellt wird. Die Dramen selbst werden in Prosa nacherzählt. Dabei bringt Andrew Matthews die Hauptcharak- tere und wesentlichen Handlungsfäden der Stücke gut zur Geltung.

Die vielen geheimnisvollen, romantischen, historischen, ernsten, heiteren, düsteren, verspielten und magischen Facetten der verschiedenen Shakespearedramen kommen durch Andrew Matthews angemessen zu Wort.

Die – teilweise ganzseitigen − sehr atmosphärischen und subtilen Illustrationen von Angela Barrett verleihen dem Text eine schöne Feierlichkeit und Würde.

Zum Abschluß erzählt der Autor auf vier informativen Seiten interessante Einzelheiten über die Theatergewohnheiten des elisabethanischen Zeitalters und die Geschichte des Globe Theaters.

Kinder dürften besonders davon überrascht sein, daß es zu Shakespeares Zeiten üblich war, das Geschehen auf der Bühne lautstark zu kommentieren, zu kritisieren und zu bejubeln oder gar bei aufkommender Langeweile mit den Steh- oder Sitznachbarn zu plaudern.

Mit  „Die schönsten Shakespeare Geschichten“  ist Andrew Matthews und Angela Barrett eine ansprechende und kindgerechte Einführung in Shakespeares Theaterwelt gelungen.

Es ist zwar in erster Linie ein Buch für Kinder, aber ich glaube, auch jugendliche und erwachsene Shakespeare-Anfänger werden es mit geistigem Gewinn lesen.

 

Der Verfasser:

»Andrew Matthews wurde 1948 in South Glamorgan geboren. Er arbeitete als Lehrer an einer High School bis er 1994 die Schule aufgab und nur noch vom Schreiben lebte. Er hat mehr als 50 Bücher für Kinder und Jugendliche veröffentlicht, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Mehrere Male kam er mir seinen Werken auf die Auswahlliste zum begehrten Smarties Award.
Andrew Matthews erzählt in einer lebendigen, sehr gegenwärtigen Sprache und erweckt in seinen Shakespeare-Erzählungen all die bekannten Charaktere von William Shakespeare zu neuem Leben

Die Illustratorin:

»Angela Barrett gehört zu den führenden englischen Buchillustratoren. Sie hat am Royal College of Art in London studiert und war dort Schülerin von Quentin Blake. Nach dem Studium wandte sie sich der Illustration von Büchern zu und hat für diese Arbeiten zahlreiche Preise gewonnen. Unter anderem den Smarties Prize, und den WHSAward. Sie wurde auf die Auswahlliste der Kate Greenaway Awards gesetzt. Ihre künstlerischen Arbeiten werden in Ausstellungen gezeigt und sind zu Sammlerstücken geworden.
Für dieses Buch hat sie historische Quellen herangezogen, um eine möglichst originalgetreue Bilddarstellung in Kostümen und Landschaften zu erreichen

Die Übersetzerin:

»Miriam Pressler gehört zu den bekanntesten deutschen Autorinnen und zu den gefragtesten deutschen Übersetzerinnen. Sie wurde 1940 in Darmstadt geboren und hat in Frankfurt am Main Bildende Künste und in München Sprachen studiert. Sie lebte ein Jahr lang in einem Kibbuz und kehrte dann nach Deutschland zurück. Miriam Pressler hat drei erwachsene Töchter und lebt als freie Autorin und Übersetzerin in der Nähe von München.
Für ihr schriftstellerisches Werk hat Miriam Pressler zahlreiche Preise erhalten, wie den Deutschen Jugendliteraturpreis, die Carl-Zuckmayer-Medaille, den Deutschen Bücherpreis für das literarische Lebenswerk, wie auch das Bundesverdienstkreuz.
Ihre übersetzerische Arbeit ist von einer großen Nähe zu den vorgegebenen Originalwerken geprägt, dabei von einer sensiblen, eigenständigen und lebendigen Sprache. «

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Ein Sommernachtstraum

  • BILDERBUCH
  • Nach der Komödie von William Shakespeare
  • Text: Frank Berger
  • Illustrationen von Daniela Drescher
  • Verlag Urachhaus   März 2013              http://www.urachhaus.com
  •  40 Seiten, gebunden
  • Format 22  x 30 cm
  •  14,90 €
  •  ISBN 978-3-8251-7820-8
  • ab 5 Jahren
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N A C H T S C H W Ä R M E R

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Shakespeares Komödie „Ein Sommernachtstraum“ hat wegen der vielen märchenhaften und lustigen Zutaten gute Voraussetzungen, kindliches Interesse zu wecken. Man sollte Kinder nicht unterschätzen, man kann ihnen ruhig komplexe Vorlesekost anbieten, vor allem, wenn sie so schön und kongenial bebildert serviert wird wie in diesem Bilderbuch.

Daniela Dreschers Malstil paßt vollkommen zum Sommernachtstraum: zarte, traumverwobene, bunt-lasierende Aquarellbilder, deren Mehrdimensionalität auch bei mehrmaligem Betrachten noch neue Wahrnehmungsspielräume und kleine, verborgene Feinheiten offenbaren.

Der von Frank Berger in Prosa nacherzählte Dramentext beschränkt sich auf die wichtigsten Handlungsfäden und Personen, wobei ein gutes Gleichgewicht zwischen Werktreue und kindlichem Erfahrungshorizont erreicht wird. An passenden Stellen werden auch Shakespeares Verse nachempfunden, so daß Geist und Atmosphäre des Originaltextes melodisch mitschwingen.

Die vereinfachte und kindgemäße Textdosierung wahrt gleichwohl ein ansprechendes literarisches Niveau, und in Kombination mit den geheimnisvoll-verspielten, subtilen Illustrationen dürfte dieses Bilderbuch nicht nur für Kinder, sondern auch für die jeweiligen Vorleser eine verführerische Einladung ins „Bilderbuchtheater“ sein.

 

PS:
Daniela Dreschers Illustrationen sind sehr zauberhaft, aber auch sehr naturgetreu; als bekennende Kräuterfee konnte ich viele der dargestellten Pflanzen durchaus botanisch zuordnen und erkennen.

 

Die Illustratorin:

»Daniela Drescher, geboren 1966 in München, ist durch ihre Illustrationen mittlerweile weltweit bekannt. Neben eigenen Geschichten hat sie mehrere Klassiker der Weltliteratur illustriert. Daniela Drescher lebt in Blaubeuren am Blautopf, ist verheiratet und Mutter von vier Kindern
http://www.danieladrescher.de

Wo ist Thursday Next?

  • Thursday Next, Band 6
  • von Jasper Fforde
  • Übersetzung ins Deutsche Joachim Stern
  • dtv Verlag Juli 2013    http://www.dtv.de
  • 978-3-423-21453-7
  • 396 Seiten
  • 10,95 €
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LESEN  ODER  GELESEN WERDEN,  DAS  IST  HIER  DIE  FRAGE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nachdem mich Herr Fforde nach den ersten 5 Thursday Next-Bänden lange, lange, lange und lesesehnsüchtig auf Ungewißheitspünktchen … hat sitzen lassen, kann ich mich nun endlich dem 6. Band widmen.

Wer die ersten 5 Bände noch nicht kennt, sollte zunächst meine diesbezügliche Besprechung vom Mai 2013 lesen, https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/05/01/thursday-next-band-1-5/ sonst versteht man hier nämlich nur Buchstabensalat.

Die Frage, wo Thursday Next ist, begleitet uns als roter Faden durch den 6. Band. Die echte Thursday Next ist verschwunden, und – soviel darf ich wohl verraten –  bis Seite 385 bleibt sie auch verschwunden. Doch bis Seite 385 ist es noch ein langer, aufregender und skurriler Leseweg mit vielen Verfolgungsjagden, dramatischen Ungewißheiten und Verwirrspielchen.

Der Kosmos der Thursday-Next-Reihe besteht aus einer Realwelt und einer Buchwelt. Dazwischen gibt es Schnittstellen und wechselseitige Beeinflussungen, z.B. „Feedback-schleifen“, die dazu führen, daß die äußere Erscheinung aller Figuren in der Buchwelt von der Erwartungshaltung der Leserinnen und Leser beeinflußt wird. „Harry Potter war auch stinksauer, weil er den Rest seines Lebens wie Daniel Radcliffe aussehen mußte.“
(Seite 81)

Auch die Auswirkungen von eBooks auf die Arbeitsbedingungen der Buchwelt sind nicht zu unterschätzen, genauso wenig wie die Macht des „Snooze-Knopfes“, den die Darsteller in den Büchern gelegentlich als Notbremse drücken, wenn sie von zu vielen Lesern gleichzeitig gelesen werden. Jetzt wissen wir endlich, woran es liegt, daß wir bei manchen Lektüren plötzlich einschlafen!

Im 6. Band haben sich die Buchweltbedingungen etwas verändert. Der „Gattungsrat“ hat entschieden, die Buchwelt nach dem Vorbild der realen Welt geografisch zu ordnen. Während früher der Mikrokosmos jeden Buches im „Inter-Buch-Nichts“ schwebte, gibt es jetzt Landschaften zwischen den Büchern, und die verschiedenen Literaturgattungen schwimmen als Inseln im Meer.

Die Thursday-Next-Romane „wohnen“ am „spekulativen Ende der Fantasy“, in direkter Nachbarschaft zum „Eiland der Literaturkritik“. Ach ja – und die neue Buchwelt bevöl- kert die Innenseite einer Kugel. Wie das funktioniert, können Sie auf den Seiten 21 – 22 bitte selbst nachlesen.

Die geschriebene Thursday bekommt einen dubiosen Hinweis, daß ihr Vorbild aus der realen Welt vermißt wird. Wegen schwindsüchtiger Leserzahlen deutlich unterbe- schäftigt, beginnt sie mit halblegalen Nachforschungen. Unterstützt wird sie dabei von einem Roboter-Butler, namens Sprockett, dessen mimikloses Porzellangesicht durch einen Augenbrauenzeiger mit Gefühlswortskala belebt wird.

Außerdem drohen die Feindseligkeiten zwischen den Gattungen „Scharfe Romane“, „FemLit“ und „Religiöses Dogma“ zu eskalieren. Das offizielle Buchwelt-Presseorgan „The Word“ berichtet, daß die echte Thursday am kommenden Freitag als diplomatische Vermittlerin zu den Friedensverhandlungen erwartet wird.

Die fiktionale Thursday scheut keine Mühen und Opfer, um die echte Thursday aufzu- spüren, dabei setzt sie sich zwischen alle bürokratischen Stühle, wird von heftigen Selbstzweifeln geplagt und muß mehrfach buchstäblich ihr eigenes Leben verteidigen.

Sehr amüsant sind die Kapitel, in denen die geschriebene Thursday einen geheimen Erkundungsausflug in die reale Welt unternimmt und von Agent Square, einem zweidimensionalen Wesen aus Flatland, darin angeleitet wird, mit der ungewohnten Körperlichkeit der wirklichen Welt zurechtzukommen. Echte Atemzüge und die Fortbewegung unter Schwerkraftbedingungen erfordern einige wortwörtliche Übungsschritte und Koordinationsberechnungen. »„Zweifüßiges Gehen ist ständig gehemmtes Fallen“, sagte Square. «  (Seite 206)

Auf der Suche von Thursday nach Thursday wird fast die gesamte Buchlandschaft der Buchwelt durchquert, und jede Gattung bietet ihre spezifischen Überraschungen und literarischen Umgangsformen dar.

Nachdem die fiktionale Thursday die wirkliche Thursday aufgespürt und zur Lebens- rettung in „Gray’s Anatomie“ abgeliefert hat, kann sie sich zufrieden und, um einige echte Lebenserfahrungen reicher, wieder – ganz wie es im Buche steht – in die erzählerische Ordnung der Buchwelt einfügen.

Auch im 6. Band spickt Jasper Fforde die flotte Handlung mit literarisch einfallsreichen Anspielungsschnörkeln, Wort- und Gedankenspielen und witzigen Details, wie z.B. das „Komma-Kommissariat“, die „Metaphern-Krise“, das „Labyrinth der Verschwörungs- theorien“ und die „Achse der Unlesbarkeiten“ oder die Angst der „textbasierten Lebensformen“ vor Sprachstörungen: „Wenn man die Wortstellung vermurkst, versteht keiner Yoda außer die Sätze man hat.“ ( Seite 27)

Es ist auch reizvoll, dabei „zuzulesen“, wie Romanfiguren aus „Schuld und Sühne“ ihre umständlichen Namen und ihre komplexen Beziehungsverflechtungen miteinander durchdiskutieren, bevor sie sich wieder in ihren Roman „einleben“.

Mir hat die Lektüre viel Vergnügen bereitet, und so schließe ich meine Leseempfehlung mit einem Zitat von Thursday, die –  leicht abgewandelt – den stürmischen Shakespeare zitiert: „Oh, schöne neue Welt, die solche Bücher mit sich führt!“

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der DTV-Verlagswebseite:
https://www.dtv.de/buch/jasper-fforde-wo-ist-thursday-next-21453/

Hier entlang zu meiner gebündelten Besprechung der ersten fünf Thursday-Next-Bände:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/05/01/thursday-next-band-1-5/

 

DER AUTOR:

»Jasper Fforde ist Waliser(daher das markante doppelte F!) und wurde 1961 geboren. Seine Romane schrieb er 14 Jahre lang neben seiner Arbeit als Kameramann bei verschiedenen Filmproduktionen. Er ist einer der intelligentesten, witzigsten und hintergründigsten Autoren der Fantasy. Nach 76 Ablehnungen erschien im Jahre 2001 der erste Band der Abenteuer von Thursday Next. Inzwischen hat die Reihe weltweit Kultstatus erlangt, und Jasper Fforde wurde aufgrund seiner literarischen Verdienste zum zeitweiligen Ehren-Bürgermeister von Swindon ernannt.«  http://www.jasperfforde.com

 

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