Das kleine Buch vom Glücklichmachen

  • Text und Illustrationen von Francesca Pirrone
  • Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf
  • Originaltitel: »Graag gedaan«
  • FISCHER Sauerländer Verlag, August 2020 www.fischerverlage.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 56 Seiten
  • Format: 15,7 x 19,6 cm
  • ISBN 978-3-7373-5773-9
  • 14,99 € (D), 15,50 € (A)
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

GLÜCKSSCHWEINCHEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Wer andere glücklich machen will, braucht dazu nicht viel.“ Mit diesem Satz beginnt das vorliegende Bilderbuch. Ein kleines Schwein im gelben Ringelpulli demonstriert in den nachfolgenden elf Kapiteln, wie mit Höflichkeit, Fürsorge, Großzügigkeit, aufmerk- samer Wahrnehmung und kleinen Gesten beglückende Wirkungen erzielt werden können.

So muntert das Schweinchen den betrübten Hasen mit einem zugewandten Lächeln auf, und es baut ein Vogelhäuschen, damit ein frierender Vogel einen geschützten Übernach-tungsraum bekommt. An der Ampel hebt das Schwein eine Schildkröte auf, um sie bei Grün über die Straße zu tragen, und es teilt großzügig sein Gebäck mit der Maus, die wiederum ihr Getränk mit dem Schwein teilt, ebenso schubsen sich Schwein und Maus wechselseitig beim Schaukeln an. Das Schweinchen liebt auch die Natur, sammelt herumliegenden Müll ein und rettet ein kleines schwarzes Kätzchen aus der Mülltonne. Auf der letzten Doppelseite sitzt das Schwein freudestrahlend mit all den Tieren zusammen, denen es zuvor so gütig und hilfreich begegnet ist.

Bis auf kurze Kapitelüberschriften, wie beispielsweise „Ein bisschen Geduld“, „Eine Portion Schutz“, „Ein Ohr für andere haben“, „Ein bisschen Höflichkeit“ usw., erscheinen die Kapitel als reine Bildergeschichten, die selbsterklärend sind.

Der Zeichenstil Francesca Pirrones ist minimalistisch und weitgehend in schwarz-weiß gehalten, Farben werden nur akzentuiert eingesetzt, beispielsweise für die Farben der Ampelschaltung, den kleinen blauen Trinkbecher der Maus, die rote Zipfelmütze des Vogels und den gelben Pullover des Schweins. Die klare Bildsprache lenkt den Blick sehr anschaulich auf das Wesentliche. Kinder können von diesen Bildern leicht „ablesen“, was geschieht und wie es sich auswirkt.

Es mag eine Binsenweisheit sein, daß eine große Quelle des Glücks im achtsamen Mit- einander liegt, doch angesichts zunehmender gesellschaftlicher Entfremdung, Isolation und Vereinzelung kann man diese Weisheit nur erst recht immer wieder verkünden und ins Bewußtsein heben. Nur aus Kindern, die Vorbilder dafür haben, daß es für andere und für sie selbst angenehme und wünschenswerte Folgen hat, seine Wahrnehmung über die eigenen Bedürfnisse hinaus auszuweiten, werden Erwachsene hervorwachsen, die der Welt und ihren Mitgeschöpfen gegenüber nicht gleichgültig, kalt und rücksichts- los sind, sondern anteilnehmend, warmherzig und zugewandt.

„Das kleine Buch vom Glücklichmachen“ bietet mit seinem sympathisch-empathischen Glücksschweinchen ein solches Vorbild im Bilderbuchformat.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.fischerverlage.de/buch/francesca-pirrone-das-kleine-buch-vom-gluecklichmachen-9783737357739

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Francesca Pirrone studierte an der Academia di Belle Arti in Florenz und lebt in Prato, Italien. Dort arbeitet sie als kreativer Kopf an Schulen. Sie liebt es, Kinderbücher zu schreiben und zu illustrieren.«

Der Übersetzer:

»Rolf Erdorf ist als Übersetzer für Kinder- und Jugendliteratur sowie für Sachbücher bekannt und wurde mehrfach für sein Werk ausgezeichnet, zuletzt 2016 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis.«

 

 

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Mord in Sunset Hall

  • von Leonie Swann
  • Hörbuch
  • gekürzte Lesung
  • Sprecherin:  Anna Thalbach
  • Buchvorlage: GOLDMANN Verlag
  • Produktion: der Hörverlag, Mai 2020   www.hoerverlag.de
  • 1 mp3-CD
  • in Pappklappschuber
  • Laufzeit: ca. 9 Stunden, 31 Minuten
  • 20,00 € (D), 20,60 € (A), 28,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-3734-5

GEBRECHEN  UND  VERBRECHEN

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Agnes Sharp hat in „Sunset Hall“, ihrem Elternhaus, eine unkonventionelle Senioren-WG gegründet. Sie und ihre Mitbewohnerinnen und -Bewohner sind sich darin einig, so lange und so gut wie möglich selbstbestimmt zu leben und, wenn es sich nicht mehr gut lebt, auch selbstbestimmt zu sterben. Im Dorf gelten sie als senile Hippie-WG und bieten Stoff für anrüchige Spekulationen, die zwar völlig unbegründet sind, aber manche Nachbarn auf dem Lande sind einfach etwas kleinkariert und spießig.

Die alten Leutchen haben zwar allerlei Verschleißerscheinungen und Gebrechen, sind gleichwohl recht rege und munter und gleichen ihre körperlichen Schwächen raffiniert mit Lebenserfahrung, Charakterstärke, Gelassenheit und buchstäblicher Weitsicht aus. Alle würzen zudem ihr Persönlichkeitsprofil mit einigen sympathischen Prisen Skurrilität.

Agnes etwa hat Probleme mit der Hüfte und mit gelegentlichen Ohrgeräuschen. Sie ist gut organisiert und hat für die WG eine entsprechende Hausordnung (Rauchen und Enkelkinder sind in Sunset Hall streng verboten) eingeführt. In ihrem aktiven Berufs- leben arbeitete sie bei der Kriminalpolizei und hat – wie sie wiederholt erwähnt –  „Monster gejagt“. 

Die beiden männlichen Mitbewohner sind Kavaliere der alten Schule: Der disziplinierte Marschall erledigt Internetbestellungen und –Recherchen,  hat jedoch zunehmend Schwierigkeiten mit dem Kurzzeitgedächtnis. Der stets ebenso charmante wie würde- volle Winston sitzt im Rollstuhl. Er war beim Geheimdienst Spezialist für Geheimcodes und verteilt nun sorgfältig die jeweiligen Tablettenrationen an alle WG-Mitglieder.

Edwina ist die Beweglichste von allen, sie übt täglich Yoga, begibt sich auch im Tageslauf immer wieder spontan in Yogastellungen und spricht bevorzugt mit dem WG-Haustier, der kaltblütigen Schildkröte Hettie. Sie wirkt naiv und verträumt, ja, geradezu verspielt, aber man sollte sie nicht unterschätzen, immerhin hat auch sie beim Geheimdienst gearbeitet.

Lillith ist die Gartenfee der WG und kümmert sich sowohl um den Garten als auch um die Topfpflanzen in Sunset Hall.

Die blinde Bernadette hat ebenfalls bei der Kriminalpolizei gearbeitet. Sie trägt fast permanent eine dunkle Sonnenbrille, die ihr eine mafiöse Ausstrahlung verleiht, was durch ihre schonungslos sarkastischen Bemerkungen noch unterstrichen wird.

Die fabelhafte, mondäne Charlie – stets einem Gin-Tonic zugeneigt – ist erst kürzlich zusammen mit ihren Wolfshund namens Brexit eingezogen.

Als nun Mitbewohnerin Lillith erschossen im Gartenschuppen liegt und kurz darauf auch noch eine Nachbarin (Mildred) aus dem nahegelegenen Herrenhaus ebenfalls erschossen aufgefunden wird, beginnen Agnes und ihre WG-Genossen heimlich selber zu ermitteln. Tatsächlich wissen sie ein klein wenig mehr, als sie gegenüber der Polizei zugeben dürfen …

Bei Agnes werden durch den Mord an Mildred unwillkommene, schmerzliche Erinnerun-gen wach. Sie hatte einst eine Zwillingsschwester, Alice, die als Kind verstorben war. Nach Alice‘ Tod hatte sich Agnes mit den Zwillingsgeschwistern (Isabel und Mildred) aus dem Herrenhaus eng angefreundet, bis sich als Erwachsene ihre unterschiedlichen lebensläufigen Wege trennten.

Agnes entschließt sich nun, nach jahrzehntelanger Kontaktpause der überlebenden Zwillingsschwester Isabel einen Kondolenzbesuch abzustatten. Isabel empfängt Agnes freundlich, die beiden sprechen sich ein wenig aus, und Isabel bittet Agnes schließlich sogar, mit ihren Mitbewohnern zur Beerdigung zu kommen, da wegen Mildreds Unbe-liebtheit im Dorf die Gefahr bestünde, daß sonst nur das Hauspersonal mitkäme.

Beerdigungen von Mordopfern eignen sich durchaus für eine ergiebige kriminalistisch-psychologische Spurenlese, aber ebenso der Besuch des wöchentlichen Kaffee-und-Kuchen-Plauderkränzchens, das der Dorfpfarrer organisiert. Und so gehen die Senioren mehr oder weniger auffällig einer vielfältigen, umtriebigen Spurensuche nach.

Agnes bewegt sich zunehmend zwischen changierenden Zeitebenen und verläuft sich in Kindheitserinnerungen. Aus ihren biographischen Rückblenden erfahren wir von einem Mord, der nie aufgeklärt wurde und der einen langen Schatten über Agnes‘ und Alice‘ Kindheit warf.

Während die WG mit vereinten Kräften und der Rekrutierung eines jungen, geheimen „Außendienstagenten“ langsame Ermittlungsfortschritte macht, kommt es zu allerlei Komplikationen, u.a. wird der kleine Enkelsohn des Marschalls wegen einer Ehekrise beim Opa abgeladen und entgegen der Hausordnung in Sunset Hall einquartiert.

Eine weitere Komplikation ergibt sich daraus, daß die Polizei, nachdem ein drittes Mord-opfer zu beklagen ist, ausgerechnet Agnes verdächtigt, da sie mit der betreffenden Person vor Jahren in einen handfesten Streit geraten war, bei dem sie eine Torte und ein Streichmesser nach ihr geworfen hatte.

Agnes hat sich derweil im Zuge der Mordermittlungen heimlich ins örtliche Luxus-Seniorenheim eingeschummelt, um eine vermutliche Zeugin zu befragen. Bei diesem Ausflug macht Agnes bittere Erfahrungen mit fürsorglicher Entmündigung und medikamentöser Ruhigstellung, und sie kann nur sehr knapp wieder entkommen.

Die Lage ist ernst, bietet aber auch viel Raum für Situationskomik und schwarzen Humor. Mal fehlt die Lesebrille, mal das Gebiß, hakende Hüften, ein trödelnder Treppenlift und ungelenke Gelenke erschweren die Beweglichkeit, Hörfehler und Gedächtnislücken führen zu dramatischen Mißverständnissen, falsch verknüpften Fäden und unstimmigen Mordmotiven.

Doch trotz Zipperlein, Langsamkeit, Selbstzweifeln und Verwirrung löst Agnes schließlich erfolgreich den Fall. Die Wohngemeinschaft geht gestärkt aus der Krise hervor, und der Besuch von Enkelkindern ist in Sunset Hall inzwischen nicht nur gestattet, sondern sogar ausdrücklich erwünscht.

Leonie Swanns Romankomposition ist abwechslungsreich, komplex, spannend und vielschichtig. Das Alter und die Verletzlichkeit, die das Altern, das Schwinden von körperlichen Fähigkeiten und die Wehmut über unabänderlich Vergangenes mit sich bringen, werden einfühlsam und respektvoll thematisiert. Alle Personen werden von der Autorin lebhaft und anschaulich dargestellt. Das zwischenmenschliche Zusammenspiel, die unterschiedlichen Charakterperspektiven und schrägen Eigenwilligkeiten sind ebenso anrührend wie amüsant.

Dieses Hörbuch wird von Anna Thalbach bemerkenswert vielstimmig und ausgesprochen überzeugend geleseschauspielert. Es gelingt ihr mit bewundernswert vielsaitigem Nuancenreichtum, jedem Charakter eine wiedererkennbare eigene Note und Klangfarbe zu verleihen.

 

Hier entlang zum HÖRBUCH und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch-MP3/Mord-in-Sunset-Hall/Leonie-Swann/der-Hoerverlag/e568800.rhd

Hier entlang zur BUCHAUSGABE und LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Mord-in-Sunset-Hall/Leonie-Swann/Goldmann/e562236.rhd

Mord in Sunset  Hall
von Leonie Swann
Kriminalroman
GOLDMANN Verlag Mai 2020
gebunden mit Schutzumschlag
448 Seiten
Format: 13,5 x 21,5 cm
20,00 € (D), 20,60 € (A), 28,90 sFr.
ISBN: 978-3-442-31556-7

 

Die Autorin:

»Leonie Swann wurde 1975 in der Nähe von München geboren. Sie studierte Philosophie, Psychologie und Englische Literaturwissenschaft in München und Berlin. Mit ihren ersten beiden Romanen „Glennkill“ und „Garou“ gelang ihr auf Anhieb ein sensationeller Erfolg: Beide Bücher standen monatelang ganz oben auf den Bestsellerlisten und wurden bisher in 25 Sprachen übersetzt. Leonie Swann lebt heute umzingelt von Efeu und Blauregen in England.«

Die Sprecherin:

»Anna Thalbach ist 1973 in Ost-Berlin geboren und international bekannt als Künstlerin von Film, Fernsehen und Theater. Als Hörbuchsprecherin und Interpretatorin gefragt, wurden ihre Leistungen mehrfach ausgezeichnet, unter anderem zweimal mit dem Deutschen Hörbuchpreis.«

Querverweis:

Hier entlang zum vorhergehenden Krimi von Leonie Swann, in dem ein sprechender Graupapagei einige entscheidende Worte mit redet: „Gray“ https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/10/09/gray/

 

 

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