So ein Mist

  • von Müll, Abfall & Co
  • Text von Melanie Laibl
  • Illustrationen von Lili Richter
  • TYROLIA Verlag 2018   www.tyrolia-verlag.at
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 24 x 29 cm
  • 48 Seiten
  • durchgehend farbig illustriert
  • 19,95 €
  • ISBN 978-3-7022-3698-4
  • Sachbilderbuch ab 9 Jahren

M Ü L L O L O G I E

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wo beginnt Müll und wo hört er auf? Im ersten Kapitel von „So ein Mist“ fängt der Müll schon bei geläufigen Redewendungen und Schimpfwörtern an, und es zeigt sich, daß Ausdrücke wie „Pfui, du Ferkel“, „Schmutzfink“ oder „Dreckspatz“ reinlichen Tieren fälschlicherweise Ungepflegtheit unterstellen. Schweine nehmen Schlammbäder zur Hautpflege, und Finken und Spatzen pflegen ihr Gefieder durch Staub- und Sandbäder.

Überhaupt ist die Natur, wie wir in Kapitel zwei, drei und vier erfahren, die Meisterin der Müllvermeidung. In der Natur gibt es keinen Abfall, sondern nur lebendige Stoff- kreisläufe. Alles was abstirbt, abfällt oder ausgeschieden wird, dient einem anderen Lebewesen als Nahrung oder Brutstätte, wird verarbeitet, wieder verdaut und so lange zerkleinert, daß alle organischen Stoffe von der Erde (mit ihren nützlichen Mikroorga- nismen und Pilzen) zu den Pflanzen, von den Pflanzen zu den Tieren usw. unendlich kreisen.

Die Kapitel fünf und sechs rücken dem Menschen und seinen körperlichen Abfällen und Ausscheidungen auf die Pelle und unterhalten mit einer illustren Geschichte der Toilette und des Klopapiers von der Jungsteinzeit bis heute sowie mit einer vielsagenden Wortliste für das stille Örtchen.

Gut, daß daraufhin im siebten Kapitel erklärt wird, wie eine Kläranlage (übrigens auch mit Hilfe von wäßrigen Mikroorganismen) funktioniert und was alles bitte nicht im Klo entsorgt werden sollte.

„So ein Mist“ greift das Thema Müll sehr umfassend und in komplexen Zusammen- hängen auf. In einundzwanzig Kapiteln wühlen wir uns hier tabulos durch Abfallberge und Zersetzungsprozesse aller Art und halten uns dabei manches Mal beinahe die Nase zu.

Die Lesereise geht vom häuslichen Staubkorn bis zum Satellitenschrott im Orbit, vom harmlosen Hasenköttel bis zum negativ-nachhaltigen Atommüll, vom MHD (Mindest- haltbarkeitsdatum) bis zur Lebensmittelverschwendung, von Plastikverpackungsmüll zu biologisch abbaubaren Verpackungsalternativen, vom Dreck zum Wertstoff, von Müll- verbrennung zu globaler Müllverfrachtung, von Luftverschmutzung, Treibhausgasen und Smog bis zum heilsamen Waldbaden …

Illustration von Lili Richter © Text von Melanie Laibl © TYROLIA Verlag 2018

In einem lockeren Plauderton, gewürzt mit augenzwinkerndem Wortwitz, werden hier gleichwohl harte Fakten und konkrete Zahlen genannt, die das unschöne Ausmaß des Wohlstandsmülls und die damit verbundenen Risiken benennen, aber auch auf Lösungs-konzepte hinweisen wie beispielsweise Mehrwegsysteme, Recycling, Precycling, Up- cycling und das Cradle-to-Cradle-Prinzip. Alle englischen Begriffe, die im Buch vorkommen, werden übrigens kindgerecht erklärt.

Besonders beeindruckend ist die beunruhigend lange Lebensdauer des Plastikmülls. Wußten Sie, daß eine Plastiktüte 400 Jahre braucht, bis sie vollständig zersetzt ist, und eine Plastikflasche sogar 1000 Jahre? Ein Wegwerffeuerzeug hat immerhin noch eine Lebenserwartung von 100 Jahren und ein Zigarettenstummel schafft 7 Jahre.

Und da das Thema Feinstaub sowieso schon in aller Munde ist, zitiere ich gerne noch folgenden Satz: „Eine einzige gerauchte Zigarette verbreitet so viel Feinstaub wie ein Dieselmotor ohne Partikelfilter, der eineinhalb Stunden läuft.“ (Kapitel 19 „Verstauben & Verdrecken“)

Die Autorin Melanie Laibl portioniert die Informationen in übersichtliche Textab- schnitte, lockert sie mit gelegentlichen Sprechblasentexten, lustigen Reimen und kuriosen historischen Anekdoten auf. So vermittelt sie auf unterhaltsame Weise nütz- liches Sachwissen über Müll und Abfall und sensibilisiert Kinder für ein Thema, das sie buchstäblich auf die eine oder andere Weise noch lange beschäftigen wird.

Die zahlreichen ebenso präzisen wie vorwitzigen Illustrationen von Lili Richter inszenieren die Textinformationen mit anschaulich-schelmischer, zeichnerischer Dramaturgie und verspielten Details.

„So ein Mist“ empfiehlt sich gleichermaßen für den familiären wie für den unterrichtlichen Einsatz.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.tyroliaverlag.at/list?back=2190420704a3941ba16351639ee59bfe&xid=25756051

Die Autorin:

»Melanie Laibl, geboren 1973 in Linz, ist studierte Übersetzerin und Kommunikations-wissenschaftlerin. Heute lebt sie im Wienerwald und arbeitet literarisch, journalistisch und werblich – Hauptsache mit Buchstaben! Für ihre sprachspielerische Kinderliteratur wurde sie mehrfach ausgezeichnet.« http://www.melanielaibl.at

 Die Illustratorin:

»Lili Richter (eh. Schagerl), geboren 1984 in Wien, absolvierte die Meisterklasse der Graphischen in Wien und studierte Illustration in Barcelona. Seit 2013 ist sie als selbständige Illustratorin tätig.« http://www.lilirichter.com

Querverweis:

„So ein Mist“ ergänzt sich müffelfein mit dem amüsanten Bilderbuch „Hannes und die Müllmonster“ von  Henriette Kröger:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/02/20/hannes-und-die-muellmonster/

 

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