Wie der Kater und die Maus trotzdem Freunde wurden

  • von Luis Sepúlveda
  • Aus dem Spanischen von Willi Zurbrüggen
  • Mit farbigen Bildern von Sabine Wilharm
  • gebunden, Fadenheftung
  • 96 Seiten
  • Februar 2014, Fischer KJB Verlag                 http://www.fischerverlage.de
  • 12,99 € (D), 13,40 € (A), sFr.19,50
  • ISBN 978-3-596-85628-2
  • ab 8 Jahren zum Selbsterlesen
  • und ansonsten für jedes Alter
    u1_978-3-596-85628-2.jpg Wie der Kater und die Maus

MAX,   MIX   UND  MEX

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Man könnte sagen, dass Mix der Kater von Max ist; aber auch, dass Max der Mensch von Mix ist. Da das Leben uns jedoch lehrt, dass es nicht recht ist, als Mensch Besitzer eines anderen Menschen oder eines Tieres zu sein, sagen wir also, dass Max und Mix, oder Mix und Max einander mögen.“ (Seite 7)

„Wie der Kater und die Maus trotzdem Freunde wurden“ begeistert schon mit diesen einleitenden Sätzen, und ich kann Ihnen versprechen, daß die Begeisterung bis zum Schluß hält.

Max bekommt als kleiner Junge einen kleinen Kater, den er Mix nennt. Die beiden werden dicke Freunde und wachsen gemeinsam auf. Wechselseitige Fürsorge und Anteilnahme sind die Basis ihres Miteinanders. Naturgemäß ist Kater Mix schon ein alter Kater, als er zusammen mit dem inzwischen zum jungen Studenten herangewachsenen Max in eine Studentenwohnung umzieht.

Während Max eifrig studiert und wissensdurstig Bücher wälzt, erkundet Mix über eine Leiter, die zur Dachluke führt, die Dächer der Umgebung und genießt bei der Rückkehr von seinen Ausflügen die vertraute wohngemeinschaftliche Zweisamkeit mit „seinem“ Menschen.

Die Kommunikation zwischen Max und Mix ist eine rührende Kombination aus körpersprachlichen Gesten und sensibler gegenseitiger Einfühlung.

Doch Mix wird müder und träger, und eines Tages läuft er vor eine herumstehende Bücherkiste. Besorgt bringt Max den Kater zum Tierarzt, und dieser diagnostiziert, daß der Kater erblindet sei.

Max hält daraufhin strikt die für den Kater gewohnte Anordnung der Möbel bei, denn mit seinem Gedächtnis und seinem intakten Geruchssinn kann sich Mix immer noch gut in der Wohnung bewegen und orientieren. Außerdem verfeinert sich sein Gehörsinn, und er lauscht mit Vergnügen den Geigenübungen einer benachbarten Musikstudentin und den Stimmen und Gesprächen anderer Hausbewohner.

So erfährt Mix auch, daß den Nachbarskindern die mexikanischen Mäuse entlaufen sind, doch das beschäftigt ihn nicht sonderlich. Gemütlich liegt er unter der Heizung und betrachtet seine Erinnerungen. Doch in die Erinnerungsbilder trippeln ganz leise Pfötchenschritte, und als die Schritte nahe genug herangekommen sind, greift Mix mit flinker Tatze zu und fängt eine Maus.

Diese Maus ist vorwitzig und behauptet, sie sei eine eklige Nacktschnecke und überhaupt nicht bekömmlich. Amüsiert und nachsichtig entgegnet der Kater, er habe noch nie eine Schnecke „mit Ohren, Schnurrbart und Schwanz“ erlebt. Kleinlaut gesteht die Maus daraufhin, daß sie eine der Gefangenschaft entlaufene mexikanische Maus sei und sich bloß ein paar Müslikrümel einverleiben wolle.

Der gutmütige Kater läßt die Maus frei, gibt ihr den Namen Mex, und die beiden freunden sich an. Mix schickt Mex auf die Fensterbank und läßt sich ausführlich beschreiben, was auf der Straße passiert, und dafür schubst Mix sogar eine Schachtel köstliche Haferflocken aus dem Speisekammerregal auf den Boden.

Max entdeckt die Haferflockenbescherung, und Mix zeigt Max das Schlafnest von Mex (im Bücherregal hinter einem dicken Roman von Jules Verne). Einfühlsam schlußfolgert Max, daß er nun ein zweites Haustier zu versorgen habe, und stellt neben das Schälchen mit Katzenfutter für Mix ein kleineres Futterschälchen mit Haferflocken für Mex hin.

Einmal schlagen Mix und Mex sogar sehr raffiniert und supermäuschenmutig einen Einbrecher in die Flucht. Schließlich wagt sich Mix – navigiert von Mex – wieder über die Leiter aufs Dach. Jeden Tag erfahren die ungleichen Freunde die Ermutigung und freudige Lebendigkeit wahrer Freundschaft.

In der Zeit, die Kater und Maus zusammen verbrachten – egal, wie kurz oder lang sie war, denn das Leben bemisst sich nach der Intensität, mit der es gelebt wird – sah Mix mit den Augen seines kleinen Freundes, und Mex wurde stark durch die Kraft, die von seinem großen Freund ausging.
Und beide waren glücklich, da sie wussten, dass wahre Freunde das Beste teilen, was sie besitzen
.“
(Seite 93)

Der weise-witzige, ja geradezu zärtlich-charmante Erzählton von Luis Sepúlveda wird von der Illustratorin Sabine Wilharm in stimmige heiter-augenzwinkernde, lebhafte Bilder übersetzt.

Wie der Kater und die Maus trotzdem Freunde wurden“ ist eine warmherzige Geschichte für große und kleine Leser sowie Vorleser, Betrachter und Zuhörer. Es ist ein altersloses Loblied auf den Wert wahrer Freundschaft und Verbundenheit – und dank der harmonisch begleitenden Illustrationen eine Bereicherung für Herz und  Auge.

 

Der Autor:

»Luis Sepúvelda, geboren 1949 in Nordchile, ging nach politischem Engagement in der Studenten- und Gewerkschaftsbewegung ins Exil nach Ecuador, gründete Theatergruppen in Peru, Ecuador und Kolumbien, arbeitete als Journalist. Er lebt heute in Spanien. Luis Sepúlveda schreibt Romane, Erzählungen, Theaterstücke, Hörspiele und Essays. Sein Werk wurde mit mehreren literarischen Preisen ausgezeichnet.«

Die Illustratorin:

»Sabine Wilharm, geboren 1954, studierte Illustration an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg und arbeitet als freie Illustratorin vorwiegend für Kinderbuchverlage.
Für Fischer hat sie u.a. auch Luis Sepúlvedas Kinderroman „Wie Kater Zorbas der kleinen Möwe das Fliegen beibrachte“ illustriert.«

Der Übersetzer:

»Willi Zurbrüggen, geboren 1949 in Borghorst, Westfalen, absolvierte eine Sparkassenlehre und arbeitete bei einer Investmentbank in Frankfurt am Main. Er bereiste den Maghreb und den Vorderen Orient, bevor er zwei Jahre in Mexiko und Mittelamerika lebte .Seit 1980 ist er freier Literaturüber-setzer aus dem Spanischen. Für seine Übersetzungen wurde er mehrfach ausgezeichnet.«

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Wie Kater Zorbas der kleinen Möwe das Fliegen beibrachte

  • von Luis Sepúlveda
  • Aus dem Spanischen von Willi Zurbrügge
  • Mit Bildern von Sabine Wilharm
  • deutsche Erstausgabe: Fischer Taschenbuchverlag 1997
  • Neuausgabe: Fischer Verlag  November 2009    http://www.fischerverlage.de
  • 144 Seiten
  • 9,99 € (D)
  • ISBN 978-3-596-80919-6
  • zum Selbsterlesen ab 8 Jahren
  • ansonsten jedoch eine vollkommen alterslose Geschichte
    978-3-596-80919-6.325854.jpg Wie Kater Zorbas

KATZENPERSPEKTIVE  UND  VOGELPERSPEKTIVE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der dicke, schwarze Kater Zorbas lebt in Hamburg, im Hafenviertel, und er ist mit einigen interessanten Katerpersönlichkeiten gut verkumpelt und befreundet. Er lebt bei dem freundlichen Jungen, der ihm einst das Leben gerettet hat, in einer Wohnung mit Balkon und schöner Aussicht auf den Hamburger Hafen.

Es sind Sommerferien, und der Junge ist mit seiner Familie verreist; einmal am Tag kommt ein Freund der Familie in die Wohnung, wechselt die Streu im Katzenklo aus, stellt Katzenfutter bereit, und nach einer kurzen Streicheleinheit ist Kater Zorbas wieder allein. Das ist ihm ganz recht, denn Kater gehen gerne eigenwillige Wege, und Menschen sind da manchmal hinderlich.

Zorbas nimmt gerade ein behagliches Sonnenbad auf seinem Balkon, als eine Möwe mit ölverklebtem Gefieder genau auf dem Balkon notlandet. Hilfsbereit will sich Zorbas gleich auf den Weg machen, um Rat und Hilfe von seinen Katerfreunden zu holen. Doch die Möwe weiß, daß ihr nicht mehr viel Lebenszeit bleibt, und hat einen ganz anderen Wunsch – sie will noch ein Ei legen und nimmt dem Kater drei Versprechen ab:

1. das Ei nicht aufzuessen,
2. das Ei auszubrüten,
3. dem geschlüpften Möwenküken das Fliegen beizubringen.

Kater Zorbas, der von edler Gesinnung ist, gibt der Möwe aus Mitgefühl und bei seiner Katerehre alle drei Versprechen und sucht sodann seine Katerkumpel auf: Colonello und Secretario sind „Untermieter“ eines italienischen Restaurants, Schlaumeier wohnt in einem riesigen Trödelbazar, und er ist sehr belesen, und dann ist da noch Hein Reling, ein Schiffskater, der in einem herrlichen maritimen Jargon miaut.

In Zorbas Abwesenheit legt die Möwe ihr Ei und stirbt. Die Kater begraben und betrauern die Möwe angemessen – eine Silbermöwe übrigens, wie der Schlaumeier kundzutun weiß. Dann beginnt für Zorbas eine anstrengende Zeit des Eibebrütens; doch Katerehrenwort ist Katerehrenwort und wird gehalten.

Nachdem das niedliche Küken geschlüpft ist und Zorbas mit Mama anspricht, wird es von der Katergemeinschaft feierlich auf den Namen „Afortunada“ getauft und in den weitläufigen Räumlichkeiten des Bazars versteckt, fürsorglich gefüttert und großgezogen. Bloß mit dem Flugunterricht hapert es. Schlaumeiers Vorlesungen zur Aerodynamik führen leider nicht zum gewünschten Erfolg.

Nach diversen mißglückten Flugversuchen bittet Zorbas darum, die Hilfe eines Menschen in Anspruch nehmen zu dürfen. Dazu muß er das Tabu – niemals in Menschensprache zu miauen – brechen. Dies ist ein großes Risiko, da die Menschen intelligente Tiere durch alberne Kunststückchen demütigen oder grausame und dumme Experimente mit ihnen machen.

Nach langer Beratung und sorgfältiger Überprüfung einiger in Frage kommender Menschen schlägt Zorbas einen Menschen vor, der Dichter ist undder mit seinen Wörtern fliegen kann.

Zorbas miaut den Dichter in Menschensprache an, und dieser ist nach anfänglicher Irritation sehr kooperativ. Er hat eine ebenso poetische wie praktische Idee, wie man der kleinen Möwe ihr luftiges Element schmackhaft machen könne …

Der besondere Reiz dieser Geschichte liegt in der vogel-und katzenperspektivischen Welt- und Menschensicht. Beispielsweise erinnert sich die ölverseuchte Möwe an kleine Schiffe, die in den Farben des Regenbogens bemalt waren und die große Schiffe daran hinderten, ihre Öltanks ins offene Meer auszuleeren – eine schöne „tierische“ Hommage an Greenpeace.

Luis Sepúlveda beschreibt die unterschiedlichen Katzenpersönlichkeiten wunderbar lebendig; und in Verbindung mit den ausgesprochen charakterstarken Illustrationen von Sabine Wilharm bekommen wir hier eine ganz außergewöhnliche Inszenierung von Text und Bild geboten.

„Wie Kater Zorbas der kleinen Möwe das Fliegen beibrachte“ ist eine heiter-tiefsinnige, sehr warmherzige Geschichte, deren eigenwilliger Charme kindliche und erwachsene Leser gleichermaßen anspricht. Es ist eines dieser seltenheitswertigen Bücher, die man immer wieder zur Hand nimmt und die sich kein bißchen abnutzen!

Und dieses Buch mit seinen herrlichen Katzencharakterzeichnungen ist auch ein geeignetes Geschenk für alle Katzenliebhaber- und Liebhaberinnen.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.fischerverlage.de/buch/wie_kater_zorbas_der_kleinen_moewe_das_fliegen_beibrachte/9783596856824

Der Autor:

»Luis Sepúvelda, geboren 1949 in Nordchile, ging nach politischem Engagement in der Studenten- und Gewerkschaftsbewegung ins Exil nach Ecuador, gründete Theatergruppen in Peru, Ecuador und Kolumbien, arbeitete als Journalist. Er lebt heute in Spanien. Luis Sepúlveda schreibt Romane, Erzählungen, Theaterstücke, Hörspiele und Essays. Sein Werk wurde mit mehreren literarischen Preisen ausgezeichnet.«

Die Illustratorin:

»Sabine Wilharm, geboren 1954, studierte Illustration an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg und arbeitet als freie Illustratorin vorwiegend für Kinderbuchverlage.
Für Fischer hat sie u.a. auch Luis Sepúlvedas KInderbuch „Wie der Kater und die Maus trotzdem Freunde wurden“ illustriert.«

Der Übersetzer:

»Willi Zurbrüggen, geboren 1949 in Borghorst, Westfalen, absolvierte eine Sparkassenlehre und arbeitete bei einer Investmentbank in Frankfurt am Main. Er bereiste den Maghreb und den Vorderen Orient, bevor er zwei Jahre in Mexiko und Mittelamerika lebte .Seit 1980 ist er freier Literaturüber-setzer aus dem Spanischen. Für seine Übersetzungen wurde er mehrfach ausgezeichnet.«

 

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