Der Mann, der zweimal starb

  • von Richard Osman
  • Originaltitel: »The Man Who Died Twice«
  • aus dem Englischen von Sabine Roth
  • Band 2 der MORDCLUB-Serie
  • List Verlag, Januar 2022 www.ullstein.de
  • Klappenbroschur
  • 448 Seiten
  • ISBN 9783471360132
  • 16,99 € (D), 17,50 € (A), 19,50 sFr.

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VON  EXEHEGATTEN  UND  EXAGENTEN

Oder: Diamonds are not always a girl‘s best friend

Rezension von Ulrike Sokul ©

Wer die vier Amateur-Detektive aus der luxuriösen Seniorenresidenz Coopers Chase (in der Grafschaft Kent, nahe der Stadt Fairhaven) noch nicht kennt, möge bitte meiner Rezension des ersten Falls „Der Donnerstagsmordclub“ einen aufmerksamen Lese- besuch abstatten: Der Donnerstagsmordclub

So, danke, daß Sie wieder da sind, nun gehe ich davon aus, daß Sie mit Joyce, Elizabeth, Ron und Ibrahim, den Mitgliedern des Donnerstagsmordclubs, und mit PC Donna und DCI Chris, den Vertretern der Polizei von Fairhaven, vertraut sind.

Ergänzend sollte ich jedoch noch Bogdan Jankowski erwähnen, polnischer Universal- handwerker und Schachspieler, der, wenn es sich nicht vermeiden läßt, auch souverän und zielsicher mit Waffen umgehen kann und der bereits seit dem ersten Band mit stiller, unbestechlicher Zurückhaltung sozusagen als Außendienstmitarbeiter des Donnerstagsmordclubs fungiert.

Nach den Aufregungen der vergangenen Mordfälle findet Joyce ihr Leben beinahe etwas
langweilig, und sie erwägt die Anschaffung eines Hundes, was vom Donnerstagsmord- club kontrovers diskutiert wird. Ibrahim, der ehemalige Psychiater, rät von der Anschaffung eines Hundes ab, da die statistische Wahrscheinlichkeit, daß der Hund Joyce überlebt, bei einundfünfzig Prozent läge.

Die ehemalige Geheimagentin Elizabeth ist bei dieser Diskussion nicht ganz bei der Sache, da sie über eine rätselhafte Nachricht mit einer Einladung zu einem Besuch in einer der vielen Wohnungen von Coopers Chase nachdenkt, die heimlich unter ihrer Türe durchgeschoben wurde. Doch resolut und scharfsinnig, wie sie trotz ablenkender innerer Gedankengänge und geheimdienstlich-lebenserfahrener Rückblenden ist, kürzt sie die Diskussion damit ab, daß ein Hund eine freudige Bereicherung für alle wäre und Joyce ruhig einen Hund aus dem Tierheim retten solle.

Während der Mordclub das Für und Wider von Joyces‘ Hundeanschaffung erwägt, obser-vieren Donna und Chris die neue Drogengroßhändlerin von Fairhaven, Connie Johnson, die kurz nach dem spurlosen Verschwinden der vorherigen Drogengeschäftsbrüder auf-getaucht ist. Sie gehen der Frage nach, ob Connie Johnson nur die neue Drogenhändlerin ist oder auch die Mörderin ihrer Vorgänger. Mit dieser verdeckten Beobachtung hoffen sie, Beweismaterial zu finden.

Doch unversehens klopft Connie Johnson an ihr Autofenster, reicht ihnen freundlich lächelnd zwei Kaffeebecher und merkt an, daß sie ihrerseits die sie observierenden Polizisten observiert habe, übergibt noch einen Umschlag mit entsprechenden Fotos und erkundigt sich sehr nett nach der Marke von Donnas Lidschatten. Tja, soviel zum Thema unauffällige Beschattung.

Am nächsten Tag folgt Elizabeth der brieflichen Einladung und trifft auf ihren Exmann und Exkollegen Douglas Middlemiss, der sich in Coopers Chase eine konspirative Wohnung genommen hat. Denn er muß vorsichtshalber verschwinden und erwartet außerdem, daß Elizabeth – gemeinsam mit der bereits als Kellnerin für Coopers Chases‘ Speiselokal eingeschleusten jungen Agentin Poppy – auf ihn aufpaßt.

Douglas wird von Martin Lomax, einem Geldwäsche-Kaufman für internationale Ver-brechersyndikate, beschuldigt, einen Samtbeutel mit Rohdiamanten im Wert von 20 Millionen Pfund bei der geheimdienstlichen Durchsuchung seiner Villa entwendet zu haben. Es sei dazu erwähnt, daß für die Geldwäschevermittlung Pfandsachen in Form von wertvollen echten Gemälden, Erstausgaben der Canterbury Tales, chinesische Jade, Goldbarren usw. hinterlegt werden.

Die mörderische Kaskade sieht nun folgendermaßen aus: Die New Yorker Mafia, der die Diamanten gehören, wird Martin Lomax umbringen, wenn diese nicht innerhalb einer kurzen Frist zurückerstattet werden. Somit fühlt sich Martin Lomax zwangsläufig genötigt, seinerseits Douglas mit dem Tod zu bedrohen, sollte er nicht schleunigst die Diamanten rausrücken.

Gegenüber Elizabeth gibt Douglas sogar zu, daß er die Diamanten eingesteckt hat, um sich seinen Ruhestand auf den Bermudas zu versüßen. Elizabeth willigt ein – unter der Bedingung, daß der Donnerstagsmordclub eingeweiht wird -, Douglas zu beschützen.

Wie erfolgreich dieses Beschützen ausgeht, werde ich nicht verraten. Es folgen ein kom-plexes Diamantenversteckspiel, weitere kryptische Botschaften in stillen Briefkästen, Zahlenspielereien mit Schließfächern, die strategische Vortäuschung altersbedingter Verwirrung und eine außergewöhnliche Zusammenarbeit von Geheimdienst und Polizei, bei der sich am Ende mehrere Verbrecher gegenseitig beseitigen.

Joyce entpuppt sich als scharfsinniger und nervenstärker, als man ihr auf den ersten Blick zutrauen würde, und sie genießt offensichtlich die Interaktion mit den Geheim-dienstmitarbeitern und die zunehmende Achtung, die Elizabeth ihr zollt.

Ron, Ibrahim und Bogdan operieren diesmal eher im Hintergrund, werten unter auf-merksamer und findiger Mitwirkung von Rons kleinem Enkel Aufzeichnungen von Über-wachungskameras aus oder verkleiden sich als mafiöse Drogendealer – solche kleinen Dienstleistungen tragen indes auch zur Aufklärung bei.

Und welcher wohltätigen Organisation schließlich die 20 Millionen aus dem Verkauf der Rohdiamanten gespendet werden, dürfen Sie gerne selbst erlesen.

Der zweite Band der MORDCLUB-Serie ist ebenso humorvoll und warmherzig wie der erste Band, jedoch deutlich aufregender; was tut man als Schriftsteller nicht alles, um die aufkeimende Langeweile der liebenswerten alten Joyce zu vertreiben! Die Charak- tere sind inzwischen perfekt aufeinander eingespielt, die zwischenmenschlichen Entwicklungen sowohl beim älteren als auch beim jüngeren Romanpersonal weisen auf interessante neue Aussichten hin, die sich vielleicht im dritten Band konkretisieren werden. Bis dahin also – Abwarten und Teetrinken!

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/der-mann-der-zweimal-starb-die-mordclub-serie-2-9783471360132.html

Hier entlang zum ersten Band der MORDCLUB-Serie:
Der Donnerstagsmordclub

Der Autor:

»Richard Osman ist Autor, Fernsehmoderator und Produzent. Sein Debüt, „Der Donners-tagsmordclub“, war ein internationaler Riesenerfolg.  „Der Mann, der zweimal starb“  ist sein zweiter, gleichwohl erstbester Roman. Er lebt in London.«

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Der Donnerstagsmordclub

  • von Richard Osman
  • Originaltitel: »The Thursday Murder Club«
  • aus dem Englischen von Sabine Roth
  • Band 1 der MORDCLUB-Serie
  • List Verlag, Mai 2021, www.ullstein.de
  • Klappenbroschur
  • 464 Seiten
  • ISBN 978-3-471-36014-9
  • 15,99 € (D), 16,50 € (A), 18,50 sFr.

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M E H R G E N E R A T I O N E N K R I M I

Rezension von Ulrike Sokul ©

Willkommen in Coopers Chase, einer Seniorensiedlung der gehobenen Preisklasse, schön gelegen auf einem ehemaligen Klostergelände zwischen den Hügeln der Graf- schaft Kent. Zum Leben im Ruhestand gehört hier selbstverständlich die eifrige Pflege diverser Hobbys, und wer hier mit Bridgespielen, Sport, Wellness-Ertüchtigungen, Puzzlelegen, Spazierengehen und Teetrinken nicht ausgelastet ist sowie zudem eine gute Portion Neugier, Wagemut und Subversivität mitbringt, wird bald Mitglied im Donnerstagsmordclub.

Folgende Mitglieder haben sich schon zusammengefunden: Die optimistische Joyce Meadowcroft, passionierte Kuchenbäckerin und ehemalige Krankenschwester, die strenge, mißtrauische Elizabeth Best, ehemals Geheimagentin, der lautstarke und gerne zupackende Ron Ritchie, ehemaliger Gewerkschaftsführer, auch als der „Rote Ron“ be-titelt, sowie der elegante, feinsinnige Ibrahim Arif, ein Psychiater im Ruhestand, der gleichwohl nach wie vor das eine oder andere therapeutische Gespräch anbietet.

Ursprünglich haben sich die vier Amateur-Detektive damit begnügt, alte, ungelöste Kri-minalakten – deren Herkunft wir einmal diskret augenzwinkernd nicht hinterfragen – zu studieren und diese Fälle zu ihrem eigenen Vergnügen aufzuklären. Doch da nun Tony Curran, einer der Bauunternehmer, der Coopers Chase geplant und gebaut hat, mit einem Schraubenschlüssel erschlagen wurde, fühlt sich der Donnerstagsmordclub geradezu aufgefordert, kriminalistische Nachformungen anzustellen. Zudem waren Joyce und Ron nach der Informationsveranstaltung über die geplanten Erweiterungs- bauten von Coopers Chase zufällig Zeugen eines Streits zwischen dem Mordopfer und Ian Ventham, dem zweiten Bauunternehmer.

Als PC Donna De Freitas in der Seniorenresidenz einen Vortrag zum Thema „Sicherheits-tipps für das häusliche Umfeld“ hält, wird sie vom Donnerstagsmordclub anschließend zum Mittagsessen eingeladen und sehr geschickt eingewickelt, ja, auch ein bißchen adoptiert. Gute Kontakte zur örtlichen Polizei sind für die kriminalistische Arbeit von nicht geringer Nützlichkeit. Und so dauert es nicht lange, bis auch Donnas Vorgesetzter, DCI Chris Hudson, vom unschätzbaren Wert der inoffiziellen Ermittlungsfähigkeiten der Mitglieder des Donnerstagsmordclubs überzeugt wird.

Ian Ventham will für die Erweiterung der Seniorenwohnanlage den alten Klosterfriedhof umbetten und eine nahegelegene schöne alte Baumgruppe fällen lassen, was bei vielen Bewohnern auf Ablehnung stößt. Außerdem erwecken einige Personen seit dieser Ankündigung den Eindruck, als hielten sie im Bereich des Friedhofs heimlich Wache. Hat jemand etwas zu befürchten, wenn die alten Gräber ausgehoben werden sollten?

Jedenfalls ist für die Bagger, die Ian Ventham beauftragt hat, um Tatsachen zu schaffen, kein Durchkommen. Denn, angeführt vom aufbrausenden Ron Ritchie, blockiert eine große Schar von Coopers-Chase-Bewohnern die Zufahrt, und das Zugangstor haben sie mit einem Vorhängeschloß versperrt. Die mehr oder weniger rüstigen Rentner veran- stalten einen gemütlich-gepolsterten Sitzstreik, picknicken seelenruhig und trinken Tee und Hochprozentiges aus Thermosflaschen. Ian Ventham tobt und ruft die Polizei.

Donna und Chris deeskalieren sowohl Ian Ventham als auch die Sitzstreikenden. Doch dann betritt Pater Matthew Mackie die Blockadebühne. Er hatte Ian Ventham schon mehrfach wegen seines ausdrücklichen Widerstandes gegen den „Frevel der Friedhofs-verlegung“ aufgesucht und genervt. Der selbstherrliche Ian Ventham verliert erneut die Beherrschung, beschimpft und schubst den Pater, der daraufhin stürzt.

Die älteren Herrschaften halten Ian Ventham mühsam zurück, und Donna hilft dem Pater auf, der bei seinem Sturz zum Glück unverletzt geblieben ist. Chris befiehlt Ventham, sich zurückzuziehen. Widerwillig geht Ventham zu seinem Auto und fällt dort tot um – eine Überdosis des Betäubungsmittels Fentanyl hat ihn buchstäblich umge- hauen.

Angesichts dieses zweiten Mordes kommt der Donnerstagsmordclub nun so richtig in Fahrt …

„Der Donnerstagsmordclub“ wartet mit einer facettenreichen, stimmigen und sympa-thischen Personalauswahl auf. Der Club besteht aus sehr unterschiedlichen Charak-teren, die sich mit ihren Stärken und Schwächen hervorragend ergänzen.

Während die alten Damen und Herren eine abgeklärte, gleichwohl begeisterungsfähige und sogar todesmutige Lebensperspektive vertreten, äußert sich in Donna und Chris eine jüngere Generation mit größerem Zukunftserwartungshorizont und entsprechen- den Sehnsüchten. Die Verletzlichkeiten und Verluste des Alters werden äußerst respektvoll, anrührend und gelegentlich auch mit einer gewissen Selbstironie darge- stellt. Die abwechslungsreiche Beziehungsdynamik zwischen den Generationen und den charakterstarken Persönlichkeiten ist reizvoll und unterhaltsam.

Der aktuelle Kriminalfall ist komplex und reicht zudem noch weit in die Vergangenheit zurück. In ausführlicher Erzählweise werden nach und nach neue Details und Zusam-menhänge enthüllt – manchmal von der Polizei, jedoch öfter vom Donnerstagsmordclub. Es kommen viele Personen als Täter in Frage, und das trägt sehr zur Spannung und zum Lesemitfiebern bei.

Amüsant sind die ebenso tastenden wie neugierig aufgeschlossenen Versuche, insbe-sondere von Joyce, sich mit sozialen Medien auseinanderzusetzen. So kommt sie nicht umhin, angesichts der Wisch-und-Weg-Romantik des Online-Dating-Portals Tinder sehr weise zu konstatieren: »Man kann auch zu viel Auswahl haben. Und wenn jeder zu viel Auswahl hat, wird es entsprechend schwerer, erwählt zu werden. Und wir alle wünschen uns doch, Auserwählte zu sein.« (Seite 396/397)

So mäandert diese Kriminalgeschichte mit stilvoller Dramaturgie und humorvollen Wortwechseln zwischen gefährlichen Ermittlungssituationen und bereichernden zwischenmenschlichen Begegnungen und Betrachtungen. Es ist gut, daß am Ende der Gerechtigkeit Genüge getan wird, gleichwohl ist das Beste, daß durch die gemeinsame Aufklärungsarbeit eine innige Verbundenheit zwischen den Figuren gewachsen ist. Das sind hervorragende Voraussetzungen für weitere Kriminalfälle, die dringend einer Lösung harren. Umso erfreulicher ist es, daß der zweite Band des „Donnerstags- mordclubs“ bereits erschienen ist – meine Besprechung folgt in einigen Tagen. 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/der-donnerstagsmordclub-die-mordclub-serie-1-9783471360149.html

Der Autor:

»Richard Osman ist ein englischer Fernsehmoderator, Produzent und seit Neuestem auch Autor. Die Idee für seinen Krimi kam ihm, als er eine Verwandte in einer luxuriösen Senioren- residenz besucht hat und ihm das Schlimmste zugestoßen ist, was einem modernen Menschen widerfahren kann: Er hatte keinen Handyempfang. Wer denkt da nicht sofort an Mord und Totschlag? »Der Donnerstagsmordclub« ist sein erster und bisher bester Roman.«

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