Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen

  • Kinderbuch
  • Illustrationen: Marc Boutavant
  • Text: Toon Tellegen
  • Übersetzung aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler
  • Carl Hanser Verlag 2015 www.hanser-literaturverlage.de
  • gebunden,  Fadenheftung
  • Format: 19 x 27 cm
  • 80 Seiten
  • durchgehend farbig illustriert
  • 14,90 € (D), 15,40 € (A), 21,90 sFr.
  • ISBN 978-3-446-24677-5
  • ab 6 Jahren zum Selbsterlesen
  • ab 4 Jahren zum Vorlesen
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MUT  ZUR  WUT

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wut hat viele Gesichter und Ausdrucksformen, einige davon werden in den zwölf Geschichten des Bilderbuches „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“ anschaulich vorgeführt.

Da können sich Käfer und Regenwurm nicht darüber einigen, wer von ihnen am wütendsten ist, und geraten darüber so richtig feurig-wetteifernd in Rage. Doch nachdem sie sich ausgetobt haben, können sie sich auch wieder miteinander vertragen.

Die Grille nimmt beim Käfer Nachhilfeunterricht im Wütendsein. Sie lernt den intensiv funkelnden Blick, die passende Mimik und Körperhaltung, aber sie kann sich einfach keine bösen Gedanken ausdenken. Schließlich provoziert der Käfer die Grille, indem er sie und ihr Grillenzirpen als häßlich bezeichnet. Da wird die Grille wirklich wütend und verpaßt dem Käfer eine Ohrfeige, die ihn umwirft. Freundlich hilft die Grille dem Käfer wieder auf, denn ihre bösen Gedanken sind schon wieder verflogen, und sie ist nicht nachtragend. Allerdings ist jetzt der Käfer beleidigt …

Der Elefant ist wütend auf sich selbst, weil er bei seinem Konflikt zwischen Gefühl und Verstand eine schmerzliche Erfahrung – wider besseres Wissen – wiederholt …

Der Igel hingegen wundert sich, daß er das Gefühl der Wut noch nie selbst empfunden hat und es nur aus der Beobachtung anderer Tiere kennt …

Der Klippschliefer ist wütend auf die Sonne, die jeden Abend untergeht und nicht wenigstens einmal für den Klippschliefer eine Ausnahme macht. Doch egal wie sehr er tobt und schimpft: Die Sonne macht, was sie will, und kümmert sich nicht um den Wunsch des Klippschliefers. Ja, wahrscheinlich hört sie ihm noch nicht einmal zu, gleichgültig wie böse er auf sie wird …

Das Eichhörnchen läßt sich von den Unverschämtheiten der wütenden Spitzmaus nicht zu einer Wutreaktion verleiten. Trotz der heftigen Wortattacken und Beleidigungen bleibt es  gelassen, was die Spitzmaus zum enttäuschten Rückzug veranlaßt.

Nilpferd und Nashorn begegnen sich auf einem schmalen Weg, und keines von beiden will ausweichen und den anderen vorbeilassen. Nachdem sie drohend klargestellt haben, daß keines von ihnen nachzugeben bereit ist, setzen sie sich erst einmal hin und schweigen. Dann teilen sie ihren Proviant, schließlich tanzen sie sogar miteinander, und am Abend verabschieden sie sich freundlich und versprechen sich gegenseitig gutgelaunt, einander beim nächsten Treffen auf keinen Fall aus dem Wege zu gehen.

Der Krebs kommt mit einem Musterkoffer voller Wut zur Maus ins Maleratelier und bietet seine Ware an. Die Maus entgegnet, daß sie ganz gut von alleine wütend sein könne, wenn sie das wolle, aber sie läßt sich dennoch das ganze Sortiment zeigen: „leichte, hellrote Wut, runzliger grauer Ärger, grünlicher Zorn und schneeweiße Raserei“.

Ganz unten im Koffer zieht etwas Hellblaues die Aufmerksamkeit der Maus auf sich. Das sei Wehmut, sagt der Krebs, und diese sei eigentlich unverkäuflich. Die Wehmut schaut aus wie ein halbdurchsichtiger Schal, und den wickelt sich die Maus um den kleinen Hals, und schon sagt sie seufzend „Ach…“

Die Ameise erklärt der wütenden Kröte, was sie mit ihrer Wut machen könne. Sie könne die Wut wegpusten, begraben, vergessen, aufessen, ins Meer werfen, sie wegsingen, übermalen, mit ihr tanzen, aber sie könne sie auch hegen und pflegen – doch am besten würfe sie die Wut einfach weg. Also wirft die Kröte die Wut weg, und danach unterhalten sich die beiden über die Zufriedenheit, mit der man nämlich „nie etwas tun müsste.

Die in diesem Kinderbuch versammelten Wutepisoden zeigen, daß Wut (oder sogenannte böse Gefühle und Gedanken) zum Empfindungsspektrum des Daseins gehören. Die vorgestellten Wutszenarien sind nicht todernst, sondern lustig, selbstironisch und leise philosophisch. Die Wut ist keine unausweichliche Naturgewalt, sondern sie ist beherrschbar, dosierbar und sogar verwandelbar.

Die  ausdrucksvollen Zeichnungen von Marc Boutavant geben den Figuren und ihren wechselvollen Gefühlen glaubwürdige Gestalt.

Der Autor Toon Tellegen plaudert nicht alles plakativ aus, sondern deutet an, läßt offen und weckt ein psychologisch-poetisch-philosophisches Nachspürecho, das der Reflexion und Akzeptanz eigener Wuterfahrungen dienlich sein kann. Mit diesem Bilderbuch können Kinder lernen, der eigenen und der fremden Wut mitfühlend zu begegnen und sie etwas schelmischer zu betrachten. Die zwölf Wutgeschichten eignen sich auch als Impuls, um mit Kindern über Wut und Wutanfälle zu sprechen, deren Ursachen zu entdecken und konstruktive Umgangsformen mit der Wut zu finden.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/man-wird-doch-wohl-mal-wuetend-werden-duerfen/978-3-446-24677-5/

 

Der Illustrator:

»Marc Boutavant, 1970 im französischen Dijon geboren, lebt und arbeitet in Paris. Er zählt zu den stilprägenden Illustratoren seiner Generation und ist insbesondere für seine farbenfrohen Werke für Kinder bekannt. Die Geschichten um seinen Bären Mouk und den Esel Ariol wurden beide für das Fernsehen verfilmt. Im Hanser Kinderbuch erschien nach Die große Reise des kleinen Mouk (2008) das von ihm illustrierte Kinderbuch „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen (2015).«

Der Autor:

»Toon Tellegen, am 18.11.1941 in Den Briel, Niederlande geboren, studierte Medizin in Utrecht, arbeitete als Arzt in Kenia und ließ sich als Lyriker in Amsterdam nieder. Heute ist er einer der bekanntesten Schriftsteller der Niederlande. 1997 erhielt er den Theo Thijssenprijs für Literatur, 2004 den Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur, den Goldenen Griffel bekam er 1988 und 1994, den Silbernen Griffel 1990, 1994, 1997 und 1999. Im Hanser Kinderbuch erschienen sind Josefs Vater (1994), Richtig dicke Freunde (1999) sowie Briefe vom Eichhorn an die Ameise (Hanser 2001). 2015 folgte das von Marc Boutavant illustrierte Kinderbuch „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“.«

Querverweis:

Hier geht es zu einem weiterem Kinderbuch von Toon Tellegen: Ein Garten für den Wal
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/03/27/ein-garten-fuer-den-wal/

PS:
Da der konstruktive Umgang mit Gefühlen ein wesentlicher Bestandteil  heilsamer kindlicher Herzensbildung ist, reihe ich meine Rezension von „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“ gerne bei  Petra Pawlowskys Projekt KINDER IM AUFWIND ein. Die Künstlerin Petra Pawlowsky hat auf ihrer Webseite „da sein im Netz“ https://pawlo.wordpress.com/ das Projekt KINDER IM AUFWIND initiiert:
»Fragt Ihr Euch auch manchmal, wie unsere Kinder all das verkraften, was an Nachrichten auf sie einstürzt?  Wie sie mit dem anspruchsvollem Leistungsdruck, der Hetze im Alltag, den Medien, den stumpfen Blicken vieler Erwachsener um sie herum zurechtkommen? Wie wir ihnen eine Basis geben können, gelassen, selbstsicher und hoffnungsvoll zu leben und in die Zukunft zu schauen? Eben im Aufwind zu bleiben…«

https://pawlo.wordpress.com/2016/08/18/kinder-im-aufwindchildren-upwind/

Sie lädt weitere Blogger dazu ein, thematisch passende Texte, Bilder, Fotos, Musik, Gemälde, digitale Kunst, Gedichte, Lieder, Zitate usw. per Linkhinweis ergänzend hinzuzufügen. Die bisherigen gesammelten Beitragslinks der anderen aufwindigen Teilnehmer finden sich – thematisch geordnet – hier: https://pawlo.wordpress.com/home-2/fundgrube-fuer-kinder-im-aufwind/

 

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Der Regenwurm ist immer der Gärtner

  • von Amy Stewart
  • Aus dem Amerikanischen von Eva Leipprand
  • Originaltitel: »The Earth moved. ©2004
  • On the remarkable Achievements of Earthworms«
  • Deutsche Ausgabe: oekom Verlag  August 2015        http://www.oekom.de
  • gebunden mit Schutzumschlag
  • 248 Seiten
  • 19,95 € (D)
  • ISBN 978-3-86581-731-0
    Der Regenwurm ist immer der Gärtner

W U R M W U N D E R

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Amy Stewart hat schon mehrere unterhaltsam-naturerkundliche Sachbücher geschrieben, nach „Gemeine Gewächse“ und „Gemeines Getier“ (siehe meine Besprechungen:  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/04/07/gemeine-gewaechse/   und https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/04/11/gemeines-getier/ ) widmet sie sich im vorliegenden Buch den Regenwürmern und Kompostwürmern.

Darf ich vorstellen? Lumbricus terrestris, der Gemeine Regenwurm, und Eisensia fetida, der Kompostwurm. Diese beiden Würmer gehören zur Klasse der Oligochaeta, und sie spielen ihre stille und gleichwohl zutiefst weltbewegende Rolle schon sehr lange auf Erden bzw. in der Erde. Der Regenwurm lebt unterirdisch und kommt nur an die Oberfläche, um abgestorbene Pflanzenteile zu „ernten“, während der Kompostwurm oberirdisch in der Streuschicht aus verrottenden organischen Abfällen zu Hause ist. 

Die Autorin hatte sich einen Wurmkomposter zugelegt, um ihre Küchenabfälle nachhaltig zu entsorgen und dabei Komposterde für ihren Garten zu gewinnen. Bei der Betrachtung ihrer fleißig-gefräßigen Helferlein erwachte ihr Interesse an den terrestrischen Würmern.
So folgte  der handfesten Gartenpraxis die theoretische Erforschung des Wissens über Erdwürmer.

Bereits Charles Darwin hatte ausgiebig und mit akribisch-hingebungsvollen Versuchsanordnungen Regenwürmer erforscht und ihre immense Bedeutung für die Fruchtbarkeit des Ackerbodens erkannt. Sein letztes Buch „Die Bildung der Ackererde durch die Tätigkeit der Würmer, mit Beobachtungen zu ihren Gewohnheiten“ erschien im Jahre 1881. Darwin schlußfolgerte korrekt, daß die Regenwürmer über eine kollektive Stärke verfügen, und er schätzte, daß ein halber Hektar Land mehr als 50 000 Würmer beherbergen könne. Inzwischen wissen wir, daß diese Zahl bei einer Million liegen kann.

Regenwürmer haben keine Augen und keine Lungen, sie haben Lichtrezeptoren in ihrer Haut, und sie atmen auch durch ihre Haut. Deshalb kommen sie bei starkem Regen, wenn sich ihre unterirdischen Gänge mit Wasser füllen, an die Erdoberfläche, um nicht zu ersticken. Nachts ziehen sich Regenwürmer pflanzliche Abfälle (z.B. Blätter, Halme, Tannennadeln) in ihre Röhren und verspeisen sie. Während sie sich durch den Erdboden graben, fressen sie auch Ton- und Sandpartikel und winzige vermodernde organische Substanzen. Das Endprodukt ihrer Verdauung ist der fruchtbare und feinstkörnige Wurmhumus, den man oberirdisch am Ausgang ihrer Wurmgänge als kleine spaghettiähnlich geringelte Erdhäufchen finden kann.

Wie ein Miniaturpflug bearbeiten die Regenwürmer den Boden und belüften ihn. „Sie modifizieren die Zusammensetzung der Erde, sie erhöhen ihre Fähigkeit, Wasser zu absorbieren und zu halten, und sie bewirken einen Zuwachs an Nährstoffen und Mikroorganismen.“ (Seite 24)

„Der Boden – und mit ihm der Regenwurm, der in ihm wohnt – ist selbst eine Feldfrucht, die man wie einen Rettich oder eine Tulpe kultivieren kann: indem man sorgfältig auf seine besonderen Bedürfnisse und Gewohnheiten achtet. Ich kam allmählich zu der Überzeugung, Regenwürmer könnten von allen Feldfrüchten, die ich anbaue, sogar die wichtigsten sein.“ (Seite 167)

Regenwürmer haben ein außergewöhnliches Regenerationsvermögen, und sie können verlorene Muskel- und Darmsegmente neu bilden. Die Experimente, die Wissenschaftler  dazu  angestellt haben, finde ich allerdings sehr unerfreulich.

Es gibt Riesenregenwürmer, die im amerikanischen Präriegrasland heimisch sind. Sie werden sechzig Zentimeter lang und duften nach Lilien. Doch Verstädterung und landwirtschaftliche Nutzung vertreiben diese an ungestörte Böden angepaßten, empfindlichen Würmer, und es sind schon lange keine mehr gesichtet worden.

Amy Stewarts Recherchen führten sie auch nach Australien zum weltweit einzigen Wurmmuseum und zum Gippsland-Regenwurm, der einen Meter lang werden kann und der gurgelnde Geräusche von sich gibt, wenn er sich gestört fühlt und in tieferen Röhrengängen Schutz sucht.

Regenwürmer werden heutzutage außerdem als Bioindikatoren in schadstoffbelasteten Böden eingesetzt. Die Messung der Schadstoffkonzentration im Regenwurmgewebe erlaubt Rückschlüsse auf die kumulative und kombinatorische Wirkung von Giftstoffen. Es wird auch daran geforscht, inwieweit man Würmer zum Abbau von Giften (z.B. PCB) nutzen kann.

Die Autorin berichtet von einer Abwasserkläranlage in Florida, in der Kompostwürmer innerhalb von sechs Tagen bakterienbelasteten Klärschlamm zu einem Biofeststoff der Qualitätsklasse A umwandeln, der bedenkenlos für landwirtschaftliche Nutzungen geeignet ist. Die komplexen Möglichkeiten, Würmer (und Mikroorganismen) in die Entgiftung und „Wiederbelebung“ menschlicher Abfälle einzubeziehen, werden verstärkt  entdeckt, ausprobiert und weiterentwickelt. Man könnte auch sagen, daß die Menschen inzwischen beginnen, „Würmer zu domestizieren“. (Seite 199)

Amy Stewart hat mit Begeisterung und Leidenschaft ein informatives Plädoyer für den Regenwurm geschrieben. Wenn sie von ihren eigenen Beobachtungen und handzarten Wurmerfahrungen erzählt, Darwin bewundernd zitiert und uns neueres Wurmwissen wohlportioniert „vorkaut“,  bringt sie uns nicht nur den Regenwurm näher, sondern sie eröffnet auch eine Perspektive, die in die Erde hineinschaut und uns demütiger werden läßt, angesichts des zwar meist unsichtbaren, aber doch sehr, sehr wirkungsvollen, lebensdienlichen Wirkens, das dort geschieht.

Tun wir also das Naheliegende und tragen unser Scherflein bei, z.B. indem wir genügend organisches Material in unserem Garten liegenlassen, um die Regenwürmer und Kompostwürmer zu füttern, die dann den Boden füttern, der dann die Pflanzen füttert, die wiederum uns füttern … Ist doch ganz einfach und hat sich bei den Regenwürmern schon seit Jahrmillionen bewährt.

Hier geht es zum Buch auf der Verlagswebseite des oekom Verlages:
http://www.oekom.de/nc/buecher/gesamtprogramm/buch/der-regenwurm-ist-immer-der-gaertner.html#0

Die Autorin:

»Amy Stewart ist Autorin mehrerer preisgekrönter Bücher über die Tücken und Freuden der Natur. Sie schreibt für die New York Times und ist Redakteurin für das Magazin Fine Gardening. Amy Stewart lebt in Eureka, Kalifornien, wo sie zusammen mit ihrem Mann ein Antiquariat betreibt und eine Horde Hühner hält.«

Querverweise:

Eine sinnvolle Ergänzung zum Wissen über Regenwürmer und ihren wertvollen Dienst für die Fruchtbarkeit des Erdbodens ist das Buch: Ackergifte? Nein danke! Für eine enkeltaugliche Landwirtschaft“ von Ute Scheub:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/03/12/ackergifte-nein-danke/

Für kindliche Regenwurmfreunde empfiehlt sich außerdem Antje Damms Leseanfängerbuch: Regenwurmtage:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/10/regenwurmtage/

Hier geht es zu den anderen beiden Büchern von Amy Stewart, die ich bereits besprochen habe:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/04/07/gemeine-gewaechse/
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/04/11/gemeines-getier/

PS:

Und hier gibt es ein ganz junges Wurmunternehmen (WormUp), das ich gerade auf UTOPIA entdeckt habe:

https://utopia.de/kompostieren-wuermer-haushalt-19132/?utm_source=Utopia+Newsletter&utm_campaign=f6f8c5f670-Newsletter_Mo_16KW21&utm_medium=email&utm_term=0_b26f88423e-f6f8c5f670-261731369

Wissenswert, sehenswert, nachhaltig und habenswert:   http://www.wormup.ch/#crowdfunding

»Nie mehr organische Abfälle in deinem Kehrrichtsack.  Der WORMUP-Komposter ganz aus natürlichen Materialien zum recyceln bei dir Zuhause.
Der WORMUP Komposter ist aus Ton, rund und besteht aus drei separaten Kompostier-Etagen, einem Boden- und einem Deckelelement. Er ist 35cm hoch, und hat einen Durchmessers von ø 40cm. In diesem System zersetzen die Regenwürmer bis zu 1,5kg organische Abfälle pro Woche. «
Vertiefende Infos unter :  https://wemakeit.com/projects/the-fine-art-of-composting

Wurmkomposter 1

Wurmkomposter 2

 

Wurmkomposter Innenansicht

 

 

Regenwurmtage

  • von Antje Damm
  • Moritz Verlag 2011        www.moritzverlag.de
  • 3. Auflage 2013
  • 56 Seiten mit farbigen Illustrationen von Antje Damm
  • gebunden, Fadenheftung
  • 9,95 € (D), 10,30 € (A)
  • ISBN 978-3-8956-233-2
  • ab 7 Jahren
    Regenwurmtage

R E G E N W U R M R E T T E R

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Regenwurmtage“ ist eine wunderbare, kind- und regenwurmgerechte Geschichte für Leseanfänger und ragt thematisch und sprachlich aus der Masse der konstruierten Leseanfängerbuchreihen heraus. Auch die gekonnt-kindlichen farbigen Illustrationen, die ebenfalls von der Autorin stammen, tragen zu dieser ECHTEN Attraktivität bei. Die Zeichnungen sind nicht oberflächlich süß-bunt, sondern ausdrucksvoll-eigenwillig.

In einfachen, klaren Sätzen und Worten von anschaulicher Gefühlsgenauigkeit gibt Antje Damm die kindliche Erfahrung und Perspektive der kleinen Ida und ihrer Regenwurmtage wieder.

Ida beschreitet zum ersten Mal alleine den Weg zur Schule, den sie zuvor mit ihrer Mutter mehrfach geübt hat. Sie ist ein bißchen aufgeregt, aber auch froh und neugierig, wie das Leben als Schulkind wohl sein wird.

Viele neue Eindrücke, etwa die nach Parfüm duftende, rothaarige Klassenlehrerin, unbekannte Kindergesichter und allerlei Verhaltensregeln, beanspruchen Idas Aufmerksamkeit. Als dann ausgerechnet ein Junge, der den seltsamen Namen Faruk trägt, neben sie gesetzt wird, ist sie gar nicht begeistert und sehnt sich nach Hause zurück zu ihrem Schmusetierhund.

Am nächsten Tag regnet es, und Ida sieht einen Regenwurm, der in einer Regenpfütze liegt und sich vergeblich bemüht, sich im Asphalt zu vergraben. Mitfühlend hebt sie den Regenwurm auf und setzt ihn in einem Vorgarten ab, damit er Zugang zu Erde hat. Auf ihrem weiteren Weg findet sie einen Regenwurmnotfall nach dem anderen, und sie trägt jeden einzelnen Regenwurm zum rettenden Erdreich.

So kommt Ida an ihrem zweiten Schultag acht Minuten zu spät und bekommt als erstes Kind ihrer Klasse einen Verspätungsvermerk in ihr Hausaufgabenheft. Ihr schüchtern vorgebrachtes Argument, daß sie Regenwürmer gerettet habe, zählt offenbar nicht als mildernder Umstand. Ida ist traurig und beschämt und kämpft mit den Tränen: „Es ist sehr anstrengend, nicht zu weinen, wenn man eigentlich müsste.“ (Seite 33)

Doch in der Pause spricht ihr Tischnachbar sie bewundernd auf ihre Regenwurmrettung an, und Ida bemerkt, daß Faruk eigentlich ziemlich nett ist. Nach der Schule gehen sie ein Stück des Heimweges gemeinsam und unterhalten sich freundlich.

Idas Mutter nimmt den Eintrag im Hausaufgabenheft zur Kenntnis, aber sie schimpft nicht mit Ida, sondern sie liest ihr aus einem Naturkundebuch biologisch-wissenswertes über Regenwürmer vor. Dadurch lernt Ida u.a., daß Regenwürmer einen wichtigen Beitrag zur Bodenfruchtbarkeit leisten und daß der Regenwurm zufällig das »Wirbellose Tier des Jahres« ist.

Am nächsten Tag gehen Ida und Faruk zusammen zur Schule, und Ida erzählt ihm, was sie inzwischen alles über Regenwürmer weiß. Faruk ist begeistert und freut sich schon auf den nächsten Regen.

Der nächste Regentag läßt nicht lange auf sich warten, und schon retten die beiden Kinder eifrig mindestens 15 Regenwürmer. Nun kommen sie gemeinsam zu spät zum Unterricht. Hand in Hand halten die Kinder den hochgezogenen Augenbrauen ihrer Lehrerin stand, und Ida sagt tapfer: „Wir sind ein bisschen spät … denn wir haben das Tier des Jahres gerettet und das war ein bisschen viel Arbeit, ehrlich gesagt.“ (Seite 47)
Und zum Beweis hält Ida der Lehrerin einen zappelnden Regenwurm hin…

Aus dem kurzen Nachwort erfahren wir, daß die Autorin diese Geschichte nicht erfunden, sondern als Kind selbst erlebt hat. Außerdem erzählt sie, daß sie, obwohl ihre kindlichen Regenwurmtage schon viele Jahre zurückliegen, auch heute als Erwachsene immer noch Regenwürmer aufsammelt.

Und als Echtheitszertifikat gibt es eine Faksimileabbildung des Verspätungseintrages wegen Regenwurmsuche.

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Antje Damm, geboren 1965 in Wiesbaden, studierte Architektur in Darmstadt und Florenz und lebt als Autorin von Kinderbüchern mit ihrem Mann und ihren vier Töchtern in der Nähe von Gießen.«

Im Moritz Verlag erschienen bislang folgende Bücher von Antje Damm:

Frag mich!
118 Fragen an Kinder, um miteinander ins Gespräch zu kommen
Hier entlang zu meiner Besprechung:  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/13/frag-mich/
Ist 7 viel?
44 Fragen für viele Antworten
Alle Zeit der Welt
Anlässe, um miteinander über Zeit zu sprechen
Nichts und wieder Nichts
Anlässe, um miteinander über NICHTS nachzudenken
sowie das Kinderbuch Hasenbrote, für das Antje Damm 2012 den Kinderbuchpreis des Landes Nordrhein-Westfalen erhielt.«

Hier entlang zu meiner Besprechung der Hasenbrote: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/17/hasenbrote/

Außerdem noch das ganz neuartige Bilderbuch „DER BESUCH“, dessen ausführliche Besprechung Sie unter folgendem Link bei mir nachlesen können: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/06/der-besuch/