böse

  • Bilderbuch
  • Text: Lorenz Pauli
  • Illustration: Kathrin Schärer
  • Atlantis Verlag September 2016  www.atlantis-verlag.ch
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 23,6 cm x 28,5 cm
  • 32 Seiten
  • 14,95 € (D), 15,40 € (A), 24,90 sFr.
  • ISBN 978-3-7152-0720-9
  • ab 4 Jahren
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EINE  GUTE  BÖSE  TAT

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das ist nun mal ein ganz anderes Bauernhof-Bilderbuchszenario. Hier wird mit einer völlig überraschenden Wendung eine perspektivische Vermessung von Gut und Böse vorgenommen.

Eine kleine hungrige Maus hockt versteckt im Stroh. Ziege, Hund, Taube, Pferd, Katze und Schweine plaudern miteinander und erzählen sich ein wenig selbstgefällig, wie lieb und brav sie sind und welche kleinen Bosheiten sie sich gelegentlich erlauben.

So erschreckt der Hund ab und an gerne den stolzen Hahn, die Ziege vergreift sich verfressen an den Gartenblumen, die Taube läßt gezielt einen Taubendreck auf den Hut des Bauern fallen usw. Alle Tiere finden das amüsant und tolerabel.

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Aus: böse © Atlantis Verlag 2016 Text: Lorenz Pauli / Illustration: Kathrin Schärer

Gerade in dem Augenblick, als die Katze sich gegenüber dem braven Pferd mit dem Erzählen vordrängelt, traut sich die Maus aus dem Strohversteck heraus und nähert sich einigen Körnern, die in der Nähe des Pferdes auf dem Boden liegen. Die Katze schweigt und schleicht sich an die Maus heran, alle Tiere schauen wie gebannt auf die Katze, die schon zum Jagdsprung ansetzt.

„KLACK tritt das Pferd auf die Maus.“ Sogleich äußern sich die Tiere entsetzt über diese böse Gemeinheit. Die Katze zieht sich eingeschüchtert zurück und trollt sich.

Der Hund fragt, warum das Pferd die Maus zertreten habe. Das Pferd antwortet, es habe der Katze eine Lektion erteilen wollen, die aus bloßer Langeweile Mäuse jage, obwohl sie doch ihr Futter vom Bauern bekäme.

Dann hebt das Pferd vorsichtig den Vorderhuf, und die unversehrte Maus, die bequem unter dem Hufeisen Platz gefunden hatte, kommt zum Vorschein und bedankt sich. Ganz leise, damit die Katze nichts davon bemerkt, lachen alle Tiere über diese „liebste Gemeinheit der Welt.“

 

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Aus: böse © Atlantis Verlag 2016 Text: Lorenz Pauli / Illustration: Kathrin Schärer

 

Lorenz Pauli erzählt diese hintersinnige Geschichte in kurzen, konzentrierten Sätzen mit lebhaften Dialogen in direkter Rede und mit spannender, bühnenreifer Dramaturgie. Die Illustrationen von Kathrin Schärer geben den dargestellten Tieren einen bewundernswert vielfältigen mimischen und körpersprachlichen Gefühlsausdruck.

„böse“ ist ein in mehrerer Hinsicht sehenswertes und bedenkenswertes Bilderbuch, das Kindern zeigt, daß Gut und Böse nicht immer einfach und eindeutig zu erkennen sind, sondern aus verschiedenen Perspektiven ganz unterschiedliche Schattierungen und Bewertungen erfahren, die einfühlsames Hinterfragen erfordern.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://ofv.ch/kinderbuch/detail/b%c3%b6se/102781/

 

Der Autor:

»Lorenz Pauli wurde 1967 geboren. Irgendwann wurde er Kindergärtner. Viele Jahre arbeitete und lachte er mit den Kindern. Dann wurden die Tage zu kurz, und nun lacht er nur noch: Vor seiner Tastatur und beim Erzählen auf der Bühne. 2012 stand Lorenz Pauli auf der IBBY-Honour-List für seinen Text »Oma Emma Mama« (2010, Atlantis). „Pass auf mich auf!“ (Pauli/Zedelius, 2015, Atlantis) war nominiert für den Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis 2015. Pauli lebt mit seiner Familie in Bern. Mehr über ihn, seine Bibliografie und seine Auftritte auf seiner Webseite: http://www.mupf.ch «

Die Illustratorin:

»Kathrin Schärer, geboren 1969 in Basel, studierte Zeichen- und Werklehrerin an der Hochschule für Gestaltung Basel. Sie unterrichtet an einer Sprachheilschule und arbeitet als Illustratorin. Wiederholt hat sie eigene Texte illustriert und in langjähriger Zusammenarbeit und mit großem Erfolg Geschichten von Lorenz Pauli. Für ihr Gesamtwerk war Kathrin Schärer für den Hans-Christian-Andersen-Preis 2012 und für den Astrid Lindgren Award 2014 nominiert. »Johanna im Zug« (2009, Atlantis) wurde 2011 mit dem Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis ausgezeichnet. Webseite: http://kathrinschaerer.ch/ «

Querverweis:

Hier entlang zu einer weiteren Kokreation von Lorenz Pauli und Kathrin Schärer:
Rigo und Rosa https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/06/28/rigo-und-rosa/

Hier entlang zu Katrin Schärers Bilderbuch über den Tod:
Der Tod im Apfelbaum https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/03/20/der-tod-auf-dem-apfelbaum/

Sartana – noch warm und schon Sand drauf

  • von und mit Bela B und Rainer Brandt
  • Hörspiel nach der Synchronfassung des gleichnamigen Films von Rainer Brandt,
  • bearbeitet und ergänzt von Leonhard Koppelmann, Roland Slawik und Christian Keßler
  • Produktion: Westdeutscher Rundfunk Köln 2016
  • der Hörverlag  November 2016   http://www.hoerverlag.de
  • Regie: Leonhard Koppelmann
  • Sprecher: Bela B, Peta Devlin,
  • Oliver Rohrbeck, Stefan Kaminski, Rainer Brandt u.a.
  • Musik: Bela B, Peta Devlin, Smokestack Lightnin‘
  • 2 CDs
  • mit Infobeilage und Leporello-Comic von Robert Schlunze
  • Laufzeit: ca. 1 Stunde 32 Minuten
  • 16,99 € (D), 16,99 € (A), 24,50 € sFr.
  • ISBN 978-3-8445-2475-8
    Sartana noch warm und schon Sand drauf von

SCHARFZÜNGIG  UND  SCHIESSGESCHWIND

Hörspielbesprechung von Ulrike Sokul ©

Räusperräusperhüstel – so langsam legen sich Wüstenstaub, Feuerwerksqualm und Pulverdunst, und ich kann meine Tastatur wiedererkennen. Das Echo twangiger Gitarrenklänge hallt mir noch in den Lauschlöffelchen, da will ich doch mal ein bißchen Rezensionsblut – ähm – Tinte vergießen.

Da hat sich ein illustres Ensemble zusammengefunden, um einen Spaghetti-Western in ein Hörspiel zu transformieren: Bela B, Peta Devlin und die Band Smokestack Lightnin‘ von der musikalischen Fraktion sowie Stefan Kaminski, Oliver Rohrbeck und die Synchronlegende Rainer Brandt (die deutsche Synchronstimme von Elvis, Tony Curtis, Jean Paul Belmondo…) von der schauspielerischen Fraktion. Regie führt Leonhard Koppelmann, dessen Hörspielinszenierung „Paul Temple und der Fall Gregory“ https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/13/paul-temple-und-der-fall-gregory/  ich vor einiger Zeit bereits enthusiastisch besprochen habe.

Umrahmt wird die schießwütige Handlung von metafiktiven Kommentaren, flapsigen Wortspielen und Italo-Western-Fachsimpeleien der beteiligten Hörspielsprecher. Das testosterongeschwängerte Genre wird durch die Einwände und selbstironisch-genderge-krösigen Verbesserungsvorschläge der einzigen weiblichen Mitspielerin und Sängerin (Peta Devlin) amüsant bereichert.

Sartana, der einsame Rächer und Scharfschütze der Kugel und des Wortes, reitet mit seinem 1-PS-Gaul Theophil durch die „staubstaubige Staubwüste“ bis in das Städtchen Indian Creek. Dort und in der näheren Umgebungswildwestnis fegt er einen großen Haufen Halunken ins Jenseits und verfügt dabei sogar über die Güte, die von ihm erledigten Schurken anständig und beblümt beerdigen zu lassen. O-Ton: „Ich arbeite nämlich mit eigenem Friedhof.“

Stets ist er seinen Widersachern mindestens eine Revolverlänge voraus, und auch sonst ist er nicht aufs Köpfchen gefallen und wirft eloquent-schnodderig mit coolen Sprüchen um sich. Er spekuliert mit sandigen, goldverdächtigen Grundstücken, legt sich gewagt mit Falschspielern an und liefert sich mit dem chinesischen Spielsalon-Boß Lee Tse Tung schlagfertige Zitatduelle. Beiläufig vernascht Sartana die attraktive Luderlady Jasemine, was jedoch auf triebhaft-berechnender Gegenseitigkeit beruht.

Ein böser Banker, ein korrupter Sheriff, eine zwielichtige Spelunkenchefin, eine lange Ahnengalerie von Gangstern und ein Totengräber im Akkordmodus runden den munteren Charakterköpfchen-Reigen sowie die explosive Dramaturgie treffsicher ab.

Doch was fasel ich Ihnen von Inhalten und Figurenschablonen – der Stil ist es, der hier den Ton angibt, und die wunderbare musikalische Kulisse, für die sich Smokestack Lightnin‘, Bela B und Peta Devlin mächtig ins Zaumzeug legen.

Alle Sprecher sind stimmkünstlerisch genial und professionell wortgewandt, und als Zugabe hört man ihnen auch die Spielfreude glaubhaft an.

Ich weiß nicht, was mir besser gefällt, die musikalischen Ennio-Morricone-Anspielungen, die schrägen Liedchen, das Western-Klischeegeklimper, die Wortspiele oder die markigen Sprüche, etwa:

„Es wird Zeit für Dich, sich zu subtrahieren!“

„Dem aufmerksamen Lauscher klingt das wie eine Drohung.“

„So, nun zeigt mal Papa, wie groß ihr seid. Hände schön in die Höh‘!“

„Ich glaub‘, mein Tintenfisch kleckert.“

„Übrigens, schöne Tapete haben Sie da an, Meister Chang! Selbst gemalt?“

„Ist das Asthma oder Leidenschaft?“

„Bleib senkrecht, Junge!“

Jetzt habe ich mich so auf den Italo-Western-Jargon eingeschossen, daß ich noch stundenlang aus dem kugelsicheren Westentäschlein plaudern könnte. Doch was schreib‘ ich mir hier Schwielen an die zarten Bücherfeenpfötchen: Hopp, Amigos, schwingt Euch aufs Pferd und trabt mal an – klickediklack – zur Verlagswebseite und genehmigt Euch ‘ne saftige Prise vom Hörspielpröbchen…
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Sartana-noch-warm-und-schon-Sand-drauf/der-Hoerverlag/e512474.rhd#info

Hier entlang traben zum informativen Werbefilm über die Sartana-Tournee:
https://www.youtube.com/watch?v=FLzS-7DFjZA
Na, schon süchtig, Campañeros? Hier noch ein Leseprobenhäppchen sowie ein Interview mit Bela B, Oliver Rohrbeck & Stefan Kaminski: https://www.youtube.com/watch?v=3vgzXT7sTOg

Dieses höllisch-vergnügliche Hörspiel ist seit dem 3.12.2016 auch auf Tournee zu erlauschleben. Tourdaten unter: http://www.bela-b.de
sartana-tourneedatenplakat
ACHTUNG, die Tourdaten haben sich geändert! Nachfolgend die aktualisierten Daten:

BELA B Featuring PETA DEVLIN, STEFAN KAMINSKI 
& SMOKESTACK LIGHTNIN´ (live on stage!)
Di., 28. Februar, Berlin, Theater am Kurfürstendamm (ausverkauft)
(special guest: Oliver Rohrbeck) 
Mi., 01. März, Berlin, Theater am Kurfürstendamm (ausverkauft)
(special guest: Oliver Rohrbeck)
Fr., 03. März, Hannover, Theater am Aegi
(special guest: Oliver Rohrbeck)
Sa., 04. März, Braunschweig, Staatstheater Braunschweig
(special guest: Oliver Rohrbeck)
So., 05. März, Erfurt, Alte Oper
Di., 07. März, Stuttgart, Theaterhaus
Fr., 24. März, Stade (Hamburg), Stadeum
Sa., 25. März, Münster Congress-Saal (Halle Münsterland)
So., 26. März, Bochum, Schauspielhaus (ausverkauft)
Di., 28. März, Bremen, Musical Theater
Mi, 29. März, Paderborn, Paderhalle
(special guest: Oliver Rohrbeck)
Do., 30. März, Köln, Klaus-von-Bismarck-Saal
(special guest: Oliver Rohrbeck)

 

Die Mitwirkenden:

»Bela B ist Schlagzeuger, Komponist, Sänger, Schauspieler und Synchronsprecher. Als Mitglied der Band Die Ärzte ist er in Deutschland eine bekannte Größe. Doch auch mit seinen Soloalben und diversen anderen Projekten konnte er große Erfolge verzeichnen. Neben der Musik widmet sich Bela B seinen vielseitigen Interessen und Hobbys. So leitete er zeitweise einen eigenen Comic-Verlag und betätigte sich als Autor und Schauspieler. Sein künstlerisches Interesse gilt nicht zuletzt dem Erzählen von Geschichten. Er verleiht dem Blechmann aus dem Zauberer von Oz in der Version der Augsburger Puppenkiste mit seiner Stimme Leben und wirkt an zahlreichen Hörbuchprojekten mit.«

»Oliver Rohrbeck, geboren 1965, sammelte schon als Kind bei der Sesamstraße erste Fernseh- und Schauspielerfahrungen. Seit seiner Kindheit ist er als Synchronsprecher tätig und leiht regelmäßig Ben Stiller seine Stimme. Einer großen Hörerschaft ist er als Justus Jonas durch die Hörspielreihe Die drei ???  bekannt. Außerdem arbeitet er als Sychronregisseur und ist der Chef und die kreative Kopf der Lauscherlounge.«

»Stefan Kaminski, geboren 1974, wollte eigentlich immer Meeresbiologe werden, hat dann aber Mikrofone, Kassetten und Geräusche für sich entdeckt – und seine Stimme, die aus vielem zu bestehen schien! Sein professioneller Weg begann 1996 beim Hörfunk, es folgte ein Schauspielstudium an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Lange spielte er am Deutschen Theater Berlin, wo er 2005 das Live-Hörspielformat Kaminski ON AIR entstand. Seine Stimme ist in vielen Produktionen von Radio, Fernsehen und Hörbuchverlagen zu hören. Er wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Hörbuchpreis und dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik.«

»Peta Devlin ist Musikerin sowie Musik- und Hörpsielproduzentin. In den 90er Jahren zog sie von England nach Hamburg. Sie war Bassistin mehrerer Bands, arbeitete an Bela Bs Album Bye mit und ist seit 2013 u.a. auch mit Bela B und Smokestack Lightnin‘ auf Tour.«

»Smokestack Lightnin‘ ist eine Americana-Rootsrock-Band aus Nürnberg. Sie arbeiteten bereits mit Bela B für sein Album Bye zusammen. Für Sartana steuern sie zusammen mit Bela B und Peta Devlin den Sountrack bei, der sich durch seine geniale Mischung aus Rockabilly, Country, Soul, Folk und twangigen Gitarren dem Western-Genre nähert.«

»Rainer Brandt, geboren 1936, ist Synchronsprecher. Synchronregisseur und Dialogbuchautor. Bereits während seiner Schauspielausbildung begann er mit der Tätigkeit als Synchronsprecher. Er lieh seine Stimme u.a. Elvis Presley, Tony Curtis, Jean-Paul Belmondo. Die von ihm verfassten Dialoge kennt man in erster Linie aus zahlreichen Filmen mit Bud Spencer und Terrence Hill oder auch aus US-Sitcoms wie Seinfeld und Frasier

 

Musikalisches Postskriptum:

Am 17.2. 2017 (man beachte die feine Zahlenkombination) ist das neue Soloalbum von Bela B erschienen:

bela-b-cd-bastard

Bela B

bastard

Label: B-Sploitation

Label Code: 33231

Vertrieb: Rough Trade

Formate: CD im Digipak, 12“-Vinyl, Download

 

Da ich es noch nicht vollständig selbst belauschlöffeln konnte, zitiere ich mal frech-gelassen aus der Pressemitteilung:

»Ein Schuss. Ein Held. Ein Album.
Bela B hat sein viertes Solo-Album im Ärmel und zum zweiten Mal schüttelt er es, gemeinsam mit seinem musischen Retro-Mob bestehend aus der wundervollen Peta Devlin und den unrasierten Smokestack Lightnin’, aufs Lässigste heraus.
bastard ist eine Hommage an die Un- wie Liebenswürdigkeiten, die der Western im Allgemeinen und der Spaghettiwestern im Speziellen zu bieten hat: einen ranzigen, imposanten, phrasen-preschenden Helden, eine kleine Stadt mit Casino und ohne Moral, mit diversen Duellen, einem vollzeitbeschäftigten Leichenbestatter sowie die eine bezaubernde Lady, die dir dein Herz mit gezücktem Peacemaker stiehlt.«

Also LOS Leute, schwingt Eure Lassos und fangt Euch das Hörspiel und/oder die neue Musik-CD oder eine Eintrittskarte.
Eine herrliche KOSTPROBE (nebst Augsburger-Puppenkisten-Animation 😉 ) kann man unter nachfolgendem Link betrachten und erhören: 
https://www.youtube.com/watch?v=zQNwlBiY754

 

 

Der Räuber Hupsika

  • von Paul Biegel
  • Aus dem Niederländischen von
  • Eva Schweikart
  • s/w Illustrationen von Carl Hollander
  • Verlag Urachhaus 2011                                http://www.urachhaus.de
  • gebunden, Halbleinen
  • 128 Seiten
  • 12,90 €
  • ISBN 978-3-8251-7801-7
  • ab 5 Jahren zum Vorlesen
  • ab 8 Jahren zum Selberlesen
    9783825178017_7441.png Räuber Hupsika

EIN  EHRLICHER  RÄUBER

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Als erwachsene Leser kennen wir die Umverteilung des Geldes von unten nach oben zur Genüge; da ist es erholsam und inspirierend, den Helden eines Kinderbuches dabei zu erleben, wie er Geld von oben nach unten verteilt.

Die Geschichte vom Räuber Hupsika hat eine sehr flotte, wendige und heiter-spannende Handlung, die auf entsprechend quirlige Weise erzählt wird. Hupsika ist ein herzhafter, schelmischer Held: empfindsam, mutig, munter, klug und verspielt.

Der Räuber Hupsika überfällt nur die Kutschen reicher Leute, bittet die Herrschaften höflich um ihr Geld und bedankt sich mit einer tadellosen Verbeugung für die Beutel voller Goldgulden und Silberdukaten. Dann reitet er mit seinem treuen Pferd in sein geheimes Haus, bekommt angesichts des Portraits seiner verstorbenen Mutter regelmäßig ein schlechtes Gewissen und verschenkt das Geld an die Armen.

Eines Tages pflückt er sich wieder Geldbeutel aus einer noblen Kutsche. Einer der reichen Herren wagt die Frage, ob Hupsika, da er doch so ein geschickter Räuber sei, vielleicht seine weggelaufene Tochter aus der Gewalt eines Schurken namens Eisengriff befreien könne. Nachdem Hupsika gemeinsam mit dem Vater einige Tränen über die Gefangenschaft von Tochter Josefine vergossen hat, werden sie handelseinig: Hupsika soll Josefine aus Eisengriffs Burg herausstehlen, und zur Belohnung erhält Hupsika tausend Goldgulden.

Frohgemut erzählt Hupsika dem Portrait seiner Mutter, daß er nun einer ehrlichen Arbeit nachgehe, und macht sich auf den Weg. Dank seiner Geschicklichkeit gelingt es Hupsika, die eigentlich uneinnehmbare Burg Eisengriff zu betreten und Josefine zu erblicken. Er verliebt sich augenblicklich und ist durch sein Räuberherzklopfen so sehr ablenkt, daß er von Eisengriffs Kriegsknechten überwältigt wird und unsanft im Kerker landet.

Eisengriff teilt ihm noch höhnisch mit, daß er nun für ein halbes Jahr mit Josefine verreisen werde, und wenn sie zurückkämen, wäre Hupsika wohl schon verhungert. Doch Hupsika gibt nicht so schnell auf. Mit einer lustigen List gelingt ihm die Flucht aus dem Kerker, und er nimmt die Verfolgung von Eisengriffs Kutsche auf.

Er scheut keine Gefahr, er verkleidet sich als Vogelscheuche, spielt wagemutige Glücksspiele und findet beiläufig einen Schatz. Mit beträchtlicher akrobatischer Wendigkeit rettet sich Hupsika aus mancher Bedrängnis, und solange er seine silbernen Sporen an den Stiefeln hat, kann ihn auch keine Fessel lange fesseln.

Das Einzige, was ihn fesselt, ist der Blick in die Augen Josefines, da wird ihm „ganz weich ums Herz, wie schmelzende Schokolade“. (Seite 39) Nach einigen wechselseitigen Verfolgungsrunden kann der Räuber Josefine endlich befreien. Hupsika pfeift auf die Belohnung und bittet erfolgreich um Josefines Hand.

So, erledigt“, sprach der Räuber und klopfte sich die Hose sauber, „jetzt noch schnell heiraten, und dann komme ich endlich wieder mal dazu, in Ruhe ein Buch zu lesen.“ (Seite 137)

Das ist doch mal Leseförderung, wie sie im Buche steht; hier zeigt sich der Autor als ebenso schelmisch wie sein Räuber Hupsika.

Die Schwarz-weiß-Zeichnungen von Carl Hollander setzen die turbulente Handlung lebhaft und fröhlich in Szene.

Der Autor:

»Paul Biegel (1925 – 2006) gehört mit Tonke Dragt, Thea Beckman und Annie M.G. Schmidt zu den bedeutendsten Vertretern der niederländischen Kinderliteratur. Er verfasste über fünfzig Bücher, sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter mehrfach mit dem begehrten Silbernen und Goldenen Griffel. Der Verlag Urachhaus ehrt den Großmeister der niederländischen Jugendliteratur mit einer achtbändigen Sonderausgabe seiner schönsten und erfolgreichsten Kinderromane. «

Der Illustrator:

»Carl Hollander ( 1934 – 1995) stammte aus Amsterdam. Er war u.a. Dozent an der Amsterdamer Rietveld Academie und illustrierte mehr als hundert Kinderbücher, darunter die Pippi Langstrumpf-Serie von Astrid Lindgren, zahlreiche Bücher von Paul Biegel, Annie M.G. Schmidt und An Rutgers van der Loeff. Er arbeitete gern mit Feder und Tusche, Bleistift, Buntstift und Aquarelltechniken. Durch ihre feinen, liebevoll ausgearbeiteten Details wirken seine lllustrationen besonders lebensnah und frisch. «