Rotkäppchen hat keine Lust

  • Bilderbuch
  • von Sebastian Meschenmoser
  • Thienemann Verlag  September 2016     http://www.thienemann.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 21,5 x 28 cm
  • 32 Seiten
  • durchgehend farbig illustriert
  • 12,99 € (D), 13,40 € (A), 18,90 sFr.
  • ISBN 978-3-522-45827-6
  • ab 4 Jahren
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UNGEZOGENES  ROTKÄPPCHEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Als altes Märchen hat man es heute nicht leicht. Immer wieder wird man persifliert, anders interpretiert und illustrativ neu tapeziert! Gleichwohl funktioniert dies nur, wenn man das Original kennt. Also dient es doch dem Erhalt und der wertvollen Weitergabe der Märchenkultur.

Sebastian Meschenmoser, der seine Bilderbücher selber zeichnet und schreibt, ist mir mit seinen genialen Herr-Eichhorn-Bilderbüchern (siehe die unten unter Querverweis eingefügten Besprechungslinks) bereits sehr ans Rezensentenherz gewachsen.

In diesem Bilderbuch beginnt das Märchen mit der Wolfsperspektive. Der Wolf ist einsam, hungrig und verbittert und erinnert sich an das Rezept seiner Großmutter, bei Bitterkeitsgefühlen ein süßes Kind zu verspeisen. Also verläßt er seine schützende Höhle und legt sich am Rande eines Waldweges auf die Lauer.

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Illustration von Sebastian Meschenmoser © Thienemann Verlag 2016

Er feilt noch an einem raffinierten Ansprechspruch, als auch schon ein ziemlich energisch ausschreitendes kleines Mädchen mit rotem Käppchen und Korb vorbeisaust. Auf die Frage des Wolfs, wohin sie denn wolle, antwortet das mürrische Kind, es besuche seine Großmutter zum Geburtstag. Sie beklagt sich, ihr ganzer Sonntag sei verschwendet, weil sie ihre verrückte Oma besuchen müsse, die einsam mitten im Wald wohne, in Gesellschaft zahlloser Hühner und langweiliger Fotoalben.

Galant fragt der Wolf nach den Geschenken, die sie wohl im Korb mitbringe. Als das  Mädchen „einen Ziegelstein, eine Socke und einen Kaugummi“ aufzählt, ist der Wolf entsetzt. Sogleich pflückt er einen schönen, bunten Waldblumenstrauß zusammen und belehrt das ungezogene Enkelkind darüber, was angemessene Geburtstagsgeschenke für eine alte Dame seien. Widerwillig schaut das Rotkäppi zu, wie der Wolf einen Kuchen backt und auch noch eine Flasche guten Weins organisiert.

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Illustration von Sebastian Meschenmoser © Thienemann Verlag 2016

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Illustration von Sebastian Meschenmoser © Thienemann Verlag 2016

Gemeinsam besuchen sie nun endlich die Großmutter, die sich sehr über die schönen Gaben und den haarigen Überraschungsgast freut. Während sich Großmutter und Wolf blendend verstehen, Kuchen und Wein genießen, Fotoalben durchblättern und sich köstlich amüsieren, schmollt das Mädchen vor sich hin, ärgert sich über den aus ihrer Sicht verschwendeten Sonntag und verläßt griesgrämig die heitere Runde.

Spät in der Nacht bringt der Wolf die Großmutter zu Bett und nimmt gerne ihr Angebot an, bei ihr einzuziehen. Von nun an backt er täglich einen Kuchen, die Großmutter zeigt ihm, wie man Socken strickt, und beide hungern fortan weder nach unterhaltsamer Gesellschaft noch nach leckeren Speisen.

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Illustration von Sebastian Meschenmoser © Thienemann Verlag 2016

Und das kleine Mädchen zieht in die verlassene Wolfshöhle und wird eine gefürchtete Räuberin, die jeden Sonntag frei hat …

Auch in seinem neuen Bilderbuch zeigt sich Sebastian Meschenmosers bewundernswerte Gabe, mit Bildern und mit Worten malen zu können. Gestik und Mimik der Charaktere sprechen lebhaft für sich selbst. Der Text umrahmt augenzwinkernd die Zeichnungen und ergänzt humorvoll und märchenironisch, was nicht in Bildersprache dargestellt wird.

Herr Eichhorn muß sich in dieser Geschichte mit einer Rolle als Kulissenfigur bescheiden, aber immerhin hat er zwei Auftritte.

Diese unkonventionelle Märchenversion, in der das Rotkäppchen verwildert und der Wolf vermenschlicht, ist eine amüsante und anregende Bereicherung der Märchenleseperspektive.

Hier entlang zum Buch auf der Verlags-Webseite: http://www.thienemann-esslinger.de/thienemann/buecher/buchdetailseite/rotkaeppchen-hat-keine-lust-isbn-978-3-522-45827-6/

Der Autor und Illustrator:

»Sebastian Meschenmoser wurde 1980 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte freie bildende Kunst in Mainz, lebt und arbeitet in Berlin. Mit „Fliegen lernen“  veröffentlichte er 2005 bei Esslinger sein erstes Bilderbuch, das sofort viel Beachtung fand. Sein zweites Buch „Herr Eichhorn und der Mond“, der erste Band der erfolgreichen Reihe, wurde 2007 für den Jugendliteraturpreis nominiert. Inzwischen erschienen neun Bilderbücher, zuletzt „Gordon und Tapir“, ebenfalls nominiert für den Jugendliteraturpreis 2015 in der Sparte  Bilderbuch.«

Querverweise zu den fünf Herr-Eichhorn-Bilderbüchern:

HERR EICHHORN UND DER MOND
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/19/herr-eichhorn-und-der-mond/

HERR EICHHORN UND DER ERSTE SCHNEE
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/21/herr-eichhorn-und-der-erste-schnee/

HERR EICHHORN UND DER BESUCHER VOM BLAUEN PLANETEN
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/28/herr-eichhorn-und-der-besucher-vom-blauen-planeten/

HERR EICHHORN WEISS DEN WEG ZUM GLÜCK
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/26/herr-eichhorn-weis-den-weg-zum-gluck/

HERR EICHHORN UND DER KÖNIG DES WALDES
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/09/22/herr-eichhorn-und-der-koenig-des-waldes/

Querverweis zu zwei weiteren Rotkäppchen-Bilderbuch-Variationen:

Die Katze, der Hund, Rotkäppchen, die explodierenden Eier, der Wolf und Omas Kleiderschrank:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/24/die-katze-der-hund-rotkaeppchen-die-explodierenden-eier-der-wolf-und-omas-kleiderschrank/

Der liebste Wolf der Welt
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/03/26/der-liebste-wolf-der-welt/

Oma trinkt im Himmel Tee

  • Bilderbuch
  • Text von Fang Suzhen
  • Übersetzung aus dem Chinesischen von Thomas Geiger
  • Illustrationen von Sonja Danowki
  • Nord Süd Verlag   www.nord-sued.com
  • 48 Seiten
  • Fadenheftung
  • 19,99 € (D), 20,60 € (A), 28,90 € sFr.
  • ISBN 978-3-341-10275-2
  • ab 4 Jahren

Oma trinkt im Himmel Tee Titelbild

ZWISCHEN  HIMMEL  UND  ERDE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Sehr feinfühlig und mit leisen Tönen in Wort und Bild vermittelt das Bilderbuch „Oma trinkt im Himmel Tee“, wie ein Kleinkind den Verlust seiner Großmutter verarbeitet und währenddessen sowohl eine zartes Bewußtsein von Vergänglichkeit als auch eine ganz persönliche Form der inneren Verbundenheit entwickelt, die Trost spendet.

Der kleine Xiao Le fährt mit seiner Mutter in das Dorf der duftenden Blumen, um seine Oma zu besuchen. Das Dorf ist weit entfernt, und sie müssen mit dem Zug fahren. Xiao Le freut sich schon darauf, endlich seine Oma wiederzusehen und ihr sein momentanes Lieblingsspielzeug, einen kleinen Bagger, zu zeigen.

Bei der Ankunft fremdelt er zunächst ein bißchen, denn die Oma hat sich sichtbar verändert und liegt krank im Bett. Während die Tochter einige haushalterische Dinge erledigt, schaut sich Xiao Le ein Kindheitsfoto seiner Mutter an, und seine Großmutter erzählt davon, wie die Mutter sich als Kind verhielt.

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Illustration von Sonja Danowski ©

(Alle hier wiedergegebenen Illustrationen sind aus dem Bilderbuch „Oma trinkt im Himmel Tee“ von „Fang Suzhen“, illustriert von „Sonja Danowski© 2015 NordSüd Verlag AG, Zürich / Schweiz)

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Illustration von Sonja Danowski ©

Dann steht sie auf und geht mit ihrem Enkel Hand in Hand in den Garten, und sie spielen vergnügt Tauziehen mit Sauerkleestengeln, und anschließend trinken sie gemeinsam mit der Mutter Tee und essen Kuchen. Schließlich muß sich die Oma erschöpft wieder hinlegen, und Xiao Le sieht, wie seine Mutter mit einer Nachbarin spricht und dabei weint.

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Illustration von Sonja Danowski ©

Xiao Le und seine Mutter fahren wieder zurück nach Hause. Xiao Le wird seine Oma nicht mehr wiedersehen.
(Anklicken vergrößert die Bildansicht)

Seine Mutter erklärt ihm später, daß seine Oma vom Dorf der duftenden Blumen in den Himmel umgezogen sei. Xiao Le fühlt, daß seine Mutter ihre Mutter vermißt, wenn sie gedankenverloren und weinend in den Himmel schaut, und er begreift auch, daß die Entfernung zum Himmel zu groß ist, um sie mit dem Zug zu überwinden.

Für Xiao Le wird der Blick in den Himmel zu einer stillen Verbindung zum himmlischen Alltag seiner Oma. Wenn die Sonne golden leuchtend untergeht, stellt sich Xiao Le vor, daß seine Oma sich im Himmel ein Spiegelei brät, oder wenn der Mond aufgeht, hat seine Oma das Licht angeknipst und wenn es regnet, wäscht sie ihre Wäsche.

Xiao Le ist damit im Einklang, daß seine Oma in unerreichbarer Ferne „lebt“, aber seiner Mutter nimmt er gleichwohl das Versprechen ab, nicht auf die Idee zu kommen, die Oma zum Teetrinken im Himmel zu besuchen …

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Illustration von Sonja Danowski ©

(Alle hier wiedergegebenen Illustrationen sind aus dem Bilderbuch „Oma trinkt im Himmel Tee“ von „Fang Suzhen“, illustriert von „Sonja Danowski© 2015 NordSüd Verlag AG, Zürich / Schweiz)

Einfühlsam hat die deutsche Illustratorin den chinesischen Text in detailreiche Bilder übersetzt, die ein asiatisches Ambiente wiedergeben. Die Zeichnungen von Sonja Danowski sind von erstaunlicher Feinheit, die Darstellung der menschlichen Lebensräume und das anrührend gefühlvolle Minenspiel der Familienmitglieder, die zärtlichen Gesten und die liebevollen Abschiedsblicke bringen das Unausgesprochene, das zwischen den Zeilen schwebt, überaus beredt zum Ausdruck.

Es sind Bilder, in deren feinsinniger Tiefe und transparenter Zwischenmenschlichkeit man geradezu meditativ versinken kann. Die sanftmütige Harmonie, die von diesem Bilderbuch ausstrahlt ist wirklich etwas ganz besonderes.

 

Hier gibt es Einblicke ins Bilderbuch:
http://www.book2look.com/vBook.aspx?id=lff7KVzQai

Die Autorin:

»Fang Suzhen ist eine preisgekrönte taiwanesische Kinderbuchautorin, die Bilderbücher, Märchen und auch Poesie für Kinder schreibt. Ihr Werk umfasst fast 200 Bücher. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin arbeitet Fang Suzhen auch als Übersetzerin und engagiert sich ehrenamtlich als Geschichtenerzählerin und in der Leseförderung.«

Die Illustratorin:

»Sonja Danowski lebt als Illustratorin in Berlin. Bei ihrer Arbeit liegt ein besonderer Fokus auf Bilderbüchern und darauf, mit Bildern menschliche Erinnerungen zu bewahren. Ihre kolorierten Zeichnungen wurden mehrfach international ausgezeichnet.
2013 gewann sie die Goldmedaille beim koreanischen Nami Island International Picture Book Illustration Concours. Diese Auszeichnung führte zur Zusammenarbeit mit dem chinesischen Kinderbuch-Verlag CCPPG.«

Querverweise:

Hier folgen Links zu weiteren Kinderbüchern zu den Themen: Abschied, Tod und Trauer:
Erik und das Opa-Gespenst

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/05/erik-und-das-opa-gespenst/
Kleiner Fuchs Großer Himmel
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/23/kleiner-fuchs-grosser-himmel/
Opa Meume und ich 
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/20/opa-meume-und-ich/
Wie lange dauert Traurigsein?
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/03/wie-lange-dauert-traurigsein/

Anna und Anna

  • von Charlotte Inden
  • Carl Hanser Verlag,  Juli 2013                         http://www.hanser-literaturverlag.de
  • 174 Seiten, gebunden 12,90 €
  • ISBN  978-3-446-24172-5
  • Taschenbuchausgabe  dtv Februar 2015           http://www.dtv.de
  • 7,95 € (D), 8,20 € (A)
  • ISBN 978-3-423-62597-5
  • ab 12 Jahren
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H E R Z E N S B I L D U N G

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Anna und Anna“ von Charlotte Inden ist eine ausgesprochen entdeckenswerte Ausnahmeerscheinung auf dem gegenwärtigen Jugendbuchmarkt.

Ein Jugendbuch in Form eines Briefromans zu schreiben finde ich gewagt, aber in diesem Falle sehr gelungen. Die Gefühlsausdruckspalette geht weit über das belanglose E-Mail- oder SMS-minimalistische „hi, smile, grins“ hinaus und beschenkt uns mit solch schönen Wortschöpfungen wie: weihnachtswunschlosglücklich (Seite 144)

Oma und Enkelin tragen den gleichenVornamen, und sie haben ein wirklich inniges und vertrauensvolles Verhältnis zueinander. Oma Anna und Enkelin Anna schreiben sich wechselseitig Briefe, in denen sie sich sehr ehrlich und gefühlvoll berichten, was sie betrifft und bewegt.

Die junge Anna ist zum ersten Mal verliebt – in ihren Kindheitsfreund Jan, und die alte Anna ist zum letzten Mal verliebt – in  Henri. Beide Annas schreiben außerdem Briefe, die nie abgeschickt werden, die also mehr wie eine Tagebucheintragung oder ein gefühlsordnendes Selbstgespräch erscheinen.

Wir nehmen bei der Enkelin Anna teil an Liebesunsicherheiten und an der rührend-verletzlichen Aufregung über das Gelingen des ersten Kusses, aber auch an der Fürsorge und Anhänglichkeit gegenüber der Oma. Bei Oma Anna sind die Herzensangelegenheiten lebenserfahrungsbedingt zwar abgeklärter, gleichwohl hat auch sie viel Herzklopfen auszuhalten, zumal Henri sie zu einer abenteuerlichen Weltumsegelung einlädt.

Der abwechselnd alte und junge Blick auf die Geschehnisse ist sehr einfühlsam und glaubwürdig.

In diesem Jugendbuch geht es um das Lieben und Lassen, Binden und Lösen, Blühen, Reifen, Fruchten und Welken, Weinen und Lachen, zu denen das Leben uns alle immer wieder herausfordert. Selten habe ich ein Buch gelesen, das diese Themen in einer solch leisen und leichten, ja: in der Schwebe des Lebendigen gehaltenen Sprache wiedergibt.

Charlotte Inden vermittelt anschaulich, daß Briefe etwas ganz Wertvolles sind, besonders wenn sie so schön lebendig und wahrhaftig geschrieben werden wie in diesem Liebes-Briefroman.

Und nach der Lektüre solcher Briefe lassen sich hoffentlich einige (junge und alte) Leser dazu anregen und inspirieren, selbst  zur Feder zu greifen und ihren Empfindungen und Erfahrungen Wortgestalt zu geben.

 

PS:
Die Gestaltung des Titelbildes ist auffällig unauffällig und spiegelt bei aufmerksamer Betrachtung sehr präzise die Buchstruktur. Ein cremeweißer Hintergrund, der an altmodisches Briefpapier erinnert, wird von tintenblauen Linien durchzogen, die in Schreibschrift Titel und Autorin benennen und  kleine Wellenkräusel und ein Segelboot andeuten. Parallel zu den blauen Linien laufen rote Linien, die sozusagen den roten Faden illustrieren, der auf der Buchvorderseite von einem kleinen Herzen gekrönt wird und auf der Buchrückseite in einen Anker ausläuft.

 

Die Autorin:

»Charlotte Inden, geboren 1979, studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Film- und Fernsehwissenschaften in Marburg, London und Straßburg. Sie lebt mit ihrem Mann in Karlsruhe, arbeitet als Redakteurin bei einer Tageszeitung und hat eine Botschaft an die Welt:
Schreibt mehr Briefe!«

Dem kann ich nur zustimmen!

Oma und die 99 Schmetterlinge

  • Text und Illustrationen
  • von Anna Marshall
  • 32 Seiten, 21,5 x 28 cm
  • Bilderbuch 
  • Arena Verlag 2012             http://www.arena-verlag.de
  • 978-3-401-09890-6
  • 12,99 €
  • ab 5 Jahren

978-3-401-09890-6.jpg Oma und die 99 Schmetterlinge

FLÜGELSTAUBBUNT

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Für die Schmetterlinge, die uns vorausgeflogen sind.“

So lautet die Widmung der Autorin und Illustratorin von „Oma und die 99 Schmetterlinge“, und bereits hier zeigen sich die Achtsamkeit, Würdigung und Weite, die dieses Bilderbuch auszeichnen. Es ist ein Buch mit sprechenden Bildern und mit viel Liebe zwischen den Zeilen.

In diesem Bilderbuch erzählt die kleine Enkelin liebevoll von ihrer Oma. Die beiden machen es sich auf dem Sofa oder mit dicken Kissen auf dem Boden gemütlich, und die Großmutter teilt ihre zerstreuten Erinnerungen mit der Enkelin. In kindlicher Selbstverständlichkeit bewertet die Enkelin die Vergeßlichkeit und Verwirrung ihrer Oma nicht, sondern läßt sie einfach so sein.

Sie schauen sich alte Fotos und Urlaubsandenken an, und die Oma erzählt, daß sie einst als Schulmädchen heimlich Schmetterlinge gezüchtet habe. Manchmal verliert sie den Faden, aber die Enkelin folgt ihr auf den Flügeln der Phantasie einfach in die vermischten Zeiträume.

Die Illustrationen zum Text greifen die Überschneidungen dieser Zeiträume bildgestalterisch auf;  so wird z.B. die Erinnerung der  Großmutter an die Freilassung der Schmetterlinge im einstigen Klassenzimmer mit kleinen, in die bunten Zeichnungen eingefügten Sütterlinschriftstückchen kombiniert.

Im Verlauf der Geschichte verliert sich die Großmutter immer mehr. Die Enkelin begleitet sie weiterhin mit offenem Herzen, und sie ahnt auch, daß der endgültige Abschied von ihrer Oma nicht mehr fern ist. Aber sie verfügt zugleich über die innere Gewißheit, daß sie ihre Oma immer in bester schmetterlingsbunter Erinnerung behalten wird, und so endet die Geschichte mit einer seelischen Flügelspannweite, die tröstlich stimmt.

Anna Marshalls Mischtechnik aus bunten Zeichnungen mit vereinzelten, sehr geschickt eingearbeiteten Collagenelementen und der etwas schrägen Perspektive ist außergewöhnlich reizvoll. Die dezent bunte Farbgebung, die ich in Anlehnung an das Schmetterlingsmotiv gerne flügelstaubbunt nennen möchte, paßt sehr schön zur empfindsamen, zarten und schwebenden Sprache der Geschichte.

Hier ist die Harmonie von Tiefsinn und Leichtigkeit sowie von Bildersprache und Erzählton wunderbar gelungen.

 

PS:
„Oma und die 99 Schmetterlinge“ gewann 2011 den »Meefisch« -Preis. Alle zwei Jahre wird von der Stadt Marktheidenfeld  der »Meefisch« -Preis für das beste unveröffentlichte Bilderbuch  im deutschsprachigen Raum verliehen. Der Arena-Verlag ist seit 2009 der offizielle Kooperationspartner des » Meefisch« -Preises und veröffentlicht den Siegertitel. So kam es, daß dieses feine Bilderbuch den Buchmarkt überhaupt erst erreichen konnte. Gut so!

Oma, die Miethaie und ich

  • von Tanya Lieske
  • illustriert von Daniel Napp
  • Beltz & Gelberg Verlag  2012        http://www.beltz.de
  • gebunden, 208 Seiten
  • 12,95 €
  • ISBN 978-3-407-82018-1
  • Taschenbuchausgabe Februar 2014 bei Gulliver
  • 6,95€
  • ISBN 978-3-407-74461-6
  • ab 9 Jahren
    9783407820181.jpg Oma, die Miethaie und ich

IM  LEBEN  LESEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das ist endlich wieder einmal ein Buch, das mir so gut gefällt, daß ich am liebsten seitenweise Zitate daraus wiedergeben möchte.

Kleiner Werkstattbericht gefällig, wie ich Buchbesprechungen verfasse? Während der Lektüre des Buches liegen in Griffnähe diese wunderbaren transparenten, ablösbaren Haftlesezeichen, die maßgeschneidert meine Textmarkierungsbedürfnisse befriedigen, ohne daß ich den Text mit einem Bleistift oder einem noch unauslöschlicheren Schreibutensil verunzieren muß. Wenn ich das Buch zu Ende gelesen habe, schauen mehr oder weniger bunte Lesezeichenfähnchen aus dem Buchblock heraus.

Im Falle von „Oma, die Miethaie und ich“  kamen 20 Fähnchen zusammen, das ist eine Menge bei einem Buch von 208 Seiten. Tja, da werde ich nun gnadenlos maximal 3 Stellen auswählen, die ich mir zu zitieren erlaube, der Rest muß dran glauben und darauf hoffen, bei der Lektüre des Buches vom geneigten Leser entdeckt zu werden.

Also fange ich jetzt damit an,  das Buch sprechen zu lassen:

„Ich heiße Salila. Den Namen habe ich bekommen, weil  Oma in Indien durch einen Fluss gewatet ist, als ich geboren wurde. Salila heißt » Wasser « .    …    Oma musste dann aus Indien zurückkommen, weil meine Mama bei meiner Geburt gestorben ist. Das passiert in Deutschland ganz selten. Man glaubt gar nicht, dass sich hinter 0,012 Prozent gestorbenen Leuten eine ganze Mama verbergen kann.“

Das Mädchen Salila lebt mit ihrer unkonventionellen Oma Henriette in einer schönen Altbauwohnung mit Kastanienbaumaussicht im Düsseldorfer Stadtteil Bilk. Die alleinerziehende Oma kann alles reparieren und ist im ganzen Stadtviertel für ihr handwerkliches Geschick berühmt, und so verdient sie den Lebensunterhalt durch nachbarliche Reparaturaufträge und mit der Aufarbeitung von Sperrmüllschätzen und Trödelfunden. Oma Henriette ist ausgesuchte Kaffeekennerin, sie spielt Black Jack, und sie verfügt über viel Zivilcourage.

Salila fällt das Lernen leicht, sie ist Klassenbeste, und ihr bester Freund ist Mehmet, der Neffe des türkischen Gemüsehändlers aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Multikulturelles Miteinander ist für Oma Henriette und Salila kein Sozialkundefach, sondern gelebter Alltag.

Oma Henriette ist zwar noch nie umgezogen, aber sie hat in jüngeren Jahren viele Reisen unternommen, sie hat in fremden Ländern gelebt und gearbeitet, daher spricht sie Englisch, Französisch und Spanisch, und sie  ist äußerst weltgewandt und kreativ. Von einem dieser Auslandsaufenthalte kehrte sie schwanger nach Düsseldorf  zurück und brachte ihre Tochter Linda zur Welt. Linda und Henriette wohnten in ebengenannter Altbauwohnung in Bilk, und als die Tochter erwachsen war, ging Mama Henriette nach Indien zu einem Yogameister. Linda setzte die Familientradition fort und wurde unehelich schwanger;  sie starb bei der Geburt ihrer Tochter, und Mama Henriette kam aus Indien zurück und wurde zu Oma Henriette.

Jeden Abend vor dem Einschlafen sitzt Oma bei Salila auf der Bettkante zum  „Dreierschwatz“, d.h. die beiden erzählen der verstorbenen Linda alles, was im Laufe des Tages geschehen ist und was sie vielleicht interessieren könnte: ein anrührendes Ritual und eine ausgesprochen einfühlsame Psychohygiene. Der Lebensstil von Oma Henriette ist fürsorglich, liebevoll, pragmatisch, humorvoll und manchmal weise.

Eines Abends sitzen die beiden vor dem von Oma Henriette bereits sechzehnmal reparierten Schwarz-Weiß-Fernseher und sehen einen Bericht über ihr Stadtviertel. Dort werden die schönen Altbauten gepriesen, die niedrigen Mieten, der kleinteilige Einzelhandel und die interkulturelle Sozialstruktur. Der Bericht endet mit dem Hinweis, daß die Wohnungsnachfrage in diesem Stadtviertel steigen werde und daß sich mit  der steigenden Nachfrage auch die Mieten erhöhen würden. Erwachsene Leser ahnen schon: Gentrifizierung droht. Dieses schwierige Wort kommt in der Geschichte jedoch nicht vor. Oma Henriette erklärt Salila das Problem mit dem anschaulichen und  bissigen Begriff Miethai.  Ihre Definition ist so treffend, daß sie zitiert gehört: Sie kaufen die alten Häuser auf und renovieren sie, und dann werden die Wohnungen so teuer, dass nur reiche Leute sie bezahlen können. Alle anderen müssen dann raus.“

Selbstbewußt und kämpferisch verspricht Oma Henriette, daß sie niemals aus ihrer Wohnung ausziehen würden. Salila ist vorläufig beruhigt, doch dann findet sie zufällig einen geöffneten Brief, aus dem hervorgeht, daß das Haus, in dem sie wohnen, durch einen Erbfall einen neuen Eigentümer bekommen hat, der in Hamburg lebt. Als ein weiterer Brief aus Hamburg eintrifft, erfährt Salila durch ihre heimliche Lektüre, daß ihnen die Wohnung gekündigt wurde.

Seltsamerweise reagiert Oma Henriette auf die Briefe nicht, bespricht die Angelegenheit nicht mit Salila und tut so, als gäbe es keinen Anlaß zur Sorge. Auf Salilas vorsichtige Nachfragen reagiert Oma Henriette ungewohnt ärgerlich und abwehrend trotzig.

Salila ist verwirrt und traurig, und sie spürt, daß ihre Oma etwas vor ihr zu verbergen versucht. Sie vertraut sich ihrem Freund Mehmet an, und die beiden überlegen, was man gegen Miethaie unternehmen könne und warum Oma Henriette sich so merkwürdig verhält.

Mehmet ist es, der auf die Idee kommt, daß Oma Henriette vielleicht nicht lesen kann. Salila mag das zunächst nicht glauben, aber als Mehmet unbefangen von einem seiner Onkel erzählt, der außer einer krakeligen Unterschrift nicht schreiben kann, fallen Salila eine Reihe von  Omagewohnheiten ein, die zu Mehmets Vermutung passen: Oma Henriette und Salila hinterlassen sich z.B.  kleine Nachrichtenzeichnungen auf dem Küchentisch, Oma Henriette läßt sich oft Texte von ihrer Enkelin vorlesen, weil sie gerade ihre Brille verlegt habe, Omas Unterschrift unter Salilas Zeugnis sah nicht nach einer flüssigen Erwachsenenschrift aus, und kürzlich öffnete sie eine angebliche Dose mit Erbsen, die sich dann als Makkaroni in Tomatensoße entpuppten.

Die Kinder entschließen sich, einfach selber einen Brief an den neuen Hauseigentümer zu schreiben. In diesem Brief erklärt Salila kindlich ehrlich und direkt, warum sie und ihre Oma keinesfalls aus der vertrauten und preiswerten Wohnung ausziehen können.

Mehmet druckt einen Wikipedia-Artikel über Analphabeten aus, und Salila erfährt, daß schätzungsweise jeder Zehnte in Deutschland mehr oder weniger analphabetisch ist. Salila wagt es nicht, Oma Henriette diesbezüglich Fragen zu stellen, und so muß es erst zu einer dramatischen Zuspitzung der Wohnsituation kommen, bis Oma Henriette endlich gesteht, daß sie nicht lesen und gerade mal mühsam ihre Unterschrift zusammenstoppeln kann.

Nachdem die beiden sich ausgesprochen haben und die Modernisierungsmaßnahmen im Haus schon so weit fortgeschritten sind, daß die ersten Stufen des Treppenhauses abgerissen werden, bekommt Salila eine freundliche Antwort auf ihren Brief. Der neue Hausbesitzer möchte seine Mieterinnen kennenlernen und kündigt seinen leibhaftigen Besuch an. Der Herr Miethai  ist ein überraschend sympathischer Mensch, und unter dem Einfluß von Oma Henriettes überragend köstlichem Kaffee findet sich eine für alle Parteien angenehme Lösung.

Besonders hervorheben möchte ich noch die wohldosierten Prisen Spiritualität, die der Geschichte zusätzlichen, unaufdringlichen Tiefsinn verleihen. So lernt Salila z.B., daß es beim Formulieren von Wünschen nicht sinnvoll ist, mit sprachlichen Verneinungsformen zu arbeiten, sondern daß nur die ausdrücklich positive Betonung des Erwünschten zum Ziel führt:

„Ich mache die Augen zu und  wünsche mir, dass wir nicht ausziehen müssen.» Ein Wunsch mit  >nicht<  drin geht nicht. «Ich brauchte einen Augenblick, bis ich verstanden habe, was sie meint. Dann mache ich die Augen zu und wünsche mir, dass wir hierbleiben dürfen, in unserer Wohnung unter dem Dach.“

„Oma, die Miethaie und ich“  zeichnet sich aus durch zwischenmenschliche Vielschichtigkeit, lebendige Figuren, Wortwitz, liebevolle Details und eine durchgehend erfreulich konstruktive und einfühlsame Behandlung sozialer Probleme. Die Sprache ist ausdrucksvoll, feinsinnig und kindgerecht.

Die Illustrationen von Daniel Napp passen vortrefflich und geben insbesondere die Charakterzüge und Stimmungen der Figuren ausgezeichnet wieder.


Die Autorin:

»Tanya Lieske ist Autorin und Literaturkritikerin. Sie schreibt Bücher für Kinder und Erwachsene. Im Deutschlandfunk (Köln) moderiert sie die Literatursendung Büchermarkt. Tanya Lieske lebt mit ihrer Familie in Düsseldorf, ein zweiter Schreibtisch steht in Irland.«
Weitere Informationen:       http://www.tanyalieske.de

 

 

Opa Meume und ich

  • von Maggie Schneider
  • mit Bildern von Jacky Gleich
  • Tulipan Verlag  2008                                http://www.tulipan-verlag.de
  •  66 Seiten,  12,90  €
  • 978-3-939944-16-4
  • zum Vorlesen ab 5 Jahren
  • zum Selberlesen ab 8/9 Jahren
  • Juli 2011 als Taschenbuch bei dtv
  • 978-3-423-71464-8, 6,95 €

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DAS  UNSICHTBARE  INNENDRIN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Rührend und sehr herzlich, ja  – seelenvoll!

Emma ist ein Schlüsselkind und geht zweimal pro Woche zu Opa und Oma Meume in den dritten Stock.  Opa und Oma Meume sind nicht die Großeltern von Emma, sondern Nachbarn. Bei diesem liebevollen, seit vierundsechzig Jahren verheirateten Paar bekommt Emma altmodische Gerichte wie Königsberger Klopse  oder Himmel und Erde zum Mittagessen und Hilfe bei den Hausaufgaben. Opa Meume liest sehr gekonnt vor, und Oma Meume geht bei jedem Wetter mit Emma in den Park. Jeden Sonntag tanzen Oma und Opa Meume einen Walzer miteinander, und manchmal schaut Emma diesem schönen Beziehungsritual zu.

Doch dann stirbt Oma Meume und Opa Meume zieht sich ganz in seine Trauer zurück. Die neunjährige Emma läßt sich jedoch nicht so leicht abwimmeln und findet immer wieder einen Vorwand, um den einsamen Witwer aus der Reserve zu locken: mal hat sie sich ausgesperrt und muß dringend aufs Klo, mal braucht sie ein Heftpflaster und die Mathehausaufgaben werden auch nicht leichter, und zu Weihnachten wünscht sich Emma, daß Opa Meume  mit ihr und ihren Eltern feiert. Nach dem Weihnachtsbesuch organisieren Emmas Eltern einen Pflegedienst und Essen auf Rädern für Opa Meume.

Die Kombination aus äußerer Pflege durch die Altenpflegerin und innerer Pflege durch Emmas Zugewandtheit führt zu einer deutlichen Verbesserung. Sie schauen sich alte Fotos an und Opa Meume teilt die dazugehörigen Erinnerungen mit Emma, und schließlich reden die beiden auch offen über den Verlust vom Oma Meume und über ihre Gefühle, Gedanken und Fragen zum Thema Tod und Einsamkeit.

 „Ich glaube, wenn ein Mensch stirbt, bleibt das übrig, was man nicht sehen kann, das Innendrin.“

Für die Sommerferien organisiert Emma sogar eine Opa-Kind-Betreuungsvertretung. Als sie aus dem Urlaub zurückkommt, liegt Opa Meume im Krankenhaus, und Emma kann ihn noch zweimal besuchen, bevor auch  er stirbt.

Meine Eltern wollten mich zu Opa Meumes Beerdigung mitnehmen, aber dieses Mal wollte ich nicht. Die letzte Ehre erwies ich Opa Meume im Park. Ich stellte mir sein unsichtbares Innendrin auf der Parkbank vor, und dann hielt ich eine kleine Rede: „Lieber Opa Meume, es ist komisch, ich habe manchmal das Gefühl, dass du da bist und dann wieder nicht. Ich weiß nicht genau, wie man jemandem die letzte Ehre erweist…“ , an dieser Stelle verbeugte ich mich vor der Bank, „aber ich denke, irgendwie so ähnlich. Ich hoffe du kannst mich hören. Und ich hoffe, du bist jetzt wieder bei Oma Meume, und es war nicht alles nur ausgedacht, was du mir erzählt hast. Vielen Dank für alles.“ Und dann verbeugte ich mich noch einmal.“

Auch ich verbeuge mich hiermit vor Maggie Schneiders außergewöhnlich feinfühligem Kinderbuch, das keine Berührungsängste mit seinem Thema hat. Es macht aus der Begegnung mit unserer Sterblichkeit eine Anleitung zum Mitgefühl. In der Geschichte lebt Emma ihren eigenen Eltern soviel mehr an Liebe und Fürsorge für den alten Nachbarn vor, daß sie nur mühsam hinterherhinken können. Die Empathiebegabung Emmas zeigt sich in vielen kleinen Gesten, z.B. schafft sie gefühlsneutrale Weihnachtsdekoration für Opa Meume herbei, nachdem sie erkennt, daß der vertraute Weihnachtsschmuck ihn traurig macht.

Gerade weil den schmerzlichen Empfindungen Raum und Ausdruck gegeben wird, entsteht auch wieder Raum für Schmunzelsituationen, die nicht nur Opa Meume erheitern, sondern auch uns Leser.

Die schrägen Illustrationen von Jacky Gleich begleiten und bereichern den Text ausgezeichnet. Mein Lieblingsbild ist der doppelte Walzertanz von Oma und Opa Meume, der den Zeitsprung vom jungen zum alten Ehepaar lebhaft in Szene setzt.

Kurz: Ich bin des Lobes voll!

 

Die Autorin:

»Maggie Schneider ist der Künstlername von Verlegerin Mascha Schwarz. Sie wurde 1965 geboren, studierte Fotografie an der Fotoakademie in München und arbeitete danach als freie Fotografin, Regisseurin und Autorin für Film- und Fernsehproduktionen. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in München. »Opa Meume und ich« ist ihr erster Roman.«

Die Illustratorin:

»Jacky Gleich wuchs in der DDR auf und studierte Animation an der Filmhochschule in Babelsberg und in Dresden. Seit 1995 illustrierte sie rund 50 Bücher und erhielt dafür viele Auszeichnungen, darunter den Deutschen Jugendliteraturpreis, den Gustav Heinemann Friedenspreis und das Ehrendiplom Schönste Bücher der Welt. Sie lebt mit ihrer großen Familie in Mecklenburg.«

 

Dieses Buch ist 2016  in einer Neuauflage erschienen, illustriert von Eleanor Sommer.

Die Illustratorin:

»Eleanor Sommer, geboren 1974 in Hamburg, studierte Illustration an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg. Sie ist Mitglied der Illustratorengruppe »Die Krickelkrakels« und arbeitet als freie Illustratorin für Verlage und Zeitschriften in Sichtweite des Hamburger Hafens, wo sie auch mit ihrer Familie lebt.«  Mehr auf www.eleanorsommer.de

Tulipan Verlag  
Format 19 x 13 cm
gebunden
10,00 €
ISBN 978-3-86429281-1
OpaMeume und ich_NEU_72

Hier geht es zum Titel auf der Verlagswebseite:
http://www.tulipan-verlag.de/Buecher/Opa-Meume-und-ich.html?listtype=search&searchparam=opa%20meume