Stein und Flöte

  • und das ist noch nicht alles
  • Märchenroman von
  • Hans Bemmann
  • Hörbuch
  • Sonderausgabe
  • Hörbuch Hamburg Osterwold, März 2020 http://www.osterwold-audio.de
  • ungekürzte Lesung von Oliver Rohrbeck
  • Laufzeit: 2519 Minuten bzw. fast 42 Stunden
  • 4 mp3-CDs im Klappschuber
  • 18,00 € (D), 20,20 € (A)
  • ISBN 978-3-86952-451-1

Persönliches Vorwort zu dieser Rezension:

Dies ist meine 500. Buchbesprechung! Aus diesem Anlaß widme ich mich heute mit dem größten Vergnügen einem meiner Lieblingslieblingsbücher: „Stein und Flöte und das ist noch nicht alles“ von Hans Bemmann, in der ungekürzten Hörfassung, gelesen von Oliver Rohrbeck.

M Ä R C H E N W E I S E S

Hörbuchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

„Wenn du erst einmal die Töne greifen kannst, wird die Flöte deine Gedanken selbst zum Klingen bringen. Und sie wird jeden, der sie hört, zu dem verleiten, was du beim Spielen im Sinn hast. Vergiß das nie! Du mußt wissen, daß mit der Weitergabe der Flöte eine Bedingung verknüpft ist: Dem Erben darf nur die Griffweise erklärt werden; was er dann auf der Flöte spielt, muß er selbst bestimmen. Mein Unterricht wird also kurz sein.“  (Seite 202)

„Stein und Flöte“ ist ein tiefsinniger, vielschichtiger und weiser Märchenroman von beträchtlicher Länge. Es ist eine klassische Heldenreise, in der ausführlich und charaktertief der Lebenslauf und die Verwandlungen von Lauscher, dem Enkelsohn des Sanften Flöters, erzählt werden. Lauschers Lebensweg ist verbunden mit den schicksals- wendigen Menschen und auch einigen Tieren, die ihm – sei es zugeneigt oder abgeneigt – begegnen, ihn beeinflussen und die seiner auf die eine oder andere Art bedürfen. So bietet dieser Roman nicht nur spannende Einblicke in Lauschers Charakter und Ent- wicklung, sondern auch in weitere interessante und starke männliche und weibliche Charaktere, die ihm zugesellt sind.

Der Held dieses Märchenromans heißt deshalb „Lauscher“, weil er sehr leise spricht und auf lautes Ansprechen oder gar Schreien mit Verwirrung und Unverständnis reagiert. Sein Vater ist der „Große Brüller“, ein haariges, kompakt-kräftiges, zupackendes und stimmgewaltiges Mannsbild, das in der Stadt Fraglund das lokale Richteramt ausübt. Seine aus einigen Tagesritten Entfernung zugereiste zarte und leise Mutter ist die Tochter des „Sanften Flöters“, dessen Ruf als diplomatischer Vermittler bei Krisen, Kriegen und Konflikten legendär ist.

Dabei spielt der Sanfte Flöter mit seiner silbernen Flöte keineswegs manipulativ, sondern seine – gewissermaßen mit absichtsloser Absicht gespielten – meditativ besänftigenden, einfühlsam mitschwingenden Flötentöne berühren die Herzen der Zuhörer, wecken ihr Mitgefühl, bringen Tränen zum Fließen oder lösen je nachdem auch Lachen und Schmunzeln aus, sie erinnern an das Verbindende zwischen den Menschen, lösen psychische Verhärtungen auf und führen so dazu, daß sich wieder ein Raum öffnet für ein konstruktives Gespräch zwischen verfeindeten oder zerstrittenen Parteien oder für die sachliche oder heitere Aufklärung von Mißverständnissen.

Als der Stadt Fraglund ein Überfall der Beutereiter droht, versammelt der Große Brüller die waffenfähigen Männer, um den Beutereitern in einer Schlucht eine Falle zu stellen. Lauscher, der zu diesem Zeitpunkt siebzehn Jahre alt ist, soll mitkommen und mit- kämpfen, erbittet sich aus, zwar mitzureiten, sich jedoch um die Verwundeten kümmern zu dürfen, da ihm der Umgang mit Waffen nicht liege.

Widerwillig stimmt sein Vater zu. Die örtliche Gemeinschaft kann die Beutereiter erfolg-reich in die Flucht schlagen. Lauscher findet einen tödlich verwundeten, alten Beute- reiter namens Arni, kümmert sich um ihn und gibt ihm zu trinken. Lauscher und der Beutereiter unterhalten sich eine Weile, und kurz bevor Arni stirbt, schenkt er Lauscher zum Dank seinen Talisman, einen Stein, der in den Farben blau-grün-violett schimmert und dessen pulsierendes Farbmuster an ein Auge erinnert.

Dieser Augenstein, den Arni einst selbst von der weisen alten Urla geschenkt bekommen hatte, diente ihm dazu, seinem eigenen unkonventionellen Weg zu folgen, und Lauscher hofft, daß dieser Stein sich auch für ihn als schicksalhafter Wegweiser eignen werde.

Nach der Begegnung mit Arni ist Lauscher von Unruhe erfüllt und bittet seinen Vater um ein Pferd, um seine Großeltern zu besuchen. Der Vater hätte Lauscher gerne zu seinem Nachfolger im Richteramt herangebildet, doch er sieht auch ein, daß Lauschers Wesensart wohl eher zu der des Sanften Flöters hinneigt, und so läßt er ihn ziehen. Der Weg zu den Großeltern ist weit und führt durch tiefe Wälder. Etwa auf der halben Strecke, in der Nähe der Stadt Barleboog, hat Lauscher eine „zauberhafte“ Begegnung, die ihn sowohl wortwörtlich als auch zwischenmenschlich von seinem Wege  ablenkt.

So findet er erst nach dramatischen Umwegen zu seinem Großvater, dem nun nur noch eine kurze Zeit bleibt, Lauscher in der Kunst des Flötenspiels zu unterweisen, bevor er sanft stirbt und Lauscher seine silberne Flöte hinterläßt.

Auf der Flöte findet sich eingraviert folgender Spruch:

„Lausche dem Klang,
folge dem Ton,
doch übst du Zwang,
bringt mein Gesang
dir bösen Lohn.“

Lauscher wird noch sehr, sehr, sehr lange brauchen, bis er mit seinem Flötenspiel diesem Leitspruch gerecht wird. Er bekommt zu früh machtvolle magische Gaben ge- schenkt, für die er noch nicht reif ist. Lauscher ist ungeduldig und selbstgefällig und wähnt sich wiederholt zu schnell und viel zu vordergründig am Ziel, und so geht er auf der Suche nach Bedeutsamkeit und Würde grandios in die Irre, erliegt den Versuchung- en von Eitelkeit, Macht und kurzfristigem persönlichen Vorteil. Er tut schlimmes Unrecht und löst eine Kette von Ereignissen aus, die auch ihn selbst schwer treffen und verletzen und ihn nach und nach zu mehr Selbsterkenntnis, Demut, Geduld und Weisheit führen.

»Nur wer Angst hat, strebt nach Macht. Dazu ist deine Flöte nicht geschaffen.«

Lauscher erfährt viele Verwandlungen, lernt die Sprache der Tiere und knüpft lebhafte Freundschaften mit ihnen. Zudem braucht Lauscher lange, bis er seinem Namen wirk- lich gerecht wird. Wieder und wieder hört er Geschichten darüber, wie der Sanfte Flöter die Macht seiner Flöte zum Wohle der Menschen und zum Wohle des Ganzen genutzt hat. All diese Geschichten und die Begegnung mit den Menschen, die sie erzählen, vermitteln ihm nach und nach auch ein umfassenderes Verständnis für die tieferen Zusammenhänge und Verstrickungen seines eigenen Lebens und Wirkens und weisen ihn schließlich den Weg zu Liebe, Versöhnung, Frieden, Freiheit, Heilung und Selbstgenügsamkeit.

»Alle wesentlichen Dinge sind einfach, wenn man sie erst einmal begriffen hat. Schwierig ist nur der Weg, den man bis dahin gehen muß.« (Seite 646)

Parallel zur Entfaltung von Lauschers Bestimmung und seiner individuellen Gaben handelt dieser Roman auch davon, wie sich soziales, gesellschaftliches Leben und seine Traditionen gestalten und verändern, wie innere und äußere Führung sich wechsel- seitig ausbalancieren und zu einer tragfähigen, möglichst gerechten und mündigen Gemeinschaft verbinden können, aber auch, wie die bloß formelhafte Nachahmung eines verehrten Vorbildes konterkarierend zu neuer gesellschaftlicher Unfreiheit, Erstarrung, Ungerechtigkeit und Unfrieden führen kann.

Eine abwechslungsreiche Landschaft aus weiten Wäldern, Gebirgen, Mooren, Grasland und Steppen bildet die Kulisse dieses Romans. Hier erfreut der Autor mit stimmungs-vollen Naturbeschreibungen und poetisch-präzisen botanischen Beobachtungen von Pflanzen, Jahreszeiten und Wetterlagen. Mythologische Pflanzen- und Heilpflanzen- kenntnisse fließen ebenso selbstverständlich mit ein wie feine Bemerkungen zur magischen Wirkung von Musik.

Da „Stein und Flöte“ ein Märchenroman ist, fehlt es auch nicht an sprechenden Tieren. So trifft Lauscher auf musikalisch-wegweisende Amseln, eine ironische Kröte, einen treuen Esel, eine Geborgenheit gebende Ziegenherde, eine weise Schlange, mehrere tapfere Mäuse, ein wendiges Wiesel und auch auf gefährliche Wölfe und einen sehr speziellen mit Vorsicht zu genießenden, grünäugigen Falken.

Lauscher erfährt unterwegs den Schutz, den Ebereschen vor bösen Kräften bieten, er schließt Freundschaft mit eine Nixe, und er bekommt in einer sehr einsamen Phase seines Lebens von einem geheimnisvollen Steinsucher einen Zirbelholzstab mit einge-schnitztem Gesicht geschenkt, der sich, nachdem er endlich dessen Namen herausge-funden hat, als sehr bedächtiger und angenehm duftender Holzgefährte und ebenso kluger wie tiefenentspannter Ratgeber entpuppt.

Der erzählende Vorleser Oliver Rohrbeck gibt einem beachtlich umfänglichen Stimmen-spektrum abwechslungsreich Ausdruck. Er verleiht männlichen, weiblichen, mütter- lichen, väterlichen, kindlichen, jugendlichen, erwachsenen, alten, lauten, leisen, genüg- samen, gierigen, ängstlichen, tapferen, herrischen, dienenden, stolzen, gütigen, zornigen, zärtlichen, schelmischen, menschlichen, tierischen, hölzernen und magischen Wesen überzeugende stimmliche Gestalt und Ausstrahlung.

Das Einzige, was mir bei dieser Hörbuchproduktion fehlt, ist eine musikalische Ein- rahmung des Erzähltextes. Zu Beginn und Ende wesentlicher Teilabschnitte wäre eine kurze Flötenspieleinlage eine schöne akustisch-atmosphärische Abrundung und Bereicherung der Lauscherfahrung. 

Die komplex-verflochtene und sinnlich-lebensvolle Komposition dieses Romans fügt sich aus eigenwilligen, charakterstarken Figuren, vielen Geschichtenverzweigungen, Zeitebenen, Bewußtseinszuständen, philoso- phischen Betrachtungen, poetischer Naturverbundenheit und phantasie- vollen Einzelheiten zu einem faszinierenden Ganzen zusammen. Hans Bemmann verbindet in „Stein und Flöte“ mit großem psychologischen Fingerspitzengefühl östliche und westliche Erzähltraditionen zu einem menschenkenntnisreichen und selbsterkenntniswirksamen Reigen.
 
Romane mit einem solchen Reichtum an archetypischer Seelentiefe, märchenhafter Herzensbildung und gütiger Geistesweite haben Seltenheitswert und lohnen eine wiederholte Lektüre bzw. Auditüre.

 

» „Darin liegt ja gerade das Geheimnis“, sagte Lauscher. „Wäre das Böse nicht in dieser Welt, wäre jedem Menschen die Freiheit genommen, sich aus eigenem Antrieb für das Gute zu entscheiden. Auf solche Weise ist das Böse stets auch der Diener des Guten. Du kannst die Welt nicht auf einen Schlag ändern. Zunächst geht es immer um den einzelnen Menschen.“ « (Seite 786)

 

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.hoerbuch-hamburg.de/hoerbuecher/bemmann-stein-und-floete-5227/

 

Der Autor:

»Hans Bemmann (1922–2003) studierte Musikwissenschaft und Germanistik. Seine ersten Werke veröffentlichte er in den frühen 1970er-Jahren unter Pseudonym, bis er 1983 mit dem Märchenroman Stein und Flöte eines der Kultbücher der phantastischen Literatur schuf. Das Werk wurde vielfach ausgezeichnet und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die späteren Romane, in denen der Autor wiederum Märchen und Mythen mit der Bewusstwerdung des Menschen verknüpfte, sind ebenfalls sehr erfolgreich.«

Der Sprecher:

»Oliver Rohrbeck, geboren 1965 in Berlin, ist Schauspieler und ein gefragter Synchron- und Hörbuchsprecher. Bekannt wurde seine Stimme vor allem durch die legendäre Hörspielreihe »Die drei ???«. Außerdem ist Oliver Rohrbeck die deutsche Stimme von Hollywood-Star Ben Stiller.«

Musikalische Zugabe:

Da ich das Fehlen einer musikalischen Einrahmung dieses Hörbuches beklagt habe, will ich nachfolgend eine Flötenmusik von Jacob van Eyck, gespielt von François Lazarevitch, darbieten, die recht gut zu diesem Roman paßt.  🎶 🎶  🎶 

Mit herzlichtem Dank an meinen Musikagenten 😉 Maestro Random Randomsen https://randomrandomsen.wordpress.com/ für die umfangreiche Recherche zu den passenden Flötentönen.  🎶 🎶 🎶

 

Persönliches Nachwort zur Buchausgabe:

„Stein und Flöte“ ist ein SEHR umfangreiches Werk, das ich vor mehr als 25 Jahren gelesen habe. Dieser Märchenroman von Hans Bemmann ist 1983 in der Edition Weitbrecht als gebundenes Buch erschienen, mit 818 Seiten, bedruckt  in der Schriftype Garamond neun Punkt – also eine ameisenspurenkleine Minischrift. Wäre dieser Roman eine aktuelle Neuerscheinung würde man ihn wohl mindestens in drei Bänden publizieren und vermarkten. 1983 waren die Verlage noch nicht so papierverschwenderisch und marketingstrategisch wie heute, wo bedeutend kleinere und kurzatmigere Werke durch entsprechende Schrifttypen- vergrößerung mindestens auf Trilogie-Format aufgeplustert werden.

 

Zur Zeit gibt es diesen Leseleckerbissen nur noch
im Taschenbuchformat
im Piper Verlag zu 16,00 € (D), 16,50 € (A):
https://www.piper.de/buecher/stein-und-floete-isbn-978-3-492-28230-7

 

 

 

 

Es ist wahrlich mehr als wünschenswert, diesen wertvollen Roman in drei gebundenen Bänden, vielleicht noch mit einem feinen Leinenschuber und mit Illustrationen von Friedrich Hechelmann, ganz neu aufzulegen. Hechelmann wäre meiner Ansicht nach der ideale illustratorische „Übersetzer“ für dieses märchenhafte Werk. Also liebe mitlesende Verlage: Ran an eine standesgemäße Buchgestaltung für diese zeitlose Lesekostbarkeit!

 

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Sartana – noch warm und schon Sand drauf

  • von und mit Bela B und Rainer Brandt
  • Hörspiel nach der Synchronfassung des gleichnamigen Films von Rainer Brandt,
  • bearbeitet und ergänzt von Leonhard Koppelmann, Roland Slawik und Christian Keßler
  • Produktion: Westdeutscher Rundfunk Köln 2016
  • der Hörverlag  November 2016   http://www.hoerverlag.de
  • Regie: Leonhard Koppelmann
  • Sprecher: Bela B, Peta Devlin,
  • Oliver Rohrbeck, Stefan Kaminski, Rainer Brandt u.a.
  • Musik: Bela B, Peta Devlin, Smokestack Lightnin‘
  • 2 CDs
  • mit Infobeilage und Leporello-Comic von Robert Schlunze
  • Laufzeit: ca. 1 Stunde 32 Minuten
  • 16,99 € (D), 16,99 € (A), 24,50 € sFr.
  • ISBN 978-3-8445-2475-8
    Sartana noch warm und schon Sand drauf von

SCHARFZÜNGIG  UND  SCHIESSGESCHWIND

Hörspielbesprechung von Ulrike Sokul ©

Räusperräusperhüstel – so langsam legen sich Wüstenstaub, Feuerwerksqualm und Pulverdunst, und ich kann meine Tastatur wiedererkennen. Das Echo twangiger Gitarrenklänge hallt mir noch in den Lauschlöffelchen, da will ich doch mal ein bißchen Rezensionsblut – ähm – Tinte vergießen.

Da hat sich ein illustres Ensemble zusammengefunden, um einen Spaghetti-Western in ein Hörspiel zu transformieren: Bela B, Peta Devlin und die Band Smokestack Lightnin‘ von der musikalischen Fraktion sowie Stefan Kaminski, Oliver Rohrbeck und die Synchronlegende Rainer Brandt (die deutsche Synchronstimme von Elvis, Tony Curtis, Jean Paul Belmondo…) von der schauspielerischen Fraktion. Regie führt Leonhard Koppelmann, dessen Hörspielinszenierung „Paul Temple und der Fall Gregory“ https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/13/paul-temple-und-der-fall-gregory/  ich vor einiger Zeit bereits enthusiastisch besprochen habe.

Umrahmt wird die schießwütige Handlung von metafiktiven Kommentaren, flapsigen Wortspielen und Italo-Western-Fachsimpeleien der beteiligten Hörspielsprecher. Das testosterongeschwängerte Genre wird durch die Einwände und selbstironisch-genderge-krösigen Verbesserungsvorschläge der einzigen weiblichen Mitspielerin und Sängerin (Peta Devlin) amüsant bereichert.

Sartana, der einsame Rächer und Scharfschütze der Kugel und des Wortes, reitet mit seinem 1-PS-Gaul Theophil durch die „staubstaubige Staubwüste“ bis in das Städtchen Indian Creek. Dort und in der näheren Umgebungswildwestnis fegt er einen großen Haufen Halunken ins Jenseits und verfügt dabei sogar über die Güte, die von ihm erledigten Schurken anständig und beblümt beerdigen zu lassen. O-Ton: „Ich arbeite nämlich mit eigenem Friedhof.“

Stets ist er seinen Widersachern mindestens eine Revolverlänge voraus, und auch sonst ist er nicht aufs Köpfchen gefallen und wirft eloquent-schnodderig mit coolen Sprüchen um sich. Er spekuliert mit sandigen, goldverdächtigen Grundstücken, legt sich gewagt mit Falschspielern an und liefert sich mit dem chinesischen Spielsalon-Boß Lee Tse Tung schlagfertige Zitatduelle. Beiläufig vernascht Sartana die attraktive Luderlady Jasemine, was jedoch auf triebhaft-berechnender Gegenseitigkeit beruht.

Ein böser Banker, ein korrupter Sheriff, eine zwielichtige Spelunkenchefin, eine lange Ahnengalerie von Gangstern und ein Totengräber im Akkordmodus runden den munteren Charakterköpfchen-Reigen sowie die explosive Dramaturgie treffsicher ab.

Doch was fasel ich Ihnen von Inhalten und Figurenschablonen – der Stil ist es, der hier den Ton angibt, und die wunderbare musikalische Kulisse, für die sich Smokestack Lightnin‘, Bela B und Peta Devlin mächtig ins Zaumzeug legen.

Alle Sprecher sind stimmkünstlerisch genial und professionell wortgewandt, und als Zugabe hört man ihnen auch die Spielfreude glaubhaft an.

Ich weiß nicht, was mir besser gefällt, die musikalischen Ennio-Morricone-Anspielungen, die schrägen Liedchen, das Western-Klischeegeklimper, die Wortspiele oder die markigen Sprüche, etwa:

„Es wird Zeit für Dich, sich zu subtrahieren!“

„Dem aufmerksamen Lauscher klingt das wie eine Drohung.“

„So, nun zeigt mal Papa, wie groß ihr seid. Hände schön in die Höh‘!“

„Ich glaub‘, mein Tintenfisch kleckert.“

„Übrigens, schöne Tapete haben Sie da an, Meister Chang! Selbst gemalt?“

„Ist das Asthma oder Leidenschaft?“

„Bleib senkrecht, Junge!“

Jetzt habe ich mich so auf den Italo-Western-Jargon eingeschossen, daß ich noch stundenlang aus dem kugelsicheren Westentäschlein plaudern könnte. Doch was schreib‘ ich mir hier Schwielen an die zarten Bücherfeenpfötchen: Hopp, Amigos, schwingt Euch aufs Pferd und trabt mal an – klickediklack – zur Verlagswebseite und genehmigt Euch ‘ne saftige Prise vom Hörspielpröbchen…
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Sartana-noch-warm-und-schon-Sand-drauf/der-Hoerverlag/e512474.rhd#info

Hier entlangtraben zum informativen Werbefilm über die Sartana-Tournee:
https://www.youtube.com/watch?v=FLzS-7DFjZA
Na, schon süchtig, Campañeros? Hier noch ein Leseprobenhäppchen sowie ein Interview mit Bela B, Oliver Rohrbeck & Stefan Kaminski: https://www.youtube.com/watch?v=3vgzXT7sTOg

Dieses höllisch-vergnügliche Hörspiel ist seit dem 3.12.2016 auch auf Tournee zu erlauschleben. Tourdaten unter: http://www.bela-b.de
sartana-tourneedatenplakat
ACHTUNG, die Tourdaten haben sich geändert! Nachfolgend die aktualisierten Daten:

BELA B Featuring PETA DEVLIN, STEFAN KAMINSKI 
& SMOKESTACK LIGHTNIN´ (live on stage!)
Di., 28. Februar, Berlin, Theater am Kurfürstendamm (ausverkauft)
(special guest: Oliver Rohrbeck) 
Mi., 01. März, Berlin, Theater am Kurfürstendamm (ausverkauft)
(special guest: Oliver Rohrbeck)
Fr., 03. März, Hannover, Theater am Aegi
(special guest: Oliver Rohrbeck)
Sa., 04. März, Braunschweig, Staatstheater Braunschweig
(special guest: Oliver Rohrbeck)
So., 05. März, Erfurt, Alte Oper
Di., 07. März, Stuttgart, Theaterhaus
Fr., 24. März, Stade (Hamburg), Stadeum
Sa., 25. März, Münster Congress-Saal (Halle Münsterland)
So., 26. März, Bochum, Schauspielhaus (ausverkauft)
Di., 28. März, Bremen, Musical Theater
Mi, 29. März, Paderborn, Paderhalle
(special guest: Oliver Rohrbeck)
Do., 30. März, Köln, Klaus-von-Bismarck-Saal
(special guest: Oliver Rohrbeck)

 

Die Mitwirkenden:

»Bela B ist Schlagzeuger, Komponist, Sänger, Schauspieler und Synchronsprecher. Als Mitglied der Band Die Ärzte ist er in Deutschland eine bekannte Größe. Doch auch mit seinen Soloalben und diversen anderen Projekten konnte er große Erfolge verzeichnen. Neben der Musik widmet sich Bela B seinen vielseitigen Interessen und Hobbys. So leitete er zeitweise einen eigenen Comic-Verlag und betätigte sich als Autor und Schauspieler. Sein künstlerisches Interesse gilt nicht zuletzt dem Erzählen von Geschichten. Er verleiht dem Blechmann aus dem Zauberer von Oz in der Version der Augsburger Puppenkiste mit seiner Stimme Leben und wirkt an zahlreichen Hörbuchprojekten mit.«

»Oliver Rohrbeck, geboren 1965, sammelte schon als Kind bei der Sesamstraße erste Fernseh- und Schauspielerfahrungen. Seit seiner Kindheit ist er als Synchronsprecher tätig und leiht regelmäßig Ben Stiller seine Stimme. Einer großen Hörerschaft ist er als Justus Jonas durch die Hörspielreihe Die drei ???  bekannt. Außerdem arbeitet er als Sychronregisseur und ist der Chef und die kreative Kopf der Lauscherlounge.«

»Stefan Kaminski, geboren 1974, wollte eigentlich immer Meeresbiologe werden, hat dann aber Mikrofone, Kassetten und Geräusche für sich entdeckt – und seine Stimme, die aus vielem zu bestehen schien! Sein professioneller Weg begann 1996 beim Hörfunk, es folgte ein Schauspielstudium an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Lange spielte er am Deutschen Theater Berlin, wo er 2005 das Live-Hörspielformat Kaminski ON AIR entstand. Seine Stimme ist in vielen Produktionen von Radio, Fernsehen und Hörbuchverlagen zu hören. Er wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Hörbuchpreis und dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik.«

»Peta Devlin ist Musikerin sowie Musik- und Hörpsielproduzentin. In den 90er Jahren zog sie von England nach Hamburg. Sie war Bassistin mehrerer Bands, arbeitete an Bela Bs Album Bye mit und ist seit 2013 u.a. auch mit Bela B und Smokestack Lightnin‘ auf Tour.«

»Smokestack Lightnin‘ ist eine Americana-Rootsrock-Band aus Nürnberg. Sie arbeiteten bereits mit Bela B für sein Album Bye zusammen. Für Sartana steuern sie zusammen mit Bela B und Peta Devlin den Sountrack bei, der sich durch seine geniale Mischung aus Rockabilly, Country, Soul, Folk und twangigen Gitarren dem Western-Genre nähert.«

»Rainer Brandt, geboren 1936, ist Synchronsprecher. Synchronregisseur und Dialogbuchautor. Bereits während seiner Schauspielausbildung begann er mit der Tätigkeit als Synchronsprecher. Er lieh seine Stimme u.a. Elvis Presley, Tony Curtis, Jean-Paul Belmondo. Die von ihm verfassten Dialoge kennt man in erster Linie aus zahlreichen Filmen mit Bud Spencer und Terrence Hill oder auch aus US-Sitcoms wie Seinfeld und Frasier

 

Musikalisches Postskriptum:

Am 17.2. 2017 (man beachte die feine Zahlenkombination) ist das neue Soloalbum von Bela B erschienen:

bela-b-cd-bastard

Bela B

bastard

Label: B-Sploitation

Label Code: 33231

Vertrieb: Rough Trade

Formate: CD im Digipak, 12“-Vinyl, Download

 

Da ich es noch nicht vollständig selbst belauschlöffeln konnte, zitiere ich mal frech-gelassen aus der Pressemitteilung:

»Ein Schuss. Ein Held. Ein Album.
Bela B hat sein viertes Solo-Album im Ärmel und zum zweiten Mal schüttelt er es, gemeinsam mit seinem musischen Retro-Mob bestehend aus der wundervollen Peta Devlin und den unrasierten Smokestack Lightnin’, aufs Lässigste heraus.
bastard ist eine Hommage an die Un- wie Liebenswürdigkeiten, die der Western im Allgemeinen und der Spaghettiwestern im Speziellen zu bieten hat: einen ranzigen, imposanten, phrasen-preschenden Helden, eine kleine Stadt mit Casino und ohne Moral, mit diversen Duellen, einem vollzeitbeschäftigten Leichenbestatter sowie die eine bezaubernde Lady, die dir dein Herz mit gezücktem Peacemaker stiehlt.«

Also LOS Leute, schwingt Eure Lassos und fangt Euch das Hörspiel und/oder die neue Musik-CD oder eine Eintrittskarte.
Eine herrliche KOSTPROBE (nebst Augsburger-Puppenkisten-Animation 😉 ) kann man unter nachfolgendem Link betrachten und erhören: 
https://www.youtube.com/watch?v=zQNwlBiY754

 

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