Ein Gentleman in Moskau

  • Roman
  • von Amor Towles
  • Originaltitel: »A Gentleman in Moscow«
  • Aus dem amerikanischen Englisch von Susanne Höbel
  • List Verlag  September 2017 www.list-verlag.de
  • gebunden
  • mit Schutzumschlag
  • 560 Seiten
  • LESEBÄNDCHEN
  • 22,00 € (D), 22,70 € (A)
  • ISBN 978-3-471-35146-8

BROT  UND  SALZ

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Graf Alexander Iljitsch Rostov steht im Jahre 1922 in Moskau vor dem Notstandskomitee – angeklagt wegen des  „Verbrechens als Aristokrat geboren zu sein“. Da er in seiner Jugend einmal ein Gedicht verfaßt hat, das einen gewissen vorrevolutionären Geschmack aufweist, wird er nicht erschossen, sondern zu lebenslangem Hausarrest im Hotel Metropol, seinem derzeitigen Wohnsitz, verurteilt.

Begleitet von zwei Soldaten verläßt Rostov den Kreml, überquert den Roten Platz und bewegt sich zum Theaterplatz, an dem sich das Hotel Metropol mit Aussicht auf das Bolschoi-Theater befindet. Auf dem Weg in die Suite, die er schon seit vier Jahren bewohnt, grüßt er freundlich zugewandt die bei seinem Anblick verdutzt bis ungläubig blickenden Hotelangestellten.

Bei der Ankunft in seiner Suite wird er vom dort wartenden Hauptmann darüber informiert, daß er von nun an in einer der Dachkammern des Hotels zu wohnen habe und daß er jetzt seine persönlichen Gegenstände, soweit sie Platz dort fänden, auswählen solle, der Rest ginge ins Volkseigentum über. Besonnen sucht der Graf aus, was ihm aus praktischen und nostalgischen Gründen relevant erscheint, und richtet sich in den neun Quadratmetern seines neuen Heims ein.

Bevor er sich zum Schlafen niederlegt, bestimmt er die Tonhöhe der Bettfedern seines neuen Bettes – Gis – und erinnert sich an seine jugendlichen Reisewünsche und seine damalige Begeisterung für schmale Kojen und ihre sparsame, zweckmäßige Ausstattung – eine Betrachtungsweise, die ihn heiter stimmt und beispielhaft für des Grafen grundsätzliche Zuversicht und Lebenszugewandtheit steht.

Erst am nächsten Morgen, als er gewohnheitsmäßig seinen genüßlich-müßiggänge- rischen Tagesablauf plant, wird ihm so recht bewußt, daß sein eingeschränkter Bewegungsradius eine neue Tagesplanung erforderlich macht. Zunächst jedoch genießt er sein übliches Frühstück – eine Kanne Kaffee, zwei Haferkekse und ein wenig Obst nach der Saison – und nimmt dabei erfreut zur Kenntnis, daß der Hotelbursche, der sein Frühstück gebracht hat, sich sehr beeilt haben muß, da der Kaffee, trotz der um drei Treppenetagen verlängerten Wegstrecke, wohltemperiert ist.

Der Graf erinnert sich an den Rat seines Onkels, der besagt, „dass ein Mensch Herr seiner Umstände sein muss, wenn er nicht von ihnen beherrscht werden will…“ (Seite 43), und reflektiert über literarische Charaktere, die in Gefangenschaft geraten sind. Beim Vergleich mit Edmond Dantes, der von Rachegedanken motiviert wurde, bemerkt Rostov, daß Rache nicht sein Metier ist – da ist ihm Robinson Crusoe näher, der sich, um sein Überleben auf einer Insel zu sichern, einfach gründlich und vorausschauend um die praktischen Dinge des Lebens kümmert.

Nachdenklich betrachtet er sein vollgestelltes Kämmerchen und beschließt, seinen Besitz noch etwas weiter zu reduzieren, und verstaut überflüssige Dinge in einer der anderen leerstehenden Kammern des Dachbodens. Dann kümmert er sich um einige organisatorische Belange und bestellt per Brief feine Leinenbettwäsche, seine Lieblingsseife und ein Millefeuille. Diskret sei noch erwähnt, daß der Graf, dank der in den Beinen seines Schreibtisches verborgenen Geheimfächer, über einen gewissen Goldmünzenvorrat verfügt, der einige Jahrzehnte auskömmlichen Lebensstils erlaubt.

Um die Zeit bis zum Mittagessen zu füllen, beginnt er Montaignes Essais zu lesen, eine Lektüre, von der ihn bisher stets andere Zerstreuungen abgelenkt hatten. Doch in seiner neuen Situation sind Zerstreuungen deutlich dünner gesät.

Sein Alltag bestand vor dem Hausarrest aus „Dinieren und Debattieren. Lesen und Reflektieren. Teestunden und Plaudereien“; und all dies kann er mit Hausarrest ebenfalls tun, aber Spaziergänge im fliederduftenden Alexandergarten sowie Galerie-, Konzert- und Theaterbesuche sind nun unerreichbar. Gelegentlich bekommt er Besuch von einem vertrauten Jugendfreund mit schriftstellerischen Ambitionen, der ihn über die neuen Leitlinien und Stildispute der russischen Literatur aufklärt.

Eine willkommene Abwechslung ist die Freundschaft mit der neunjährigen Nina, „Tochter eines verwitweten Bürokraten“, die sich eines Mittags einfach an Graf Rostovs Tisch setzt, von seinem Mittagessen zu naschen verlangt und ihm Fragen zu seiner blau-blütigen Herkunft, über Prinzessinnen und Duelle, gute Manieren sowie Respekt und Dankbarkeit stellt. Er beantwortet ihre Fragen fachkundig und – obwohl erst dreißig Jahre alt – in weiser Ausgewogenheit und naheliegender Anschaulichkeit.

Im Gegenzug führt ihn Nina hinter die Kulissen des Hotels. Sie besitzt einen General-schlüssel – der viele, viele Jahre später noch ein lebensrettendes Werkzeug für Rostov sein wird –, und gemeinsam erkunden sie Kellergeschosse, Heizungsräume, Abstell-kammern, Türen hinter Türen und versteckte Galerien, von denen aus man so manche Funktionärsdiskussionen unbemerkt belauschen kann.  In Abwesenheit von Gästen erkunden sie außerdem alle Zimmer und Suiten des Hotels, um die besten Fenster-aussichten zu bestimmen.

Jahre verstreichen, Graf Rostov arbeitet inzwischen als Oberkellner im hoteleigenen Restaurant. Seine kultivierte, verfeinerte Lebensart, sein sensibler Geschmackssinn, seine Weinkenntnisse, seine gastgeberische Nonchalance und sein zwischenmensch- liches Fingerspitzengefühl prädestinieren ihn gewissermaßen für diese Arbeit. So gelingen ihm stets ebenso harmonische wie anregende Tischplatzierungen der Restaurantgäste sowie ausgewogen feinschmeckerische Menüempfehlungen.

Seine Kollegen werden im Laufe der vielen Jahre zu Freunden, ja, zu Verbündeten. Für den Grafen ergibt sich zudem eine erfreulich tragfähige, heimliche Liebschaft mit einer berühmten Schauspielerin, die regelmäßig im Hotel zu Gast ist.

Eines Tages kehrt Nina ins Hotel zurück und bittet Rostov, ihre fünfjährige Tochter Sofia für einige Wochen zu hüten. Der Graf willigt selbstverständlich ein, und aus ein paar Wochen werden viele Jahre. Es verdankt sich nur einem schicksalsironischen, büro-kratisch-geheimdienstlichen Mißverständnis, daß Graf Rostov Sofias Ziehvater bleiben darf und Sofia nicht in einem staatlichen Waisenhaus notlandet.

Sofia wächst in des Grafen Obhut auf und zeigt musikalisches Talent. Durch das Kind fühlt sich Graf Rostov gleichsam wiederbelebt und aus seinen Gewohnheiten gerissen. Er hat nun eine unverhoffte Lebensaufgabe, an der er zunehmend Gefallen und Freude findet. Außerdem beflügelt ihn die Verantwortung für Sofia zu kühnen Fluchtplänen …

„Ein Gentleman in Moskau“ ist ein leises, unaufdringlich-eindringliches Buch, dessen Faszination in erster Linie vom äußerlich und innerlich attraktiven Hauptcharakter ausströmt. Graf Rostov verkörpert den klassischen, hochgewachsenen, edlen, höflichen Aristokraten. Er ist charmant, kultiviert, gebildet, polyglott, stilvoll, tapfer, weltläufig, ein Gastgeber, Genießer, Feinschmecker und Weinkenner.

Besonders sympathisch sind seine echte Zugewandtheit und Hilfsbereit- schaft sowie sein wahrhaftiges Wohlwollen, die er klassenunabhängig jedem Menschen und sogar der einäugigen Hotelkatze und der Taube am Fensterchen seiner Dachkammer entgegenbringt.

Wir bekommen lebhaften Einblick in seine familiären Erinnerungen und seine Ansichten zu den wechselvollen Launen des Zeitgeists; zwar empfindet er Wehmut über Verlorenes, gleichwohl bleibt er offenen Herzens und erschließt sich im Mikrokosmos des Hotels persönliche Freiräume.

Ob die relativ große Nachsicht der bolschewistischen Amtsträger Graf Rostov gegenüber der historischen Situation entspricht, wage ich füglich zu bezweifeln. Da verdankt sich einiges der dichterischen Freiheit sowie der dramaturgischen Gefälligkeit eines Unterhaltungsromans.

Der Autor erzählt diese Lebensgeschichte über den Zeitraum von 1922 bis 1954 mit eleganter Eloquenz. Die Risiken und Nebenwirkungen revolutionärer gesellschaftlicher Umbauten werden in feiner ironischer Distanz formuliert.

Beispielhaft dafür ist die Szene über die ernüchternde Gleichmacherei des hoteleigenen Weinkellers. Eines Tages gibt es auf Anordnung des Kommissars für Lebensmittel nur noch Weiß- oder Rotwein, und zehn Tage lang müssen mühsam alle Etiketten von den Weinflaschen abgepult werden, um dieses „Denkmal für die Privilegien der Aristokratie“ (Seite 182) zu zerstören.

Sehr ansprechend sind zudem die unzähligen lebenserfahrenen Reflexionen und zwischenmenschlichen Betrachtungen.

»Was kann uns schließlich der erste Eindruck über einen Menschen sagen, den wir eine Minute lang in einer Hotellobby gesehen haben? Ja, was vermag uns ein erster Eindruck überhaupt zu vermitteln? Nicht mehr, als ein einzelner Akkord uns über Beethoven sagen kann oder ein Pinselstrich über Botticelli. Von Natur aus sind Menschen so launisch, so komplex, so herrlich widersprüchlich, dass sie nicht nur unsere ganze Aufmerksamkeit verdienen, sondern auch unsere wiederholte Betrachtung – und unsere feste Entschlossenheit, ein Werturteil zurückzuhalten, bis wir den Menschen in den verschiedensten Umständen und zu allen Tageszeiten erlebt haben. (Seite 155)

Dieser Roman bietet wohlformulierte, stilvolle Unterhaltung, dezente Spannung, nostalgisches, kulinarisch-luxuriöses Grandhotel-Flair in Verbindung mit historischem Hintergrundrauschen sowie einen feinsinnigen, würdevollen Hauptcharakter, dessen blaublütigem Charme und großzügigem Entgegenkommen man kaum widerstehen kann.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/ein-gentleman-in-moskau-9783471351468.html

Der Autor:

»Amor Towles hat in Yale und Stanford studiert. Er ist in der Finanzbranche tätig und gehört dem Vorstand der Library of America und der Yale Art Gallery an. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Manhattan.«
Auf der Webseite des Autors gibt es eine kurze, nette, scherenschnittige Romananimation zu sehen http://www.amortowles.com/  http://www.amortowles.com/

Die Übersetzerin:

»Susanne Höbel, seit über fünfundzwanzig Jahren Literaturübersetzerin, übertrug Autoren wie Nadine Gordimer, John Updike, William Faulkner, Thomas Wolfe und Graham Swift ins Deutsche. Sie lebt in Südengland.«

 

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Das Graveyard Buch

  • von Neil Gaiman
  • Originaltitel: »The Graveyard Book«
  • Übersetzung aus dem Englischen von Reinhard Tiffert
  • Umschlagillustration von Chris Riddell
  • Arena Verlag   2009    http://www.arena-verlag.de
  • 310 Seiten, 14,95 €
  • 978-3-401-06463-5
  • Klappenbroschur  9,99 €   Juni 2011
  • ISBN 978-3-401-50273-1
  • inzwischen sind die Buchausgaben vergriffen und
  • es gibt nur noch das elektronisch Buch zu 7,99 €
  • ISBN 978-3-401-80051-6
  • ab 10 Jahren
    978-3-401-50273-1.jpg Graveyard Buch

B   E   G   E   I   S   T   E   R   U   N   G

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Sei Staub, sei Wind, sei Traum, sei Nacht,
Sei alles, was unsichtbar macht,
Lern schleichen, schlüpfen, schweben,
Über, unter, zwischen, neben.“
(Seite 131)

Dieser magische Reim ist Teil einer Nachhilfestunde im Unsichtbarwerden, die Nobody Owens von der kecken Hexe Liza bekommt. Er hat auch noch andere Lehrer, liebevolle Adoptiveltern und Spielkameraden, die alle eines gemeinsam haben: sie sind Geister und „leben“ auf einem uralten Friedhof.

Der Handlungs- und Bewegungsradius der Toten ist auf den Friedhof beschränkt, wo sie in einer Parallelgesellschaft, für die lebenden Menschen meist unsichtbar, ganz gemütlich ihr Geisterdasein verbringen, sich gegenseitig besuchen, diskutieren, ihre Gräber und Grüfte bewohnen, tanzen gehen und sogar Staub wischen.

Mrs. Owens, eine rundliche Geisterdame –im Leben wie im Tode, seit über zweihundertfünfzig Jahren verheiratet“  (Seite 17) mit Mr. Owens – trifft bei einem nächtlichen Spaziergang auf ein Kleinkind, das von einem Mörder verfolgt wird. Kurzentschlossen und mitfühlend rettet sie das Kind und setzt in der darauffolgenden Friedhofsbewohnerversammlung durch, daß dieses Kind als Friedhofsehrengast bleiben darf. Organisatorische und moralische Unterstützung erhält sie von Silas, einem weiteren Ehrengast. Silas übernimmt die Vormundschaft für das Kind und gibt ihm den Namen Nobody Owens, kurz Bod genannt.

Bods Vormund ist ein Vampir, der zu einer geheimnisvollen Ehrengarde gehört, welche die Grenzbereiche zwischen Leben und Tod vor negativen Einflüssen schützt. Da er den Friedhof verlassen kann, kümmert er sich um die Besorgung der materiellen Lebens- notwendigkeiten (Nahrung, Kleidung, Bücher etc.) und steht dem Kind Nacht für Nacht mit Rat und Tat zur Seite. Er erklärt Bod auch, daß er nur auf dem Friedhofsterritorium vor seinen Verfolgern sicher ist. Sollte er diesen geschützten Raum verlassen, könnte seine von den Geistern vernebelte Spur wieder aufgenommen werden.

Die Mitglieder einer schwarzmagischen Bruderschaft  – „Die Schurkenschaft“  –  trachten dem Kind nach dem Leben, weil es einer alten Prophezeiung  zufolge dazu bestimmt ist, die böse Herrschaft dieser Bruderschaft zu beenden.

Wie meist in solchen Geschichten führen ausgerechnet die Vernichtungsversuche, die eine Erfüllung der Prophezeiung verhindern sollen, zu den Umständen, die den Helden darin unterstützen, genau die Fähigkeiten und Stärken auszubilden, die ihn seine Gegner besiegen lassen.

So reift Nobody Owens zu einem Jugendlichen heran, der neben Ernsthaftigkeit, Mut und Gerechtigkeitssinn auch über gewisse mehrdimensionale Qualitäten verfügt.

Er bekommt von den zahlreichen Lehrern, die der Friedhof beherbergt, umfangreiche „Geisterstunden“, die die üblichen Schulfächer um übersinnliche Fähigkeiten, wie im Dunkeln sehen, durch Wände gehen und Traumwandeln, ergänzen. Miss Lupescu, eine strenge Werwölfin, die Silas gelegentlich vertritt, unterrichtet den Jungen in magischer Selbstverteidigung und Astronomie. Hinzu kommen noch die unterschiedlichen Umgangsformen mehrerer Jahrhunderte aus dem „Kompendium für den jungen Gentleman nebst zusätzlichen Lektionen für die Verstorbenen“.

Natürlich sehnt sich Bod nach Kontakt zu lebenden Menschen, was die böse Bruder- schaft nutzt, um ihn in sein ehemaliges Elternhaus zu locken. Doch Bod ist nach jahrelanger, „geisterreicher“ Erziehung und seinen Erfahrungen mit zwielichtigen Wesen gut gewappnet und entkommt. Er lockt seine Verfolger auf den Friedhof, wo er sie geschickt unschädlich macht.

So wie Nobody Owens zu Anfang Abschied von den Lebenden nehmen muß, um zu überleben, muß er, nachdem er seine Bestimmung erfüllt hat, Abschied von den liebgewonnenen Toten nehmen, um ganz ins Leben zurückzukehren.

„Ein Lächeln umspielte seine Lippen, allerdings ein  verhaltenes Lächeln, denn die Welt ist weiter als ein kleiner Friedhof auf einem Hügel. Es gab Gefahren, aber auch Geheimnisse, es galt, neue Freunde zu finden und alte wiederzufinden, Fehler zu machen und viele Wege zu gehen, bis er dann am Ende auf den Friedhof zurückkehren… würde.

Aber zwischen jetzt und dereinst lag das Leben, und Bod ging ihm entgegen mit offenen Augen und mit weitem Herzen.“
 
(Seite 310)

Ein Kinderbuch, dessen Hauptschauplatz ein Friedhof ist, ein kinderloses Geisterehepaar (im 18. Jahrhundert verstorben), das ein lebendiges  Kind adoptiert, und ein kultivierter Vampir als Vormund: Das ist schon eine ungewöhnliche Inszenierung, aber eine, die keineswegs in eine Horrorgeschichte mündet, sondern in eine spannende und lebenskluge Entwicklungsgeschichte.

Neil Gaimans Sprachstil, der mit leiser Ironie und dezenten Andeutungen auskommt, diese zwischen den Zeilen schwebende, elegante Transparenz paßt zu Nobody Owens Abenteuern im Zwischenreich und gibt den durchaus dramatischen und gefährlichen Bewährungsproben des Jungen eine unerwartete Nonchalance.

Es hat auch einen amüsanten Reiz, wenn einige Friedhofsbürger durch das Zitieren ihrer Grabinschrift vorgestellt werden: „Hat ihr Lebtag keiner Menschenseele etwas zuleide getan, kannst du, lieber Leser, selbiges von dir behaupten?“ (Seite 103)

Lobend erwähnen möchte ich außerdem die Illustration des Buchumschlages von Chris Ridell, die mit dem subtilen Charakter der Geschichte hervorragend korrespondiert.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.arena-verlag.de/artikel/das-graveyard-buch-978-3-401-80051-6

Der Autor:

»Neil Gaiman, 1960 in Portland (England) geboren, arbeitete zunächst in London als Journalist und wurde durch seine Comic-Serie „Der Sandmann“ bekannt. Im „Dictionary of Literary Biography“ wird er als einer der wichtigsten lebenden Autoren der Postmoderne aufgeführt – in England und den USA ist Neil Gaiman längst ein Superstar. Seine Romane und Comics sind mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, u.a. mit dem World Fantasy Award und der Newbery Medal. Er lebt seit einigen Jahren mit seiner Familie in den USA.«
http://www.neilgaiman.com

 

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