Musikmomente

  • von Hanns-Josef Ortheil
  • btb Verlag   Januar 2018    www.btb-verlag.de
  • 288 Seiten
  • Format: 9 cm x 15 cm
  • Geschenkausgabe im kleinen Format
  • bedrucktes Ganzleinen mit LESEBÄNDCHEN
  • ISBN 978-3-442-71586-2
  • 10,00 € (D), 10,30 € (A), 13,90 sFr.

M U S I K   S P R I C H T !

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Hanns-Josef Ortheil präsentiert uns mit seinen Musikmomenten episodenhaft ein klangvolles, musikalisch-biographisches Kaleidoskop und gewährt dezent-persönliche Einblicke in sein Leben, sein künstlerisches und menschliches Werden und seine innige Liebe zur Musik. Musik und Sprache gehen dabei Hand in Hand.

Der Autor kommt als fünftes Kind – nach bereits vier verstorbenen Geschwistern – zur Welt. Dies ist kein leichter Anfang. Seine Mutter ist nach den traumatischen Verlusten verstummt, und Hanns-Josef Ortheil tut es ihr nach und stellt im zarten Alter von drei Jahren ebenfalls das Sprechen ein.

Eines Tages zieht ein geschenktes Klavier in die elterliche Wohnung ein. Dieses neue „Möbelstück“ übt sogleich großen Reiz auf den vierjährigen Hanns-Josef aus, und als die Mutter beginnt, Klavier zu spielen, erkennt das Kind, daß Musik ein der Sprache mindestens ebenbürtiges Ausdrucksmittel ist.

Der Mutter entgeht das rege Interesse des Kindes nicht, und sie läßt es spielerisch auf dem Klavier improvisieren und sich im Wortsinne an das Instrument herantasten. Sie unterrichtet ihr Kind, und die Musik wird das Medium, über welches sich die beiden miteinander verständigen können.

Später spricht die Mutter auch wieder und ermuntert ihren Sohn, seine Eindrücke zur Musik aufzuschreiben – d.h. sie spielt ihm beispielsweise einige Etüden von Carl Czerny vor, und er soll zu jedem Stück spontan notieren, was er beim Hören sieht. Denn, so  erlesen wir, Musik kann man hören und sehen – eine Auffassung, die Synästheten ganz gewiß teilen.

Da Hanns-Josef Ortheil dank begeisterten und willig-disziplinierten Übens rasch große Fortschritte macht, kümmert sich die Mutter um professionelle Klavierlehrer, und der erst achtjährige Junge wird wegen seiner außergewöhnlichen Begabung und seiner frühreif-eigenwilligen Musikauffassungen Schüler von Erich Forneberg.

Er nimmt erfolgreich an Musikwettbewerben teil, bei denen er niemals Lampenfieber empfindet, weil er gänzlich in der Musik aufgeht. Bereits als Kind und Jugendlicher gibt er Konzerte, und eine Laufbahn als Pianist scheint vorgezeichnet. Nach dem Abitur bekommt er ein Stipendium am Conservatorio in Rom. Nach einigen Monaten des Studiums bremst eine starke Sehnenscheidenentzündung seinen musikalischen Ehrgeiz.

Ärztlich verordnete Spielverbote werden stur nicht eingehalten, mit dem Ergebnis, daß eine Heilung der Krankheit in noch weitere Ferne rückt. Durch die Zwangsspielpausen verliert er nach und nach seine Virtuosität, und schließlich muß für den Berufswunsch Pianist eine sinnvolle Alternative gefunden werden.

Diese Alternative findet Ortheil im theoretischen Studium von Musik und im Schreiben über Musik. Vom Schreiben über Musik findet er dann auch zum literarischen Schreiben.

In Ortheils Anthologie „Musikmomente“ wechseln sich die oben umrissenen lebensläuf-lichen Erinnerungen, mit persönlichen musikalischen Reflexionen und Skizzen ab.

Hanns-Josef Ortheils erste Komponistenliebe gilt Mozart, und dieser Neigung ist er bis heute treugeblieben. Des weiteren erzählt er ausführlich von seinem anhänglich-ambivalenten Verhältnis zu Robert Schumann, er mokiert sich über Frédéric Chopin, er bevorzugt Domenico Scarlattis Klaviersonaten als Begleitmusik beim Schreiben, er serviert eine kleine und äußerst appetitanregende Abschweifung zur Musikalität Sizilianischer Dolci im allgemeinen und Cannoli im besonderen, er schreibt einen Liebesbrief an Hélène Grimaud, er erinnert sich schwärmerisch an Konzertbesuche und läßt sie sprachlich-virtuos nachklingen …

Interessant und durchaus nachahmenswert sind zudem Ortheils Berichte über seine  Experimente, Musik nicht nur in geschlossenen Räumen zu lauschen, sondern draußen, unterwegs, während einer langen Zugfahrt, in einer Gondel in Venedig und beim Schwebebahnfahren in Wuppertal … Moderne, tragbare Musikabspieltechnik macht es leicht, „seine“ Begleitmusik einfach mitzunehmen und zu hören, wann und wo immer es beliebt, und so den Musikgenuß um eine lebendige Kulisse zu ergänzen.

„Musikmomente“ ist ein Potpourrie erlebter, erlittener, erliebter, erhörter und erspielter Musik – in eine Sprache übersetzt, die der Musik ein bis in die Fingerspitzen spürbares Echo gibt.

 

»Wenn es mir gelingt, hoch konzentriert zu bleiben, bemerke ich nämlich sonst nichts mehr, nicht einmal mein eigenes Spiel. Es ist eine Art Trance, ich bewege mich in der Musik, als fülle sie mich vollständig aus, als wäre ich mit diesem Klangraum identisch.«  (Seite 182)

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Musikmomente/Hanns-Josef-Ortheil/btb-Taschenbuch/e516138.rhd

Der Autor:

»Hanns-Josef Ortheil wurde 1951 in Köln als einziges Kind einer Bibliothekarin und eines Vermessungs-ingenieurs geboren. Vor seiner Geburt hatten die Eltern vier Söhne im Krieg und in der Nachkriegszeit verloren. Im Alter von drei Jahren folgte Ortheil seiner wegen dieser traumatischen Ereignisse verstummten Mutter und sprach ebenfalls nicht mehr. Erst von seinem achten Lebensjahr an wurden diese schweren Störungen durch einen täglichen, unkonventionellen Schreibunterricht der Eltern allmählich behoben (davon erzählt Ortheil ausführlich in „Der Stift und das Papier“). Kurze Zeit später wurde seine besondere Begabung für das Erzählen bereits deutlich, und er veröffentlichte erste Erzählungen in Tageszeitungen. Das Schreiben wurde mit der Zeit immer mehr zu einem existentiellen Medium des Überlebens. Neben der Literatur hatte die Musik für den anfangs Sprachlosen die größte Bedeutung. Er erhielt früh Klavierunterricht und setzte seine pianistische Ausbildung später als Schüler von Daniela Ballek und Claudio Arrau fort. In Köln, Wuppertal und im Westerwald aufgewachsen, machte er 1970 in Mainz Abitur, danach ging er für längere Zeit nach Rom. Dort finanzierte er sein pianistisches Studium am römischen Conservatorio als Organist an einer deutschen Kirche. Nach einem krankheitsbedingten Abbruch seiner pianistischen Laufbahn arbeitete er als Film- und Musikkritiker und begann später ein Studium der Musikwissenschaften, Philosophie, Germanistik und Vergleichenden Literaturwissen-schaft in Mainz, Rom, Göttingen und Paris, das er 1976 in Mainz mit der Promotion abschloss. Von 1976 bis 1988 war er Assistent am Deutschen Institut der Universität Mainz, 1990 übernahm er eine Dozentur für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. 1988 war er „Writer in residence“ an der Washington-University in St. Louis/Missouri und 1991 und 1993 „Villa Massimo-Stipendiat“ in Rom. Später übernahm er Poetikdozenturen an den Universitäten von Paderborn, Bielefeld, Heidelberg, Zürich und Bamberg. 2003 erhielt er an der Universität Hildesheim die erste Professur für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Deutschland. Hanns-Josef Ortheil ist Honorarprofessor der Universität Heidelberg und Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. 2009 wurde er erster Direktor des neu gegründeten „Instituts für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft“ der Universität Hildesheim.«  http://www.hanns-josef-ortheil.de

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Mozart und Robinson und der waghalsige Pfannkuchenplan

  • Text von Gundi Herget
  • Illustrationen von Nikolai Renger
  • Magellan Verlag Januar 2018   http://www.magellanverlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 24,5 x 24,5 cm
  • 32 Seiten
  • 13,95 € (D), 14,40 € (A)
  • ISBN 978-3-7348-2038-0
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

M Ä U S E M Ä G E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Im dritten Mäusedrama mit Hausmaus Mozart und Feldmaus Robinson geht es um die Erfüllung bzw. Befüllung der Mäusemägen. Da fahren Mozarts Menschen in Urlaub und lassen nur ein Stück Butter und eine Tüte Mehl übrig. Mozart ist empört und besucht seinen Freund Robinson in der Hoffnung, daß er über eine bessere Vorratshaltung verfügt.

Doch der schrumpelige Apfel, die naturbelassenen Samen und bitteren Wurzeln, die Robinson großzügig anbietet, munden Mozart gar nicht. Nach einem possierlichen Streitgespräch über ihre jeweiligen Eßgewohnheiten regt Robinson versöhnlich an, vom benachbarten Bauernhof etwas zum Essen zu besorgen.

Eifrig machen sich die kleinen Helden mit einem Spielzeuglaster, den sie mit einem kleinen Eimer beladen, auf den Weg zum Bauernhof. Sie binden sich zur Tarnung Grashalme um die Mäusebäuche, schleichen in den Kuhstall und lassen aus einer undichten Stelle im Milchtransportschlauch Milch in ihren Eimer tropfen.

Illustration von Nicolai Renger © Magellan Verlag 2018

Als eine Kuh den vermeintlichen Grasbüschel, mit dem sich Mozart tarnt, vernaschen will und Mozart samt Tarnung in die Lüfte hebt, muß sich Mozart notgedrungen fallen lassen und ein Bad im Milcheimer ertragen.

Sodann tarnt sich Mozart mit einigen Hühnerfedern, und auf geht es in den Hühnerstall, um ein Ei zu mopsen. Beim heimlichen Wegrollen des Eis entdeckt der Hahn den herum-laufenden Grasbüschel, in dem Robinson steckt, und – zack! – pickpackpikst er Robinson so feste in den Mäusepo, daß er vor Schreck in den Hühnerfuttertrog springt.

Etwas ramponiert bringen die Mäusefreunde ihre Beute in Mozarts Haus, säubern sich und fangen unter Mozarts kundiger Regie an, einen Apfelpfannkuchen zu backen. Beim späteren genüßlichen Verspeisen sind sich Mozart und Robinson einig, nie etwas Köstlicheres gefuttert zu haben …

Die abenteuerlustige Dynamik, die sich aus den unterschiedlichen Lebens- gewohnheiten und Temperamenten Mozarts und Robinsons ergibt, wird sowohl zeichnerisch als auch textlich auf augenzwinkernd einfühlsame und amüsante Weise dargestellt. Neben den knuffeligen Mäusefiguren können wir auch noch lustige, friedliche Kühe und glückliche Hühner erleben. Es sieht ganz so aus, als wäre der benachbarte Bauernhof ein Biobetrieb.

Die lebhaften Dialoge zwischen Mozart und Robinson sowie die lustige Mimik und Körpersprache der ungleichen Freunde bieten schmunzelreiches Bilderbuchkino.

Das Rezept für den Apfelpfannkuchen befindet sich in anschaulicher Darstellung und Anleitung auf den vorderen Vorsatzblättern des Bilderbuches, und ein zusätzliches Rezept für Käsepfannkuchen findet sich auf den hinteren Vorsatz- blättern; schließlich wollen wir ja einer einseitigen Ernährung vorbeugen. 😉

Die Lektüre könnte als Nebenwirkung unwiderstehlichen Appetit auf Pfannkuchen auslösen; also befüllen Sie bitte Ihre Vorratskammer mit den wichtigsten Zutaten, damit Sie mit Ihren Kindern barrierefrei von der Vorlesetheorie zur Kochpraxis gelangen können.

 

Querverweis:

Hier entlang zum ersten Band „Mozart & Robinson und der Zauber des Käsemonds“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/08/18/mozart-robinson-und-der-zauber-des-kaesemonds/
Und zum zweiten Band „Mozart & Robinson und der gefährliche Schiffbruch“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/10/29/mozart-robinson-und-der-gefaehrliche-schiffbruch/

 

Die Autorin:

»Gundi Herget beschlich mit  vier Jahren zum ersten Mal das Gefühl, dass Bücher mit ihren vielen Seiten voller schwarzer Striche, Punkte und Kringel das Aufregendste sein könnten, das es gibt. Und so war es dann auch. Mit zehn Jahren wollte sie schon Schriftstellerin werden, hat dann aber erst mal Abitur gemacht, in München und Pisa Literatur studiert, Schlagzeug spielen gelernt, Redakteurin gelernt, die Welt bereist und ein Kind bekommen, was sie an den Vorsatz ihres zehnjährigen Ichs erinnert hat. Sie schreibt seitdem vor allem Kinderbücher.«

Der Illustrator:

»Nikolai Renger wurde in Karlsruhe geboren und studierte Visuelle Kommunikation an der HFG in Pforzheim. Er ist als freiberuflicher Illustrator für verschiedene Verlage und Agenturen tätig und arbeitet seit 2013 im Atelier Remise in Karlsruhe.«

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Mozart & Robinson und der gefährliche Schiffbruch

  • Text von Gundi Herget
  • Illustrationen von Nikolai Renger
  • Magellan Verlag   Juli 2017  http://www.magellanverlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 24,5 x 24,5 cm
  • 32 Seiten
  • 13,95 € (D), 14,40 € (A)
  • ISBN 978-3-7348-2036-6
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

MÄUSE, AHOI! 

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nachdem die charakterstarken und possierlichen Mäusehelden Mozart Hausmaus und Robinson Feldmaus im ersten Bilderbuchband eine Käsemondlandung gemeistert haben (siehe dazu meine Besprechung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/08/18/mozart-robinson-und-der-zauber-des-kaesemonds/ ), folgt nun ein Seemannsmaus- abenteuer mit Schiffbruch.

Es regnet in Strömen, Mozart Hausmaus sitzt behaglich in seinem trockenen und warmen Stübchen und schmökert in Daniel Defoes Abenteuerroman Robinson Crusoe. Feldmaus Robinson langweilt sich, spaziert kurzentschlossen sowie blattbeschirmt zum Haus und besucht seinen Freund Mozart.

Robinson erkundigt sich, was denn in dem dicken Buch geschrieben stehe, das Mozart gerade lese. Da Robinson nicht lesen kann,  faßt Mozart die Geschichte kurz und bündig zusammen. Natürlich ist Robinson begeistert, daß der Held der Geschichte seinen Namen trägt, und will sofort ein Schiff bauen und Abenteuer erleben.

Mozarts Einwand, daß er mit seiner Lektüre genug Abenteuer hätte, führt zu einem  unentschiedenen Disput darüber, ob Lesen langweilig sei oder spannend. Inzwischen hört der Regen auf, und Mozart läßt sich von Robinson dazu überreden, ein Boot zu konstruieren.

Unter Mozarts theoretischer Anleitung baut Robinson ganz praktisch aus drei Korken, zwei Gummibändern, einem Stofftaschentuch, einem Zahnstocher und einer Schnur ein mäusesegeltüchtiges Boot.

Illustration: Nikolai Renger / Text: Gundi Herget © Magellan Verlag 2017 (Anklicken vergrößert die Bildansicht)

Gemeinsam tragen sie das Boot nach draußen in den Garten, wo der Regen einen wilden Bach in der Wiese hinterlassen hat. Kaum haben die beiden das Boot bestiegen, kommt Wind auf und bringt das Boot in schnelle Fahrt und zur Kollision mit einem Stein.

Das Boot samt Mäusebesatzung strandet auf einer kleinen, erhöhten Wieseninsel, rundherum befinden sich unüberwindliche Wasserflächen, und das Boot ist stark beschädigt. Mozart ist nicht amüsiert, er fühlt sich hilflos und fürchtet, verhungern zu müssen.

Robinson dagegen ist zuversichtlich und erklärt, sie könnten nun endlich Robinson spielen. Er improvisiert tatkräftig eine Grashütte, findet naturkundig einige Erdbeeren und Kleeblüten und baut aus zwei Blättern Hängematten. So kann man es sogar in der Wildnis aushalten, und die beiden Mäuse schlafen satt und entspannt ein.

Illustration: Nikolai Renger / Text: Gundi Herget © Magellan Verlag 2017 (Anklicken vergrößert die Bildansicht)

Nach und nach versickert das Regenwasser, und die Insel hat wieder Landverbindung zum Rest der Wiese. Eine Katze schleicht sich an die Mäuseabenteurer an, und den beiden gelingt in letzter Sekunde die Flucht ins Haus. Dort machen sie es sich auf Mozarts Sofa gemütlich. Mozart liest Robinson ein Abenteuer vor, und „langweilig ist das überhaupt nicht“.

Die Autorin, Gundi Herget, erzählt diese Mäuserobinsonade mit einfühlsamem Humor und spielerischer Spannung. Ein schönes Beispiel für die augenzwin-kernde Beziehungsdynamik zwischen den ungleichen Mäusefreunden ist beispielsweise der Dialog zum Thema Füße abputzen, wenn man von draußen nach drinnen kommt. Mozart kann es kaum gründlich genug sein, und Robinson … doch lesen und schmunzeln Sie selbst, wie dieses Problem entspannt gelöst wird.

Die Illustrationen von Nikolai Renger übersetzen den Text gekonnt in farbenfrohe Szenerien mit vielen heiteren Randdetails und Anspielungen auf den Vorgängerband. Bereichernd kommen noch die lebhaft-knuffelige Körpersprache und die Mimik der kleinen Mäuseabenteurer dazu, so daß man hier wortwörtlich und bildbildlich von einem  fröhlichen Wiedersehen sprechen kann.

Auch im zweiten Bilderbuchabenteuer mit Mozart Hausmaus und Robinson Feldmaus findet sich auf den Vorsatzblättern eine anschauliche, kindgemäße Bauanleitung für ein Korkboot – eine erfreulich analoge Zugabe für Kinder, um selber Abenteuerzubehör zu basteln.

Die Frage, ob echte oder erlesene Abenteuer spannender sind, wird in dieser Geschichte zwar nicht endgültig entschieden, gleichwohl aber ausgewogen ausprobiert. Das wäre eine Frage, der man anläßlich dieser Bilderbuchlektüre mit Kindern im Gespräch nachgehen könnte.

 

Hier entlang zum Bilderbuch auf der Verlagswebseite:
https://www.magellanverlag.de/feine-b%C3%BCcher/bilderbuch/#cc-m-product-11149977098
(Sie müssen etwas blättern, da mit dem Link ALLE Bilderbücher des Magellan-Verlages aufgelistet erscheinen).

Querverweis:

Hier entlang zum ersten Band „Mozart & Robinson und der Zauber des Käsemonds“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/08/18/mozart-robinson-und-der-zauber-des-kaesemonds/

 

Die Autorin:

»Gundi Herget beschlich mit  vier Jahren zum ersten Mal das Gefühl, dass Bücher mit ihren vielen Seiten voller schwarzer Striche, Punkte und Kringel das Aufregendste sein könnten, das es gibt. Und so war es dann auch. Mit zehn Jahren wollte sie schon Schriftstellerin werden, hat dann aber erst mal Abitur gemacht, in München und Pisa Literatur studiert, Schlagzeug spielen gelernt, Redakteurin gelernt, die Welt bereist und ein Kind bekommen, was sie an den Vorsatz ihres zehnjährigen Ichs erinnert hat. Sie schreibt seitdem vor allem Kinderbücher.«

Der Illustrator:

»Nikolai Renger wurde in Karlsruhe geboren und studierte Visuelle Kommunikation an der HFG in Pforzheim. Er ist als freiberuflicher Illustrator für verschiedene Verlage und Agenturen tätig und arbeitet seit 2013 im Atelier Remise in Karlsruhe.«

Mozart & Robinson und der Zauber des Käsemonds

  • Bilderbuch
  • Text von Gundi Herget
  • Illustrationen von Nikolai Renger
  • Magellan Verlag Juli 2016    http://www.magellanverlag.de
  • gebunden, fadengeheftet
  • Format: 24,5 x 24,5 cm
  • 32 Seiten
  • 13,95 € (D), 14,40 € (A)
  • ISBN 978-3-7348-2024-3
  • ab 3 Jahren
    Mozart und Robinson Titelbild

MONDANSCHAUUNGEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der Glaube, daß der Mond aus Käse sei, ist ein weitverbreitetes Wunschdenken in der Bilderbuchtierwelt, und im vorliegenden Bilderbuch beflügelt er zwei Mäuse gar zum Weltraumflug – doch ich greife vor, denn noch kennen Sie die beiden kleinen Helden nicht. Darf ich vorstellen: Mozart Hausmaus und Robinson Feldmaus.

Mozart Hausmaus führt ein gepflegtes, kultiviertes Leben in der geborgenen Sicherheit eines Menschenhauses. „Nach draußen geht Mozart nie. Viel zu gefährlich!“

Robinson Feldmaus führt ein freies, wildes Leben auf dem Feld, das sich an den Garten  von Mozart Hausmausens Haus anschließt. „Ins Haus geht Robinson nie. Viel zu gefährlich!“

Mozart Hausmaus ist ganz alleine zu Haus, da seine Zweibeiner gerade in Urlaub gefahren sind. Von seinem Lieblingsfensterplatz aus bewundert er den Vollmond. Im Mondlicht auf der Wiese sieht er etwas herumspringen, und die Neugier treibt ihn, ganz gegen seine vorsichtigen Gewohnheiten, hinaus in den Garten.

Mozart und Robinson Streitgespräch

Illustration Nikolai Renger © Magellan Verlag 2016 „Mozart & Robinson und der Zauber des Käsemonds“

Erstaunt stellt er fest, daß eine Maus dort im Kreise herumtanzt. Höflich stellt sich Mozart Hausmaus vor, und Robinson Feldmaus erwidert die Vorstellung. Robinson erklärt Mozart weltmausmännisch, daß er einen Tanz für den großen, mächtigen Käsemond tanze. Und schon streiten sie lebhaft darüber, ob der Mond aus Käse sei, wie Robinson es von seinem Opa weiß oder aus Stein, wie Mozart es aus dem Fernsehen weiß.

Als Robinson Feldmaus einen Beweis für Mozarts Theorie verlangt, hat Mozart Hausmaus eine abenteuerliche Idee und läuft ins Haus zurück. Robinson folgt zögerlich und hilft unter Mozarts kundiger Bastelanleitung eifrig dabei, eine Rakete aus einer Klopapierpapprolle zu bauen. Einem Erkundungsflug zum Mond steht nun nichts mehr im Wege.

Mozart und Robinson Flug

Illustration Nikolai Renger © Magellan Verlag 2016 „Mozart & Robinson und der Zauber des Käsemonds“

Die beiden tragen ihre Rakete aufs Dach, und mit Hilfe einer gummibandbetriebenen Startrampe schaffen sie einen kühnen, mondbeschienenen Flug durch die Luft und landen ziemlich schnell in einem Käseschlaraffenland.

Robinson fängt gleich an zu futtern, während Mozart bezweifelt, daß sie wirklich auf dem Mond gelandet sind. Doch dem leckeren Käseduft kann er nicht widerstehen, und er nascht eifrig mit. Während sie schmatzend diskutieren, ob sie auf dem Mond sind oder nicht, fällt der Schatten eines Menschen auf sie, gefolgt von einem „Igitt! Mäuse!“-Ausruf. Eilig flüchten die kleinen Helden von der Käseplatte, die Teil eines Gartenfeierbufetts im nachbarlichen Garten ist.

Verborgen im heimischen Garten teilen sie sich freundschaftlich ein Stück Beutekäse. Der Mond bescheint die kleinen Käseweltenbummler, und eigentlich ist es nun ganz egal, ob der Mond aus Käse oder aus Stein ist.

Diese herzig-humorvolle Freundschaftsgeschichte wird von der Autorin Gundi Herget in anschaulichen Worten und lustigen Dialogen erzählt. Und die farbenfrohen, heiteren Illustrationen von Nikolai Regner geben den originellen Mäusecharakteren einfühlsam und witzig mimische und körpersprachliche Gestalt. Auf den Vorsatzblättern des Bilderbuches befindet sich zudem eine präzise und kindgerechte Bastelanleitung für eine Klopapierrollenrakete, was den kindlichen Erlebnishorizont in erfreulich analoger Weise um eine greifbare Erfahrung erweitert.

Was will man mehr?  Ganz einfach, man will mehr von Hausmaus Mozart und Feldmaus Robinson lesen, da sie einem mit ihrer liebenswerten Wesensart ganz tüchtig ans Herz gewachsen sind. Und wie schön, daß ich Ihnen nun schon verraten darf, daß „Mozart & Robinson und der Zauber des Käsemonds“ der gelungene Auftakt zu einer neuen Bilderbuch-Reihe ist. Und die Wartezeit auf den Folgeband können Sie sich ja mit etwas Käse versüßen …

 

Die Autorin:

»Gundi Herget beschlich mit  vier Jahren zum ersten Mal das Gefühl, dass Bücher mit ihren vielen Seiten voller schwarzer Striche, Punkte und Kringel das Aufregendste sein könnten, das es gibt. Und so war es dann auch. Mit zehn Jahren wollte sie schon Schriftstellerin werden, hat dann aber erst mal Abitur gemacht, in München und Pisa Literatur studiert, Schlagzeug spielen gelernt, Redakteurin gelernt, die Welt bereist und ein Kind bekommen, was sie an den Vorsatz ihres zehnjährigen Ichs erinnert hat. Sie schreibt seitdem vor allem Kinderbücher.«

Der Illustrator:

»Nikolai Renger wurde in Karlsruhe geboren und studierte Visuelle Kommunikation an der HFG in Pforzheim. Er ist als freiberuflicher Illustrator für verschiedene Verlage und Agenturen tätig und arbeitet seit 2013 im Atelier Remise in Karlsruhe.«

Querverweis:

Schon in Sebastian Meschenmosers Bilderbuch „Herr Eichhorn und der Mond“ bot die Annahme, daß der Mond aus Käse sei, köstlichen Erzählstoff.
Hier entlang zum Besprechungslink:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/19/herr-eichhorn-und-der-mond/

 

Herr Mozart wacht auf

  • von Eva Baronsky
  • Aufbau Verlag,  Februar 2011        http://www.aufbau-verlag.de
  • 978-3-7466-2696-3
  • 320 Seiten
  • Taschenbuch
  • 8,99 €
    herr-mozart-wacht-auf-grossestitelbild

S P R A C H M U S I K

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Mozart entschläft auf seinem Sterbebett und erwacht in einer StudentenWG im Jahr 2006. Anfänglich wähnt er sich im Vorzimmer zum Paradies. Er bestaunt viele ihm völlig unbekannte und unerklärliche Dinge, wie z.B.  den elastischen Hosenbund der Jogginghose, die man ihm überlassen hat, die feine Seidenglätte des Schreibpapieres und einen Kugelschreiber, der „über einen mirakulösen Vorrat an Tinte verfügt“.

Er vermutet, daß er sein Requiem vollenden soll, bevor er in den Himmel darf, doch stattdessen fliegt er aus der WG und irrt durch ein ihm fremdes Wien bis zum St.-Stephans-Dom, dem einzigen Gebäude, das er wiedererkennt. Dort geht er zur Beichte und erfährt, daß er seit 215 Jahren tot ist und für einen von vielen Spinnern gehalten wird, die sich einbilden, Mozart zu sein.

Nun begreift er, daß er einen unfreiwilligen Zeitsprung erlitten hat und versucht sich zu orientieren, ohne seine Identität preiszugeben. Piotr, ein polnischer Stehgeiger, nimmt sich seiner an, läßt ihn bei sich wohnen und beschafft ihm Arbeit in einer Jazzbar. Mozart nennt sich fortan Wolfgang Mustermann und improvisiert sich aufgeschlossen und neugierig durch die fremde Zeit, er nutzt die Gelegenheit, in Bibliotheken und auf CDs seinem Ruhm nachzuforschen, besucht Opernaufführungen und macht sich lustig über Mozartkugeln.

„Ich mag als armer Schlucker ihr erscheinen – verfüge ich indes auch über Fertigkeiten, welche ich mir erlaube als meine Reichtümer gelten zu lassen.“  Und so ermusiziert sich Mozart Mustermann auch einige sehr lyrische Liebeserfahrungen – dezent angedeutet mit „legato – crescendo – stakkato“.

Eva Baronsky läßt Mozart so sprechen, wie man ihn aus den zahlreichen erhaltenen Briefen kennt, und allein dies ist schon sehr amüsant.

Viel Situationskomik ergibt sich aus den Begegnungen Mozarts mit modernen sanitären Anlagen, elektronischen Geräten, Damenmode und heutigen Umgangsformlosigkeiten.

Die besondere Qualität des Buches liegt darin, daß es der Autorin einfühlsam gelingt, sich in Mozarts Zeitperspektive hineinzuversetzen  und all die – für uns alltäglichen Gegebenheiten – völlig neu zu sehen und zu hören und in Mozarts Tonfall wiederzugeben.

Leser, die mit Mozarts Musik und Sprache schon vertraut sind, werden beide mit Vergnügen wiedererkennen;  und wer noch kein Mozartkenner ist,  könnte durchaus auf den Geschmack kommen. Dieser Roman macht sowohl musikalisch als auch sprachlich Lust auf mehr Mozart.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.aufbau-verlag.de/index.php/herr-mozart-wacht-auf-2197.html

 

Die Autorin:

»Eva Baronsky, 1968 geboren, lebt im Taunus. Für ihren überraschenden und sehr erfolgreichen Debütroman „Herr Mozart wacht auf“ (2009) erhielt sie den Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Preises der Stadt Bad Homburg v. d. Höhe. Nach „Magnolienschlaf“ (2011) erschien 2015 ihr dritter Roman „Manchmal rot“.«