Mozart & Robinson und der gefährliche Schiffbruch

  • Text von Gundi Herget
  • Illustrationen von Nikolai Renger
  • Magellan Verlag   Juli 2017  http://www.magellanverlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 24,5 x 24,5 cm
  • 32 Seiten
  • 13,95 € (D), 14,40 € (A)
  • ISBN 978-3-7348-2036-6
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

MÄUSE, AHOI! 

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nachdem die charakterstarken und possierlichen Mäusehelden Mozart Hausmaus und Robinson Feldmaus im ersten Bilderbuchband eine Käsemondlandung gemeistert haben (siehe dazu meine Besprechung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/08/18/mozart-robinson-und-der-zauber-des-kaesemonds/ ), folgt nun ein Seemannsmaus- abenteuer mit Schiffbruch.

Es regnet in Strömen, Mozart Hausmaus sitzt behaglich in seinem trockenen und warmen Stübchen und schmökert in Daniel Defoes Abenteuerroman Robinson Crusoe. Feldmaus Robinson langweilt sich, spaziert kurzentschlossen sowie blattbeschirmt zum Haus und besucht seinen Freund Mozart.

Robinson erkundigt sich, was denn in dem dicken Buch geschrieben stehe, das Mozart gerade lese. Da Robinson nicht lesen kann,  faßt Mozart die Geschichte kurz und bündig zusammen. Natürlich ist Robinson begeistert, daß der Held der Geschichte seinen Namen trägt, und will sofort ein Schiff bauen und Abenteuer erleben.

Mozarts Einwand, daß er mit seiner Lektüre genug Abenteuer hätte, führt zu einem  unentschiedenen Disput darüber, ob Lesen langweilig sei oder spannend. Inzwischen hört der Regen auf, und Mozart läßt sich von Robinson dazu überreden, ein Boot zu konstruieren.

Unter Mozarts theoretischer Anleitung baut Robinson ganz praktisch aus drei Korken, zwei Gummibändern, einem Stofftaschentuch, einem Zahnstocher und einer Schnur ein mäusesegeltüchtiges Boot.

Illustration: Nikolai Renger / Text: Gundi Herget © Magellan Verlag 2017 (Anklicken vergrößert die Bildansicht)

Gemeinsam tragen sie das Boot nach draußen in den Garten, wo der Regen einen wilden Bach in der Wiese hinterlassen hat. Kaum haben die beiden das Boot bestiegen, kommt Wind auf und bringt das Boot in schnelle Fahrt und zur Kollision mit einem Stein.

Das Boot samt Mäusebesatzung strandet auf einer kleinen, erhöhten Wieseninsel, rundherum befinden sich unüberwindliche Wasserflächen, und das Boot ist stark beschädigt. Mozart ist nicht amüsiert, er fühlt sich hilflos und fürchtet, verhungern zu müssen.

Robinson dagegen ist zuversichtlich und erklärt, sie könnten nun endlich Robinson spielen. Er improvisiert tatkräftig eine Grashütte, findet naturkundig einige Erdbeeren und Kleeblüten und baut aus zwei Blättern Hängematten. So kann man es sogar in der Wildnis aushalten, und die beiden Mäuse schlafen satt und entspannt ein.

Illustration: Nikolai Renger / Text: Gundi Herget © Magellan Verlag 2017 (Anklicken vergrößert die Bildansicht)

Nach und nach versickert das Regenwasser, und die Insel hat wieder Landverbindung zum Rest der Wiese. Eine Katze schleicht sich an die Mäuseabenteurer an, und den beiden gelingt in letzter Sekunde die Flucht ins Haus. Dort machen sie es sich auf Mozarts Sofa gemütlich. Mozart liest Robinson ein Abenteuer vor, und „langweilig ist das überhaupt nicht“.

Die Autorin, Gundi Herget, erzählt diese Mäuserobinsonade mit einfühlsamem Humor und spielerischer Spannung. Ein schönes Beispiel für die augenzwin-kernde Beziehungsdynamik zwischen den ungleichen Mäusefreunden ist beispielsweise der Dialog zum Thema Füße abputzen, wenn man von draußen nach drinnen kommt. Mozart kann es kaum gründlich genug sein, und Robinson … doch lesen und schmunzeln Sie selbst, wie dieses Problem entspannt gelöst wird.

Die Illustrationen von Nikolai Renger übersetzen den Text gekonnt in farbenfrohe Szenerien mit vielen heiteren Randdetails und Anspielungen auf den Vorgängerband. Bereichernd kommen noch die lebhaft-knuffelige Körpersprache und die Mimik der kleinen Mäuseabenteurer dazu, so daß man hier wortwörtlich und bildbildlich von einem  fröhlichen Wiedersehen sprechen kann.

Auch im zweiten Bilderbuchabenteuer mit Mozart Hausmaus und Robinson Feldmaus findet sich auf den Vorsatzblättern eine anschauliche, kindgemäße Bauanleitung für ein Korkboot – eine erfreulich analoge Zugabe für Kinder, um selber Abenteuerzubehör zu basteln.

Die Frage, ob echte oder erlesene Abenteuer spannender sind, wird in dieser Geschichte zwar nicht endgültig entschieden, gleichwohl aber ausgewogen ausprobiert. Das wäre eine Frage, der man anläßlich dieser Bilderbuchlektüre mit Kindern im Gespräch nachgehen könnte.

 

Hier entlang zum Bilderbuch auf der Verlagswebseite:
https://www.magellanverlag.de/feine-b%C3%BCcher/bilderbuch/#cc-m-product-11149977098
(Sie müssen etwas blättern, da mit dem Link ALLE Bilderbücher des Magellan-Verlages aufgelistet erscheinen).

Querverweis:

Hier entlang zum ersten Band „Mozart & Robinson und der Zauber des Käsemonds“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/08/18/mozart-robinson-und-der-zauber-des-kaesemonds/

 

Die Autorin:

»Gundi Herget beschlich mit  vier Jahren zum ersten Mal das Gefühl, dass Bücher mit ihren vielen Seiten voller schwarzer Striche, Punkte und Kringel das Aufregendste sein könnten, das es gibt. Und so war es dann auch. Mit zehn Jahren wollte sie schon Schriftstellerin werden, hat dann aber erst mal Abitur gemacht, in München und Pisa Literatur studiert, Schlagzeug spielen gelernt, Redakteurin gelernt, die Welt bereist und ein Kind bekommen, was sie an den Vorsatz ihres zehnjährigen Ichs erinnert hat. Sie schreibt seitdem vor allem Kinderbücher.«

Der Illustrator:

»Nikolai Renger wurde in Karlsruhe geboren und studierte Visuelle Kommunikation an der HFG in Pforzheim. Er ist als freiberuflicher Illustrator für verschiedene Verlage und Agenturen tätig und arbeitet seit 2013 im Atelier Remise in Karlsruhe.«

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Borst vom Forst

  • Text von Yvonne Hergane
  • Illustrationen von Wiebke Rauers
  • Magellan Verlag    Juli 2017   http://www.magellanverlag.de
  • gebunden
  • Fadengeheftet
  • Format: 24,5 x 30,5 cm
  • 32 Seiten
  • 14,00 € (D), 14,40 € (A)
  • ISBN  978-3-7348-2035-9
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

NACH  GEGENTEIL

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der Frischling Borst vom Forst ist etwas verträumter als seine drei Geschwister und tanzt gerne aus der Reihe. Dabei findet er eines Tages – immer seiner Nase nach – ein längliches Schneckenhaus. Er legt sein Ohr an dieses unbekannte, „fremdschöne“ Schneckenhaus und hört ein Rauschen. Er beschnuppert es und findet unvertraute Düfte, ja, es „riecht nach Gegenteil“, und schon tagträumt sich Borst mit der Schnecke in luftig-schwebende Himmelshöhen und fühlt sich unwiderstehlich angezogen vom geheimnis-vollen Herkunftsort der Schnecke.

 

Illustration: Wiebke Rauers / Text: Yvonne Hergane © Magellan Verlag 2017 (Anklicken vergrößert die Bildansicht!)

Borst Geschwister machen sich lustig über seine Suche nach dem Gegenteil, und seine Mutter sagt, er solle das einfach vergessen. Nach einer schlaflosen, nachdenklichen Nacht, macht sich Borst alleine auf die Suche. Er fragt Wühlmaus, Regenwurm und Ameisen, ob sie wüßten, woher diese Schnecke käme. Keiner weiß etwas, und alle behaupten, so etwas gäbe es im Forst gar nicht. Doch Borst gibt nicht auf, und schließlich weiß eine Seemöwe die richtige Antwort: Es ist eine Seeschnecke, und die kommt aus dem Meer.

Borst kennt das Meer nicht und nennt es daher Mehr. Er folgt der Wegbeschreibung der Möwe bis zum Bach, der am hinteren Ende des Waldes ins Meer mündet. Doch mit dem Schwimmen im Bach klappt es nicht so ganz, tropfnaß und geknickt tapst Borst zurück nach Hause.

Mama Wildschwein „fragt wenig und kopfschüttelt mehr“, und Borst sorgt sich um die Schnecke, die gewiß gerne nach Hause möchte – das kann er ihr nämlich anriechen.

Illustration: Wiebke Rauers / Text: Yvonne Hergane © Magellan Verlag 2017

Am nächsten Morgen erklärt Borst, daß er die Schnecke unbedingt zum „Mehr“ bringen müsse, da sie Heimweh habe. Zu seiner großen Erleichterung sagt seine Mama diesmal, daß sie ihn begleiten werde.

Gesagt –  getan, nach Bachlauf und Wasserfallüberwindung landen die beiden atemlos am Meeresstrand und staunen. Borst verabschiedet sich von der Schnecke und wirft sie ins Meer zurück.

Am Strand im Sand robbt eine Robbe herum. Sie hat eine Eichel gefunden und fragt Borst, wie sie die Eichel, die so fremdschön duftet, nach Gegenteil bringen könne. Da weiß Borst vom Forst selbstverständlich guten Rat …

Die Autorin, Yvonne Hergane, erzählt die Geschichte von „Borst vom Forst“ mit viel sprachlichem Feinsinn, teilweise gereimt, lautmalerisch, wortschöpferisch und stets in warmherzig-poetischen Wendungen kombiniert mit zärtlichem Humor. Das ist keine Textmassenware, sondern Wortmusik mit Mehrsinn.

Die Illustrationen von Wiebke Rauers sind wunderbare Wortwegbegleiter, die dem Text ein einfühlsames und stimmungsvolles Bühnenbild schaffen und der sprachlichen Feinheit der Geschichte auch durch kleine Details Ausdruck geben. Wer aufmerksam schaut, erkennt beispielsweise, daß Borstens Fell eine etwas andere – rötlichere – Färbung aufweist, als das seiner Geschwister.

„Borst vom Forst“ ist ein ganz außergewöhnliches Bilderbuch. Es ist eine kindgemäße, sensible und sprachspielerische Wegbeschreibung, sich eigenwillig und herzensoffen – abseits vom Gewohnten – unbekannte Horizonte und neue Erfahrungen zu erschließen und sich nicht gleich vom ersten Hindernis von seiner Absicht abbringen zu lassen.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.magellanverlag.de/feine-b%C3%BCcher/bilderbuch/#cc-m-product-11149977098

 

Die Autorin:

»Yvonne Hergane, geboren 1968, studierte Germanistik, Anglistik und Buchwissenschaft in Augsburg und München. Seit Mitte der 90er Jahre arbeitet sie als freie Autorin und literarische Übersetzerin, wobei ihre besondere Liebe dem Bilderbuch gehört – das Spiel mit Worten, Lauten und Reimen ist ihre Art Musik zu machen. Einer mehr war 2012 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Nach mehreren kleinen und großen Sprüngen durch die Geografie lebt Yvonne Hergane derzeit mit ihrer Familie nahe der Nordsee.«

Die Illustratorin:

»Wiebke Rauers, geboren 1986, studierte Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Illustration in Düsseldorf. Nach ihrem Diplom zog sie nach Berlin und arbeitete dort fünf Jahre als Charakterdesignerin in einem Animationsfilmstudio. 2015 machte sie sich als Illustratorin selbstständig. Seitdem arbeitet sie hauptsächlich an Büchern, Magazinen und Charakterdesigns.«

 

Querverweis:

Hier entlang zu einem weiteren Kinderbuch, das von Wiebke Rauers feinfühlig und witzig illustriert wurde: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/13/nur-ein-tag/
„Nur ein Tag“, geschrieben von Martin Baltscheit, ist die Geschichte vom warmherzigen Wildschwein und vom feschen Fuchs, die eine kleine, lebensfrohe Eintagsfliege mit einer Notlüge über die kurze Dauer ihres Daseins hinwegtäuschen, und sie führt an einem einzigen Tag durch ein ganzes Leben.

Mozart & Robinson und der Zauber des Käsemonds

  • Bilderbuch
  • Text von Gundi Herget
  • Illustrationen von Nikolai Renger
  • Magellan Verlag Juli 2016    http://www.magellanverlag.de
  • gebunden, fadengeheftet
  • Format: 24,5 x 24,5 cm
  • 32 Seiten
  • 13,95 € (D), 14,40 € (A)
  • ISBN 978-3-7348-2024-3
  • ab 3 Jahren
    Mozart und Robinson Titelbild

MONDANSCHAUUNGEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der Glaube, daß der Mond aus Käse sei, ist ein weitverbreitetes Wunschdenken in der Bilderbuchtierwelt, und im vorliegenden Bilderbuch beflügelt er zwei Mäuse gar zum Weltraumflug – doch ich greife vor, denn noch kennen Sie die beiden kleinen Helden nicht. Darf ich vorstellen: Mozart Hausmaus und Robinson Feldmaus.

Mozart Hausmaus führt ein gepflegtes, kultiviertes Leben in der geborgenen Sicherheit eines Menschenhauses. „Nach draußen geht Mozart nie. Viel zu gefährlich!“

Robinson Feldmaus führt ein freies, wildes Leben auf dem Feld, das sich an den Garten  von Mozart Hausmausens Haus anschließt. „Ins Haus geht Robinson nie. Viel zu gefährlich!“

Mozart Hausmaus ist ganz alleine zu Haus, da seine Zweibeiner gerade in Urlaub gefahren sind. Von seinem Lieblingsfensterplatz aus bewundert er den Vollmond. Im Mondlicht auf der Wiese sieht er etwas herumspringen, und die Neugier treibt ihn, ganz gegen seine vorsichtigen Gewohnheiten, hinaus in den Garten.

Mozart und Robinson Streitgespräch

Illustration Nikolai Renger © Magellan Verlag 2016 „Mozart & Robinson und der Zauber des Käsemonds“

Erstaunt stellt er fest, daß eine Maus dort im Kreise herumtanzt. Höflich stellt sich Mozart Hausmaus vor, und Robinson Feldmaus erwidert die Vorstellung. Robinson erklärt Mozart weltmausmännisch, daß er einen Tanz für den großen, mächtigen Käsemond tanze. Und schon streiten sie lebhaft darüber, ob der Mond aus Käse sei, wie Robinson es von seinem Opa weiß oder aus Stein, wie Mozart es aus dem Fernsehen weiß.

Als Robinson Feldmaus einen Beweis für Mozarts Theorie verlangt, hat Mozart Hausmaus eine abenteuerliche Idee und läuft ins Haus zurück. Robinson folgt zögerlich und hilft unter Mozarts kundiger Bastelanleitung eifrig dabei, eine Rakete aus einer Klopapierpapprolle zu bauen. Einem Erkundungsflug zum Mond steht nun nichts mehr im Wege.

Mozart und Robinson Flug

Illustration Nikolai Renger © Magellan Verlag 2016 „Mozart & Robinson und der Zauber des Käsemonds“

Die beiden tragen ihre Rakete aufs Dach, und mit Hilfe einer gummibandbetriebenen Startrampe schaffen sie einen kühnen, mondbeschienenen Flug durch die Luft und landen ziemlich schnell in einem Käseschlaraffenland.

Robinson fängt gleich an zu futtern, während Mozart bezweifelt, daß sie wirklich auf dem Mond gelandet sind. Doch dem leckeren Käseduft kann er nicht widerstehen, und er nascht eifrig mit. Während sie schmatzend diskutieren, ob sie auf dem Mond sind oder nicht, fällt der Schatten eines Menschen auf sie, gefolgt von einem „Igitt! Mäuse!“-Ausruf. Eilig flüchten die kleinen Helden von der Käseplatte, die Teil eines Gartenfeierbufetts im nachbarlichen Garten ist.

Verborgen im heimischen Garten teilen sie sich freundschaftlich ein Stück Beutekäse. Der Mond bescheint die kleinen Käseweltenbummler, und eigentlich ist es nun ganz egal, ob der Mond aus Käse oder aus Stein ist.

Diese herzig-humorvolle Freundschaftsgeschichte wird von der Autorin Gundi Herget in anschaulichen Worten und lustigen Dialogen erzählt. Und die farbenfrohen, heiteren Illustrationen von Nikolai Regner geben den originellen Mäusecharakteren einfühlsam und witzig mimische und körpersprachliche Gestalt. Auf den Vorsatzblättern des Bilderbuches befindet sich zudem eine präzise und kindgerechte Bastelanleitung für eine Klopapierrollenrakete, was den kindlichen Erlebnishorizont in erfreulich analoger Weise um eine greifbare Erfahrung erweitert.

Was will man mehr?  Ganz einfach, man will mehr von Hausmaus Mozart und Feldmaus Robinson lesen, da sie einem mit ihrer liebenswerten Wesensart ganz tüchtig ans Herz gewachsen sind. Und wie schön, daß ich Ihnen nun schon verraten darf, daß „Mozart & Robinson und der Zauber des Käsemonds“ der gelungene Auftakt zu einer neuen Bilderbuch-Reihe ist. Und die Wartezeit auf den Folgeband können Sie sich ja mit etwas Käse versüßen …

 

Die Autorin:

»Gundi Herget beschlich mit  vier Jahren zum ersten Mal das Gefühl, dass Bücher mit ihren vielen Seiten voller schwarzer Striche, Punkte und Kringel das Aufregendste sein könnten, das es gibt. Und so war es dann auch. Mit zehn Jahren wollte sie schon Schriftstellerin werden, hat dann aber erst mal Abitur gemacht, in München und Pisa Literatur studiert, Schlagzeug spielen gelernt, Redakteurin gelernt, die Welt bereist und ein Kind bekommen, was sie an den Vorsatz ihres zehnjährigen Ichs erinnert hat. Sie schreibt seitdem vor allem Kinderbücher.«

Der Illustrator:

»Nikolai Renger wurde in Karlsruhe geboren und studierte Visuelle Kommunikation an der HFG in Pforzheim. Er ist als freiberuflicher Illustrator für verschiedene Verlage und Agenturen tätig und arbeitet seit 2013 im Atelier Remise in Karlsruhe.«

Querverweis:

Schon in Sebastian Meschenmosers Bilderbuch „Herr Eichhorn und der Mond“ bot die Annahme, daß der Mond aus Käse sei, köstlichen Erzählstoff.
Hier entlang zum Besprechungslink:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/19/herr-eichhorn-und-der-mond/

 

Kuschelflosse, Band 2

  • Die blubberbunte Weltmeisterschaft
  • Bilderbuch
  • Text und Illustrationen von Nina Müller
  • Magellan Verlag Juni 2015     http://www.magellanverlag.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • 80 Seiten
  • Format: 20,5 x 24,5 cm
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A)
  • ISBN 978-3-7348-2804-1
  • ab 4 Jahren
    KUSCHELFLOSSE, Band 2

BLUBBERAUFREGUNG

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Tauchen Sie ein in die lustige Unterwasserwelt von Fischhausen. Die vier Fischfreunde, die im vorhergehenden ersten Band siehe: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/04/07/kuschelflosse/ bereits erfolgreich einen lustigen Abenteuerschwimmzug zum Zauber-Riff absolviert haben, wollen diesmal an der großen Blubber-Weltmeisterschaft teilnehmen.

Kaum hat der verträumte Fellfisch Kuschelflosse die Flaschenpost mit der Nachricht über die Blubberweltmeisterschaft gelesen, da greift er schon zum Aquafon und informiert seine besten Freunde.

Das kluge und belesene Seepferdchen Sebi, die süße Schwimmerdbeere Emmi, der eckige Herr Kofferfisch und Kuschelflosse treffen sich am Seeigelfelsen und schmieden begeistert Pläne. Schnell sind sie sich einig, daß sie eine Mango-Blubber-Maschine bauen und sich von nun an die Blubberbande nennen wollen.

Sie besuchen Professor Maschinenblitz, einen blitzgescheiten Erfinderfisch, der ihnen großzügig einen Bauplan nebst Zutatenliste und Bauanleitung schenkt.

Auf dem Weg zum Krimskramsladen, in dem der Kofferfisch immer seinen Krimskrams kauft, müssen sie zunächst ein verrücktes Fischstäbchen-Labyrinth überwinden, aus dem sie nur durch Bestechung mit Ketchup, den Herr Kofferfisch zufällig in den geräumigen Tiefen seines „Kofferraumes“ dabei hat, herausgelotst werden.

Der Krimskramsladen macht seinem Namen alle Ehre, führt jedoch trotz eines überquellenden Warenangebotes nicht die Maschinenbauteile, welche die Blubberbande braucht. Daraufhin leitet sie der Findefisch zur Maschinenfabrik. Dort wird ihnen von einem freundlichen Mechanikerfisch flinkfossig-kompetent geholfen, und er schickt ihnen sogar einen Lieferfisch, der alle Bauteile transportiert.

In der Wasserbaumschule wird noch ein köstlicher Mangobaum erworben, und am nächsten Tag geht es los mit dem Bau der Mango-Blubber-Maschine. Es gibt einige Pannen und Mißgeschicke, aber gemeinsam meistern sie alle Schwierigkeiten. Emmi pflegt den Mangobaum mit Wasserläusepippi-Dünger und mit flüssiger Sonne. Außerdem streichelt sie seine Blätter, denn an einem glücklichen Baum wachsen die Mangofrüchte besser und schneller.

Der erste Testlauf mit Maschine und Mangos klappt hervorragend, und die Mangoblubber schmecken vorzüglich. Glücklich und voll freudiger Erwartung schwimmen Kuschelflosse, Herr Kofferfisch, Emmi und Sebi schlafen.

Am nächsten Tag schwimmen sie zur Blubber-Weltmeisterschaft an. Neidlos und anerkennend bewundern sie die Darbietungen der anderen Teilnehmer, nur beim Riesenpupsfisch sind sie nicht ganz einer Meinung. Als aber der böse Blubberkäfer ebenfalls mit einer Mango-Blubber-Maschine auftritt, wird es kniffelig. Indes, der Ideenklau wird schnell aufgeklärt und der Plagiator bestraft.

Nach all der Aufregung beschließt die Jury weise, daß einfach ALLE weltmeisterwürdig seien; sodann wird fischfröhlich-ausgelassen gefeiert – selbstverständlich mit oberleckeren Mangoblubbern.

Die fröhlichen, detailreichen, bunten Illustrationen, die niedlich-schrägen Fischcharaktere und z.B. auch die pfiffige Textverdrehung bei den Szenen im verRÜCKten Fischstäbchen-Labyrinth oder der Schraubengewindekorpus des Mechanikerfisches bieten nachhaltiges Anschauungsmaterial für lustige Vorlesestunden.

Bei Kuschelflosses zweitem Abenteuer ist der recht umfangreiche Text auf zehn Kapitel verteilt. Nina Müllers Erzählsprache ist zugleich einfach und anregend wortverspielt. Der Spannungsbogen ist kindgemäß und kapitelportioniert überschaubar.

Der skurrile Humor – in Wort und Bild – der Kuschelflosse-Bilderbücher verdient besondere Erwähnung. Manche Details sind herrlich absurd, z.B. trinken die Fischfreunde im Café Seetang WASSERSCHORLE – also da muß man erstmal drauf kommen, findefische ich.

Hier geht es zur LESEPROBE:
http://www.magellanverlag.de/inhalt/leseproben/kuschelflosse-band2/

Und hier geht es zur Besprechung des 1. Bandes von KUSCHELFLOSSE:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/04/07/kuschelflosse/

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Nina Müller, geboren 1977 in Bayreuth, studierte Design in Wiesbaden und Sydney, bevor sie viele Jahre als Art-Director in einer renommierten Werbeagentur arbeitete. Heute hat sie ihr eigenes Designbüro in Bayreuth und genießt neben den konzeptionellen Aufgaben mehr Zeit für ihre liebste Leidenschaft: das Schreiben und Illustrieren fantastischer Geschichten.«

Über uns das Meer

  • von Sabine Giebken
  • Jugendbuch
  • Magellan Verlag   September 2014          http://www.magellanverlag.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag und Lesebändchen
  • 477 Seiten
  • 17,95 € (D), 18,50 € (A)
  • ISBN 978-3-7348-5601-3
  • ab 15 Jahren
    Über uns das Meer

M E E R E S T I E F J A U C H Z E N D

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Lou, die Icherzählerin in dieser Geschichte, versucht herauszufinden, was sie eigentlich will. Da ihre Eltern im diplomatischen Dienst tätig sind, hat sie schon in diversen Ländern gelebt und besuchte bis vor kurzem ein deutsches Privatinternat. Doch Marie-Louise fühlt sich ihrer Familie nicht richtig zugehörig, seitdem sie herausgefunden hat, daß sie einst adoptiert worden war. Erschwerend kommt hinzu, daß ihre jüngere Schwester, Sophie, nicht adoptiert wurde, und Lou meint, daß Sophie leichter die anspruchsvollen Erwartungen der Eltern zu erfüllen bereit sei.

Um endlich einmal das Gefühl zu haben, selbst über ihr Leben zu bestimmen, schmeißt sie ihr Abi und verschwindet heimlich nach Elba. Dort versteckt sie sich bei Capoliveri in der alten Villa ihrer verstorbenen Großmutter und leckt alte Kindheitswunden. Außerdem findet sie Arbeit in einer örtlichen Tauchschule, da sie eine recht erfahrene Taucherin ist.

In dieser Tauchschule gibt es zur Zeit nur ein Thema, nämlich den nächste Weltrekord im Apnoetauchen (Freitauchen, ohne Atemgerät). Ein attraktiver, geheimnisvoller Taucher, der sich „Angel“ nennt, will das Wagnis eingehen, 100 Meter in die Tiefe zu tauchen. Für dieses Ziel wird eifrig trainiert, und außerdem braucht man zusätzliche Hilfstaucher, die an tauchstrategisch gefährlichen Schwellen am Sicherungsseil postiert werden, um gegebenenfalls rettend eingreifen zu können.

Zwischen Lou und Angel entsteht augenblicklich eine starke gegenseitige Anziehungs-kraft, und da Lou schnell Fortschritte dabei macht, selbst mehrere Minuten ohne Sauerstoffflasche unter Wasser zu bleiben, gehört sie schnell zu den Sicherheitstauchern. Sie macht schöne und gefährliche Erfahrungen beim Tauchen und erlebt ein Wechselbad aus Nähe und Distanz in Bezug auf Angel.

Angel geht sehr konsequent seinen eigenen Weg und erfüllt ebenfalls nicht alle Erwartungen, die andere an ihn haben… Lou söhnt sich schließlich mit ihrer Adoptivfamilie aus und kommt sich selbst und auch Angel näher.

In diesem Buch erfährt man viel über das Apnoetauchen, die komplexe Organisation und medienwirksame Vermarktung von Sportwettbewerben und über zwischenmenschliche Untiefen in Zusammenhang mit der Transparenz sozialer Netzwerke.

Die sehr atmosphärischen Beschreibungen der Unterwasserwelt, der körperlichen Empfindungen beim Tauchen, der spannende und gefährliche Rausch der Tiefe und das Gefühl des Grenzenauflösens in meerestiefer Umarmung haben eine starke Lektüresogwirkung.

Die vage Liebesgeschichte von Lou und Angel bleibt dagegen – für mein Empfinden – an der emotionalen Oberfläche. Schließlich muß sich nicht jeder mit der in Jugendbüchern häufig gepflegten, ziemlich bewußtlosen Liebesanziehungskraft ohne wirkliches KennenLERNEN und ohne Vertrauenskoordinaten zufriedengeben.

In einem tiefen Atemzug: „Über uns das Meer“ ist eine spannende, meergestimmte jugendliche Liebes- und Selbstfindungsgeschichte – genau die richtige Ferien- und Strandlektüre, die eventuell anschließend dazu verlocken könnte, sich für einen Tauchkurs anzumelden.

 

PS:
Die äußere Gestaltung dieser Meeresliebesgeschichte ist äußerst attraktiv: Wir sehen einen Schutzumschlag mit vielen feingezeichneten, bunten Fischchen, die vor mattschwarzem Hintergrund aufleuchten, und einen weißen, mit Relieflack beschichtete Titelschriftzug.
Die Vorsatzblätter sind türkisfarben und mit einem Seetangmuster in weiß geschmückt, und zur Krönung gibt es ein leuchtend orangegelbes Stofflesebändchen.

 

Die Autorin:

»Sabine Giebken wurde 1979 in München geboren und lebt mit ihrer Familie in Bayern. Schon als Kind konnte sie an keiner Buchhandlung vorbeigehen, ohne wenigstens einen Blick hineinzuwerfen, und schrieb eigene Geschichten in Schulhefte. Später machte sie ihr Diplom in Betriebswirtschaft, doch während eines Aufenthalts auf einer kleinen kanadischen Forschungsinsel flammte ihre alte Leidenschaft für das Schreiben wieder auf. Am liebsten lässt sie sich auf ihren Reisen von abenteuerlichen Landschaften, wilden Tieren und ungewöhnlichen Menschen inspirieren.«

Kuschelflosse, Band 1

  • Das unheimlich geheime Zauber-Riff
  • Bilderbuch
  • Text und Illustrationen von Nina Müller
  • Magellan Verlag   Juli 2014                   www.magellanverlag.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • 80 Seiten
  • Format: 20,5 x 24,5 cm
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A)
  • ISBN 978-3-7348-2801-0
  • ab 4 Jahren
    Kuschelflosse

K U S C H E L A B E N T E U R E R

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Fischverliebte können in diesem Bilderbuch ungeahnte Entdeckungen machen. Die vier Hauptfiguren leben unter Wasser in Fischhausen. Zuerst lernen wir den Fellfisch Kuschelflosse kennen, der, wie sein Name schon andeutet, gerne herumkuschelt. Jeden Tag zelebriert er mit seinem Haustier Flauschi eine Traumstunde, bei der die beiden gemütlich aneinander gekuschelt der Musik aus dem Unterwasserradio lauschen.

Dieses eigenwillige Radio verfügt über einen Geheimsender, der eines wässrigen Tages von einem zauberhaften, bunten Riff berichtet, wo eine uralte Zauberschildkröte leben solle, die Wünsche erfüllen könne. Der Weg dorthin sei geheimer als geheim, und nur wenige hätten ihn bisher gefunden.

Kuschelflosse ist sofort Feuer und Flamme bzw., um im richtigen Element zu bleiben: er kann seine Flossen nicht ruhen lassen, bis er seine drei besten Freunde mit seinem Wunschfieber angesteckt hat. Seebrillchen Sebi, ein kluges und belesenes Seepferdchen, Schwimmerdbeere Emmi, ein erdbeerförmiges und erdbeerfarbenes Fischmädchen, und Herr Kofferfisch, der in seinem Kofferbauch alles Mögliche transportieren kann, sind sofort begeistert.

Am nächsten Tag schwimmen die vier Freunde mit freudiger Erwartung ins größte Abenteuer ihres Lebens. Zunächst begegnen ihnen im „Grinsegras-Tal“ lustige Grinsegräser, die etwas verwackelte Sprechgewohnheiten haben, beim Passieren der „spannenden Schlucht“ sucht sich eine gefährliche Feuerqualle Kuschelflosse zum Imbiß aus, aber seine drei Freunde überlisten den Freßfeind mit einer Badeblubberkugel.

Die freundliche Rosa Muschel, der sie nach dieser überstandenen Gefahr begegnen, schenkt ihnen einen Findefisch, der alle Wege findet. Nach einigen größeren und kleineren Hindernissen kommen sie endlich am Zauberriff an, und die schwerhörige Zauberschildkröte erfüllt, nach einigen lustigen Mißverständnissen, Kuschelflosses Wunsch nach dem Aller-aller-aller-aller-aller-Wertvollsten, was es auf der ganzen Welt gibt.“ Was das ist, dürfen Sie bei der Lektüre gerne selbst entdecken…

Die Illustrationen von Nina Müller sind kindlich-verspielt, ein bißchen comicartig sowie fröhlich-bunt, und sie geben die Charaktere der sympathisch-schrägen Fischfiguren treffgenau wieder.

Die Geschichte von Kuschelflosse und seinen Freunden wird von Nina Müller in einfachen, anschaulichen und witzigen Worten erzählt, als Beispiel nenne ich die müde Schnecke in Zeitlupe.“ Die sprachspielerischen Elemente, mit denen sie den Text bereichert, dürften beim Vorlesen eine Quelle für viel kindlichen Spaß sein.

„Kuschelflosse“ ist eine abenteuerlustige Geschichte, bei der die Betonung eindeutig auf LUSTIG liegt. Der recht umfangreiche Text ist übersichtlich auf neun Kapitel verteilt, so daß ein wohlportioniertes Vorlesen in sinnvollen Abenteuerschwimmzügen ermöglicht wird. Dank des skurrilen Humors löst sich die Spannung schließlich stets in Schmunzeln auf.

Naturgesetzliche Präzision dürfen Sie beim Eintauchen in diese Unterwasserwelt nicht erwarten, aber Sie können einen Seeigelverkehrsstau erleben und sich darüber wundern, warum und wozu Fische eine Badewanne brauchen.

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Nina Müller, geboren 1977 in Bayreuth, studierte Kommunikationsdesign in Wiesbaden und Sydney, bevor sie nach München zog und als Art Director in einer der renommiertesten Werbeagenturen Deutschlands arbeitete. Heute hat sie ihr eigenes Designbüro in Bayreuth und genießt neben den konzeptionellen Aufgaben mehr Zeit für ihre liebste Leidenschaft: das Schreiben und Illustrieren fantastischer Geschichten mit einzigartigen Charakteren

PS:

Magellan, ein neuer Kinderbuchverlag (Geburtstag war im Frühjahr 2014), der sich nach einem berühmten Seefahrer und Entdecker nennt, macht seinem Namen alle Ehre durch die Entdeckung und Verlegung neuer, noch unbekannter Talente jenseits des Massengeschmacks.

Außerdem hat sich dieser Verlag auf die Fahne geschrieben, bei der Herstellung seiner Bücher einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen. Sie werden auf dem Buchmarkt nicht viele Verlage finden, die außer dem Hinweis auf FSC-Mix-Papier auch noch Farben auf Pflanzenölbasis, Lacke auf Wasserbasis und lösungsmittelfreie Klebstoffe verwenden und die hauptsächlich in Deutschland produzieren.

Ich wünsche dem originellen, ganzheitlich-nachhaltigen Buchprogramm des Magellan Verlages viel Erfolg, unzählige Leser und unbezahlbare Begeisterung.

http://www.magellanverlag.de