Miss Sharp macht Urlaub

  • Der zweite Fall für die skurrile Rentner-WG von Sunset Hall
  • von Leonie Swann
  • Hörbuch
  • leicht gekürzte Lesung von
  • Anna Thalbach
  • der Hörverlag, Juli 2022 www.hoerverlag.de
  • Laufzeit: 8 Stunden, 40 Min.
  • 1 mp3-CD in Papp-Klappschuber
  • 22,00 € (D), 22,70 € (A), 30,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-4528-9

Miss Sharp macht Urlaub von Leonie Swann

SCHÖNHEIT  SCHÜTZT  VOR  MORDEN  NICHT

Hörbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Wie bereits im ersten Kriminalfall der rostig-rüstigen Rentner-WG von Sunset Hall bietet auch der neue Fall eine komplexe, verschlungene Handlung, die uns mit mehreren  Ver-dächtigen und falschen Spuren abwechslungsreich und unterhaltsam beschäftigt. Um sich mit den sechs WG-Bewohnern (Agnes Sharp, Bernadette, Charlie, Edwina, Winston und dem Marschall) näher vertraut zu machen, empfehle ich einen Blick in meine Rezension des ersten Falles „Mord in Sunset Hall“ Mord in Sunset Hall , wo ich die eigenwilligen Damen und Herren im einzelnen vorstelle. Erwähnenswert ist zudem noch die im ersten Band verstorbene WG-Bewohnerin Lillith, deren Asche in einer Kaffeedose in Sunset Hall aufbewahrt wird und mit der Edwina nach wie vor gerne Zwiesprache hält.

Es ist Winter und bitterkalt; in der Senioren-WG Sunset Hall ist die Heizung ausgefallen, und eine Reparatur ist frühestens in zwei Wochen möglich. Dies sind ungemütliche Aus-sichten. Da trifft es sich gut, daß Edwina, wohlbekannt aus dem ersten Band als wach-same Hüterin der Hausschildkröte Hettie und der Asche Lilliths, bei einem Preisaus- schreiben eine Reise  nach „Eden“, einem Ökoluxus-Romantikhotel in Cornwall, gewonnen hat.

Denn alle WG-Bewohner sind sich einig, daß man Edwina keinesfalls alleine und unbe- aufsichtigt verreisen lassen könne. Edwina ist zwar dank Yoga die gelenkigste und körperlich fitteste von allen, aber geistig lebt sie gewissermaßen in einer Parallelwelt, in der ihr einstiger Beruf als Geheimagentin nach wie vor eine eigenwillige Perspektive auf aktuelle Geschehnisse garantiert. Edwinas sehr ausgeprägte Tierliebe führt zudem manchmal zur Vernachlässigung normaler menschlicher Prioritäten.

Kurzentschlossen lädt die mondäne Charlie, wohlbekannt aus dem vorherigen Fall als eleganter WG-Neuzugang, alle WG-Bewohner ein, diese Reise nach Eden gemeinsam zu unternehmen. Denn dank zahlreicher verflossener Ehemänner ist Charlie nicht ganz unbetucht und kann sich eine solche Großzügigkeit leisten.

So reisen die älteren Leutchen wenig später nach Cornwall an die Küste, wo das Hotel ziemlich abgelegen, nahe an den Klippen gebaut liegt und mit spektakulärem Meeres- blick aufwartet. Die beiden Herren, der militärische Marschall und der besonnene Winston, beide Kavaliere alter Schule, teilen sich ein Doppelzimmer, und die vier Damen belegen zwei weitere Doppelzimmer.

Zwischen Champagnerfrühstück, wahrlich bio-vollwertköstlichen – wenn auch nicht immer ganz gebißverträglichen – Fünf-Gänge-Menüs, üppig ausgestatteter Hotelbar, Aroma-Massagen, Farbtherapie, Meditation, Schwimmgymnastik und diversen krea- tiven Beschäftigungsangeboten können sich die alten Damen und Herren gut ent- spannen und beiläufig noch die zu Rohkost und körperlicher Ertüchtigung verurteilte „Entschlackungsgruppe“ bedauern. Denn außer dem genüßlichen Romantik-Angebot kann man auch ein eher asketisches Gesundheits-Angebot buchen.

Agnes Sharp, die auf mehrstimmigen Wunsch ihrer WG-Mitglieder neuerdings mit einem modernen Hörgerät ausgestattet ist, entwickelt in Anbetracht zuvorkommender Bedie-nung, fließendem warmen Wasser, harmonisch geschwungener Holzmöbel, indirekter Beleuchtung, kulinarischen Köstlichkeiten und Meeresrauschen endlich ein zaghaftes Urlaubsgefühl. Sie sitzt in der behaglichen Sea-Lounge und genießt die schöne Aussicht auf das Meer. Beiläufig beobachtet sie zwei mit grellbunten Kapuzenjacken bekleidete Personen, die den hoteleigenen Klippenpfad entlang gehen. Plötzlich ist nur noch eine Person da, und obwohl Agnes nicht sehen konnte, was mit der zweiten Person geschehen ist, erwacht sofort ihr kriminalistischer Instinkt.

Während Agnes und ihre Freunde mit ersten vorsichtigen Nachforschungen beginnen, muß sich die blinde Bernadette damit arrangieren, daß ihr im Hotel Jack, ein Mann aus ihrer dunklen Vergangenheit, freundlich, ja, buchstäblich romantisch wiederbegegnet. Das Problem ist nur, daß Jack ein professioneller Auftragskiller war und sie nicht sicher sein kann, ob er sich schon im Ruhestand befindet, zumal sich dem ersten Mord schnell weitere, allerdings eher unprofessionell ausgeführte Morde anschließen.

Auch diverse mehr oder weniger seltsame Hotelgäste, wie der junge Video-Blogger Mojo, die weiße Witwe und der wahllos charmante Howard Hope geraten in Mordverdacht. Besonders erheiternd sind in diesem Zusammenhang die situationskomischen Mißver-ständnisse bei den Begegnungen zwischen Edwina und Mojo – hier stiften alleine das generationsbedingt unterschiedliche Vokabular sowie die Differenz zwischen virtuellem und analogem Wirklichkeitsbezug viel Verwirrung.

Edwina findet im Hotel-Schwimmbad eine unterkühlte, weiße Schlange, eine noch junge Boa mit dem Namen „Oberon“. Keine Frage, daß sie das liebenswürdige Tier adoptiert und damit  lebhafte Zimmergenossinnen-Komplikationen auslöst. Denn Charlie ist nicht so schlangenaffin wie Edwina und tauscht das Zimmer mit Agnes, die weniger empfind-lich auf die Anwesenheit der hübschen Würgeschlange mit den zitronengelben Augen reagiert.

Wie es in Leonie Swanns Romanen üblich ist, kommt selbstverständlich auch die spezielle Schlangenperspektive Oberons zu Wort und trägt interessante Mosaik- steinchen zum Gesamtbild bei…

Dieser Kriminalroman lebt von der ebenso charakterstarken wie originellen Figuren- zeichnung und von den raffinierten Szenenwechseln, welche die unterschiedlichen Perspektiven auf  das Geschehen dramaturgisch spannend verknüpfen. Die liebenswert selbstironische Thematisierung der altersbedingten Hindernisse und Verlangsamungen nebst Vergeßlichkeiten, Mittagsschlafbedürfnissen, klagenden Hüften, verlegten Lesebrillen und  akustischen Verzerrungen von Hörgeräten ist auf respektvolle Weise amüsant, zumal die Verletzlichkeiten und Wehmütigkeiten des Alters auch mit den unzweifelhaften Stärken von Lebenserfahrung, altersmilder Gelassenheit sowie abgeklärtem schwarzen Humor ausgeglichen werden. 

Anna Thalbach vorleseschauspielert dieses Hörbuch ausgesprochen vielstimmig. Sie ver-
leiht jedem Charakter mit bewundernswert vielsaitigem Nuancenreichtum eine unver-wechselbare eigene Note und Klangfarbe. Die glamouröse Charlie würde dies mit ihrem berühmten Ausruf: „F A – B E L – H A F T!“ kommentieren, und dem kann ich mich nur begeistert anschließen.

Hier entlang zum HÖRBUCH und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.penguinrandomhouse.de/Hoerbuch-MP3/Miss-Sharp-macht-Urlaub/Leonie-Swann/der-Hoerverlag/e601690.rhd

Hier entlang zur BUCHAUSGABE beim Goldmann Verlag:
https://www.penguinrandomhouse.de/Buch/Miss-Sharp-macht-Urlaub/Leonie-Swann/Goldmann/e581717.rhd

Die Autorin:

»Leonie Swann wurde 1975 in der Nähe von München geboren. Sie studierte Philosophie, Psychologie und Englische Literaturwissenschaft in München und Berlin. Mit ihren ersten beiden Romanen »Glennkill« und »Garou« gelang ihr auf Anhieb ein sensationeller Erfolg: Beide Bücher standen monatelang ganz oben auf den Bestsellerlisten und wurden bisher in 25 Sprachen übersetzt. Leonie Swann lebt heute umzingelt von Efeu und Blauregen in England.«

Die Sprecherin:

»Anna Thalbach, geboren 1973 in Ostberlin, Tochter der Schauspielerin Katharina Thalbach, stand bereits als Sechsjährige gemeinsam mit ihrer Mutter vor der Kamera. Sie wurde zunächst durch verschiedene Kino- und Fernsehrollen bekannt, bevor sie sich dem Theater zuwandte. Begründung: Sie sei es leid, nur als „Gesichtsverleiherin“ gefragt zu sein. Anna Thalbach arbeitet neben der Schauspielerei erfolgreich als bildende Künstlerin und Audio- sprecherin. Sie hat u.a. „Nijura“ von Jenny-Mai Nuyen sowie „Die Nebel von Avalon“ und „Die Wälder von Albion“ von Marion Zimmer Bradley vorgelesen. Anna Thalbach liest so eindrucksvoll, dass die Geschichten beim Hören geradezu bildlich werden.«

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/
Werbung

Mord in Sunset Hall

  • von Leonie Swann
  • Hörbuch
  • gekürzte Lesung
  • Sprecherin:  Anna Thalbach
  • Buchvorlage: GOLDMANN Verlag
  • Produktion: der Hörverlag, Mai 2020   www.hoerverlag.de
  • 1 mp3-CD
  • in Pappklappschuber
  • Laufzeit: ca. 9 Stunden, 31 Minuten
  • 20,00 € (D), 20,60 € (A), 28,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-3734-5

GEBRECHEN  UND  VERBRECHEN

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Agnes Sharp hat in „Sunset Hall“, ihrem Elternhaus, eine unkonventionelle Senioren-WG gegründet. Sie und ihre Mitbewohnerinnen und -Bewohner sind sich darin einig, so lange und so gut wie möglich selbstbestimmt zu leben und, wenn es sich nicht mehr gut lebt, auch selbstbestimmt zu sterben. Im Dorf gelten sie als senile Hippie-WG und bieten Stoff für anrüchige Spekulationen, die zwar völlig unbegründet sind, aber manche Nachbarn auf dem Lande sind einfach etwas kleinkariert und spießig.

Die alten Leutchen haben zwar allerlei Verschleißerscheinungen und Gebrechen, sind gleichwohl recht rege und munter und gleichen ihre körperlichen Schwächen raffiniert mit Lebenserfahrung, Charakterstärke, Gelassenheit und buchstäblicher Weitsicht aus. Alle würzen zudem ihr Persönlichkeitsprofil mit einigen sympathischen Prisen Skurrilität.

Agnes etwa hat Probleme mit der Hüfte und mit gelegentlichen Ohrgeräuschen. Sie ist gut organisiert und hat für die WG eine entsprechende Hausordnung (Rauchen und Enkelkinder sind in Sunset Hall streng verboten) eingeführt. In ihrem aktiven Berufs- leben arbeitete sie bei der Kriminalpolizei und hat – wie sie wiederholt erwähnt –  „Monster gejagt“. 

Die beiden männlichen Mitbewohner sind Kavaliere der alten Schule: Der disziplinierte Marschall erledigt Internetbestellungen und –Recherchen,  hat jedoch zunehmend Schwierigkeiten mit dem Kurzzeitgedächtnis. Der stets ebenso charmante wie würde- volle Winston sitzt im Rollstuhl. Er war beim Geheimdienst Spezialist für Geheimcodes und verteilt nun sorgfältig die jeweiligen Tablettenrationen an alle WG-Mitglieder.

Edwina ist die Beweglichste von allen, sie übt täglich Yoga, begibt sich auch im Tageslauf immer wieder spontan in Yogastellungen und spricht bevorzugt mit dem WG-Haustier, der kaltblütigen Schildkröte Hettie. Sie wirkt naiv und verträumt, ja, geradezu verspielt, aber man sollte sie nicht unterschätzen, immerhin hat auch sie beim Geheimdienst gearbeitet.

Lillith ist die Gartenfee der WG und kümmert sich sowohl um den Garten als auch um die Topfpflanzen in Sunset Hall.

Die blinde Bernadette hat ebenfalls bei der Kriminalpolizei gearbeitet. Sie trägt fast permanent eine dunkle Sonnenbrille, die ihr eine mafiöse Ausstrahlung verleiht, was durch ihre schonungslos sarkastischen Bemerkungen noch unterstrichen wird.

Die fabelhafte, mondäne Charlie – stets einem Gin-Tonic zugeneigt – ist erst kürzlich zusammen mit ihren Wolfshund namens Brexit eingezogen.

Als nun Mitbewohnerin Lillith erschossen im Gartenschuppen liegt und kurz darauf auch noch eine Nachbarin (Mildred) aus dem nahegelegenen Herrenhaus ebenfalls erschossen aufgefunden wird, beginnen Agnes und ihre WG-Genossen heimlich selber zu ermitteln. Tatsächlich wissen sie ein klein wenig mehr, als sie gegenüber der Polizei zugeben dürfen …

Bei Agnes werden durch den Mord an Mildred unwillkommene, schmerzliche Erinnerun-gen wach. Sie hatte einst eine Zwillingsschwester, Alice, die als Kind verstorben war. Nach Alice‘ Tod hatte sich Agnes mit den Zwillingsgeschwistern (Isabel und Mildred) aus dem Herrenhaus eng angefreundet, bis sich als Erwachsene ihre unterschiedlichen lebensläufigen Wege trennten.

Agnes entschließt sich nun, nach jahrzehntelanger Kontaktpause der überlebenden Zwillingsschwester Isabel einen Kondolenzbesuch abzustatten. Isabel empfängt Agnes freundlich, die beiden sprechen sich ein wenig aus, und Isabel bittet Agnes schließlich sogar, mit ihren Mitbewohnern zur Beerdigung zu kommen, da wegen Mildreds Unbe-liebtheit im Dorf die Gefahr bestünde, daß sonst nur das Hauspersonal mitkäme.

Beerdigungen von Mordopfern eignen sich durchaus für eine ergiebige kriminalistisch-psychologische Spurenlese, aber ebenso der Besuch des wöchentlichen Kaffee-und-Kuchen-Plauderkränzchens, das der Dorfpfarrer organisiert. Und so gehen die Senioren mehr oder weniger auffällig einer vielfältigen, umtriebigen Spurensuche nach.

Agnes bewegt sich zunehmend zwischen changierenden Zeitebenen und verläuft sich in Kindheitserinnerungen. Aus ihren biographischen Rückblenden erfahren wir von einem Mord, der nie aufgeklärt wurde und der einen langen Schatten über Agnes‘ und Alice‘ Kindheit warf.

Während die WG mit vereinten Kräften und der Rekrutierung eines jungen, geheimen „Außendienstagenten“ langsame Ermittlungsfortschritte macht, kommt es zu allerlei Komplikationen, u.a. wird der kleine Enkelsohn des Marschalls wegen einer Ehekrise beim Opa abgeladen und entgegen der Hausordnung in Sunset Hall einquartiert.

Eine weitere Komplikation ergibt sich daraus, daß die Polizei, nachdem ein drittes Mord-opfer zu beklagen ist, ausgerechnet Agnes verdächtigt, da sie mit der betreffenden Person vor Jahren in einen handfesten Streit geraten war, bei dem sie eine Torte und ein Streichmesser nach ihr geworfen hatte.

Agnes hat sich derweil im Zuge der Mordermittlungen heimlich ins örtliche Luxus-Seniorenheim eingeschummelt, um eine vermutliche Zeugin zu befragen. Bei diesem Ausflug macht Agnes bittere Erfahrungen mit fürsorglicher Entmündigung und medikamentöser Ruhigstellung, und sie kann nur sehr knapp wieder entkommen.

Die Lage ist ernst, bietet aber auch viel Raum für Situationskomik und schwarzen Humor. Mal fehlt die Lesebrille, mal das Gebiß, hakende Hüften, ein trödelnder Treppenlift und ungelenke Gelenke erschweren die Beweglichkeit, Hörfehler und Gedächtnislücken führen zu dramatischen Mißverständnissen, falsch verknüpften Fäden und unstimmigen Mordmotiven.

Doch trotz Zipperlein, Langsamkeit, Selbstzweifeln und Verwirrung löst Agnes schließlich erfolgreich den Fall. Die Wohngemeinschaft geht gestärkt aus der Krise hervor, und der Besuch von Enkelkindern ist in Sunset Hall inzwischen nicht nur gestattet, sondern sogar ausdrücklich erwünscht.

Leonie Swanns Romankomposition ist abwechslungsreich, komplex, spannend und vielschichtig. Das Alter und die Verletzlichkeit, die das Altern, das Schwinden von körperlichen Fähigkeiten und die Wehmut über unabänderlich Vergangenes mit sich bringen, werden einfühlsam und respektvoll thematisiert. Alle Personen werden von der Autorin lebhaft und anschaulich dargestellt. Das zwischenmenschliche Zusammenspiel, die unterschiedlichen Charakterperspektiven und schrägen Eigenwilligkeiten sind ebenso anrührend wie amüsant.

Dieses Hörbuch wird von Anna Thalbach bemerkenswert vielstimmig und ausgesprochen überzeugend geleseschauspielert. Es gelingt ihr mit bewundernswert vielsaitigem Nuancenreichtum, jedem Charakter eine wiedererkennbare eigene Note und Klangfarbe zu verleihen.

 

Hier entlang zum HÖRBUCH und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch-MP3/Mord-in-Sunset-Hall/Leonie-Swann/der-Hoerverlag/e568800.rhd

Hier entlang zur BUCHAUSGABE und LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Mord-in-Sunset-Hall/Leonie-Swann/Goldmann/e562236.rhd

Mord in Sunset  Hall
von Leonie Swann
Kriminalroman
GOLDMANN Verlag Mai 2020
gebunden mit Schutzumschlag
448 Seiten
Format: 13,5 x 21,5 cm
20,00 € (D), 20,60 € (A), 28,90 sFr.
ISBN: 978-3-442-31556-7

 

Die Autorin:

»Leonie Swann wurde 1975 in der Nähe von München geboren. Sie studierte Philosophie, Psychologie und Englische Literaturwissenschaft in München und Berlin. Mit ihren ersten beiden Romanen „Glennkill“ und „Garou“ gelang ihr auf Anhieb ein sensationeller Erfolg: Beide Bücher standen monatelang ganz oben auf den Bestsellerlisten und wurden bisher in 25 Sprachen übersetzt. Leonie Swann lebt heute umzingelt von Efeu und Blauregen in England.«

Die Sprecherin:

»Anna Thalbach ist 1973 in Ost-Berlin geboren und international bekannt als Künstlerin von Film, Fernsehen und Theater. Als Hörbuchsprecherin und Interpretatorin gefragt, wurden ihre Leistungen mehrfach ausgezeichnet, unter anderem zweimal mit dem Deutschen Hörbuchpreis.«

Querverweis:

Hier entlang zum vorhergehenden Krimi von Leonie Swann, in dem ein sprechender Graupapagei einige entscheidende Worte mit redet: „Gray“ https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/10/09/gray/

 

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Gray

  • von Leonie Swann
  • Kriminalroman
  • Hörbuch
  • Produktion: der Hörverlag Mai 2017   www.hoerverlag.de
  • Lesefassung: Anke Albrecht
  • Regie: Sven Stricker
  • Sprecher: Bjarne Mädel und Christopher Heisler
  • Laufzeit ca. 8 Stunden 44 Minuten
  • gekürzte Lesung
  • 1mp3-CD
  • Pappklappschuber
  • 19,99 € (D), 22,50 € (A), 28,50 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-2532-8

ELLIOTS  FALL

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Gray“ von Leonie Swann ist ein vergnüglicher und sehr tiereinfühlsamer Krimi, in dem ein zwangsneurotischer Dozent für Anthropologie zusammen mit einem sprechenden Graupapagei – amateurhaft und gleichwohl erfolgreich – den tödlichen Unfall eines Studenten als Mord entlarvt und aufklärt.

Wir unternehmen eine Lese- bzw. Lauschreise nach Cambridge zur altehrwürdigen, renommierten Universität und Nobelpreisträgerschmiede Großbritanniens. Der vielversprechende blaublütige Student Elliot Fairbanks ist beim Fassadenklettern von der King’s College Chapel gestürzt – ein tragischer Todesfall, der die akademische Beschaulichkeit ungemütlich aufwühlt.

Dr. Augustus Huff ist ein junger Dozent für Anthropologie und ziemlich zwangs- neurotisch. Er hegt Sympathien und Antipathien für bestimmte Zahlen, überschreitet Schwellen vorsorglich immer zuerst mit dem linken Fuß, er liebt Ordnung, Struktur und Sauberkeit, er überprüft stets dreifach, ob er eine Tür auch wirklich abgeschlossen hat, und wäscht sich sehr, sehr, sehr, sehr, sehr häufig die Hände.

Zwischenmenschlich ist er etwas unbeholfen, distanziert-zugewandt und zurückhaltend- aufgeschlossen, immer zwanghaft bemüht, seine Zwanghaftigkeit nicht allzu offensicht- lich zu zeigen.

Augustus ist Elliots Tutor und wird zwei Tage nach dem Tode Elliots von einer Putzfrau des Colleges um Hilfe gebeten. Sie behauptet, es spuke in Elliots Zimmer. Widerstrebend betritt Augustus die luxuriösen Räumlichkeiten des verstorbenen Studenten und hört tatsächlich Elliots hochnäsige Stimme „Knapp daneben ist auch vorbei!“ und „Kalt, ganz kalt!“ rufen. Unter der Bettdecke bewegt sich etwas Kleines und produziert nun Staubsaugergeräusche.

Todesmutig zieht Augustus die Bettdecke weg und enthüllt einen verängstigten Grau-papagei. Elliott hatte eine Sondergenehmigung für die Haltung eines Graupapageien, den er für Verhaltens- und Sprachstudien brauchte. In der Aufregung um den plötzlichen Tod Elliots hatte niemand an den kleinen Graupapageien namens Gray gedacht. Gray faßt schnell Vertrauen zu Augustus und klettert auf seine Schulter.

Augustus hat Mitgefühl mit Gray und läßt sich zögernd darauf ein, sich um ihn zu kümmern, und er beginnt nun, tiefer über Elliots Unfall nachzudenken. Elliot Fairbanks war arrogant, begabt, kalt, selbstgefällig und stolz und ein sehr guter Fassadenkletterer. Da Augustus selbst ein wenig Klettererfahrung hat und die gotische Architektur der King‘s College Chapel verhältnismäßig gute Kletterbedingungen bietet, kommen Augustus ernsthafte Zweifel an der Unfallversion. Dieser Todesfall erscheint ihm unaufgeräumt, und Augustus fühlt sich verpflichtet aufzuräumen.

Nach und nach erkennt Augustus, daß der Graupapagei nicht nur perfekt Stimmen und Geräusche imitiert, sondern wirklich weiß, was er sagt. Zwar verfügt er nur über ein begrenztes Kontingent von Redewendungen und Wörtern, wendet diese jedoch durchaus sinnvoll und situativ angemessen an. Und er stellt oft die klugen Fragen: „Was ist gleich? Was ist anders?“, die Augustus bei seiner Spurensuche unterstützen.

Detektivarbeit mit einem vorlauten Papageien auf der Schulter läßt an Unauffälligkeit zu wünschen übrig, führt aber auch zu ganz erfrischenden zwischenmenschlichen Begegnungen, die das Spektrum von angenehmem Flirt bis zu tätlichem Angriff abdecken.

Gray bringt Augustus‘ systematische Ordnung durcheinander, er knabbert seine Stifte an, wirft Briefbeschwerer um, zerzaust sein Haar, beschnäbelt sein Ohr, und er hat überdies recht krümelige und schmierige Tischsitten, die für Augustus‘ Sauberkeits- bedürfnisse schwer zu ertragen sind. Dennoch halten sie zusammen und kommen sich emotional näher, was der Aufklärung des Mordes dient. Tatsächlich führen die Not- wendigkeiten, Gefahren und Selbstüberwindungen seiner Ermittlungen dazu, daß Augustus von seinen Zwangshandlungen abgelenkt wird und sie sogar etwas vernachlässigt.

Augustus‘ methodische Nachforschungen enthüllen nicht nur architektonische Abgründe und bröckelnde soziale Fassaden, sondern auch Abgründe des Schweigens, familiäre Verstrickungen, psychische Deformationen, Geheimnisse und unvermutet sympathisch-romantische Züge des verstorbenen Elliots.

Mit geschickter Dramaturgie wird Augustus auf Irr- und Umwege geführt, viele mögliche Verdächtige kommen in Frage, die Puzzleteile entdeckter Spuren sind widersprüchlich, die Wahrheit ist komplex und so überraschend, daß Augustus und Gray selbst in höchste Lebensgefahr geraten …

Wir finden in Leonie Swanns neuem Roman eine raffinierte und spannende Krimihandlung in unterhaltsamer Kombination mit einer unkonventionellen, speziesübergreifenden Beziehungsdynamik. Es gelingt der Autorin sehr gut, die Figur von Gray durch die präzise Beschreibung seiner gefiederten Körper- sprache anschaulich darzustellen. Grays oft unverblümte und gelegentlich zartfühlende Kommentare tragen selbstverständlich ebenso zu seiner Charakterisierung bei und bescheren Augustus zahlreiche unwillkürlich situationskomische Szenen.

Gray und Augustus sind skurrile, sympathische, verletzliche und zugleich tapfere Charaktere, die gemeinsam über sich selbst hinauswachsen und sich nach den Herausforderungen dieser Mordaufklärung beflügelten Mutes – linker Fuß voran –  ins Leben wagen.

Bjarne Mädels Lesung der Hörbuchfassung von „Gray“ ist besonnen, einfühlsam und gelassen und gewährt den Figuren nuancenreichen Spielraum zur Entfaltung ihrer speziellen Wesensart.

 

Hier entlang zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch-MP3/Gray/Leonie-Swann/der-Hoerverlag/e515300.rhd

Die Autorin:

»Leonie Swann wurde 1975 in der Nähe von München geboren. Sie studierte Philosophie, Psychologie und Englische Literaturwissenschaft in München und Berlin. Mit ihren ersten beiden Romanen „Glennkill“ und „Garou“ gelang ihr auf Anhieb ein sensationeller Erfolg: Beide Bücher standen monatelang ganz oben auf den Bestsellerlisten und wurden bisher in 25 Sprachen übersetzt. Leonie Swann lebt heute umzingelt von Efeu und Blauregen in England und Berlin.«

Die Sprecher:

»Bjarne Mädel, geboren 1968 in Hamburg, war nach seiner Ausbildung zum Schauspieler an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam am Schauspielhaus Hamburg tätig. Einem breiten Fernsehpublikum wurde er bekannt durch die Rolle des „Ernie“ Heisterkamp in der Serie Stromberg und als Polizeiobermeister in Mord mit Aussicht. Seit 2011 spielt Bjarne Mädel die Hauptrolle in Der Tatortreiniger. Er ist zweifacher Grimme-Preisträger als Bester Hauptdarsteller. Als Sprecher für Hörbücher, Hörspiele und Synchronarbeiten ist er ebenfalls sehr erfolgreich.«

»Christopher Heisler, geboren 1990 in Eutin (Schleswig-Holstein), studierte Schauspiel an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Seit 2014 arbeitet er als freischaffender Schauspieler in Berlin. Seine bisherigen Engagements führten Heisler u. a. ans Ballhaus Ost Berlin, an die Volksbühne und an die Münchner Kammerspiele. Er arbeitete mit Lucia Bihler, Vegard Vinge, Ida Müller, Florian Fischer und Agahte Chion zusammen. Darüber hinaus ist er regelmäßig als Sprecher für Sendeanstalten wie RBB, NDR Kultur und MDR tätig.«

 

Hier entlang zur Buchausgabe, die bei GOLDMANN erschienen ist:
https://www.randomhouse.de/Buch/Gray/Leonie-Swann/Goldmann/e500609.rhd

Gray                                                                                                     

Kriminalroman
von Leonie Swann
GOLDMANN Verlag Mai 2017
gebunden, mit Schutzumschlag
416 Seiten
Format: 13,5 x 21,5 cm
20,00 € (D), 20,60 € (A),  26,90 sFr.
ISBN: 978-3-442-31443-0

 

 

 

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/