Der Hase ohne Nase

  • Text von Annabel Lammers
  • Illustrationen von Hanneke Siemensma
  • BOHEM Press GmbH, Februar 2021 www.bohem-verlag.de
  • in Halbleinen gebunden
  • Fadenheftung
  • 36 Seiten
  • Format: 22 x 28 cm
  • 19,95 € (D), 20,60 € (A), 27,50 sFr.
  • ISBN 978-3-95939-088-0
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

Hase ohne Nase

ANGENOMMEN  WERDEN

Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Ein kleiner Stofftierhase ohne Nase spaziert freudig durch die Natur und trifft auf einen Igel, der ihn kritisch beäugt und ein wenig abfällig bemerkt, er sei kein gewöhnlicher Hase.  Auch einige Eichhörnchen lachen den Hasen aus luftiger Höhe herab aus.

An seinem Lieblingssee betrachtet der Hase sein Spiegelbild im Wasserspiegel und erkennt nun selbst, daß ihm die Nase fehlt. Nun fühlt er sich unvollständig und befangen, und vor lauter Beschämung möchte er am liebsten von niemandem mehr gesehen werden. Auch seine Suche nach möglichen Ersatznasen funktioniert nicht.

Der Hase ohne Nase Scham

Illustration von Hanneke Siemensma © Bohem Press 2021

So verläßt er den Wald, hadert mit seinem angeblichen Mangel und strandet auf einer Wiese in einem Park. Er legt sich auf diese Wiese ins Sonnenlicht, lauscht dem Vogel-gezwitscher, löst sich von seinen Grübeleien und empfindet wohlige Entspannung. 

Dort findet ihn ein kleines Mädchen und ist ganz entzückt vom kleinen Hasen. Sie nimmt ihn in ihre „nach Gänseblümchen duftenden“ Arme und trägt in ihr Zuhause. Der Hase wird gebadet und getrocknet und liebevoll betrachtet.

Der Hase ohne Nase Wäscheleine

Illustration von Hanneke Siemensma © Bohem Press 2021

Die Mutter des Mädchens bietet an, dem Hasen einen Knopf als Nase anzunähen. Sie sortieren sogar gemeinsam die Knopfkiste, doch das Mädchen kann sich für keinen Knopf entscheiden und bleibt dabei, daß ihr dieser Hase, so wie er sei, genüge und sie ihn liebhabe. Auch der Hase denkt nicht mehr an seine fehlende Nase und ist glücklich und zufrieden.

Eines Morgens springt dem Mädchen beim eiligen Anziehen ein rosa Knopf vom Mantel, und da ist es für alle ganz offensichtlich: Dies ist die richtige Nase für den Hasen! So bekommt der Hase ohne Nase seine erste Knopfnase. Und mit jedem neuen Mantel, den das größer werdende Mädchen bekommt, erhält auch der Hase wieder und wieder eine neue Nase.

Diese Geschichte wird von Annabel Lammers mit leichten Worten erzählt, die gleichwohl die unterschiedlichen Gefühle und Gedanken des kleinen Hasen mit einfühlsamer Unmittelbarkeit ausdrücken. Der Illustratorin Hanneke Siemensma genügen wenige Buntstiftstriche, um die Offenheit, Verletzlichkeit, Scham, Befangenheit, Einsamkeit und die Freude über das bedingungslose An- und Aufgenommensein des Hasen darzustellen. Die kindliche Anmutung der Hasenzeichnung kommt der kindlichen Identifikation mit der Figur des Hasen sehr entgegen.

Der Hase ohne Nase umarmt

Illustration von Hanneke Siemensma © Bohem Press 2021

Die Bilderbuchnaturkulisse wurde mit unterschiedlichen Maltechniken ausgeführt. Aus der Komposition echter Pflanzendrucke, Kreide-, Kohle- und Buntstiftzeichnungen ergeben sich feine, dezent bunte bis schattige Szenerien, die mit der leisen Erzählweise gut harmonieren.

Wer wegen einer Abweichung von der körperlichen Norm soziale Ab- lehnung erfährt, hat zunächst – zumal als kleines Kind – nicht unbedingt die selbstbewußte Charakterstärke, diese äußere Ablehnung in Frage zu stellen und gleichsam an sich abperlen zu lassen. Oft wird die äußere Ablehnung zu Selbstablehnung, doch das führt nicht zur Lösung des Problems. Ein heil- samer Wegweiser sind dann Menschen, die dem Kind glaubwürdig ver-mitteln, daß es in seinem Sosein liebenswert ist und sich nicht einer fremd- bestimmten körperlichen Norm anpassen muß, um anerkannt und beliebt zu sein. 

Das Bilderbuch „Der Hase ohne Nase“ zeigt Kindern spielerisch, wie der Weg von Selbstablehnung zu Selbstannahme durch den Wegweiser bedingungsloser Liebe funktionieren kann, ja, es illustriert sogar anschaulich, daß man gerade wegen dieses Andersseins besonders liebenswert sein kann. 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite: https://www.bohem.ch/katalog/der-hase-ohne-nase/

Die Autorin:

»Annabel Lammers wuchs nahe der holländischen Grenze zwischen vielen Bäumen und Büchern auf. Sie studierte Kommunikationsdesign und Medienkunst in Kiel. Bereits während des Studiums arbeitete sie für Projekte aus Kunst, Kultur & Bildung und konzi-pierte, textete und gestaltete Medien für unterschiedlichste Unternehmen und Institute. 2013 wurde sie Programmleiterin des Bilderbuchverlags Bohem Press AG und mitbegrün-dete im Folgejahr den deutschen Ableger, die Bohem Press GmbH. Neben all ihren Tätig-keiten hat sie sich schon immer Geschichten ausgedacht und für Kunst- und Literaturver-anstaltungen gearbeitet. Sie lebt mit ihrer Tochter im Münsterland.«

Die Illustratorin:

»Hanneke Siemensma studierte niederländische Literatur an der Universität von Amsterdam und Freie Kunst an der KABK in Den Haag. Derzeit ist sie als freie Illustra-torin und Redakteurin tätig. Nach „Schnip“ und „Kleiner weiser Wolf“ ist „Der Hase ohne Nase“ ihr drittes Buch, das in deutscher Sprache erscheint.«  https://hannekesiemensma.nl/

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Der Bärenvogelschatz

  • Text & Illustration von Stella Dreis
  • NILPFERD Verlag 2018 www.nilpferd.at
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 28 x 28 cm
  • 48 Seiten
  • 18,00 €
  • ISBN 978-3-7074-5216-1
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

F I N D E F R E U D E

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ein kleiner Bär sammelt voller Begeisterung und achtsamer Entdeckerneugier allerlei Fundstücke auf. Er ist kein Sucher, sondern ein Finder, zählt beglückt seine kleinen Schätze und trägt sie mit sich herum.

Text & Illustration von Stella Dreis © Nilpferd Verlag 2018

Doch die anderen Tiere, denen er lebhaft von dem Knopf, der Feder, dem Zauberstock, der Wäscheklammer, dem „Kenne-ich-noch-nicht-Geruch“ und dem schüchternen Fussel erzählt, teilen seine Wertschätzung kleiner Dinge keineswegs. Sie sind zu beschäftigt, zu eilig, zu selbstbezogen oder schlicht uninteressiert.

Geknickt hockt sich der kleine Bär auf den Boden und seufzt vor sich hin. Da landet ein kleiner Vogel auf seinem Kopf und regt an, daß sie  doch gemeinsam auf Schatzsuche gehen könnten. Hocherfreut stimmt der kleine Bär zu, und schon beginnt eine sehr ergiebige Schatzfindung. Im reichen Sammelsurium finden sich schon bald u.a. Kitzelregen, ein Baumrindenboot, Glitzerfische, ein Riesenpilz, ein Leckerwurm, ein Nebelmysterium …

Text & Illustration von Stella Dreis © Nilpferd Verlag 2018

Die beiden machen die erfüllende Erfahrung, daß sich geteilte Schätze und geteilte Freu-den vermehren. Am Abend bestaunen sie den Sternenhimmel, und während sie die Ster-ne und Sternschnuppen zählen, fühlen sie sich wie Könige. Der kleine Vogel schläft auf der Schulter des kleinen Bären ein, und der kleine Bär denkt, kurz bevor er selber ein-schläft, daß der Schatz, der ihm am allerbesten gefällt, der kleine, leise schnarchende Vogel an seiner Seite ist. So träumen die beiden findigen Schatzhüter schließlich voneinander …

Stella Dreis erzählte diese Geschichte in feinen, leichten Worten, die durch zwei unterschiedliche Typographien – eine, die wie gedruckt ausschaut, und eine, die handschriftlich wirkt – um besondere situative Betonungen ergänzt werden.

Die filigranen Illustrationen von Stella Dreis sind in sepiafarbenen Grund- tönen mit zart-bunten Farbtupfern gestaltet. Der kleine Bär und der kleine Vogel sehen sich trotz ihrer artspezifischen Körperformen etwas ähnlich. Denn beide haben ausgeprägte schwarze Augenbrauen, und der rote Schnabel des Vogels korrespondiert mit den roten Wangen des Bären. So werden das harmonische Miteinander und die Seelenverwandtschaft zu-sätzlich verdeutlicht. Über mehrere Doppelseiten hinweg kommt das Geschehen sogar ganz ohne Begleittext aus, da die Zeichnungen beredt genug sind.

Text & Illustration von Stella Dreis © Nilpferd Verlag 2018

„Der Bärenvogelschatz“ strahlt in Bildern und Worten eine ganz unmit- telbare Warmherzigkeit und spielerische Zärtlichkeit aus und inszeniert anschaulich große Wertschätzung für die unzähligen kleinen Freuden des Lebens. So ist dieses Bilderbuch selbst ebenfalls ein herzenswerter Schatz für kleine und große Findefreunde und Freudenfinder.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.ggverlag.at/produktkatalog/der-baerenvogelschatz/

 

Die Autorin & Illustratorin:

»Stella Dreis, Malerin, Illustratorin und Autorin, wurde 1972 in Plovdiv/Bulgarien geboren. Seit 1995 in Deutschland, studierte sie Modedesign in Hamburg. Heute lebt sie als freischaffende Künstlerin und Illustratorin in Heidelberg. Für ihr Werk wurde Stella Dreis bereits vielfach aus- gezeichnet; u.a. erhielt sie den Hasselt Publication Award, den Troisdorfer Bilderbuchpreis sowie die goldene Plakette der Biennale der Illustration in Bratislava. Ihre Bilder zeigt sie in internatio- nalen Ausstellungen.« http://www.stelladreis.com/

Querverweis:

„Der Bärenvogelschatz“ ergänzt sich thematisch vorzüglich mit den beiden Bilderbüchern von Anne-Gaëlle Balpe (Text) und Eve Tharlet (Illustration):
„Der blaue Stein“ https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/04/24/der-blaue-stein/
und „Der rote Fadenhttps://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/04/27/der-rote-faden/

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