Wazn Teez?

  • von Carson Ellis
  • Bilderbuch
  • Deutsche Textfassung von
  • Jess Jochimsen und Anja Schöne
  • Originaltitel: »Du Iz Tak«
  • Nord Süd Verlag  Januar 2017   http://www.nord-sued.com
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 24,8 x 30 cm
  • 48 Seiten
  • durchgehend farbig illustriert
  • 16,00 € (D), 16,50 € (A), 20,90 sFr.
  • ISBN 978-3-314-10386-5
  • ab 5 Jahren

AN  MIROBELLI  FREUENSCHUH
oder: Insektenparlando

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dieses ganz besonders phantasiebegabte Bilderbuch ist etwas für sprachliche Feinschmecker, detailverliebte Betrachter und naturverbundene Träumer.

Die amerikanische Illustratorin Carson Ellis hat sich für ihre Bilderbuch- geschichte eine Phantasiesprache ausgedacht, und Jess Jochimsen und Anja Schöne haben diese Kunstsprache ins Phantasiedeutsche „übersetzt“.

Den Bildern kann man zwar auch ohne Text ihre Erzählung ablesen, aber die kleinen Dialoge zwischen den beteiligten Figuren haben natürlich ihren ganz eigenen Reiz, weil man sie sich erst einmal – am besten ausgesprochen-lautmalerisch – aus dem Kontext des Bilderbuchbühnenbildes entschlüsseln muß.

Da wächst ein kleiner grüner Keim aus der Erde und drei Käfer schauen fragend in die Runde: „Wazn teez?“ Ein Käfer antwortet: „Mi mori an Plumpse.“ Und ein anderer fragt: „Wazn fümma Plumpse?“ Und die Antwort darauf lautet: „Mi nanüt.“

Illustration von Carson Ellis © Nord Süd Verlag 2017

Der Keimling wächst in die Höhe, bildet Blätter und Sproßachsen. Die drei Entdecker brauchen „an Sprossel“, um an der Pflanze hochzuklettern. Sie fragen bei der im nahegelegenen Baumstamm wohnenden Larve nach und bekommen von ihr die gewünschte Leiter geliehen.

Von Seite zu Seite wächst die Pflanze; nachts wird sie vom Mond beschienen und von einem Grillenkavalier mit Geigenmelodien erfrischt. Die drei Käferknirpse bauen mit großem Eifer eine Baumhausfestung, die sich über zwei Pflanzenetagen erstreckt.

Illustration von Carson Ellis © Nord Süd Verlag 2017

Doch als eine riesige Spinne diesen Abenteuerspielplatz mit ihrem Netz besetzt, fliehen die Insekten empört und lassen traurig ihre Fühler hängen. Ein vorüberfliegender Vogel schnappt sich die dicke Spinne und beendet die achtbeinige Invasion.

Erleichtert atmen die Käfer und ihre Nachbarinsekten auf. Die Käfer entfernen fein säuberlich die Reste des Spinnennetzes und spielen wieder in ihrer Festung. Die Pflanze wächst und entfaltet im Sommer eine wunderschöne Blüte. Nun endlich erkennen alle Insekten, daß es sich um „an mirobelli Freuenschuh“ handelt, und sie freuen sich offensichtlich sehr darüber.

Der Herbst kommt, die Blüte welkt, der Winter naht, die vergilbte Pflanze neigt sich samt aufgelöster Festung der Erde zu, die Insekten ziehen sich Schals und Mützen an und verabschieden sich in den Winterschlaf.

Schnee bedeckt den verstummten Schauplatz. Im nächsten Frühjahr schmilzt der Schnee, und viele, viele grüne Keimsprößlinge lugen vorwitzig aus der Erde. So kommt ein neues Jahr in Schwung …

Die Zeichnungen von Carson Ellis sind sehr detailreich; neben den drei käferigen Hauptfiguren tummeln sich diverse Insekten (Ameisen, Libellen, Fliegen, Raupen, Larven, Schmetterlinge …), zwei Schnecken und ein Salamander in der Szenerie. Die feingezeichneten, individualisierten Insekten tragen wahlweise Schühchen, Schals, Mützen, Hüte, Brillen, Handtaschen oder Spazierstöcke. Die Illustrationen vermitteln einen zärtlich-neckischen Blick auf Krabbeltiere.

Bei aller Verspieltheit ist gleichwohl der Verlauf der Jahreszeiten an den natürlichen Veränderungen des Ortes sehr präzise ablesbar. Hier wird die kindliche Aufmerksamkeit in wortwörtlich vielerlei Hinsicht angeregt und gefördert. In diesem Bilderbuch gibt es viel zu entdecken und zu entschlüsseln.

Als Bilderbuchvorleser hat man – zur angenehmen Abwechslung vom leichten Vorleseeinerlei – eine deutlich achtsamere  Vorlesekonzentration zu meistern. Man kann sich ausgiebig und wiederholt damit beschäftigen und vergnüglich an der Übersetzung der Phantasiesprache herumpuzzeln. Kinder werden diese „Fremdsprache“ witzig finden und sie bei entsprechender Neigung vielleicht sogar gerne weiterspinnen und mit eigenen Worterfindungen anreichern.

Also, machen Sie sich schon mal auf unerhörte „mirobellische“, wortspielerische Nebenwirkungen gefaßt!

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.nord-sued.com/programm/index.asp

Hier entlang zur Leseprobe:
http://www.book2look.com/book/fJUUUMoNBp

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Carson Ellis, geboren 1975, lebt mit ihrem Mann, dem Folkmusiker Colin Meloy, in Portland. Mit ihm zusammen hat sie die Trilogie „Wildwood Chronicles“ veröffentlicht. Bei Nord-Süd erschien bereits ihr erstes, viel gelobtes Bilderbuch „Zuhause“. «

Die Übersetzer:

»Jess Jochimsen, 1970 in München geboren, lebt als Autor und Kabarettist in Freiburg. Seit 1992 tritt er auf allen bekannten deutschsprachigen Bühnen auf. Im Frühjahr 2017 erscheint bei DTV sein neuer Roman „Abschlussball“.«

»Anja Schöne, 1978 in Krefeld geboren, ist als Theaterregisseurin und Autorin tätig.«

 

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Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen

  • Kinderbuch
  • Illustrationen: Marc Boutavant
  • Text: Toon Tellegen
  • Übersetzung aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler
  • Carl Hanser Verlag 2015 www.hanser-literaturverlage.de
  • gebunden,  Fadenheftung
  • Format: 19 x 27 cm
  • 80 Seiten
  • durchgehend farbig illustriert
  • 14,90 € (D), 15,40 € (A), 21,90 sFr.
  • ISBN 978-3-446-24677-5
  • ab 6 Jahren zum Selbsterlesen
  • ab 4 Jahren zum Vorlesen
    Tellegen_24677_Umschlag_DruckNEU.indd

MUT  ZUR  WUT

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wut hat viele Gesichter und Ausdrucksformen, einige davon werden in den zwölf Geschichten des Bilderbuches „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“ anschaulich vorgeführt.

Da können sich Käfer und Regenwurm nicht darüber einigen, wer von ihnen am wütendsten ist, und geraten darüber so richtig feurig-wetteifernd in Rage. Doch nachdem sie sich ausgetobt haben, können sie sich auch wieder miteinander vertragen.

Die Grille nimmt beim Käfer Nachhilfeunterricht im Wütendsein. Sie lernt den intensiv funkelnden Blick, die passende Mimik und Körperhaltung, aber sie kann sich einfach keine bösen Gedanken ausdenken. Schließlich provoziert der Käfer die Grille, indem er sie und ihr Grillenzirpen als häßlich bezeichnet. Da wird die Grille wirklich wütend und verpaßt dem Käfer eine Ohrfeige, die ihn umwirft. Freundlich hilft die Grille dem Käfer wieder auf, denn ihre bösen Gedanken sind schon wieder verflogen, und sie ist nicht nachtragend. Allerdings ist jetzt der Käfer beleidigt …

Der Elefant ist wütend auf sich selbst, weil er bei seinem Konflikt zwischen Gefühl und Verstand eine schmerzliche Erfahrung – wider besseres Wissen – wiederholt …

Der Igel hingegen wundert sich, daß er das Gefühl der Wut noch nie selbst empfunden hat und es nur aus der Beobachtung anderer Tiere kennt …

Der Klippschliefer ist wütend auf die Sonne, die jeden Abend untergeht und nicht wenigstens einmal für den Klippschliefer eine Ausnahme macht. Doch egal wie sehr er tobt und schimpft: Die Sonne macht, was sie will, und kümmert sich nicht um den Wunsch des Klippschliefers. Ja, wahrscheinlich hört sie ihm noch nicht einmal zu, gleichgültig wie böse er auf sie wird …

Das Eichhörnchen läßt sich von den Unverschämtheiten der wütenden Spitzmaus nicht zu einer Wutreaktion verleiten. Trotz der heftigen Wortattacken und Beleidigungen bleibt es  gelassen, was die Spitzmaus zum enttäuschten Rückzug veranlaßt.

Nilpferd und Nashorn begegnen sich auf einem schmalen Weg, und keines von beiden will ausweichen und den anderen vorbeilassen. Nachdem sie drohend klargestellt haben, daß keines von ihnen nachzugeben bereit ist, setzen sie sich erst einmal hin und schweigen. Dann teilen sie ihren Proviant, schließlich tanzen sie sogar miteinander, und am Abend verabschieden sie sich freundlich und versprechen sich gegenseitig gutgelaunt, einander beim nächsten Treffen auf keinen Fall aus dem Wege zu gehen.

Der Krebs kommt mit einem Musterkoffer voller Wut zur Maus ins Maleratelier und bietet seine Ware an. Die Maus entgegnet, daß sie ganz gut von alleine wütend sein könne, wenn sie das wolle, aber sie läßt sich dennoch das ganze Sortiment zeigen: „leichte, hellrote Wut, runzliger grauer Ärger, grünlicher Zorn und schneeweiße Raserei“.

Ganz unten im Koffer zieht etwas Hellblaues die Aufmerksamkeit der Maus auf sich. Das sei Wehmut, sagt der Krebs, und diese sei eigentlich unverkäuflich. Die Wehmut schaut aus wie ein halbdurchsichtiger Schal, und den wickelt sich die Maus um den kleinen Hals, und schon sagt sie seufzend „Ach…“

Die Ameise erklärt der wütenden Kröte, was sie mit ihrer Wut machen könne. Sie könne die Wut wegpusten, begraben, vergessen, aufessen, ins Meer werfen, sie wegsingen, übermalen, mit ihr tanzen, aber sie könne sie auch hegen und pflegen – doch am besten würfe sie die Wut einfach weg. Also wirft die Kröte die Wut weg, und danach unterhalten sich die beiden über die Zufriedenheit, mit der man nämlich „nie etwas tun müsste.

Die in diesem Kinderbuch versammelten Wutepisoden zeigen, daß Wut (oder sogenannte böse Gefühle und Gedanken) zum Empfindungsspektrum des Daseins gehören. Die vorgestellten Wutszenarien sind nicht todernst, sondern lustig, selbstironisch und leise philosophisch. Die Wut ist keine unausweichliche Naturgewalt, sondern sie ist beherrschbar, dosierbar und sogar verwandelbar.

Die  ausdrucksvollen Zeichnungen von Marc Boutavant geben den Figuren und ihren wechselvollen Gefühlen glaubwürdige Gestalt.

Der Autor Toon Tellegen plaudert nicht alles plakativ aus, sondern deutet an, läßt offen und weckt ein psychologisch-poetisch-philosophisches Nachspürecho, das der Reflexion und Akzeptanz eigener Wuterfahrungen dienlich sein kann. Mit diesem Bilderbuch können Kinder lernen, der eigenen und der fremden Wut mitfühlend zu begegnen und sie etwas schelmischer zu betrachten. Die zwölf Wutgeschichten eignen sich auch als Impuls, um mit Kindern über Wut und Wutanfälle zu sprechen, deren Ursachen zu entdecken und konstruktive Umgangsformen mit der Wut zu finden.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/man-wird-doch-wohl-mal-wuetend-werden-duerfen/978-3-446-24677-5/

 

Der Illustrator:

»Marc Boutavant, 1970 im französischen Dijon geboren, lebt und arbeitet in Paris. Er zählt zu den stilprägenden Illustratoren seiner Generation und ist insbesondere für seine farbenfrohen Werke für Kinder bekannt. Die Geschichten um seinen Bären Mouk und den Esel Ariol wurden beide für das Fernsehen verfilmt. Im Hanser Kinderbuch erschien nach Die große Reise des kleinen Mouk (2008) das von ihm illustrierte Kinderbuch „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen (2015).«

Der Autor:

»Toon Tellegen, am 18.11.1941 in Den Briel, Niederlande geboren, studierte Medizin in Utrecht, arbeitete als Arzt in Kenia und ließ sich als Lyriker in Amsterdam nieder. Heute ist er einer der bekanntesten Schriftsteller der Niederlande. 1997 erhielt er den Theo Thijssenprijs für Literatur, 2004 den Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur, den Goldenen Griffel bekam er 1988 und 1994, den Silbernen Griffel 1990, 1994, 1997 und 1999. Im Hanser Kinderbuch erschienen sind Josefs Vater (1994), Richtig dicke Freunde (1999) sowie Briefe vom Eichhorn an die Ameise (Hanser 2001). 2015 folgte das von Marc Boutavant illustrierte Kinderbuch „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“.«

Querverweis:

Hier geht es zu einem weiterem Kinderbuch von Toon Tellegen: Ein Garten für den Wal
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/03/27/ein-garten-fuer-den-wal/

PS:
Da der konstruktive Umgang mit Gefühlen ein wesentlicher Bestandteil  heilsamer kindlicher Herzensbildung ist, reihe ich meine Rezension von „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“ gerne bei  Petra Pawlowskys Projekt KINDER IM AUFWIND ein. Die Künstlerin Petra Pawlowsky hat auf ihrer Webseite „da sein im Netz“ https://pawlo.wordpress.com/ das Projekt KINDER IM AUFWIND initiiert:
»Fragt Ihr Euch auch manchmal, wie unsere Kinder all das verkraften, was an Nachrichten auf sie einstürzt?  Wie sie mit dem anspruchsvollem Leistungsdruck, der Hetze im Alltag, den Medien, den stumpfen Blicken vieler Erwachsener um sie herum zurechtkommen? Wie wir ihnen eine Basis geben können, gelassen, selbstsicher und hoffnungsvoll zu leben und in die Zukunft zu schauen? Eben im Aufwind zu bleiben…«

https://pawlo.wordpress.com/2016/08/18/kinder-im-aufwindchildren-upwind/

Sie lädt weitere Blogger dazu ein, thematisch passende Texte, Bilder, Fotos, Musik, Gemälde, digitale Kunst, Gedichte, Lieder, Zitate usw. per Linkhinweis ergänzend hinzuzufügen. Die bisherigen gesammelten Beitragslinks der anderen aufwindigen Teilnehmer finden sich – thematisch geordnet – hier: https://pawlo.wordpress.com/home-2/fundgrube-fuer-kinder-im-aufwind/

 

Meisterfälscher

KÄFER   KIND   UND   KUNST                                                    

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Marvin der Künstlerkäfer und James das Wohlstandsscheidungskind leben zusammen in einer Wohnung in NY. Also James wohnt mit seiner Mutter Mrs. Pompaday  und ihrem zweiten Ehemann in der Wohnung, und Marvin wohnt mit seiner liebevollen Käfergroßfamilie in einer feuchten Ecke im Schrank unter der Spüle in einer Wandaushöhlung.

James ist bei den Käfern sehr beliebt, weil er sie nicht jagt und auch nicht verpfeift, obwohl er sie gelegentlich bei ihren Nahrungssammelaktionen beobachtet. Zum 11. Geburtstag bekommt er von seinem Vater ein Tuschemalset geschenkt.

Die Käfer beschließen, James auch ein kleines Geschenk zu überlassen, und wählen aus ihrer Schatzkiste eine besondere 5-Cent-Münze aus, die Marvin nachts an exponierter Stelle im James‘ Kinderzimmer plaziert. Neugierig klettert der Käfer auf den Schreibtisch und findet dort das geöffnete Tintenfäßchen und Papier.

Der vorwitzige Krabbler tunkt zwei seiner Vorderbeinchen in die Tinte und zeichnet die Straßenszene, die er beim Blick aus dem Fenster sieht. Völlig selbstvergesssen vollendet er ein sehr feines, detailreiches und präzises Bild und wird von James dabei entdeckt. James ist total begeistert und entzückt von Marvins Kunstwerk, und die beiden freunden sich an.

Als Mrs. Pompaday das Bild sieht, denkt sie, ihr Sohn hätte es gemalt, überschüttet ihn mit der zuvor entbehrten Aufmerksamkeit und veranstaltet ein großes Tamtam um die außerordentliche künstlerische Begabung ihres Sohnes.

Da die feinstrichelige Zeichnung an Dürers Miniaturzeichnungen erinnert, erlaubt sie, daß James mit seinem Vater ins Metropolitan Museum geht, um einer Dürerspezialistin vorgeführt zu werden. Er soll nun eine Kopie einer Dürerzeichnung anfertigen, die dazu dienen soll, einen vom FBI fingierten Kunstraub zu inszenieren.

Dazu soll die Fälschung mit einem Mikrochip versehen werden, um den illegalen Sammler aufzuspüren, der sich bereits andere Düreroriginale auf illegalem Wege beschafft hat.

James und Marvin arbeiten gut zusammen, die Kopie wird perfekt, und James bekommt soviel Lob und Anerkennung wie noch nie. Allerdings hat er kein gutes Gefühl dabei, weil er sich bewußt ist, nicht um seiner selbst willen beachtet zu werden. Als seine Mutter die erste Zeichnung von Marvin für 4000,– Dollar verkaufen will, gibt es Käferknatsch.

Und dann geht Marvin auch noch im Museum verloren, und die Ereignisse überstürzen sich. Statt der Fälschung wird das Original entwendet, nur Marvin ist Zeuge und hat für so kurze Beinchen viel zu leisten, um die Angelegenheit aufzuklären. Aber der Käfer weiß sich sehr klug und kreativ zu helfen, und zusammen mit James gelingt die Rettung des Originals.

Nebenbei bricht sich James noch den Arm und hat so eine glaubwürdige Erklärung für das plötzliche Schwinden seines Talents.

Schließlich bekommt Marvins Straßenszenenzeichnung, hübsch gerahmt, einen Ehrenplatz im Kinderzimmer, und James organisiert für seinen  besten Freund Malutensilien in Käferformat.

Und „Beim Skarabäus! “ –  sowohl Menschenkind wie Käferkind haben viel über die Kunst der Freundschaft gelernt.

Marvin sah zu James auf. Er wurde erfüllt von der warmen Welle eines Gefühls, das er bisher noch nicht kannte. Es war mehr als Glück. Mehr als Zuneigung und Dankbarkeit. Es war etwas Tieferes. Es war das Gefühl, genau für das angesehen und geliebt zu werden, was man war.(Seite 310)

 

Die Autorin:

»Elise Broach, geboren 1960, wuchs in den Vereinigten Staaten von Amerika und England auf und studierte Geschichte in Yale. Schon ihr erstes Kinderbuch Shakespear’s Secret, wurde ein großer Erfolg und unter anderem für den Edgar Allen Poe Award nominiert.
»Meisterfälscher« wurde von der amerikanischen Buchbranchen-Zeitschrift Publisher’s Weekly als eines der besten Kinderbücher 2008 empfohlen.«

Querverweis:

Dieses insektophile Kinderbuch ergänzt sich gut mit den Abenteuern des kleinen, silberfischigen Helden „Hugo, streck die Fühler aus“ von Lena Avanzini : https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/08/14/hugo-streck-die-fuehler-aus/
und mit den Bewährungsproben eines tapferen Bombardierkäfermädchens:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/08/20/das-supertalentier/
sowie mit den bemerkenswerten Abenteuern eines Marienkäfers in der 3D-Bilderbuchinszenierung auf 2D-Papier „Louis, Lotte und das Licht“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/08/17/louis-lotte-und-das-licht/

 

Das Supertalentier

  • Lunas großer Auftritt
  • Text von Christian Matzerath
  • Illustrationen von Max Fiedler
  • Boje Verlag März 2014                    www.boje-verlag.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • LESEBÄNDCHEN in bordeauxrot
  • 192 Seiten
  • 12,99 €
  • ISBN: 978-3-414-82359-5
  • ab 6 Jahren (laut Verlag)
  • meiner Einschätzung nach:
  • ab 5 Jahren zum Vorlesen
  • ab 8 Jahren zum Selbsterlesen
    Supertalentier_Cover_09_08.indd

Käferklein und käfergroß

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Käfereltern haben es nicht leicht, aber Käferkinder auch nicht, wovon die kleine Luna ein Lied singen kann. Ihr wurde schon im Eistadium der Segen eines Zaunkönigs zuteil, was sehr außergewöhnlich ist, da Vögel Käfer meist eher als zwischenmahlzeitliche Nachbarn schätzen, aber es sind nicht alle Vögel gleich gefräßig.

Luna ist die Tochter von General Hermann Theodor Alexander Friedrich Aptinus Bombardier und seiner Frau Yolanda. Ihre Familie gehört zur Gattung der Bombardierkäfer, die zu ihrer Selbstverteidigung stinkende Pupse abfeuern können. Während Lunas Brüder schon mit Begeisterung ihre Selbstverteidigung trainieren, ist Luna verträumter und musischer unterwegs und verfeinert ihr Talent, mit den Händen Schattentiere zu formen. Außerdem will sie einfach nicht glauben, daß Vögel, die doch so schön singen können, die natürlichen Freßfeinde von Insekten seien.

Als Luna einmal tagsüber erwacht (Bombardierkäfer sind nachtaktiv), klettert sie heimlich auf das Dach ihres Elternhauses (einem Kieselstein), bewundert die leuchtende Buntheit der Umgebung und lernt eine Zikade kennen, die gerade ihre Gesangsübungen absolviert. Die Zikade erzählt Luna vom DST: „Das.Super.Talentier.“, einem Talentwettbewerb für alle Tiere.

Luna ist sogleich „infiziert“ und möchte daran teilnehmen, und tatsächlich findet bereits in der nächsten Schulnacht eine Vorauswahl von Talenten statt, die beim DST mitmachen dürfen. Ein Pupstalent ist allerdings nicht sehr erfolgversprechend, und Luna läßt schon traurig ihre Fühler hängen.

Zum Glück hat sie sich jedoch mit Johannes, einem charmanten Leuchtkäfer, angefreundet, der zusammen mit seinen Kumpels für die Beleuchtung der Talentshow zuständig ist. Johannes „entführt“ Luna per Tandemflug zum Schauplatz des Wettbewerbs und ermuntert sie dazu, ihre Schattenfiguren auf der Bühne vorzuführen.

Begeistert und neidlos schaut Luna den Darbietungen der anderen Teilnehmer zu und wartet auf ihren Auftritt. Wir erleben einen singenden Esel, eine Ukulele spielende Kröte … Doch langsam zeigt sich, daß etwas an der Veranstaltung ziemlich faul ist und die schafspelzige Jury keine freundlichen Absichten verfolgt.

Da hat Luna eine großartige Idee, und gemeinsam mit vielen kleinen und großen tierischen Kandidaten und einigen bühnentechnischen Spezialeffekten kommt es zu einem überwältigenden Auftritt, den die Jury wohl nie vergessen wird …

Nachdem diese nicht ganz ungefährliche Herausforderung durch kooperatives Handeln gemeistert worden ist, sind sich alle einig, daß einfach sämtliche Teilnehmer supertalentiert seien und niemand besonders hervorzustechen brauche.

„Das Supertalentier“ ist eine unterhaltsame Geschichte mit beiläufig nachdenklichen Zwischentönen. Christian Matzerath hat die mikrokosmische Käferperspektive feinfühlig, lustig und spannend in Szene gesetzt. Die Charaktere sind lebhaft und stimmig, und es gibt viel Dialogwitz und Situationskomik, aber auch Familiensinn und sogar Käferromantik.

Die zeichnerische Interpretation des Illustrators Max Fiedler gibt den Figuren individuelle Persönlichkeit und gestaltet die insektenspezifischen Details und dramatischen Szenerien ebenso dynamisch wie sorgfältig. Selten werden Kindern Käfer & Co so sympathisch und heiter nahegebracht.

In dieser Geschichte geht es nicht um Wettbewerbsverherrlichung, sondern um die Würdigung individueller Fähigkeiten und letztlich um den Sieg kooperativen Verhaltens im Kontrast zu Egoüberbetonung.

Und als Hörbuch gibt es das Ganze auch noch:

Das Supertalentier                                                                            Talentier-Hörbuch
Hörbuch (bearbeitet)
gelesen von Nana Spier
152 Minuten
12,99 €
ISBN: 978-3-7857-4975-3
Lübbe Audio März 2014
Unter nachfolgendem Link gibt es u.a. eine HÖRPROBE:
https://www.luebbe.de/luebbe-audio/hoerbuecher/kinderbuecher/das-supertalentier-lunas-grosser-auftritt/id_3283068

 

Im Anhang des Buches befinden sich Informationen über Apps zum Buch:

» Mit den Luna-Apps können auch die Kleinsten noch tiefer in die Welt der Insekten abtauchen – und zwar interaktiv!
Dabei stehen die Apps unter den Mottos:
Jeder ist etwas Besonderes!
Freundschaft ist wichtig!
Gemeinsam sind wir stark! «

Hier finden Sie mehr Infos dazu:
https://itunes.apple.com/de/app/luna-das-supertalentier/id714876226?mt=8&ign-mpt=uo%3D4

 

Meine persönliche SEINSAKTIVE Applikationsempfehlung zum Buch wäre allerdings die folgende:
Gehen Sie mit Ihren Kindern raus in den Garten, in den Park, in den Wald und beobachten Sie gemeinsam mit achtsamer Neugier, was da so alles kreucht und fleucht und seinen kleinen, natürlichen Lebenslauf vollzieht.

 

supertalentier Käfer-VollmondtaufeSupertalentier Schattenspiel

Illustrationen von Max Fiedler aus : Das Supertalentier von Christian Matzerath (Text)
erschienen im Boje-Verlag   http://www.boje-verlag.de
(Anklicken vergrößert die Bilder)

 

Der Autor:

»Christian Matzerath, geboren 1965 in Düsseldorf, ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er hat Germanistik, Philosophie und Grundschullehramt studiert. Heute schreibt er Drehbücher und Bücher für Kinder, erfindet Quizfragen (u. a. für Wer wird Millionär?) und denkt sich Spiele aus.«

Der Illustrator:

»Max Fiedler ist freiberuflicher Illustrator, Comiczeichner und Gamedesigner. Er zeichnet sehr viel und sehr gern, am allerliebsten auf Papier. An der Fachhochschule Düsseldorf hatte er einen Lehrauftrag im Bereich interaktive Systeme/Animation & Gamedesign.«