Das große Fest im Häschenwald

  • Text von Ulf Stark
  • Originaltitel: »Sommar i stora skogen«
  • Übersetzung aus dem Schwedischen
  • von Birgitta Kicherer
  • Illustrationen von Eva Eriksson
  • Verlag Friedrich Oetinger Februar 2017 www.oetinger.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 124 Seiten
  • Format: 24,5 cm x 26,5 cm
  • 16,99 € (D), 17,50 € (A)
  • ISBN 978-3-7891-0491-6
  • Vorlesebuch ab 5 Jahren

HERZENS(T)RÄUME

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der Wichtel Grantel, dessen lohnende Bekanntschaft wir schon im Dezember 2017 mit dem Vorgängerbuch „Wichtelweihnacht im Winterwald“ gemacht haben – siehe meine Besprechung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/12/06/wichtelweihnacht-im-winterwald/ -, nimmt den ersten Mückenstich des Jahres zum Anlaß, mit dem Sommergroßputz zu beginnen. So kümmert er sich ganz hausfraulich um den schon lange menschenentleerten Hof, er lüftet, schüttelt die Bettücher aus, sammelt alle toten Fliegen ein, schrubbt die Böden mit Tannennadelseife und erinnert sich mit leiser Wehmut an das muntere Leben, das hier einst mit Eltern, Kindern und diversen Hoftieren geherrscht hat.

Jetzt gibt es hier nur eine Hummel zur freundschaftlichen Gesellschaft und Unterhaltung, die er im letzten Winter aus einem Spinnennetz gerettet hat. Auch das schöne improvisierte Weihnachtsfest, das er mit den Kaninchen aus dem benachbarten Wald verbracht hat, ist schon eine ganze Weile her. Er fragt sich, wie es den netten Kaninchengeschwistern Nina und Kalle wohl jetzt geht. Dann schnitzt er eine Weidenflöte und knurrt aus Gewohnheit mit der Hummel herum, weil sie sein Flötenspiel für mißlungen hält. Doch die Hummel, die durchschaut, daß der Wichtel nur aus zu langer Einsamkeit so sauertöpfisch geworden ist, nimmt ihm dies nicht übel.

Im Wald tollen die Kaninchen wie eh und je herum, sie haben Lust auf ein neues Fest und befragen den weisen Uhu, ob es nicht bald wieder einen Festanlaß gebe. Der Uhu erzählt von der Mittsommernacht, der hellsten und kürzesten Nacht des Jahres, von Zauber und Liebe, Küssen und Tänzen, die dazugehörten.

Nina und Kalle lernen Anton kennen, ein Kaninchen mit schwarzem Fell. Auf Anregung von Opa Kaninchen spielen sie das Spiel Gelbnäschen miteinander. Und das geht so: Man knabbert eine Butterblume ab, hält sie seinem Gegenüber vor die Nase, fordert ihn zum Riechen auf und drückt dann die Blüte gegen die Nase, die sich daraufhin unvermeidlich ganz blütenstaubgelb färbt.

Die violette Mitsommerblume blüht auch schon, aber keiner weiß genau, wann die Mittsommernacht sei. Inzwischen strecken Nina und Anton schüchtern zarte Herzensfühler nacheinander aus, und Opa Kaninchen philosophiert anschaulich über Anziehungskräfte.

Ein heftiger Sommersturm überflutet die Kaninchenhöhle und viele andere Tiernester. Alle Tiere machen sich gemeinsam auf den Weg zum Wichtel Grantel, in der Hoffnung, daß sie bei ihm auf dem Hof Unterschlupf und Hilfe finden. Nur Anton ist verschollen …

Der Wichtel staunt und grantelt und ist sodann die Hilfsbereitschaft in Person, er bereitet Schlafstätten, heizt alle Öfen, verbindet Wunden, verteilt Medizin und kocht Nesselsuppe.

Auf Bitten der Tierkinder erzählt er sogar von den Mittsommerfesten, die er früher auf dem Hof erlebt hat, und davon, daß das Mittsommerfest ein beliebter Heiratstermin war und daß einem, wenn man sich in der Mittsommernacht sieben verschiedene Blumen unters Kopfkissen legt, im Traum derjenige  erschiene, den man heiraten würde.

Das stürmische Wetter hält sich. Nina und Kalle schleichen trotzdem heimlich nach draußen, um nach Anton zu suchen, und werden dafür bei ihrer Rückkehr vom Vater ausgeschimpft.

Grantel zieht sich am Abend, als der Regen endlich aufgehört hat, zu einer kleinen Angelpartie auf sein Boot zurück. Vom Trubel mit den vielen Tieren schwirrt ihm der Kopf, und er wirft die Angel aus, um zu meditieren:
„Aber Grantel steckte keinen Wurm auf den Haken, nicht einmal einen Haken hat er an der Angel. Wichtel essen nämlich keine Tiere. Statt Fische zu angeln, angelt Grantel Gedanken, Ruhe und Frieden.“ (Seite 68)

Nachdem er genug Ruhe und Frieden getankt hat, macht er sich wieder auf den Weg zum Hof. Unterwegs hört er ein schwaches Wimmern, und so findet er Anton, der verletzt unter einem umgestürzten Baum liegt. Der Wichtel bringt den unterkühlten Anton ins Haus und wendet an Heilkräften an, was ihm zur Verfügung steht, aber Anton wacht nicht auf.

Alle sind traurig, und Grantel sagt, daß jetzt nur noch ein Wunder helfen könne. In der Nacht hat er wunderliche Träume, da einige vorwitzige Mäusekinder ihm sieben Blüten unters Kopfkissen geschummelt haben. Eine schöne Elfe in einem durchscheinenden Nebelkleid erscheint und sagt Grantel, er solle sich Bart und Zähne putzen, mit seinen Freunden Mittsommer feiern und eine Hochzeit vorbereiten …

Nina hat die ganze Nacht Antons Pfote gehalten, auf das Wunder gehofft  und ist schließlich eingeschlafen. Am nächsten Morgen ist Anton wach, munter und gesund, und er spielt lieblich auf Grantels Weidenflöte.

Nachdem der Wichtel Anton gründlich abgehorcht hat, bestätigt er die Wunderheilung. Voller Freude und Tatendrang wird nun das Mittsommerfest vorbereitet und eine Kaninchen-hochzeit noch dazu. Ein geschmückter Mittsommerbaum wird aufgestellt, es gibt Festschmaus und Spiele, eine herzige, vom Wichtel geleitete Hochzeitszeremonie sowie Küsse, Musik, Tanz und Zauber.

Am Waldrand tanzt Grantel die ganze Mittsommernacht lang mit einer Elfe im Nebelkleid, die ihm prophezeiht, daß er nie mehr einsam sein werde. Das bezweifelt er auf seine mürrische Art zwar zunächst, aber sie sagt die Wahrheit. Anton und Nina suchen sich ganz in der Nähe des Hofes eine Wohnhöhle, und es dauert nicht lange, bis Wichtel Grantel Kaninchenenkel bekommt, die mindestens so gerne mit ihm spielen wie er mit ihnen …

Ulf Stark erzählt in einfachen Worten, deren Tiefsinn und Weisheit unaufdringlich zwischen den Zeilen leuchten. Die Dialoge sind gefühlsecht, empfindsam und augenzwinkernd, der Handlungsverlauf ist zugleich spannend und humorvoll. Eine Prise Feenstaub und Wichtellaunen runden das Erzählganze mit märchenhafter Würze ab.

Die sanftmütig-feinen Illustrationen von Eva Eriksson begleiten und ergänzen den Text mit schelmisch-heiteren Szenerien, die den warmherzigen Grundton des Textes einfühlsam aufgreifen und bestätigen und den charakterstarken Figuren anschauliche mimische und körpersprachliche Gestalt geben.

In solchen Vorlesebüchern finden Kinder eigene Liebhabengefühle und Verlustängste sowie Wert und Trost von Hilfsbereitschaft und Gemeinschaft wieder. Kinder vorleseerfahren hier den Unterschied zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem und ihr kindlicher Bezug zum Zauberwunderhaften wird wohltuend genährt.

„Das große Fest im Häschenwald“ verfügt über die seltene Gabe, zugleich seelenvoll und unterhaltsam zu sein. Es dient dem Kinderherzen im Kind ebenso wie dem Kinderherzen im Erwachsenen!

 

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https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/12/06/wichtelweihnacht-im-winterwald/

 

Der Autor:

»Ulf Stark, 1944 in Schweden geboren, ist ein erfolgreicher Schriftsteller und Drehbuchautor. Er studierte Pädagogik und Psychologie und veröffentlichte 1975 sein erstes Kinderbuch. Etliche seiner Geschichten wurden auch verfilmt. Für sein Werk wurde Ulf Stark vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis, dem renommierten schwedischen August-(Strindberg-)Preis und dem Nils-Holgersson-Preis.«

Die Illustratorin:

»Eva Eriksson wurde 1949 in Halmstad/Schweden geboren und studierte nach dem Abitur an einer Kunstschule. Heute ist sie eine der bekanntesten und beliebtesten Kinderbuch-Illustratorinnen Schwedens und auch international erfolgreich. Sie wurde u.a. mit der Goldenen Plakette auf der Biennale der Illustrationen in Bratislava und dem Europäischen Jugendliteraturpreis „Provincia di Trento“ ausgezeichnet. Für ihr Lebenswerk erhielt Eva Eriksson den Elsa-Beskow-Preis und den Astrid Lindgren Preis des schwedischen Verlages Rabén & Sjögren.«

 

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Wichtelweihnacht im Winterwald

  • Illustrationen von Eva Eriksson
  • Text von Ulf Stark
  • Originaltitel: »Jul i stora skogen«
  • Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer
  • Oetinger Verlag   August 2014    www.oetinger.de
  • gebunden, Halbleinen
  • Fadenheftung
  • Format: 24,5 cm x 26,5 cm
  • 104 Seiten
  • 16,99 € (D),  17,50 € (A)
  • ISBN 978-3-7891-4750-0
  • ab 5 Jahren

WICHTELIGE  ÜBERRASCHELUNGEN

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der echte Hauswichtel Grantel kümmert sich aufmerksam um das verlassene Gehöft, das sein Zuhause ist. Er inspiziert alle Räume, zieht sogar mühevoll die Wanduhr auf und betont für sich im Selbstgespräch, wie gut es doch sei, daß alle tierischen und mensch-lichen Bewohner schon seit einem halben Jahrhundert fortgezogen sind. Während er seinen vielbeschäftigten Erinnerungen nachgeht, merkt man jedoch deutlich, daß er sehr einsam ist.

Bei seinem Rundgang rettet er eine Hummel aus einem Spinnennetz und nimmt sie mit in die Hundehütte, die er sich gemütlich eingerichtet hat. Er bereitet der Hummel mit einer Moosmatratze ein Bett in einer kleinen Schachtel und liest ihr aus seinem Buch „Zum Lobe der Einsamkeit“ vor. Die Hummel schläft darüber ein und schnarcht, und Grantel grantelt über diese Ruhestörung.

Am nächsten Tag weht ein starker Wind. Grantel hat noch seine Wollhandschuhe auf der Wäscheleine hängen und will sie in Sicherheit bringen. Doch der freche Wind hebt nicht nur seine Handschuhe in luftige Höhen, sondern zupft ihm auch noch seine rote Zipfelmütze vom Kopf und schickt sie hinterher. Wütend tritt Grantel gegen einen Holzpfosten, so daß sich das angenagte und verwitterte Wegweiserschild, auf dem einst „WEIHERWEG NACH TOMTING IM GRÜNEN TAL“ geschrieben stand, auch noch auf die Windreise begibt.

Kurz denkt der Wichtel noch daran, daß man auf dem Schild nur noch die Silben „WEIH NACH T IM GR“ entziffern kann und beschließt, sich nicht um Weihnachten und auch sonst um nichts und niemanden zu kümmern und seine Einsamkeit und Stille zu genießen. Nur die Hummel füttert er selbstverständlich fürsorglich.

Im großen Wald, in einer weiträumigen Höhle unter einer alten Eiche wohnt eine Kaninchengroßfamilie. Vater, Mutter, Tanten, Onkel, Opa, kleinere und größere Kinder wuseln umtriebig herum, und tierische Nachbarn – Eichhörnchen, Hasen, Igel, Mäuse und Vögel – runden die Geselligkeit munter ab.

Die Kaninchenkinder Nina und Kalle erwarten ihren ersten Winter und lassen sich vom Opa erzählen, wie Schnee aussieht. Neugierig machen einen Ausflug nach draußen und halten Ausschau nach den ersten Schneeflocken. Draußen windet es sehr, und sie finden keinen Schnee, sondern eine rote Zipfelmütze, zwei Handschuhe und ein Holzschild mit geheimnisvollen Schnörkeln darauf.

Die Fundstücke werden nach Hause getragen und von allen Familienmitgliedern begutachtet. Für die Entzifferung des Wegweisers suchen sie den Rat des Uhus, der angeblich lesen kann, aber es sind schließlich die Krähen, die den Text vorlesen: „WEIHNACHT IM GR“. Was denn dieses WEIHNACHT sei, fragen die Kaninchen, und die Krähen wissen nur, daß es etwas spannendes Winterliches sein soll.

Bei allen anderen Waldtieren werden nun Erkundigungen über WEIHNACHTEN eingezogen, und so finden sie heraus, daß zur Weihnacht auch ein Weihnachtsmann, ein Weihnachtsbaum, ein Festessen, Weihnachtslieder, Süßigkeiten, Geschenke  und „Überraschelungen“ gehören.

Mit großem Eifer stürzen sich nun alle in die Weihnachtsfestvorbereitungen, denn es ist ja sternenklar, daß sich der Weihnachtsmann mit dem Schild für den GR=Großer Wald angekündigt hat.

Die Tiere kennen Weihnachten und den Weihnachtsmann nur vom Hörensagen und interpretieren so manches anders. Beispielsweise überlegen sie sich liebevoll, was sie dem Weihnachtsmann schenken könnten und nicht umgekehrt, was sie sich von ihm wünschen.

Am 13. Dezember erscheint dem Wichtel des Nachts die Heilige Lucia mit dem traditionellen Kerzenkranz auf dem Kopf und prophezeit ihm, er werde zwei Kinder bekommen. Grantel will nichts davon hören, und auch die Pfefferkuchen, die Lucia ihm zur Versüßung dieser Botschaft daläßt, überzeugen ihn keineswegs.

Als die Hummel auch noch behauptet, die Pfefferkuchen schmeckten himmlisch, schimpft Grantel, er wolle nichts vom Himmel, von Engeln und Kindern wissen, und er beklagt sich, wie lächerlich er mit dem grauen Wollstrumpf auf dem Kopf aussähe, den er sich in Ermangelung seiner Zipfelmütze anziehen müsse.

Inzwischen fällt längst Schnee, das Festessen in der Kaninchenhöhle ist vorbereitet, der Weihnachtsbaum ist mit Naturmaterialien geschmückt, und alle warten auf den Weihnachtsmann. Doch der kommt nicht, und es werden erste Stimmen laut, welche die Existenz des Weihnachtsmannes bezweifeln.

Nina und Kalle beschließen, heimlich den Weihnachtsmann zu holen. Der Uhu hatte gemeint, der Weihnachtsmann wohne dort, wo der Schnee herkäme. Also kämpfen sich die Kaninchenkinder gegen den Wind und durch den aufkommenden Schneesturm bis zum Hof des Wichtels.

Grantel reagiert zunächst theoretisch abweisend und dann doch ganz praktisch fürsorglich auf die durchgefrorenen Kinder. Er kümmert sich halt, auch wenn er darüber räsoniert. Ja, er ist sogar so einfühlsam, den Weihnachtsmann zu spielen. Er improvisiert einen Schlitten mit Glöckchen und Laterne und fährt mit den Kindern zur Kaninchenhöhle zurück.

Dort werden alle freudig begrüßt, und der Wichtel wird so zärtlich geherzt und willkommen geheißen, daß er nur ganz freundlich grantelt. Als er dann auch noch – neben allerlei anderen Aufmerksamkeiten – seine rote Zipfelmütze wiedergeschenkt bekommt, findet Grantel, daß dies sein schönstes Weihnachten seit hundert Jahren sei.

Nina fragt den Wichtel, warum eigentlich Weihnachten gefeiert werde. „Weil ein Kind auf die Welt gekommen ist“, sagt Grantel. Nun, ich finde, dies ist eine Antwort, die wahrlich kinderleicht zu verstehen ist.

„Wichtelweihnacht im Winterwald“ ist eine schöne, warmherzige Vorlese- geschichte, die – wohlportioniert in 25 übersichtliche Kapitel und durchgehend farbig illustriert – anregend von Tag zu Tag durch die Adventszeit führt.

Die Erzählung betont die zwischenmenschliche bzw. zwischenwichteltierische Ebene. Grantel, eingerostet in seiner menschenleeren Einsamkeit, will mit Weihnachten nichts zu tun haben. Ausgerechnet er wird von den Kaninchen- kindern für den Weihnachtsmann gehalten und erfüllt die ihm zugedachte Rolle schließlich mit Bravour, Gutherzigkeit, feierlicher Andacht und Würde.

Ulf Stark findet einen Erzählton, der in einfachen Worten Dinge und Gegeben- heiten ausspricht und zugleich zwischen den Zeilen ein feinfühliges, vielschichtiges Herzensecho erklingen läßt.

Die sanftmütigen, warmherzigen Illustrationen von Eva Eriksson bereichern den Text Seite für Seite um eine stimmungsvolle visuelle Dimension und harmo- nieren ganz vorzüglich mit der schelmischen Weisheit der Erzählung; damit garantieren sie eine zauberhafte Weihnachtseinstimmung für die ganze Familie.

Die hochwertige Ausstattung mit edlem rotem Halbleinenbuchrücken, die strapazierfähige Fadenheftung und das anschaulich großzügige Buchformat bieten als bibliophile Zugabe eine edle Verpackung für dieses märchenhaft-festliche Wichtelweihnachtshausbuch.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
http://www.oetinger.de/nc/schnellsuche/titelsuche/details/titel/1247500/18745/3163/Illustrator/Eva/Eriksson/Wichtelweihnacht_im_Winterwald.html

Querverweis:

Hier entlang zu einem weiteren, sehr warmherzigen weihnachtlichen Kinderbuch von Ulf Stark: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/12/12/was-wir-uns-wuenschen/ 

Der Autor:

»Ulf Stark, 1944 in Schweden geboren, ist ein erfolgreicher Schriftsteller und Drehbuch-autor. Er studierte Pädagogik und Psychologie und veröffentlichte 1975 sein erstes Kinderbuch. Etliche seiner Geschichten wurden auch verfilmt. Für sein Werk wurde Ulf Stark vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis, dem renommierten schwedischen August-(Strindberg-)Preis und dem Nils-Holgersson-Preis. «

Die Illustratorin:

»Eva Eriksson wurde 1949 in Halmstad/Schweden geboren und studierte nach dem Abitur an einer Kunstschule. Heute ist sie eine der bekanntesten und beliebtesten Kinderbuch-Illustratorinnen Schwedens und auch international erfolgreich. Sie wurde u.a. mit der Goldenen Plakette auf der Biennale der Illustrationen in Bratislava und dem Europäischen Jugendliteraturpreis „Provincia di Trento“ ausgezeichnet. Mit ihren liebenswerten Illustrationen der Geschichten über den kleinen „Max“, die inzwischen schon zu den Bilderbuch-Klassikern zählen, kam sie auf die Ehrenliste des Hans Christian Andersen-Preises. Für ihr Lebenswerk erhielt Eva Eriksson den Elsa-Beskow-Preis und den Astrid Lindgren Preis des schwedischen Verlages Rabén & Sjögren.«

Und sie fliegt doch

  • Eine kurze Geschichte der Hummel
  • von Dave Goulson
  • Originaltitel: »A Sting in the Tale«
  • Übersetzung aus dem Englischen
  • von Sabine Hübner
  • Hanser Verlag    Juli 2014        http://www.hanser-literaturverlage.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag
  • 320 Seiten
  • ISBN 978-3-446-44039-5
  • 19,90 €
  • ePUB-Format 15,99 €
  • ISBN 978-3-446-44067-8
    Goulson_FliegenDoch_125x205_P05.indd

DER  HUMMELFLÜSTERER

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Zwar bin ich keine Biologin, sondern Buchhändlerin, habe aber schon als Kind gerne Hummeln gestreichelt und tue dies auch heute noch. Außerdem liebe ich es, wenn Erscheinungsformen der Natur sogenannten naturwissenschaftlichen Gesetzen trotzen. Denn nach den bisherigen Erkenntnissen der Aerodynamik ist die Flügelfläche der Hummel zu klein im Verhältnis zu Körpergröße und Gewicht, um fliegen zu können. Aber sie fliegt ganz offensichtlich dennoch, und das gefällt mir außerordentlich gut. Daher ist auch der deutsche Titel des vorliegenden Sachbuches „Und sie fliegt doch“ eine schöne, doppeldeutige und geistreiche Anspielung, auf die ich sofort geflogen bin.

Aus dem Prolog zum Buch erfahren wir, daß der Autor ebenfalls schon als Kind von Hummeln fasziniert war. Er verbrachte seine Kindheit in einem Dörfchen bei Shropshire und pflanzte im elterlichen Garten Lavendel, Katzenminze, Salweide und Sommerflieder, um Hummeln und Schmetterlingen ein attraktives Büfett zu bieten, und Geißblatt, um Nachtfalter anzulocken. Sein lebhaftes Interesse für Insekten verband sich natürlicherweise mit dem lebhaften Interesse für Pflanzen.

Eine inspirierende Grundschullehrerin, die nicht mit praktischen Naturerfahrungen geizte, sowie sehr tolerante Eltern, die die unterschiedlichsten geglückten und mißglückten Tierrettungs- und Erforschungsmaßnahmen mit großer Nachsicht duldeten, waren fördernde und anregende Voraussetzungen für ein späteres Biologiestudium.

Dave Goulson wurde der führende Hummelforscher Englands und gründete im Jahr 2006 den Bumblebee Conservation Trust“ (BBCT), eine Stiftung zur Rettung der Hummeln. Diese Stiftung schafft in Zusammenarbeit mit Bauern, Kommunen und Gärtnern neue Habitate für Hummeln, verbreitet eine Informationsbroschüre zur hummelfreundlichen Gartengestaltung, verteilt Wildblumensamen, organisiert Hummel-Bestimmungs-Spaziergänge und betreibt zusätzliche Aufklärungsarbeit auf Gartenschauen und in Grundschulen.

Denn die Rettung dieses pummeligen Insekts ist notwendig, und dies erläutert der Autor auf eine so einleuchtende und ganzheitliche, ja, BEWUSSTSEINSBILDENDE Weise, daß man Landwirtschaft, Pflanzen, Hummeln und menschliche Einflußnahmen mit neuen Augen sieht.

Zunächst ein kurzer historischer Rückblick: Bevor es Kunstdünger, Insektizide und Co. sowie Benzinmotoren gab, waren Pferde ein wesentlicher Bestandteil der Landwirtschaft. Um die Arbeitskraft der Pferde zu erhalten, bauten die Bauern Klee an, der eine beliebte Futterpflanze für Pferde ist; und, um im Winter genug Futter für Vieh und Pferde zu haben, wurden Heuwiesen angelegt, die nur ein bis zweimal jährlich gemäht wurden.

Auf diesen nährstoffarmen Böden gediehen Wildblumen gut, „besonders jene mit symbiotischen Wurzelbakterien, die Stickstoff aus der Luft banden“ (Seite 31), also Pflanzen aus der Familie der Leguminosen. Bienen und Hummeln fanden bei diesen Pflanzen nahrhafte Pollen und Nektar, bestäubten aber auch die Nutzpflanzen, die auf den nahegelegenen fruchtbaren Böden angebaut wurden.

Die fruchtbaren Böden wurden jahrhundertelang durch die abwechselnden Fruchtfolgen der Drei- und Vierfelderwirtschaft gewonnen und lebendig erhalten.

Die Erfindung des Verbrennungsmotors machte die Pferde als Arbeitskraft überflüssig, künstliche, stickstoffbasierte Düngemittel erhöhten die Ernteerträge, die Felderwirtschaft wurde scheinbar überflüssig und Kleewiesen sowieso, da Pferde keine Rolle mehr spielten. Da auch die Heuwiesen künstlich gedüngt wurden, verschwanden fast alle Wildblumen, zumal durch die Möglichkeit, Winterfutter durch Ensilage zu gewinnen, die Heuwiesen auch viel häufiger als früher gemäht wurden.

Das Thema DDT und den zunehmenden monokulturellen Strukturwandel der Landwirtschaft lasse ich hier aus. Kurz: Es sah ganz schlecht aus für die Habitate und Überlebensbedingungen der britischen Hummeln, und die Erdbauhummel war bereits ausgestorben.

Langsam setzt jedoch ein Umdenken ein, und inzwischen bekommen die britischen Bauern staatliche Unterstützung dafür, wieder blühende Hecken zu pflanzen und Wildblumenwiesen anzulegen. Dave Goulson versuchte, die Erdbauhummel aus Neuseeland zu „reimportieren“, denn die im 19.Jahrhundert dorthin „ausgewanderten“ Hummeln gedeihen dort nach wie vor – dank ausgedehnter Rotkleefelder.

Aus der überquellenden Wissensfülle dieses wunderbaren Buches kann ich hier nur wenige kleine Appetitanreger servieren.

Hummeln sind sehr relevante Bestäuber zahlreicher menschlicher Nahrungspflanzen. So können z.B. Tomaten und Paprikablüten nur durch Vibrationsbestäubung befruchtet werden, eine Technik, die von den Hummeln besonders gut beherrscht wird.

Faszinierend und auch noch nicht ganz ausgeforscht ist die Fähigkeit der Hummel zu „erriechen“, ob sich zuvor eine andere Hummel oder ein anderes nektarsaugendes Insekt an einer Blüte gütlich getan hat. Denn sie wählen nachweislich d i e Blüte, die Nektar enthält.

Zwischen verschiedenen Pflanzenarten gibt es große Unterschiede darin, wie schnell die Blüte wieder mit Nektar befüllt wird: Borretschblüten brauchen dafür nur zwei Minuten, während Beinwellblüten 40 Minuten brauchen und Hornklee 24 Stunden. Hummeln wissen und erkennen das und können dadurch effizienter Nektar sammeln.

Es gibt auch Hummeln, die schummeln: Wenn der Saugrüssel zu kurz ist, um einen tiefkelchig verborgenen Nektarvorrat zu erreichen, beißt die Hummel seitlich ein Loch in die Blüte und begeht den sogenannten „Nektarraub“.

Hummeln sind nicht kaltblütig, sondern sie haben eine durchschnittliche Körpertemperatur von 35° C und verfügen über eine sehr komplexe Art der Wärmeregulierung, und ihr Pelz dient tatsächlich der Wärmeisolierung.

Der Autor zieht interessante Parallelen zwischen der evolutionären Entwicklung von Bienen und Hummeln aus vegetarischen Abkömmlingen von Wespen und menschlichen Vegetariern und Veganern. Letztere nutzen zur Deckung ihres Proteinbedarfs bevorzugt Hülsenfrüchte (Leguminosen), deren Blüten wiederum besonders proteinreiche Pollen enthalten, die von Bienen und Hummeln bevorzugt gesammelt und an die Brut verfüttert werden.

Hummelköniginnen halten bis zu sieben Monate Winterschlaf. Wenn sie im Frühjahr aus ihrem unterirdischen Schlafplatz hervorkrabbeln, sind sie ausgehungert, und wenn nicht genug Nektarpflanzen zur Verfügung stehen, haben sie ein lebensbedrohliches Problem. Wenn man in dieser Jahreszeit eine erschöpfte Hummel auf dem Boden kriechen sieht, kann man sie mit verdünntem Honig füttern und stärken.

Honig mit etwas Wasser verdünnt, sollte man auf einem kleinen Löffel

oder Kronkorken möglichst so anbieten, daß die Hummel nicht in die Flüssigkeit plumpst, sondern nur ihren Saugrüssel eintunken und sich stärken kann.

Dave Goulson gibt sein Wissen und seine Begeisterung in einem heiteren, kompakt-informativen Tonfall wieder. Er ERZÄHLT lebendig und engagiert von der akribischen Hummelerforschung, dem jährlichen Lebenszyklus der Hummel, ihren „Familienverhältnissen“ und von natürlichen und unnatürlichen Feinden der Hummel sowie von ihrem bemerkenswerten Orientierungssinn.

Voller Bewunderung für die erstaunlichen Fähigkeiten der Hummeln und voll demütiger Dankbarkeit für die unermeßliche ökologische Dienstleistung, die diese Geschöpfe für die menschliche Ernährung erbringen, setzt der Autor sich dafür ein, neue Lebensräume für Hummeln zu schaffen.

„Naturschutz sollte man nicht einfach anderen überlassen.“ (Seite 294), meint Dave Goulson und regt jeden dazu an, einen Beitrag zu leisten und im eigenen Garten und auf Balkon oder Terrasse hummelfreundliche Nektarpflanzen (Aklelei, Beinwell, Fingerhut, Lavendel, Lupinen, Natternkopf, Stockrosen, Skabiosen…) sowie klassische Kräuter (Oregano, Rosmarin, Salbei, Schnittlauch, Thymian …) zu kultivieren.

„Und sie fliegt doch“ ist ein höchst wissenswertes, lehrreiches Buch von ansteckender Faszination und inspirierender Naturverbundenheit.

„Wenn wir heute lernen, wie man eine Hummel rettet, können wir morgen vielleicht die Welt retten!“
(Seite 311)

 

PS:
Bücher können Leben retten: Wenige Stunden nachdem ich das vorliegende Buch ausgelesen hatte (Anfang Mai), fand ich eine geschwächte Hummel auf meiner Türschwelle und wußte, was ich zu tun hatte, um ihr zu helfen. Ich verdünnte in einem Teelöffel etwas Honig mit Wasser, ließ die ermattete Hummel auf meine Hand krabbeln und hielt ihr den Löffeln so hin, daß sie ihren Saugrüssel eintunken konnte. Entzückt beobachtete ich, wie sie aus dem Rüssel eine sehr bewegliche winzige Zunge ausfuhr und offensichtlich trank und nach einer Weile gestärkt von dannen flog.

Der Autor:

»Dave Goulson ist Hummelforscher und einer von Englands bekanntesten Naturschützern. Er ist der Gründer des Bumblebee Conservation Trust. 2013 gewann er den Marsh Prize for Conservation Biology der Zoological Society of London. Sein Sunday Times Bestseller „A Sting in the Tale“ stand auf der Shortlist des Samuel Johnson Prize, des renommiertesten Sachbuchpreises Großbritanniens.«    www.sussex.ac.uk/lifesci/goulsonlab

 

QUERVERWEIS:

Hier ist noch eine sehr informative, naturschützliche und umfängliche Webseite zum Thema Bienen, Hornissen, Hummeln und Wespen:
https://beekarma.wordpress.com

Und hier findet sich noch ein sehr empathischer Bienenroman: Laline Paull: Die Bienen
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/05/16/die-bienen/