böse

  • Bilderbuch
  • Text: Lorenz Pauli
  • Illustration: Kathrin Schärer
  • Atlantis Verlag September 2016  www.atlantis-verlag.ch
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 23,6 cm x 28,5 cm
  • 32 Seiten
  • 14,95 € (D), 15,40 € (A), 24,90 sFr.
  • ISBN 978-3-7152-0720-9
  • ab 4 Jahren
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EINE  GUTE  BÖSE  TAT

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das ist nun mal ein ganz anderes Bauernhof-Bilderbuchszenario. Hier wird mit einer völlig überraschenden Wendung eine perspektivische Vermessung von Gut und Böse vorgenommen.

Eine kleine hungrige Maus hockt versteckt im Stroh. Ziege, Hund, Taube, Pferd, Katze und Schweine plaudern miteinander und erzählen sich ein wenig selbstgefällig, wie lieb und brav sie sind und welche kleinen Bosheiten sie sich gelegentlich erlauben.

So erschreckt der Hund ab und an gerne den stolzen Hahn, die Ziege vergreift sich verfressen an den Gartenblumen, die Taube läßt gezielt einen Taubendreck auf den Hut des Bauern fallen usw. Alle Tiere finden das amüsant und tolerabel.

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Aus: böse © Atlantis Verlag 2016 Text: Lorenz Pauli / Illustration: Kathrin Schärer

Gerade in dem Augenblick, als die Katze sich gegenüber dem braven Pferd mit dem Erzählen vordrängelt, traut sich die Maus aus dem Strohversteck heraus und nähert sich einigen Körnern, die in der Nähe des Pferdes auf dem Boden liegen. Die Katze schweigt und schleicht sich an die Maus heran, alle Tiere schauen wie gebannt auf die Katze, die schon zum Jagdsprung ansetzt.

„KLACK tritt das Pferd auf die Maus.“ Sogleich äußern sich die Tiere entsetzt über diese böse Gemeinheit. Die Katze zieht sich eingeschüchtert zurück und trollt sich.

Der Hund fragt, warum das Pferd die Maus zertreten habe. Das Pferd antwortet, es habe der Katze eine Lektion erteilen wollen, die aus bloßer Langeweile Mäuse jage, obwohl sie doch ihr Futter vom Bauern bekäme.

Dann hebt das Pferd vorsichtig den Vorderhuf, und die unversehrte Maus, die bequem unter dem Hufeisen Platz gefunden hatte, kommt zum Vorschein und bedankt sich. Ganz leise, damit die Katze nichts davon bemerkt, lachen alle Tiere über diese „liebste Gemeinheit der Welt.“

 

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Aus: böse © Atlantis Verlag 2016 Text: Lorenz Pauli / Illustration: Kathrin Schärer

 

Lorenz Pauli erzählt diese hintersinnige Geschichte in kurzen, konzentrierten Sätzen mit lebhaften Dialogen in direkter Rede und mit spannender, bühnenreifer Dramaturgie. Die Illustrationen von Kathrin Schärer geben den dargestellten Tieren einen bewundernswert vielfältigen mimischen und körpersprachlichen Gefühlsausdruck.

„böse“ ist ein in mehrerer Hinsicht sehenswertes und bedenkenswertes Bilderbuch, das Kindern zeigt, daß Gut und Böse nicht immer einfach und eindeutig zu erkennen sind, sondern aus verschiedenen Perspektiven ganz unterschiedliche Schattierungen und Bewertungen erfahren, die einfühlsames Hinterfragen erfordern.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://ofv.ch/kinderbuch/detail/b%c3%b6se/102781/

 

Der Autor:

»Lorenz Pauli wurde 1967 geboren. Irgendwann wurde er Kindergärtner. Viele Jahre arbeitete und lachte er mit den Kindern. Dann wurden die Tage zu kurz, und nun lacht er nur noch: Vor seiner Tastatur und beim Erzählen auf der Bühne. 2012 stand Lorenz Pauli auf der IBBY-Honour-List für seinen Text »Oma Emma Mama« (2010, Atlantis). „Pass auf mich auf!“ (Pauli/Zedelius, 2015, Atlantis) war nominiert für den Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis 2015. Pauli lebt mit seiner Familie in Bern. Mehr über ihn, seine Bibliografie und seine Auftritte auf seiner Webseite: http://www.mupf.ch «

Die Illustratorin:

»Kathrin Schärer, geboren 1969 in Basel, studierte Zeichen- und Werklehrerin an der Hochschule für Gestaltung Basel. Sie unterrichtet an einer Sprachheilschule und arbeitet als Illustratorin. Wiederholt hat sie eigene Texte illustriert und in langjähriger Zusammenarbeit und mit großem Erfolg Geschichten von Lorenz Pauli. Für ihr Gesamtwerk war Kathrin Schärer für den Hans-Christian-Andersen-Preis 2012 und für den Astrid Lindgren Award 2014 nominiert. »Johanna im Zug« (2009, Atlantis) wurde 2011 mit dem Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis ausgezeichnet. Webseite: http://kathrinschaerer.ch/ «

Querverweis:

Hier entlang zu einer weiteren Kokreation von Lorenz Pauli und Kathrin Schärer:
Rigo und Rosa https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/06/28/rigo-und-rosa/

Hier entlang zu Katrin Schärers Bilderbuch über den Tod:
Der Tod im Apfelbaum https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/03/20/der-tod-auf-dem-apfelbaum/

TEO

  • von Lorenza Gentile
  • Aus dem Italienischen
  • von Annette Kopetzki
  • DTV Verlag  1.Mail 2015               www.dtv.de
  • gebunden mit Schutzumschlag
  • und LESEBÄNDCHEN
  • 200 Seiten
  • 18,90 € (D), 19,50 € (A), 26,90 sFr
  • ISBN 978-3-423-28051-8
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Z E I C H E N S P R A C H E

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Eine Geschichte über ein Kind, das seinen Selbstmord plant, dürfte zunächst lektüreabschreckend wirken, aber ich verrate hier hemmungslos, daß die Geschichte ein gutes Ende nehmen wird. Damit Sie nun nicht denken, bei diesem Buch handele es sich eine reißerisch-hilflose Betroffenheitsjammerklageschrift, verrate ich außerdem, daß Teo kein Opfer ist, sondern ein kleiner tapferer Held, der sich mutig und einfallsreich für die Menschen einsetzt, die ihm am Herzen liegen.

„Aber ich mag es, wen ich mich was trauen muss, besonders wenn es um was Wichtiges geht.“ (Seite 11)

Der achtjährige Teo vermißt seit geraumer Zeit ein glückliches Familienleben. Seine Eltern streiten viel miteinander und scheinen sich immer weiter voneinander zu entfernen. Von seinen Klassenkameraden, die bereits Lebenserfahrung mit geschiedenen Eltern haben, weiß er, daß es drei elterliche Verhaltensphasen gibt: In der ersten Phase wird lautstark gestritten, in der zweiten Phase herrscht Schweigen, und in der dritten Phase verläßt ein Elternteil die familiäre Wohnung – und dann kommt die Scheidung.

Da sich die häusliche Stimmung in Teos Familie bereits der dritten Phase annähert, will und muß Teo irgendwie seine „Eltern retten“. In einem Buch über Napoleon hat Teo kürzlich gelesen, daß dieser Feldherr alle Schlachten gewonnen habe – allerdings hat Teo das Buch noch nicht ganz ausgelesen und ahnt noch nichts von Waterloo.

Teo möchte unbedingt Napoleon um Rat fragen, wie er die Schlacht für den Erhalt seiner Familie gewinnen könne. Zwar ist Napoleon schon gestorben, aber Teo kennt auch die Sage von Orpheus. Wenn es dem alten Griechen Orpheus gelungen ist, ins Jenseits zu gehen, um seine verstorbene Frau zurückzuholen, warum sollte Teo dann nicht auch Napoleon aufsuchen und befragen können?

Doch wo genau ist das Jenseits?

Teo forscht und sucht nach Orientierung. Im sonntäglichen Gottesdienst stellt er Gott fünfmal die gleiche Frage (als Kind muß man hartnäckig fragen, das kennt er schon von menschlichen Erwachsenen, und warum sollte ein göttlicher Erwachsener da über eine bessere Zuhörbegabung verfügen?), doch er bekommt keine Antwort. Er beschwert sich bei seiner Mutter über Gottes Schweigsamkeit, und seine Mutter erklärt ihm, daß Gott sich weniger durch direkte Rede äußere, sondern mehr durch Zeichen, die er einem schicke und die man dann entsprechend zu deuten habe.

Das Warten auf ein Zeichen Gottes wird für Teo zu einer ziemlichen Geduldsprobe, und er sorgt sich, ob Gott, da er ja schon sehr alt ist, vielleicht genauso vergeßlich wie Teos Großmutter geworden sei.

Sein fernöstliches Kindermädchen bereichert seine spirituelle Nachfrage mit Informationen zur Reinkarnation, die er, weil er sich das Wort nicht merken kann, einfach „Religion des Kreislaufs“ nennt.

Sein bester Freund Xian, der ein kleines Mathegenie ist und allen Menschen einen Zahlenwert zuordnet, erklärt Teo, daß man, wenn man stirbt, einfach eine negative Zahl werde, man gehe über die Null, wechsle die Seite und würde unsichtbar.

Eine Klassenkameradin behauptet folgende Adresse für das Paradies:
„Es ist ganz oben im letzten Stockwerk des Himmels, und nur Gottes Flugzeug kommt da hin.“ (Seite 32)

Die gesammelten Informationspuzzleteilchen über Gott und die Welt, Gut und Böse, Sünde, Beichte und Vergebung, Hölle und Paradies, die Wirkungskraft von Träumen und die indirekte Sichtbarkeit des Unsichtbaren führen zu kindlich vereinfachten, indes durchaus erfrischend-naheliegenden kosmologischen Schlußfolgerungen. Teo faßt seine Erkenntnisse u.a. folgendermaßen zusammen:

» KATHOLIKEN:
     HÖLLE: wenn du böse bist und NICHT beichtest

     PARADIES: böse oder gut, Hauptsache, du beichtest

RELIGION DES KREISLAUFS:
     Gut sein: du wirst als Mensch wiedergeboren
     Böse sein: du wirst als Tier, Gemüse oder Gießkanne
     wiedergeboren (das sind bloß Beispiele, es gibt un-
     endlich viele Möglichkeiten, so viele wie Eissorten)
     …

ATHEISTEN:
     Nichts, null, Leere   «
(Seite 136)

Dieser verwirrende Spielraum macht die Suche nach Napoleon leider nicht einfacher. Teo muß nicht nur herausfinden, ob Napoleon gut oder böse war – also im Himmel oder in der Hölle weilt. Sondern falls falls die Buddhisten recht haben, muß Teo herausfinden, in was sich Napoleon möglicherweise verwandelt hat.

Doch egal welche Glaubensrichtung Teo einschlägt: Der Weg ins Jenseits bedeutet, daß Teo sterben muß. Kurz bevor Teo seine Absicht in die Tat umsetzt, schenkt er spontan einem Penner einen Fünf-Euro-Schein – auch mit dem Hintergedanken, mit dieser kleinen guten Tat seine Chancen auf den Zutritt ins Paradies zu verbessern. Der Penner bedankt sich lächelnd, und die beiden kommen ins Gespräch. Dieses zufällige Gespräch rettet Teo das Leben und offenbart sich als das ermutigende Zeichen, auf das Teo sehnsüchtig gehofft hat.

Teo begreift, daß er als Lebender viel mehr bewirken kann und daß es mit dem Sterben – weiß Gott – noch längst nicht eilt.

„Ich muss mir nur vorstellen, dass mein Leben ein Buch ist und jeder Tag eine Seite, und wenn ich die von heute umblättere, steht da geschrieben: NOCH DAS GANZE LEBEN.“ (Seite 195)

Lorenza Gentile gelingt in dieser Geschichte eine subtile inhaltliche und stilistische Balance zwischen dem tiefen Ernst des kindlichen Anliegens und dem unbefangenen, naiven Charme der kindlichen Suche nach Antworten auf existenzielle Fragen. Offenbar konnte sich die Autorin den unbestechlichen Kinderblick auf das Verhalten der Erwachsenen bewahren.

„Teo“ ist ein kurzes Buch, ein modernes Märchen, ein leichter Lesehapps für einen Nachmittag, gleichwohl mit einem lebhaften Nachgeschmack von Herzensbildung und philosophischem Humor.

Das wolkenschwebende Titelbild ist eine passende Illustration der unaufdringlichen Weisheit, die den Text umschwebt.

 

Die Autorin:

»LORENZA GENTILE wurde 1988 in Mailand geboren. Ihre Leidenschaft für Literatur und das Theater entstand schon in der Kindheit, die sie in Florenz und Mailand verbrachte. Sie studierte Drama und Theaterwissenschaften an der Goldsmith University, London, und besuchte die internationale Theaterschule Jacques Lecoq in Paris. Teo ist Lorenza Gentiles erster Roman.«

Ein sympathisches Interview mit der Autorin finden Sie unter:
http://www.dtv.de/special/lorenza_gentile­_teo/interview/2222/

Die Übersetzerin:

»ANNETTE KOPETZKI, geboren 1954 in Hamburg, war Universitätsdozentin und Journalistin in Italien. Sie übersetzt seit vielen Jahren Belletristik und Lyrik aus dem Italienischen, darunter Pier Paolo Pasolini, Erri De Luca, Andrea Camilleri und Alessandro Baricco.«

Heilung braucht Wahrheit

  • Was du nicht lebst, lässt dich nicht leben
  • von Klaus Konstantin
  • Sheema Medien Verlag 2011                              http://www.sheema-verlag.de
  • gebunden, 195 Seiten
  • ISBN 978-3-931560-42-3
  • 23 €
    Heilung braucht Wahrheit

EINE  HEILSLEERE  OHNE  HEILIGEN  BIMBAM

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Heilung braucht Wahrheit“  ist eine im besten Sinne ENTtäuschende Lektüre:
Keine Heiligenscheinverpackung für Egowünsche, kein Erleuchtungswettbewerb, keine Karmakonkurrenz, also auch keine Karmalorbeeren, keine Engelsschwingen, keinerlei Beweihräucherung, sondern die nackte Wahrheit, kein Kuschelstoff, sondern eine bittersüße Medizin, gleichwohl herausfordernd und befreiend ego-auflösend.

Um es gleich schonungslos vorwegzunehmen: Der Superporsche als krönende Belohnung für ein geheiltes Mangelbewußtsein kommt in diesem Ratgeber nicht vor. Solche Heilswerbebotschaften können Sie sich ungetrost abschminken.

 „Es gibt keine Heilung für das Ich, sondern nur eine Heilung von der Illusion eines Ichs.“
(Seite 8)

Eigentlich ist mit diesem Satz schon alles gesagt, aber unser Egoverstand hat es gern etwas ausführlicher, und Wiederholungen und Illustrationen des Lebenslernstoffes dienen durchaus der Vertiefung und der Befreiung.

Klaus Konstantin betont, daß unsere Wirklichkeit stets ein vollkommener Spiegel unseres Bewußtseins ist und daß es aus der umfassenderen Seelenperspektive an diesem Sosein nie und nimmer etwas zu bemängeln, zu verbessern oder abzulehnen gibt.

„Da alles Äußere nur dazu da ist, dich auf einen Aspekt deiner selbst zurückzuwerfen, ist alles genauso, wie es ist, vollkommen in Ordnung. Sonst wäre es nämlich anders.“
 (Seite 77)

Alles, was in deinem Leben geschieht, ist jederzeit perfekt auf die Erkenntnisprozesse abgestimmt, die nötig sind, um dich zurück in deine innere Ordnung zu bringen.“
 (Seite 177)

Um in Einklang mit der „eigenen“ Seelenessenz zu kommen, ist es heilsam, die inkarnations-üblichen Ich-Strukturen als illusionäre, vom Wesentlichen ablenkende Vor- bzw. Verstellungen zu erkennen und abzulegen wie Kleidungsstücke, mit denen man sich lediglich verkleidet hat.

Der Kreislauf von der Selbstvergessenheit zur Selbsterinnerung sowie die Gegebenheiten der Polarität bieten unendliche Erfahrungs- und Entfaltungsmöglichkeiten und lehrreiche Perspektivenwechsel  –  für die Seele ein Kinderspiel  –  für das Ego ein Drama. So gehört der Kontrast zwischen grenzenlosem Bewußtsein und beschränktem Egoradius zu den Requisiten jedes Schicksalsdrehbuches.

Der Seele mehr Ausdruck zu geben verlangt radikales Vertrauen, bedingungsloses EINVERSTANDENSEIN mit der individuellen – wie auch immer gearteten – „seelischen Kernessenz“  und die innere Bereitschaft, mit seelischer Tiefenschärfe Egoballast abzuschälen.

Sich der inneren Führungskraft der Seele hinzugeben ist keine Garantie für Zuckerschlecken, sondern für mehr Wahrhaftigkeit. Die Selbsterkenntnis, die hier geschehen kann, ist
vollkommen offen und jenseits von Gut und Böse.

„Wahre Freiheit ist die innere Gewissheit, dass du genau so, wie du bist, vollkommen in Ordnung bist, und zu jeder Zeit am richtigen Ort. In dieser radikalen Selbstakzeptanz löst sich das Ich-Empfinden in grenzenlose Liebe auf.“
(Seite 20)

Klaus Konstantin erKLÄRT in seinem Buch ausführlich, einleuchtend und provokant seine BetrachtungsWEISE der Selbst-Erinnerung, der seelischen Essenz, des Polaritätsprinzips, des Spiegelprinzips, und er geht ein auf die Themen: Gefühl, Bewußtsein, Liebe, Macht, Schatten, Angst, Ego-Demontage und Vertrauen.

Ein vom Autoren empfohlenes Erkenntniswerkzeug ist der Wechsel von der Ich-Identifikation zur Beobachterposition. Ich erkenne, daß sich mein Lebensfilm auf der Leinwand von Raum und Zeit sowie unter den Bedingungen der Polarität zeigt und daß dabei bestimmte ersehnte und gefürchtete Gefühlsrollen von meiner Persönlichkeit erfahren werden. Ich kann dagegen Widerstand leisten, ich kann mich aber auch dem Geschehen hingeben – es ist gleich-gültig, denn es gibt keinen Karma-Oskar für die erleuchtetste Schicksalsinszenierung  zu gewinnen.

„Die Verlagerung deines Bewusstseins von der Ich-Wahrnehmung zur Wahrnehmung des Ichs ist das größte Glück, das du auf Erden erfahren kannst. Im Gegensatz dazu sind mystische Zustände und spirituelle Gipfelerlebnisse nur vorübergehende Erscheinungen, die du vielleicht in die spirituelle  Vitrine stellen kannst, die dir im täglichen Leben jedoch nicht wirklich weiterhelfen.“
(Seite 114)

„Heilung braucht Wahrheit“  zu lesen ist wahrlich keine Streicheleinheit fürs Ego, aber es öffnet und erweitert  –  wenn man sich darauf einlassen kann   –  den inneren Horizont!

 „Verstehen ist kein Wissen, sondern die Klarheit, die zurückbleibt, wenn sich die Täuschung auflöst. Und so kannst du deine Fragen nur beantworten, indem du mehr und mehr selber zur Frage wirst – in einer Haltung des wertfreien, neugierigen Hinschauens und einer offenen Wahrnehmung, die weder an äußeren Objekten noch an irgendwelchen Vorstellungen von Wahrheit und Entwicklung anhaftet. Und indem du selber zur Frage wirst, gibst du dir auch gleich selber die Antwort – in Gestalt deines eigenen Lebens.“
(Seite 172)

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.sheema-verlag.de/verlagsprogramm/heilung-braucht-wahrheit/

Der Autor:

»Klaus Konstantin leitet zusammen mit Ursula Maria Auktor das Clarius-Institut  für Bewußtseinsforschung und Potenzialentwicklung in der Schweiz. Sie sind Begründer des Bewußtseinstrainings  Remember-Prozess®, der darauf aufbauenden Visionsarbeit Pana-Experience®  und der verdeckten medialen Aufstellungsarbeit Klar-Stellung. Daneben bieten sie Einzel- und Paarberatungen an.«

Weitere Informationen:       http://www.clarius-institut.info

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Mr Gum und die Kristalle des Unheils

  • Mr- Gum-Band 4
  • von Andy Stanton
  • Aus dem Englischen von Harry Rowohlt
  • Mit Illustrationen von David Tazzyman
  • dtv junior Verlag, Dezember 2013                                                           http://www.dtv.de
  • 216 Seiten, 6.95 €
  • ISBN 978-3-423-71574-4
  • ab 8 Jahren
    mr_gum_und_die_kristalle_des_unheils-9783423715744

WIEDERHOLTE  WIEDERHOLUNG

Buchbesprechung von Ulrike Sokul©

Wollen Sie zuerst die gute Nachricht oder erst die schlechte Nachricht hören?

Ich rege an, daß wir mit der guten beginnen: Lesen Sie bitte meine ausführliche Besprechung der ersten drei Mr-Gum-Bände:

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/10/21/mr-gum-band-1-bis-3/

Ich warte hier ganz geduldig… aber nicht länger als eine Viertelstunde.

So, jetzt ist es Zeit für die schlechte Nachricht: Der vierte Mr-Gum-Band reicht nicht an die ersten drei Bände heran, er ist deutlich charakterschwächer und etwas handlungsfadenscheinig.

Das gutherzige Mädchen Polly  genießt einen schönen Hochsommertag, und Jakob, der beliebteste Hund in Pollys Heimatstadt Bad Lamonisch an der Bibber, buddelt beim Buddeln einen Beutel aus der Erde heraus.

Auf dem Beutel steht eine Jahreszahl: 1559, und in dem Beutel befinden sich ein rosa und ein weißer Kristall. Da Polly den Mächten des Guten verpflichtet ist, spürt sie, daß mit den hübsch funkelnden Kristallen irgendetwas nicht stimmt. Trotzdem nimmt sie die Steine mit und legt sie zu Hause in ihr leeres Schmuckkästchen.

In der folgenden Nacht träumt sie, daß die Kristalle sie telepathisch-hypnotisch dazu überreden wollen, zu einer WINDMÜHLE zu gehen. Tapfer wehrt sie sich gegen diese Manipulation des Bösen, muß jedoch am nächsten Morgen mit Schrecken feststellen, daß sie in der Nacht tatsächlich einen Ausflug zur Windmühle unternommen hat, denn sie trägt ein Souvenir-T-Shirt mit der Aufschrift: „Ich bin zur Windmühle geschlafwandelt…“ ( Seite 41)

Empört beschließt Polly, sich Rat bei Uromimi zu holen, denn die anderen Helden und Helfershelfer der Mächte des Guten –  Freitag O’Leary und Frau Lieblich, sind gerade auf Hochzeitsreise in Spanien. Und vom geheimnisvollen Geist des Regenbogens – dem Supersegensbringer –  ist zu diesem Zeitpunkt der Geschichte auch kein kleinster Schimmer zu erkennen.

Von Kapitel 3 bis Kapitel 11 versucht Polly, Uromimi zu besuchen, landet aber immer wieder vor der gruseligen Windmühle. Es sind dementsprechend kurze Kapitel, die jedoch durch die eintönige Wiederholung der Wiederholung von Wiederholung zu Wiederholung meine Lesegeduld ausgesprochen wiederholt strapaziert haben.

Im 12. Kapitel lauert der olle Mr Gum Polly auf, um ihr die Kristalle abzuluchsen und sie dazu zu überreden, sich den Mächten der Finsternis anzuschließen. Es kommt zu einer Verfolgungsjagd, und kurz bevor Mr Gum und der fiese Willi Wilhelm Polly einholen, wird sie von Uromimi durch eine geheime und wortwörtliche Eichentür in einen Geheimgang gelotst.

Von Uromimi, die sich mit der vergangenen Vergangenheit gut auskennt, erfährt Polly von einer alten Prophezeiung, die mit der Windmühle, den Kristallen und dem Fluch eines Nicholas de Funckelkeks zusammenhängt. Wieder einmal steht das Leben von ganz Bad Lamonisch an der Bibber auf dem Spiel. Wiederholt mahnt Uromimi, daß die Vergangenheit dazu neigt, sich zu wiederholen.

Um es kurz zu machen: Gut und Böse wetteifern um ihre Einflußrechte, Polly hat auch eine schattige Herzensseite, Björn Schneyder – der Lebkuchenmann – verkrümelt sein Leben beim Versuch, den Fluch aufzuhalten. Schreckliche Schrecken scheinen unvermeidlich, bis Jakob, Freitag O’Leary, Frau Lieblich und ein spanischer Esel mit Hilfe des Geistes des Regenbogens den bösen Fluch in einen guten Fluch umwandeln.

Die Wiederlinge Mr Gum und Willi Wilhelm haben mal   w i e d e r   das Nachsehen.

Zum guten Schluß wird Björn Schneyder nach seiner feierlichen Beerdigung „Asche zu Asche… Krümel zu Krümel“ (Seite 201) als Sahnehäubchen des Geschichtenglücks auf unerklärlich-wundersamem Wege neu geboren bzw. gebacken.

Während meiner Meinung nach im 4. Band (im Vergleich zu den  drei Vorgängerbänden)  –  ich darf mich auch mal wiederholen – sowohl die Charaktere als auch die Handlung schwächeln, ist Andy Stanton wenigstens den witzigen Wortspielen und typographischen Spezialeffekten treu geblieben, und er spart auch nicht am onomatopoetischen Textdekor.

Onomatopoetisch ist der Fachbegriff für aus dem Comicgenre stammende fettgedruckte Geräuschillustrationen wie z.B. PLATSCH! ZISCH! DING-DONG! Und bemeckern Sie hier ja nicht meinen Fremdworteinsatz; bei mir gilt immer noch der Grundsatz: LESEN BILDET!

Die treffsicheren Zeichnungen von David Tazzyman sind nach wie vor eine gelungene visuelle Begleiterscheinung zum Text.

Also kurz und gnadenlos:  Die ersten drei Mr-Gum-Bücher kann ich wärmstens empfehlen und den vierten Band nur lauwarm!

Aber das muß nicht das Ende vom Ende sein: Vielleicht klopft die Geschichtenfee * dem Verfasser mit der Bratpfanne auf den Kopf, und im fünften, sechsten, siebten und achten Band  – so viele sind jedenfalls schon in der Lesewarteschlange  – sprießen dann wieder die buntesten, fantastischsten, komischsten und geschichtigsten Geschichten hervor.

Ich sehe der weiteren Lektüre mit gelassener Zuversicht entgegen – so leicht lasse ich mich nicht abschrecken.

(*siehe Band 1, Seite 12:  Mr Gums Gartenfee)
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/10/21/mr-gum-band-1-bis-3/

Der Autor:

»Andy Stanton lebt in London. Nach einem abgebrochenen Englischstudium in Oxford arbeitete er unter anderem als Stand-up-Comedian, Drehbuchautor und Cartoonzeichner. ›Sie sind ein schlechter Mensch, Mr Gum‹ ist sein erstes Buch.«

Der Illustrator:

»David Tazzyman lebt in Süd-London mit seiner Freundin Melanie und seinem (und ihrem) Sohn Stanley. Er wuchs in Leicester auf, studierte Illustration an der Manchester Metropolitan University und bereiste dann Asien, bevor er 1997 nach London zog. «