Magnus und der Nachtlöwe

  • Bilderbuch
  • Text und Illustration von Sanne Dufft
  • Verlag Urachhaus  März 2017  www.urachhaus.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 32 Seiten
  • Format: 21 x 23,5 cm
  • 13,90 € (D), 14,30 € (A)
  • ISBN 978-3-8251-5113-3
  • ab 4 Jahren

LÖWE  UND  SCHWERT

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Manchmal können symbolische Requisiten Kindern dabei helfen, der Angst mit Mut zu begegnen.

Der kleine Magnus hat einen Hut und ein Schwert, und tagsüber fühlt er sich damit groß und mutig, ja, während seiner Ritterspiele, sogar übermütig. Doch ein nächtlicher Albtraum, in dem ihm im dunklen Wald ein übergroßer Räuber sein Schwert und seinen Hut stehlen will, dämpft seine ritterliche Verwegenheit beträchtlich. Mamas liebevolle Umarmung und ihre beruhigenden Worte spenden Magnus Trost, dennoch ist er ziemlich verzagt.

Illustration Sanne Dufft © Verlag Urachhaus 2017

Am nächsten Tag schenkt ihm seine Großmutter einen Stofftierlöwen und sagt: „Weißt du, manchmal braucht man einen Löwen. Besonders wenn es dunkel ist.“ Magnus freut sich über dieses Überraschungsgeschenk und spielt den ganzen Tag mit dem kleinen Stofftier.

Illustration Sanne Dufft © Verlag Urachhaus 2017

Abends kuschelt er sich mit seinem Löwen ins Bett, und als die Angst vor dunklen nächtlichen Gestalten wiederkommt, ist Magnus nicht mehr alleine, und sein Löwe ist so groß geworden, daß er auf ihm reiten kann. Gemeinsam stellen sie sich der Gefahr und schlagen den Räuber in die Flucht.

Illustration Sanne Dufft © Verlag Urachhaus 2017

Hut und Schwert haben nicht ausgedient, aber der Löwe steckt Magnus am stärksten mit Mut an, und selbst die Dunkelheit schreckt ihn nun nicht mehr.

Illustration Sanne Dufft © Verlag Urachhaus 2017

Die einfühlsamen Illustrationen und die einfachen, kurzen Begleittexte von Sanne Dufft inszenieren die Handlung und die Gefühlsregungen auf alltäglich anschauliche Weise und bieten Kindern breiten Identifikationsspielraum.

Angst vor der Nacht, vor Dunkelheit und vor phantasierten, bedrohlichen Figuren kennt wohl fast jedes Kind. Mit diesem Bilderbuch können Kinder dazu angeregt werden, die Richtung ihrer Vorstellungskraft zu beeinflussen. Sie können von beängstigenden Vorstellungen zu ermutigenden Vorstellungen wechseln. Wenn es dazu der Unterstützung durch ein „magisches“ Stofftier bedarf, so läßt sich dies leicht herbeizaubern.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.urachhaus.de/buecher/9783825151133/magnus-und-der-nachtloewe

 

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Sanne Dufft, geboren 1974, absolvierte in Glencraig, Nordirland, eine Ausbildung zur Heilpädagogin. Anschließend studierte sie Diplom-Kunsttherapie in Nürtingen. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Tübingen. Ihr Debüt Der Sandelefant wurde bereits in mehrere Sprachen übersetzt.«

Querverweis:

Hier geht es zu Sanne Duffts erstem Bilderbuch „Der Sandelefant“, in dem die Macht der Phantasie ebenfalls eine tragende Rolle spielt:  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/10/26/der-sandelefant/

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Rotkäppchen hat keine Lust

  • Bilderbuch
  • von Sebastian Meschenmoser
  • Thienemann Verlag  September 2016     http://www.thienemann.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 21,5 x 28 cm
  • 32 Seiten
  • durchgehend farbig illustriert
  • 12,99 € (D), 13,40 € (A), 18,90 sFr.
  • ISBN 978-3-522-45827-6
  • ab 4 Jahren
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UNGEZOGENES  ROTKÄPPCHEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Als altes Märchen hat man es heute nicht leicht. Immer wieder wird man persifliert, anders interpretiert und illustrativ neu tapeziert! Gleichwohl funktioniert dies nur, wenn man das Original kennt. Also dient es doch dem Erhalt und der wertvollen Weitergabe der Märchenkultur.

Sebastian Meschenmoser, der seine Bilderbücher selber zeichnet und schreibt, ist mir mit seinen genialen Herr-Eichhorn-Bilderbüchern (siehe die unten unter Querverweis eingefügten Besprechungslinks) bereits sehr ans Rezensentenherz gewachsen.

In diesem Bilderbuch beginnt das Märchen mit der Wolfsperspektive. Der Wolf ist einsam, hungrig und verbittert und erinnert sich an das Rezept seiner Großmutter, bei Bitterkeitsgefühlen ein süßes Kind zu verspeisen. Also verläßt er seine schützende Höhle und legt sich am Rande eines Waldweges auf die Lauer.

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Illustration von Sebastian Meschenmoser © Thienemann Verlag 2016

Er feilt noch an einem raffinierten Ansprechspruch, als auch schon ein ziemlich energisch ausschreitendes kleines Mädchen mit rotem Käppchen und Korb vorbeisaust. Auf die Frage des Wolfs, wohin sie denn wolle, antwortet das mürrische Kind, es besuche seine Großmutter zum Geburtstag. Sie beklagt sich, ihr ganzer Sonntag sei verschwendet, weil sie ihre verrückte Oma besuchen müsse, die einsam mitten im Wald wohne, in Gesellschaft zahlloser Hühner und langweiliger Fotoalben.

Galant fragt der Wolf nach den Geschenken, die sie wohl im Korb mitbringe. Als das  Mädchen „einen Ziegelstein, eine Socke und einen Kaugummi“ aufzählt, ist der Wolf entsetzt. Sogleich pflückt er einen schönen, bunten Waldblumenstrauß zusammen und belehrt das ungezogene Enkelkind darüber, was angemessene Geburtstagsgeschenke für eine alte Dame seien. Widerwillig schaut das Rotkäppi zu, wie der Wolf einen Kuchen backt und auch noch eine Flasche guten Weins organisiert.

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Illustration von Sebastian Meschenmoser © Thienemann Verlag 2016

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Illustration von Sebastian Meschenmoser © Thienemann Verlag 2016

Gemeinsam besuchen sie nun endlich die Großmutter, die sich sehr über die schönen Gaben und den haarigen Überraschungsgast freut. Während sich Großmutter und Wolf blendend verstehen, Kuchen und Wein genießen, Fotoalben durchblättern und sich köstlich amüsieren, schmollt das Mädchen vor sich hin, ärgert sich über den aus ihrer Sicht verschwendeten Sonntag und verläßt griesgrämig die heitere Runde.

Spät in der Nacht bringt der Wolf die Großmutter zu Bett und nimmt gerne ihr Angebot an, bei ihr einzuziehen. Von nun an backt er täglich einen Kuchen, die Großmutter zeigt ihm, wie man Socken strickt, und beide hungern fortan weder nach unterhaltsamer Gesellschaft noch nach leckeren Speisen.

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Illustration von Sebastian Meschenmoser © Thienemann Verlag 2016

Und das kleine Mädchen zieht in die verlassene Wolfshöhle und wird eine gefürchtete Räuberin, die jeden Sonntag frei hat …

Auch in seinem neuen Bilderbuch zeigt sich Sebastian Meschenmosers bewundernswerte Gabe, mit Bildern und mit Worten malen zu können. Gestik und Mimik der Charaktere sprechen lebhaft für sich selbst. Der Text umrahmt augenzwinkernd die Zeichnungen und ergänzt humorvoll und märchenironisch, was nicht in Bildersprache dargestellt wird.

Herr Eichhorn muß sich in dieser Geschichte mit einer Rolle als Kulissenfigur bescheiden, aber immerhin hat er zwei Auftritte.

Diese unkonventionelle Märchenversion, in der das Rotkäppchen verwildert und der Wolf vermenschlicht, ist eine amüsante und anregende Bereicherung der Märchenleseperspektive.

Hier entlang zum Buch auf der Verlags-Webseite: http://www.thienemann-esslinger.de/thienemann/buecher/buchdetailseite/rotkaeppchen-hat-keine-lust-isbn-978-3-522-45827-6/

Der Autor und Illustrator:

»Sebastian Meschenmoser wurde 1980 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte freie bildende Kunst in Mainz, lebt und arbeitet in Berlin. Mit „Fliegen lernen“  veröffentlichte er 2005 bei Esslinger sein erstes Bilderbuch, das sofort viel Beachtung fand. Sein zweites Buch „Herr Eichhorn und der Mond“, der erste Band der erfolgreichen Reihe, wurde 2007 für den Jugendliteraturpreis nominiert. Inzwischen erschienen neun Bilderbücher, zuletzt „Gordon und Tapir“, ebenfalls nominiert für den Jugendliteraturpreis 2015 in der Sparte  Bilderbuch.«

Querverweise zu den fünf Herr-Eichhorn-Bilderbüchern:

HERR EICHHORN UND DER MOND
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/19/herr-eichhorn-und-der-mond/

HERR EICHHORN UND DER ERSTE SCHNEE
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/21/herr-eichhorn-und-der-erste-schnee/

HERR EICHHORN UND DER BESUCHER VOM BLAUEN PLANETEN
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/28/herr-eichhorn-und-der-besucher-vom-blauen-planeten/

HERR EICHHORN WEISS DEN WEG ZUM GLÜCK
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/26/herr-eichhorn-weis-den-weg-zum-gluck/

HERR EICHHORN UND DER KÖNIG DES WALDES
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/09/22/herr-eichhorn-und-der-koenig-des-waldes/

Querverweis zu zwei weiteren Rotkäppchen-Bilderbuch-Variationen:

Die Katze, der Hund, Rotkäppchen, die explodierenden Eier, der Wolf und Omas Kleiderschrank:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/24/die-katze-der-hund-rotkaeppchen-die-explodierenden-eier-der-wolf-und-omas-kleiderschrank/

Der liebste Wolf der Welt
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/03/26/der-liebste-wolf-der-welt/

Oma trinkt im Himmel Tee

  • Bilderbuch
  • Text von Fang Suzhen
  • Übersetzung aus dem Chinesischen von Thomas Geiger
  • Illustrationen von Sonja Danowki
  • Nord Süd Verlag   www.nord-sued.com
  • 48 Seiten
  • Fadenheftung
  • 19,99 € (D), 20,60 € (A), 28,90 € sFr.
  • ISBN 978-3-341-10275-2
  • ab 4 Jahren

Oma trinkt im Himmel Tee Titelbild

ZWISCHEN  HIMMEL  UND  ERDE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Sehr feinfühlig und mit leisen Tönen in Wort und Bild vermittelt das Bilderbuch „Oma trinkt im Himmel Tee“, wie ein Kleinkind den Verlust seiner Großmutter verarbeitet und währenddessen sowohl eine zartes Bewußtsein von Vergänglichkeit als auch eine ganz persönliche Form der inneren Verbundenheit entwickelt, die Trost spendet.

Der kleine Xiao Le fährt mit seiner Mutter in das Dorf der duftenden Blumen, um seine Oma zu besuchen. Das Dorf ist weit entfernt, und sie müssen mit dem Zug fahren. Xiao Le freut sich schon darauf, endlich seine Oma wiederzusehen und ihr sein momentanes Lieblingsspielzeug, einen kleinen Bagger, zu zeigen.

Bei der Ankunft fremdelt er zunächst ein bißchen, denn die Oma hat sich sichtbar verändert und liegt krank im Bett. Während die Tochter einige haushalterische Dinge erledigt, schaut sich Xiao Le ein Kindheitsfoto seiner Mutter an, und seine Großmutter erzählt davon, wie die Mutter sich als Kind verhielt.

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Illustration von Sonja Danowski ©

(Alle hier wiedergegebenen Illustrationen sind aus dem Bilderbuch „Oma trinkt im Himmel Tee“ von „Fang Suzhen“, illustriert von „Sonja Danowski© 2015 NordSüd Verlag AG, Zürich / Schweiz)

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Illustration von Sonja Danowski ©

Dann steht sie auf und geht mit ihrem Enkel Hand in Hand in den Garten, und sie spielen vergnügt Tauziehen mit Sauerkleestengeln, und anschließend trinken sie gemeinsam mit der Mutter Tee und essen Kuchen. Schließlich muß sich die Oma erschöpft wieder hinlegen, und Xiao Le sieht, wie seine Mutter mit einer Nachbarin spricht und dabei weint.

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Illustration von Sonja Danowski ©

Xiao Le und seine Mutter fahren wieder zurück nach Hause. Xiao Le wird seine Oma nicht mehr wiedersehen.
(Anklicken vergrößert die Bildansicht)

Seine Mutter erklärt ihm später, daß seine Oma vom Dorf der duftenden Blumen in den Himmel umgezogen sei. Xiao Le fühlt, daß seine Mutter ihre Mutter vermißt, wenn sie gedankenverloren und weinend in den Himmel schaut, und er begreift auch, daß die Entfernung zum Himmel zu groß ist, um sie mit dem Zug zu überwinden.

Für Xiao Le wird der Blick in den Himmel zu einer stillen Verbindung zum himmlischen Alltag seiner Oma. Wenn die Sonne golden leuchtend untergeht, stellt sich Xiao Le vor, daß seine Oma sich im Himmel ein Spiegelei brät, oder wenn der Mond aufgeht, hat seine Oma das Licht angeknipst und wenn es regnet, wäscht sie ihre Wäsche.

Xiao Le ist damit im Einklang, daß seine Oma in unerreichbarer Ferne „lebt“, aber seiner Mutter nimmt er gleichwohl das Versprechen ab, nicht auf die Idee zu kommen, die Oma zum Teetrinken im Himmel zu besuchen …

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Illustration von Sonja Danowski ©

(Alle hier wiedergegebenen Illustrationen sind aus dem Bilderbuch „Oma trinkt im Himmel Tee“ von „Fang Suzhen“, illustriert von „Sonja Danowski© 2015 NordSüd Verlag AG, Zürich / Schweiz)

Einfühlsam hat die deutsche Illustratorin den chinesischen Text in detailreiche Bilder übersetzt, die ein asiatisches Ambiente wiedergeben. Die Zeichnungen von Sonja Danowski sind von erstaunlicher Feinheit, die Darstellung der menschlichen Lebensräume und das anrührend gefühlvolle Minenspiel der Familienmitglieder, die zärtlichen Gesten und die liebevollen Abschiedsblicke bringen das Unausgesprochene, das zwischen den Zeilen schwebt, überaus beredt zum Ausdruck.

Es sind Bilder, in deren feinsinniger Tiefe und transparenter Zwischenmenschlichkeit man geradezu meditativ versinken kann. Die sanftmütige Harmonie, die von diesem Bilderbuch ausstrahlt ist wirklich etwas ganz besonderes.

 

Hier gibt es Einblicke ins Bilderbuch:
http://www.book2look.com/vBook.aspx?id=lff7KVzQai

Die Autorin:

»Fang Suzhen ist eine preisgekrönte taiwanesische Kinderbuchautorin, die Bilderbücher, Märchen und auch Poesie für Kinder schreibt. Ihr Werk umfasst fast 200 Bücher. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin arbeitet Fang Suzhen auch als Übersetzerin und engagiert sich ehrenamtlich als Geschichtenerzählerin und in der Leseförderung.«

Die Illustratorin:

»Sonja Danowski lebt als Illustratorin in Berlin. Bei ihrer Arbeit liegt ein besonderer Fokus auf Bilderbüchern und darauf, mit Bildern menschliche Erinnerungen zu bewahren. Ihre kolorierten Zeichnungen wurden mehrfach international ausgezeichnet.
2013 gewann sie die Goldmedaille beim koreanischen Nami Island International Picture Book Illustration Concours. Diese Auszeichnung führte zur Zusammenarbeit mit dem chinesischen Kinderbuch-Verlag CCPPG.«

Querverweise:

Hier folgen Links zu weiteren Kinderbüchern zu den Themen: Abschied, Tod und Trauer:
Erik und das Opa-Gespenst

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/05/erik-und-das-opa-gespenst/
Kleiner Fuchs Großer Himmel
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/23/kleiner-fuchs-grosser-himmel/
Opa Meume und ich 
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/20/opa-meume-und-ich/
Wie lange dauert Traurigsein?
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/03/wie-lange-dauert-traurigsein/

Ojemine!

  • Bilderbuch
  • Text und Illustration
  • von Iwona Chmielewska
  • Übersetzung von Adam Jaromir
  • Gimpel Verlag   Oktober 2014         www.gimpel-verlag.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • 52 Seiten
  • 19,90 € (D), 20,50 € (A), 34,30 sFr.
  • ISBN 978-3-945359-01-3
  • ab 5 Jahren
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A N S I C H T S S A C H E

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Iwona Chmielewskas Bilderbuch „Ojemine!“ vereint einfache zeichnerische Stilmittel mit warmherzigem Tiefsinn zu einer erstaunlichen Verwandlungsgeschichte, die sowohl optisch wie zwischenmenschlich den Möglichkeitssinn anregt.

Mal eben nicht aufgepaßt – und schon prangt der Brandabdruck des Bügeleisens auf Mutters Lieblingstischdecke. Die alte Tischdecke mit der blauen Stickumrandung stammt noch von der Großmutter und hat großen familiären Erinnerungswert.

Aufgeregt überlegt die Tochter, was nun zu tun sei: Von Fleckentferner über Internetratschläge bis zum Gebet geht dem Mädchen allerlei durch den Kopf; Überlegungen, das Mißgeschick einem anderen Familienmitglied unterzujubeln, tauchen ebenso auf wie der Wunsch, sich mäuschenklein zu verstecken oder eine Weltreise anzutreten.

Rettungsideen, Ausreden und Fluchtgedanken wechseln sich ab, bis das Kind einsieht, daß es besser einfach die Wahrheit sagt und um Entschuldigung bittet. Nach dem Geständis folgt keineswegs ein Donnerwetter der Mutter, sondern eine überraschende Lösung, die den störenden Fleck in eine schöne Zier verwandelt.

Iwona Chmielewska illustriert jeden Einfall des Mädchens, auf den Schaden zu reagieren, indem der Brandfleck der Bügeleisensohle um wenige blaue Kreidestriche ergänzt wird und sich dadurch in eine Flasche, eine Eule, eine Maus, eine Lampe, eine Pfeife, ein Boot usw. verwandelt. So wie die Illustrationen mit wenigen ergänzenden Kreidestrichen auskommen, begnügt sich auch der Begleittext mit wenigen einfühlsamen Worten.

Auf dem Buchdeckel ist der Bügeleisenbrandfleck mit Prägedruck versehen, so daß man ihn ertasten kann. Das verwendete Papier sowohl beim Buchdeckel wie bei den Innenseiten ist außergewöhnlich anschmiegsam, ein sinnlich-angenehmer Qualitätsaspekt, der von Verlagen im allgemeinen nur selten einbezogen wird. Bei diesem Bilderbuch fühlt sich das Papier fast wie der weiche Stoff einer alten, schon oft gewaschenen und gebügelten Tischdecke an.

Dieses Bilderbuch ist ein kleines Wunderwerk, dessen minimalistische Darstellung einen weiten Wahrnehmungshorizont eröffnet und kleine sowie große Leser zu eigenen Verwandlungsversuchen einlädt.

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Die Autorin und Illustratorin:

»Iwona Chmielewska studierte Grafik an der Kopernikus-Universität in Thorn, wo sie heute noch Buchgestaltung unterrichtet. Als Autorin und Illustratorin von fantasievollen Bilderbüchern erfreut sie sich seit Jahren großer Popularität, vor allem in Südkorea, wo sie gar einen eigenen Fan-Club besitzt. Ihre Bücher – mittlerweile sind in Korea zwanzig Titel veröffentlicht – wurden mehrfach mit internationalen Preisen bedacht. Den Bologna Ragazzi Award erhielt sie gleich zweimal: 2011 für ihr House of the Mind – MAUM (Text: Heekyoung Kim), 2013 für ihr Buch Eyes. Für Thinking ABC gab es 2007 den Goldenen Apfel der Internationalen Illustrationsbiennale in Bratislava. Das in Mexiko als Schullektüre empfohlene Blaues Stöckchen / Blaues Kästchenwurde 2005 als das schönste, ins Koreanische übersetzte Buch gewürdigt.
Blumkas Tagebuch, ihr erstes auf Deutsch erschienenes Buch, wurde 2012 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.«

Der GIMPEL Verlag in seinen eigenen Worten:

»Bilderreiche Sprache, ausgereifte Erzählkunst und liebevolle Illustrationen – dafür steht der Gimpel Verlag, den Adam Jaromir und Luca Emanueli 2006 gegründet haben, mit dem festen Vorsatz, ungewöhnliche Bücher zu machen, mit Hand und Fuß, aber auch mit Kopf und Herz.«
www.gimpel-verlag.de

Der GIMPEL Verlag in meinen Worten:

Klein, aber fein, und Klasse statt Masse – dies ist ein Verlagskonzept, das mir sehr gefällt. Ich bin BEGEISTERT, und ich werde auf jeden Fall noch weitere Bücher aus diesem wahrhaft ERLESENEN Programm besprechen. Vorfreude ist also durchaus angebracht … 🙂

Der liebste Wolf der Welt

  • Bilderbuch
  • Text von Agnès Lestrade
  • Illustrationen von Constanza Bravo
  • Übersetzung aus dem Französischen von Marcel Glück
  • Hanser Verlag  2008                                http://www.hanser.de
  • Format: 21 x 26 cm
  • 32 Seiten, 12,90 €
  • ab 5 Jahren
    Der liebste Wolf der Welt

DER  WOLF  IM  GEMÜSEPELZ   

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der Wolf will seinen Speiseplan abwechslungsreicher gestalten, er mag sich nicht mehr so einseitig von Kaninchen und Maulwürfen ernähren, er hat Appetit auf Menschenfleisch. Also zieht er vom Wald in die Stadt, und dort läuft ihm auch gleich ein wohlgenährtes Mädchen über den Weg.

Doch anstatt sich, gelähmt vor Schreck, fressen zu lassen, hält ihm das vorwitzige Mädchen einen Vortrag über Ernährung, ungesundes tierisches Eiweiß und Blutfettwerte sowie über die Gesundheitskraft von Gemüse.

Nun ist der Wolf  fast gelähmt vor Schreck und läßt sich dazu überreden, die Großmutter des Mädchens zu besuchen, die den „schönsten Gemüsegarten weit und breit“  besitzt. Außerdem, so denkt sich der Wolf, könnte er ja das Kind und die Großmutter auffressen, falls das mit dem Gemüseessen nicht funktionieren sollte.

Nach ein paar vegetarischen Tagen nennt ihn das Mädchen den „liebsten Wolf der Welt“. Doch die viele Gartenarbeit, die er für die Großmutter verrichtet, macht ihn ganz schön hungrig, und obwohl die großmütterlichen Gemüsespeisen sehr lecker sind, sättigen sie den Wolfshunger nicht.

Eines Nachts kann er sich nicht mehr beherrschen und frißt alle Kaninchen aus dem Kaninchenstall, in der folgenden Nacht sind die Hühner aus dem Hühnerstall dran, und schließlich will er auch das wohlgenährte Mädchen verspeisen, aber dieses überlistet ihn dermaßen, daß er wieder in den Wald zurückkehrt und die Menschen endgültig satt hat.

„Der liebste Wolf der Welt“ ist eine pfiffige, ernährungslehrreiche Abwandlung des Märchens vom Rotkäppchen.

Die Illustrationen von Constanza Brava spiegeln den augenzwinkernden, ironischen Tonfall der Geschichte durch schräge Perspektiven, ungewöhnliche Proportionen und plakatives Mienenspiel.

Und die Moral von der Geschicht‘:  Der Wolf läßt sich vielleicht zähmen, aber der Wolfshunger nicht!

Die Autorin:

»Die Schweizerin Agnès de Lestrade, wurde früh zum Geschichtenerzählen inspiriert – von ihrer Großmutter, die ihr gern die Geschichte von Rotkäppchen und dem bösen Wolf erzählte.«

Die Illustratorin:

» Constanza Bravo, ist Schweizerin chilenischer Abstammung und studierte an der Hochschule für bildende Künste in Genf, wo sie heute als freie Künstlerin und Illustratorin lebt.«

Meine russische Großmutter und ihr amerikanischer Staubsauger

  • von Meir Shalev
  • Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama
  • Diogenes Verlag   November  2012               http://www.diogenes.ch
  • Taschenbuch
  • 288 Seiten
  •  9,90  €
  •  ISBN 978-3-257-24200-3
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GESCHICHTEN, DIE  SICH  UM GESCHICHTEN RANKEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben, man muß sie nur erzählen, weitersagen und weitergeben. Tatsachen dienen dabei als Rankhilfe für alle möglichen Geschichtenverästelungen, Wörterblütenschmuck und Phantasiefrüchte.

Der israelische Romancier Meir Shalev schöpft für den Roman „Meine russische Großmutter und ihr amerikanischer Staubsauger“ bewegliche Wahrheiten aus dem biographischen Brunnen seiner Vorfahren und Verwandten.

Die Hauptperson ist seine Großmutter Tonia, die Hauptsache ist ein Staubsauger, und die Haupthandlung dreht sich ums Putzen.

Zwischen diesen drei Eckpunkten knüpft Meir Shalev ein facettenreiches, interessantes und menschenkenntnisreiches Geschichtennetz. Die Großmutter erzählt, der Großvater, die Mutter, der Vater, die Onkel, die Tanten: Alle erzählen gern und viel und haben keine Scheu, die tatsächlichen Tatsachen nur als Vorwort für eigenwillige und kreative Ausschmückungen, Ergänzungen, Interpretationen und Variablen der Wahrheit zu nutzen. In Meir Shalevs Buch kommen sie alle zu Wort, und so mäandern um die Geschichte des Staubsaugers viele Nebengeschichten, die jedoch einen anschaulichen und sinnvollen Beitrag zum Gesamtbild liefern.

Nebenbei bemerkt: Aus diesem Geschichtenkomposthaufen und dieser familiären Erzähltradition mußte  ja ein Schriftsteller hervorwachsen!

Ich bringe nun den „shalevschen“ Einleitungsrefrain zum Einsatz.  „Die Sache war so“ : Großmutter Tonia wanderte in den zwanziger Jahren aus dem ukrainischen Dorf Rokitno nach Israel ein, in die Jesreel-Ebene, in das  Dorf Nahalal.

Nahalal war der erste „Moschaw“. Die genossenschaftliche ländliche Siedlungsform des Moschaw erlaubt im Gegensatz zum Kibbuz Privatbesitz und eine individuelle, familiäre Haushaltsführung.

Tonia heiratete ihren verwitweten, 14Jahre älteren Schwager Aaron und gebar zwei Töchter und drei Söhne. Eine dieser Töchter war Meir Shalevs Mutter. Großvater Aaron und Großmutter Tonia bewirtschafteten einen Bauernhof. Die Lebensbedingungen waren einfach, und die Arbeitsbedingungen verlangten schweren körperlichen Einsatz. Erst im Jahr 1936  bekam das Dorf eine Stromversorgung, und Großvater Aaron und Großmutter Tonia zogen von ihrer Holzbaracke in ein richtiges, neugebautes Wohnhaus um.

Mit dem Einzug ins Haus begann Tonias Putzfimmel, zunächst harmlos mit Schonläppchen auf den neuen Türklinken und der Vorschrift für das kleine Geschäft, nicht das WC zu benutzen, sondern Großvaters speziellen Zitrusbaum im Garten zu bewässern.

Die klimatischen Bedingungen in Nahalal bedeuteten im Winter Schlamm und Matsch und im Sommer Staub über Staub. Dies machte es einer Sauberkeitsfanatikerin nicht leicht, ihren Anspruch durchzusetzen. Alltäglich wurde der Fußboden mit einem Lappen naß gewischt und das Putzwasser so lange gewechselt und der Aufwischvorgang so oft wiederholt, bis das Putzwasser glasklar und absolut lichtdurchlässig war – ein Frondienst, von dem Großmutter Tonias Töchter ein Lied singen können, da sie natürlich beim Kampf gegen den Schmutz von ihrer Mutter zum frühmorgendlichen Putzen zwangsverpflichtet wurden.

Großvater Aaron hatte einen älteren Bruder, Jeschajahu, der es vorgezogen hatte, nach Amerika auszuwandern, und der dort ein erfolgreicher Geschäftsmann wurde. Da er von der schwierigen wirtschaftlichen Lage der Pioniere in Palästina wußte, schickte er einen Brief, gefüllt mit Dollars an seinen jüngeren Bruder, um ihm zu helfen. Doch der sture, sozialistische Landwirt lehnte das „kapitalistische Diasporageld“  ab und sandte es mit „einigen ideologischen Zurechtweisungen“  wieder an den Absender zurück. Nach mehrfachen vergeblichen Reisen von Briefen und Dollars zwischen Amerika und Nahalal war dann auch Jeschajahu beleidigt und sann auf eine raffinierte Rache.

Nachdem das Gerücht über Tonias Putzzwang bis nach Amerika in Jeschjahus Ohren gelangt war, kam die Gelegenheit zur Rache. Jeschajahu kaufte  den „größten, schwersten, stärksten und besten Staubsauger“, den Amerika zu bieten hatte, und schickte ihn  seiner Schwägerin, wohlwissend, daß seine Verwandten es sich nicht leisten konnten, dieses Geschenk zurückzuschicken.

Wie dieses Geschenk, diese konspirative Luxusputzhilfe von Großmutter Tonia behandelt wurde, überlasse ich nun gerne Ihrer Leseneugier oder sage, wie Tonia befehlen würde: „Lest mir dieses Buch!“

Sprachlich besonders reizvoll und amüsant sind die familientypischen Redewendungen und die grammatischen Eigenwilligkeiten der Großmutter, die der Autor stilistisch aufgreift und mit denen wir als Leser bald ganz selbstverständlich und vertraut auf  Du sind. Ein paar liebenswürdige und schmackhafte Prisen Jiddisch bekommen wir außerdem serviert.

Die Figuren dieses Romans erscheinen so echt, leibhaftig und greifbar lebendig, daß man nach Beendigung der Lektüre das Gefühl hat, sie wirklich kennengelernt zu haben. Das liegt nicht nur daran, daß es wirkliche Menschen sind und wir auch einige Photographien zur Illustration angeboten bekommen, sondern an der malerischen, sinnlichen, warmherzigen und humorvollen Erzählweise. Shalevs Erzählton hat eine starke Ausstrahlung, die sich dem Gedächtnis lebhaft einprägt und die Leseerfahrung beinahe in Lebenserfahrung verwandelt.

Die Passage, in der Meir Shalevs Mutter mit Bleistift und Globus die Reiseroute des Putzfimmelgerüchtes nacherzählt, ist märchenhaft schön und witzig.

Aus dem langen Lieferweg eines Staubsaugers eine kurzweilige, spannende Heldenreise zu machen bezeugt Shalevs glaubwürdige Phantasiebegabung.

Und auch die Belehrung über das richtige und geschlechtsspezifische Auswringen des Putzlappens auf Seite 84 hat eine gewisse pragmatische Faszination, die mir ein unwillkürliches Schmunzeln entlockte und mich  –  das gebe ich gerne zu  –  in Versuchung führte, diese Anleitung praktisch zu überprüfen.

Von herrlicher historischer Selbstironie sind z.B. die einfühlsam nachempfundenen Gedanken und Gefühle des versammelten Moschaw-Dorfpublikums beim Anblick des Staubsaugerkartons mit der fast lebensgroß aufgedruckten, aufgedonnerten, mit Nagellack und Lippenstift bewaffneten amerikanischen Hausfrau.

Ein ganz großes Lob hat auch das Titelbild verdient: es gibt  wirklich die Werbeverpackung des sagenhaften Staubsaugers wieder; oder jedenfalls entspricht die Illustration exakt der Beschreibung, die der Autor uns ausführlich ausgemalt hat.

Und nun folgt noch ein Zitat (der letzte Satz des Romans), mit dem ich Meir Shalev das Schlußwort überlasse:

„Denn das ist wichtig: Der Wahrheit treu bleiben, auch wenn sie einem nicht die Treue hält, sie mit Verstand auswringen, nicht wie ein Mann, sondern wie eine Frau, und sie in Geschichten erzählen und diese gegen das Licht halten und gründlich prüfen, immer wieder, bis sie richtig sind – wirklich klar und sauber.“

Der Autor:

»Meir Shalev wurde 1948 in Nahalal in der Jesreel-Ebene geboren. Er studierte Psychologie und arbeitete viele Jahre als Journalist, Radio- und Fernsehmoderator. Inzwischen ist Meir Shalev einer der bekanntesten und beliebtesten israelischen Romanciers. Er lebt mit seiner Familie in Jerusalem und in Nord-Israel.«

Oma und die 99 Schmetterlinge

  • Text und Illustrationen
  • von Anna Marshall
  • 32 Seiten, 21,5 x 28 cm
  • Bilderbuch 
  • Arena Verlag 2012             http://www.arena-verlag.de
  • 978-3-401-09890-6
  • 12,99 €
  • ab 5 Jahren

978-3-401-09890-6.jpg Oma und die 99 Schmetterlinge

FLÜGELSTAUBBUNT

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Für die Schmetterlinge, die uns vorausgeflogen sind.“

So lautet die Widmung der Autorin und Illustratorin von „Oma und die 99 Schmetterlinge“, und bereits hier zeigen sich die Achtsamkeit, Würdigung und Weite, die dieses Bilderbuch auszeichnen. Es ist ein Buch mit sprechenden Bildern und mit viel Liebe zwischen den Zeilen.

In diesem Bilderbuch erzählt die kleine Enkelin liebevoll von ihrer Oma. Die beiden machen es sich auf dem Sofa oder mit dicken Kissen auf dem Boden gemütlich, und die Großmutter teilt ihre zerstreuten Erinnerungen mit der Enkelin. In kindlicher Selbstverständlichkeit bewertet die Enkelin die Vergeßlichkeit und Verwirrung ihrer Oma nicht, sondern läßt sie einfach so sein.

Sie schauen sich alte Fotos und Urlaubsandenken an, und die Oma erzählt, daß sie einst als Schulmädchen heimlich Schmetterlinge gezüchtet habe. Manchmal verliert sie den Faden, aber die Enkelin folgt ihr auf den Flügeln der Phantasie einfach in die vermischten Zeiträume.

Die Illustrationen zum Text greifen die Überschneidungen dieser Zeiträume bildgestalterisch auf;  so wird z.B. die Erinnerung der  Großmutter an die Freilassung der Schmetterlinge im einstigen Klassenzimmer mit kleinen, in die bunten Zeichnungen eingefügten Sütterlinschriftstückchen kombiniert.

Im Verlauf der Geschichte verliert sich die Großmutter immer mehr. Die Enkelin begleitet sie weiterhin mit offenem Herzen, und sie ahnt auch, daß der endgültige Abschied von ihrer Oma nicht mehr fern ist. Aber sie verfügt zugleich über die innere Gewißheit, daß sie ihre Oma immer in bester schmetterlingsbunter Erinnerung behalten wird, und so endet die Geschichte mit einer seelischen Flügelspannweite, die tröstlich stimmt.

Anna Marshalls Mischtechnik aus bunten Zeichnungen mit vereinzelten, sehr geschickt eingearbeiteten Collagenelementen und der etwas schrägen Perspektive ist außergewöhnlich reizvoll. Die dezent bunte Farbgebung, die ich in Anlehnung an das Schmetterlingsmotiv gerne flügelstaubbunt nennen möchte, paßt sehr schön zur empfindsamen, zarten und schwebenden Sprache der Geschichte.

Hier ist die Harmonie von Tiefsinn und Leichtigkeit sowie von Bildersprache und Erzählton wunderbar gelungen.

 

PS:
„Oma und die 99 Schmetterlinge“ gewann 2011 den »Meefisch« -Preis. Alle zwei Jahre wird von der Stadt Marktheidenfeld  der »Meefisch« -Preis für das beste unveröffentlichte Bilderbuch  im deutschsprachigen Raum verliehen. Der Arena-Verlag ist seit 2009 der offizielle Kooperationspartner des » Meefisch« -Preises und veröffentlicht den Siegertitel. So kam es, daß dieses feine Bilderbuch den Buchmarkt überhaupt erst erreichen konnte. Gut so!