Der kleine rote Pullover

  • Text: Brigitte Weninger
  • Illustration: Katharina Sieg
  • Annette Betz Verlag, 2. Auflage 2018  www.annettebetz.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format:22 x 28 cm
  • 32 Seiten
  • 14,95 € (D), 15,40 € (A)
  • ISBN 978-3-219-11740-0
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

P U L L O V E R P E R S P E K T I V E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

In dieser verschneiten Wintergeschichte erfährt ein kleiner roter Kinderpullover eine rege Nutzung durch verschiedene Tiere, bis er schließlich wieder zu seinem Besitzer zurückfindet.

Zunächst „klauft“ der Rabe den roten Pullover von der Wäscheleine der Försterfamilie. Er fliegt mit seinem Fang zum familiären Nest und will seiner Rabengattin das „Wollding für Zweifüßler“ als Nestbedachung andienen. Diese lehnt es jedoch wegen der auf- fälligen Farbe ab, und so landet der Pullover im Schnee zu Füßen des Nistbaumes.

Dort greift sich ein Hase diesen willkommenen Ohrenwärmer, stülpt die Ärmel über seine Ohren und krempelt den Bund des Pullovers über seiner Stirn nach oben. Doch beim Herumhoppeln rollt sich der Bund wieder auf und verdeckt des Hasen Augen, was zu einem Zusammenstoß mit einem Baumstamm führt.

Dadurch weckt er ein Eichhörnchen aus dem Winterhalbschlaf. Der Hase entschuldigt sich für die Störung und weist auf das Wollding hin, das ihm die Sicht versperrt habe. Das Eichhörnchen übernimmt daraufhin den Pullover als Tragebeutel für seine Kiefern- zapfenvorräte; doch dafür ist der Pullover auch nicht so recht tauglich. Also wirft das Eichhörnchen das unbrauchbare Wollding weg.

© Brigitte Weninger aus »Der kleine rote Pullover«, Annette Betz in der Ueberreuter Verlag GmbH, Berlin 2017

So strandet der kleine rote Pullover bei einem Fuchsmädchen, das ihn als Rock auspro-biert und dann wegen farblicher Dissonanzen wieder ablegt. Danach dient der Pullover einer Maus mit vier Kindern als übergangsweise Wohnhöhle für eine Nacht. Als die Mäuse am nächsten Morgen eine neue Bleibe in einem verlassenen Maulwurfshügel finden, bleibt der Pullover wieder verlassen im Schnee liegen.

Schließlich geht der Förster mit einer Ladung Wildfutter durch den Wald und findet den kleinen roten Pullover seines Söhnchens. Schmunzelnd betrachtet er die Spuren, die sich in den Maschen verfangen haben: Rabenfedern, diverse Tierhaare, Reste von Kiefernsamen und einige Mäuseköttel. Er fragt sich, was mit dem Pullover geschehen sei, aber der kleine rote Pullover schweigt sich aus und denkt sich wohl, daß die Spuren, die an ihm haften, genug erzählen.

© Brigitte Weninger aus »Der kleine rote Pullover«, Annette Betz in der Ueberreuter Verlag GmbH, Berlin 2017

Diese Geschichte wird von Brigitte Weninger auf eine heiter-warmherzige Weise erzählt; lebhafte Dialoge zwischen den verschiedenen Findern bringen Schwung in die einfache Handlung, und die ebenso verspielten wie winterwaldig-atmosphärischen Illustrationen von Katharina Sieg berei- chern die Szenen um gemütliche Tiernestinterieurs und amüsante Details. So zeigt etwa die Rabenfrau ihrem Rabenmann mit einer Flügelgeste den Vogel und die bemützten Rabenkinder veranstalten eine Schneeball- schlacht, während ihre Eltern den Nutzen des Wolldings diskutieren.

 „Der kleine rote Pullover“ zeigt uns, daß ein Pullover, der für Menschen einfach nur ein Pullover ist, für Tiere offenbar gänzlich anderen Zwecken dienen kann – dies ist auch für Kinder eine spielerische Anregung, Dinge einmal anders zu betrachten als gewohnt.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.ueberreuter.de/produkt/der-kleine-rote-pullover/

 

Die Autorin:

»Brigitte Weninger arbeitete 20 Jahre lang als Kindergartenpädagogin, bevor sie sich 1999 als Autorin selbständig machte. Seither sind rund 60 Kinderbücher erschienen, die in 35 Sprachen übersetzt wurden. Ihre 13-teilige PAULI-Serie (illustriert von Eve Tharlet) wurde weltweit 4 Millionen Mal verkauft. Brigitte Weninger lebt mit ihrer Familie in Kufstein.«  https://www.brigitte-weninger.at/

Die Illustratorin:

»Katharina Sieg, geboren 1982 in Lippstadt, studierte Illustration in Hamburg, wo sie heute als freischaffende Illustratorin lebt. Am liebsten illustriert sie Kinderbücher, z.B. als Mitglied der Gruppe Krickelkrakel. Ihr Werk ist von lustigen, verträumten und charman-ten Figuren bevölkert, ihre Bilder stecken voll witziger und überraschender Ideen.   http://www.katharina-sieg.de/  «

Querverweis:

Ergänzend bietet sich das Bilderbuch „Ein Märchen im Schnee“ von Loek Koopmanns an, in dem nacheinander eine Maus, ein Frosch, ein Hase, ein Fuchs, ein Wildschwein und ein Bär in einem verlorenen Handschuh Schutz vor der Winterkälte finden.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/23/ein-marchen-im-schnee/

 

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Das geheime Leben der Bäume

  • Was sie fühlen, wie sie kommunizieren –
  • die Entdeckung einer verborgenen Welt
  • von Peter Wohlleben
  • Hörbuch
  • gelesen von Roman Roth und Peter Wohlleben
  • vollständige Lesung
  • Produktion: der Hörverlag 2015/16
  • erschienen im Hörverlag Oktober 2016   www.hoerverlag.de
  • Buchvorlage: Ludwig Verlag
  • 6 CDs in Pappschachtel
  • Laufzeit: ca. 6 Stunden, 54 Minuten
  • 19,99 € (D), 22,50 € (A), 28,50 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-2477-2
    Das geheime Leben der Baeume von Peter Wohlleben

B A U M S C H U L E

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Peter Wohlleben führt uns mit Gefühl, Verstand und Sinnlichkeit durch den Wald und lehrt uns das Staunen. Er doziert nicht, er erzählt!

Aktuelle naturwissenschaftliche Erkenntnisse werden von ihm sehr eingängig- komprimiert wiedergegeben und um seine langjährigen persönlichen Erfahrungen als Förster kurzweilig ergänzt.

Hätten Sie gewußt, daß Buchen gerne kuscheln? Ja, auch wenn sie sehr nahe beieinanderstehen, konkurrieren sie keineswegs miteinander um Nährstoffe, Licht und Wasser, sondern bei Bedarf füttern sie sich wechselseitig – über das komplexe unterirdische Wurzel- und Pilzfädchensystem – mit Glucoselösung. Buchenkinder stehen sehr lange im Schatten ihrer Mutter, weshalb sie nur langsam wachsen können. Doch diese „Erziehung durch Lichtdrosselung“ führt zu wesentlich stabilerem Wachstum und somit auf lange Sicht zu überlebenstüchtigeren Buchen.

Bäume kommunizieren über Duftstoffe und über chemische sowie elektrische Signal-übertragungen miteinander. Werden beispielsweise die Blätter eines Baumes von Raupen angefressen, so teilt der befallene Baum dies seiner Nachbarschaft über Duftsignale mit. Sowohl der befallene Baum wie auch die benachbarten verändern daraufhin die chemische Zusammensetzung des Pflanzensafts in ihren Blättern – was von Bitterstoffen bis hin zu  insektenspezifischen Giftstoffen reicht. Darüber hinaus verfügen Bäume auch über besondere Rettungslockdüfte, um natürliche Freßfeinde der angreifenden Insekten herbeizurufen.

Auch unterirdisch wird lebhaft kommuniziert. Ein Teelöffel Waldboden enthält mehrere Kiometer Pilzhypen. Der Vergleich dieser Pilzfäden mit der Glasfaservernetzung des Internets liegt nahe. Tatsächlich spricht man inzwischen schon vom „woodwideweb“.

Peter Wohlleben beschreibt die Bäume mithin nicht als isolierte Einzelwesen, sondern als Teil einer Lebensgemeinschaft. Dazu gehören auch Waldtiere, konkurrierende sowie kooperative Verhältnisse zwischen Bäumen und anderen Pflanzen sowie der erst zu einem kleinen Teil erforschte Mikrokosmos des Waldbodens. Die Mikroorganismen, die an der „Schnittstelle von Werden und Vergehen“ ihre wertvolle, unsichtbare Arbeit verrichten, werden ebenso gewürdigt wie Klimarelevanz, Luftfilterwirkung, Wasser- und CO₂-Speicherkapazität der Bäume.

Schädliche menschliche Eingriffe in den Gleichgewichtsorganismus Wald werden fundiert kritisiert und sinnvollen Maßnahmen zur ökologischen Bewirtschaftung, zum Schutz, Erhalt und zur Reanimierung heimischer Urwälder gegenübergestellt.

Egal welchem Detail sich der Autor widmet, stets ist seine Darstellung faszinierend, anschaulich und geradezu spannend, und stets fügen sich die Einzelheiten zu einer ganzheitlich Einheit.

Peter Wohllebens Buch „Das geheime Leben der Bäume“ ist ein wahrer Lichtblick in der Vermittlung von Wissen über Wald und Bäume. Seine einfühlsame, naturliebhaberische Haltung ist in jeder Zeile zu spüren und dürfte vielen Lesern/Hörern eine lebensdienliche Baumperspektive eröffnen.

Die Hörbuchversion enthält eine Bonus-CD, auf der Peter Wohlleben von seinem beruflichen Werdegang erzählt. Dies ist eine interessante Zugabe – im O-Ton -, die sehr authentisch davon berichtet, wie ein Mensch seiner Berufung folgt und nicht damit aufhört, von den Bäumen zu lernen.

Hier geht es zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Das-geheime-Leben-der-Baeume/Peter-Wohlleben/der-Hoerverlag/e514159.rhd

Das geheime Leben der Baeume von Peter WohllebenDie Buchausgabe ist im Mai 2015 beim Ludwig Verlag erschienen: Das geheime Leben der Bäume
Was sie fühlen, wie sie kommunizieren –
die Entdeckung einer verborgenen Welt
von Peter Wohlleben
gebunden, mit Schutzumschlag, 224 Seiten
19,99 € (D), 20,60 € (A), 26,90 sFr.
ISBN 978-3-453-28067-0
Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe:
https://www.randomhouse.de/Buch/Das-geheime-Leben-der-Baeume/Peter-Wohlleben/Ludwig/e478046.rhd
Seit Oktober 2016 gibt es das Buch zusätzlich als Bildband: https://www.randomhouse.de/Buch/Das-geheime-Leben-der-Baeume/Peter-Wohlleben/Ludwig/e502460.rhd

 

Der Autor:

»Peter Wohlleben, Jahrgang 1964, wollte schon als kleines Kind Naturschützer werden. Er studierte Forstwirtschaft und war über zwanzig Jahre lang Beamter der Landesforstverwaltung. Um seine ökologischen Vorstellungen umzusetzen, kündigte er und leitet heute einen umweltfreundlichen Forstbetrieb in der Eifel, den er zu einem urwaldähnlichen Laubwald zurückgeführt hat. Er ist Gast in zahlreichen TV-Sendungen, hält Vorträge und Seminare und ist Autor von Büchern zu Themen rund um den Wald und den Naturschutz. Im Ludwig Verlag erschien 2016 sein Bestseller „Das Seelenleben der Tiere“.«  http://www.wohllebens-waldakademie.de

Der Vorleser:

»Roman Roth, geboren 1980 in Frankfurt am Main, hat über Umwege zu seiner jetzigen Tätigkeit als Schauspieler und Sprecher gefunden. Nach dem Abitur absolvierte er zunächst eine Lehre als Bankkaufmann. Nach ersten Erfahrungen als Schauspieler entschied er sich 2006 für eine Ausbildung an der Westfälischen Schauspielschule Bochum. Er übernimmt regelmäßig Rollen in Theater, Film und Fernsehen, spielte u.a.    in dem Spielfilm Der letzte Zug. Seit 2012 lebt er als freischaffender Schauspieler in Berlin.«

Querverweis:

Hier entlang zu Peter Wohllebens Buch „Das Seelenleben der Tiere“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/01/30/das-seelenleben-der-tiere/
und zu Christopher D. Stones Klassiker des Umweltrechts „Haben Bäume Rechte?“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/06/18/haben-baume-rechte/

 

PS:
Schon mein Leben lang habe ich ein inniges Verhältnis zu Bäumen. Was dabei herauskommen kann, wenn man Bäumen zuhört, mag ein Poem illustrieren, das ich meiner alten Lieblingsbuche abgelauscht habe:

 

BAUMSCHULE

 

Ich sehe was
was Du nicht siehst
sagt mir der Baum
mit einer Hand in der Erde
mit der Anderen im Himmel
aus meinem Holz
sind Türen gemacht
die sich nur nach innen öffnen
komm näher Menschlein
hier lernst Du was fürs Leben
verlier ruhig ein bißchen
den Verstand
und laß Dich ein
sieh nur
hör nur
spüre
und vergiß es nie
auch in Deinem Körper
schlägt das Herz der Erde

 

Ulrike Sokul©
10/ 1995

 

 

 

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