Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman

  • Roman
  • von Laurence Sterne
  • Übersetzung: Michael Walter
  • HÖRSPIEL
  • 9 CDs
  • Gesamtlaufzeit: 7 Stunden 36 Minuten
  • erschienen beim Hörverlag, November 2015     http://www.hoerverlag.de
  • 39,99 € (D), 39,99 € (A), 55,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-1943-3
  • Hörspielbearbeitung und Regie: Karl Bruckmaier
  • Die Rollen und ihre Sprecher:
    Tristram Shandy: Stefan Merki       Vater: Peter Fricke      Mutter: Anna Drexler
    Onkel Toby: Hans Kremer               Doktor Slop, Buchhändler: Helmut Stange
    Korporal Trim: Michele Cuciuffo    Slawkenbergius: Wolfgang Hinze
    Obadiah: Johannes Herrschmann     Witwe Wadman: Helga Fellerer    u.v.a.
  • Musik: Robert Forster, Robert Coyne, Chris Cutler
  • Produktion: Bayerischer Rundfunk/Hörspiel und Medienkunst 2015

EIN  FAMOSES  VERGNÜGEN

Hörspielbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Schriftstellerei – so sie denn recht betrieben – ist nur eine andere Bezeichnung für Konversation.“

Dieses Zitat von Laurence Sterne möge uns als Einstimmung einen buchstäblichen Vorgeschmack auf sein köstlich-kluges, unkonventionelles Meisterwerk „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“ geben.

Eine neunbändige Lebenserzählung, die dermaßen assoziativ im Zickzack herumhüpft, ist nicht leicht zusammenzufassen. Deshalb lasse ich das auch ganz einfach; gleichwohl werde ich Sie ein wenig in Laurence Sternes Tinte tunken, damit Sie nicht gänzlich ahnungslos bleiben.

Der Held und Ich-Erzähler Tristram Shandy lebt und schreibt im 18. Jahrhundert und unternimmt den ziemlich vergeblichen Versuch, uns seinen Lebenslauf zu erzählen. Zwar beginnt er recht folgerichtig und – in Anbetracht der Epoche (der erste Band erblickte im Jahre 1759 das Licht der Öffentlichkeit) – unbefangen ausführlich mit der Schilderung seiner Zeugung. Doch im Anschluß daran folgen umfängliche Exkurse in die shandysche Familiengeschichte und diverse ehevertragliche Segnungen, Abschweifungen zu Ballistik, Medizin, Philosophie, Theologie, dem Nutzen von Hilfsverben, zur Züchtigkeit und Unzüchtigkeit von Knopf- und Schlüssellöchern, quietschenden Türen, Abzweigungen zur herausragend-eindeutigen Zweideutigkeit von Nasen und zum nicht zu unterschätzenden, schicksalhaft-charakterformenden Einfluß, den Namen unweigerlich auf die Lebensgestaltung haben.

Ergänzt wird dieses Panoptikum um liebevoll-lebhafte Charakterstudien von Mutter und Vater sowie Onkel Toby und seinem Korporal Trim, nebst dazugehörigen Anekdoten und Gedankensprüngen. Auch die Beziehungsdynamik zwischen Herr und Diener und allerlei ehetrauliche Petitessen und Regelmäßigkeiten werden mit ausschweifender Eloquenz ausgewalzt, bis man den ursprünglichen Erzählfaden längst aus den Augen verloren hat.

Das ist aber nicht weiter schlimm, sondern tatsächlich durchaus unterhaltsam und sehr ereignisreich, insbesondere weil der Autor häufig metafiktiv ins Geschehen eingreift und beispielsweise eine Figur lauschend an der Tür stehen läßt, um uns wieder irgendeine Vorgeschichte oder einen Zusammenhang zu erklären, und erst viel später wieder zur Ausgangsszene zurückkehrt, um sich in direkter Ansprache an den Leser dafür zu entschuldigen, daß es etwas länger gedauert habe.

Ja, er scheut sich auch nicht, ganze Kapitel einfach mit ein, zwei Sätzen abzuhandeln oder sie gar ganz herauszureißen, was sich im Hörspiel selbstverständlich akustisch schön – Ritsche-Ratsche – inszenieren läßt. So erfährt man lediglich indirekt von einem Kapitel über Hebammen, Knebelbärte, Kammerjungfern, Pfuis und gar einem Kapitel über Kapitel.

En passant beklagt sich der Autor lebhaft darüber, daß sein noch so eifrig-eilendes Schreibbemühen seinen Lebenslauf einfach nicht einholen kann, wofür er seine Leser und Rezensenten ausrücklich um Geduld und Nachsicht bittet. So weit, so kurios.

Der Vater, Walter Shandy, ist ein wohlhabender Gutsbesitzer und Kaufmann, lebens- und reiseerfahren, naturwissenschaftlich und philosophisch durchaus gelehrt und sehr belesen in antiken Klassikern, aber auch auf Lesedu mit Cervantes, Montaigne, Swift, Rabelais usw. In praktischen Dingen ist er allerdings alltagsuntauglich und schafft es nicht einmal, ein jämmerlich quietschendes Türscharnier ölen zu lassen, ganz zu schweigen von seinem erziehungstheoretischen Meisterwerk, seiner Tristra-Paedia, die er so langsam verfaßt, daß sie gar nicht ernsthaft zur Anwendung kommen kann.

Onkel Toby ist ein zartfühlender, gutmütiger, geradezu unschuldslammhafter Hauptmann, der bei der Belagerung von Namur eine „Blessur an der Schamleiste empfing“ und nach langer Genesungszeit und ausgiebigen theoretischen Ballistik- und Festungsbaustudien seinen militärischen Eifer nun bei nachgestellten Modellbau-belagerungen im Garten auf einem Boselplatz – auf einem Steckenpferd reitend – austobt, zusammen mit seinem ehemaligen Burschen Korporal Trim, der inzwischen sein aktueller Kammerdiener, Modellbaumeister, Materialbeschaffer und Spielgefährte beim Steckenpferdreiten auf dem Boselplatz ist.

Als Onkel Toby, der nicht den blassesten Schimmer hat, wo „das richtige oder falsche Ende einer Frau“ sei, sich in die benachbarte Witwe Wadman verliebt hat und um sie wirbt, ist seine Blessur an der Schamleiste Anlaß für unaussprechliche, weibliche Spekulationen und Neubegierden bezüglich gewisser ungehöriger Einzelheiten der familienplanerischen Art …

Vorgeschichten von Vorgeschichten, umständliche Umstände, innere Befindlichkeiten und äußere Gegebenheiten, kuriose Zufälle und dramatische Mißgeschicke, emotionale und ideelle Über- und Unterempfindlichkeiten, Mißverständnisse und Verlegenheiten, Hinderlichkeiten, verfluchenswerte Verknotungen, Weis- und Albernheiten, assoziative Überleitungen, literarische Anspielungen sowie vielfache Zweideutigkeiten, führen uns auf neue Erzählwege und vor allem Nebenwege – nur eine chronologische, gerade Linie liefert uns Laurence Sternes Textgespinst nicht. Doch gerade diese Unberechenbarkeit ist reizvoll und spannend, man errät nie, was als nächstes geschieht.

Laurence Sterne überschreitet gekonnt, galant-pikant und heiter-freizügig die üblichen Grenzen geschriebener Prosa. Das umfängliche Begleitheft zum Hörbuch liefert interessante Zusatzinformationen zu Sternes Schreibstil. So bleibt etwa eine Seite gänzlich weiß und unbedruckt, damit der Leser nach eigener Imagination einen Charakter zeichnen möge, oder eine Seite wird – als Zeichen unaussprechlicher Trauer – gänzlich schwarz gefärbt.

Neben Hufgetrappel, Kutschfahrtenlärm, Peitschenknallen, Bettfedern- und Türenquietschen, Stöhnern und Seufzern und Uhrenticken sowie Pfiffen und Zwischenfragen kann die Hörspielbearbeitung mit wohlintegrierten, plaudertonigen Fachkommentaren (u.a. vom Übersetzer Michael Walter selbst) und sozialhistorischen Erklärungen aufwarten, die dem Verständnis des modernen Lesers/Hörers dienlich sind. Fünf eigens für dieses Hörspiel zubereitete popmusikalische Lieder als moderne Zugaben fügen sich ebenfalls erstaunlich harmonisch und stimmungsillustrierend in den Verlauf des diskontinuierlichen Geschehens ein.

Aus dem Stegreif könnte ich keinen Roman benennen, in dem die Figuren beredter aneinander vorbeireden als in „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“. Dieses schelmische Stilmittel bietet sich selbstver-ständlich in besonderer Weise für eine Hörspielfassung an, da es sich mit der entsprechenden Schauspielkunst wunderbar verstimmlichen läßt.

Alle Sprecher dieser Hörspielinszenierung artikulieren ganz hervorragend: Einfühlsam, fein akzentuiert und hörbar spielfreudig kommen ihnen  altertümliche Wortwendungen und all die sprachlichen Umgangsförmlich-keiten des Erzens, Siezens und Ihrzens so leicht von den Lippen, als hätten sie ihrer Lebtag niemalen anders gesprochen.

Mich hat dieses Hörspiel fürwahr derart auf den Geschmack gebracht, daß ich nach der famos vergnüglichen Auditüre gerne durch augenscheinliche Lektüre vertiefend in die Materie dieses unkonventionellen Klassikers einzutauchen wagen möchte.

Zum Ausklang noch ein Zitat aus der Feder Laurence Sternes, das – so will ich meinen – eine sehr treffliche Selbstreflexion seiner Schreibkunst ist und ein Paradebeispiel für Laurence Sternes geistreichen Humor, seinen formvollendeten Satzbau und sein augenzwinkernd-selbstironisches Verhältnis zum Lesepublikum:

„Schriftstellerei – so sie denn recht betrieben – ist nur eine andere Bezeichnung für Konversation. Wie keiner, der den Benimm in guter Gesellschaft kennt, sich erdreisten würde, alles auszuplaudern, so würde kein Autor, der die geziemenden Grenzen des Dekorums mit der feinen Lebensart begreift, sich erkühnen, alles auszuplaudern.
Den aufrichtigsten Respekt zollt man dem Verstande des Lesers und Hörers, wenn man in dieser Hinsicht mit ihm freundschaftlich teilt und seiner Imagination so gut wie der eigenen etwas zu tun gibt. Ich für meinen Teil lasse ihn Höflichkeitsbezeigungen dieser Art immerzu angedeihen und tue alles, was in meinen Kräften steht, um seine Imagination ebenso beschäftigt zu erhalten wie die meinige.“

 

Eine pikante Hörprobe können Sie sich unter nachfolgendem Link ablauschen:
http://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Leben-und-Ansichten-von-Tristram-Shandy,-Gentleman/Laurence-Sterne/der-Hoerverlag/e485207.rhd

 

Buchausgabe:

Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman    Sterne_Tristram Shandy
von Laurence Sterne
Roman
Verlag Galiani Berlin
Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert von
Michael Walter
Mit einer Dokumentation zur Entstehung des Romans,
einem Nachwort und einer Bibliographie
von Wolfgang Hörner
848 Seiten, Klappenbroschur
24,99 € (D) 25,70 € (A)
ISBN 978-3-86971-119-5
Link:  http://www.galiani.de/buch/leben-und-ansichten-von-tristram-shandy-gentleman/978-3-86971-119-5/

Der Autor:

»Laurence Sterne, geboren 1713 in Irland, studierte als Urenkel eines englischen Erzbischofs in Cambridge Theologie. Als Landgeistlicher war er für eine Pfarrei in der Nähe von York verantwortlich und veröffentlichte einige dünne Bändchen mit Predigten. 1741 heiratete er die vermögende Elizabeth Lumley, der er zuvor leidenschaftliche Liebesbriefe geschrieben hatte. Schlagartig berühmt wurde Sterne 1759 mit seinem Werk „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“: Schon die ersten beiden Bände sorgten für einen schrillen Skandal unter der Landbevölkerung, gleichzeitig öffneten sie dem Pastor die Türen zu angesehenen Londoner Salons. In den insgesamt neun erschienenen Bänden zeichnete sich Sterne als sentimentaler Satiriker aus, prangerte den Puritanismus der anglikanischen Kirche an und mokierte sich über Missstände der Zeit. Ähnlich wie Rabelais und Cervantes brach Sterne als Autor mit überkommenen Techniken des Schreibens und sicherte sich so einen Platz unter den wichtigsten Werken der Weltliteratur. „Tristram Shandy“ blieb unvollendet. Ein anschließendes Schreibprojekt mit dem Titel „Eine empfindsame Reise durch Frankreich und Italien“ basierte auf seinen ausgedehnten Europa-Reisen, allerdings starb Laurence Sterne nur drei Monate nach Erscheinen der ersten beiden Bände im März 1768 in London.«

Der Übersetzer:

»Michael Walter, geboren 1951 in Wiesbaden, studierte in Mannheim und Freiburg Anglistik und Philosophie. 1988 lehrte er an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität Literarisches Übersetzen. Neben einigen Werken von Laurence Sterne übersetzte Walter auch Romane und Kurzgeschichten anderer englischsprachiger Autoren und Autorinnen ins Deutsche, u.a. von Jeffrey Archer, James Graham Ballard, Julian Barnes, Richard Hughes, John Irving, Rudyard Kipling, Howard P. Lovecraft, Ian McEwan, Herman Melville, Eugene O’Neill, George Orwell, Robert Louis Stevenson und Virginia Woolf.«

Querverweis:

Eine sehr fundierte und lesenswerte Rezension der Buchausgabe finden Sie unter diesem Link: http://www.vigilie.de/2006/das-witzigste-buch-der-welt/

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Der Herr der Wolken

  • von Andreas Hartmann
  • Rowohlt rotfuchs  Oktober 2008
  • 317 Seiten
  • gebunden
  • 12,95 €
  • 978-3-499-21460-8
  • ab 10 Jahren
  • Leider, leider vergriffen, aber antiquarisch suchen lohnt sich unbedingt!
    412DQz4PawL._SL500_AA300_.jpg Der Herr der Wolken

Eine Abenteuergeschichte, die ohne Blutvergießen auskommt!

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Tolig, ein Bauernjunge aus dem Land Matar, ruht sich auf einer Lichtung im Wald aus und träumt davon, mit einem Schiff übers Meer zu fahren, fremde Länder zu bereisen und Abenteuer zu erleben. Dieser Traum wird schneller und ganz  anders wahr, als er es sich ersehnt hat.

Plötzlich ergreift ihn ein riesiger rotgefiederter Vogel und trägt ihn weit übers Meer, über Gebirgsketten und Täler bis in sein Nest in der Krone eines hohen Baumes. Dort läßt er den Jungen fallen und fliegt weiter.

Tolig ahnt, daß er als Vogelfutter enden wird, wenn er nicht schnell das Weite sucht. Intuitiv nimmt er, vor seinem Abstieg von Nest und Baum, eine der dort herumliegenden roten Federn mit. Erschöpft schläft er auf dem Waldboden ein und erwacht am nächsten Morgen durch die Geräuschkulisse, die fünf tollpatschige Soldaten auf ihrem Weg durch den Wald veranstalten.

Tolig versteckt sich zunächst und lauscht den Worten der Soldaten, die ängstlich darum streiten, wer von ihnen in das gefürchtete Riesenvogelnest klettern soll, um für die Königin eine rote Feder zu holen. In der Hoffnung, daß die Soldaten ihm den Weg nach Hause zeigen können, kommt Tolig aus seinem Versteck hervor.

Nach einem kleinen Verhör sind die Soldaten hoch erfreut zu erfahren, daß dieser kleine Junge bereits eine der begehrten roten Federn besitzt. Er verhandelt mit den Soldaten, die beschließen, ihn mit in die Hauptstadt zur Königin zu nehmen. Auf dem Weg in die Stadt  erfährt Tolig, daß das fremde Land, in dem er ausgesetzt wurde, Bilan heißt und daß ein Held für einen geheimnisvollen Auftrag der Königin  gesucht wird.

Nach einigen lustigen bürokratischen Umständlichkeiten wird Tolig freundlich von der Königin Bilans  empfangen. Eigentlich möchte der Junge nur ganz schnell wieder nach Hause, doch da er so tapfer und unverletzt dem roten Vogel entkommen ist , bittet die Königin Tolig, einen lebenswichtigen königlichen Auftrag auszuführen.

Seit geraumer Zeit hat das Volk der Bilaner den Wissenschaften gegenüber der Magie den Vorzug gegeben, und die meisten Magier leben einsam, unerkannt und ungeehrt im Lande und betreiben heimlich ihre magischen Studien.

Rigul, einer dieser Magier, ist so machtsüchtig und eitel, daß er sich für die mangelnde Wertschätzung der Magie im Allgemeinen und seiner Magierpersönlichkeit im Besondernen böse rächt. Er hat die Mündung des Wolkensees geöffnet, die einst von Magiern mit einem großen  Felsbrocken verschlossen worden war. Und nun drohen ewiger Regen und die Überflutung des ganzen Landes.

Tolig soll einen guten Magier finden, der dem bösen Magier gewachsen ist und den Wolkensee wieder verschließt. Von einem neutralen Vermittler, wie Tolig, der aus einem fernen Land gekommen ist, erhofft sich die Königin eine günstigere Aufnahme für ihre königliche Bitte.

Tolig findet den Magier Moguwol, der sich als mürrisch, aber hilfsbereit erweist. Das ungleiche Paar macht sich auf den weiten Weg zum Wolkensee. Begleitet werden sie von  zwei magischen Weggefährten Moguwols, die er sich als junger Magier angezaubert hat:  ein plauderhaftes Teekesselchen und ein nicht minder gesprächiger Wanderstab. Teekesselchen und Wanderstab kommentieren gerne, ausgiebig und ungefragt die laufenden Ereignisse, wissen immer alles besser und sind unfreiwillig komisch.

Unterwegs erklärt und demonstriert der Magier dem Jungen die streng uneigennützigen und friedlichen Magiergesetze, an die sich die guten Magier zum Wohle aller Lebewesen halten.

Tolig und Moguwol wandern durch Wälder und Wüsten, erleben freundliche und feindliche Begegnungen, sie wecken eine schlafende Riesin, die ihnen nun hilft, den Felsen vor die Mündung des Wolkensees zu schieben, und sie besiegen mit den magischen Kräften Moguwols  und mit dem menschlichen Mut Toligs den bösen Magier Rigul.

Zum Dank für die Rettung Bilans verspricht die Königin, in Zukunft den Fähigkeiten der Magier wieder die gesellschaftliche Bedeutung und Achtung zukommen zu lassen, die sie in früheren Zeiten genossen hatten. Und sie erfüllt auch Toligs  Wunsch, wieder nach Hause zurückkehren zu dürfen.

Beim Abschied sind sich Moguwol und Tolig darüber einig, daß ihre gemeinsame Reise und die daraus erwachsene Freundschaft sie sehr reich gemacht haben. Außerdem haben sie einen ehrenvollen Eintrag im Buch der Zeit bekommen, wo nur die Dinge aufgeschrieben werden, die den Lauf  der Welt beeinflußt haben.

Und damit Teekesselchen und Wanderstab hier auch mal zu Wort kommen, serviere ich zum Abschluß ein typisches Gespräch dieser beiden Schlauberger:

„Wie mir Abschiede immer zu Herzen gehen“,  schluchzte das Kesselchen.
„Mir tut es in der Seele weh, den Burschen gehen zu lassen“, weinte  der Stab.  „So einen mutigen und klugen Gefährten findet unser Meister nie wieder.“
„Dabei wolltest du ihn erst gar nicht mitnehmen“, fauchte das Kesselchen.
„Was?“, schnappte der Stab zurück.  „Wäre ich nicht gewesen, hätte unser Meister vielleicht auf dich gehört und Tolig gleich wieder nach Hause geschickt.“

 

Der Autor:

»Andreas Hartmann wurde 1973 in Berlin geboren. Nachdem sich das Ingenieurswesen für ihn rasch als Irrweg entpuppte, studierte er Erziehungswissenschaften. Er arbeitete in verschiedenen Bereichen – nur nicht in der Sozialarbeit. Auf verschlungenen Pfaden verschlug es ihn schließlich zum Schreiben und Übersetzen. Das tut er heute noch. Er lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in Berlin. In seiner freien Zeit übt er sich ernsthaft in Taiji und Ninjutsu.«
Der Autor, Andreas Hartmann, gewann übrigens im Jahre 2007 mit „Der Herr der Wolken“ den ersten rotfuchs-Fantasy-Schreibwettbewerb und im Jahre 2009 den „Goldenen Bücherpiraten“.
Zusätzliche Informationen finden sich auf seiner Homepage:   http://www.klippenschreiber.de
PS:
Auch dieses Kinderbuch ist ein Beispiel für ein leises und wertvolles Buch, das sich leider auf dem marktschreierischen Buchmarkt nicht lange gehalten hat. Ich kann meine wärmste Empfehlung dennoch nur wiederholen und auf die Möglichkeit, den Titel auf antiquarischem Wege zu finden, hinweisen.

Ich „adoptiere“ ja gerne Titel, die in der Buchmarktmasse untergegangen sind (siehe : https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/14/hurz-burz-und-seine-freunde/  meine Besprechung von „Hurz Burz und seine Freunde“), die – wundersamerweise  – die bisher am  am häufigsten aufgerufene Rezension auf meinen Leselebenszeichen ist.