Aus der Lesevorratskammer Nr. 3

Buchbesprechungssammelsurium von Ulrike Sokul ©


Weihnachten naht oder droht – je nachdem, wie ausgeprägt der organisatorische Weitblick bezüglich der Geschenkideen ist  – ; da will ich doch gerne ein buntes Büchersortiment aus der Vorratskammer holen und hier paradieren lassen. Bestimmt ist etwas nach dem Geschmack Ihrer Lieben dabei oder auch nach Ihrem eigenen Gusto – schließlich mag man nicht nur gerne schenken, sondern gerne auch beschenkt werden.

 

Ich fange gleich gaaanz hochpreisig an – mit dem passenden Buch zum PORSCHE:

Es gibt noch mehr im Leben als Autos bauen
von Peter Daniell Porsche
232 Seiten
Hanser Verlag  August 2012
19,90 €

148_HV Porsche_04 .inddPeter Daniell Porsche ist ein Urenkel aus der Familie Porsche und zu einem Achtel Anteilseigner an der Firma Porsche, und überraschenderweise ist er nicht Betriebswirt, Ingenieur, Rennfahrer oder gar Liegestuhlmillionär, sondern Musiktherapeut und Waldorfpädagoge.

Damit hat er zunächst einmal gründlich einige meiner Vorurteile zerstreut und mich zur Lektüre seines Buches angeregt.

Es ist ein autobiographisches Buch, dabei sympathisch authentisch sowie dezent persönlich und keinesfalls peinlich enthüllerisch. Peter Daniell Porsche stellt seinen eigenwilligen Standpunkt zu bestimmten familiären, gesellschaftlichen und auto-technischen Themen dar und beschreibt, wie er seine Wertekoordinaten entwickelt hat.

Die Überscheidung gesellschaftlicher Parallelwelten und die Auseinandersetzung mit der Anthroposophie sind wesentliche Themen dieser AUTO-BIO-GRAPHIE.

„Zwar bin ich ein Porsche und gehöre damit einer Industriedynastie an, aber ich versuche zu zeigen, dass man Geld erwirtschaften und sozial ausgeben kann.“ (Seite 207)

Hier entlang fahren zur ausführlichen Besprechung:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/05/14/es-gibt-noch-mehr-im-leben-als-autos-bauen/

Wer sich keinen Porsche zum ebengenannten Buche leisten kann, dem empfiehlt sich eine Abenteuerreise zur „Schatzinsel“; denn solch ein erlesener Klassiker, noch dazu im Hörspielformat, ist immer eine Bereicherung … DUKATEN, DUKATEN … 😉 :

Die Schatzinsel
von Robert Louis Stevenson
Buchvorlage HANSER Verlag
Übersetzung & Herausgabe von Andreas Nohl
Hörspiel
der Hörverlag Oktober 2014
4 CDs
Laufzeit 3 Stunden und 59 Minuten
19,95 €

Die Schatzinsel von Robert Louis StevensonDie vorliegende Hörspielinszenierung des hessischen Rundfunks unter der Regie von Leonhard Koppelmann wird der plakativen Aussage auf der Rückseite der CD-Hülle: »SO haben Sie die SCHATZINSEL noch NIE gehört!« wahrlich gerecht. Die Rollenbesetzungsliste (Maximilian von der Groeben, Sylvester Groth, Ulrich Noethen, Udo Wachtveitl u.v.a.) ließ mich bereits frohlocken, doch die „ganzheitliche Darreichungsform“ dieses Hörspiels hat mir ganz und gar und prächtig gefallen.

Es kommt nicht nur die Romanhandlung zu Wort, sondern auch die Entstehungsgeschichte der Schatzinsel.

Neben einer virtuos-atmosphärischen musikalischen Untermalung und Begleitung wurden auch einige Lieder hinzugefügt und eingesungen, die stilistisch wunderbar mit der Schatzinselstimmung und der schillernden Figur des Long John Silver harmonieren. Überhaupt geben die hier und da wiederholt einfließenden Lieder oder auch auch nur Lied- und Melodiefetzen der ganzen Geschichte zusätzlichen, sehr attraktiven Schwung.

Die überaus geschickt in den Handlungsverlauf eingeschobenen Ausflüge in die Entstehungsgeschichte der Schatzinsel erweitern die Abenteuergeschichte um den zwischenmenschlich-literarischen Hintergrund Robert Louis Stevensons.

Für vertiefende InsPIRATion, AHOI, hier entlang gesegelt zur ausführlichen Besprechung:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/11/13/die-schatzinsel/

Nach Luxusthemen, wie unbezahlbaren Autos und Schatzinselreisen, kann ein wenig Egomontage in Form einer spirituellen Heilsleere 😉 nur heilsam sein:

Heilung braucht Wahrheit
Was du nicht lebst, lässt dich nicht leben
von Klaus Konstantin
Sheema Medien Verlag 2011
gebunden, 195 Seiten
23 €

Heilung braucht WahrheitHeilung braucht Wahrheit“  ist eine im besten Sinne ENTtäuschende Lektüre:
Keine Heiligenscheinverpackung für Egowünsche, kein Erleuchtungswettbewerb, keine Karmakonkurrenz, also auch keine Karmalorbeeren, keine Engelsschwingen, keinerlei Beweihräucherung, sondern die nackte Wahrheit, kein Kuschelstoff, sondern eine bittersüße Medizin, gleichwohl herausfordernd und befreiend ego-auflösend.

Um es gleich schonungslos vorwegzunehmen: Der Superporsche als krönende Belohnung für ein geheiltes Mangelbewußtsein kommt in diesem Ratgeber nicht vor. Solche Heilswerbebotschaften können Sie sich ungetrost abschminken.

„Es gibt keine Heilung für das Ich, sondern nur eine Heilung von der Illusion eines Ichs.“
(Seite 8)

„Alles, was in deinem Leben geschieht, ist jederzeit perfekt auf die Erkenntnisprozesse abgestimmt, die nötig sind, um dich zurück in deine innere Ordnung zu bringen.“
(Seite 177)

Nur Mut, trauen Sie sich an diese desillusionierende Lektüre. Sie haben nichts zu verlieren, außer Ihrem Ego.

Hier entlang zur vollen Leseladung:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/02/26/heilung-braucht-wahrheit/

Nach so viel bodenständiger Egomontage lohnt sich ein Blick ins All bzw. ein Blick aus dem All auf unsere sogenannte Zivilisation:

Ich und die Menschen
Roman
von Matt Haig
Taschenbuch   August 2015 DTV Verlag
352 Seiten
9,95 €

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Eine außerirdische Perspektive auf die Erde und die menschliche Zivilisation hat ihren ganz eigenen Reiz. Sie verschafft uns den besonderen Blick auf das Alltägliche.

Aus Sicht einer außerirdischen Spezies, die als einzige Religion die Mathematik kennt, Gewalt und Gier längst hinter sich gelassen, und Dank überlegener Biotechnologie (Transzellulare Heilung) Unsterblichkeit erlangt hat, sind wir gegenwärtigen Menschen ziemlich unterentwickelt, und unsere Zivilisation erscheint vergleichsweise düster und lebensgefährlich. Das ist auch der Grund, warum der Friede im All bedroht ist, wenn die psychisch so unreife menschliche Gattung weitere mathematische Entdeckungen und in deren Folge technische Fortschritte macht.

Der Ich-Erzähler in „Ich und die Menschen“ ist ein Vonnadorianer, und er kommt von sehr, sehr weit her; um Zahlen sprechen zu lassen: der Planet Vonnadoria befindet sich in 8 653 178 431 Lichtjahren Entfernung zum Planeten Erde…

Der Gast aus dem All hat eine Mission zu erfüllen: Um des universellen Friedens willen soll der menschliche Fortschritt aufgehalten werden. Ein irdischer Mathematikprofessor hat eines der größten mathematischen Probleme gelöst: Er hat den Beweis der „Riemannschen Vermutung“ erbracht.

Dieser mathematische Fortschritt wäre der Schlüssel zu neuen Technologien, die der Menschheit u.a. interstellare Reisen ermöglichen könnten, und aus Sicht der außerirdischen „Moderatoren“ soll unbedingt verhindert werden, daß die Menschen noch mehr Erfindungen machen, die sie anschließend nicht mehr in den Griff bekamen (die Atombombe, das Internet, das Semikolon)…“ (Seite 100)

Wenn man zu einer Lebensform gehört, die unsterblich ist, ewigen Tag, ewigen Frieden, kein Wetter, keinen Schmerz und nur heilbare Krankheiten kennt, kann man schon Rührung und Faszination und sogar Bewunderung empfinden angesichts der absoluten Verletzlichkeit, Endlichkeit, Komplexität und Widersprüchlichkeit der menschlichen Daseinsform – besonders wenn man angefangen hat, Bindungsgefühle und Empathie für bestimmte Menschen (und Hunde) zu entwickeln.

Mathematisch-wissenschaftlich-kollektive Überlegenheit, mit tiefgekühltem Gefühlshaushalt, trifft auf Menschen, deren psychosozialer und logischer Entwicklungsstand teilweise Lichtjahre zu wünschen übrig läßt, gleichwohl trifft er aber auch Menschen, deren Herzensqualitäten ihn positiv überraschen. Der Außerirdische wird entgegen aller Wahrscheinlichkeit und Logik von der Liebe überwältigt …

Hier beamen Sie sich bitte zur vollständigen Rezension (dort wird auch ansatzweise erklärt, was die Riemannsche Vermutung ist): https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/04/01/ich-und-die-menschen/

 

Vielleicht schaffen wir es mit dem nachfolgenden Sachbuch sogar, unsere Welt zu retten:

50 einfache Dinge, die sie tun können, um die Welt zu retten, und wie sie dabei Geld sparen
von Andreas Schlumberger
WESTEND VERLAG  Juni 2013
256 Seiten
12,99 €

9783864890413_300dpiAndreas Schlumberger berührt viele wichtige Themen: Behausung und Wohnen, Strombedarf, Wasser, Heizung, grüner Gärtnern, Tier- und Landschaftsschutz, Müll, Mobilitätskarussell, Nahrung, Reisen, Energieeffizienz von Haushaltsgeräten, Konsum und Lebensstil und die unter ökologischen und sozialen Aspekten so gar nicht lustige „Unterhaltungselektronik“.

Dabei verschont er uns nicht vor deutlichen Wahrheiten und erschreckenden Zahlen über die bedrohte Lebendigkeit unserer Mitwelt. Doch nach der kurzen und bündigen Aufklärung über die jeweiligen Sachverhalte kommen ausgesprochen praktikable Hinweise auf die Veränderungsmacht, die jeder Einzelne für sich und seinen persönlichen Weltenkreis ergreifen kann. Wir erhalten viele konstruktive und machbare Anregungen, anschauliche Erklärungen und Zahlenvergleiche sowie nützliche Verweise auf hilfreiche weiterführende Internetseiten; wie z.B die Online-Datenbank http://www.spargeraete.de

Andreas Schlumberger belegt darüber hinaus glaubwürdig, wie viel Geld wir dadurch kurz- und langfristig sparen können.

Ein simples Beispiel: Allein der verschwenderische „Stand-by-Modus“ beträgt in Privathaushalten durchschnittlich 10% des Stromverbrauchs. Hochgerechnet auf ganz Deutschland arbeiten zwei Großkraftwerke nur für diesen sinnlosen „Dauerbereitschaftsdienst“ von Fernsehgeräten & Co.

Möge dieser notwendige, informative und sinnvolle Ratgeber viele Ratnehmer und Ratbeherziger finden, die jetzt bitte alle brav und folgsam den Link zur ganzen Buchbesprechung anklicken:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/09/11/50-einfache-dinge-die-sie-tun-konnen-um-die-welt-zu-retten-und-wie-sie-dabei-geld-sparen/

 

Schreiten wir vom Irdischen ins Unterirdische und erforschen Höhlen:

Irgendwo in der Tiefe gibt es ein Licht
Eine Erzählung über das Geheimnis der Höhlen
von Andreas Pflitsch und Dirk Steinhöfel
Arena Verlag Juni 2014
Format: 25,8 cm x 32,7 cm

48 Seiten
gebunden, Fadenheftung

19,99 €

Irgendwo in der Tiefe gibt es ein LichtDer Höhlenforscher Prof. Dr. Andreas Pflitsch hat gemeinsam mit dem Illustrator Dirk Steinhöfel eine faszinierende Einführung in das Thema Höhlenforschung geschrieben. Hier wird auf spannende Weise Wissen vermittelt und mit beeindruckendem Bildmaterial Forscherdrang und Entdeckerfreude geweckt.

Die fundierten Kenntnisse und die wunderbaren Photos des Höhlenforschers bilden in diesem Sachbuch eine überwältigende Synthese mit dem magischen Realismus der graphischen Bildgestaltung des Illustrators.

Die vielfältige Wechselwirkung zwischen Wasser, Gestein, Kohlensäure, Kohlendioxyd und Mikroorganismen bei der Auflösung und Neuentstehung von Gesteinen und der Entstehung und Gestaltung von Höhlen wird sehr plastisch beschrieben, und man bekommt eine zarte Ahnung von den „geduldigen“ erdgeschichtlichen  Z   e   i   t   r   ä   u   m   e   n, die sie in Anspruch nehmen.

Die Erzählung wird von phantastischen Photographien, imaginativen Illustrationen und einem raffinierten, computergraphisch montierten Layout untermalt. Es entsteht der Eindruck eines alten Forschertagebuches, mit dokumentierten Fundstücken, Erläuterungsnotizen und einleuchtenden Graphiken.

Zum Weiterstaunen bitte hier klicken:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/10/08/irgendwo-in-der-tiefe-gibt-es-ein-licht/

Da wir es gerade so gemütlich naturwissenschaftlich haben, können wir auch noch lernen, was Pflanzen wissen:

Was Pflanzen wissen
Wie sie sehen, riechen und sich erinnern

von Daniel Chamovitz
Hanser Verlag 2013
gebunden, mit Schutzumschlag
206 Seiten, mit Illustrationen
17,90 €

Chamovitz_Was_Pflanzen_Wissen_P05DEF.inddDaniel Chamovitz ist Biologe und Direktor des „Manna Center for Plant Biosciences“ an der Universität von Tel Aviv. Der Autor verknüpft in jedem Kapitel geschickt historische Forschung mit moderner Forschung, und er stellt stets die menschliche Körperlichkeit der pflanzlichen Körperlichkeit gegenüber. Dieser Vergleich macht die sehr komplexen Darstellungen anschaulich und faszinierend.

Wir erfahren, daß Pflanzen auf genetischer Ebene komplexer sind als viele Tiere, doch sie verfügen weder über ein Gehirn noch über ein zentrales Nervensystem. Dennoch haben Pflanzen die Fähigkeit der Eigenwahrnehmung (Propriozeption), und sie können sehen, riechen, fühlen und sich erinnern.

Dieses Buch ist anspruchsvoll und kommt nicht um Fremdwörter wie Circumnutation (der „Spiraltanz“ der Pflanzen), Phototropismus, Photosynthese, Gravirezeptoren usw. aus, aber es wird immer alles akkurat und zum Teil durchaus heiter erklärt, und auch die epigenetischen und biochemischen Spezialitäten der pflanzlichen Wahrnehmungs- fähigkeiten werden ausführlich erläutert.

Die Lektüre von „Was Pflanzen wissen“ bereichert den Leser mit interessanten Informationen über das Innenleben von Pflanzen und ihre Wahrnehmungsbesonderheiten.

Die ausführliche Besprechung können Sie unter folgendem Link aufblättern:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/06/11/was-pflanzen-wissen/

 

Nach der schweren Lesekost tut ein wenig musische Entspannung mit einem Bilderbuch für Erwachsene gut:

Aus der Ferne/Auf der Kippe
Bilder und Texte
von Wilhelm Genazino
DTV Verlag Juli 2012
132 Seiten
14,90 €

aus_der_ferne_auf_der_kippe-9783423141260Der Schriftsteller Wilhelm Genazino hat alte Photographien ausgesucht und zusammen- gestellt, die ihn zu kleinen assoziativen Geschichten, möglichen Deutungen und imaginierten Psychogrammen angeregt haben. Es sind professionelle Photos, Postkarten und ganz private, angestaubte Aufnahmen, die er auf Flohmärkten und in Antiquariaten aufgestöbert hat. Egal ob künstlerisch komponiert, laienhaft inszeniert oder unscharf und verwackelt: Jedes Bild kommt zu Wort.

Die Ergebnisse von Genazinos Versenkung in bedeutungsvolle Nebensächlichkeiten stehen in Form kleiner, sehr dichter Texte von maximal einer Seite Länge neben den jeweiligen Photographien.

So kommt es zu interessanten Miniaturen der Merkwürdigkeiten des menschlichen Lebens und der scheinbar sprachlosen Dinge, die in Wirklichkeit sehr vielsagend sein können.

Die anspielungsreiche Inanspruchnahme der Bilder durch Worte und die damit verbundene einladende Aufforderung, nicht flüchtig, sondern genau hinzuschauen, gewährt den verblassenden Dokumenten vergangener Lebensaugenblicke und dem willigen Mitbetrachter und Leser eine Atempause mit durchaus tiefsinnigen Einsichten.

Dieses Buch ist ein passendes Geschenk für alle an Photographie Interessierten. Die Verbindung von Bild und hintersinniger Textreflexion verspricht und hält abwechslungsreiche Kurzweil.

Und hier können Sie die komplette Rezension anknipsen:

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/05/21/aus-der-ferne-auf-der-kippe/

Und nun folgt ein märchenhaftes Weihnachtsbilderbuch für die lieben Kleinen:

Die kleine Elfe feiert Weihnachten
Bilderbuch
von Daniela Drescher
Verlag Urachhaus
24 Seiten
12,90 €

9783825177409_Elfe und WeihnachtenDie kleine Elfe Flirr sucht ein Winterquartier. Sie wandert durch den eingeschneiten Wald und begegnet einigen hilfsbereiten Tieren.

Als die kleine Elfe vor dem Schneegestöber hinter einem Baum Schutz sucht, findet sie ein frierendes und hungriges Zwergenkind, das dem Weihnachtmann entgegengehen wollte und sich dabei verirrt hat. Fürsorglich teilt sie ihre bescheidenen Vorräte mit dem Zwergenkind, und sie gehen gemeinsam weiter.

Nach einer Weile treffen sie den Weihnachtsmann, der mit seinem Esel und dem berühmten Sack mit den vielen Geschenken unterwegs ist. Die beiden dürfen auf dem Esel reiten und begleiten den Weihnachtsmann…

„Die kleine Elfe feiert Weihnachten“ ist ein warmherziges, empfindsam illustriertes Bilderbuch, in dem es um Hilfsbereitschaft und das Glück einfacher, elementarer und geteilter Freuden geht.

Hier geht der Zauber weiter:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/12/18/die-kleine-elfe-feiert-weihnachten/

Und nun noch ein feinfeiner Leckerbissen für poetische Gemüter:

Emily Dickinson
Gedichte
englisch und deutsch

Herausgegeben, übersetzt
und mit einem Nachwort von Gunhild Kübler
Hanser Verlag 2006
in Leinen gebunden, Fadenheftung
560 Seiten
45 € (D), 46,30 € (A), 59,90 sFr.

DickinsonEmily Dickinson (1830 – 1886) hat einer – bis in unsere Tage – staunenden Nachwelt fast 1800 Gedichte und mindestens 1200 Briefe hinterlassen.

Ihre Gedichte erschließen sich nicht dem flüchtig-oberflächlichen Blick, sondern nur der verbindlich-zugewandten Lektüre. Doch dann öffnen sich wunderbare Bedeutungshorizonte, und man hört das Herzenspochen unsterblicher Poesie.

Das einfühlsame Nachwort der Übersetzerin Gunhild Kübler informiert komprimiert über Emily Dickinsons Lebensumstände, Bezugspersonen, Brieffreundschaften sowie über die speziellen poetischen Besonderheiten der Dickinsonschen Lyrik und die komplizierte, verzögerte – von familiären Eingriffen und Streitigkeiten erschwerte – Editionsgeschichte.

Auf Emily Dickinsons Gedichte muß man sich einlassen, sie sind eigenwillig und vielschichtig. Obwohl diese Texte schon fast 150 Jahre alt sind, wirken sie jung und sehr lebendig – keineswegs angestaubt, sondern zeitlos herzensfrisch.

Wiederholte Lektüre und auch der Vergleich zwischen englischem Original und deutscher Übersetzung vertiefen das Verständnis der Texte und zugleich die Hochachtung für die tiefsinnige, poetische Übersetzungsleistung von Gunhild Kübler. Ich geriet beim Lesen in eine Art Wachtrance, als würde ich auf die Dichterin eingestimmt und mit ihrem Sprachkosmos vertraut gemacht.

Diese Gedichte sind erstaunlich ungezähmt, magisch, unkonventionell, rätselhaft, manchmal traurig, manchmal verspielt, liebesstolz und liebesweh, widersprüchlich, schonungslos, empfindsam, verwegen, geheimnisvoll und mehrdeutig.

Ein passender Oberbegriff für Emily Dickinsons Werk wäre wohl WEITE – alle Gedichte Emily Dickinsons ATMEN Weite. Diese Weite erstaunt umso mehr, wenn man bedenkt, daß die Dichterin ihr ganzes Leben in der Kleinstadt Amherst, Massachusetts, verbracht hat. Die weltferne Isolation der häuslichen „Beschränktheit“ und der puritanische familiäre Hintergrund haben Emily Dickinson nicht daran gehindert, ihren Geist fliegen zu lassen und das Große im Kleinen und das Kleine im Großen zu erkennen und ihrem lebhaften Fühlen und Denken zumindest sprachlich Gestalt zu geben.

Emily Dickinsons Poeme changieren zwischen Lebensglut und Todessehnsucht, zwischen Einsamkeit und Verbundenheit, zwischen Liebessehnsucht und Selbstgenügsamkeit, Nähe und Distanz, Himmel und Erde, Desillusionierung und Träumerei, Schmerz und Heiterkeit, Präzision und Zauberspruch.


Für ausführliche Poetisierung bitte folgendem Link folgen:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/02/18/emily-dickinson-gedichte/

Zum Ausklang lege ich Ihnen nun ganz sprachmusikalisch Mozart ans Herz:

Herr Mozart wacht auf
Roman
von Eva Baronsky
Aufbau Verlag  2011
8,99 €

herr-mozart-wacht-auf-grossestitelbildMozart entschläft auf seinem Sterbebett und erwacht in einer StudentenWG im Jahr 2006. Anfänglich wähnt er sich im Vorzimmer zum Paradies. Er bestaunt viele ihm völlig unbekannte und unerklärliche Dinge, wie z.B.  den elastischen Hosenbund der Jogginghose, die man ihm überlassen hat, die feine Seidenglätte des Schreibpapieres und einen Kugelschreiber, der „über einen mirakulösen Vorrat an Tinte verfügt“.

Nach und nach begreift er, daß er einen unfreiwilligen Zeitsprung erlitten hat und versucht sich zu orientieren, ohne seine Identität preiszugeben. Piotr, ein polnischer Stehgeiger, nimmt sich seiner an, läßt ihn bei sich wohnen und beschafft ihm Arbeit in einer Jazzbar.

Mozart nennt sich fortan Wolfgang Mustermann und improvisiert sich aufgeschlossen und neugierig durch die fremde Zeit, er nutzt die Gelegenheit, in Bibliotheken und auf CDs seinem Ruhm nachzuforschen, besucht Opernaufführungen und macht sich lustig über Mozartkugeln.

Eva Baronsky läßt Mozart so sprechen, wie man ihn aus den zahlreichen erhaltenen Briefen kennt, und allein dies ist schon sehr amüsant.

Die besondere Qualität des Buches liegt darin, daß es der Autorin einfühlsam gelingt, sich in Mozarts Zeitperspektive hineinzuversetzen und all die – für uns alltäglichen Gegebenheiten (elektronische Geräte, sanitäre Anlagen, Umgangsformlosigkeiten) – völlig neu zu sehen und zu hören und in Mozarts Tonfall wiederzugeben.

Hiermit dirigiere ich Sie zur vollständigen Besprechung:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/14/herr-mozart-wacht-auf/

 

In der Hoffnung, daß die dargebotene Geschmacksvielfalt groß genug ist, ziehe ich mich jetzt genüßlich zum Weihnachts- geschenkeverpacken zurück. Ich nämlich habe lääääängst alle Geschenke in meiner Geschenkevorratskammer … 😉

 

 

 

 

 

 

 

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