Das große Fest im Häschenwald

  • Text von Ulf Stark
  • Originaltitel: »Sommar i stora skogen«
  • Übersetzung aus dem Schwedischen
  • von Birgitta Kicherer
  • Illustrationen von Eva Eriksson
  • Verlag Friedrich Oetinger Februar 2017 www.oetinger.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 124 Seiten
  • Format: 24,5 cm x 26,5 cm
  • 16,99 € (D), 17,50 € (A)
  • ISBN 978-3-7891-0491-6
  • Vorlesebuch ab 5 Jahren

HERZENS(T)RÄUME

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der Wichtel Grantel, dessen lohnende Bekanntschaft wir schon im Dezember 2017 mit dem Vorgängerbuch „Wichtelweihnacht im Winterwald“ gemacht haben – siehe meine Besprechung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/12/06/wichtelweihnacht-im-winterwald/ -, nimmt den ersten Mückenstich des Jahres zum Anlaß, mit dem Sommergroßputz zu beginnen. So kümmert er sich ganz hausfraulich um den schon lange menschenentleerten Hof, er lüftet, schüttelt die Bettücher aus, sammelt alle toten Fliegen ein, schrubbt die Böden mit Tannennadelseife und erinnert sich mit leiser Wehmut an das muntere Leben, das hier einst mit Eltern, Kindern und diversen Hoftieren geherrscht hat.

Jetzt gibt es hier nur eine Hummel zur freundschaftlichen Gesellschaft und Unterhaltung, die er im letzten Winter aus einem Spinnennetz gerettet hat. Auch das schöne improvisierte Weihnachtsfest, das er mit den Kaninchen aus dem benachbarten Wald verbracht hat, ist schon eine ganze Weile her. Er fragt sich, wie es den netten Kaninchengeschwistern Nina und Kalle wohl jetzt geht. Dann schnitzt er eine Weidenflöte und knurrt aus Gewohnheit mit der Hummel herum, weil sie sein Flötenspiel für mißlungen hält. Doch die Hummel, die durchschaut, daß der Wichtel nur aus zu langer Einsamkeit so sauertöpfisch geworden ist, nimmt ihm dies nicht übel.

Im Wald tollen die Kaninchen wie eh und je herum, sie haben Lust auf ein neues Fest und befragen den weisen Uhu, ob es nicht bald wieder einen Festanlaß gebe. Der Uhu erzählt von der Mittsommernacht, der hellsten und kürzesten Nacht des Jahres, von Zauber und Liebe, Küssen und Tänzen, die dazugehörten.

Nina und Kalle lernen Anton kennen, ein Kaninchen mit schwarzem Fell. Auf Anregung von Opa Kaninchen spielen sie das Spiel Gelbnäschen miteinander. Und das geht so: Man knabbert eine Butterblume ab, hält sie seinem Gegenüber vor die Nase, fordert ihn zum Riechen auf und drückt dann die Blüte gegen die Nase, die sich daraufhin unvermeidlich ganz blütenstaubgelb färbt.

Die violette Mitsommerblume blüht auch schon, aber keiner weiß genau, wann die Mittsommernacht sei. Inzwischen strecken Nina und Anton schüchtern zarte Herzensfühler nacheinander aus, und Opa Kaninchen philosophiert anschaulich über Anziehungskräfte.

Ein heftiger Sommersturm überflutet die Kaninchenhöhle und viele andere Tiernester. Alle Tiere machen sich gemeinsam auf den Weg zum Wichtel Grantel, in der Hoffnung, daß sie bei ihm auf dem Hof Unterschlupf und Hilfe finden. Nur Anton ist verschollen …

Der Wichtel staunt und grantelt und ist sodann die Hilfsbereitschaft in Person, er bereitet Schlafstätten, heizt alle Öfen, verbindet Wunden, verteilt Medizin und kocht Nesselsuppe.

Auf Bitten der Tierkinder erzählt er sogar von den Mittsommerfesten, die er früher auf dem Hof erlebt hat, und davon, daß das Mittsommerfest ein beliebter Heiratstermin war und daß einem, wenn man sich in der Mittsommernacht sieben verschiedene Blumen unters Kopfkissen legt, im Traum derjenige  erschiene, den man heiraten würde.

Das stürmische Wetter hält sich. Nina und Kalle schleichen trotzdem heimlich nach draußen, um nach Anton zu suchen, und werden dafür bei ihrer Rückkehr vom Vater ausgeschimpft.

Grantel zieht sich am Abend, als der Regen endlich aufgehört hat, zu einer kleinen Angelpartie auf sein Boot zurück. Vom Trubel mit den vielen Tieren schwirrt ihm der Kopf, und er wirft die Angel aus, um zu meditieren:
„Aber Grantel steckte keinen Wurm auf den Haken, nicht einmal einen Haken hat er an der Angel. Wichtel essen nämlich keine Tiere. Statt Fische zu angeln, angelt Grantel Gedanken, Ruhe und Frieden.“ (Seite 68)

Nachdem er genug Ruhe und Frieden getankt hat, macht er sich wieder auf den Weg zum Hof. Unterwegs hört er ein schwaches Wimmern, und so findet er Anton, der verletzt unter einem umgestürzten Baum liegt. Der Wichtel bringt den unterkühlten Anton ins Haus und wendet an Heilkräften an, was ihm zur Verfügung steht, aber Anton wacht nicht auf.

Alle sind traurig, und Grantel sagt, daß jetzt nur noch ein Wunder helfen könne. In der Nacht hat er wunderliche Träume, da einige vorwitzige Mäusekinder ihm sieben Blüten unters Kopfkissen geschummelt haben. Eine schöne Elfe in einem durchscheinenden Nebelkleid erscheint und sagt Grantel, er solle sich Bart und Zähne putzen, mit seinen Freunden Mittsommer feiern und eine Hochzeit vorbereiten …

Nina hat die ganze Nacht Antons Pfote gehalten, auf das Wunder gehofft  und ist schließlich eingeschlafen. Am nächsten Morgen ist Anton wach, munter und gesund, und er spielt lieblich auf Grantels Weidenflöte.

Nachdem der Wichtel Anton gründlich abgehorcht hat, bestätigt er die Wunderheilung. Voller Freude und Tatendrang wird nun das Mittsommerfest vorbereitet und eine Kaninchen-hochzeit noch dazu. Ein geschmückter Mittsommerbaum wird aufgestellt, es gibt Festschmaus und Spiele, eine herzige, vom Wichtel geleitete Hochzeitszeremonie sowie Küsse, Musik, Tanz und Zauber.

Am Waldrand tanzt Grantel die ganze Mittsommernacht lang mit einer Elfe im Nebelkleid, die ihm prophezeiht, daß er nie mehr einsam sein werde. Das bezweifelt er auf seine mürrische Art zwar zunächst, aber sie sagt die Wahrheit. Anton und Nina suchen sich ganz in der Nähe des Hofes eine Wohnhöhle, und es dauert nicht lange, bis Wichtel Grantel Kaninchenenkel bekommt, die mindestens so gerne mit ihm spielen wie er mit ihnen …

Ulf Stark erzählt in einfachen Worten, deren Tiefsinn und Weisheit unaufdringlich zwischen den Zeilen leuchten. Die Dialoge sind gefühlsecht, empfindsam und augenzwinkernd, der Handlungsverlauf ist zugleich spannend und humorvoll. Eine Prise Feenstaub und Wichtellaunen runden das Erzählganze mit märchenhafter Würze ab.

Die sanftmütig-feinen Illustrationen von Eva Eriksson begleiten und ergänzen den Text mit schelmisch-heiteren Szenerien, die den warmherzigen Grundton des Textes einfühlsam aufgreifen und bestätigen und den charakterstarken Figuren anschauliche mimische und körpersprachliche Gestalt geben.

In solchen Vorlesebüchern finden Kinder eigene Liebhabengefühle und Verlustängste sowie Wert und Trost von Hilfsbereitschaft und Gemeinschaft wieder. Kinder vorleseerfahren hier den Unterschied zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem und ihr kindlicher Bezug zum Zauberwunderhaften wird wohltuend genährt.

„Das große Fest im Häschenwald“ verfügt über die seltene Gabe, zugleich seelenvoll und unterhaltsam zu sein. Es dient dem Kinderherzen im Kind ebenso wie dem Kinderherzen im Erwachsenen!

 

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Hier entlang zum Vorgängerband:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/12/06/wichtelweihnacht-im-winterwald/

 

Der Autor:

»Ulf Stark, 1944 in Schweden geboren, ist ein erfolgreicher Schriftsteller und Drehbuchautor. Er studierte Pädagogik und Psychologie und veröffentlichte 1975 sein erstes Kinderbuch. Etliche seiner Geschichten wurden auch verfilmt. Für sein Werk wurde Ulf Stark vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis, dem renommierten schwedischen August-(Strindberg-)Preis und dem Nils-Holgersson-Preis.«

Die Illustratorin:

»Eva Eriksson wurde 1949 in Halmstad/Schweden geboren und studierte nach dem Abitur an einer Kunstschule. Heute ist sie eine der bekanntesten und beliebtesten Kinderbuch-Illustratorinnen Schwedens und auch international erfolgreich. Sie wurde u.a. mit der Goldenen Plakette auf der Biennale der Illustrationen in Bratislava und dem Europäischen Jugendliteraturpreis „Provincia di Trento“ ausgezeichnet. Für ihr Lebenswerk erhielt Eva Eriksson den Elsa-Beskow-Preis und den Astrid Lindgren Preis des schwedischen Verlages Rabén & Sjögren.«

 

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Wichtelweihnacht im Winterwald

  • Illustrationen von Eva Eriksson
  • Text von Ulf Stark
  • Originaltitel: »Jul i stora skogen«
  • Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer
  • Oetinger Verlag   August 2014    www.oetinger.de
  • gebunden, Halbleinen
  • Fadenheftung
  • Format: 24,5 cm x 26,5 cm
  • 104 Seiten
  • 16,99 € (D),  17,50 € (A)
  • ISBN 978-3-7891-4750-0
  • ab 5 Jahren

WICHTELIGE  ÜBERRASCHELUNGEN

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der echte Hauswichtel Grantel kümmert sich aufmerksam um das verlassene Gehöft, das sein Zuhause ist. Er inspiziert alle Räume, zieht sogar mühevoll die Wanduhr auf und betont für sich im Selbstgespräch, wie gut es doch sei, daß alle tierischen und mensch-lichen Bewohner schon seit einem halben Jahrhundert fortgezogen sind. Während er seinen vielbeschäftigten Erinnerungen nachgeht, merkt man jedoch deutlich, daß er sehr einsam ist.

Bei seinem Rundgang rettet er eine Hummel aus einem Spinnennetz und nimmt sie mit in die Hundehütte, die er sich gemütlich eingerichtet hat. Er bereitet der Hummel mit einer Moosmatratze ein Bett in einer kleinen Schachtel und liest ihr aus seinem Buch „Zum Lobe der Einsamkeit“ vor. Die Hummel schläft darüber ein und schnarcht, und Grantel grantelt über diese Ruhestörung.

Am nächsten Tag weht ein starker Wind. Grantel hat noch seine Wollhandschuhe auf der Wäscheleine hängen und will sie in Sicherheit bringen. Doch der freche Wind hebt nicht nur seine Handschuhe in luftige Höhen, sondern zupft ihm auch noch seine rote Zipfelmütze vom Kopf und schickt sie hinterher. Wütend tritt Grantel gegen einen Holzpfosten, so daß sich das angenagte und verwitterte Wegweiserschild, auf dem einst „WEIHERWEG NACH TOMTING IM GRÜNEN TAL“ geschrieben stand, auch noch auf die Windreise begibt.

Kurz denkt der Wichtel noch daran, daß man auf dem Schild nur noch die Silben „WEIH NACH T IM GR“ entziffern kann und beschließt, sich nicht um Weihnachten und auch sonst um nichts und niemanden zu kümmern und seine Einsamkeit und Stille zu genießen. Nur die Hummel füttert er selbstverständlich fürsorglich.

Im großen Wald, in einer weiträumigen Höhle unter einer alten Eiche wohnt eine Kaninchengroßfamilie. Vater, Mutter, Tanten, Onkel, Opa, kleinere und größere Kinder wuseln umtriebig herum, und tierische Nachbarn – Eichhörnchen, Hasen, Igel, Mäuse und Vögel – runden die Geselligkeit munter ab.

Die Kaninchenkinder Nina und Kalle erwarten ihren ersten Winter und lassen sich vom Opa erzählen, wie Schnee aussieht. Neugierig machen einen Ausflug nach draußen und halten Ausschau nach den ersten Schneeflocken. Draußen windet es sehr, und sie finden keinen Schnee, sondern eine rote Zipfelmütze, zwei Handschuhe und ein Holzschild mit geheimnisvollen Schnörkeln darauf.

Die Fundstücke werden nach Hause getragen und von allen Familienmitgliedern begutachtet. Für die Entzifferung des Wegweisers suchen sie den Rat des Uhus, der angeblich lesen kann, aber es sind schließlich die Krähen, die den Text vorlesen: „WEIHNACHT IM GR“. Was denn dieses WEIHNACHT sei, fragen die Kaninchen, und die Krähen wissen nur, daß es etwas spannendes Winterliches sein soll.

Bei allen anderen Waldtieren werden nun Erkundigungen über WEIHNACHTEN eingezogen, und so finden sie heraus, daß zur Weihnacht auch ein Weihnachtsmann, ein Weihnachtsbaum, ein Festessen, Weihnachtslieder, Süßigkeiten, Geschenke  und „Überraschelungen“ gehören.

Mit großem Eifer stürzen sich nun alle in die Weihnachtsfestvorbereitungen, denn es ist ja sternenklar, daß sich der Weihnachtsmann mit dem Schild für den GR=Großer Wald angekündigt hat.

Die Tiere kennen Weihnachten und den Weihnachtsmann nur vom Hörensagen und interpretieren so manches anders. Beispielsweise überlegen sie sich liebevoll, was sie dem Weihnachtsmann schenken könnten und nicht umgekehrt, was sie sich von ihm wünschen.

Am 13. Dezember erscheint dem Wichtel des Nachts die Heilige Lucia mit dem traditionellen Kerzenkranz auf dem Kopf und prophezeit ihm, er werde zwei Kinder bekommen. Grantel will nichts davon hören, und auch die Pfefferkuchen, die Lucia ihm zur Versüßung dieser Botschaft daläßt, überzeugen ihn keineswegs.

Als die Hummel auch noch behauptet, die Pfefferkuchen schmeckten himmlisch, schimpft Grantel, er wolle nichts vom Himmel, von Engeln und Kindern wissen, und er beklagt sich, wie lächerlich er mit dem grauen Wollstrumpf auf dem Kopf aussähe, den er sich in Ermangelung seiner Zipfelmütze anziehen müsse.

Inzwischen fällt längst Schnee, das Festessen in der Kaninchenhöhle ist vorbereitet, der Weihnachtsbaum ist mit Naturmaterialien geschmückt, und alle warten auf den Weihnachtsmann. Doch der kommt nicht, und es werden erste Stimmen laut, welche die Existenz des Weihnachtsmannes bezweifeln.

Nina und Kalle beschließen, heimlich den Weihnachtsmann zu holen. Der Uhu hatte gemeint, der Weihnachtsmann wohne dort, wo der Schnee herkäme. Also kämpfen sich die Kaninchenkinder gegen den Wind und durch den aufkommenden Schneesturm bis zum Hof des Wichtels.

Grantel reagiert zunächst theoretisch abweisend und dann doch ganz praktisch fürsorglich auf die durchgefrorenen Kinder. Er kümmert sich halt, auch wenn er darüber räsoniert. Ja, er ist sogar so einfühlsam, den Weihnachtsmann zu spielen. Er improvisiert einen Schlitten mit Glöckchen und Laterne und fährt mit den Kindern zur Kaninchenhöhle zurück.

Dort werden alle freudig begrüßt, und der Wichtel wird so zärtlich geherzt und willkommen geheißen, daß er nur ganz freundlich grantelt. Als er dann auch noch – neben allerlei anderen Aufmerksamkeiten – seine rote Zipfelmütze wiedergeschenkt bekommt, findet Grantel, daß dies sein schönstes Weihnachten seit hundert Jahren sei.

Nina fragt den Wichtel, warum eigentlich Weihnachten gefeiert werde. „Weil ein Kind auf die Welt gekommen ist“, sagt Grantel. Nun, ich finde, dies ist eine Antwort, die wahrlich kinderleicht zu verstehen ist.

„Wichtelweihnacht im Winterwald“ ist eine schöne, warmherzige Vorlese- geschichte, die – wohlportioniert in 25 übersichtliche Kapitel und durchgehend farbig illustriert – anregend von Tag zu Tag durch die Adventszeit führt.

Die Erzählung betont die zwischenmenschliche bzw. zwischenwichteltierische Ebene. Grantel, eingerostet in seiner menschenleeren Einsamkeit, will mit Weihnachten nichts zu tun haben. Ausgerechnet er wird von den Kaninchen- kindern für den Weihnachtsmann gehalten und erfüllt die ihm zugedachte Rolle schließlich mit Bravour, Gutherzigkeit, feierlicher Andacht und Würde.

Ulf Stark findet einen Erzählton, der in einfachen Worten Dinge und Gegeben- heiten ausspricht und zugleich zwischen den Zeilen ein feinfühliges, vielschichtiges Herzensecho erklingen läßt.

Die sanftmütigen, warmherzigen Illustrationen von Eva Eriksson bereichern den Text Seite für Seite um eine stimmungsvolle visuelle Dimension und harmo- nieren ganz vorzüglich mit der schelmischen Weisheit der Erzählung; damit garantieren sie eine zauberhafte Weihnachtseinstimmung für die ganze Familie.

Die hochwertige Ausstattung mit edlem rotem Halbleinenbuchrücken, die strapazierfähige Fadenheftung und das anschaulich großzügige Buchformat bieten als bibliophile Zugabe eine edle Verpackung für dieses märchenhaft-festliche Wichtelweihnachtshausbuch.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
http://www.oetinger.de/nc/schnellsuche/titelsuche/details/titel/1247500/18745/3163/Illustrator/Eva/Eriksson/Wichtelweihnacht_im_Winterwald.html

Querverweis:

Hier entlang zu einem weiteren, sehr warmherzigen weihnachtlichen Kinderbuch von Ulf Stark: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/12/12/was-wir-uns-wuenschen/ 

Der Autor:

»Ulf Stark, 1944 in Schweden geboren, ist ein erfolgreicher Schriftsteller und Drehbuch-autor. Er studierte Pädagogik und Psychologie und veröffentlichte 1975 sein erstes Kinderbuch. Etliche seiner Geschichten wurden auch verfilmt. Für sein Werk wurde Ulf Stark vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis, dem renommierten schwedischen August-(Strindberg-)Preis und dem Nils-Holgersson-Preis. «

Die Illustratorin:

»Eva Eriksson wurde 1949 in Halmstad/Schweden geboren und studierte nach dem Abitur an einer Kunstschule. Heute ist sie eine der bekanntesten und beliebtesten Kinderbuch-Illustratorinnen Schwedens und auch international erfolgreich. Sie wurde u.a. mit der Goldenen Plakette auf der Biennale der Illustrationen in Bratislava und dem Europäischen Jugendliteraturpreis „Provincia di Trento“ ausgezeichnet. Mit ihren liebenswerten Illustrationen der Geschichten über den kleinen „Max“, die inzwischen schon zu den Bilderbuch-Klassikern zählen, kam sie auf die Ehrenliste des Hans Christian Andersen-Preises. Für ihr Lebenswerk erhielt Eva Eriksson den Elsa-Beskow-Preis und den Astrid Lindgren Preis des schwedischen Verlages Rabén & Sjögren.«

Was wir uns wünschen

  • von Ulf Stark
  • Originaltitel: »En liten bok om kärlek«
  • Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer
  • Mit Schwarz-weiß-Illustrationen von Lina Bodén
  • Verlag Urachhaus     August 2016   www.urachhaus.com
  • gebunden
  • 112 Seiten
  • 12,90 € (D), 13,30 € (A)
  • ISBN 978-3-8251-7984-7
  • ab 7 Jahren
    was-wir-uns-wuenschen-titelbild

MIT  GEFÜHL

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Was wir uns wünschen“ ist eine warmherzige Weihnachtsgeschichte, die in der Vergangenheit spielt und gleichwohl die Zeitlosigkeit elementarer zwischenmenschlicher Bedürfnisse zeigt.

Eine Kindheit im Krieg ist kein Zuckerschlecken; davon kann der Junge Fred ein Lied singen. Alle Lebensmittel sind rationiert, und zum alltäglichen Mangel kommt ein besonders kalter Winter belastend hinzu. Seine Mutter, zu der er ein sehr inniges Verhältnis hat, arbeitet als Straßenbahnschaffnerin, und Fred hilft nachmittags einem freundlichen Nachbarn als Ausrufer und Lieferant beim Weihnachtsbaummarktstand aus.

So kann er auch etwas zum Haushalt beitragen. Fred darf zusätzlich zu seiner kleinen Umsatzbeteiligung alle Holz- und Zweigreste mitnehmen, mit denen später der häusliche Kachelofen befeuert wird.

Fred vermißt seinen Vater, der als Soldat an der Grenze zu Finnland dient, und er ärgert sich über den Politiker mit dem kleinen schwarzen Schnurrbart, der diesen Krieg angefangen hat.

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Illustration von Lina Bodén © Verlag Urachhaus 2016

Wenn Fred wichtige Lebensfragen hat, setzt er sich in die Kleiderkammer unter den Sonntagsanzug seines Vaters und holt sich väterlichen Rat, indem er das Rauschen der Lüftungsklappe in echte Antworten uminterpretiert. Manche Dinge muß man eben von zu Mann zu Mann besprechen.

Fred ist sehr gut in Mathematik und heimlich verliebt in seine Klassenkameradin Elsa. Bei der nächsten Klassenarbeit versucht er, Elsa die Lösung für eine Rechenaufgabe, mit der sie offensichtlich nicht klar kommt, zuzustecken. Dabei wird er erwischt, und seine Absicht, sich bei Elsa beliebt zu machen, wird pompös und peinlich verfehlt.

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Illustration von Lina Bodén © Verlag Urachhaus 2016

Nach der Schule arbeitet er wieder am Weihnachtsbaumstand und bedient eine elegante, offensichtlich wohlhabende Dame. Fred trägt ihr den Weihnachtsbaum nach Hause, und sie gibt ihm ein sehr üppiges Trinkgeld. Seufzend äußert sie ihren Wunsch nach Frieden, und Fred (dessen Name Frieden bedeutet) stimmt ihr zu. Daraufhin schenkt sie ihm noch eine Tafel Schokolade und ein kristallenes Parfümfläschchen, in dem noch ein kleiner Rest von Parfüm ist. Fred hält die Dame für eine gute Fee, denn immer, wenn er ein Tröpfchen von ihrem Parfüm verreibt, fühlt er sich froh und zuversichtlich.

Fred beratschlagt sich in seinen imaginativen Gesprächen mit seinem Vater, wie er das Mogelzettelproblem lösen und Elsas Herz erreichen könne. Liebe sei nichts für Feiglinge, meint sein Vater.

Fred besteht in den folgenden Tagen eine Mutprobe ganz anderer Art als geplant. Geplant ist ein offenes Wort an Elsa; das führt jedoch, durch Freds schüchterne Wortverlegenheit, nur zu weiteren Mißverständnissen. Ungeplant und ganz spontan öffnen Fred und sein bester Kumpel Oskar heimlich die Schulvitrine mit den naturwissenschaftlichen Schauobjekten und bekleben das dortige Skelett mit einem Hitlerbärtchen aus schwarzem Isolierband.

Am nächsten Schultag gibt es auf der Suche nach den „Tätern“ ein dickes Donnerwetter vom Schuldirektor. Fred und Oskar beweisen Zivilcourage und gestehen ihren Streich. Sie bekommen eine Verwarnung und eine Fünf in Betragen. Bei der Verwarnung, die von der Klassenlehrerin für die Eltern verfaßt wird, beweist diese wiederum viel Zivilcourage durch die unkonventionelle Formulierung, die ein ausdrückliches Lob für den Schülerstreich enthält.  Dementsprechend positiv reagiert Freds Mutter, die zudem mein, daß Freds Vater stolz auf seinen Sohn wäre, wenn er von seiner „Heldentat“ erführe.

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Illustration von Lina Bodén © Verlag Urachhaus 2016

Von seinem Vater weiß Fred, daß man für die Liebe manchmal ein Opfer bringen müsse. Also packt er seine Trinkgeld-Schokolade in ein herausgerissenes Blatt aus einem alten Popeye-Comic und schreibt ein Liebesbriefchen dazu. Beide Gaben schmuggelt er am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien in Elsas Schreibpult.

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Illustration von Lina Bodén © Verlag Urachhaus 2016

Obwohl sein Brief ein wenig holperig und ungeschickt ist, kommt er entschieden positiv bei Elsa an. Sie wartet auf dem Schulhof auf Fred und begleitet ihn zum Weihnachts-baummarktstand, wo er noch einen versprochenen Restweihnachtsbaum abholen darf. Gemeinsam tragen sie den Baum zu Freds Wohnhaus. Dort umarmt Elsa Fred und schenkt ihm einen blauen Taschenspiegel mit der Bemerkung: „Wenn du da reinguckst, siehst du einen, den ich gern hab.“ (Seite 89)

Nun, diese Herzensangelegenheit ist schon mal gut eingefädelt und läßt hoffen. Und die Sehnsucht nach dem Vater wird ganz überraschend auch noch gestillt – wenigstens für Heiligabend …

Ulf Stark transportiert uns mit seinem einfühlsamen Text schnurstracks in Freds Herz. Schon nach wenigen Seiten ist der atmosphärische Zeitsprung in die Vergangenheit perfekt, und die verschiedenen Charaktere werden uns vertraut. Freds Klassenlehrerin, die eine wahre pädagogische Lichtgestalt repräsentiert, verdient ganz besondere Leseaufmerksamkeit.

Die feinen, konzentrierten Schwarz-weiß-Illustrationen von Lina Bodén bringen den Zeitgeist und die Gefühlstemperatur der Erzählung stimmungsvoll zur Geltung.

Anrührend sind außerdem die – im Vergleich zu heutigen Usancen –  bescheidenen kindlichen Weihnachtswünsche. Es geht um Schlittschuhe und eine Mundharmonika, aber ansonsten ist der Wunschtraum nach üppigen Nahrungsmitteln und nach Frieden viel ausgeprägter als der nach spielerischen Dingen. Fred zeigt auch großen Einfalls- reichtum beim Geschenkebasteln. So holt er vom Schrottplatz Messingmuttern, poliert sie blank und fädelt sie zu einem glänzenden Armband auf, das er seiner Mutter schenkt.

In einer Sprache, die einfach und zugleich ganz zartfühlend und sinnlich-greifbar ist, stellt der Autor die kindlichen Herzensregungen dar: voller Mitgefühl, mit leisem Tiefgang und mit einer freundlichen Portion schelmischen Humors.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
http://www.urachhaus.de/buecher/9783825179847/was-wir-uns-wuenschen

Der Autor:

»Ulf Stark, geboren 1944 in Stockholm, knüpfte bereits in seiner Gymnasialzeit Kontakte zu Schriftsteller- und Künstlerkreisen und debütierte 19-jährig mit einem Lyrikband. Seit Jahrzehnten ist er freier Kinderbuchautor und seine Bücher sind nicht nur in Schweden, sondern auch in vielen anderen Ländern sehr erfolgreich und wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit der Nils-Holgersson-Plakette, dem Astrid-Lindgren-Preis und dem Deutschen Jugendliteraturpreis

Die Illustratorin:

»Lina Bodén, geboren 1980 in Stockholm, hat an der traditionsreichen Beckmanns Designhochschule studiert und malt seit fast einem Jahrzehnt erfolgreich Illustrationen für Kinderbücher und Belletristik, für Zeitungen, Werbung, Verpackungen und Textildruck. Sie lebt mit ihrer Familie in Stockholm.«

Joppe

  • von Gunnel Linde
  • Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer
  • Illustrationen von Ole Könnecke
  • Gerstenberg Verlag                  http://www.gerstenberg-verlag.de
  • 3. Auflage Januar 2015
  • 128 Seiten, gebunden
  • Format: 16 x 21,5 cm
  • ISBN 978-3-8369-5092-3
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A), 18,60 sFr
  • ab 7 Jahren zum Selbsterlesen
  • ab 5 Jahren zum Vorlesen
    JOPPE Titelbild

MAULWURF, ICK HÖR‘ DIR TRAPSEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der kleine Ole lebt mit seiner Mutter und mit Joppe zusammen. Joppe ist ein Stofftiermaulwurf, aber für Ole ist Joppe lebendig und wird dementsprechend gefüttert, gepflegt und in den familiären Alltag integriert. Ole und Joppe sind fast unzertrennlich: Sie schlafen, frühstücken und spielen zusammen, sie gehen gemeinsam in den Kindergarten, und abends baden sie sogar zusammen.

Natürlich passieren Ole immer wieder kleinere und größere Pannen bei der Beaufsichtigung Joppes. Mal läßt er ihn alleine mit dem Aufzug fahren, und prompt bleibt der Aufzug stecken; er vergißt Joppe im Bus, er läßt ihn vom Balkon fliegen oder sich im Supermarkt hinter Dosenpyramiden verstecken…

Beschwichtigungsversuchen aus erwachsenem Blickwinkel, die darauf hindeuten, daß Joppe doch nur ein Stofftier sei, wird von Ole lebhaft und gegebenenfalls auch tränenreich widersprochen. Wie gut, daß Ole schon bei dem Mißgeschick mit dem steckengebliebenen Fahrstuhl den netten und sehr hilfsbereiten Nachbarn Olsson kennengelernt hat! Olsson hat großes Verständnis für Oles Anhänglichkeit an Joppe, und er wird nach und nach der hauptamtliche Retter und Wiederfinder von Joppe-auf-Abwegen.

Joppe hält Ole auf Trab, Ole hält seine Mutter und Olsson auf Trab, und ganz beiläufig kommen sich bei den zahlreichen Joppe-Wiederbeschaffungsmaßnahmen Oles Mutter und Olsson näher. Schließlich treten sie alle miteinander vor den Traualtar – das nenne ich eine glückliche Fügung.

Gunnel Linde verbindet die einfühlsame Darstellung der kindlichen Perspektive mit der augenzwinkernd-situationskomischen Darstellung der erwachsenen Reaktionen auf Ole und Joppes „lebendige“ Beziehung. Dabei gelingt es ihr, mit kurzen Sätzen, einfachen Worten und warmherzigen Dialogen die kindlichen Gefühlswerte- und Wahrnehmungen zu würdigen.

Nebenbei bemerkt: Olsson ist ein heldenhafter und zugewandter Diener des kindlichen Absolutismus und zugleich ein engelsgeduldiges Vorbild dafür, wie man (Mann) über das Herz eines Kindes das Herz einer Frau erobern kann.

Die ausdrucksvoll-schlichten Illustrationen von Ole Könnecke runden die kindlichen Eskapaden anschaulich ab.

Joppe Vorlesung

Illustration Ole Könnecke © Gerstenberg Verlag 2015

Joppe Maulwurf Hund

Illustration Ole Könnecke © Gerstenberg Verlag 2015

Joppe Fahrstuhl

Illustration Ole Könnecke © Gerstenberg Verlag 2015

Joppe Supermarkt

Illustration Ole Könnecke © Gerstenberg Verlag 2015

Joppe Frühstück

Illustration Ole Könnecke © Gerstenberg Verlag 2015

Die Autorin:

»Gunnel Linde, geboren 1924 in Stockholm, hat über 40 Bücher veröffentlicht, von denen viele zu Klassikern der schwedischen Kinderliteratur geworden sind. Für ihr Gesamtwerk ist sie mit dem Astrid-Lindgren-Preis geehrt worden.«

Der Illustrator:

»Ole Könnecke, geboren 1961, verbrachte seine Kindheit in Schweden. Während seines Germanistikstudiums begann er mit dem Zeichnen. Für seine Arbeiten wurde er mehrfach national und international ausgezeichnet. Heute lebt er mit seiner Familie in Hamburg.«

Wie lange dauert Traurigsein?

  • Für alle, die jemanden verloren haben
  • von Maria Farm
  • aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer
  • Einband von Anna Harvard
  • Illustrationen von Bianca Schaalburg
  • Oetinger Verlag, März 2014                     http://www.oetinger.de
  • 144 Seiten, gebunden
  • 12.95 €
  • ISBN 978-3-7891-8557-1
  • Ab 9 Jahren
    9783789185571.jpg Wie lange dauert Traurigsein

LICHTSTREIFEN  IN  DER  DUNKELHEIT 

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Es ist schon für Erwachsene eine Herausforderung, konstruktiv mit den schmerzlichen Gefühlen umzugehen, die mit den Themen Tod, Verlust und Trauer verbunden sind. Umso wichtiger ist es, daß Kinder, die vom Tode eines nahen Angehörigen betroffen sind, eine gute Unterstützung und Begleitung zur Trauerverarbeitung bekommen.

Auch ein Ratgeberbuch kann ein solcher hilfreicher Wegweiser sein. Die Autorin von „Wie lange dauert Traurigsein?“ ist Psychologin, und der Umgang und das Arbeiten mit Menschen in Krisensituationen ist ihr Beruf. Ihr Buch ist für Kinder und Jugendliche ab 9 Jahren geschrieben, aber es ist auch gut für Erwachsene geeignet, die – beruflich oder persönlich – in irgendeiner Weise trauernden Kindern beistehen und helfen möchten.

Gefühle müssen zur Sprache gebracht werden, und dieses Buch geht mit gutem Beispiel voran:
Es wird nichts beschönigt, aber auch nichts dramatisiert. Mit ausdrücklicher Sensibilität und spürbarem Mitgefühl beschreibt die Autorin Gefühle von Angst, Betäubtheit, Verwirrung, Schuld, Wut, Verletzlichkeit, Sinnlosigkeit und Traurigkeit sowie Möglichkeiten, mit diesen schmerzlichen Gefühlen umzugehen. Sie spricht zudem auch unterschiedliche Todesarten (Unfall, Krankheit, Gewaltverbrechen und Selbstmord) an.

Sie wendet sich auch an Kinder, die einen gewalttätigen oder vernachlässigenden familiären Hintergrund haben und denen verantwortungsvolle Bezugspersonen fehlen. In solchen Fällen empfiehlt sie diesen Kindern und Jugendlichen, außerfamiliäre Hilfe in Anspruch zu nehmen. (Auf den Seiten 123/24 werden Internetseiten und Telefonnummern von Beratungsstellen angegeben.)

Die vier Phasen der Trauer (Schock, Reaktionsphase, Verarbeitung, Neuorientierung) werden sehr verständlich erläutert, aber auch der Unterschied zwischen Trauer und Depression wird anschaulich dargelegt. Auch die Möglichkeit, in der Trauer steckenzubleiben, wird thematisiert und die Notwendigkeit, sich in diesem Falle mit professioneller therapeutischer Begleitung an die Trauerverarbeitung zu machen.

Wiederholt wird darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, die traurigen und schmerzlichen Gefühle und Gedanken sowie die schönen Erinnerungen an die verstorbene Person zum Ausdruck zu bringen. Dies kann auf unterschiedliche Weise geschehen, z.B. durch Aufschreiben oder Malen und durch die Gestaltung eines persönlichen Ortes der Erinnerung, der mit einigen besonderen Erinnerungsgegenständen und vielleicht einer Kerze geschmückt wird.

Der Wellengang der Gefühle, das Hin und Her von Kummer und Trost, die Erschöpfung und die dunklen Gedanken, die aufkommen können, all dies sollte man sich von der Seele reden. Das Gespräch mit vertrauten Erwachsenen, mit den eigenen Freunden, aber auch ein Selbstgespräch können beruhigen, trösten und helfen. Natürlich muß auch die Sprache der Tränen fließen, wann immer einem danach zumute ist.

Es fehlt auch nicht an ganz pragmatischen Anregungen, gut für sich selbst zu sorgen, z.B. durch Bewegung an der frischen Luft oder die Ausübung einer Sportart. Auch hier wird ganz einfach erklärt, daß man dem Körper dadurch hilft, Stress abzubauen sowie durch die Ausschüttung körpereigener „Glückspillen“ die eigene Gefühlstimmung positiv beeinflußen kann.

Die Autorin beschreibt den Ausnahmezustand der Trauer in einer sehr warmherzigen Sprache mit kindgemäßer Wortwahl, und es gelingt ihr, auf berührende Weise Trost und Verständnis zu vermitteln sowie eine Vielzahl von konstruktiven Anregungen und Hilfen.

Den Weg der Trauerverarbeitung muß ein betroffenes Kind zwar trotzdem selber gehen. Aber mit dem glaubwürdigen, „buchförmigen“ Versprechen eines lebenserfahrenen Erwachsenen, daß das Leben wieder heller werden wird, sieht der Weg nicht mehr ganz so düster aus. Und vielleicht reift dann langsam eine Erkenntnis, wie die eines Jungen, der bei der Autorin in Behandlung war und der sehr um seine Mutter trauerte:

»Eines Tages strahlte er übers ganze Gesicht: „Du, ich bin jetzt dahintergekommen!“ „Was denn?“ fragte ich. „Also“, antwortete er, „alle wissen ja, dass gute Gefühle vorbeigehen, oder? Ich weiß, wenn ich jetzt im Moment froh bin, heißt das nicht, dass ich immer froh sein werde. Und darum kann man genauso über anstrengende Gefühle denken: Genau wie die frohen Gefühle werden auch sie natürlich vorübergehen!« (Seite 81)

Die farblich zurückhaltenden Illustrationen (von Bianca Schaalburg) – in schwarz, weiß, grau und rosa – bereichern den einfühlsamen Text um schlichte, aber sehr sprechende Bilder.

Eine weitere sinnvolle Ergänzung sind die textfreien letzten 14 Buchseiten, die dem Kind ganz unmittelbar Raum für eigene Notizen lassen.

 

Die Autorin:

»Maria Farm ist Psychologin, und der Umgang und das Arbeiten mit Menschen in Krisen ist ihr unmittelbar vertraut. „Wie lange dauert Traurigsein?“ ist ihr drittes Buch und basiert auf Erfahrungen aus ihrer Praxis.«

 

Die Illustratorin:

»Bianca Schaalburg, geboren 1968 in Berlin, studierte dort auch Grafik und Visuelle Kommunikation. Schon während des Studiums konnte sie regelmäßig Cartoons und Comics veröffentlichen und erste Kinderbücher illustrieren. Seit 2006 hat sie einen Platz an der Sonne im Atelier petit 4 in Berlin. Dort arbeitet sie mit viel Spaß an ihren Kinder- und Jugendbüchern und an Aufträgen für Zeitschriften und Agenturen. «

Querverweis:

Hier folgen ergänzende Links zu weiteren Kinderbüchern zu den Themen: Abschied, Tod und Trauer:

 

Ente, Tod und Tulpe
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/06/13/ente-tod-und-tulpe/
Erik und das Opa-Gespenst
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/05/erik-und-das-opa-gespenst/ ‎
Kleiner Fuchs Großer Himmel
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/23/kleiner-fuchs-grosser-himmel/
Nur ein Tag
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/13/nur-ein-tag/
Oma trinkt im Himmel Tee
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/26/oma-trinkt-im-himmel-tee/
Opa Meume und ich 
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/20/opa-meume-und-ich/
Der Tod auf dem Apfelbaum
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/03/20/der-tod-auf-dem-apfelbaum/
Überall & Nirgends / Gedichte über Tod und Trauer
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/07/03/ueberall-nirgends/