Ich will kein Eichhörnchen mehr sein

  • Text und Illustration von Olivier Tallec
  • Originaltitel: »J‘aurais voulu«
  • Aus dem Französischen von Ina Kronenberger
  • Gerstenberg Verlag, Juni 2022 www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 28 x 20 cm
  • 36 Seiten
  • durchgehend farbig
  • 13,00 € (D)
  • ISBN 978-3-8369-6173-8
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

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CHIMÄREN-THEATER

Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Olivier Tallecs Eichhörnchen mangelt es auch im dritten Band der Serie deutlich an Ausgewogenheit und Selbstgenügsamkeit. War es im ersten Band extrem besitzan-spruchsvoll (siehe: Das ist mein Baum) und im zweiten Band unmäßig gierig bis zur Zerstörung seiner Nahrungsgrundlage (siehe: Nur ein kleines bißchen ), so ist es nun im dritten Band mit seinem „langweiligen“ Eichhörnchendasein unzufrieden.

Ich will kein Eichhörnchen mehr sein. Biberwunsch

Text und Illustration von Olivier Tallec © Gerstenberg Verlag 2022

Mißmutig lehnt es alle eichhörnchentypischen Fähigkeiten ab und beneidet stattdessen die bewundernswerten Talente des Bibers. Doch nach einem Tag mit Bibertätigkeiten erkennt das Eichhörnchen, daß Bäumefällen viel zu anstrengend ist, ganz zu schweigen von den ewig nassen Füßen. Erschöpft liebäugelt es damit, als Hirsch mit imposantem Geweih durch den Wald zu stolzieren.

Allerdings hat auch das Hirschsein nachteilige Seiten, denn ein klassisches Fluchttier muß verflixt oft vor potenziellen Jägern fliehen. Völlig aus der Puste an einen Baum gelehnt, erscheint dem Eichhörnchen nun das Igeldasein äußerst attraktiv … und so geht es eine Weile weiter mit diversen tierischen Daseinsalternativen von Eule bis Weinbergschnecke.

Ich will kein Eichhörnchen mehr sein. Igelwunsch

Text und Illustration von Olivier Tallec © Gerstenberg Verlag 2022

Stets erweisen sich die zuvor beneideten Vorteile in der Praxis als unvermutet wenig erfreulich und sogar als anstrengend, gefährlich und nachteilig. Schließlich kommt das Eichhörnchen etwas geknickt zu der Einsicht, daß es doch lieber ein Eichhörnchen bleiben möchte. Und zu seinem nicht geringen Erstaunen trifft es dann auch noch ein Wildschwein, das offensichtlich lieber ein Eichhörnchen wäre.

Die illustratorische Inszenierung der diversen Eichhörnchen-Identitätswechsel ist äußerst amüsant gestaltet. Zuerst wird das kleine Eichhörnchenkörperchen mit einem breiten, flachen Biberschwanz ausgestattet, dann kommt ein Hirschgeweih hinzu und ein Igelstachelpelz, und alle diese Accessoires bleiben ihm erhalten, so daß es nur noch sein Eichhörnchenköpfchen und seine Pfoten als Eichhörnchen ausweisen.

Das Eichhörnchen idealisiert die anderen Tiere, deren Eigenschaften es maßlos über- bewertet, während es sein gewohntes Eichhörnchensein abwertet. Es geht dem Eichhörnchen dabei weniger um Neid auf andere Gaben, sondern mehr um die Unzu-friedenheit mit dem alltäglich Vertrauten, das vermeintlich zu wenig Glanz versprüht. Manchmal braucht es offensichtlich Umwege, um die eigenen Qualitäten und Daseins- bedingungen angemessen wahrzunehmen und wertzuschätzen.

So bietet dieses Bilderbuch für Kinder und ihre Vorleser animierenden Gesprächsstoff für selbstreflexive und kommunikative Gedankenspiele: Wie sehe ich mich? Würdige ich mich selbst? Wie sehe ich andere? Sehe ich die Anderen wirklich, oder erliege ich nur meiner Vorstellung von ihnen? Wie werde ich von anderen gesehen, und welche Rolle spielt das für meine Selbstwahrnehmung? Wer oder was würde ich gerne einmal ausprobieren zu sein?

Doch unabhängig von tieferen sinnbildlichen Bilderbuchbetrachtungen ist dieses Buch überaus vergnüglich. Denn Olivier Tallecs Illustrationen geben dem Eichhörnchen eine solch lebhafte und deutlich ablesbare Mimik und ausdrucksvolle Körpersprache, daß Kinder dieser Geschichte auch sehr gut ohne den Begleittext folgen können.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.gerstenberg-verlag.de/Kinderbuch/Bilderbuch/Ich-will-kein-Eichhoernchen-mehr-sein.html?noloc=1

Hier entlang zum ersten Band: Das ist mein Baum Das ist mein Baum
Und hier zum zweiten Band: Nur ein kleines bißchen  Nur ein kleines bißchen

Der Autor und Illustrator:

»Olivier Tallec, geb. 1970, hat an der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs in Paris studiert und teilt seitdem seine Zeit zwischen Design und Illustration. Seine Bücher wurden in zahlreichen Ländern veröffentlicht und ausgezeichnet.«

Querverweis:

Ergänzend bietet sich zudem das Bilderbuch „Wär ich doch…“  von Mies van Hout an. Auch dort geht es um das Thema, jemand anderes sein zu wollen… Wär ich doch

 

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In der Weihnachtshöhle ist noch Platz

  • Text von Katharina Mauder
  • Illustrationen von Nikolai Renger
  • Esslinger Verlag, Oktober 2019  http://www.esslinger-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 266 x 266 mm
  • 32 Seiten
  • Buchdeckel mit Lochstanzung
  • 13,00 € (D), 13.40 € (A), 19,50 sFr.
  • ISBN 978-3-480-23494-3
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

STÖRENFRIEDE  MIT  WEIHNACHTSKRAM

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Allerlei Tiere des Waldes tummeln sich zwischen tanzenden Schneeflocken und freuen sich auf Weihnachten. Mit einer einzigen Ausnahme: Der grantige, brummelige und grummelige Bär Mattes hockt alleine in seiner Bärenhöhle, will einfach seine ungestörte Ruhe und schon garnichts mit Weihnachten zu tun haben.

Da sich der Schneefall inzwischen zu einem veritablen Schneesturm ausgewachsen hat, klopft eine kleine, frierende Maus an Mattes‘ Höhlentür und bittet um Einlaß. Ohne eine Antwort abzuwarten, spaziert sie in die Höhle und legt sogleich noch ungefragt zwei Holzscheite in den Ofen, um mehr aufzuheizen.

Nach und nach folgen der Maus zwei Kaninchen, die sich verhoppelt haben, drei Hirsche, vier musikalische Waschbären, fünf Igel mit einem Schlitten voller Geschenke und noch diverse Wildschweine, Füchse, Eichhörnchen und Vögel. Und alle bringen ihren Weih- nachtskram mit und dekorieren unbefugt Mattes‘ Höhle. 

Der Bär kommt aus dem Grummeln und Brummeln garnicht mehr heraus, und zur Krönung beschweren sich die ungebetenen Gäste dann auch noch, daß es ganz schön eng in der Höhle sei. Mattes beklagt sich nun seinerseits ausgesprochen motzmürrisch über das aufdringliche und ungefragte Eindringen der Tiere in seine Höhle. In die betretene Mucksmäuschenstille, die daraufhin entsteht, ertönt ein neues Klopfen.

Vor der Höhlentür steht nun Basti Biber mit einem schönen Weihnachtsbaum, den er Mattes schenken möchte, da der See und der Biberbau zugefroren seien und sein Baum so wenigstens noch jemand anderen erfreuen könne.

Illustrationen von Nikolai Renger © Esslinger Verlag 2019

Da lädt Mattes den Biber sehr gerne in seine Höhle ein, alle rücken noch etwas mehr zusammen und bedanken sich einträchtig bei Mattes für die Rettung vor dem Schnee-sturm. Als Basti dann die Kerzen am Weihnachtsbaum entzündet, ist die Weihnachts-stimmung perfekt, sogar für den grummeligen und brummeligen Bär Mattes.

„In der Bärenhöhle ist noch Platz“ handelt vom berechtigten Bedürfnis nach Alleinsein, von den Vor- und Nachteilen gemeinschaftlichen Miteinanders, von rücksichtsloser Unhöflichkeit und rücksichtsvoller Höflichkeit sowie natürlich von erwarteten und unerwarteten Weihnachtsfreuden. Die Autorin, Katharina Mauder, erzählt diese Geschichte mit stimmungsvoller Dramaturgie, warmherzigem Augenzwinkern, lebhaften Dialogen und amüsanten, refrainartig wiederholten Formulierungen, die sich beim Vorlesen besonders gut lautmalerisch inszenieren lassen.

Die farbenfrohen Illustrationen von Nikolai Renger sind heiter und knuffig. Sie kommen dabei ganz ohne zeichnerischen Zuckerguß aus und glänzen stattdessen mit ausdrucksvoller Mimik, anschaulicher Körpersprache und verspielten Details.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/esslinger/buecher/buchdetailseite/in-der-weihnachtshoehle-ist-noch-platz-isbn-978-3-480-23494-3/

 

Illustrationen von Nikolai Renger © Esslinger Verlag 2019

Die Autorin:

»Katharina Mauder, geboren 1982 in Karlsruhe, arbeitete mehrere Jahre als Lektorin in einem Kinderbuchverlag. Seit 2011 ist sie als freie Autorin für Bilder-, Vorlese- und Geschenkbücher tätig.«

Der Illustrator:

»Nikolai Renger wurde in Karlsruhe geboren und studierte Visuelle Kommunikation an der HFG in Pforzheim. Er ist als freiberuflicher Illustrator für verschiedene Verlage und Agenturen tätig und arbeitet seit 2013 im Atelier Remise in Karlsruhe.«

 

Querverweis:

Hier entlang zu drei anderen Bilderbüchern, die Nikolai Renger illustriert hat:

Mozart & Robinson und der Zauber des Käsemonds
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/08/18/mozart-robinson-und-der-zauber-des-kaesemonds/
Hier entlang zum zweiten Band: Mozart & Robinson und der gefährliche Schiffbruch
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/10/29/mozart-robinson-und-der-gefaehrliche-schiffbruch/
Und zum dritten Band: Mozart & Robinson und der waghalsige Pfannkuchenplan
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/02/06/mozart-und-robinson-und-der-waghalsige-pfannkuchenplan/

 

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