Wildlife Gardening

  • Die Kunst, im eigenen Garten die Welt zu retten
  • von Dave Goulson
  • Originaltitel: »The Garden Jungle or Gardening to Save the Planet«
  • Aus dem Englischen von Elsbeth Ranke
  • Illustrationen von Nils Hoff
  • Hanser Verlag März 2019 http://www.hanser-literaturverlage.de
  • gebunden
  • mit Schutzumschlag und LESEBÄNDCHEN
  • 304 Seiten
  • 24,00 € (D), 24,70 € (A)
  • ISBN 978-3-446-26188-4

WAS  UNS  BLÜHT  UND  FRUCHTET

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dave Goulson vermittelt uns mit seinem neuen Buch „Wildlife Gardening“ fundiertes, nachhaltiges und vielseitiges Wissenswerkzeug, um im Einklang mit der Natur und unseren pflanzlichen und tierischen Mitgeschöpfen einen ebenso schönen wie fruchtbaren Garten zu gestalten.

Anschaulich verknüpft der Autor seine Kenntnisse als Insekten- und Bienenforscher mit seiner persönlichen biologischen Gartenpraxis. Zwar stehen nicht jedem Leser Dave Goulsons 8000m²-Gartenfläche zur Verfügung, aber selbst auf nur einem einzigen Qua- dratmeter oder in einem einzigen Blumentopf lohnt es sich, mit der Natur zu gärtnern.

„Für ein erfolgreiches Naturgärtnern ist das, was man nicht tut, genauso wichtig wie das, was man tut.“ (Seite 13)

So muß man beispielsweise nicht unbedingt umständlich mit Rasenbodenabtragung, Sanduntermischung und der Aussaat von Wildblumensamen eine Wildblumenwiese gestalten, sondern man kann zunächst einfach nur den Rasen wachsen lassen und schauen, welche Stauden in Wartehaltung sich daraufhin ausbreiten, da sie endlich Gelegenheit zur Blüten- und Samenbildungsreifung haben.

Die Arten, die von Natur aus bereits am gegebenen Standort gedeihen, kann man um zusätzliche Inselpflanzungen weiterer einheimischer Wildblumen ergänzen. Gegen ein Übermaß horstiger Gräser hilft die Aussaat von Kleinem Klappertopf, einer einjährigen Wiesenpflanze, deren Sämlinge parasitisch „die Wurzeln der umliegenden Gräser anzapfen und die Nährstoffe heraussaugen…“ (Seite 47/48) Das Gras wird deutlich reduziert, und es entsteht mehr Freiraum für den Klappertopf und auch für andere Wildblumen.

Pestizide, Insektizide & Co. sowie Kunstdünger werden selbstverständlich keinesfalls benutzt. Mit durchaus gebotener Eindringlichkeit beschreibt Dave Goulson die zerstör-erischen Auswirkungen solcher „Pflanzenschutzmittel“, deren Einsatz in der indu- striellen Landwirtschaft, aber auch in privatem und kommunalem Gebrauch lebens- feindliche Teufelskreise aus stärkerem Schädlingsbefall, stärkerem Gifteinsatz und kumulierenden Giftanreicherungen im Boden, in Wasserkreisläufen und pflanzlichen, tierischen und menschlichen Nahrungsketten zur Folge haben.

Selbst als besonders bienenfreundlich etikettierte Blumen, die man im konventionellen Gartenhandel erwerben kann, sind in ihrer Aufzucht vielen Giften ausgesetzt gewesen, die sie systemisch – also im gesamten Pflanzenorganismus – über ihre Pollen und den Nektar weitergeben.

Haben Sie einen Hund oder eine Katze? Womit werden Ihre Vierbeiner gegen Flöhe behandelt? Ein häufiger Wirkstoff, mit dem Halsbänder imprägniert werden oder der in flüssiger Form auf die Hundehaut aufgebracht wird, ist Imidacloprid, ein Neonicotin- oid, dessen Bienengiftigkeit erwiesen ist. Wenn Sie Ihren Hund streicheln, kommen Sie unweigerlich in Berührung mit Neurotoxinen. Wahrscheinlich sind diese Toxine auch im Urin des Hundes und werden beim Gassigehen verteilt. Die 250 Milligramm Imadaclop- rid, mit denen ein mittelgroßer Hund gegen Flöhe „imprägniert“ wird, reichen aus, um 60 Millionen Honigbienen zu töten.

Sie sehen schon: Man muß sehr ganzheitlich und weit vorausschauend handeln, um Giftbelastungen für die Mitwelt und für sich selbst möglichst zu vermeiden. Pflanzen und Samen aus Biogärtnereien, freundschaftlicher und nachbarschaftlicher Ableger- austausch und das Gärtnern mit den bereits vorhandenen Pflanzenschätzen sind gute Voraussetzungen, um die Welt wenigstens im eigenen Garten zu retten. 

Beim Wildnisgärtnern hält man eine maßvolle Ordnung, die ungestörte Nist- und Über-winterungsmöglichkeiten für Wildbienen, Insekten, Vögel und Kleintiere bietet, bei- spielsweise durch Insektenhotels, Steinhaufen, Totholzstapel und Schutzhecken. Stand- ortgemäße, abwechslungsreiche Nektar- und Pollenpflanzen, Gemüsemischbeete und Kräuter und – je nach Raumverfügung – auch Obstbäume, Beerensträucher sowie vielleicht sogar ein selbstgestampfter Lehmteich erhöhen die Artenvielfalt und verbessern das natürliche Gleichgewicht im Garten.

Für den Garten gilt die Grundregel: » … je mehr Vegetation, desto mehr Co₂-Speicher- ung « (Seite 249). Mehr Pflanzenvielfalt zieht mehr Insektenvielfalt an und mehr Insekten wiederum mehr Vögel.

In Dave Goulsons Obstgarten halten Ohrwürmer die Blattläuse in Schach, was ihn zu einem regelrechten Loblied auf den Ohrwurm veranlaßt und uns interessante Einblicke in das Liebesleben und die erstaunlich ausgeprägte Mutterliebe der Ohrwürminnen gewährt. Überaus köstlich ist beim Thema Obstanbau die Schwärmerei des Autors über die vielen außergewöhnlichen Apfelsorten, die er hegt und pflegt und genießt und die uns im Supermarktangebot wohl kaum jemals begegnen werden.

Wir erfahren ausführlich von der enormen Leistung, die Regenwürmer für die Boden-fruchtbarkeit, die Bodenbelüftung und Bodenlockerung erbringen. Angesichts der wesentlich höheren Regenwurmdichte in Gärten im Vergleich zu Ackerböden kann man Dave Goulsons Forderung nach einem „landesweiten Langzeit-Wurmüberwachungs-programm“ (Seite 207) zur Erforschung der besten Wurmdichtebedingungen nur zustimmen.

Empfehlungen zum Kompostieren oder wahlweise zur Installation eines kleinen Wurm-farmbehälters sowie übersichtliche Listen mit Blühpflanzen für Bestäuber und Beeren-pflanzen für Vögel runden diesen facettenreich-informativen Gartenratgeber sinnvoll ab. Die feinen Zeichnungen von Nils Hoff greifen die Thematik ebenso naturalistisch wie gelegentlich etwas augenzwinkernd-ironisch auf.

Dave Goulson leitet jedes Kapitel seines Buches mit einem Koch- oder Backrezept ein. Dies fügt sich harmonisch zur abschließenden, hoffnungsnährenden Erkenntnis, daß der Ernteertrag aus Gärten und Schrebergärten den Ertrag der konventionellen Landwirt-schaft um das Vier- bis Elffache übertrifft.

Mit „Wildlife Gardening“ gelingt Dave Goulson eine ermutigende Balance aus ökologischer Aufklärung und aufwühlender Gefahrenanalyse sowie praktisch-konstruktiven zukunftsweisenden Anregungen, die vorhandenen natürlichen Handlungsspielräume selbstwirksam im eigenen Garten und Lebensalltag zu nutzen.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/wildlife-gardening/978-3-446-26188-4/

Hier entlang zu Dave Goulsons erstem Werk Und sie fliegt doch. Eine kurze Geschichte der Hummel: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/08/09/und-sie-fliegt-doch/
sowie zu Dave Goulsons Buch „Wenn der Nagekäfer zweimal klopft. Das geheime Leben der Insekten“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/07/wenn-der-nagekaefer-zweimal-klopft/

Der Autor:

»Dave Goulson, Jahrgang 1965, ist einer von Europas führenden Hummel- und Wild-bienenschützern. Bei Hanser erschienen Und sie fliegt doch (2014), Wenn der Nagekäfer zweimal klopft (2016) und Die seltensten Bienen der Welt (2017). Dave Goulson lebt in Blackboys, East Sussex, wo er seit vielen Jahren Wildlife Gardening betreibt.«
www.sussex.ac.uk/lifesci/goulsonlab
https://twitter.com/DaveGoulson

Die Übersetzerin:

»Elsbeth Ranke, geboren 1972, hat in Erlangen und Nantes Romanistik, Latein und Angewandte Sprachwissenschaft studiert. Sie übersetzt aus dem Französischen und Englischen u.a. Erin Hunter, Frédéric Lenoir, E.O. Wilson, Lewis Wolpert und Hélène Beauvoir. 2004 erhielt sie den André-Gide-Preis.«

Der Illustrator:

Seltsamerweise erfährt man vom Verlag – bis auf den Namen – nichts über den Illustrator. Deshalb verweise ich nachfolgend auf die Webseite von Nils Hoff: http://www.nilshoff.de/info/

Querverweis:

Gerne und nachdrücklich lege ich Ihnen noch Almuths bienenfleißige Webseite „Natur auf dem Balkon“ ans Herz. Dort finden sich viele praktikable Anregungen für welt- rettende (wild)bienenförderliche Lebensbedingungen, zu denen jeder etwas beitragen kann. Feine Fotos und liebevoll-informative Texte bieten jede Menge wissenswerte Nachhilfe in Hinsicht auf die Gestaltung eines bienen- und insektenfreundlichen Balkon-Ambientes. https://naturaufdembalkon.wordpress.com/

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/
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50 einfache Dinge, die Sie tun können, um die Welt zu retten, und wie Sie dabei Geld sparen

  • von Andreas Schlumberger
  • WESTEND VERLAG  Juni 2013   http://www.westendverlag.de
  • 256 Seiten
  • Broschur
  • 12,99 €
  • ISBN 978-3-86489-041-3
  • EPUB
  • 8,99 €
  • ISBN 978-3-86489-542-5
    9783864890413_300dpi

WELTRETTUNG  FÜR  ANFÄNGER  UND  FORTGESCHRITTENE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©
(von näheren Bekannten übrigens gerne auch „SuperSokul-rettet-die-Welt“ genannt)

Bevor ich die Lektüre begann, war ich gespannt, ob mir  − als SuperSokul-rettet-die-Welt – der Herr Schlumberger noch etwas beibringen kann. Nun, nach der anregenden Lektüre kann ich guten Gewissens sagen, daß auch nachhaltigkeitsbewußte, ökologie- vertraute, vegetarische Wesen wie ich in dem klugen Ratgeber von Andreas Schlumberger noch manches ökologische und ökonomische I-Tüpfelchen finden können, das den eigenen Beitrag zur Weltrettung verbessern kann.

Zunächst kann dieser Ratgeber selbst schon eine kleine Nachhaltigkeitsgeschichte vorweisen: 2004 als erstes und anfänglich einziges Buch des jungen WESTEND-Verlages erschienen, hat es diverse Neuauflagen erlebt und ist bei der mir vorliegenden über- arbeiteten Neuauflage vom Mai 2013 um gut 100 Seiten gewachsen. Selbstverständlich ist es auf 100 % wiederverwertetem Papier in Deutschland gedruckt  und nicht in irgendeinem fernen Billiglohnland (siehe das Kapitel 45 zum Thema Papier)!

Der Autor berührt viele wichtige Themen: Behausung und Wohnen, Strombedarf, Wasser, Heizung, grüner Gärtnern, Tier- und Landschaftsschutz, Müll, Mobilitäts- karussell, Nahrung, Reisen, Energieeffizienz von Haushaltsgeräten, Konsum und Lebensstil und die unter ökologischen und sozialen Aspekten so gar nicht lustige „Unterhaltungselektronik“.

Dabei verschont er uns nicht vor deutlichen Wahrheiten und erschreckenden Zahlen über die bedrohte Lebendigkeit unserer Mitwelt. Doch nach der kurzen und bündigen Aufklärung über die jeweiligen Sachverhalte kommen ausgesprochen praktikable Hin- weise auf die Veränderungsmacht, die jeder Einzelne für sich und seinen persönlichen Weltenkreis ergreifen kann. Wir erhalten viele konstruktive und machbare Anregungen, anschauliche Erklärungen und Zahlenvergleiche sowie nützliche Verweise auf hilfreiche weiterführende Internetseiten; wie z.B die Online-Datenbank https://www.spargeraete.de/

Natürlich fehlt auch nicht der Hinweis, daß es wichtig ist, selbst aktiv zu werden und nicht erst zu warten, bis die Politik etwas ändert. Es geht genau anders herum: Das eigene Handeln im persönlichen Umfeld hat durchaus Auswirkungen auf das große Ganze, und wir haben viele Möglichkeiten, einen lebensförderlichen, energie- und materialschonenden Weg zu gehen.

Andreas Schlumberger belegt darüber hinaus glaubwürdig, wie viel Geld wir dadurch kurz- und langfristig sparen können.

Ein simples Beispiel: Allein der verschwenderische „Stand-by-Modus“ beträgt in Privat- haushalten durchschnittlich 10% des Stromverbrauchs. Hochgerechnet auf ganz Deutschland arbeiten zwei Großkraftwerke nur für diesen sinnlosen „Dauerbereit-schaftsdienst“ von Fernsehgeräten & Co.

Ich persönlich brauche diesen finanziellen Anreiz nicht, um zur Weltrettung motiviert zu werden, denn bei mir rennt der Autor offene Türen ein. Aber bei vielen Menschen ist dies wohl eine geschickte Art, anzuklopfen und die Verbesserung der persönlichen Ökobilanz in ernsthafte Erwägung zu ziehen.

Von den 300 € monatlich, die ich allein dadurch spare, daß ich kein Auto besitze, kann ich großzügig im örtlichen Bioladen einkaufen, obwohl ich als Buchhändlerin einkommensmäßig wahrlich zu den „unteren Zehntausend“ zähle.

Und wenn ich jetzt auch noch das Kochwasser im Wasserkocher erhitze statt auf dem Herd, dann kaufe ich von der geldwerten Stromersparnis ein Insektenhotel für meinen Garten.

Möge dieser notwendige, informative und sinnvolle Ratgeber viele Ratnehmer und Ratbeherziger finden!

Meinen Beitrag dazu habe ich mit dieser Buchbesprechung geleistet, und ich habe das Buch auch schon dreimal verschenkt. Mitmenschen freundlich zu inspirieren, gehört für mich eben auch zur Weltrettung.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:

50 einfache Dinge, die Sie tun können, um die Welt zu retten und wie Sie dabei Geld sparen

 

Der Autor:

»Andreas Schlumberger, geboren im Jahr 1967, hat das Studium der Biologie absolviert und anschließend in Wien, London sowie Berlin geforscht, bevor er sich ganz dem Umweltjournalismus zuwandte und auch als Berater für Kommunikationskonzepte zur nachhaltigen Entwicklung tätig wurde. Als Chefredakteur leitete er eine Fachzeitschrift über die Umweltpraxis. Schumberger hat als freier Journalist zahlreiche Fachbeiträge, Studien für Umwelt- und Naturschutzverbände veröffentlicht. Ihm liegt besonders daran, die oft komplexen ökologischen Zusammenhänge einfach und anschaulich zu vermitteln und somit eine Brücke von der Theorie der Umweltwissenschaften in die Praxis des Alltags zu schlagen.«

 

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