Mach mich locker!

  • Wer den Boden kennt, gärtnert erfolgreich und nachhaltig
  • von Bärbel Oftring
  • KOSMOS Verlag, 2021 www.kosmos.de
  • Klappenbroschur
  • Format: 241 x 172 mm
  • 128 Seiten
  • 162 Farbfotos
  • 21 Farbzeichnungen
  • 18,00 €(D)
  • ISBN 978-440-17062-5

Ausgezeichnet mit dem „Deutschen Gartenbuchpreis 2021“- Sonderpreis in der Kategorie „Bester Einsteiger-Ratgeber“!

Mach mich locker!
MUTTER-ERDE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Man kann es nicht oft genug wiederholen und ins menschliche Alltagsbewußtsein heben, wie elementar wichtig die lebendige Beschaffenheit des Erdbodens mit seinen unzähligen Kleintieren und Mikroorganismen ist. Tote Erde kann kein widerstands- fähiges Leben mehr hervorbringen. In Deutschland sind bereits 30 % der Böden biologisch tot.

Das pflanzliche Immunsystem wurzelt ganz buchstäblich im Boden. Es besteht aus kom-plexen Stoffkreisläufen, der Mykorrhiza-Lebensgemeinschaft und weiteren Netzwerken und Symbiosen mit Algen, Flechten, Pilzen und Bakterien – ähnlich unserem Mikrobiom im Darm. Kunstdünger und giftige „Pflanzenschutzmittel“ zerstören dieses natürliche Immunsystem und schwächen die Pflanzen und ihre Widerstandskraft gegenüber Schäd-lingen und klimatischen Belastungen. Wird dieses Schwächeln dann wieder mit der nächsten Insektizid-Giftzugabe und/oder Kunstdünger „behandelt“, ist das Bodenleben auf Dauer zerstört.

Wenn wir gesunden Boden erhalten wollen, dürfen wir nur organisch düngen, keine Unkrautvernichtungsmittel oder Insektizide einsetzen und den Boden nicht nackt und schutzlos der Witterung aussetzen – d.h. nackte Erde wird mit standortgemäßen Boden-deckerpflanzen geschützt oder mit einer dünnen Schicht aus Pflanzenresten und Laub gemulcht. Mulch schützt die Erde vor Erosion, bietet Wärmeschutz im Winter und Schutz vor Austrocknung im Sommer. Diese Mulchschicht ist zudem artgemäße Nahrung für die Bodenorganismen.

Die Bodenlebewesen zersetzen organisches Material und bilden Ton-Humus-Komplexe, die wiederum im Verbund mit den mineralischen Bodenteilchen dem Boden die erwünschte Krümelstruktur geben. Die Krümelstruktur bietet eine gute Bodendurch- lüftung, welche die Aufspaltungsarbeit der Mikroorganismen unterstützt. So entsteht der kostbare Humus, der einerseits mit den leicht zersetzbaren Bestandteilen (Nährhumus) den Pflanzen Nährstoffe liefert und andererseits mit den schwerer zersetzbaren Substanzen (Dauerhumus) das Bodengefüge stabilisiert.

Die Autorin stellt unterschiedliche Bodenarten (Sand, Schluff, Ton, Lehm) vor und erklärt deren natürlich gegebene Fähigkeit zu Erwärmung, Feuchtgehalt, Nährstoff- speicherung und Durchlüftung. Eine farbige Übersichtskarte zeigt die Verteilung unterschiedlicher Böden und Bodenmischformen für den Lebensraum Deutschland.

Sinnlich greifbare Bodenexperimente helfen uns, den eigenen Gartenboden besser ken-nenzulernen – beispielsweise geben uns Bodenfarbe, Bodenduft sowie handfeste Finger- und Rollproben schnell und unkompliziert Auskunft über die strukturelle Beschaffen- heit unserer Gartenerde. Wer es ganz genau wissen will, findet auch eine Anleitung zur Entnahme von Bodenproben, wie man sie für eine professionelle Bodenanalyse im Labor braucht. Verschiedene Zeigerpflanzen werden vorgestellt, von denen man ebenfalls Rückschlüsse auf Nährstoff- und Humusgehalt, Trockenheit, Verdichtung, Magerkeit, Staunässe etc. des Bodens ziehen kann.

Neben dem unermüdlichen Gartengehilfen, Bodenbelüfter und Pflanzenresteverwerter namens Regenwurm werden einige weitere Bodentiere wie Springschwänze, Asseln, Tausendfüßler, Tigerschnegel, Erdläufer und einige Insektenlarven vorgestellt.

Sodann folgen praktische Hinweise – nebst den passenden Werkzeugen – auf eine Bodenbearbeitung, welche die natürliche Bodenschichtung bewahrt sowie Hinweise zur Bodenverbesserung durch Kompost, Gründüngung, Effektive Mikroorganismen, Pflan- zenjauchen, Mischkultur und Fruchtfolgeanbau sowie Methoden der Permakultur.

Bärbel Oftring beschreibt und erklärt die beachtliche Komplexität des Bodenlebens an-schaulich, übersichtlich und zutiefst wertschätzend, und zugleich vermittelt sie konkrete Praxistipps für eine lebensförderliche, ökologisch-sinnvolle und nachhaltige Behandlung der Gartenerde.

Übrigens sind Regenwurmkothäufchen ein ausgezeichneter Naturdünger:

 »Im Vergleich zum umgebenden Boden enthält er 5-mal so viel pflanzenverfügbaren Stickstoff, 7-mal mehr löslichen Phosphor, 11-mal mehr Kalium, 2- bis 3-mal mehr Magnesium und 1,5-mal mehr Kalzium. Sammeln Sie diese Häufchen auf und mischen sie unter die Erde, auch im Blumenkasten und Kübel.« (Seite 51)

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.kosmos.de/buecher/ratgeber-naturfuehrer/garten/gartenpraxis/11609/mach-mich-locker

Die Autorin:

»Bärbel Oftring ist Diplom-Biologin mit den Schwerpunkten Botanik, Zoologie und Paläontologie. Ihre Liebe zur Natur setzt sie heute als Autorin, Redakteurin und Herausgeberin von zahlreichen Sachbüchern für Kinder und Erwachsene sowie in erlebnisreichen Naturforscheraktionen in die Tat um. Ihre Bücher vermitteln auf anschauliche und interessante Weise, was es alles über Tiere und Pflanzen in der Natur und im Garten zu entdecken gibt. Viele wurden bereits ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt. Die engagierte Naturforscherin lebt mit ihrer Familie und ihrem Hund bei Böblingen.«

Querverweis:

Ergänzend und vertiefend empfehlen sich noch folgende Ratgeber zum Thema Erde:
„Die Humusrevolution“
Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen
Die Humusrevolution
„Ackergifte – Nein danke! Für eine enkeltaugliche Landwirtschaft“
Ackergifte – Nein danke!
Der Regenwurm ist immer der Gärtner“ von Amy Stewart
Der Regenwurm ist immer der Gärtner

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36 Kommentare zu “Mach mich locker!

  1. Schon Darwin wußte um den erhabenen Wert unseres Gartenhelfers, des Regenwurms. Allerdings schlief neben ihm der bleiche Engerling, einmal ein Käfer, aber so der Pflänzchen Tod. Ist er verantwortlich, dass hier alles grünt und spießt, dort aber kein einzig grünes Blättchen, Stengelchen sich zeigen will? Vermutlich nicht alleine.

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  2. Danke für diese und informative Rezension! Da kam mir beim Lesen gleich eine Frage. Wir haben gerade ein Gemüsebeet angelegt, allerdings noch nichts eingepflanzt. Nur etwas Eselmist zum Düngen haben wir obendrauf verteilt. Ansonsten liegt es ziemlich kahl da. Sollten wir als Witterungsschutz noch etwas Grasschnitt oder Laub dazugeben? Vielleicht kennt sich jemand hier aus. 😉 Ansonsten wollte ich noch loswerden, dass ich die Beschreibung des reichen Lebens in unserer Mutter-Erde super bereichernd und wichtig fand. „Alles lebt, alles hängt zusammen“ – das ist nicht nur Spiritualität, sondern auch wissenschaftlich nachweisbare Realität. Es ist Zeit, das wieder ins kollektive Bewusstsein zu heben. 🙂

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    • Gut, daß sich in Deinem Garten die Spuren der unterirdischen Regenwurmtätigkeit häufchenweise zeigen. 😉
      Ich stimme Dir zu, daß die Lektüre dieses Buches bei Naturneulingen zu einer positiveren Haltung gegenüber Regenwürmern & Co. führen kann.
      Ich hingegen habe angesichts von Regenwürmern noch nie „igitt“ gesagt und ich nehme sie auch hemmungslos und natürlich vorsichtig in die Hand, wenn sie mir beim Gärtnern schon mal im Wege sind, damit ich sie nicht versehentlich verletze. Heute fand ich einen etwas angetrockneten Regenwurm auf dem Rasen. Ich badetet ihn erst einmal sachte in etwas Wassser aus der Vogeltränke, und er regte sich daraufhin recht lebhaft. Dann suchte ich eine schattige Stelle im Beet mit Herbstlaubresten, goß dort noch etwas Wasser aus und setzte den Regenwurm mit Sonnenbrand dort frei.

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  3. Das hört sich spannend an liebe Ulrike! Werde ich auf meine Liste setzen. Mit meinen Balkontöpfen sind mir zwar Grenzen gesetzt, aber mich interessiert das Bodenleben auch im Allgemeinen und was dazulernen kann man immer. Danke wieder für ein neues interessantes Buch in Sachen Natur. Herzensgruß von mir zu dir!

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    • Verbindlichen Dank, liebe Almuth, für Dein erdiges Interesse. Balkontöpfe begrenzen zwar das Erdreich, dennoch sind auch die Töpfe mikroorganismisch bewohnt.
      Ich habe in einem der großen Töpfe einen kleinen stäbchenförmigen Erdaushub, konnte aber noch nicht herausfinden, welches Miniwesen solche Erdarbeitsspuren hinterläßt.
      Herzensgruß auch von mir zu Dir ❤

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      • Das ist immer spannend 🙂 Ich habe einen Topf, da ist die Erde immer krümelig, ich konnte aber bislang noch nie herausfinden, wer die so gut durcharbeitet. Es sei denn, es ist ein einsamer Regenwurm.

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    • „Mach mich locker!“ es ist ein wichtiger und leselohnenswerter Gartenratgeber. Der witzige Titel ist doppeldeutig: Einerseits soll die Erde gelockert werden und andererseits soll der Gärtner entspannter mit der Natur umgehen, nicht überordentlich und kontrollsüchtig aufräumen, sondern stattdessen besser die Selbstwirksamkeit natürlicher Zusammenhänge begreifen, achten und wertschätzen. :mrgreen:

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  4. mir fällt dabei „der marsianer“ ein: so viel boden, aber keine erde. kenner des buchs/ films wissen, was er tat, um das zu ändern. viel zu selten denken wir darüber nach, wie sehr wir unsere umwelt in ihren allerkleinsten bestandteilen brauchen. und viel zu oft halten wir unsere einzigartige umwelt für selbstverständlich. dabei ist alles so fragil.

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    • Hab Dank für Deinen Lesebesuch und Deine Rückmeldung. Vom Marisaner habe ich zwar nur den Werbefilm mit den üblichen Ausschnitten gesehen, aber ich kann mir ungefähr vorstellen, daß er EXTREM haushalten und wiederverwerten mußte, um überhaupt etwas anbauen zu können.
      Deutlich mehr wertschätzende Achtung vor den unzähligen lebenswichtigen Mikro- und Makrobestandteilen unseres Lebensraumes und unseres Körpers wäre in der Tat wichtig. Dann führte die „zivilisierte“ Menschheit nicht so ein erdfernes und naturentfremdetes künstliches Leben und würde nicht ständig natürliche Balancen erschüttern.

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  5. Liebe Ulrike, dies ist wieder mal ein toller Buchtipp von dir, vielen Dank dafür!
    Da ja demnächst die von mir sehr geliebte und Freude bringende Gartenarbeit endlich wieder ansteht, kommt er genau passend zur rechten Zeit.
    Liebe Grüße in die Nachbarschaft……von Rosie 🌼🌼

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    • Vielen Dank für Deine positive Rückmeldung, liebe Nina. Wer den Boden naturgemäß behandelt, braucht jedenfalls keinen Kunstdünger. Ich dünge im Garten garnicht, verteile aber regelmäßig meinen Bio-Tee- und Kaffeesatz und kleingestampfte Bioeierschalen auf den Beeten.
      Naturverbundene Grüße von mir zu Dir :mrgreen:

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  6. Liebe Ulrike,
    ich finde es frappierend, daß wir dieses Wissen, das einst verbreitet war, dann aber verloren ging, jetzt wieder mühselig gelehrt und gelernt werden muß, weil viele unter uns so erdfremd leben, und keine Ahnung von den zahllosen Verknüpfungen aller Lebewesen haben. Die Pessimistin in mir fragt sich aber, ob das alles nicht unter die Rubrik „viel zu wenig viel zu spät“ (too little too late) fällt.
    Hoffend und bangend verbleibe ich,
    Tanja

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    • Liebe Tanja, in der Tat muß dieses eigentlich ganz einfache und bodenständige gärtnerische Wissen buchstäblich reanimieret werde.
      Wie Du so betreffend bemerkst hast, leben viele Menschen „erdfremd“, und ich füge noch hinzu, daß viele zu glauben scheinen, ihre Nahrungsmittel wüchsen im Supermarktregal.
      Ob dieses Wissen um die wunderbaren natürlichen Verknüpfungen und Wechselwirkungen genug Menschen erreicht und ob die Zeit zur selbstverständlichen und auch großflächigen Etablierung nachhaltigen Gärtnerns, Forst- und Landwirtschaftens reicht, werden wir wohl oder übel erleben.
      Gleichwohl tue ich im Rahmen meines Daseins unermüdlich das mir Mögliche.
      Herzensgruß von mir zu Dir ❤

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  7. Ja, den Wert gesunder Böden sollten wir keinesfalls unterschätzen. Denn ist der Wurm erst mal raus, ist der Wurm drin. 😉 Ich finde es ganz wertvoll, dass es hier ein Buch gibt, das die Bodenqualität von Gärten beleuchtet. Denn leider scheint es bei Hausgärten recht populär zu sein, dass man lieber naturferne Ideale einer „perfekten“ Optik pflegt und die Pflege des Bodens als Lebens-Raum vernachlässigt. Wenn ich „städtisch“ unterwegs bin, lenke ich meine Schritte gerne so, dass ich der mir bekannten lebendigen Garten-Oasen ansichtig werden kann. 🙂
    Meine Balkontöpfe werden allerdings wohl regenwurmkothäufchenlos bleiben. Denn die Menschen, in deren Gärten man welche fände, haben es eigentlich nicht verdient, dass man sie ihnen raubt. 😉

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    • Vielen Dank für Deine interessierte Zustimmung und Dein amüsantes Wurmwortspiel. 😉
      Ich beobachte in meinem unmittelbaren Umfeld bei Hausgärten und Vorgärten sowohl die Fraktion „steriler Garten mit Folien zur Unterdrückung des Wildwuchses“ als auch die Fraktion entspannter Naturgarten und manche, die sich dazwischen befinden.
      In meinem Garten gibt es reichlich Regenwurmkothäufchen und auch auf den großen Rasenflächen zwischen den Gärten türmen sich genug dieser Häufchen. Ich sammle meinem Regenwurmdüngerbedarf für meine Balkonkübel vom Rasen, denn diese Häufchen werden beim nächsten Rasenmähen ohnehin plattgedrückt.
      In einigen meiner Töpfe leben aber auch Insekten, die ganz kleine, längliche Kotstäbchen produzieren, die dann in losen, lockeren Häufchen an der Oberfläche landen. Ich habe allerdings noch nicht herausgefunden, wer dahinter steckt.

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