Speak German!

  • Warum Deutsch manchmal besser ist
  • von Wolf Schneider
  • Rowohlt Verlag, April 2013 http://www.rowohlt.de
  • E-Buch
  • 192 Seiten
  • 8,99 €
  • ISBN: 978-3-644-02921-7

SPEAK GERMAN

IN  STAUB  MIT  ALLEN  FEINDEN  UNSERER MUTTERSPRACHE!

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

In seinem geistreichen, sprachbewußtseinsbildenden Buch „Speak German“ analysiert, kritisiert und reflektiert Wolf Schneider kenntnisreich und humorvoll die seltsame deutsche Untertänigkeit gegenüber englischen und amerikanischen Begriffen. Die Kritik der chronischen Anglomanie wird zudem um eine kulturhistorisch wertschätzende Liebe zur deutschen Sprache und konstruktive Anregungen zur alltäglichen und bildungspolitischen Rettung des deutschen Sprachschatzes ergänzt.

Wolf Schneider geht es nicht um einen pauschal alle englischen Fremdwörter aus-schließenden Stil, sondern um die zahlreichen albernen, aufgesetzten, miß- bis unver-ständlichen, häßlichen, sinnlosen, überflüssigen und unangebrachten Anglizismen. Dabei unterscheidet er aufmerksam zwischen Fremdwörtern, die man besser ins Deutsche übersetzen sollte, und Fremdwörtern, die wortwörtlich zu übernehmen durchaus sinnvoll und bereichernd sein kann. So kritisiert der Autor auch keineswegs die englische Sprache an sich, sondern listet einige ihrer typischen Vorzüge auf, die sie für eine Weltsprache qualifizieren.

Doch wußten Sie schon, daß Deutsch seit 200 Jahren das Esperanto der Weltliteratur ist? Ja, Deutschland ist Weltmeister im Literaturübersetzen! »Nach der Statistik der Unesco wird in keine andere Sprache so viel übersetzt wie in die deutsche – mehr als ins Spanische und Französische, mehr als doppelt so viel wie ins Englische.« (Seite 30)

Jenseits der Literatur begegnen wir indes im Alltag vielfältigen geschriebenen und ge-sprochenen Texten, die vor Anglizismen nur so wimmeln. Da kommt es häufig zu einem eklatanten Mißverhältnis zwischen der von Werbeagenturen, Medienredaktionen und Unternehmensgeschäftsleitungen übereifrig eingearbeiteten englischen Begriffe und Redewendungen und einer in der deutschen Bevölkerung keineswegs flächendeckend ausgeprägten fremdsprachlichen Kompetenz. Besonders die Werbetexter erzielen mit solchen Sprüchen häufig eine zweifelhafte Informationsvermittlung und Werbewirk- samkeit.

2003 untersuchte das Institut »Endmark« die korrekte Verständlichkeit zwölf gängiger englischer Werbesprüche in der Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Nur ein Spruch erzielte knapp 60 Prozent Verständnis und die anderen bis zu fünfundsiebzig Prozent Un- bis Fehlverständnis. Die Auflistung der Übersetzungen, oder besser gesagt, Deu-tungen ins Deutsche ist brüllkomisch (aber auch kreativ) und zeigt, daß nur ein kleiner Teil der deutschen Bevölkerung über umfassende und differenzierte Englischkenntnisse verfügt.

Das „Human Resources Department“ hat gegenüber der PERSONALABTEILUNG, die „Corporate Identity“ gegenüber dem UNTERNEHMENSBILD und „Customer Relationship“ gegenüber der KUNDENBETREUUNG keinerlei Allgemeinverständnisvorteil. Solche Wort- gebilde entsprechen nur einem abgehobenen, imponiergeschwätzigen Wirtschafts- jargon.

Ein erhellendes Beispiel ist auch der „Service Point“ der Deutschen Bahn, zu dem der Autor folgendes schreibt: »Mutwillige Verfremdung der AUSKUNFT durch die Deutsche Bahn. Hätte man den Schalter internationalisieren wollen, so wäre  INFORMATION  in viel mehr Sprachen verständlich gewesen als  Service Point(Seite 67)

Wolf Schneider kritisiert nicht, daß sich unterschiedliche Landessprachen wechselseitig beeinflussen – schließlich gibt es auch willkommene deutsche Vokabelexporte in andere Länder, aber die hierzulande grassierende Anglomanie trägt gelegentlich Züge von sprachlicher Selbstverachtung.

Das in Deutschland übliche Übermaß der willfährigen Übernahme von Anglizismen verbindet schlechtes muttersprachliches Selbstbewußtsein mit einer pseudopolyglotten Weltläufigkeit, die sich zudem häufig auf fehlerhaftes Nachplappern englischer Vokabeln und Satzstellungen sowie anglizistische Fehlkonstruktionen (Denglisch) reduziert.

So ist beispielsweise die Formulierung  „nicht notwendigerweise“ eine Ableitung der englischen Formulierung „not necessarily“- auf Deutsch heißt es jedoch kurz und bündig: NICHT UNBEDINGT. Ebenso fehlkonstruiert ist das unsägliche „Sinn machen“, welches eine gänzlich unsinnige Ableitung des englischen „making sense“ ist. Im Deutschen hat etwas Sinn, ergibt Sinn, ist sinnlos oder sinnvoll, unsinnig oder sinnig usw… Leider widersetzen sich u.a. weder die Dudenredaktion noch das Goetheinstitut dieser Entwicklung.

In seinem Sprachstilratgeber „Speak German!“ unterscheidet Wolf Schneider mit scharf-sinnig gespitzter Feder, sprachkenntnisreicher Eloquenz und anschaulichen Beispielen zwischen sinnvollen und unsinnigen Anglizismen und empfiehlt mehr unbefangene Wertschätzung für unsere Landessprache.

Für Menschen, die der allzuvielen Anglizismen überdrüssig sind, bietet diese Lektüre hervorragende Argumente zur sprachlichen Selbstverteidigung und zum Erhalt der Ausdruckskraft und Vielseitigkeit der eigenen Sprache.

 

 

Hier entlang zum elektronischen Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite: https://www.rowohlt.de/buch/wolf-schneider-speak-german-9783644029217

 

Der Autor:

»Wolf Schneider, geboren 1925, ist Träger des «Medienpreises für Sprachkultur» der Gesellschaft für deutsche Sprache. Er war Soldat von 1943 bis 1945, Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung» in Washington, Verlagsleiter des «Stern», Chefredakteur der «Welt», Moderator der «NDR-Talk-Show» und 16 Jahre lang Leiter der Hamburger Journalistenschule. 2011 erhielt er den Henri-Nannen-Preis für sein Lebenswerk, 2012 wurde er vom «Medium Magazin» als Journalist des Jahres für sein Lebenswerk geehrt. Wolf Schneider hat zahlreiche Sachbücher veröffentlicht, darunter große, erzählende Bücher ebenso wie Standardwerke zu Sprache, Stil und Journalismus. Zuletzt erschien 2013 bei Rowohlt «Der Soldat. Ein Nachruf». Er lebt in Starnberg.«

PS:

VERLOSUNG!!!

Dieses Buch begleitet mich ebenso inspirierend wie bestätigend schon seit vielen Jahren, deshalb erschien mir meine obige Rezension überfällig. Inzwischen gibt es nur noch die E-Buch-Ausgabe. Doch da ich bei Begeisterungsbüchern zu Vorratskäufen neige, habe ich noch eine gebundene Ausgabe doppelt, die ich hier nun gerne zur Verlosung anbieten möchte.

Wer mir in Verlauf der nächsten drei Tage auf der Kommentar-Konversationsebene Beispiele für besonders alberne und unsinnige Anglizismen erzählt bzw. zitiert, kommt in den Lostopf für ein ECHTES Buch.

Ich habe schon seit langem eine chronisch-akute Anglizismen-Allergie und benutze mündlich und schriftlich nur äußerst selten welche und dann auch nur diejenigen, die schon fast nicht mehr als Fremdkörperwort wirken oder tatsächlich einen gewissen Charme, eine von mir erwünschte Nuance oder ein stimmungsvolles Lokalkolorit ausstrahlen.


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89 Kommentare zu “Speak German!

    • Verbindlichen Dank für Deine umfassende Zustimmung zu Wolf Schneiders Sprachstilratgebern. 🙂
      Ich finde seine Bücher ebenfalls sehr anregend, bereichernd, klug und lehrreich, auch wenn ich bisher nur „Speak German!“ rezensiert habe.

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  1. Mobben wir die Anglizismen. Ach so, die Amis sagen gar nicht Mobbing? Und Handy verstehen sie gar nicht? Ja, wie jetzt?
    Tatsächlich wird mit den Wörtern und Begriffen recht frei jongliert. Manchmal könnte man auch sagen, die zugereiste Sprache wird verunglimpft. Das dann aber hauptsächlich bei Pseudofachsprachen. Und schon die lateinischen, griechischen, französischen Lehnwörter wurden immer gerne mißgestaltet, mißbraucht und falsch gesprochen, gebraucht. Wer perfekt ist, nehme sich selbst hier aus!
    Dass aber in keine andere Sprache so viel übersetzt wird, wie ins Deutsche, hat mehr als eine Seite. Bestseller? Oft Importe, wozu das Risiko eingehen, und eigene Schriftsteller fördern! Fachliteratur, Sachbücher? Sehr, sehr häufig simple Übertragungen, oft ohne Anpassung an die gegebenen Verhältnisse, kommentarlos, man wundert sich und entdeckt dann im Impressum: ach ja, der Autor meinte ja gar nicht hiesige Verhältnisse!
    Das finde ich eigentlich schlimmer, als die Verwendung halbverstandener Begriffe im Alltag. Wenn allerdings nur noch Aussagen gelten, getätigt werden, die nach Wallstreet oder Silicon Valley klingen sollen, also Bedeutung qua silikongequetschter Kunstsprache aufgeladen wird habe ich da durchaus meine Probleme. Oder hör ganz schnell weg. War das die Absicht des Sprechers?

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  2. Mir gefällt ja dieser Lieferwahn, der nicht nur auf den Straßen nicht zu übersehen ist, sondern auch im Politikersprech: Nach Ankündigungen fordert die Gegenseite, dass „jetzt geliefert wird“. Aber was? Pizza für die Plenumssitzung? Lebensmittel vor die Haustür, falls die Parlamentsdebatte länger als die Öffnungszeiten der Supermärkte dauert?

    Das US-amerikanische „Delivery“ lässt sich da flexibler und nichtssagender nutzen als (bisher) das deutsche Liefern.

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    • Vielen Dank für Deine lieferfreudige 😉 Abschweifung.
      Wenn im Politikerjargon davon geredet wird, daß „jetzt geliefert wird“ oder „geliefert werden sollte“, dann zeigt sich hier meiner Ansicht nach ein schlechter und unpräziser Sprachgebrauch. Denn gemeint ist die Erfüllung eines (Wahl)Versprechens oder einer Ankündigung und nicht eine Warenlieferung, wie Du ja auch ironisch aufgelistet hast.
      Das US-amerikanische „Delivery“ hat je nach Kontext ein weites Bedeutungs- spektrum von Zustellung und Lieferung bis hin zu Förderung und sogar Entbindung. Die Erfüllung einer Ankündigung oder eines Versprechens würde ich also eher mit „execution“ oder „fulfilment“ übersetzen.
      Schauen wir doch ganz einfach, wie sich der US-Paketdienst UPS (United Parcel Service) auf Deutsch bewirbt: Das steht auf den braunen Lieferwagen mit goldenem Schriftzug: „UPS – Weltweite Dienstleistungen – Wir synchronisieren die Welt des Handels“ – die können offensichtlich noch Deutsch!
      Und auf den Lieferwagen von DPD (Deutscher Paketdienst) steht „Your delivery experts“ – das verstehe wer will. 😉

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  3. Hallo Ulrike, deine wie so oft das Interesse weckende Buchvorstellung klingt prima. Falls ich neben den Lostopf hüpfe, kommt es ganz bestimmt auf meine Liste. Was mich immer ärgert, ist dass das schlimmste Denglisch von denen wacker verfochten wird, deren Englisch eher als miserabel einzuschätzen ist. Was fällt mir auf die Schnelle ein: Event – Save the date – Mit besten Grüßen – die Anschaffung von sogeannten Surface-Geräten für die KollegInnen und alle, wirklich alle betonen das Wort auf der falschen Silbe – oder vor einigen Jahren die Werbung für Body Bags (das Geschäft wollte damit seine Handtaschen bewerben), dummerweise sind body bags eigentlich Leichensäcke. Und nicht zu vergessen der Keeper, warum man den Torwart ausgemustert hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Weiterhin viel Freude beim Lesen. Anna

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  4. Und ich dachte noch, Ulrike kommt mit einem Sprachführer für Kinder?
    Weit gefehlt 🙂 Ein supergutes Buch scheint mir, das sich viele *hinter die Ohren schreiben* sollten.
    Ich erinnere mich noch gut an die Worte Sommer- bzw. Winterschlußverkauf. Sie waren klar und deutlich und man konnte sie sehr gut abkürzen. Plötzlich erschien in den Schaufenstern nur noch Sale und ich rätselte, ob es sich wirklich um einen Schlußverkauf handeln sollte und nicht um irgendeinen Sonderverkauf.
    Inzwischen wurde es auch mir klar, was damit gemeint ist und ich benutze es selbst… , so, als wäre es immer so gewesen – eine Gewöhnung tritt ein.
    Es wäre noch so vieles zu diesem Thema zu schreiben.
    Da ich ursprünglich aus einem Grenzgebiet komme – mal gehörte es zu Frankreich, mal zu Deutschland – gab es mit der Zeit auch viele französische Worte, die sich ins Deutsche mischten. Meine Oma sprach z.B. den saarländischen Dialekt, gewürzt mit manchem franzöischen Brocken. Trottoir, Paraplu, Portemonnaie… Manches erhielt sich, manches verlor sich wieder. Aber so kamen über die Grenzen im Laufe der vielen Jahre viele Worte bei uns an, die es vorher nur in Nachbarländern gab.
    Auch die Soldaten im Dreißigjährigen Krieg ließen uns ihre Worte da und alles in allem bereicherten sie unseren deutschen Wortschatz, der in dieser Zeit nur aus vielen Dialekten bestand.

    Die Anglizismen von heute sind eine ganz andere Nummer und das Gendergehabe ist höchst fragwürdig.

    Ich denke, liebe Ulrike, hier ist ein Buch, ganz nach meinem Herzen und ich werde es mir gerne anschaffen, weil es eine fehlerhafte Entwicklung beschreibt.

    Liebe Grüße von Bruni

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    • Es freut mich, liebe Bruni, daß Dir meine Buchempfehlung mundet 😉 , und ich danke Dir für Deinen ausführlichen Kommentar.
      An die Bezeichnungen Sommer- und Winterschlußverkauf erinnere ich mich auch noch gut. Den Anglizismus „Sale“ fand ich immer schon albern und ich werde mich nicht daran gewöhnen. Inzwischen ist ja – unabhängig von Jahreszeiten – fast immer irgendetwas im Ausverkauf oder Sonderangebot.
      Es spricht nichts dagegen, daß sich Sprachen, wie Du es geschildert hast, regional und überregional wechselseitig beeinflussen und bereichern.
      Die grassierende Anglomanie und das von oben herab verordnete Gendergestammel sind auch meiner Ansicht nach höchst fragwürdig.
      Liebe Abendgrüße von Ulrike
      PS:
      Falls Du lieber das Papierbuch lesen möchtest, schaust Du bei ZVAB https://www.zvab.com/buch-suchen/titel/speak-german-warum-deutsch/autor/wolf-schneider/ nach, da gibt es noch antiquarische Ausgaben von „Speak German!“

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  5. I’m find the perspective of this book very interesting. The incorporation of new terms from different languages tracks the travel of people, products and ideas around the world. For example, from Germany, American English has adopted a wealth of words and concepts, including kindergarten, Octoberfest, poltergeist, kaput, Gesundheit, wanderlust, and many more. As much value as natural language evolution brings, intentional language re-definition is much more worrisome, as in the recent redefinitions of Climate, Gender, Identity, Infrastructure, and others in the headlines today. Thanks for a thoughtful review, and an interesting topic!

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  6. Liebe Ulrike,
    Ich wundere mich schon seit vielen Jahren, wie viele Anglizismen und Amerikanismen in Deutschland im Umlauf sind, und bei jedem Besuch fällt es mir mehr auf. Ich muß sagen, daß es mich sehr befremdet, wenn ein deutscher Muttersprachler ein englisches Wort benutzt, ohne daß dafür ein Grund besteht, wenn ein perfektes deutsches Wort für den Kontext existiert.
    Ich habe auch das Gefühl, daß wenigstens einige der „Schuldigen“ davon überzeugt sind, mit ihrer Brillanz und ihrem Wissen von Fremdsprachen zu glänzen.

    Früher dachte ich immer, die Académie Française war etwas überheblich, weil sie den Franzosen quasi „verboten“ hat, ein Fremdwort zu benutzen, wenn ein französisches Wort mit gleicher Bedeutung existierte, aber inzwischen sehe ich den Sinn der Maßnahme ein. Ich kann mir allerdings vorstellen, daß englische und amerikanische Ausdrücke auch im Frankreich immer mehr die Oberhand gewinnen.

    Danke für diese anregende Buchvorstellung.

    Lieben Gruß,
    Tanja

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    • Ich schließe mich dem voll und ganz an 🙏. Leider ist die Amerikanisierung sowohl in F wie auch in der CH, wo ich lebe, weit verbreitet. Von drüben kommt nicht viel Gutes, und es ist höchste Zeit, dass wir uns auf unsere eigenen, landestypischen Qualitäten besinnen. Leider ist das nicht im Sinn der Globalisten, die alles gleich machen wollen. Danke auch von mir für den Buchtipp, freue mich aufs Lesen.

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      • Liebe Annette,
        verbindlichen Dank für Deine zustimmende Empfänglichkeit für meine Buchempfehlung.
        Die europäischen Länder sollten sich nicht als Spielfiguren für die geostrategischen Interessen der um den Fortbestand ihrer weltmächtigen Dominanz kämpfenden USA mißbrauchen lassen. Die deutsche Anglomanie trägt Züge des Stockholm-Syndroms – sie biedern sich der Herrschaft an, wollen sich beliebt machen und einschmeicheln. Tatsächlich verlieren sie sich dabei nur selbst!

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    • Liebe Tanja,
      hab‘ Dank für Deine zugeneigte Resonanz.
      Als meine australische Brieffreundin mich vor einigen Jahren in Deutschland besuchte, wunderte sie sich über die omnipräsenten Anglizismen und fand sie oft albern, zumal viele davon auch noch gefälscht sind. Beispielsweise lachte sie sich weg über „Sleep Shirt“, denn im Englischen heißt es „nightgown“ oder „nightshirt“ aber nicht „Sleep Shirt“.
      Die deutsche Anglomanie ist meiner Ansicht nach eine Kombination aus Unterwerfungsgeste gegenüber dem massenmedialen und wirtschafts- politischen Einfluß der Großmacht USA und neurotischer Demonstration von Weltoffenheit und Toleranz. Hinzu kommen noch Imponiergeschwätzigkeiten und ein mangelhafter deutscher Wortschatz.
      In der Académie Française gibt es eine Sprachkommission mit 17 (!) Mitgliedern, die Commission générale de terminologie et de néologie. Diese Kommission erstellt und veröffentlicht regelmäßig Wortlisten, die für unerwünschte englische Wörter französische Entsprechungen anbietet. Nachfolgend einige schöne Beispiele:

      browser: navigateur
      chatroom: salon
      e-mail: courriel
      Ketchup: tomatine
      hardware: matériel
      software: logiciel

      Eine solche wertschätzende Einstellung zur Muttersprache dürfte erfolgreich verhindern, daß das Französische von angloamerikanischen Ausdrücken überwältigt wird.
      Frankreich hat jetzt übrigens auch die sogenannte „gendergerechte“ Schriftsprache für Schulen verboten. * 😀 *
      In Deutschland hat die alltägliche und auch literarische Wertschätzung der eigenen Sprache leider eher Seltenheitswert.
      Herzensgruß von mir zu Dir,
      Ulrike

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      • Liebe Ulrike,
        Vielen Dank für die Liste der französischen Alternativen, von denen mir nur ein oder zwei Worte bekannt waren.

        Jetzt hängt es wohl an den wenigen, die die deutsche Sprache wertschätzen, sie zu bewahren. Deshalb schlage Dich als Vorsitzende des deutschen Equivalents der französischen Sprachkommission vor. 😊

        Genieß Dein Wochenende (oder wie wärs mit „weekend“). 😊

        Tanja

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      • Liebe Tanja,
        ich fühle mich sehr geehrt, daß Du Dir mich als Vorsitzende des deutschen Equivalents der französischen Sprachkommission vorstellen kannst. Das wäre in der Tat eine interessante Variante, zumal ich einen hundertprozentigen familiären Migrationshintergrund (England/Türkei) habe und somit hoffentlich über den albernen Verdacht reaktionärer „Deutschtümelei“ erhaben bin. 😉
        Hab‘ ebenfalls ein genüßliches Wochenende. 😀

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  7. „So ist beispielsweise die Formulierung „nicht notwendigerweise“ eine Ableitung der englischen Formulierung „not necessarily““.
    Vielleicht hat der Gebrauch aber auch damit zu tun, Ulrike, daß sie verwandt ist mit „notwendige Bedingung, aber nicht hinreichend“ aus der Mathematik/Physik.

    Wolf Schneider schätze ich von „Karriere Mensch“.

    Unsinniger Anglizismus?!
    Abgespaced etwa.
    Oder auch „einen Move machen“

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    • Hab‘ Dank für Deine Rückmeldung und Deine Anglizismus-Zugaben.
      Ich halte die von mir zitierte Ableitung der Formulierung „nicht notwendigerweise“, für wahrscheinlicher, da sie alltäglicher ist, als Dein Beispiel aus den Fachbereichen Mathematik/Physik.

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      • Sie ist alltäglicher, da gebe ich Dir recht.
        Ich hatte ja in meinen jungen Jahren mit Mathematik zu tun. Zumindest während meinem Studium.

        In allen europäischen Sprachen gibt es Einflüsse von außen. Ein schönes Buch dazu, von Gaston Dorren.
        Ich finde, dass eine Sprache von all ihren Nachbarländern „leben“ sollte, nicht nur vom englischen Sprachkontinent.

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  8. Ich danke sehr, Ulrike, für diese interessante Vorstellung dieses Buches von Wolf Schneider. Eigentlich dachte ich immer, dass das Englische vor allem in der italienischen Sprache vermehrt Einzug gehalten hat! Was mich am meisten stört ist, wenn die Wörter dann z.B. von den Behörden auch noch falsch geschrieben,oder von einem Grossteil der Bevölkerung gar nicht verstanden werden!

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  9. Da fällt mir doch als erstes das allseits beliebte „gendern“ ein. … Oder der „Sale“, der so oft an Schaufenstern zu lesen ist. Inzwischen gibt es auch einen „Black Friday“, von dem ich erst dachte, er hätte etwas mit irgendeinem Unglück zu tun. Aber es ist anscheinend eine besondere Art „Online-Sale“. Tja, ich bin da wohl eher „old-fashioned“ – und mag es auch „offline“ (und „Paperback“ lieber als „e-book“ … ;-)) . Ich will ja nicht „spoilern“, aber ich nutze nicht einmal einen „Streaming-Dienst“ und mache daher auch kein „binge watching“. (Nicht einmal „binge eating“.) Ich bin auch keine Freundin von „Homeschooling“ oder „Lockdowns“… . Ob ich „cool“ bin? Ich glaube nicht… Aber „Wellness“, die schätze ich sehr 🙂 .
    Herzliche Grüße!
    Maren
    P.S.: Als Antwort erwarte ich ein „Smiley“ und ein „lol“ … 😉

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  10. Mir erscheinen ja immer diese englischen Berufsbezeichnungen, mit denen sich manche Menschen schmücken, so lächerlich. Man muss sie wohl kennen, wenn man sich bei entsprechenden Firmen bewirbt, aber im Bekanntenbereich darauf zu bestehen, ist schon armselig. Wenn der Hausmeister, was ja ein durchaus ehrenwerter Beruf ist, sich Facility Manager nennt. Na ja, wer`s braucht.
    Wobei ich regelmäßig zusammenzucke ist der auch in Nachrichten gebräuchliche Ausdruck „geschockt“. Wenn ich Elend und Tragödien sehe, bin ich schockiert nicht geschockt. Erstens wirkt es auf mich absolut oberflächlich, zweitens denke ich dabei zuerst an Elektroschocks. In der Psychiatrie hieß das „schocken“.
    Falsche/fehlerhafte Nutzung von Begriffen und Fremdwörtern kann auch durchaus lustig sein – für den Zuhörer. Besonders wenn das falsch benutzte Wort unbeabsichtigt zutrifft. Eine frühere Nachbarin, die sich durch Heirat gesellschaftlich aufgestiegen wähnte, legte großen Wert darauf zu betonen, dass sie nun nur noch karikativ tätig sei.
    Ja Sprache verändert sich. Damit habe ich grundsätzlich auch kein Problem, weil hier Veränderung auch immer wieder Hinweise gibt auf veränderte Wahrnehmung. Das ist schon auch spannend.
    Hauptsache es wird nicht vergessen, wie vielfältig und pointiert (huch) die deutsche Sprache einsetzbar ist. Lesen, lesen, lesen.
    Ich lese übrigens auch immer gerne die Kommentare und dachte zwischenzeitlich an Filme, die in einer Zukunft spielen, in welcher eine starke Vermischung der Sprachen begonnen hat und wo jede Sprache für eine Art Spezialgebiet der Kommunikation eingesetzt wird. Chinesisch z.B. für Beschimpfungen. Vielleicht, damit es nur wenige verstehen oder auch, weil man solche Dinge in der Staats-Sprache nicht mehr sagen darf. Ob dies eine wünschenswerte Sprachflucht ist, kann ein jeder für sich beurteilen.

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    • Lieben Dank für Deine ausführliche und differenzierte Resonanz und das besonders köstliche Beispiel von der karikativen Nachbarin. 🙂
      Wer liest, und dabei gelegentlich zum literarischen Klassiker greift, erliest sich die Ausdruckskraft und Vielfalt der deutschen Sprache.
      Bei der Veränderung der Sprache sprechen und schreiben wir alle mit.
      Wolf Schneider sagte einmal im Zusammenhang mit journalistischer Verantwortung: „Die Wörtlichkeit von heute kann die Wirklichkeit von morgen sein.“

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  11. »Thx« für die »Review«, die mich so »geflasht« hat, dass Du gleich ein »Like abcashen« kannst. Der Anglizismus-»Overkill« macht uns zu »Followern« eines »Mainstreams«, weil wir damit die Zugehörigkeit zu einer »trendy Community faken«. So wie wir mit »stylischen« »Selfies«, bei »Social Media« eine »Show« für mehr »Clicks« machen, weil ein »uncooler Hashtag« einen »Shitstorm« oder »Hate Speech« auslöste, den kein »oldfashioned User« riskieren will.

    Entweder »chillen« wir also unsere »Base« und machen mit, um kein »Loser« zu werden, oder wir entsagen bewusst diesem »Bullshit« (»lol«), »canceln« die »Phrases« und entscheiden uns für »cleanes« Deutsch. »No risk, no fun«!

    Ich wickele mich jetzt »random« in meinen »Hoodie«, schmeiß den »Ghetto-Blaster« mit ein paar coolen Songs an und mache erst einmal mit `ner »cuten Story« (hoffentlich ohne »Cliffhanger«) und einem Smoothie einen »Break«, bevor ich später noch in den »Pool« steige.

    Auf »Emojis« verzichte ich bei meinem »Feedback« und freue mich auf weiteres »Brainstorming« unter dem Post hier im »Reader« (ich sollte auch mal die »Homepage« Deines »Accounts checken« und mich »updaten«), okay? »See you«!

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  12. Wieder eine wunderbare und anregende Rezension. Da kann ich einfach nicht anders, als einen Beitrag zum Lostopf zu leisten.
    Ich bin über „Hustle Culture“ gestolpert. Und weiß nicht, was ich von einer Kultur der „Eile, Hetze oder des Gedränges“ halten soll. Mit „Abzocke, Schwindel, Trubel“ als kultureller Struktur will ich ebensowenig als Leitfaden leben.
    Gilt hier das Motto: Wenn’s keiner mehr versteht, dann kann man sich dem trotzdem wieder verschreiben?

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    • Danke für Dein Wohlgefallen an meiner Rezension und Deinen bedränglichkeitskulturellen Anglizismus-Beitrag. 😉
      Vielleicht gilt hier auch das Motto: Wenn’s keiner mehr versteht, dann wissen sie auch nicht, was sie tun!

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  13. Ich finde es in Deutschland auch sehr übertrieben, wie oft statt des Deutschen englische Wörter genommen werden. Insbesondere auch im Arbeitsleben. Vieles mutet so unglaublich aufgesetzt an.
    Nicht desto trotz lebt Sprache und verändert sich stetig. Warum ist sonst geil heute einfach ein toll?
    Ich benutze auch die Formulierung Sinn machen und steh dazu. Ich mag sie und alles, was ich mag, belasse ich auch so. Denn ich verändere mich ja ebenfalls! 😊

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  14. „In Deutsch“, übersetzt sozusagen wortwörtlich „in German“
    Statt „auf Deutsch“

    Die englische Sprache ist durch die Musik, Filme und Werbung (welche ja so gerne international rüberkommen möchte) allgegenwärtig und hat auch in der Schule einen hohen Stellenwert.
    Sprache verändert sich durch den Gebrauch regelmäßig und unbeeinfußbar.
    Da hilft es nur, selber darauf zu achten, sich dessen bewusst zu ein und es entsprechend an die nächste Generation weiterzugeben (ich erinnere mich sehr gut an all die Verbesserungen, die meine Eltern bei uns und die wir später auch bei unseren Kindern anbringen „durften“).
    Das ist nur anstrengend und vielen unwichtig.

    Danke für die humorvolle Vorstellung, Verlosung und liebe Grüße
    Nina

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    • Hab‘ Dank, liebe Nina, für Deine Rückmeldung.
      Ja, die Omnipräsenz der englischen Sprache wird durch Musik, Filme, Werbung und journalistische Medien transportiert.
      Sprache verändert sich, aber sie ist meiner Ansicht nach sehr wohl ausgesprochen beeinflußbar. Auch wenn der persönliche Spracheinfluß nur eine überschaubare Reichweite hat, bleibt er ein buchstäblicher Einfluß.
      Befleißigten sich dann noch Menschen, die eine größere Reichweite erzielen, eines liebevolleren Umgangs mit der Deutschen Sprache, wüchse dieser Einfluß.
      Viele deutsche Verlage sind indes eher Mittäter beim Sprachgepansche. So finde ich im Jugendbuchbereich bei Übersetzungen aus dem englischen Sprachraum häufig fehlende deutsche Entsprechungen für all die Mums, Dads, Daddys, Mummys, Grandmas und Grandpas. Wobei ich nicht weiß, ob dies den Übersetzern vom Verlag vorgegeben wird oder, ob die Hirne der Übersetzer schon jahrelang dermaßen in der angloamerikanischen Serienfilmsoße mariniert wurden, daß es ihnen schon gar nicht mehr auffällt, daß sie Benennungen wie Mutter, Vater, Mama, Papa, Oma, Opa, Großmutter und Großvater offensichtlich vergessen haben.
      Liebe Grüße auch von mir zu Dir 🙂

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  15. Ich finde das Buch auch sehr interessant und meiner Einschätzung nach lesenswert.
    Ich sehe es jedoch etwas anders. Zum einen ist Sprache immer schon lebendig gewesen ( man betrachte den Unterschied zwischen kanadischem und Mutterland Französisch) und andererseits hat jede Sprache Fachsprachen (Marketingbegriffe werden nicht übersetzt).
    Sicherlich gibt es jede Menge sinnloser Begriffe wie bspw. Handy oder Streetworker ( englisch eher für Prostituierte benutzt)
    Mich verwundert nur, warum der Autor nicht den französischen Einfluss auf die deutsche Sprache bemängelt wie bspw. die Benutzung der Worte Portemonnaie oder Mayonnaise. Ist das auch eine Faulheit?

    Keiner würde einem Arzt vorwerfen, lateinische Sprache zu benutzen, auch diese Begriffe werden vermehrt von Nicht Medizinern benutzt.
    Dagegen wird das Benutzen deutscher Begriffe in der englischen Sprache als Bildung angesehen (Beispiel: Angst, Bildungsroman, Energiewende, Doppelgänger usw.)
    Mich stört nur das völlig falsche in den Ohren schmerzende Benutzen der Verlaufsform: I am running….. Ich bin am rennen (??)
    Meiner Meinung nach behaupten viele, die englische Sprache zu beherrschen. In der Realität sieht es anders aus. Die Übernahme vieler englischer Begriffe gibt eine Scheinsicherheit.
    Und eines sollte man auch nicht vergessen, Deutschland stellt nur 1 % der Weltbevölkerung. Dass langfristig größere Sprachkulturen in einer globalen Entwicklung Einfluss nehmen, ist nur eine logische Entwicklung.
    Trotzdem oder vielleicht gerade dessen haben Deutschlehrer heutzutage einen schwierigeren Job als früher ( meine mit Vatersprache Englisch aufgewachsene Kinder korrigieren ab und zu mein Englisch, ich ihr Deutsch). Das Thema ist nach Jahren immer noch aktuell.
    Liebe Grüße von mir zu Dir💫

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    • Vielen Dank, liebe Barbara, für Dein ausdrückliches Leseinteresse und Deine facettenreichen Betrachtungen zum Thema. 🙂
      Die gegenwärtige angloamerikanische Wortinvasion ins Deutsche übersteigt bei weitem die der Wortimporte aus romanischen Sprachen. Wolf Schneider erwähnt jedoch die von Bismarck 1875 veranlaßte Postverordnung, die 760 französische und italienische Fachwörter verbindlich in deutsche Begriffe übersetzte – so verwortwandelten sich u.a. „Couvert“ in Briefumschlag und „poste restante“ in postlagernd.
      Obwohl Deutschland nur 1% der Weltbevölkerung stellt, befindet sich Deutsch auf dem „vierten Platz nach der Zahl der Ausländer, die es als Fremdsprache erlernen – nächst Englisch, Spanisch und neuerdings Chinesisch“. (Seite 18)
      Bezüglich der fremdsprachlichen Kompetenz oder Inkompetenz schreibt Wolf Schneider zudem, daß die unerläßliche Voraussetzung für das Erlernen einer Fremdsprache die gute Beherrschung der Muttersprache ist. „Lausiges Deutsch zieht lausiges Englisch unrettbar nach sich. Gerade wer in einer englisch dominierten Welt sprachlich mithalten will, muss zuvor in seiner Muttersprache den Meister gemacht haben.“ (Seite 172)
      Auch die schwindende Lesekompetenz deutscher Schüler führt zu einer nur sehr flachen Verwurzelung in die Muttersprache, der gleichzeitig ein massenmediales Überangebot von Anglizismen und Denglisch gegenüber steht.
      Herzensgruß von mir zu Dir

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      • Und ich bedanke mich für Deine Ausführungen und Herzensgruss, liebe Ulrike.
        Noch ein paar Anmerkungen meinerseits: Ich stimme vollkommen zu, dass die Grundlagen der Muttersprache vernünftig vermittelt werden müssen. Dazu gehört dann eben auch das manchmal dümmliche Benutzen der Anglizismen.
        Bezüglich Bismarck, er hatte noch ein leichtes Spiel, da gab es noch kein Internet.
        Und dass Deutsch als Fremdsprache so beliebt ist, liegt bspw daran, dass in der letzten US Volkszählung 43 Millionen Bürger angaben, deutschstämmig zu sein. Dementsprechend wird deutsch an sehr vielen Schulen als Fremdsprache angeboten.
        Wäre Deutsch die Internetsprache geworden, wäre die Entwicklung sicher anders verlaufen.
        Also mich stört es nicht, mir fällt es nicht einmal auf. Ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist, muss ich jetzt erst einmal überdenken.😉
        PS: Und inwiefern man eine gute Beherrschung der Muttersprache, in diesem Fall deutsch braucht, um chinesisch oder russisch zu lernen, müsste Herr Schneider mir noch erklären. Es gibt keinerlei Verbindung.

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      • Hab‘ Dank für Deine weiteren Bemerkungen.
        Zum PS:
        Wie sollte jemand, der schon in den Strukturen und im Schriftbild der eigenen Muttersprache nicht wirklich zu Hause und wortreich eingerichtet ist, eine große (neurologische) Aufnahmefähigkeit für eine weitere Sprache entwickeln? Warum sollte also die gänzlich andere Struktur und zudem noch das andere Schriftbild einer Fremdsprache wie Chinesisch oder Russisch einem solchen Menschen plötzlich leichter fallen als die vertraute Sprache, die ihn immerhin im Alltag umgibt?

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      • Auch zum PS: in der Schule wird es sicher nicht funktionieren. Man kann Fremdsprachen ja auch anders erlernen. Die Muttersprache wird nie mit Struktur gelernt. Es gibt auch den Ansatz, generell Sprachen so zu lernen. Leichter wird es sicher nicht sein, aber ich bezweifle halt, dass man das sehr gute Beherrschen der Muttersprache als Voraussetzung braucht. In der Schule auf jeden Fall, da stimme ich Dir zu. Und da treffen wir uns wieder.
        Und danke für den Austausch.💫

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      • Ja, da stimme ich Dir durchaus zu.
        Die Muttersprache lernt man unangestrengt „natürlich“ und die weiteren Sprachen – sofern man nicht sogleich zweisprachig aufwächst – „kultürlich“ durch schulische Lernmühen.
        Mit einem lieben Gutenachtgruß von mir zu Dir 🌝

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  16. Das hört sich nach einem lesenswerten und unterhaltsamen Buch an. Wir schütteln auch immer wieder die Köpfe ob unverständlicher englischer Verklausulierungen oder noch schlimmer, Denglisch! Eine Email-Responsequote oder so. Die schlimmsten Beispiele habe ich gerade nicht parat. Vielleicht finde ich sie noch. Das mit dem „Sinn machen“ wußte ich bereits nicht mehr! Da ich viel auf Englisch lese und mal schreibe, rutschen mir auch schon des öfteren Englische Begriffe in meine Texte… Ich bin gespannt, was hier noch so auftaucht 🙂 Mit lieben Grüßen zur Nacht!

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    • Hab‘ Dank, liebe Almuth, für Deine zustimmende Resonanz.
      Wolf Schneiders Buch offeriert wissenswerte Sprachkenntnisse, beleuchtet kulturhistorische Sprachveränderungen – beispielsweise durch die lutherische Bibelübersetzung, und es ist voller Esprit. 😉 Ja, die Formulierung „Sinn machen“ sitzt schon ziemlich tief im journalistischen und allgemeinen Sprachgebrauch. Dennoch muß man diese Sprachverfälschung nicht mitmachen.
      Gutenachtgruß auch von mir zu Dir! 🙂

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  17. Diesen Beitrag habe ich sogleich übernommen, und fragte nicht zuvor, da Sie mir ja bereits mehrfach anzeigten, daß Sie sich darüber freuen. Danke also für das Vorstellen dieses Buches, das sicher sehr empfehlenswert und gut ist, darüber einmal neu nachzudenken, unsere deutsche Muttersprache wieder etwas bewußter zu verwenden und auch ihren hohen geistigen und menschheitlichen Wert erneut zu erkennen. Danke und gute Weiterempfehlungen!

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  18. Ganz schlimm finde ich wirklich dieses Denglish. Das Eindeutschen englischer Wörter. Gerade in der Jugendsprache fällt mir das besonders auf und wird sogar auf dem TV-Sender KiKa unterstützt. Da ist oft nur von challenge und contest die Rede, nicht von Herausforderung oder Wettbewerb. Weitere Beispiele fallen mir just in diesem Moment leider nicht ein. Aber wenn englische Verben durch eine deutsche Endung Gebrauch finden, finde ich das auch ganz schrecklich. Überhaupt wird sich im Deutschen kam mehr die Mühe gemacht, eigene Wörter zu finden. Das können Franzosen und selbst die Skandinavier echt besser, obwohl Letztere meist hervorragend Englisch verstehen und sprechen. Da wird eben nicht so viel translated. Haha.

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    • Vielen Dank für Deine positive Rückmeldung und die von Dir genannten Wortbeispiele.
      Wie ich aus Wolf Schneiders Buch in Kapitel 21 erlesen habe, gibt es in Frankreich innerhalb der Académie Française eine Sprachkommission mit 17 (!) Mitgliedern, die Commission générale de terminologie et de néologie. Diese Kommission erstellt und veröffentlicht regelmäßig Wortlisten, die für unerwünschte englische Wörter französische Entsprechungen anbietet. Nachfolgend einige schöne Beispiele:

      browser: navigateur
      chatroom: salon
      e-mail: courriel
      Ketchup: tomatine
      hardware: matériel
      software: logiciel

      Eine solche wertschätzende Einstellung zur Muttersprache fehlt in Deutschland leider.

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  19. Eigentlich ist die ganze Sache ja auch ziemlich absurd: da gibt man sich so viel Mühe, die deutsche Sprache einigermaßen „g’scheit“ zu lernen (wobei hier wohl das biblische Wort gilt: viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt), und dann benutzt man sie kaum. 😉
    Dieses Buch – das ich selber in einer Papierrücken-Ausgabe besitze – halte ich in der Tat für sehr lesenswert. Es geht ja auch nicht darum, fremdsprachige Ausdrücke zu meiden wie der Teufel das Weihwasser. Ein „Reinheitsgebot“ wäre hier wohl eine Bieridee. Die deutsche Sprache ist ja durchaus auch reich an Wörtern mit Migrationshintergund. 😉 Aber selbst für diejenigen die viel reden und wenig sagen, wäre eine minimale Sorgfalt in der Wortwahl (der Vorrat wäre ja nicht eben knapp, wenn man ihn denn kennte) sehr angebracht.

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    • Verbindlichen Dank, werter Maestro, für Deine amüsante, wortgewandte und zugeneigte Resonanz und Deine selbst erlesene Bestätigung meiner Buchempfehlung. 🙂
      Ich kann nur lebhaft betonen, daß Wolf Schneider Wörter mit Migrationshintergrund nicht prinizpiell aussortiert wissen will, sondern nur die unangebrachten und unverständlichen sowie durch massenmediale Beförderung invasiven Anglizismen. Es geht um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Aufgeschlossenheit für Fremdwörter, die ja gelegentlich auch ein Wortlücke füllen, und einer selbstverständlichen, unbefangenen Freude am Wortschatz der eigenen Landessprache.

      PS: Hab‘ zudem noch Dank für Deinen korrekten Einsatz des Konjunktivs: „kennte“. 😉

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  20. Ich lese gerade Tolstoi, Krieg und Frieden. Die russische Oberschicht des frühen 19. Jahrhunderts sprach französisch. Deshalb waren sie nicht weniger stolze Russen. Natürlich gibt es Übertreibungen und krassen Blödsinn, aber wir werden das nicht ändern und das ist vermutlich auch ganz okay so. Die Sprache lebt und entzieht sich dem Einfluss weniger.

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    • Die russische Oberschicht des frühen 19. Jahrhunderts verfügte gewiß über fließende französische Sprachkenntnisse und konnte sich hinreichend in dieser Sprache ausdrücken und sich damit zugleich von „niederen“ Klassen und dem eigenen Personal abheben. Der Gebrauch der französischen Sprache war also auch ein gewisses „nobles“ Klassenzugehörigkeitsmerkmal.
      Über differenzierte, ja, eloquente englische Sprachkenntnisse verfügt gegenwärtig nur ein kleiner Teil der Deutschen, weshalb der – besonders auch in den Medien – überproportionierte Einsatz von Anglizismen und Denglisch ausgesprochen albern ist.
      Es geht Schneider nicht um Nationalstolz, sondern um eine gepflegte Liebe zur deutschen Sprache.
      Ich finde, daß die Deutschen den Übertreibungen und dem krassen Blödsinn hinsichtlich der Anglizismen zu bereitwillig entgegenkommen und daß viele Medien mit schlechtem Beispiel vorangehen, anstatt ihre Reichweite für kultiviertes Deutsch zu nutzen.
      Wer seinen Sprachschatz nicht wertschätzt, wird ihn verarmen lassen.
      Ich mache da jedenfalls nicht mit und halte es mit Karl Kraus: „Beherrschen kann man viele Sprachen, dienen nur einer!“

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