Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der überhaupt keine Angst im Dunkeln hatte

  • Band 5 vom kleinen Siebenschläfer
  • Text von Sabine Bohlmann
  • Illustrationen von Kerstin Schoene
  • Thienemann Verlag, Januar 2020  www.thienemann.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 296 x 237 mm
  • 32 Seiten
  • 13,00 € (D), 13,40 € (A), 19,50 sFr.
  • ISBN 978-3-522-45928-0
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

ANGST ODER KEINE ANGST, DAS IST HIER DIE FRAGE

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Den Mutigen gehört die Welt, doch vielleicht reicht es für einen kleinen Siebenschläfer, zunächst einmal eine Nacht für sich zu erobern.

Der kleine Siebenschläfer will draußen übernachten und die Sterne und Glühwürmchen betrachten, von denen ihm sein Freund, die kleine Haselmaus, erzählt hat. Seine Mutter fragt, ob er denn keine Angst vor der Dunkelheit habe, doch diese Frage wird vom kleinen Siebenschläfer frohgemut mit „Ich hab doch keine Angst … üüüüüberhaupt kein klitzekleines winziges bisschen“ beantwortet.

Illustration von Kerstin Schoene © Thienemann Verlag 2020

Also bleibt er draußen und baut sich aus Zweigen und seiner Schnuffeldecke ein Zelt. Die nächtliche Dunkelheit läßt nicht lange auf sich warten. Nun findet es der kleine Siebenschläfer doch beängstigend dunkel, und dann raschelt es auch noch im Gebüsch. Doch das Rascheln kommt von der Haselmaus, die ihrem Freund Gesellschaft leisten möchte, damit er alleine im Dunkeln keine Angst haben müsse. Haselmaus und Siebenschläfer, versichern sich gegenseitig, daß sie ja gar keine Angst hätten. Aber als plötzlich ein unheimliches Heulen ertönt, haben sie offensichtlich doch Angst.

Das Heulen kommt vom kleinen Wolf, der den beiden Freunden erklärt, daß es Mut mache, den Mond anzuheulen, und so heulen sie vorsichtshalber zu dritt den Mond an.

Dann nähert sich den drei Mondanheulern ein unheimlicher, riesiger Schatten, der sich zum Glück nur als optische Verzerrung des Hasenschattens entpuppt. Der Hase empfiehlt, Licht anzuknipsen, um die Dunkelheit zu erhellen. Das Licht sind hier die herumschwirrenden Glühwürmchen. Diese machen dann aber zuviel Licht für das Fledermauskind, das nämlich wiederum etwas Angst im Hellen hat.

Illustration von Kerstin Schoene © Thienemann Verlag 2020

Also sitzen der kleine Siebenschläfer, die kleine Haselmaus, der kleine Wolf und der Hase wieder ganz im Dunkeln. Da endlich sehen sie das Leuchten der Sterne und das sanfte Mondlicht und erleben die Stille und Schönheit der Nacht. Und darüber schlafen sie aneinander gekuschelt schließlich ein.

Die Siebenschläfermutter betrachtet am nächsten Morgen schmunzelnd das tierisch volle Zelt des kleinen Siebenschläfers und wundert sich „üüüberhaupt kein klitzekleines winziges bißchen darüber“.

Angst im Dunkeln ist ein alltägliches bzw. allnächtliches Thema für Kinder. In diesem Bilderbuch wird die kindliche Neugier auf eine neue Erfahrung mit der kindlichen Angst vor der Dunkelheit kombiniert und auf amüsante und warmherzig-augenzwinkernde Weise in Szene gesetzt. Alle Tiere in dieser Geschichte sind theoretisch mutiger als in der praktischen Erfah- rung, finden aber auch Strategien, mit ihrer Angst umzugehen und sie in der Geborgenheit der Gemeinschaft zu überwinden. Dies bietet Kindern leichten und ermutigenden Identifikationsstoff.

Der Erzähltext von Sabine Bohlmann greift einfühlsam und respektvoll die kindliche Angst vor der Dunkelheit auf und bringt in den Dialogen das Schwanken zwischen Mut und Angst mit viel Schmunzeln zwischen den Zeilen zum Ausdruck.

Die Illustrationen von Kerstin Schoene sind – neben der vertrauten, leb- haften Niedlichkeit der Charaktere – diesmal ganz besonders stimmungsvoll und fangen die nächtliche Atmosphäre und die emotionalen Schattierungen anschaulich ein.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/produkt/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-ueberhaupt-keine-angst-im-dunkeln-hatte-isbn-978-3-522-45928-0

 

Die Autorin:

»Geboren wurde Sabine Bohlmann in München, der schönsten Stadt der Welt. Als Kind wollte sie immer Prinzessin werden. Stattdessen wurde sie (nachdem sie keinen Prinzen finden konnte und der Realität ins Auge blicken musste) Schauspielerin, Synchron-sprecherin und Autorin und durfte so zumindest ab und zu mal eine Prinzessin spielen, sprechen oder über eine schreiben. Geschichten fliegen ihr zu wie  Schmetterlinge. Überall und zu allen Tages- und Nachtzeiten (dann eher wie Nachtfalter). Sabine Bohlmann kann sich nirgendwo verstecken, die Geschichten finden sie überall. Und sie ist sehr glücklich, endlich alles aus ihrem Kopf rausschreiben zu dürfen. Auf ein blitzeblankes, weißes – äh – Computerdokument. Und das Erste, was sie tut, wenn ein neues Buch in der Post liegt: Sie steckt ihre Nase ganz tief hinein und genießt diesen wunderbaren Buchduft.«  www.sabinebohlmann.com

Die Illustratorin:

»Kerstin Schoene studierte Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität Wuppertal. Schwerpunkt ihres Studiums war Illustration bei Professor Wolf Erlbruch. Seit ihrem erfolgreichen Abschluss arbeitet sie freiberuflich als Illustratorin und Grafikdesign-erin. Sie zeichnet für verschiedene Verlage, schreibt und illustriert eigene Kinderbücher. Sie lebt, unter Beobachtung eines Fellknäuels, in Haan.« www.kerstinschoene.de

Querverweis:

Hier entlang zu den vorhergehenden siebenschläfrigen Bilderbüchern:

Band 1: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht einschlafen konnte
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/12/02/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-nicht-einschlafen-konnte/
Band 2: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht aufwachen wollte
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/09/24/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-nicht-aufwachen-wollte/
Band 3: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der seine Schnuffeldecke nicht hergeben wollte  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/05/09/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-seine-schnuffeldecke-nicht-hergeben-wollte/
Band 4: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der den ganzen Tag lang grummelig war  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/08/12/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-den-ganzen-tag-lang-grummelig-war/

Und hier entlang zum Gutenachtgeschichtenbuch von kleinen Siebenschläfer „Eine Schnuffeldecke voller Gutenachtgeschichten“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2020/01/30/der-kleine-siebenschlaefer-eine-schnuffeldecke-voller-gutenachtgeschichten/

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

26 Kommentare zu “Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der überhaupt keine Angst im Dunkeln hatte

  1. Wunderhübsch, was ich hier lese, liebe Ulrike. Es gibt ja mehr Siebenschläferbüchleins, oder irre ich mich? Die Angst vor dem Dunkel ist weit verbreitet.l Ich kenne sie auch, aber nur manchmal, meist nicht *lächel*
    Ganz herzlich, Bruni

    Gefällt 1 Person

    • Hab‘ Dank für Dein ausdrückliches Wohlgefallen an diesem siebenschläfrigen Bilderbuch.
      Es gibt in der Tat noch mehr Siebenschläfer-Bilderbücher. Ich habe sie (fast) alle besprochen und die Links zu diesen Büchern findest Du unter dem Querverweis unter der aktuellen Rezension.
      Ja, Angst vor der Dunkelheit kenne ich auch gelegentlich – es kommt dabei sehr auf den Kontext an.
      Kerzenlichte Grüße von mir zu Dir

      Gefällt 1 Person

  2. Herzallerliebst! Und so tröstlich auch für uns „Erwachsene“! Ich kenne viele Gründe, Angst zu haben, aber die kindliche Erfahrung, dass die Gesellschaft, die Zuneigung und das Wohlwollen anderer die beste Medizin ist gegen die Angst, die im Nu verschwindet, wenn „Du“ bei mir bist, die bleibt ja zu jeder Zeit der Kern des Geheimnisses, wie Angst sich auflöst und Kraft und Zuversicht daraus wird. Solche „Kindergeschichten“ sind dann doch mehr als das, sie erinnern an etwas zutiefst Wahres. Danke, liebe Ulrike, für deine schöne Präsentation dieser zauberhaften Geschichte.

    Gefällt 1 Person

    • Herzallerliebsten Dank, lieber Michael,
      für Deine zugeneigte Resonanz zum Siebenschläfer-Bilderbuch und für Deine Betrachtungen zur Angst und hilfreichen Möglichkeiten, konstruktiv mit ihr umzugehen.

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  3. Der kleine Siebenschläfer mit seiner Schnuffeldecke ist natürlich wieder so unerbitterlich niedlich, dass es einem fast ein wenig bange werden kann. 😉 Aber so ein klitzekleines winziges bisschen Angst braucht man ja hin und wieder im Leben, damit man überhaupt mutig sein kann. 😀
    In irgend einer Form ist das Thema ja ein lebensläufiger Dauerbrenner. Denn ein gewisses Unbehagen gegenüber dem Unbekannten kann einen ja immer mal wieder beschleichen.
    Die Leseprobe fand ich ausgesprochen köstlich. Wobei ich mich schon frage, wie der ganze Freundeskreis in diesem Schnuffeldeckenzelt Platz findet. Aber ich ahne schon, dass das an dieser Stelle nicht verraten wird… 😉

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  4. Auch ich bin begeistert, obwohl ich eine ähnliche Geschichte schon kenne. Aber von so viel Wärme-Liebe-Zuversicht spendenden Kinderbüchern kann man nie genug haben. Liebe Grüße, Barbara

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