Das kleine Museum

  • Ausgabe in sechs Sprachen:
  • Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch, Spanisch, Türkisch
  • Herausgegeben von
  • Alain Le Saux und Grégoire Solotareff
  • Moritz Verlag Neuauflage 2013  http://www.moritzverlag.de
  • 312 Seiten
  • Format: 16,4 x 16,6 cm
  • Fadenheftung
  • 16,80 € (D)
  • ISBN 978-3-89565-171-7
  • Bildwörterbuch ab 4 Jahren

B L I C K W I N K E L

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Bildwörterbücher für Kinder – auch mehrsprachige – gibt es viele, die meisten sind mit einem fröhlich-bunten, eher flächig-plakativen Malstil und einer thematischen Grup- pierung ausgestattet, die dem Spracherwerb und der Wortschatzerweiterung dienen soll.

Das vorliegende Bildwörterbuch zeigt nun keine ausdrücklich kindgemäß-stilisierten Ab-bildungen, sondern Ausschnitte aus echten Gemälden. Da es sich stets um gegenständ-liche Malerei handelt, wird dem Wiedererkennungseffekt nichts im Wege stehen. Und es ist gewiß eine Erweiterung des Wahrnehmungshorizontes, dem kindlichen Auge anschauliche Kostproben künstlerischer Darstellungsmöglichkeiten anzubieten.

Das Sachbilderbuch „Das kleine Museum“ ordnet 149 Begriffen 149 Bildausschnitte aus Gemälden zu. So finden wir u.a. gemalte Äpfel und Bananen, einen Bart, ein Brot, ein Buch, ein Cello, einen Dämon, ein Eichhörnchen, eine Eule, Feigen, Feuer, einen Flöten- spieler, ein Gesicht, ein Glas, Haare, Helm und Himmel, Kirschen, einen kleinen Jungen und ein kleines Mädchen, einen Kuchen, einen Knopf und einen Kuß, einen Mond, eine Maus, eine Muschel, ein Ohr, ein Pferd, ein Picknick, eine Schere, einen Spiegel, See- rosen, ein Segelboot und einen Schmetterling, Tiger, Tisch, Teller und Treppe, Weg und Welle, Zitronen und schließlich einen Zylinderhut. Die Malerpalette umfaßt u.a. Giovanni Bellini, Hieronymus Bosch, Paul Cézanne, Pieter Claesz, Eugène Delacoix, Albrecht Dürer, Vincent van Gogh, Katsushika Hokusai, Edward Hopper, Claude Monet, Piero della Francesca, Henri Rousseau …

Die Bildausschnitte stammen von Gemälden, deren Entstehungszeitraum vom 13. bis 20. Jahrhundert reicht. Jede Doppelseite zeigt auf der rechten Seite den Bildausschnitt, der den Begriff, der auf der linken Seite steht, illustriert. Der Begriff wird in sechs Sprachen und in großen Lettern aufgelistet; außerdem wird der Maler nebst Lebensdaten, der Titel des Bildes, und der Standort des Gemäldes (Museum, Privatsammlung etc.) genannt.

Solcherart kann man bei Kindern spielerisch und unaufdringlich Interesse an bildender Kunst, an unterschiedlichen Malstilen und an anderen Sprachen wecken. Gewiß machen die Bildhäppchen auch neugierig darauf, außer dem Ausschnitt noch das ganze Bild zu sehen – was unvermeidlich weiteren Kunstbuchkonsum provoziert. Dem kunstge- schichtlich gebildeteten Erwachsenen bietet dieses Bilderbuch beiläufig die Gelegenheit kennerisch, den einen oder anderen Bildausschnitt einem bestimmten Gemälde zuordnen zu können, ohne die entsprechende Information abzulesen.

Die Betrachtung dieses Bildwörterbuches dürfte bei Kindern ebenso den Sinn für unter-schiedliche Bild- und Farbsprachen und Malstile anregen wie für die Ausdrucksvarianten anderer Sprachen. Kinder, die ohnehin mehrsprachig aufwachsen, werden sich hier wohl besonders angesprochen fühlen.

Bei entsprechender musischer Aufgeschlossenheit, kann man dieses Bilderbuch auch schon jüngeren Kindern anbieten, denn „Das kleine Museum“ bietet mit seinen über- sichtlichen, malerischen Blickwinkeln einen unaufgeregten, kontemplativen Zugang zu Kunst und Weltwahrnehmung.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Sachbilderbuecher/Das-kleine-Museum-oxid.html

 

Die Herausgeber:

»Alain Le Saux wurde, wie sein Zwillingsbruder Philippe Corentin, in Paris (Frankreich) geboren. Dort studierte er an der Kunstgewerbeschule und arbeitete bald als Illustrator für Werbeagenturen und Zeitschriften. Seit Anfang der 80er-Jahre beschäftigt er sich mit Büchern für Kinder.«

»Grégoire Solotareff wurde 1953 in Alexandria (Ägypten) geboren. Sein libanesischer Vater arbeitete dort als Arzt des ägyptischen Kronprinzen und zahlreicher Würdenträger. Die Mutter, gebürtige Russin, war Malerin und brachte ihre Kinder schon früh mit Kunst in Berührung.
Seit Mitte der 80er-Jahre entstanden mehr als 120 Bücher, die in aller Welt übersetzt und gelesen werden. Das Spektrum seines Schaffens ist immens: Vom Badewannenbuch für ganz kleine Kinder über das Bilderbuch bis hin zum Roman ist alles vertreten.«

Querverweis:

Ergänzend bietet sich das Wimmelsachbuch „Wie kommt die Kunst ins Museum“ von Ondřej Chrobák, Rostislav Koryčánek und Martin Vaněk und dem Illustrator David Böhm an. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/07/22/wie-kommt-die-kunst-ins-museum/
Dieses anschaulich-großformatige Sachbilderbuch, vermittelt Kindern lebhaft, wie ein Museum funktioniert und wie interessant, bereichernd, kommunikativ und begegnungsvielseitig ein Museumsbesuch sein kann.

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27 Kommentare zu “Das kleine Museum

  1. Das hört sich mal wieder nach einem Buch an, das sich angeblich an Kinder richtet, wenn es auch in Wirklichkeit für Erwachsene ist, deren Allgemeinwissen zu wünschen übrig läßt 😊 (dazu zähle ich mich auch). 40 Jahre früher wäre besser gewesen, aber es ist nie zu spät!

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  2. Mir gefällt besonders die Mehrsprachigkeit. Es ist inzwischen der Normalzustand, dass Kinder von kleinauf mit vielen Sprachen konfrontiert werden. Ich erlebe das jeden Tag in der Kita. Kinder werden viel zu häufig unterschätzt. Danke für das Vorstellen dieses Schatzes, liebe Ulrike. Herzliche Grüße, Barbara

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    • Verbindlichen Dank, liebe Barbara,
      für Deine wertschätzende Resonanz.
      Ich stimme Dir zu – Kinder kommen inzwischen viel früher und häufiger mit Fremdsprachen in Berührung und dies kann durchaus geistig anregend für die aufgeschlossenen Kinderköpfchen sein.
      Herzensgruß auch von mir zu Dir

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  3. Das klingt wirklich ganz wundervoll, was ich hier lese, liebe Ulrike!
    Wie schön, daß Du dieses Buch vorgestellt hast.
    Liebe Grüße von Bruni

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  4. Aber hallo! Das ist doch endlich mal ein Kinderbuch das mit nur sechs Sprachen auch die minder sprachbegabten Kinder in keiner Weise überfordern dürfte. 😉
    Aber um die Sache etwas ernsthafter anzugehen. Es besteht hier – sehr wohltuend – eigentlich nicht der Verdacht, dass hier als Frühförderung kaschierte Frühforderung betrieben werden soll. Das Buch kommt mir eher vor wie ein Fest der Vielgestaltigkeit malerischer und sprachlicher Ausdrucksmöglichkeiten. So klein kömmt mir dieses Museum gar nicht vor. Sowohl die Themen als auch die malerischen Stilrichtungen zeigen eine großzügige Bandbreite. Dennoch zweifle ich nicht daran, dass das hier gebotene Viele durchaus die Lust auf noch mehr wecken kann.
    Was mich allerdings sehr überrascht, ist der Kontrast zwischen der von dir hier farbenreich geschilderten Vielfalt und der ausgesprochen „kirchenmäusigen“ Darstellung auf der Verlagsseite. Es ist zwar klar, dass eine „Bücherfeenrezension“ von einem anderen Kaliber ist. Aber hier ist die Diskrepanz schon enorm.

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    • Werter Maestro,
      herzlichen Dank für Deine lebhafte Zustimmung!
      Der polyglotte Aspekt dieses kleinen Museums harmoniert mit der anschaulichen musischen Bandbreite der Bildausschnitte. Deine feinsinnige Formulierung „ein Fest der Vielgestaltigkeit malerischer und sprachlicher Ausdrucksmöglichkeiten“ bringt es kurz und bündig auf den Punkt!
      Die von Dir angemerkte „kirchenmäusige“ Darstellung auf der Verlagswebseite hängt mit dem hohen Alter 😉 des Buches zusammen. Es ist anno 1994 erschienen und damals arbeitete man noch nicht mit Bilddateien, und deshalb gibt es auch keine weiteren Abbildungen – im Sinne einer den Kunstappetit anregenden Blickkostprobe. Deshalb habe ich auch keine zusätzlichen Abbildungen in meine Rezension einfügen können. Zwar hatte ich die ausdrückliche Erlaubnis des Verlages, einfach Buchseiten abzufotografieren, aber ich fange hier garnicht erst an, unprofessionelle Fotos einzuarbeiten – ich konzentriere mich ganz auf meine Bücherfeen-Formulierungskunst. 🙂

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      • Speziell bei so einem Buch wäre der heute häufig anzutreffende „Blick ins Buch“ auf der Internet-Seite freilich schon eine feine Sache. Aber aus der Perspektive moderner Netz-Auftritte ist 1994 freilich ein völlig anderes Zeitalter.
        Allerdings ist eben auch die Beschreibung primär eine Meisterleistung im sein-Licht-unter-den-Scheffel-stellen. Ganze drei Sätze – wobei der letzte Satz nur etwas aussagt, was man bereits auf dem Titelbild erkennen kann. So würde ich, offen gesagt, nicht das geringste Interesse für dieses Buch aufbringen (was doch jammerschade ist). Eine sehr hilfreiche und für den Verlag denkbar einfache Lösung wäre ein Link zu deiner Rezi. 🙂

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      • Ich stimme Dir zu, daß die Werbewirksamkeit der spartanischen Buchbeschreibung auf der Verlagswebseite minimal ausfällt.
        Vielleicht greift der Moritz-Verlag, sofern er hier aufmerksam mitliest, Deine Anregung auf und verlinkt auf meine Rezension oder zitiert zumindest einige Sätze daraus.
        Nachtschwärmerische Grüße von mir zu Dir 🙂

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    • In meiner Originalausgabe von 1994 gibt es keine Vielsprachigkeit,das hätte mich damals eher gestört. Neben der Abbildung steht nur gross in Deutsch der Begriff und winzig klein Künstler und wo sich das Bild befindet. Der didaktische Hintergrund lag im genauen Hinschauen, an zusätzliche Spracherwerbung dachte damals noch niemand. Das betrachte ich heute als Lockmittel, um ein Buch aus der Blacklist neu schmackhaft zu machen. Aber allein die Bildausschnitte lohnen das Buch.

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      • Das ist interessant. Wahrscheinlich hätte ich es als Kind geliebt mit dieser Mehrsprachigkeit. 🙂 Nicht unbedingt mit dem Gedanken an Spracherwerb, sondern einfach aus Interesse an der sprachlichen Vielfalt. Vom Konzept her finde ich es sowieso interessant, weil dies zusätzlich zu den unterschiedlichen Bildersprachen der Maler die kulturelle Vielfalt unterstreicht. Aber die sprachlichen Eigenheiten der „alten“ und der neuen Ausgabe sind ja eh ein Nebenschauplatz. Und die Hauptsache, die Bildausschnitte, werden auch für Erwachsene spannend sein. 🙂

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  5. Liebe Ulrike, seit dem erstmaligen Erscheinen in 1994 ziert es meine Kunstbuchsammlung, Tochter und der Enkel haben es bekommen, kunstbegeisterten Freunden haben wir es mitgebracht, es ist eine so spielerisch zauberhafte Idee und ein Lehrbuch für Alt und Jung und gerade diese Ausschnitte verführen zum genauen Hinschauen und man kann mit Kindern so schön auf die Suche vor den Originalen gehen – sei es im Museum selbst oder in Kunstbänden. Der damals noch junge Moritzverlag wurde für seinen Mut belohnt, denn dieses Buch wurde schnell verdient ein Verkaufsschlager. Ein ABC-Buch ist es ja auch noch.
    Ich freue mich sehr, dass Du es hier vorstellst und die Weihnachtszeit naht: ein Geschenk pur.
    Dir einen herzlichen Gruß, Karin

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    • Verbindlichen Dank, liebe Karin,
      für Deine begeistert-bestätigende Resonanz auf meine Buchempfehlung und Deine Berichte über die vielfältigen, spielerischen musischen Einsatzmög-
      lichkeiten, die das „Kleine Museum“ bietet.
      Ich habe dieses Buch erst kürzlich entdeckt, als ich nach Sachkinderbüchern gesucht habe, die sich für das Museum, in dem ich arbeite, eignen.
      Es ist schön, daß es Bücher gibt, die sich schon so lange auf dem Buchmarkt gehalten haben. Ich kann mir gut vorstellen, daß es in vielen Musentempeln zum Buchangebot des Museumsshops gehört.
      Einen ebenso herzlichen Gruß von mir zu Dir 🙂

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